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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-11-27 · 48 (27.11.1930) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
48 (27.11.1930)
Date
1930-11-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Unsere Kandidaten Jüdische Schulen? In der Oktobernummer des „Jüdischen Gemeindeblattes" ist von dem zionistischen Vorsitzenden des Schul- und Talmud- Thora-Vorstandes, Herrn Dr. Kollenscher, ein Artikel unter der Ueberschrift: „Aus dem Bereich der Schulverwaltung" veröffentlicht worden. Danach unterhält die Gemeinde außer ihren beiden alten Mittelschulen neuerdings eine voll ausgebaute Volksschule mit 480 Kindern, eine noch in der Entwicklung begrifsene Knaben-Volksschule mit 388 Kindern, eine noch in der Entwicklung begrifsene Mädchen Volksschule mit 329 Kindern, ferner eine Koch- und Haushaltungsschule, eine hebräische Lehranstalt (ohne Angabe der Besuchsziffer). Nach der Mitteilung des Herrn Dr. Kollenscher soll dieses vorhandene Schulsystem durch die Errichtung höherer Schulen vervollständigt werden. Ter Gemeiirdevorstand, so heißt cs dort, hat bereits die Errichtung der ersten höheren Schule beschlossen. lieber den Geist, der in diesen jüdischen Schulen gepflegt werden soll, läßt uns Herr Kollenscher keinen Augenblick im Zweifel. Er sagt wörtlich: „Der konzentrierte Unterricht in der gleichen Anstalt führt auch nach Art und Um fang eine intensivere und vermehrte Beschäftigung mit beit jüdischen und hebräischen Fächern herbei und schasst die Möglichkeit, jüdische S t i m m u u g u w b jüdische Gesinnung auch in den allgemeinen Lehrfächern an zu regen und zu stärken." Au anderer Stelle spricht er davon, das; in den Profanschulen der Gemeinde die Jugend mit „jüdischer Geistigkeit und jüdischer Weltlichkeit" erfüllt werden soll. Das bedeutet doch nichts anderes, als daß jedes Unterrichtsfach in jüdisch nationalem Geiste erteilt werden soll. Ueber die Kosten dieses Schulsystems sagt Herr Kollenscher kein Wort. Es dürften in diesen Tagen schwerster wirtschaftlicher Not von großem Interesse sein zu erfahren, welche Aufwendungen für die bestehenden Schulen seitens der Gemeinde gemacht werden. Schon der Ausgabenetat der Mittelschulen ist zur Zeit stark angeschwollen. Ter Aufwand je Kind beträgt zur Zeit bei der Knabenschule 1609 NM., bei der Mädchenschule 10151 Reichsmark, davon 1023 RM. bzw. 6!<8 RM. als Gemeinde zuschuß, während die Stadt Berlin für jedes Kind einer höheren Schule nur 230 RM. bewilligt. Umsomehr muß man sich hüten, in dieser Zeit neue Lasten zu übernehmen. Schon jetzt aber wurden zunächst einmal für die drei neuen Volksschulen laut Etat jährlich 147 920 RM. ausge geben, obwohl, wie bereits beinrrkt, nur eine von ihnen bereits vollständig ausgebant, die anderen noch in der Ein Wicklung begriffen lind. Tie Volksschulen haben privaten Eharakter, sie sind Ein richtungeu der Gcmeiude und erhalten keine städtischen b.zw. staatlichen Zuschüsse. Herr Tr. Kollenscher führt in seinem Artikel zwei Gründe au, warum die Schulverwaltung diese Schulen nicht der Stadt Berlin als ossenttiche jüdische Volksschulen der Stadt übergeben will. Er sagt wörtlich: „Es ist mit der Gefahr zu rechnen, daß bei der Einrichtung öffentlicher jüdischer Volksschulen die Schuljugend — wenigstens des betreffenden Bezirks --- gezwungen werden könnte, diese öffentlichen jüdischen Schulen zu besuchen. Damit würde sich die öfsentliehe jüdische schule als Zwangsanstalt auch denjenigen Erziehungsberechtigten und ihren Kindern aufdrängen, die nach ihrer freien Ueberzeugnug jüdische Schulen nicht lieben. Dieser Zwang muß vermieden werden. Tie zweite Erwägung beruht daraus, daß die Beibehaltung des Charakters als private jüdische Schule der Gemeinde einen größeren Einfluß auf die innere Gestaltung des Schulbetriebes uitd insbesondere auf die jüdischen und religiösen Lehrfächer gestattet." Herr Dr. Kollenscher hat sicherlich vergessen zu bemerken, daß es in Prcu ßen noch niemals vorgekommen ist, daß ein jüdisches Kind gezwungen worden ist, die bestehende öffentliche jüdische Volksschule zu besuchen. Er hat ferner überscheu, daß die Schulbehörde auf die Lehrpläne der bestcheuden jüdischen Mittelschulen, die doch öffentlichen Eharakter haben, die weitestgehende Rücksicht genoinmen hat und sogar zugegeben hat, daß die Gesamtstundenzahl infolge der erhöhten Stundenzahl für jüdischen Religionsunterricht vermehrt worden ist. Bon der „Hebräischen Lehranstalt" berichtet Herr Dr. Kollenscher, daß sie znm Ziele die Verbreitung hebräischer Sprachkenntnisse hat. Der Ausgabenctat beträgt für diese Anstalt 3 7 2 1 8 RM. Es handelt sich hier um Kurse in den Abendstunden für alt und jung aus den verschiedensten Berufen. Es dürste wohl einzig dastehcn, daß für Kurse, deren Besuch freiwillig ist, deren Besuchsziffer sehr wechselt, feste Lehrkräfte angestellt werden, die also nach des Tages Müh' und Arbeit ihr Amt erst ausüben. Jeder müßte wissen, daß die bestehenden Einrichtungen vollkommen ausreichen, sich die hebräischen Sprachkenntnisse anzneignen, soweit sie für den Kultus und Kenntnis des Schrifttums notwendig sind. Tie Einrichtung einer Vorbereitungsanstalt für Die liberale Liste 1 zum Preußischen Landesverband 1. Kammergerichtsrat Leo Wolfs 2. Rechtsanwalt und Notar Heinrich Stern 3. Justizrat Dr. Julius Brodnitz 4. Frau Minna Schwarz 5. Dr. Ludwig Holländer 6. Landgerichtsrat Dr. Marlin Lesser 7. Baumeister Georg Jacobowitz 8. Studiendirektor Dr. Joseph Entmann 9. Malermeister Robert Eutheim 10. Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil 11. Fabrikbesitzer Dr. Moritz Garbaty 12. Rechtsanwalt Dr. Walter Breslauer 13. Rabbiner Dr. Julius Gallinec 14. Rechtsanwalt Dr. Julius L. Seligsohn 15. Buchdruckerei bescher Arnold Stein 16. Rabbiner Dr. Mar Weyl 17. Frau Bianca Hamburger 18. Rechtsanwalt Dr. John Wertheim 19. Kaufmann Leo Steinitz 20. Rabbiner Dr. Jos. Lehmann 21. Rechtsanwalt und Notar Dr. Heinrich Elkeles 22. Lehrer Hermann Falkenberg 23. Kaufmann Gustav Zainvry 24. Lehrer Michael Abraham 25. Dr. Mar Gach 26. Schlossermeister Siegfried Persachowch 27. Kaufmann Mar Klein 28. Redakteur Alerander Szanto 29. Glasermeister Hermann Müller 30. Rechtsanwalt Dr. Mansred Meyer 31. Generalsekretär George Goetz 32. Rechtsanwalt Dr. Julius Charig 33. Fabrikant Willy Hirsch 34. Dr. med. Alfred Caro 35. Kaufmann S. Abraham 36. Handelsgerichtsrat Martin Held 37. Konrektor I. Arndt 38. Journalist Heinz Leoy 39. Dr. med. Adolf Metz 40. Amtsgerichtsrat Dr. Fritz Goldschmidt 41. Architekt Julius Peyser 42. Rechtsanwalt Georg Tuch 43. Woblsahrtsbeamtin Dora Silbermann 44. Buchhändler Joseph Salomo» 45. Sekretärin Johanna Nathan 46. Kaufmann Eduard Neter 47. Kaufmann Hugo Blankenburg 48. Berbandssckretär Erich Salings' 49. Kaufmann Alfred Ehrlich 50. Dr. med. Erwin Rosenow 51. Frau Else Schweriner 52. Dr. med. Leopold Reinsberg 53. Dr. med. Martin Graetz das jüdische Natioualheim in Palästina gehört sicherlich nicht zu den Aufgaben der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Herr Dr. Kollenscher bemerkt übrigens noch ausdrücklich, daß diese Lehranstalt weiter ausgebaut werden soll. Tie gesamten Ausgaben für das jüdische Schulwesen betragen nach Abzug der Schuleinuahmen und der staatlichen Zuschüsse zur Zeit 1 13 7 89 1 R M. Darin sind nicht einbegriffen die Pensionen für die Lehrkräfte und für deren Hinterbliebene. Auch sind darin nicht enthalten die 60 0 0 0 0 Reichsmark, die die vor kurzem neugebaute Mädchen Volksschule gekostet hat. .Herr Tr. Kollenscher weist daraus hin, daß diese Ausgaben in der nächsten Zeit noch erhöht werden sollen durch den Neubau einer Volksschule, durch die Einrichlung einer Jeschiwa und durch die Einrichtung einer jü dischen Höheren Schule. Ter Anflvand für diese von ihm und sc inen Freunden geplanten Neueinrichtungen ist mit Sicherheit auf 1 bis 2 M illioncn ein m aliae Mo st e it und m eI) rere h u » derttans en d Bi a r k ja h r 11 cf) e B e 1 ri c b s k o st e n aiiuinehineii. Tie geplante Einrichtung zunächst einer höheren Schute begründet Herr Tr. Kollenscher mit dem Hinweis aus die bestehende höhere Schule der Becliner vcthodoren Separat gemeinde. Aber Herr Tr. Kollenscher müßte wissen, daß eine höhere Schule der Separatgemrinde eine deutsche höhere Schule sein will, in dw die Kinder die Möglichkeit haben, '.hre Religion im orthodoxen Sinne zu betätigen. Mit aller Entschiedenheit wird eine solche Schule es ablehnen, in den allgemeinen Unterrichtsfächern „jüdische Gesinnung und jü- 54. Fritz Wvlffsky 55. Heinz Boß 56. Rechtsanwalt Dr. Ernst Emil Schweitzer 57. Direktor Eerson Bach 58. Handelsgerichtsrat Alfred Salomo« 59. Direktor' William Wolfs 60. Justizrat Wilhelm Plonsker Die liberale Liste 1 zu den Repräsenkantenwahlen 1. Dr. h. c. Wilhelm Kleein ann, Direktor der Dresdner Bank 2. Rechtsanwalt ititb Notar Heinrich Stern 3. Frau Bertha Falkenberg 4. Glasermeister Wilhelm Marcus 5. B'.'.chdru.kcreibesitzer Moritz Roscntha? 0. Bankier Wilhelm Ersetz 7. Landgcrichtsrat Dr. Marlin Lesser 8. Studiendirektor Dr. Joseph Entmann 9. Fabrikant Earl Fuchs 10. Dr. med. Satt!) London 11. Diplom Ingenieur Bruno Woyda 12. Büroangestellter Martin Sobotker 13. Dr. med. Kurt Fleischer 14. Amtsgerichtsrat Walter Michaelis 15. Bankier Alfred Jaulus 16. Gemcindebeamter Elieser Ehren re ich 17. Dr. med. Hans Sachs 18. Bürovorsteher Mar Eifenkrasmer 19. Tapezierermeister Louis Wolfs 20. Apothekenbeschor Benno Solinger 21. Frau Hedwig WMowski 22. Gemeindebeamter Eitel Rockmacher 23. Landgerichtsrat Dr. Joachim Seligsvhn 21. Rechtsanwalt und Notar Dr. Mar Maner 25. Studienrat Dr. Kurt Lewin 25. Fabrikant Tr, Haus Lewrnz 27. Kausinann Tr. Eugen Prnner 28. Kauf!:!an» Msst's Gottfcld 20. Direktor Hugo R forberg 30. Töpfermeister Markus Kramarsli 31. Rechtsanwalt und Notar Julius Jttman» 32. Dr. meo. Lev Ears 33. Gemeindcbeamker Siegmund Wilhelm Rawack 31. Rechtsanwalt und Notar Dr. Mar Laerwald, Oranienburg 35. Zahnarzt Dr. Bruno L: rusch in, Eövenick 36. Fränlcin Rechtsanwalt Dr. Margarete Berent 37. Mar Rosenthal 3.8. Frau Frirnze Michaels»« 39. Fabrikbesitzer Dr. Moritz Garbai s ■10. Direktor Julius Ferg 4l. Kommerzienrat N. Hamburger 12. Angestellter Martin Schneider 13. Kommerzienrat Alfred Zielenziger 11. Dr. h. c. James Simon Ain 30. November: Wählt Liste 1. bische Stimmung, jüdische Weltlichkeit" zu Stegen. Sie hat deswegen auch keine Bedenken, andersgläubige Lehrer au ihrer Schute zu beschäftigen. Die Notwendigkeit zu eitler höheret'. Schule auch für eine orthodoxe Separatgemeinde liegt freilich nicht vor: denn die höheren Schulen Preußens Huben bis ans einige Stiftungsschnlen paritätischen Charakter. Für den jüdischen Religionsunterricht ist alt if)iten Sorge getragen; ans die religiösen Bedürfnisse der jüdischen Kinder wird die weitestgehende Rücksicht gellvmmen. Es dürfen keine Ülieiscprüsnngen au Sabbaten und Feiertagen abgehalten werden, sofern auch nur ein Schüler darunter ist, der dagegen Einspruch erhebt. Tie jüdischen Schüler dürfen, wenn, die Eltern es verlanget!, nicht nur, wie es allgenrein geschieh!, an den hohen Feiertagen, sondern auch an Sabbaten und kleineren Festtagen in der Schute fehlen. Eine jüdische höhere Schule, wie sie Herr Tr. Kolkenscher wünscht, wird als jüdisch nationale Schule aufgefaßt werden müssen. Wer die Jugend hat, hat die Zukunft. Das ist von den jüdischen Nationalisten richtig erkannt worden. Ter jüdischen Nationalerziehung dient im letzten Grunde das ganze Schinwerk der Jüdischen Geineinde, so wie sie es urnzugestalten im Begriff sind. Volksschulen, hebräische Lehranstalt und die kommende jüdische höhere Schule werden die Grundlage für ein jüdisches Nationatheim in Berlin bilden, wem: die Gemeiudemitgliedcr nicht ani koinmcnden Sonntag durch Stinunabgabe für die Liberale Liste 1 dieser Art von Schulpolitik Einhalt gebikteu. HSSBfifl Höctutj^ Genuß) Sandblatt Fehlfarben Nr. 150 alleinj durch, Bernhard Loeser 30 Pfg. mmmrns Donna Lucia 20 Pfg. Die Worte Loeser&Wolff-Zigarren sind keine beliebigen Warenbenennungen, sondern Ausdruck für erstklassige Erzeugnisse eigenertierstellung Neueinführung! Loeserillos klein 6 Pfg. Loeserillos Mittel 8 Pfg. Loeserillos grob 10 Pfg. mild und bekömmlich LOESERtWOLFF ZIGARREN Zentrale: Berlin W 35, Potsdamer Sirafce 24-25

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