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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-04-08 · 14 (8.4.1931) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
14 (8.4.1931)
Date
1931-04-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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digcrs“, der drei biblischen Bücher, die von der jüdischen Tradition Salomo zitgeschrieben werden. Flegs „Salomo“ ist ein entzückendes Buch, das gewiß seinen Weg in das jüdische Haus finden und den Erwachsenen wie der Jugend genußreiche Stunden bereiten wird. Es wäre zu wünschen, daß der Dichter auch die anderen großen Gestalten unserer Geschichte im Bilde der Sage und Legende zu nettem Leben erweckt. Prof. I)r. (i o I i n s k i. Ge^HäfNiHes Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß bei dem bekannten Jigarrenhause Cdto Bocnilke heute noch zu außerordentlich flünftifini Preisen die rühmlichst bekannten Boennicke Zigarren erhol kl icb siiic». Es empiu'tjlt sich daher, baldm-glichst den Bedarf an Zigarren zu decken, da infolge der enorm hohen Treue rerhöhung die Preise demnächst erhöht werden müssen. r r Aus der Jli-Vewegung Veranlworll.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Zugendvereine Deutschlands r Redaktion: Dr. Ellen Littmann, Berlin t r ♦♦♦♦♦♦♦♦♦«>>♦ ♦♦♦♦♦+»4t4»»4»M»4M»«4»«444+»4»4»4444»»4+»«MO»»«»»»»44»»«»»444444> Erziehung zur Gemeinschaft Von Adolf M a r c u s r, Jli Berlin. Ute erziehe» uni den junge» Menschen, oci ungefähr im Aller von 12 bi: 17 Iah reu steht, zur Gemeius.chaft? Tie: ist eine der schwierigsten und wichtigsten Fragen, die sich ein Bund vor.zulegen' hat, weit Erziehung zur Gc.iteitrschnil ihm ein Hailpizick sein sollte. Eine 0) e in c i n s rh a s 1 b i i b e n, h e i fU eine u „ mittel o a v e B ezie h n n g s ch a s s e n z lv i s eh e n Ar e n s d) e n, die eine b e st i in m t c A n s gäbe z n e r füll e n haben. Tanatürliche Verhalten der Menscheu untereinander bildet einen wesentlichen Beganoteil der Gemeinschaft. Nur durch natürlichen Umgang miteinander kommen sich die jungen Menschen näher, lernen sich kennen und rönnen dann da: Tun und da: Denken de: Kameraden verstehen. Völlige Erneuerung de: Menschen ist dazu nötig, ihn sortznbringe» von seinen egozentrischen Anschauungen. (Gerade der In genduehe in »st 'wieder lernen, für den anderen einzustehen, ohne dabei auf sich selbst Rücksicht zu nehmen. Wenn die Umniltelbark-.il zwischen den Menschen geschaffen ist, so gibt cs auch in der Gemeinschaft kein Ueberordnen, sondern nur ein Einordnen, bei dem aber da: „Ich" nicht unterdrückt werden darf. Durch da: Einordnen wird auch die Rolle de: Führer: bestimmt. Er darf nicht diktatorisch in seiner Gruppe schalten und walten. Er ist nur ein Glied in der Zette, aber ein Glied, da: ans seine Kameraden erzieherisch in jeder .Hinsicht einzuwirken hat. Nicmal: aber wird Ge meinfchast geschaffen werden, wenn der Führer zu in Borgesetzten tvird, weil Einordnung Voraussetzung zur Bildung einer Gemeinschasl ist. Tic Ausgabe ist der andere wesentliche Bestandteil der Gemeinschaft. Wie z. B. der „Jli" die Aufgabe hat, um: zu religio: liberalen jüdischen Menschen zu erziehen, so muß '-'de Gemeinschaft eine bestimmte Aufgabe haben, die aber rchau: nicht immer eine Idee zu sein braucht. Für uns lsteht nun die Frage, ob wir bei der Erziehungsarbeit Bund mit der Ausgabe zuerst einsetzen sollen, oder ob lvir u jungen Menschen erst zn der Unmittelbarkeit bringen sol- ,i, um ihn dann vor die Ausgabe zn stellen. Nach meiner Meinung besteht, lvenn wir mit der Aufgabe als gemeinschaftsbildendcs Erziehungsmittel beginnen, sehr leicht die Gefahr, daß aus dem Jugendlichen der Julellektuelleutyp wird, den wir alle kennen, der Jntellektuellenthp, der niemals der natürliche Mensch sein kann, der die Voraussetzung zur Gemeiuschaft ist. Wohl kann die Ausgabe auch verbindend wirken, aber nur sehr selten verbindend zu einer wahrhaften Gemeinschaft. Deshalb, glaube ich, sollen wir das unmittelbare Verhältnis der jungen Menschen untereinander erstreben; und dann erst den Jugendlichen erziehen zu der bestimmten Aufgabe. Wie schaffen wir nun dieses unmittelbare Verhältnis? Ter Bund muß ein Zusammenleben der jungen Men scheu fördern; ein Zusammenleben unter gleichen Lebensbedingungen, so daß die jungen Menschen auch gleiche Erlebnisse haben können. In der Praxis wird das am besten durch Fahrten erreicht. Gerade auf einer Fahrt, bei der man mit der Natur auf da: engste verbunden ist, wird das natürliche Verhalte» der Jugendlichen zueinander geschaffen. Ans dem Verbundensein mit der Natur entspringen Natur erleb»isse, die mehr al: jedes andere Erlebnis die Mensche» zur Gemeinschaft verbinden. Ans einer Fahrt lernt man auch das „Ich" nicht in den Vordergrund zn schieben und so praktisch seine Hilfsbereitschaft am Kameraden zu beweisen. Und all da:, daS gleiche Leben, die gleichen Erlebnisse, das Verbundensein mit der Natur, das schafft Gemeinschaftsgefühl. Wenn nun die InngenS und Mädel: dieses Gemeinschasts gesühl besitzen, dann ist der Anfang der Gemeinschaft schon grschassrn. Doch um die Gemeinschaft zn befestigen, ist es nötig, daß der Jugendliche seine persönlichen Nöte mit den .Kameraden und dem Führer besprechen kann. Zwei Fragen sind es in der Hauptsache, die deu In aendlichen stark bewegen: die soziale und die sexuelle Frage. Unter der sozialen Frage verstehe ich einmal die häuslichen materiellen Verhältnisse, auch Schwi-rigkeilen in der Berufswahl, mit denen der junge Mensch heute zu kämpfen hat. Tann aber ist heute die Stellung von Eltern zu Kindern, vom Vorgesetzten zum Untergeordneten, wie überhaupt die Stellung vom Aelteren zum Jüngeren vielen Jugendlichen noch vollkommen unklar, so daß er sich im Bund darüber Klarheit verschaffen will. Letzthin ist es noch die ungerechte Verteilung der Güter, die der Jugendliche nicht versteht und nicht verstehen kann. Und auch hier wiederum muß der Bund versuchen zn klären und zu Helsen. Deshalb sollen neben der Fahrt noch Heimabende mit derartigen Themen stattfiu den. Gerade wenn sich die Jungen und Mädel untereinander über alle diese, sie alle in gleichem Maße bewegenden Probleme aussprechen können, tvird die Gemeiuschast befestigt. Noch ivichligcr erscheint mir die Behandlung der sexuellen Frage. Doch dazu müssen wir eine Vorfrage stellen. Geht es, daß wir über diese Frage gemeinsam vor Iungens und Mädels sprechen? Wenn wir die sexuelle Frage mit Iu gcndlichen besprechen, die nicht durch eine Gemeinschaft verbunden sind, so ist oft eine gewisse Befangenheit zwischen ^en Geschlechtern zu bemerken. Diese Befangenheit fortzu- . ingeu, muß die Gemeinschaft durch die unmittelbare Be- .ehuug unter den jungen Menschen zu erreichen versuchen, ich gebe zu, es wird nur in wenigen Fällen gelingen. Gegt cs, dann sollen wir gemeinsam beraten, um ein gegen- F'-iges Versteh.-n und ein gegenseitiges Kennenlernen zu er- . .glichen. Weicht die Befangenheit nicht, so sollen die Junn's unter sich und die Mädels unter sich über die sexuelle Frage sprechen. Doch etwas ist Voraussetzung: die sexuelle Frage darf nicht als Progrannnpunkt aufgestellt werden; sie muß sich von selbst im Lause eines .Heimabends ergeben. Zu erkennen, wann der gegebene Zeitpunkt dazu gekommen ist, ist Sache de: Führers. Daß die sexuelle Frage für den Einzelnen bei einer solchen Besprechung immer geklärt wird, glaube ich nicht. Fest steht jedoch, daß solch ein Aussprechen sehr erleichternd ans den jungen Menschen wirkt. Noch viele andere Konflikte gibt es für den jungen Menschen, bei deren Lösung der Bund helfend Mitwirken kann. So möchte ich nur kurz die religiöse Frage streifen, die gerade sär uns im „Jli" sehr wichtig ist. Biele Jugendliche kommen heute dazu, Gott zu verneinen, weil kein Mensch dem Junge» oder Mädel in dieser Frage geholfen hat. Ost kommt durch streng«' dogmatische Erziehung diese unbedingte Negierung Gotte:, weil der Jugendliche mit dem Dogma nicht: mehr ansangen kann. Gerade der „Jli" hat die Pflicht, diesen, jungen Menschen zn Helsen und ihn zur wahrhaften Religiosität znrnckznsühren. Aber erst, wenn mir den jungen Menschen vollkommen erneuert haben, ihn zu einem natürlichen, nicht mehr egozentrisch denkenden Menschen erzogen haben, und wen» ihm in seinen persönlichen Nöten geholfen tvird, erst dann können tvir mit der Erziehung zu einer Ausgabe beginnen. Dann aber werden wir auch die befestigte, wahrhafte Getneiitschask haben. Stellung der Jugend zum Gottesdienst Sehr viele junge Menschen tveitden sich heute von der Religion ab, die einen au: weltanschaulichen Gründen, die andern aber aus Indifferenz. Der Jugend, die nickst int frührsten Alker an den rege'.mästigen Besuch de: Gottesdienstes gewöhnt ist, wird es oft schwer fallen, lebendiges Bechäilnis zutu Gottesdienst zn gewinnen. Interessiertere Jucrendliche werden sich wohl die Frage stellen: ist nicht der Geiueiudegottc:dieiist mehr oder weniger überflüssig? Kanu nickst jeder für sich allein beten, ohne Kantor und ohne Orgel? Gewiß, man kann einen Gottesdienst für sich allein abhalten, vielleicht sogar mit mehr Innerlichkeit, als e: im Gemeindegoltesdienst der Fall zu sein braucht. Aber, hat man nicht ittt gemeinsamen Gotte:die»st da: beglückende Gefühl der Zusammengehörigkeit? Da: ist es ja gerade, tva: einem den Gemeindegoltesdienst wertvoll inacht, oder machen soll. Das Gefühl der Gemeinsck)afl und der Verbundenheit ist aber bei sehr vielen unserer Glaubensgenossen zumindestens eingeschlafen, vielleicht dadurch, daß die Form des Gottesdienstes ihrem religiösen Bewußtsein nicht mehr entspricht. Hier aber wäre es falsch zu sagen: Das Individuum hat sich nach der Gesamtheit zu richten. Wenn man sich erst einmal darauf versteift, die Gemeindemitglieder müssen mit der vorgeschriebemeu Liturgie zufrieden sein, dann wird sich wohl in baldiger Zeit die Zahl der Andächtigen beträchtlich reduzieren. Natürlich kann man sich nicht nach jedem Einzelnen richten, aber auf die Stimmung weiter Kreise muß Rücksicht genommen werden. Nur dann, wen» der Gottesdienst in fortschrittlichem Sinne ausgcstaltct ist, kann es gelingen, die indifferenten Massen zn erfassen. Das gerade ist ja eine der Hauptaufgaben des jüdisch-religiöse» Liberalismus, die Gleichgültigen dem Glauben wieder zuzuführcn. ES besteht gar lein Zweifel, daß auch unser heutiger^ liberaler Gottesdienst innner tvieder der Umgestaltung bedarf. Bielen wird cs nicht mehr möglich sein, sich am Jaum Kippur den ganzen Tag ans deu Gottesdienst zu konzentrieren. Ein sehr wichtiges Gebot ist, daß die Gebete in deutscher Sprache vorgetragen werdet! müssen. Ei» jeder Beter muß die vom Norbeler gesungenen Stücke verstehen und in sich aufnehmen können. Das; nur die Gebete gesprochen werden dürfen, die dein Gefühl des Andächtigen nicht widersprechen, bedarf keiner besonderen Erwähnnttg; deshalb keine Bitte um Wiedereinführung deck Opfer: und um die Zurückfnhrung aller Juden nach Zion. _ Mir persönlich gibt auch der Schofarton nutzt:. Ans alle Fälle aber sollte man es vermeiden, den Schosar int Jugendgvttesdicnst ertönen zu lassen. Gewiß hat der Schofar einen Sinn: Im Hauptgvtlesdienst soll er die, die sich zur Selbstbesinnung nicht aufrasfeu können, aus ihrer Ruhe reißen, int Jugendgottesdienst aber ist das Blasen ein Akt der allgcineinen Erheiterung und ein Anlaß zur Kritik. Gerade der Jugendgottesdienst'bedarf einer besonderen Neugestaltung. In einigen Gemeinden gestaltet sich die Jugend ihren Gottesdienst selbst; das muß allgemeine Forderung tverden. Thoraaushcbcn und Thoravorlesung muß durch die Jugend selbst geschehen. Auch die Ansprache wußte, wie es zuweilen in der'Reformgemeinde geschieht, von Laien und von Jugendlichen gehalten werden. Bei uns in Breslau, das muß ich bedauerlicherweise gestehen, erfreut sich der Jugendgottesdienst keinerlei besonderen Beliebtheit. Die Gottesdienste sind ohne Zweifel immer gut besucht, aber das hat auch seinen Grund. Es wird von der Religionsschule aus (auch von der liberalen) ein sanfter Druck auf die Schülerschaft ausgeübt. Versuchen wir, unfern Gottesdienst immer wieder neu zu gestalten, damit die Stunde der Ättdacht für jeden Betenden eilte Stunde wahrer Weihe bedeutet. Hans H a m m c r, Jli-Breölau (Jüngerengruppe), Mitglied der Reformjugend (Berlin). * Berlin. (Scbetfcicr de r Jngendgcmeinschaft der Jüdischen R c f o r m fl c m e i it b c.) Am Freitag, dem 3. April, hatte die Jugcndgeinciiischast der Jüdischen Resormzemeinbe ihren diesjährigen Sederabeird im Restaurant Berg in der Charlottenstraß«. Aus der Ili-Arbeit Ueber 60 Mitglieder der Jugendgemcinschaft hatten sich eingefundcn, um dieses rein familiären Charakter tragende Fest gemeinsam zu feiern. Herr Rabbiner Dr. Lehmann, der die Leitung des Abends liebenswürdigerweise Übernommen hatte, zeigte in danke,isnxuter und vorbildlicher Form durch die freie, modernem Empfinden cingepaßte, selbstverständlich in deutscher Sprache vorgetragene Hagadarruslegung, daß gerade der Sederabeird ein Festabend ist, der in seinen Grundgedanken »ind Grundproblemen noch für den heutigen Menschen voll lebendigster Kraft ist, dessen soziale Forderungen gerade in diesen Tagen wieder volle Bedeutung erlangt haben und dessen .Hosfnungen und Erwartungen auch die Hoffnungen und Erwartungen unserer Zeit sind. Die musikalische Umrahmung des Abends, die teils aus Freitag-» abendmelodieu, teils aus Peßachgesängen bestand, die durch di« Schallplatten der Reformgeineindc in vollendeter Weise wiedergegieberr tvnrdcn, gab der ganzen Feier ein so würdiges und festliches (Kepräge, daß der Abend bei allen Teilnehmern gewiß einen liefen und nachhaltigen Eindruck wahrer und innerer Feierlichkeit, wie wir ihn heute leider nur noch zu selten empfinden, zurückgelassen haben wird. Berlin. (Gruppe L i i v a N e n ch a r l O I t e II b n r g.) Die Gruppe arbeitete in den letzten Heimabenden ohne ihren Führer. Wir beschäftigten uns in der Gruppe, angeregt durch den Vortrag von Julius Bad „Die Jude» und der deutsche Geist" mit dem Problem: Religions-, Kultur und Volksgemeinschaft im Judentum. Nachdem wir die einzelnen Begriffe definiert hatten, ergab sich in der folgenden Diskussion, daß die Mehrzahl unter uns die Bindungen der Juden in den verschiedenen Ländern nicht lediglich in der Religionsgemeinschaft sieht,_ sondern noch weilergehende geistige Brzie-- hnngen auecceunl. Besonders iiuube das Bestehen einer jüdischen Voltsmiisi! genannt, womit nicht synagognlc Musik gemeint war. Anderer sei is wurde allgemein unsere Verbundenheit mit'der deutschen Kultur besaht. Die Diskussion ergab ferner, daß ein Teil von uns durch starkes Angteichen a» das Deutschtum nur noch wenig Verständnis für die hauptsächlich in Osteuropa noch lebendige jüdische Kultur zeigt. Diejenigen, die die jüdische Kultur als wertvoll bejahten, betonten die Gefahr ihres allmählichen Unterganges uns glaubten, daß sie durch ein geistiges Zentrum in Palästina erhallen tverden könne. Attslau. (I! i - H a n p l g r u p p e.) Am 7. April se icrlen wir iin „Schlesischen >tzof" unser nun schon traditionelles Purimfest. Aach einer kurzen Begrüßung durch Erich Vulkan widmete man sich eifrig dem Tanz. Eiu von Heinz Brotzen ciußudiertes Theaterstück wurde mit großer Freude ausgenommen, zumal da es durch die von Ruth Tichauer verfaßten Chanson: ganz besondere Aktualität erhielt. Am immun, dem 22. März, fanden wir nns zu einer ernsten Morgenfeier zusammen. In ihren, Mittelpunkt stand eine Ansprache von Wolfs Davidsohn über: „Sinn und Wert des Lebens", die weit rüber den Rahmen einer Weiherede hinausgehend die Lebens und WeUanschaunug eines religiösen Juden darstetlte. Für uns Juden, so sühr:e der Redner aus, ist der Sinn unseres Lebens in unserer Religion gegeben, die durch ihre Lehren einen riesen Glauben an das Leben begründen will. Die vplimistische Lebeiisanschaiuing des Juden- 11,111-: wende! sich gegen den Materialismus iu jeder Form. Mit dem Makerialisuius habe sich das Judentum immer nuseinanderzusetzeu gehabt, auch wir mügeu ihm heute begegnen in unserem Kainpf für daS Ideal. Das Ideal, das unser Leben und Sein erfülli, ist religiös,' von Gott allein kommt unsere Kraft. — Von demselben Geist tvie die Ansprache war auch das Gebet am Ende der Feier erstittt, das Gott um Kraft bat, unser Leben unseren jüdisch religiösen Idealen entsprechend zu gestalten. Durchschlungen ivar die Feier von religiöser Musil ^deutscher Komponisten, die in ihrem gesanglichen Teil von Hen-n Studienassessor Josef Hirsch meisterhaft vorgetragen wurde. — Mit der idealistischen Weltanschauung des Judeutuins konnten wir uns auch anläßlich des Vortrages von Frau Dr. Meidner über Werke moderner jüdischer Autoren beschäftigen. Von der Frage aus gehend, mit welchen Büchern mau sich in einem Vortrag auscinandersetzen müsse, ordnete die Refereutin die Bücher in drei Gruppen: das aktuelle, das symbolische und das künstlerische Buch. Alle drei Arten behandelte Frau Dr. Meidner in ihrem Bortrag. Ms bedeutendsten Schriftsteller der ersten Gruppe lernten wir Jtja Ehren-- bürg kennen. Ehrenburgs Bücher sind eine heftige Anklage gegen die herrschende mechanistische Weltanschauimg. Ucberall sucht ec Menschen, die noch wahrhafte Kultur haben. Eine besondere Eigenart erhalten Ehrenburgs Werke noch durch seinen rein idealistischen Kommunismus. — Ein Mensch, wie ihn Ehrenburg sucht, ist Kafka. 5iaskas Werke, im magischen Realismus geschrieben, sind uns erst durch die Erläuterungen Brods verständlich geworden. In seinen Nomanfragmentcn: „Das Schloß" und „Der Prozeß" verbirgt Kafka unter scheinbar ganz einfachen Erzählungen die Lehren Kicckegaards. — Als Beispiel für ein rein künstlerisches Buch wählte Frau Dr. Meidner den Roman „Hiob" von Roth. Da der Charakter dieses Buches besonders umstritten ist, setzte sich die Refereutin zuerst mit den Angriffen gegen diese« Buch auseinander und zeigte uns vor allen Dingen, daß die innere Wahrheit der Erzählung durchaus erhalten bleibt. In der Diskussion sprach man besonders über die Entwickelung einer neuen idealistischen Weltanschauung und über die Frage, ob es eine tlipisch jüdische Literatur gibt. Das Ili-Programm Beriiu. Semeinfame Veranstaltungen. Bunter Abend am Sonnabend, dem 13. April, abends 8 Uhr, bei Seligsohn, Grunewald, Douglasstraßr 39. Ausführung der Komödie „L'anglais lel qu'on le parlr" („Sv sprich! man Englisch") von Tristan Bernard; Regie: Bruno Sommerfeld. Ordentliche Mitgliederversammlung am Sonntag, dem 26. April, vormittags 19.39 Uhr, Rosenstraße 2-4. Aellerengruppe. — Am Donnerstag, drin 16. April, abends L Uhr, Heimabend bei Ellen Liltmann, Charlottenburg, Neue Kantstratze 6. Thema: Fran» zösischr Revolution. Oliva und Reu-Charlottenbvrg. Heimabend am Donnerstag, dem 9. April, abends 9 Uhr, bei Rose Seligsohn, Grunewald, Douglasstraße 39. Hermsdorf. Heimabend am Mittwoch, dem 8. April, abends 8 Uhr, im Heim, Albrechtstraße 19. Thema: Antisemitismus. Am Dirnstag, dem 14. April, abends 8 Uhr, im Heim, Albrechtftraße 19. Panlow-Ostrn. Heimabend am Donnerstag, dem 9. April, abends 8.15 Uhr, bei Hilde Saphir, Krausnickstraße 15. Thema: Plato, Phadon. Westen. Heimabend am Montag, dem 13. April, abends 8 Uhr. bei Hrlmat Galliner, Charlottenburg, Sybelstraße 19. Breslau. Jüngeren-Kruppe: Donnerstag, den 14. April, 29 Uhr: Bvr« trag von Franz Meidner: „Die Juden und der deutsche Seift", Jüngsten-Gruppe: Montag, den 13. April, um 16 Uhr, im Jugeudheim. Liegnih. Mittwoch, de« 15. April: „Das Judentum und die Juden"» Vortrag von Duber, gelesen von Manfred Haasr.

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