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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-02-04 · 5 (4.2.1931) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
5 (4.2.1931)
Date
1931-02-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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mttn. Mittwoch, bt* 11. Februar, abends L Ahr, Heimabend bei Hilde M»le1«, Sybelftraße 45. Thema: Indisch« Geistrrström»«,. -ermsbork. Heimabend am Mittwoch, dem 4. Februar, oben», S Uhr, tm Hat«, «Ibrechlstratze 10. Thema: Zivnismns. -ermrdorf lllülengkuppe). Donnerstag, de« 5. Februar, nachmittags 8 Uhr. Heimadend »« Heim, AkbreKtstratze 10. vertt«. Jngendgemeinschaft der Jüdischen Resormgemeiude. Donnerstag, de« S. Februar, abends 8 Uhr, im Moste-Haus, Leipziger Platz 15, Hartrag des Herrn Dr. Kurt Zielenziger, Pressechef der Stadt Berlin, Ätzer: „Jüdische Köpfe in der deutschen Wirtschaft". Gäste willkommen! Breslau. Hauptgruppe: Mittwoch, den 11. Februar, 10.15 Ahr abends: Ausspracheabend: „Unsere Stellung innerhalb der jüdischen Gemein- Mast"; einleitendes Referat von Erich Vulkan. Jüngeren-Gruppe: Dienstag, den 10. Februar, 16.30 Uhr: Aussprache über die Schrift »oh Ldmond Fleg: „Warum ich Jude bin". Jüngsteu-Cruppe: Montag, den 8. Februar, 16 Uhr, im Jugendheim. Arbeitsgemeinschaften nnd Stndieakreise siehe Programm. — Freitag, den 6. Februar, 18.30 »hr: Spätgottesdienst in der Wochentagsfynagoge. Frankfurt a. M. 3. Februar 1931: Frau Dr. Dora Edinger: „Judentum und Christentum". 10. Februar 1931: Weihestunde: Frau Marg. von Bendemaun-Sußmann: „Hermann Lohen". 24. Februar 1931: Ausspracheabend. Llegillh. Dienstag, den 10. Februar 1931, abends 3.15 Uhr, im «emeindthaus, Bäckerstraße 16: Heimabend. Wir erwarten zahlreich« Beteiligung. — Voranzeige: Am Sonnabend, dem 21. Februar, i« Gefellschaftshans, Lvifeustrabe: Jli-Ball. Auswärtige Gäste wilkkomme«. Artikel «nd Berichte fitto bis spStestens Ssimabend jeder Woche zu senden an Dr. Ellen Littmann, Charlottmburg 5 Rene Kantstraße 6» 1 Treppe. * Gebt Spenden für die Wanderkasse des Jli Berlin! Postscheckkonto: Hildegard Bach, Berlin-Schöneberg Nr. 144883 Der Sündenbock Von WERNER TÜRK (2. Fortsetzung) Die beiden Männer erwachen und zwinkern Frau Schniese erschrocken an. „Wat habt Ihr denn in der Küche zu suchen?“ Josef bettelt mit seinen Augen den Juden um eine rettende Antwort an. Der kratzt sich ein paar Mal »einen Hals, dann sagt er: „Es hat da jemand gemacht ainen ieblen Geruch, da sind wir gegangen in de Kiche.“ , „Na, wenn Sie man nich den Jeruch jemacht haben“, meint Frau Schniese zum Juden. Dann entfernt sie sich. Auch die beiden Männer verlassen die Küche, sie gehen in den Bettraum, dort kleiden sie sich an. Hernach trotten sie in die Küche zurück. Dort erhält jeder von ihnen einen Becher mit Kaffee und eine mit Pflaumenmus bestrichene Semmel. Sie setzen sich an den Küchentisch, an dem auch Frau Schniese ihren Kaffee trinkt. Frau Schniese hat ihre Frisur noch nicht mit den dicken Hftärrollen aufgehöht. Infolgedessen sieht ihr Kopf mit dem winzigen Haarknötchen sehr klein aus. ‘ Josef, der Zerlumpte, sagt zu Frau Schniese, indem er mit dem Kopf nach dem Juden hinweist: „Er hat mir erzählt, wie se seine Frau und seinen Sohn totgemacht haben. Und wie se ihn selbst angestochert haben mit Messers.“ v: „Alles Schwindel, alles Schwindel“, behauptet Frau Schniese. Da springt der Jude vom Stuhl auf, schwankt gegen den Tisch und schreit mit heiserer Stimme: „Der Schlag Söll mich treffen auf der Stelle, wenn ich enob gelogen ain Wort!“ „Alles Schwindel, alles Schwindel.“ „Ich könnte sein glicklich, wenn es wäre alles ain Schwindel.“ „Na, denn sein se so jlicklich und regen sc sich nich weiter uff.“ Der Jude reißt sich Rock, Weste und Hemd auf, zeigt Frau Schniese seinen narbenzerfurchfen Körper und fragt mit erhobener Stimme: „Is das vielleicht auch geschwindelt?“ „Wer weeß“, lächelt Frau Schniese mit zweiflerisch' abweisender Handbewegung, „wo Se die Dinger her haben.“ „Wo ich se her habe?!! Vom Pogrom hab ich se her. Wo mich habn gestochen die fainen Herrn mit ihre Messer in den Laib.“ „Vom Schwindeln habn’ Se die her. Andere Leute kriegen vom Schwindeln Blasen unter de Zunge, Sie —: Narben uff’n Bauch.“ „Sic sind ja nur angesteckt von dem Rischiß, welchen hat gemacht der Bartel in Ihrer Schlafstelle. Im iebrigen, wos chob ich nötig, mich lassen zu belaidigen von Ihnen. Ich werde gehn und suchen eine andere Schlafstelle für1 mich und mai Rebekkche.“ Diese Drohung beunruhigt Frau Schniese nicht. Schon oft wollte sich der Jude nach einer anderen Schlafstelle Umsehen. Zwei Jahre wohnt er nun schon bei ihr. Der zieht bestimmt nicht aus. Das weiß sie. Unbekümmert entnimmt sie deshalb einer knisternden Bäckertüte zwei Streußelschn ecken, beißt von einer Schnecke ab und schlürft darauf einen heißen Schluck Kaffee in sich hinein. Josef läßt die Gelegenheit, sich bei dem Juden beliebt zu machen, nicht an sich vorübergehen. Indem er ihn verteidigt, entwickelt er eine Lebhaftigkeit, die Frau Schniese in Erstaunen setzt. „Der lügt nicht“, redet er auf Frau Schniese ein. „Der nich. Den kenn ich. Das is een ehrlicher Mann. Für den leg ich raeene Hand ins Feuer, Sie!“ Es gelingt Josef, seiner Verteidigung einen derart echten, tiefüberzeugten Ton zu leihen, qäß er sich selbst aufrührt, und schließlich an die Ehrlichkeit seiner Worte glaubt. Der Jude, der sich inzwischen wieder gesetzt hat, würgt in schlingender Erregung seine Semmel hinunter. Bevor er aus seinem Becher getrunken hat, hat er die Semmel mit wenigen zerkauten Bissen hinuntergeschluckt. Mit bedauerndem Blick stellt er fest, daß er sie vertilgt hat und der ihm gegenübersitzende Josef noch im vollen Besitze seiner Semmelhälften ist. Frau Schniese bemerkt den Blick des Juden, bricht ihre zweite Streußelschnecke in der Mitte durch, stemmt sich hoch, und legt dem Juden die eine Streußelschneckenhälfte neben den Kaffeebecher. Der Jude starrt auf die Schneckenhälfte und springt vom Stuhl auf. Sein langer, dünner Körper zittert vor Erregung. Aus seinen hohlen Ghettoaugen lacht und leuchtet es. Mit gespreizt flatternden Händen schreit er: „Chob ich nich gesagt, daß se is nur angesteckt von dem Bartel, welcher hier macht den Rischiß?!! Chob ich nich gesagt?!! losef, Se müssen hör’n uff das, wos ich jetzt sage zu Innen: „De Frau Schniese is aine gutte Frau, aine seelengutte Frau, welche hat ain Herz for alle. Aber wenn se weiter wird reden so viel mit dem Bartel, dann wird se werden schlecht. So schlecht wie die anderen, welche hat gehetzt der Bartel auf mir. Oi, dieser Taifelü Oi, dieser Taifel!! Ich kennt ihn reißen in Sticke!!“ Wut schüttelt den Juden. Er taumelt. Er läßt sich auf seinen Stuhl fallen. In zitternder Erregungshast führt er den dampfenden Becher zum Munde und schüttet sich einen großen, heißen Kaffeeschluck in den Hals. Ein brennender Schmerz fließt ihm in den Magen. Erschrocken ächzt er auf. Mit verzerrtem Gesicht preßt er die Hände an die Brust. Ganz unbändig müssen Josef und Frau Schniese über die Grimassen des Juden lachen. Gutmütig lächelt der Jude mit. Und als der innere Brühschmerz nicht mehr brennt, stößt er sogar einen kurzen Lachlaut aus. Dann ißt er vergnügt seine halbe Streußelschnecke auf, die er vor jedem Abbiß behaglich in den Kaffee tunkt. Frau Schniese beobachtet ihn und denkt dabei: „Er is doch een netter Kerl. Warum der Bartel ihn nur ärgert. Wat der ieberhaupt in!t de Juden hat. Ich wer mal mit ihm reden.“ Dazu hat sie erst am Nachmittag Gelegenheit. „Bartel“, sagt sie, „ick war neulich in ne kommunistische Versammlung. Mein Neffe hatte ma mitjenommen. Da hat een kommunistischer Fichrer jesagt, det nich de Juden, sondern de Kaptalisten, janz jleicn wat se for ne Rölljohn haben, an det janze Elend Schuld haben. Wat sagen Sie dazu?!“ Erst sagt Bartel garnichts. Dann blickt er zu Frau Schniese, die an seinem Schusterschemel steht, giftig auf und antwortet mit haßgeschärfter Stimme: „Scheiße, sag ich dazu!!“ Die Antwort vermag Frau Schniese nicht zu überzeugen, deshalb bemerkt sie: „Det mit de Kaptalisten soll doch aber seine Richtigkeit haben.“ Da schießt Bartel von seinem Schusterschemel aut und schreit: „Det sagen die Marxisten!!! Und Juden und Marxisten det is Hose wie Jacke!!!“ Die geschäftliche Klugheit gebietet Frau Schniese, die Auseinandersetzung abzubrechen und den Schlafraum zu verlassen. Denn Frau Schniese weiß, der Bartel ist nicht der Jude. Wenn Bartel ihr kündigt, dann geht er auch wirklich. Wenige Minuten, nachdem sich Frau Schniese entfernt hat, kommt der Jude in den Schlafraum herein. Er tritt an Bartel heran und sagt: „Ich möcht haben maine Stiefel. Sind se fertig?“ „Da**, sagt Bartel, der mit gekrümmtem Rücken auf seinem niedrigen Schusterschemel sitzt und Stiefel besohlt. „Da!“ Er zeigt lässig mit seinem stachelweißen Kopf in eine Ecke. Dort liegen die besohlten Stiefel des Juden. Der Jude bückt sich, hebt sie auf, sieht sich die Sohlen an. Auf denen steht mit Kreideschrift der Preis. Der Jude erschrickt. Seine Hände zittern. „Vier Mark?“ fragt er heiser. „Das muß sain ain Irrtum.“ „Das muß sain kain Irrtum“, gißt .Bartel bissig zurück. Bartel hat gerade ein paar Stiefel seines Freundes Alex fertig besohlt. Er klemmt einen Stiefel zwischen die Beine und schreibt auf die helle, neue Sohle in aufreizender Sorgfalt mit einem dicken Stück Kreide: 2,50 M. Der Jude Läßt seinen Stiefel am Schnürsenkel hin und herpendeln. Nervös zucken seine Augen. „Worum soll ich zahlen mehr mit ainem Mal wie alle anderen?“ Die Stimme des Juden wird immer heiserer. „Weil Du Plattfüße hast.“ „Waas?! Ich soll haben bekommen uff ain Mal Plattfüße?!“ Der Jude sieht auf seine Füße. „Wer sagt das?!“ „Ich.“ Der Jude zieht aus seiner verbeulten Hose einen Geldbeutel heraus, öffnet ihn mit feuchtkalten Fingern, entnimmt ihm 2 Mark 50 Pfg. und legt das Geld Bartel auf den kleinen niedrigen Arbeitstisch: „Hier. Verdorren soll mer die Hand, wenn ich zahl ain Pfennig mehr.“ „Dann werd ich mir den Rest von Deiner Tochter holen“, antwortet Bartel ruhig. „Mai Tochter hat kain Geld.“ „Deine Tochter verdient in einer Nacht mehr als ich in 8 Tagen.“ „Is mai Rebekkche villaicht ain Nachtwächter, daß se kann verdienen Geld in de Nacht?“ „Nachtwächter nich — aber Hure.“ Das Gesicht des Juden gefriert. Bartel hockt auf seinem Schemel und besohlt. Zwischen seinen schmalen, gespannten Lippen stecken eine Anzahl kleiner Holznägel. Alex kommt in den Schlafraum. In diesem Augenblick stürzt sich der Jude auf Bartel, reißt ihn hoch, zerrt ihn, schüttelt ihn, würgt ihn, schreit: „Nimmste das zeruck?! Nimmste das zeruck, Du Taifel?!“ Bartel speit dem Juden die Holznägel ins Gesicht, krächzt: „Laß mich los! Du sollst mich loslassen.“ Alex steht daneben und staunt den Juden an: „Wat der für Kräfte hat; janich zu jetraut, dem Jammerlappen.“ „Erst nimmste das zeruck! Erst nimmste das zeruck!!“, schreit der Jude, indem er Bartel den Kragen vom rötgewürgten Hals abreißt. „Deine Tochter ist eine Hure!“, kräht Bartel. „Ich sage die Wahrheit!“ „Du lügst, Du Taifelü“ „Ich habe Zeugen. — Alex?! Ist seine Tochter eine Hure?! Ja, oder nein?“ „Ja, oder »ein?!! ,, — 1 Der Jude läßt Bartel los. Er starrt Alex an: „Woher weißt Du, daß meine Tochter is aine Hure?“ „Det jeht Dir'n Dreck an.“ „Sag's doch ruhig, Alex“, schnauft Bartel erschöpft. „Halt's Maul!“ „Wette mit ihm!“ „Wozu?“ „Wenn Du ihm beweisen kannst, daß seine Tochter eine Hure ist, dann muß er Dir 5 Mark zahlen. Kannste's nich, mußt Du blechen.“ „Einverstanden.’ Also paß uff, Itzig.“ „Ich wärde nich uffpassen. Ich werde mich nich versindigenü Ich wärde nich machen ä Geschäft mit Aich, wenn es sich handelt um die Ehre von maine Tochter!!“ Der Jude stürzt aus dem Zimmer hinaus. „Warum haste ihm det jesagt, Du Rindvieh?!“ schnauzt Alex Bartel an. „Ich mußte das mal dem Saujud sagen.“ „Ick hab ihr aber versprochen, det ick ihr nich verrate, und nu kannst Du nich dichte halten.“ „Wenn se nich mehr in Deine Laube kommt, besorge ick Dir ne andere.“ „Aber bestimmt!“ „Bestimmt.“ Bartel und Alex hören zu sprechen auf. Draußen tobt der Jude: „Rebekka?! Rebekka?!.. Ich will reden mit maine Tochter! Wo steckt se'?!" „Fort! Mit ihre Freundin!“, kräht Frau Schniese in der Küche. Der Jude kommt wieder zurück. Sein Gesicht glänzt schweißig. Bartel wendet ihm den Rücken zu und knöpft sich den abgerissenen Kragen um. Alex geht im Schlafraum pfeifend auf und ab. „Du!“ ruft der Jude Alex an. „Ich habe es mir gehen lassen durch mainen Kopf. Ich wärde machen mit Dir die Wette.“ „Na 's jut. Also, jewinn ick, zahlst Du mir 10 Mark. Verlier ick, kriegst Du se von mir." „Bin ich vielleicht meschugge, daß ich aingeh eine so hohe Wette?“ „Valleicht jevvinnst Du se.“ „Dain Wort in Gottes Ohr’n.“ „Abgemacht.“ „Hand druff.“ Der Jude gibt Alex die kaltschweißige Knochenhand. Nach dem bekräftigenden Händedruck geht der Jude erregt im Schlafraum auf und ab. Inzwischen flüstert Alex mit Bartel. Plötzlich lacht der Jude frohlockend auf. „Warum lachst Du denn, Du Gauner?“, fragt Alex, wütend. „Wall ich heut Nacht werde verdienen zehn Mark.“ Alex wendet sich um und grinst Bartel an. Es ist elf Uhr abends. Alex und der Jude sitzen in einer Budieke. Alex ißt schon die dritte Wurst, trinkt schon den zweiten Schoppen. Der Jude muß bezahlen. Das hat er mit ihm vorher ausgemacht. Alex schmatzt laut. Es schmeckt ihm gut. Es schmeckt ihm ganz ausgezeichnet. Der Jude sitzt ihm gegenüber. Sein Gesicht ist bleich. Seine Augen starren fiebrig. In seinem langen Bart hängt Bierschaum. Seine knochigen, mit runzliger Haarhaut überzogenen Finger zerbrechen einen papp'nen Bieruntersatz. Alex hat die dritte Wurst vertilgt. Er gießt einen Bierrest nach. Dann frißt er die Pelle auf, die auf dem Tellerrand liegt. Der Jude zerstückelt und zerfetzt seinen Bieruntersatz. Alex schielt nach dem Büffet und meint darauf: „Wer mer noch eenen Kartoffelsalat bestellen.“ Wut glotzt aus den tiefen Augenhöhlen des Juden. Seine zitternden Schenkel schlagen gegen die Tischkante. Alex klappert mit seiner Gabel an den Teller und ruft: „He, Madam, noch eenen Kartoffelsalat!“ Da reißt der Jude aus seiner Hose seinen grobleinenen Geldsack heraus, haut ihn mitten auf den Tisch und krächzt: „Da kannste fressen mai ganzes Geld mit'n Sack.“ Die Schankwirtin bringt Alex den Kartoffelsalat. Sie ist faßrund und hat ein dickes, schmalziges Gesicht. „Juten Appetit“, sagt sie. Alex sticht mit der Gabel in den gelben, mit zerhackter Petersilie bestreuten Salatberg. Noch immer sitzt der Jude wutsteif da. Noch immer schlagen seine Schenkel gegen die Tischkante. „Det Vajniejcn, wat ick Dir nachher, vasohaffe“, meint Alex kauend, „det haste nich alle Tage. Det kannste Dir ruhig wat kosten lassen.“ „Taifel“, zischt der Jude. Alex fegt sich mit der Hand den grauleinenen Geldsack heran, auf dem in zerfaserter Tintenschrift der Name des Juden steht. „Janz praktisch so’n Ding“, meint er, indem er den Geldsack in den Händen wendet. „Mal sehn wie ville drin is.“ Er knipst den rostigen Verschluß des eisernen Geldsackbügels auf. Da wirft sich der Jude wild über den Tisch und entreißt ihm den Geldsack. — (Fortsetzung folgt.) Aereinsnachrichten Reichsbnnd jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, Bezirk Zoo, veranstaltet sein diesjähriges Kostümfest am Sonnabend, dem 7. Februar 1931, in den Gesamträumen des Logenhauses, Kleiststr. 10. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, E. B., hält ihre diesjährige Mitgliederversammlung am Mittwoche dem 25. Februar, 20 Uhr pünktlich, im Lo-genhaus, Berlin W. 62, Kleiststraße 10, ab. Herr Dozent Dr. Harry Torczyner, Berlin, wird über das Thema: „Die Bibel und die Literaturen des alten Orients" sprechen. Der auch für einen weiteren Kreis sehr interessante Gegenstand des Vortrages wird sicher zahlreiche Mitglieder veranlassen, die Versammlung zu besuchen. Gäste können eingesührt werden. Schule der jüdischen Jugend, Geschäftsstelle: N. 24, Oranienburger Straße 29. Der für Mittwoch, den 11. Februar, angesetzte Vortrag von Herrn Professor Dr. Hememann über Hellenismus im * Zyklus „Das jüdische Kulturerbe" fällt aus. Der nächste Bortrag über Philosophie (Glaube und Wissen) von Herrn Professor Dr. Guttmann findet am Dienstag, dem 17. Februar, abends 8 Uhr, Auguststraße 11-13, statt.

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