Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 1 (7.1.1931)
- Date
- 1931-01-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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zerreibender un-d zernervender Arbeit des Gehirns werden Fragen geklärt, Probleme hin- und hergeworfen bis zum Ergebnis. Und wenn die Musik oder das Drama zu uns «rechen, aufwühlend, ergreifend, erschütternd, schmeichelnd, lortreißend, mW den Atem benehmend: so sind wir doch nicht passiv zu nennen. So stark fühlen wir sogar die Aktivität, daß wir oft genug den Wunsch haben, aus der Spannung erlöst zu werden und ausatmen, wenn es endlich geschieht. In Schweiß, gebadet, finden wir uns zurück, oder entladen unsere Gefühle im Beifall oder schweigen weiter, aber doch nicht aus Teilnahmlosigkeit oder Stumpfsinn, sondern weil wir so innerlich aktiv waren, „mitgenommen", daß, wir unausgesprochen den Beifall als profan, als Entweihung enrpfinden würden. Es scheint aber nun, daß der Stillen Andacht in dieser Form noch eine viel eingreifendere Bedeutung zukommt und zukommen wird. Es wird damit so gehen wie mit den Weihestunden. Zuerst als gelegentliche Stunde neben dem üblichen Kwlt gedacht, wird sie in weiten Kreisen als der Kult schlechthin, wie er dem neureligiösen Menschen angemessen ist, erkannt werden. Eine Stunde, sich immer wandelnd, ohne Schema, an kein Buch gebunden, eine Stunde bald des reinen Wortes, bald der reinen Musik, bald des reinen Bildes, bald dies mit jenem vermischt, und alle jüdischen Quellen, alter und neuer Zeiten werden dabei Hilfe zu leisten haben. Und für solche Stunden und die Menschen solcher Stunden wird auch die Stille Andacht ihre neue erweiterte Bedeutung erlangen. Es ist ja in solchen Dingen immer falsch, und das gehört doch zum Wesen des Liberalismus, von den Dingen ausjzugehen und nicht vom Menschm und jedem dieselbe Form anpassen zu wollen. Aber aus gewisse Tinge mochte man diesen Grundsatz doch nicht anwenden, schien es und scheint es unmöglich, sie anders gestalten zu wollen als bisher üblich. Und doch gibt es die Menschen, auch unter uns, ob man es nun gelten läßt oder nicht, die eine Stunde des Kultus überhaupt nur noch als Stille Andacht erleben können, die genau tnas wollen und genau das loben und genau darin ihre Befriedigung finden, worin man sie nach allen bisherigen Grundsätzen des Kultus gerade nicht finden soll: sie wollen hören und weiter nichts. Das ist natürlich keine Blasiertheit, ist kein Hang zur Mystik, zum Träumen, zum tatenlosen Sichhingebm, zum rührseligen Zerfließen. Wir haben hier den neureligiösen Menschen vor uns, bei dem das Gotterleben ganz ins Innere verlegt ist, alle religiösen Begriffe sich gewandelt haben und dementsprechend auch die Aeußerung seines Erlebens, seine Teilnahme daran. Man soll ihn an-reden, spielen, singen, lesen: und er will und wird sich ergreifen lassen, so wie der andere, der alles Vorgeschriebene und Vorgedruckte mitspricht oder mitsingt. Der Unterschied liegt ja auch noch in etwas anderem, und auch daran sind gewisse Ansätze längst im liberalen Kult zu finden. „Hanna betete in ihrem Herzen, ihre Stimme wurde nicht gehört, ihre Lippen nur bewegten sich." Daran anknüpfend hat man sich gegen das laute Beten und Schreien und Singen gewandt, wie es in orthodoxen Gotteshäusern oft selbstverständlich ist und als Form der geeigneten Andacht empfunden wird. Man hat es als nicht schamvoll genug empfunden, sein Innerstes so zu offenbaren und jedem Nachbarn mitzuteilen, was nur Gott angeht. Und nur gewisse Höhepunkte hat man als Gelegenheit benutzt, gemeinsam mit dem andern sein Gefühl aus- Aingen zu lassen. Und natürlich liegt in diesen Momenten gemeinsamer Kundgebung auch ein nicht zu unterschätzendes Moment, ebenso wie in der Tatsache gemeinsamen Feierns. Das braucht nicht noch einmal begründet zu werden, und es ist durchaus zu wünschen, daß auch die neureligiösen Menschen sich zu solch gemeinsamen Momenten des Bekennens durch das Lied — jetzt greift man ja auch schon zum Sprechchor, meiner Meinung nach, weil eingeübt und einstudiert, etwas Unnatürliches und Unbrauchbares für den Kult — zusammenfinden mögen, wenn auch nur gelegentlich. Denn im wesentlichen wird das eben berührte Moment der Schamhaftigkeit in religiösen Dingen ihre Feier in weit stärkerem Maße noch bestimmen, als es bisher der Fall war. Alle Einwendungen, daß das keine „Andacht" sei, sind natürlich nutzlos. Für die Menschen, die gemeint sind, ist es die ihnen gemäß,e Andacht, und wenn wir sie ihnen schaffen und uns darum mühen und so wieoer einen Teil Indifferenz aus dem Wege räumen, haben wir unsere religiöse Pflicht getan. Was am wesentlichsten an diesem neuen Kult anders ist, ist natürlich, die Auffassung und dementsprechende Ausprägung des Betens. So wie sich der Inhalt dieses Betens gewandelt hat, wie es eine Selbstausrüttelung, ein Selbstausströmen viel mehr ist als ein äußeres Bitten, ein in sich Versenken viel mehr als ein Wünschen — so auch die Form. Erlebend, fühlend, erschauernd, durchjubelt, durchstürmt, enrporgerissen vom Ton, von der Rede wollen wir beten, aber nicht selber redend und rufend, angebetet gleichsam, selbst aber schweigend. Und es liegt natürlich auch kein Widerspruch, darin, daß wir für uns die Stille Andacht wollen, aber nach denen verlangen, die sie uns schaflseu, um uns herum, die Stillen und Schweigsame»:, laut sind, in Tönen oder Worten. Kein Widerspruchdaß mir es als nicht schamvoll empfinden, Gefühle kundzugeben, aber denen danken, die es tun. Das ist ja nur die unäbi-. STRAHL & 'FALKE BLUMEN-AUSSTELLUNG BERLIN-W 66 MAUERSTR. 79* tÜHRNRIlft ZENTRUM S033 «. 5034 BLUMENSPENOEN . TRAUERSPENDEN TAFELSCHMUCK IHHEHDEKORATIOHEHIIIKOKSTLERISCHER AIISFOHM änderliche Abhängigkeit der Nicht-Schöpferischen von den Schöpfernaturen, es ist die Ausgabe der Berufenen, die Berufung, die ihnen ausgegeben ist, mit der Gewalt ihres Innern, ihrer Töne, ihrer Worte die Mitwelt zu sich, zuur Göttlichen empvrzureißeu. Sie, diese Schöpferischen wollen, können ja gar nicht schweigen, um ihretwillen, um der Menschen willen, um des Göttlichen willen. Aber die anderen müssen schm eigen, weil sie nur nacherleben können, nach fühlen. Und sic wollen es, weil sie ihr schwaches Stammeln an denr Feuerwort der anderen gar nicht zu messen wagen. Und so ist letzten Endes diese Stille Andacht in Wirklichkeit gar keine stille, sondern der gewaltige Widerhall gewaltigen innern Lebens. Freilich muß dann alles, was nicht Eigenes ist, sondern nur wiedergegeben, mit der Kraft und Innigkeit dargeboten werden, mit der es geschahen wurde. Propheten müssen prophetisch wirken, Psalmen wie — Psalmen. Und damit wird die „Vorlesung", die ja schon immer üblich ist, vielleicht erst: ganz zu ihrem Recht kommen. Jedenfalls für die, die sich mit der bloß, lehrhaften Bedeutung, die man diesem Teil der Liturgie beimißt, nie befreunden Der 27. Psalm Bon Dr. M. Spanier, Berlin. Gott ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollt ich mich fürchten? Gott ist meines Lebens Schuhwehr, vor wem sollt ich bangen? Rücken wider mich Uebeltäter, zu fressen mein Fleisch, Widersacher und Feinde mir — sie straucheln und fallen. Lagert wider mich ein Lager — nichts fürchtet mein Herz. Erhebt sich wider mich Krieg — trotz all dem vertrau ich. Eines Hab ich erbeten von Gott, das begehr ich: zu weilen im Hause Gottes all meine Lebenstage, daß ich schaue die Huld Gottes und betrachte sein Heiligtum. Denn er birgt mich in seiner Hütte am Tage des Unheils, er schirmt mich im Schirm seines Zeltes, auf den Fels hebt er mich. Und so hebt sich mein Haupt über meine Feinde ringsum. Ich will opfern in seinem Zelte Jubelvpfer, ich will fingen und spielen Gott. Gott ist das erste und letzte Wort dieses Psalms; es ist es auch für feinen Dichte» Von dem schrankenlosen Vertrauen, von der sich anschmiegenden Hingabe und der tiefen Beglücktheit durch das Verbundensein mit Gott, dem sich der Fromme ganz nahe fühlt, können Menschen unserer Zeit, hin- und hergezerrt durch geistige Mächte ganz verschiedener und oft widerstrebender Art, sich nur eine Vorstellung machen durch ein lauschendes Versenken in die durchglutete Sprache dieser tiefsten Gemütsäußerungen. Solche Psalmen des Vertrauens richten das Wort nicht an Gott, sie sprechen vielmehr von ihm und geben Kunde von dem Glück des gottgewissen Herzens. Der 23. Psalm, eng verwandt mit unserm, ist wohl ergreifender durch die Schlichtheit und Knappheit der Rede, hier hingegen wirkt die überströmendc Fülle und das erregte echte Pathos des Wortes. Einer Welt von Feinden sieht sich der Dichter gegenüber. Vielleicht weilt er im fremden Lande, und in seinem stolzen Glaubensmute steigert nun die entflammte Phantasie seine Gegner zu Mächten des Krieges. Die Ueberschwenglichkeit des Wortes in der Dichtung des Orients läßt verstehen, daß es sich hier nur um einen kennzeichnenden Ausdruck für gefahrdrohende Feindschaft handelt. Man braucht deshalb keineswegs anznnehmen, daß der Dichter ein Feldherr oder Verfolgter königlichen Geschlechts ist. Im Ueberschwang der Empfindung vergleicht er ja auch Feinde, die ihm nachstellen, mit wilden Tieren, die in ihrer Gier ihn zerfleischen wollen, eine Wendung, die in ihren: gesteigerten Ausdruck uns befremdet. Was sein Gott ihm ist, sagt er mit einem unübertrefflich schönen Wort. Gott ist sein Licht! Hell, klar und warm ist es in seinem Gemüte, und Freude strahlt iu ihm auf. Wo die Schrecken der Nacht quälender drohen als in den gesicherten Gemeinschaften unserer Zeit und unserer Landschaft, wird die ansleuchtende Helle noch viel beglückter und heilspendender empfunden. Ja, der Ausdruck Licht wird in diesem Schrifttum geradezu mit Freude gleichgestellt. (Psalm 97,10: Licht ist gesät dem Gerechten und Freude den redlichen Herzen.) Keinen andern Herzenswunsch kann dieser Fromme hegen, als daß diese Gottbeseeltheit immer in ihm sei und frei von allen Anfechtungen dieser Welt, ungehemmt durch ihre Feindseligkeit. Wo anders könnte diese Sehnsucht erfüllt werden als im Heiligtum Gottes. Aus ihm erstrahlt ihm beim beglückenden Gefühl von Gemeinsamkeit mit gleichgestimmten Seelen die Lieblichkeit und Holdheit seines Gottes in diesem friedevollen, gemüterhebenden Dienste. Hier lauschte man den frommen Sängern, hier sah man die Priester weihevoll Opsergaben darbringen, hier beteten die Gläubigen in hingegebener Andacht und hatten das Gefühl, der Gottheit näher zu sein als an andern Orten. An den Mauern dieses Heiligtumes zerschellte das Machtwort einer niedrig geachteten Welt. Hier war die Schutzwehr für alle Verfolgten, der Fels, zu dessen Höhe kein feindlicher Pfeil drang. In diesem Gefühl der Überlegenheit des Siegers über alle Gefahren kann er Dankopfer unter triumphierendem Jubel und freudige Gesänge zu Ehren seines Gottes geloben. - Höre, o Gott, laut rufe ich, so sei mir gnädig und erhöre mich. Voä Dir spricht mein Herz: „Suchet mein Antlitz" — Dein Antlitz, o Gott, suche ich. tonnten, die immer fänden, daß damit ein Riß in die Feierstimmung kam — durch Aenderung des Tones, unva. kümmerte Auswahl der Texte oder vielmehr durch gar keine Auswahl. Und doch hätte man sich bei der Bor-Lesung schon immer vom Bor-Beter leiten lassen können. Es A ja recht beachtenswert, wie gerade in diesem Bor-Beten un» den» großen Wert, den man überhaupt darauf legt, der Ansatz zur Stillen Andacht von heute wieder enthalten ist. Hier will man doch auch nur alles auf sich wirken Lassen ergriffen und begeistert werden. Und nun die neu« Äov- Lejnng. Sie soll nicht mehr bloß belehren, nicht mehr bloß um Thora und Propheten kreisen und womöglich noch ohne Auswahl, zu der man jetzt erst in Amerika übergegangen ist, sondern um die jüdischen Quellen überhaupt, und zwar aller Zeiten. Und dann soll diese Lesung in de» Feiercharakter der Stunde eingereiht werden, aber nicht arrS ihr heraussallen. Tie Thora enthält gewiß: wesentlichste Stücke unserer Religion, aber ebenso wesentliche stehen doch m d« ganzen Bibel, finden sich zu allen Zeiten. Ja selbst manche» Stück der Gebetsliteratur wird hier erst zu seinem Rechte kommen. So kann die Stille Andacht eine in Wirtlichkeit kräfterfüllte und lebensvolle werden. Ob man dem hörende» Beter die Texte der Stunde in die Hand geben 'will, wie es gelegentlich auch bei anderen Veranstaltungen ge^ schieht, ist eine Frage zweiter Ordnung. Sicher aber ist, daß innerhalb dieser Stillen Andacht jene andere eine Stätte haben muß, bei der nur das Schweigen im Saale herrscht, allenfalls von Musik durchströmt. Presseabend des Berliner Jüdischen Wohlfahrtsamtes Um der breiten Oeftentlichkeit ein Bild von seiner Arbe'.t zu geben, legte das Wohlfahrts- und Jugendsürsorgeamt der Berliner Jüdischen Gemeinde in einer Aussprache mit Pressevertretern Zeugnis von seiner Tätigkeit ab. Ueber allgemeine Fragen berichtete Dr. Lamm, S. Adler-Rudel äußerte sich zn den besonderen Aufgaben in dieser Zeit der allgemeinen Wirtschaftskrise. In den Jahren 1926 brs 1930 wurde die Umstellung auf die innerhalb von Wohljahrtsbezirken durchzuführende Familiensürsorge weiter entwickelt. — Mir der öffentlichen und privaten Wohlfahrtspflege hat das Amt verständnisvoll zusammengearbeitct. Seine Gesamtausgaben für WM;ahrts- und jugendchrsorgerische Zwecke beziffern sich für 1926 aus 1297 500 Mark, 1927 ans 1336 700 Mark, im Jahre 1928 auf 1344135 Mart, 1929 auf 1 474 000 Mark und bis zum 30. September 1930 aus 1 238000 Mark. In den 24 Bezirkskontmissionen betätigen sich 814 Gemeindemitglieder ehrenamtlich. Das Amt, das die städtische Wohlfahrtspflege ergänzt, bemüht sich mit allen Kräften, den Notleidenden durch Arbeitsbeschaffung und Wirtschaftsberatung zur Seite zu stehen. Es gilt auch besonders für den schwergetrosfenen Mittelstand Obdach, Nahrung, Kleidung und Feuerung zu beschaffen. Werischaffende Hilfe aus Grund der Familienfürsorge durch Vermittlung neuer Existerizmöglichkciten ist das brennendste Problein der Wohlfahrtspflege. Eine Tarlehnslasse unterstützt dieses Hilfswerk. In den Mittelstandsvolksküchen der Jüdischen Gemeinde werbeit täglich 5()0 bis 600 Personen gespeist. Eine Kleiderkammer ist dem Amt angegliedert. Fünf Wärmehallen stehen bereit. Die Rechtsschutzberatung prüft die Ansprüche auf Unterstützung. Eine eigene Herberge für Obdachlose wird im Marz fertiggestellt. Tie Wandersürsorge ist zur Beratung für Aus- Wanderer bestimmt. Die produktive Fürsorge ist die wichtigste und schwierigste Ausgabe der Wohlfahrtspflege. Man ist bemüht, die reine Geld Unterstützung tunlichst zu ersetzen durch Ermöglichung einer wirtschaftlichen Existenz. Tie wach- Verbirg nicht Dein Antlitz vor mir. Nicht verstoße im Zorn Deinen Knecht: meine Hilfe warst Du. Verlvirf mich nicht, verlaß mich nicht, Du Gott meines Heils. Denn mein Vater und meine Mutter habe» mich verlassen, aber Gott wird mich ausnehmen. Weise mir, Gott, Deinen Weg, und leite mich auf richtige Bahn, um meiner Verleumder willen. Gib mich nicht hin der Gier meiner Feinde: denn es stehen wider mich falsche Zeugen und einer, der Gewalt schnaubt. Wenn ich nicht vertraute zu schauen die Güte Gottes im Lande des Lebens ... Hoffe auf Gott, sei stark! und fest sei Dein Herz, ja, hoffe auf Gott. Aus diesem Psalm leuchtet in der Unverbrüchlichkeit seines Vertrauens das Wort hervor von der letzten Zuflucht des selbst von Vater und Mutter im Stich Gelassenen. Wen» Jbn Esra in nüchterner Erklärungsweise den Tod der Elter» voraussetzt, wenn Raschi eine zwar tiefsinnige, aber in diesem Zusammenhänge ganz abwegige Deutung des Wortes aus dem nur lusterfüllten Zeugungsoorgange ableitet, so mag vielleicht den jüdischen Erklärern undenkbar erschienen sein, daß Elter» ihr Kind verlassen könnten. Auch die hypothetische Fassung des ersten Satzes bei einigen neueren Erklärern ist abzuweisem. Nur in seinem schlichten Sinne offenbart dieses Wort seine» vollen Gehalt. Ein gequältes Herz ruft in dringender Gefahr zu seinem Gott. In diesem Frommen ist Prophetenwort lebendig. Er denkt wohl an Sätze wie: Ihr werdet mich suchen und finden, denn ihr werdet mir zustreben mit eurem ganzen Herzen (Jeremia 29, 13). Suchet mich und lebet! (Amos 5, 4). Nicht schuldlos fühlt er sich. Den Zorn des gütigen und gerechte» Gottes möchte er beschwichtigen und von ihm sich die Kraft erbitten, in Zukunft allem Unrechten zu widerstehen, damit auch jene Uebelwollenden, die jeden seiner Schritte belauern, keinen Anlaß haben, ihn wieder zu verdächtigen. Denn nun sind sie mit falschen Beschuldigungen gekommen, und ein übelwollender Richter scheint Schlimmes anzudrohen. Selbst Vater und Mutter stehen nicht auf der Seite des Verfolgten, sie haben wohl den lügnerischen Zeugen Glauben geschenkt. So wäre er denn ganz verlassen, wenn nicht die volle Zuversicht auf Gott, der ihm dies Erdenlebeu nicht verkümmern und freudlos lassen wird, ausrecht erhielte. „Wenn nicht..." Nach diesem unausgesprochenen Worte der Verzweiselung, das nur