Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 32-33 (19.8.1931)
- Date
- 1931-08-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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v i d Meldola, 1818 bis 1859 im Amte, hatte nur unbedeutende musikalische Gaben und war daher ohne Einfluß auf die musikalische Entwicklung und Gestaltung. Ehe er Borbeter des Tempels, u. z. erst 15 Tage vor der Einweihungsfeier! wurde, war er bis 1816 als Notar tätig, wie Dr. M. Jsler in seiner Schrift „Zur Geschichte des Notariats und der Notarien in Hamburg" mitteilt. — Sein Nachfolger, Dr. Phil. Joseph Piza, war neben Meldola schon seit 1855 im Amte, das er bis 1878 inne hatte. Auch seine musikalischen Kenntnisse waren nicht von Belang; außer einigen recht dilettantischen Arrangements trug er nichts zum Aufbau der Kultmusik bei. Hingegen wurden seine schöne tiefe Singstimm'e und der würdige Vortrag der deutschen Gebete hoch gerühmt. Er war neben seinem Amte ein bedeutender Journalist und 1863—1869 Bürgerschastsmitglied. Mit Moritz Heule zog endlich ein musikalischer Kantor in den Tempel ein und gleich einer der bedeutendsten. Er war ein Mann von erlesenem Geschmack und höchster Musikkultur. Sein wertvollstes gab er in seinen liturgischen Kompositionen, die zu den schönsten und feinsten unserer Literatur gezählt werden müssen. Sie sind leider viel zu wenig bekannt, verbreitet und gewürdigt. Seine Wirksamkeit im Tempel währte von 1879 bis 1912, wo ihn ein schweres Leiden zum Amtsrücktrrtt zwang. 1913 trat ich das Amt des Borbeters im Hamburger Tempel an. Meine Arbeit wurde leider bald durch den Kriegsdienst J914—1918 unterbrochen. Mein Ziel war die völlige Judaisierung unserer Kultmusik; daß diese Arbeit gelang, erfüllt mich mit Stolz und Befriedigung. Aus dem Hamburger Gemeindeleben Bon Rechtsanwalt Dr. Franke l, Hamburg. Die Zahl der in Hamburg lebenden Juden beläuft sich auf etwa 20 000; sie ist seit Jahren ziemlich gleich geblieben. Ein Zuwachs durch Einwanderung ist hier nur in verhältnismäßig geringem Umfange eingetreten, da die Behörden die Niederlassung von auswärtigen Juden nach Möglichkeit nicht zuließen. Die Juden sind in Hamburg in zwei Gemeindeoerbänden organisiert, eine Erscheinung, die auf historische Gründe zurückzu führen ist. Die ersten Juden, die Ende des 16. Jahrhunderts in Hamburg einwanderten, kamen aus Spanien und Portugal. Sie schlossen sich in der noch jetzt selbständig bestehenden portugiesisch-jüdischen Gemeinde zusammen. Die Zahl ihrer Mitglieder ist gering gegenüber der später von den deutschen Juden begründeten deutsch-israelitischen Gemeinde, die den überwiegenden Teil der hamburgischen Juden umfaßt. Die deutsch-israelitische Gemeinde in Hamburg ist eine Einheitsgemeinde von besonderer Struktur. Während im übrigen Deutschland die Gemeinden selbst den Kultus verwalten, hat die Hamburger Gemeinde seit dem Jahre 1864 die Ausübung des Kultus selbständigen Verbänden überlassen. Die Hamburger Gemeinde stellt daher keine Rabbiner noch sonstige Kultus-Beamte an; das ist Sache des jeweiligen Kultusverbaudes. Die verantwortlichen Träger der Gemeindepolitik sind stets auf die Erhaltung der Gemeinde als Einheitsgemeinde bedacht gewesen. So hat sich denn auch in unserer Gemeinde, der eine erhebliche Zahl von Orthodoxen strengster Richtung angehören, niemals das Bestreben zur Begründung einer Separatgemeinde gezeigt, wenn auch gerade in letzter Zeit bedauerlicherweise einige Absplitterungen erfolgt sind. Die Ausübung des Kultus erfolgt zurzeit durch drei von der Gemeinde anerkannte Kultusverbände. Diese haben zwar in Bezug auf die Gestaltung des Gottesdienstes, die Anstellung ihrer Geistlichen und Beamten, und im wesentlichen auch in Bezug auf ihre Finanzgebarung freie Hand; jedoch sind die Verbände als innerhalb der Gemeinde bestehende Organisationen anzusehen, denen die Gemeinde nur die kulturellem Funktionen übertragen hat. Die finanziellen Leistungen der Gemeinde an die Verbände bestehen in der lleberweisuug einer Quote derjenigen Steuern, die von den dem betreffenden Kultusverband angehörenden Gemeindemitgliedern eingehen. Darüber hinaus war sich aber stets die Gemeinde der Verpflichtung bewußt, gegebenenfalls weitere Leistungen finanzieller Art zu bewirken. Daß die Gemeinde bei besonderem Umfang dieser Leistungen ein Kontrollrecht in der Finanzgebarung in Anspruch nimmt, erscheint durchaus gerechtfertigt. Die drei Kuttusverbände repräsentieren die drei religiösen Richtungen im Judentum: der Synagogenverband verkörpert die orthodoxe Richtung, die Neue Dammtorsynagoge die mittlere Richtung, während der Tempelverband, wie bekannt, den liberalen Kultus pflegt. Dev Tempelverband hat für das liberale Judentum eine besondere Bedeutung; ist doch von ihm die Idee des religiösen Liberalismus ausgegangen. Er war die erste Kultusvereinigung, die eine Reform des Gottesdienstes einführte, die überall da zum Vorbild wurde, wo das religiöse Empfinden zu anderen Formen als den überlieferten drängte. Die Errichtung des neuen Tempels, dessen Einweihung jetzt bevorsteht, zeigt, daß der Tempelverband seine Aufgabe, den Gedanken des liberalen Judentums zu verwirklichen, auch in - Zukunft erfüllen wird. Der Bau des neuen Tempels war nur möglich dank der finanziellen Unterstützung, zu der sich die Gemeinde bereitgesunden hat. Die Gemeinde hat sich damit den Dank des Tempelverbandes und aller derjenigen erworben, die sich für das liberale Judentum einsetzen. Auck> im übrigen war die hamburgische Gemeinde sich stets der Verpflichtung bewußt, die Lebensfähigkeit der Kultusverbände zu gewährleisten. Neben dem Kultus hat die Gemeinde für die Unterweisung der Jugend in der Religion Sorge zu tragen. In dieser Beziehung war es in Hamburg in der Zeit vor dem Kriege, soweit die liberalen Interessen in Betracht kamen, überaus dürftig bestellt. Für die orthodoxen Belange war seit Jahrzehnten durch zwei Schulen gesorgt, von denen die Talmud Thora Realschule der Gemeinde zwar nicht untersteht, von ihr jedoch in erhMichem Umfange subventioniert wird, während die Mädchenschule als Gemeindeschule begründet wurde. Die letztgenannte Schule hat gerade in diesem Jahr durch die Uebernahme der Dr. Löwenbergschen Realschule für Mädchen und durch das Aufhören der bisher vom Synagogenverband subventionierten Mädchenschule in der Bieberstraße eine erhebliche Erweiterung erfahr-en. Die liberalen Vertreter in den Gemeindebehörden dürfen es als ihr Verdienst in Anspruch nehmen, daß die Gemeinde sich mit dem Problem des Religionsunterrichts befaßt hat. Das Ziel mußte sein, daß möglichst jedes jüdische Kind Religionsunterricht erhielt/ Dqzu erschien vor allem notwendig, d-aß der hamburyische Staat diesen Unterricht an den öffentlichen Schulen emführte. Trotz anfänglicher Widerstände, die sich innerhalb der Gemeinde gegenüber einer solchen Neuerung zeigten, ist der von den Liberalen gewünschte Weg beschritten worden mit dem Erfolg, daß der Staat an allen öffentlichen höheren Schulen, die von einer nicht allzu geringen Zahl jüdischer Kinder besucht wird, den Religionsunterricht eingesührt hat. Es wird jetzt an 7 öffentlichen Schulen von liberalen und konservativen Lehrkräften Religionsunterricht erteilt; außerdem noch an drei Privatschulen — hier ausschließlich von liberalen Lehrkräften. Daneben bestehen schließlich noch Religionsschulen, die die Gemeinde selbst und die drei Kultusverbände eingerichtet l-aben. Das Ziel, daß möglichst jedes jüdische Kind Religionsunterricht erhält, dürfte daher in Hamburg im wesentlichen verwirklicht sein. Daß die hamburgische Gemeinde auf sozialem und kulturellen! Gebiete umfangreiche Anforderungen zu erfüllen hat, bedarf keiner besonderen Hervorhebung. Die Gemeinde hat in den letzten Jahren den Rahmen dieser Aufgaben erheblich erweitert und zwar in einem Umfange, daß die Erfüllung aller Forderungen auf diesem Gebiete in der heutigen Zeit Wirt-! schastlicher Depression nicht unerheblichen Schwierigkeiten begegnet. Die wesentlichsten Fürsorge! nftitute, die die hamburgische Gemeinde unterhält oder subventioniert, sind: das Pflegeheim, das Waisenhaus, das Alienhaus und das Kindererholungsheim „Wilhelminenhöhe", das gleichzeittg den Zwecken eines Jugendlandheims dient. Die auf sozial-politischem Gebiete liegenden Probleme, deren Bearbeitung die Zeitverhältnisse den Gemeinden auferlegt, wie die Berufsberatung, Arbeitsvermittlung, Kredithilfe, werden entsprechend der Bedeutung, die diesen Fragen speziell in der heutigen Zeit zukommt, innerhalb der Gemeinde behandelt. In der letzten Zeit hat sich die Gemeinde auch dem besonders wichtigen Problem zugewandt, der geistigen und seelischen Not der jungen jüdischen Erwerbslosen nach Möglichkeit zu begegnen. Für das Gebiet allgemeiner Wohlfahrt, für Mittelstands- Hilfe und Jugendfürsorge werden regelmäßig erhebliche Mittel bereitgestellt. ' ' Der Jugend widmet die Gemeinde ihre besondere Aufmerksamkeit. Ein geräumiges Haus, das lediglich für die jüdische Jugend erworben wurde, hat verschiedene Kinderhorte ausgenommen und enthält Räume für Vorträge und Versammlungen. Die bisher ebenfalls dort untergebrachte Bibliothek der Gemeinde, die unter sachkundiger. Leitung steht und auch von nichtjüdischen Gelehrten vielfach in Anspruch genommen wird, mußte infolge ihrer ständigen Erweiterung — sie umfaßt bereits mehr als 18000 Bände — in einem anderen Hans der Gemeinde untergebracht werden. Die Jugend selbst laßt ihre Interessen durch die in das Jugendamt delegierten Vertreter der Jugendverbände wahrnehmen, dann aber auch durch ihre Vertreter im Repräsentanten-Kollegium. Bei der letzten Wahl iu dieses Kollegium hatten die Jugendlichen zum ersten Mal Gelegenheit, eigene Kandidaten aufzustellen, da das Wahlalter zur aktiven Wahl kurz vor Beendigung der voraufgegangenen Session auf 21 Jahre herabgesetzt war. Auf drei Listen (der der Liberalen, der Volkspartei und der Achduth) wareu Kandidaten der Jggend aufgestellt. Sie wurden sämtlich gewählt. Noch eine weitere Neuerung zeigte die letzte Wahl zum Repräsentantenkollegium: das passive Wahlrecht der Frauen. Die liberalen Vertreter waren es, die gegenüber starken Widerständen die seit langem berechtigterweise gestellte Forderung, den jüdischen Frauen nicht nur das aktive, sondern auch das passive Wahlrecht zu gewähren, durchgesetzt haben. Dagegen ist für die Ausdehnung dieses Wahlrechts auf die Wahl zum Gemeindevorsteher die dazu bei beiden Gemeindekörperschaften erforderliche qualifizierte Majorität noch nicht vorhanden, so daß die Erreichung dieses Zieles der Zukunft Vorbehalten bleiben muß. ' - Die Frauen, die auf der Liste der Liberalen und der Volkspartei aufgestellt waren (insgesamt drei), wurden sämtlich gewählt und leisten im Rahmen des aus 21 Mitgliedern bestehenden Kollegiums wertvolle Arbeit. Dem Ruf der Schleswig-Holsteinischen Gemeinden, sich mit ihnen zu einem Verbände zusammenzuschließen, hat die Hamburger Gemeinde sich nicht verschlossen. Der Verband der jüdischen Gemeinden Schleswig-Holsteins und der Hansestädte, der jetzt auch Oldenburg umfaßt, nimmt sich insbesondere der Kleingemeinden an, die dem Verbände angehören. Bildet es doch die wesentlichste Aufgabe dieses- Verbandes, leistungsunfahige Gemeinden in der Einrichtung und Aufrechterhaltung ihrer religiösen Institutionen zu unterstützen. Ein kurzer Ausschnitt aus der Tätigkeit in der Hamburger Gemeinde sollte mit obigen Ausführungen gegeben werden. Die besonders in den letzten Jahren erzielten Ergebnisse dürsten bewiesen haben, daß diejenigen^ die den Gedanken des liberalen Judentums zu vertreten berufen waren, sich für diese besonderen Belange tatkräftig einzusetzen bestrebt gewesen sind. Allerdings muß festgestellt werden, daß in den Reihen der liberalen Gemeindeinitglieder nicht immer die wünschenswerte Aktivität zu finden ist. Das zeigte sich insbesondere bei der letzten Wahl zum Repräsentanten-Koltegium, wo die liberale Liste nur 7 von 21 Mandaten erlangte, ein Ergebnis, das der Zahl der liberalen G«meindemitgliä>er im Verhältnis zur Gesamtmitglied erzähl nicht entspricht. Allerdings ist zu beachten, daß zu obigen 7 liberalen Vertretern noch drei weitere liberale Vertreter hinzukommen, die auf der Liste der Wirtschaftspartei gewählt sind, so daß sich der Anteil der Liberalen auf 10 Personen erhöht, die, wenn sie auch nicht die absolute Majorität haben, doch den stärksten Einfluß 'auszuüben in der Lage sind. Um das Interesse der liberalen Gemeindemitglieder für die Gemeindearbeit in stärkerem Maße zu wecken, hat sich unter Mitwirkung führender Persönlichkeiten aus dem Vorstand der Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum vor kurzem ein jüdisch-liberaler Gemeindeverein fort*' stituiert, der bereits eine ansehnliche Zahl von Mitgliedert!' umfaßt. Naäb dem von ihm veröffentlichten Programm hezweckt der Verein die Weckung und Förderung des Interesses der liberalen Kreise für die Gemeinde, die Heranziehung von Kräften für den Dienst in der Gemeinde und die Vertretung .liberaler Belange unter Beachtung und Würdigung der Gesamtverhältnisse. Diese neue Organisation soll den Liberalen denjenigen Einfluß sichern, der ihnen nach ihrer Bedeutung und ihrer Zahl innerhahlb der Gemeinde zukommt. Neben ihr wird die Ortsgruppe der Vereinigung für das' liberale Judentum nach wie vor sich der besonderen Aufgabe widmen, die Kenntnis von den Grundlagen des religiösliberalen Judentums zu vertiefen, sowie ihre Mitglieder über die Fortschritte der liberalen Bewegung in den deutschen Gemeinden und den außerdeutschen Ländern zu unterrichten Das Zusammenwirken beider Organisationen dürfte hie' Gewähr dafür bieten, daß dem liberalen Judentum in Hamburg der starte Stützpunkt, den es hier seit mehr als hundert Jahren gehabt hat, auch in Zukunft erhalten bleibt. Jüdischer Schulvereiu Bon Daniel Münden. Der Jüdische Schulverein in Hamburg ist vor dreizehn Jahren aus einem in der Gemeinde fühlbar gewordenen Notstand geboren. Das vielfach gepriesene Hamburger Gemeinde- System, dadurch gekennzeichnet, daß es die selbstäiüüge Pflege des Kultus innerhalb der Gemeinde dem Synagogenverband für den traditionellen und dem Tempelverband für den liberal eingestellten Gottesdienst übertrug, überließ die Sorge Dr den religiösen Jugendunterricht stillschweigend diesen Kultusverbänden. Unabhängig von den Kultusverbänden bestand zur Zeit, als der Kultus im Jahre 1864 den erwähnten Birbänden zur Pflege überlassen wurde, je eine Knabennutz Mädchenschule, die später von der Gemeinde subventioniert bezw. übernommen wurden. Beide Schulen trugen ausgesprochen konservativen Charakter; sie entlasteten den konservativen Kultusverband von der Sorge für die religiöse Unterweisung der Jugend im Betriebe der Schule. Für den liberalen Kultusverband fehlte jede Einrichtung für Unterrichtserteilung innerhalb der Gemeinde. Die von liberaler Seite unter Einfluß der Emanzipation als Simultan-Schule errichtete Stiftungsschule von 1816 blieb keine Stütze für jüdische Interessen. Durch Leitung, örtliche Lage und durch Versäumnis der Liberalen verlor sie allmählich das Interesse bei der liberalen Elternschaft. Sie verlor schließlich den jüdischen Einschlag bei der Schülerschaft und ist eine Unterrichtsstätte staatlichen Charakters geworden. Die liberale Jugend fand somit keine von der Gemeinde gepflegte oder unterstützte Lehrstätte. Die Art und der Umfang des Unterrichtes für die liberale Jugend blieb iu der Regel eine solche, die des autoritativen Charakters entbehrte und ohne schulmäßige Zielsetzung war. Die Unterrichtserteilung durch konservative Lehrkräfte, die sicherlich das Höchste anstrebten und ernstlich versuchten, sich dem Milieu anzupassen, aus dem die Schüler stammten, brachte die reifere Jugend letzten Endes in einen Gewissenswiderstreit zu dem Leben, das sie im Elternhause vor Augen hatten. Die Unterrichtserteilung, die durch liberale Lehrkräfte geschah, trug keinen behördlichen Charakter; sie vollzog sich in der Form des Einzel- und nur vorübergehend in der eines Grnppen-Uuterrichts. Dieser durch Jahrzehnte erteilte Prfivatuuterricht mag in Einzelfälten zu guten Lehrergebnifsen geführt haben, aber eine sortwirkende Gemeinschaftsgesinnung vermochte er bei der Mehrheit nicht zu erzeugen. Ein größeren Teil des Nachwuchses ging dem liberalen Eeil der Gemeinde und damit der Gesamtgemeinde im Laufe der Jahrzehnte verloren. Die Fortdauer der dargelegten Unterrichtsverhältnisse mußte notwendigerweise zu einer Schwächung der Hamburger Gemeinde und zu einer Verminderung der Kräfte führen, in deren Hand die Zukunft der Gemeinschaft liegt. Dieser Gefahr konnte nur begegnet werden durch Arbeit jüdischer Männer und Fraüen, die sich ihrer Verantwortung gegen- . über der Gemeinschaft bewußt waren. Die GemeindeleituM fühlte sich hauptsächlich als Verwalterin des Wohlsahrts- und des Begräbniswesens und empfand eine Scheu, die Besprechung von Fragen anzuregen, deren Lösung, weil angeblich auf dem Betätigungsgebiet des Kultus liegend, von einem Teil der Gemeinde bekämpft werden könnte. Ans der (Gemeinde heraus mußte das Verlangen kommen, der liberalen Familien entstammenden Jugend einen für den Gemeinschaftsgedanken Erfolg versprechenden Religionsunterricht zu sichern. Am 2. September 1918 versammelten sich Religiös-Liberale, Männer und Frauen, Mitglieder aus den drei von der Gemeinde anerkannten Kultusverbänden zu einer Äussprache über die religiöse Jugenderziehung in Hamburg. Be-, kannte Pädagogen, u. a. der hervorragende Leiter einer Ham? burger Privatschule, der erst vor zwei Iahten verstorbene und bi szu'seinem Ableben im Beirat des Jüdischen Schulvereins wirkende Jacob Loewenberg, beteiligten’ sich'’f> an der Äusspr ache. Die Versammlung erklärte die Unterricht^- frage für eine /der!.wichtigsten Fragen, die innerhalb"der// Hamburger Judenheit eine Lösung verlange. Die Gemeinde-; entwicklung erfordere schon seit Jahrzehnten eine Ausdehnung des religiösen-Untevrichtswesens aus die Kreise, die durch dievochandenen Einrichtungen nicht erfaßt werden. Die Fort- : d au er des bestehenden Zustandes gefährde die Zukunft'der ' Gemeinde. — ' ' : J Die Gründung des Jüdischen Schulvereins wurde be- " schlossen ,uM einen Sammelpunkt für diejenigen zu schaffen, die gewillt waren, die Anterrichtsfrage einer Lösung entgegenzuMrey, Gleichzeitig wurde beschlossen, eine Relrgionsschule ’ einzurichhen und sie zu erhalten, bis ein für die ReiligiösZ! Liberalen vollgültiger Unterricht unter Einschluß des ch'ehra-, ischen -an den öffentlichen Schulen eingeführt wordene sei. v Am 21. November 1918 wurde der Jüdische Schulvereiu-' von 208 Gemeindemitgliedern in einer Gründungs-Versammlung ins Lebett gerufen. Der erste Schritt zur 'Anbahnung einer Neuoritznljerüng in der Gemeinde in Bezug auf da'ff'''' Unterrichtswesen war damit getan. Vorstand und Beirat des Jüdischen Schulvereins bildeten in ihren Zusammenkünften,. ein gar zu lange in der Gemeinde fehlendes Forum, vor dem das Problem der jüdischen Jugenderziehung sachlich erörtert und seiner allmählichen Lösung entgegengeführt werden -1 konnte. Der Aufbau der Religionsschute wurde sofort in Angriff genommen. Ihrer Entwicklung stand, wie nicht zu verwundern war, die Neberwindung mancher personeller Schwierigkeiten und solcher Hemmungen entgegen, die ihre Ursache in der Einstellung :eines Teils der Elternschaft gegenüber einem neuzeitlichen Religionsunterricht hatte. Unter der Führung besonders.geeigneter Schulleiter und unter Mitwirkung eines hingebungsvollen Lehrkörpers gelang es, das Schulwerk schrittweise auszubauen und es zu einer Einrichtung zu gestallten,, die innerhalb der Gemeinde schon nach wenigen Jahrew - als etwas Sflbstverstaudliches empfunden wurde. Da ein größerer Teil der Jugend durch den Nachmittags-Unterricht der Religionsschule nicht erfaßt werden konnte, so beschloß der Jüdische Schulvereiu durch eine Eingabe vom 4. April 1924 an den Gemeindeporstand, die Einführung des Religionsunterrichts an den staatlichen Schulen bei der Hamburgischen Unter-/ . richts-Behörde z^l beantragen. Der Schulverein mittler- , weile in diejenigen Privatschulen, die von einer größeren; Anzahl jüdisches/Kinder besuch t wer den, seinen Unterricht hin- ,, : eingetragen. Der Teilnahme jüdischer Schüler am christliches Religionsunterricht in diesen Schulen war damit wirkungsvoll begegnet worden. Mit der Ausdehnung des- Arbeitsfeldes, ' die schließlich zu der Einführung des' langrntbehrt'e'n