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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-04-01 · 13 (1.4.1931) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
13 (1.4.1931)
Date
1931-04-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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hier wahrheitsuchenden jüdischen Manschen den Weg zur Erkenntnis dessen, tvnS unserm Leben höchsten Inhalt und Wert verleiht. Und er tut es mit Freimut, Konsequenz und einer schlichten Sachlichkeit, die überzeugen und nicht überreden will. Sr» wie hier hat Gutmann selbst im Parteikamps die Echtheit seines Ringes nur mit Mitteln zu erweisen gesucht, die seiner und der Sache würdig sind. Nie wäre es ihm eingefallen, in seiner Schule auch nur den leisesten Gewissenszwang zu dulden. Die Achtung vor der werdenden Persönlichkeit des Schülers liest ihn mrd seine Lehrer nicht vergessen, dast sie als unsers Herrgotts Gärtner den jungen Menschenpslanzen alle Wachst umsmöglichkciten, deren sie bedürfen, verschaffen sollen, um cs dann ihnen selbst zu überlassen, wozu sie ihrer gesunden Eigenart gemäß sich entwickeln werden. In seiner umfangreichen öffentlichen Tätigkeit hat sich Gutmann eine Eigenschaft bewahrt, die bei einem Beamten in leitender Stellung doppelt wohltuend berührt: eine schlichte Einfachheit, die keine künstliche Schranke und kein hohles Pathos kennt. Tie Forderung des Propheten: „in Demut wandeln mit deinem Gotte!" hat Gutmann ui vorbildlicher Weise erfüllt. — Schlicht natürliches Menschentum, warmes Mitempfinden mit allem, was Mcnschenantlitz trägt, und der Wille, diese unvollkommene Welt besser zu gestalten, charakterisieren ihn und seine ihm gleichgesinnte Lebensgefährtin. Am 31. März tritt nun Joseph Gutmann in den Ruhestand, aber nicht, um auszuruhen, sondern um seine unermüdliche Arbeitskraft neuen Ausgaben zuzuwendeu. Mögen ihm auch im weiteren Schassen innere Befriedigung und dankbare Anerkennung in reichem Maße beschieden sein! Aus der Bewegung Augsburg. (Vortrag und Generalversammlung.) Die hiesige Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum veranstaltete am Montag, 30. Mürz, ihre Mitgliederversammlung, welcher ein Vortrag des Herrn Justizrat Eugen Gunz (Augsburg): „Recht und Macht, eine zeitgeschichtliche Betrachtung", voranging. > Ausführlicher Bericht wird in der nächsten Nummer folgen. j Berlin. Am 23. März 1931 fand im Friedrichssaal des Landwehrkasinos am Bahnhof Zoo eine Mitgliederversammlung der Bezicksgruppc Eharlottcnbucg-Ost des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin statt. In Vertretung des am Erscheinen verhinderten Vorsitzenden, Herrn Alfred Jaulus, eröffnete Herr Moritz Schloß die Versammlung und begrüßte zunächst die Erschienenen. Sodann gab er den Geschäftsbericht über die Periode 1930/31, in dem er über die Mitgliederbewegung und die in dieser Zeit erfolgten Veranstaltungen referierte, ebenso über die Wahlerfolgie in den einzelnen Bezirken. Nach der nunmehr erfolgten Neuwahl des Vorstandes setzt sich dieser wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender: Alfred Jaulus, 2. Vorsitzender Moritz Schloß, 3. Vorsitzender Ernst Kohn; Schriftführerin: Frau Cilly Jaffe; als Beisitzer wiedergewählt: Tr. Jacques Abraham, Regicrungsrat Dr. Ludwig Berliner, Rabbiner Tr. Gallincr, Karl Jandorf, Bruno Kontorowicz, Siegmund Salinger, neu hinzugewählt: Heinrich Kurtzig, Dr. Ernst Sostheim. Nach Beendigung des geschäftlichen Teils erhielt Herr Tr. Swarsensky das Wort zu seinem Vortrag: „Was bedeutet die Religion dem modernen Menschen?", der in seinem wesentlichen Inhalt an anderer Stelle dieses Blattes abgcdruckt ist. Nach den mit außerordentlichem, Beifall ausgcnommenen Ausführungen, für die der Vorsitzende .Herrn Dr. Swarsensky den herzlichsten Dank aussprach, erfreuten Herr Dr. Salomonski und die Konzcrtsängcrin Fräulein Elisabeth Lee die Zuhörer mit verschiedenen Gesangsvorträgen meist ernster, zum Teil auch heiterer Musik. Die Darbietungen, begünstigt durch die schönen Stimmen und den verinnerlichten Vortrag, standen ans künstlerischer Höhe. Tie Begleitung, die sich den Künstlern verständnisvoll an schmiegte, lag in den Händen von Frau Lili Goctz. Lebhafter Beifall wurde von den dankbar lauschenden Zuhörern den Künstlern gespendet, die sich in selbstloser Weise für den Abend zur Verfügung gestellt hatten. m Aus der Jli-Vewegung i Deranlwartk.: ArbeUsgemeinIchoft jüdisch-liberaler Zugendvereine Deutschlands Redaktion: Dr. Ellen Lillniann, Berlin Das Gebet (Aus einem. Vortrag.*) Von Helmut Galliner, Ili-Verlin. Ter primitive Mensch erfährt seinen Gott als den Willen des unerfotschtichen Schicksals. Er erlebt ihn nicht als ein dcntenoes sich selbst: bewußtes Wesen, sondern immer als ein passives Geschöpf an dein sich jür ihn nicht ver- Handliche Gesetze vollziehen. Das Geneigt- und Gnädig- Sein, das Abwenden von Unheil, all oies ist in den Willen jener Macht gelegt. Sein Gebet ist: deshalb auch immer eine Bitte um irgendwelche Gaben. Es bedeutet niemals ritt Zuwenden, ein. „Teilhaben" an dem Ewigen, sondern eher ein Abwenden, ein Suchen nach Befreiung von der Abhängigkeit. Trotzdem aber unser Gottesbegriff nicht mit der Vorst clilirtig eines Feueranbeters identisch ist, so bleibt dennoch das ^in Beziehung setzen", ,cher Weg zu Gott", das ausschließliche Kriterium des Mbrts. Welche Motitze bestimmen nun diesen Weg zu Gott? Ist der Weg zu Gott,' die Art des Betens, einer Entwicklung unterworfen? - In beiden Fragen liegt unser Thema. I. T«er Weg zu Gott ist nicht denkbar ohne äußere Form upd ohne innere Notwendigkeit. Was jedoch dem Bedürfnis ßu beten nud der Ausübung ves Gebets unmittelbar vorangeht, ist der unmittelbare Zusammenhang mit der Gottes. Vorstellung. Tenn der Tanz um das goldene Kalb bedeutet Lüc den Götzenglauben den adäquaten Ausdruck gegenüber der Einkehr und Buße für den ethischen Monotheismus. Ter Tanz und die Einkehr sind die notwendiger: Korrelate des jeweiligen Gottesbegriffes. Schon die Bedeutung oes hebräischen Wortes tephilla kennzeichnet im Gegensatz, zu dem deutschen „beten" diesen Unterschied. Während es dort Gericht, Urteil bedeutet, wird es hier gleich „bitten". In diesem Unterschied zeigt sich jedoch nicht nur die verschiedenartige geistige Auffassung und Einstellung... durch ihn entsteht vor allem die Wechselwirkung zwischen Symbol und Inhalt, -wischen äußerer Forrn und innerer Notwendigkeit. Der Gott, der die Ernte bewahren, der vor dem Blitzschlag beschützen soll, wird mich gicht erhören, wenn ich ihn nicht unter bestimmten Zeichen aurnse. Die Wirksamkeit des Gebets ist unmittelbar an die tftltische Handlungsweise gebunden. Wenn aber der Glaube an Gott seinen Ausdruck im Gebet als den freien sittlichen Entschluß, des Individuum finden soll, denn ist es klar, daß, es nicht die Angst vor der Strafe des Himmels sein kann, die alZ innere Notwendigkeit benannt werden kann. Was ihr allein jene anspruchsvolle Bezeichnung zukommen läßt, ist der bedingungslose Glaube an den Ewigen, dessen Lohn und Strafe in keinem kausalen Zusammenhang mit meinen Handlungen steht, und dem ich dennoch vertraue. So wird es verständlich, dast das Bittgebet nicht inehr sein Ziel in der Gabe des Himmels sieht, sondern in der Stärkung des sittlichen Willens, in der eigenen Kraft. — Erfüllt aber jedes Gebet diese Forderung, ist es immer frei von der ursprünglichen Art des Betens, bleibt nicht bedeutend mehr zu wünschen und zu bitten übrig? Ist es nicht gerade die Jugend, die ungeduldig lieber gleich die Frucht der eigenen Kraft herbeisehnt, statt durch sie den Ertrag zu gewinnen? Und ist es nicht auch der Erwachsene, der müde und abgekämpft auf jenen gleichen Gedanken verfällt? So überspannt wird dieses Flehen, dast es gleichsam in sein Gegenteil umschlägt: Gott selber weist, was der Mensch fordert: „Tn hast das' Menschenherz geschaffen, Tn tennst auch sein Bedürfen und Verlangen." Tas Bitten bleibt — daran hat auch die jahrtausendlange Entwicklung des Monotheismus nichts zu andern vermocht —, da der Mensch kein sittlich vollkommenes Wesen ist, ein Bestandteil des Betens. Für das Bittgebet gilt aber, wie sehr auch die Gottesvorsteslung sich vergeistigt haben mag, die Abhängigkeit von Symbolen und Gebräuchen. Hierin scheint mir k»!e Tatstiche begründet, ^dast wir. die Jugend, weit mehr von der äußeren Form abhängig find als der Erwachsene. *) Zugleich cm Beitrag für die Arge-Kommission: dienst und Gebete". Der Weg zu Gott ist nicht denkbar ohne innere Notwendigkeit. Erscheint er uns ohne äußere Form möglich oder vermag die äußere Form die innere Notwendigkeit zu ersetzen? II. Jedes Erleben drückt sich in oer nur ihn: allein eigenen Form aus. In dieser Einzigkeit liegt ein Zwang und eine Last. Das Bußgebet ist zwar nicht sklavisch an Formeln und Symbole gebunden, es wird allein aus dem inneren Taang nach Rechtfertigung und Vergebung getragen, trotzdem hat auch hier das Symptom „in Stimmung versetzt werden" seine Bedeutung, (wie das Bittgebet bei völligem Fehlen oes Symptoms fast unmöglich erscheint). So abhängig nämlich die Symbole von der Gottesvorstellung sein mögen, sie bergen dennoch die Gefahr der Selbständigkeit in sich. Tie Formen erweckeil rurd erschaffen Vorstellungen, ohne das jene innere Bereitschaft zum Beten vorhanden ist. Um es au einem Beispiel zu verdeutlichen, sei es an eine rote Ampel gedacht, die nicht so sehr Stimmungen unterstreichen wie vielmehr erzeugen soll. Hier zeigt sich die eine Seite des Form- PrMeins. Tenn die Sinne können nicht immer wieder auf die selben Reize ohne innere; Notwendigkeit reagieren; daher verblassen sie und werden wertlos. So ergibt sich denn, daß einmal das Beten als Ausdruck der Einkehr weit weniger von oer Form abhängig ist als das Beten im Sinne des Bittens und Flehens; zum andern, daß die Form zwar primär durch die Notwendigkeit bedingt ist, jedoch sekundär die Bortäuschung einer inneren Notwendi^eit ermöglicht. III. Nur eine Frage sott auf Grurid dieser psychologischen Untersuchung beantwortet werden Tie Frage nach der deutscheii oder hebräischen Gebetssprache. Wenn wir die Möglichkeit dep Vortäuschung, der künstlichen Erzeugung von religiösen Gefühlen feststellen konnten, so muß jetzt iungetehrt gesagt werden, daß letztlich das Verlangen vmi Gefühlsmomenten, von Stimmungssymptomen, den Mangel an innerer Notwendigkeit beweist: Innere Wahrhaftigkeit wird innere Unwahrhastigkeit, wenn »vir beten ohne zu verstehen. Ta aber alles irreale des Gefühls im Gebet zum Ausdruck kommt, auch' die Unterscheidung in B'.tt- und Bnßgebet zeitlich durcheinander geht, ist es verständlich, daß wir gerade hebräisch beten wollen, weil wir es iiicht verstehen. Hier ist die andere Seite des Form-Problems. Für wen nämlich die äußere Form zum auslösenden Moment wird, wer mit ihrer Hilfü etwas künstlich an S'immung in sich hineinträgt, für den ist e§ auch ein Bedürfnis, durch äußere Mittel innerlich gelöst zu werden. Dieses Lösen geschieht grundsätzlich unter Ausschaltung des Verstandes. Jeder Gottesdienst muß wirkungslos werden, wenn er dies nicht berücksichtigt. Hemmungen lösen? Welche menschliche Erfindung oermag dies besser zu vollbringen als die Musil? Welche Sprache vermag besser auf den Menschen einzuwirken als die, welche der Ratio leine Gelegenheit des Bekrittelns und des Analysierens gibt? Scheint nicht dort die Verwandtschaft der Musik mit der Poesie am innigsten zu sein, wo „die Worte... durch die rhythmische Bewegung und Klangfarbe des Verses gleichsam in Musil gesetzt" werden „unso wieder in die Empfindung aufgelöst", „aus der sie entsprungen sind"? Solange dem deutschen Gebet nicht die Kraft des Lösens, die Kraft der Erhebung innewohnt. solange sie nicht das geheimnisvolle der Musik besitzt, wird ihm — von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet — das hebräische dorzuziehen sein. Tie Gefahr der unverstandenen Gebetslvrache darf trotzdem nicht unterschätzt werden. Das bloße Hersagen der Gebetsformeln, wie es besonders die katholische Kirche kennt, sindet damit Einlaß in den Gottesdienst. Gerade was durch den Gottesdienst erreicht werden soll, daß der Mensch sich auf sich selbst besinne, daß er in seinen Grundfesten erschüttert werde, geraoe cu'es wird damit unmöglich gemacht. Niemcks darf das Indenium auf jenem Standpunkt stehen, wie es Heiler formuliert: „Auch der mechanisch Betende hat, wenn auch nur undeutlich und schattenhaft, das Bewußtsein,. daß er es mit etwas Heiligem zu tun hat; die Formel, die er benützt, trägt religiösen Mortcharakter: sie brinat ihn in Beziehung zu Gott; sie begründet und fördert seiner Serie Aus der JN-Arbelk Heil. All diese Gedanken vermischen sich in einem vagen verschwommenem Alidachlserlebnis, das aber doch ein echtes religiöses Erlebnis ist." Hier sind wirtlich alle Motive zu den: „vagen verschwommenen" Erlebnis vermengt. Das wahre Gebet und die wahre Andacht kann nur aus der klaren, einsichtigen Gotteserkenntnis folgen, sie haben mit einem mechanischem Heclejern nichts gemein. „Mit deinem ganzem Herzen und mit duner ganzen Kraft": Verstand und Gefühl, der ganze Mensch wird gefordert, daß er dem Ewigen diene. Hermann Eohen und Friedrich Heiler, zwei Vertreter verschiedener Denkweisen in der Religionsphilosophie, haben mit zwei charakteristischen Sätzen die Ro'le des Ge-- f etv innerhalb der Religion gekennzeichnet: „Tas Gebet ist die eigentliche Sprache der Religion..." „Tie Andacht des Gebets ist oer Wille der Religion" lEohen, Religion der reinen Vernunft. S. 471). „Ohne das Gebet bleibt der Glaube eine theoretische Uebrrzeugung... ohne das Gebet entbehrt das sittliche Tun der religiösen Tiefe." (Heiler, das Gebet. S. 495). Breslau. tJ l i - H a 1I p t g r!I p p e.) Mit der Generalversamm lung am 22. April beendet der Breslauer Jli seine Winterarbcit. lieber die Vorträge des Winters berichteten nur regelmäßig; außerdem fanden noch fünf Arbeitsgemeinschaften und Ttndieukreise statt,, deren Ergebnisse jetzt milgeleilt werden sollen. Martin Schreiber leitete eine Arbeitsgemeinschaft „Judentum uud Christentum", die während des ganzen Winters vierzehntägig zusammeutrat. An .Hand des Dienemannschen Buches über dieses Thema stellten wir die wesentlichen Unterschiede der beiden Religionen fest- Wir beschäftigten uns ferner kurz mit modernen christlichen Theologen: sahen, wie weit sich Harnack dem Judentum nähert, lernten aber auch in der „dialektischen Theologie" (Gogartcn) eine Richtung kennen, die gerade in der Frage der Steilung des Menschen gegenüber Gott die alten christlichen Anschauungen besonders betont. Als Abschluß der Arbeit lasen wir noch einige Kapitel ans dem Buch von Bacck: „Romantische Religion". — Im Januar crösfiielcn ivir eine vierzehntägige Arbeite gerneinschaft: „Hauptrichtungen in der Entwickelung des jüdischen Liberalismus" unter Leitung von Ulrich Steuer. .Der Arbeitsgemeinschaft lag das Buch von Seligmann: „Tie Geschichte der jüdischen Reformbewegung" zu Grunde. Wir sprachen besonders eingehend über die Entstehungszeit des jüdischen Liberalismus (von Mendelssohn bis Geiger) und besprachen dann die heute bestehenden Richtungen. — Auf die von Alfred Berger geleitete Arbeitsgemeinschaft: „Grundlagen und Ziele des religiös-liberalen Judentums", über die wir nach ihrer Beendigung im Januar berichteten, sei an "dieser Stelle noch einmal hingewiesen. — Während in den Arbeitsgemeinschaften der Hauptwert auf eine rege Aussprache gelegt wurde, sollten die Studienkreise vor alten Dingen die notwendigen Tatsachenkenntnissc vermitteln. Um die großen Themen, die gerade diesen Gruppen gestellt waren, durchznarbeiten, mußten sie bedeutend häufiger als die Arbeitsgemeinschaften zusammcnkommen. Den Studienkreis: „Die Entwickelungsgeschichtc des deutschen Judentums seit der Emanzipation" leitete Wolfs Davidsohn. Die Teilnehmer übernahmen Referate über einzelne Gebiete, die der Leiter durch Besprechung der geschichtlichen Quellen ergänzte. — In dem Kursus: „Hebräisch für Anfänger" führte Albert Wesel seine Schüler von der Bibel ausgehend so weit, daß sie jetzt ohne große Schwierigkeiten einzeln« ' Abschnitte der Peßachhagadül übersetzen konnten. Liegnlitz. (Veranstaltungen im Jli.) Dienstag, den 3 März, Diskussion über Zeitsragen. Manfred Haase schnitt die Frage der Schulreform an. Er fühfte in einem kurzen Referat aus, daß die jetzige Form der Schule sehr schlecht ist, weil man zuviel verschiedene Fächer hat, und daß man Schulen gründen müßte, die nur gleich artige Fächer haben. Fast alle waren derselben Meinung, aber trotzdem wurde solange darüber diskutiert, daß man nur noch eine Frage besprechen konnte. Walter Cohn erzählte etwas über die Zustände in Rußland. Man debattierte sehr heftig. — Mittwoch, den 18. März, Werbeveranstaltung: Dichtung der Zeit. Manfred Haase, Hans Saner, Heinz Weber und Werner Harlam lasen aus Büchern moderner Dichter. Man trug gut vor. Aber leider hat der Abend seinen Zweck verfehlt, da er sehr schlecht besucht war. — Dienstag, den 24. März, Bortrag des Herrn Ulrich Steuer, Breslau, über: Das Judentum! unter den Weltreligionen. Herr 'Steuer sprach über die 3 Weltreligionen Buddhismus, Islam und Christentum und verglich sie mit dem Judentum. Die anschließende Diskussion war sehr schwach, da die meisten mit dem Thema nicht so vertraut waren, und es ihnen nur neues geboten hat. Ratidor. (I l i - V e r a n st a l t u u g e n im März.) Am 14. März kamen wir, wenn auch verspätet, zu einem gut verlaufenen Purimfest zusammen, zu dessen Gelingen Dr. Weber, Herbert Neisser und eine Reihe unserer Mitglieder ihr Teil beitrugen. Nach Erledigung von einigen geschäftlichen Angelegenheiten erteilte Herr Dr. Weber Anni Fraenkel zu ihrem Bortrag „Pcßach einst und jetzt" das Wort. Die Referentin ging von dem Gebot des Peßachfestes, im 2. und 3. Buche Moses aus und kam dann näher auf die Gebräuche des Sederabends zu sprechen. Klar und anschaulich schilderte sie ihre Entstehung und Bedeutung und ging im weiteren Verlaufe ihres Vortrags auch auf manche Aenderung der Formen ein. Im Anschluß au ihre interessanten Ausführungen las Anni Fraenkel noch jene ergreifend schöne Episode vom Sederabend aus Heines „Rabbi von Bacharach" vor. — In der folgenden regen und eingehenden Diskussion wurde vor allem betont, daß mit dem Auszug aus Aegypten und der Befreiung vom ägyptischen Joch die eigentliche Geschichte des jüdischen Volkes und der Glaube an dm einen, allmächtigen Gott beginnt. — Am Ende dieses inhaltsreichen Abends wurde noch cine.Hagada verlost. Hilde Kohn. Berlin. gemeinsame Veranstaltungen. Freitag, -en 3. bis Montag, de» 6. April, Lager -ei Freienwalde. Kosten ungefähr 10,— Mark. Anmeldung umgehend an Martin Glaß, Zehlendorf, Am Lappjagen 11. Pankow'vstt,. Heimabend am Donnerstag, dem 9. April, abends 8.15 Uhr, bei Hilde Saphir, Krausniikftraße 15. Thema: Plato, Phädvn. Oliva und Neo»TharIottenburg. Heimabend am Donnerstag, dem 9. Avril, abends 8 Uhr, bei Ros« Seligsohn, Erunewald. Douglasstraße 30. Weste». Heimabend am Montag, dem 13. April, abends S Uhr, bei Helmut Galliner, Charlotten bürg, Sybelstraße IS. Hermsdvrf. Heimabend am Mittwoch, dem 8. April, abends 8 Uhr, im Heim, Albrechtstraße 10. Thema: Antisemitismus. Vrerlaa. Donnerstag, den 2. April, in den Räumen der „Gesellschaft Eintracht", Tauenhienstraße 12 (Eingang Anger), Sederseier. Wir bitte« das hierzu bereits ergangene Rundschreiben zu beachten. / Frankfurt a. M. Donnerstag, de« 2. April 1931: Sederabend bei Dr. -off. mann, Untermain-Arrlage 7.

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