Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 46 (12.11.1930)
- Date
- 1930-11-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2613366-2614053-2614099--3788-2621419- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
junger Mensch im Berufsleben abgab, Wertmesser für seine Persönlichkeit war, wenn auch früher der Beruf nicht jedem Menschen Lebenszweck war nnd ideelle Befriedigung gab, so war er dock) jedem wirtschaftliche Stütze — heute überzeuge,: uns! Enttäuschungen nur zu oft, daß das Wort von der Selbstgcstaltung des Schicksals „Freie Bahn dem Tüchtigen" zur hohlen Phrase geworden ist. Ueberschauen wir weite Jugendk:eise unseres deutschen Volkes sowie die heranwachsend» Generation des Judentums, so gewinnen wir aus den ersten Blick den Eindruck starker Radikalisierung aller Lager, unter besonderer Betonung der extrem nationalen Elemente. III. Ist null die Rot unserer Tage wirklich ein Eiuschuldigungsgrund für die Radikalität weit und breit? Bemühen wir uns ganz klar und leidenschaftslos, unter Ausschaltung aller gefühlsmäßigen Momente diese/ Frage zu beantworten. Nicht von den ungeheuren Scharen jugendlicher Anhänger des deutschen Nationalsozialismus wollen wir sprechen. Es sei unsere Ausgabe, uns mit der Einstellung gerade der Jugendireise auseinanderzusetzen, die zionistisch-nationalsozialistisch Orientiert sind. Bor wenig Wochen hat die englische Regierung eine Er klärung veröffentlicht, die die bisherigen uneingeschränkten Einwanderung^- und Arbeitsmöglichkeiten der Zionisten in Palästina um ein bedeutendes beschränkt. Niemand wird darin eine antijüdische Geste sehen können, aber um so deutlicher wird das Judentum der ganzen Welt erkennen müssen, daß England die bisher zielloS-i-ealistischen Bestrebungen der Zionisten aus die Basis gesunder Realpolitik gesetzt hat. Wenn man nun erfährt, daß Palästina bestenfalls 20 000 Familien Ein laß gewähren kann, so dürfte man wohl erwarten, das; gerade die zionistischen Jugendlichen, da sie bisher im unklaren waren über die in Zukunft noch möglichen kolonisatorischen Leistungen, gerade von diesen jungen Menschen sollte man nun erwarten, daß sie ihre Einstellung zum Judentum revidieren und nicht weiter in extrem-natiomrlcr Radikalität ver harren. Diese Aktion wäre keine Fahnenflucht. Sic würde nur zeigen, daß Menschen, die gewohnt sind, ihr Leben in unbegrenztem Jdealisrnus zu gestalten, die Notwendigkeit von Kompromissen und Realpolitik eingesehen haben. Bismarck, Rathenau und Stresemann lehren uns, daß in der Politik nicht das Ideal, sondern Realpolitik und bestmöglichste Kompromisse siegen. Ter Weltkrieg lehrt uns, daß Politik der Macht unsägliches Blutvergießen fordert. Mir Betrübnis haben wir Ende Oktober von den Prager Ausschreitungen Kenntnis genommen. Tie extrem-nationale Regierung in Thüringen haben wir entsetzt abgelehnt. Ueber den Ausfall der Reichslagswahlen waren wir empört. Seit Monaten hören wir aus Polen dauernd von Hetze gegen Deutsche. Tas alles sind nationalistische Sünden, die geschehen, tvofcbem1 wir vom Weltkrieg erst ein und ein halbes Jahrzehnt entfernt sind. Sind die Lücken in den Familien schon vergessen, die körperlichen und seelischen Wunden schon vernarbt, die Fromerlebnisse verlöscht, daß auch die Juden und besonders die jüdische Jugend unserer Tage ihr Lebensideal in Agitation für Nationalismus sehen? Tas Nationaljudentum will von der jüdischen Friedensreligion, von dem Gedanken einer Einheit des Menschengeschlechts nichts mehr wissen. Zionistische Jugend, lernt aus der Geschichte! Wenn man nun von der Basis des Gefühlsmäßigen und dem Ziele des schrankenlosen Ideals sich zur Notwendigkeit gesunder Realpolitik bekennt, ist noch ein Gesichtspunkt ins Auge zu fassen. , IV. Unsere gewaltige Krise der Gegenwart ist nun durch den Weltkrieg historisch bedingt und es gilt in Deutschland harte Aufbauarbeit zu leisten in jeder Hinsicht. Nicht jedoch! Leidenschaft und Radikalität dürfen uns bei Erfüllung dieser schwere:: Aufgabe leiten. Mit kühlem Kopf, aber heißem Herz wollen wir an die Arbeit gehen. Wenn nun die zionistische Jugend einsieht,daß Palästina nur eine ga,rz kleine Teillösung zur Befriedung der Welt darstellt, so sollen sie nicht mehr von einem „Galuth" sprechen, sondern sich in dem Lande heimisch fühlen, mit dessen Volk u:ü> Bewohner sie durch Sprache und Arbeit für das öffentliche Wohl fest geeint sind. Und noch einmal, die Not der Zeit gibt uns nicht das Rocht unüberlegt und radikal um jeden Preis zu handeln. Vom Geistigen her, von der Ueberlegung, der Vernunft muß Hilfe kommen. V. Tie Verantwortung muß gebieten! Uns liberalen Juden ist das Gebot der Verantwortung Grundlage aller Religiosität. Verantwortung und persönliche Aktivität in positiv-politischer Hinsicht fordert aber auch die Wmnvrer Verfassung. Rach hundertjährigem Ringen ist endlich der Gedanke des Volksstaats Wirklichkeit geworden. Sollten in diesem Jahrhundert für die Idee des Volksstaates nur deshalb so viele deutsche Juden gewirkt haben, damit einmal die Zionisten in Deutschland nationale Minderheitsrechte genieße, oder waren diese Männer nicht vielmehr von dem Gedanken getragen, jedem Staatsbürger ohne Unterschied Möglichkeiten des Fortkommens, Recht und Pflicht der Mitarbeit am Gemeindewohl zu verschaffen? Wenn wir Lebensnähe der Religion fordern, so ist es die Aufgabe unserer Tage, das Ethos unserer Verfassung zur vollen Wirksamkeit zu bringen. Wenn es eine Verbindung der Religion und Politik im Judentum unserer Tage geben kann, so ist es die, Religion in die Politik zu tragen, fi e mit dem Geist der Berantwortung zu erfüllen. Hans-Manfred T a n z i g e r, Breslau. Mehr Aktivität Es ist c:ne traurige Tatsache, daß innerhalb der Richtungen im deutschen Judentum der Liberalismus die schwerste Position einnimmt. Seine Ziele werden oftmals verkannt; nicht nur von der Orthodoxie, sondern, was weit schlimmer ist, von einer Gruppe von Brüdern und Schiwestern, die sich zwar als „liberal" bezeichnen, die aber vom wahren Liberalismus himmelweit entfernt sind. Ich, denke hier an diejenigen, die man als „Indifferente" zu bezeichnen hat. Das liberale Judentum -leidet unter der Existenz jener Gleichgültigen ganz enorm, und meistens werden von vrthvdoxer Seile gerade diejenigen als Liberale bezeichnet, denen in der Tat der Gedanke des Liberalismus, geschweige denn die Idee des Judentums gänzlich unbekannt sind. Ich bin der Ansicht, daß, wir es dringend nötig haben, um die Achtung uno den Respekt unserer Auffassung vom Judentun: zu steigern, hier einzugreifen uno schärfer als je zu betonen, daß wir Liberale von ganzen: Herzen Juden sind, und uns nicht zu denen rechnen, für die unsere heilige Religion „überwundener Standpunkt" ist, und die ihr Judesein einzig uno allein darin zum Ausdruck bringen, daß sie um der „Pietät" und nicht der „Sache" willen.« vielleicht irgendwelchen „Trauerbrauch" erfüllen, — ich hoffe richtig verstanden zu werden, — also damit andeuten, daß Judentum „im Leben" keinen Platz mehr hat! Wir liberale Jugend wolle:: doch gerade Belebung und Vertiefung des Judentums, wir erkennen den Wert des heiligen Erbes unserer Väter! Und trotzdem lreoen wir unser Judentum nicht nur darum, weil unsere Ahnen es geliebt, weil es ihnen Inhalt und Zweck ihres Lebens gewesen ist, wie es uns die Geschichte lehrt, sondern nicht zumindest, weil wir erkennen, daß es mit seiner reinen Gottesidee, seiner ganz uns Menschen entsprechenden und nicht widersprechenden Auffassung voin „Leben" gerade unserer Zeit besonders viel zu sagen hat! Wir Jugend, die wir in den Kriegsjahren ausgewachsen sind, die wir die Nachwirkungen des großen Weltgeschehens miterleben, in einer Zeit leben, in bet „Tempo" regiert und den Menschen nicht zur Besinnung kommen läßt, Existenz! orgen fast jeden einzelnen im Vaterland bedrücken, in dieser Zeit brauchen .vir als Gegengewicht — — Religion! TaS Wort des Dichters: „Wo ein Begeisterter steht, da ist der Mittelpunkt der Welt" scheint doch nicht absolut wahr zu sein! Wir haben viel begeisterte jüdisch-liberale Jugend; aber zu viele, die abseits stehen! Wir wollen uns nicht d i e zun: Vorbild nehmen, denen wir es durchihre Unna-ch^ eiebigkeit verdanken, daß viele große Geister, als die Pforten des Ghettos geöffnet wurden, uns verließen, uns auch nicht mit der nackten Feststellung absinden, die doch absolute Wahrheit ist, daßviel zu viele unserer Brüder und Schwestern aufwachsen, ohne etwas vom Judentum zu erfahren. An die müssen wir uns wenden! Wir dürfen keine Vogelstraußpolitik treiben! Auf uns Jugend baut das Judentun:! Jede ältere Generation hofft aus das junge Geschlecht! Es gibt so viele, denen nicht der „religiöse Boden" fehlt, die auch noch aarnicht etwa das Judentum verneint haben, sondern gleichgültig sind aus dem feinen Grunde, weil ihnen jemand fehlt, der sie „religiös belebt". Und noch auf etwas möchte ich Hinweisen: Außer in der Berliner Reformgemeinde besteht em gewisser Teil der Liturgie des Gottesdienstes in alten liberalen Gernemdesyuagogen aus Gebeten in hebräischer Sprache. Es ivirll auf michstets deprimierend zu sehen, daß ein überaus großer Teil der Gemeinoe teilnahmslos beim Gottesdienst dasitzt. Bein: Judentum wird die aktive Beteiligung ffdes einzelnen gefordert! Wie wenig ist heute davon zu merken. Ein Berliner Kanzelredner hat mit Recht erklärt, daß in der Gegenwart vielfach der Zustand einer bestimmten Epoche nnedererreicht ist, in der sich die Gemeinde mit dem „Amenfogen" begnügte. Wir dürfen unter keinen Umständen zu den traurigen Tatsachen „Amen" sagen; sondern müssen unbedingt ändern! Tie hebräischen Gebete müssen verstanden werden! Die Gemeinde mufr wieder aktiver werden. Jeder muß mit unserer Liturgie vertraut sein, das ist nicht zu diel verlangt. Nicht nur der Kantor soll singen, und die Gemeinde still zühören. Wir sollten uns nicht nur aus den Kantor, den „sch'liach — zibbur als unseren Fürbitter bei Gott verlassen. Ich weiß, daß von zionistischer Seite viel zur Pflege der hebräischen Sprache getan wird. Daß für Zionisten ore Kenntnis der heiligen Sprache wichtiger ist als für Nrchtzionisten sehe ich ein, halte es aber als liberaler deutscher Jude nicht für überflüssig, daß alle liberalen Nichtzionisten, die ein liberales 'Gotteshaus aussuchen, die Gebete, die dort in der heiligen Sprache gesprochen werden, verstehen! Es war im Judentum immer so, daß! die Kenntnis der Religion nicht bei dem geistlichen Führer, also bei dem Rabbiner, aufhörte. Jungens und Mädchen sollen wissen, welche Schätze unser Gebetbuchs birgt, daß in ihm viele der schönsten Psalmen enthalten sind. Man bedenke nur, was dem Christentuin der Psalter bedeutet, und wie viele es in unseren Kreisen gibt, die keine Ahnung von den Kleinodien der MM haben. Der Zweck meiner Zeilen sott zusamwenfassend der sein: Wir jüdisch-liberale Jugend müssen zeigen, daß uns jüdischer Liberalismus kein Schlagwort ist, sondern sür uns lebendiges Judentum bedeutet! Wir jüdisch-liberale Jugend wollen uns mehr au die wenden, denen die Anregung und Kenntnis des Judentums fehlen! Wir wollen uns nicht mit denen identifizieren, die „gleichgültig" sind, die wir nicht als dem Judentum verloren, sondern als noch durchs unsere Arbeit zu gewinnende Juden und Jüdinnen ansehe n! Zu diesen möchte ich sagen: Versucht erst einmal einzudringen in die Tiefen unseres Glaubens, damit Ihr die Größe unserer Religion ermessen lernt! Nehmt Ihr wahr, was unsere Gemeinde Euch bietet! Liberales Judentum heißt immer noch! positives lebendiges Judentum. Uns Liberalen ist unsere Religion Heiligtum. Gechard Graf, stud. phil. et theol. Aus der Jli-Arbeit * Breslau. fJli-Hauptgruppe.) Am 29. Oktober sprach Ulrich Steuer über „Die geistigen Begründer der religiösen Richtungen des modernen Judentums". Er zeigte, wie nach der Emanzipation das Judentum vor der Wahl stand, entweder ^ich zu reformieren oder seine letzten Köpfe, die von der religiösen Ver» Wilderung der Ghcttozeit abgestoßen wurden, zu verlieren. Nach einer kurzen Biographie der religiösten Führer dieser Zeit sprach Ulrich Steuer zuerst über die Orthodoxie. Wir sahen den inneren Widerspruch in Samson Rafael Hirsch, der zwar zugibt, daß das Judentum «ine historische Erscheinung ist, aber nicht eine Reform der Religion, sondern eine Erziehung der Menschen zur Thora fordert. Konsequent wurde die historische Betrachtungsweise erst von Abraham Geiger durchgeführt. Als Historiker lehnt Geiger vor allem das Dogma von der Bcrbalinspiration der Bibel ab und betont, daß die Entwickelung nicht zu einer bestimmten Zeit abgebrochen werden kann, zwischen ihm und Hirsch steht der Konservatismus Frankels, der zwar auch eine Entwickelung zugibt, aber viel stärker als Geiger den Wert des Gewordene,: betont. Aus der anderen Seite fordert Samuel .Holtheim, der Begründer der Reformbetvegung, die völlige Ueberwindung der Geschichte und des Talmudismus und die Trennung der religiösen von nationalen Dingen. Eine kurze Diskussion schloß den interessanten Abend. I. S. Liegnitz. (Vortrag im Jli.) Am Montag, den 3. November 1030, sprach unser Vorsitzender Herr Rechtsanwalt Dr. Srlxeycr über:Tie Todes st rase, eine ethische nd juri-- st i s ch e B e t r a ch t u n g. Zunächst gab der Redner einen historischen Rückblick nnd sprach dann im allgemeinen über die Strafe. Das Gesetz straft nach 4 Theorien: der Vergcltungstheorie, «^cr BesserungSlhcorie, _ der Abschreckungstheorie, bei der generelle xmd spezielle zu unterscheiden ist, und nach der SicherungStheorie. Ter Redner erklärte auch die Stellungnahme der Juden und verschiedener geistiger Köpfe, u. a. Goethe, Schiller, Lessing, .Herder ustv., zu der Todesstrafe. Allerdings war die Betrachtung etwas mehr von juristischer als von ethischer Seite abgefaßt. — Es entspann sich über die einzelnen Punkte eine lebhafte Diskussion, in der auch besonders über dcu Unterschied zwischen Mord nnd Totschlag debattiert wurde, da das Gesetz bei Mord die Todesstrafe verhäng!, dagegen bei Totschlag nur Zuchthaus oder sogar bei mildernden Umständen nur Gefängnis. Ter Redner betonte ausdrücklich, daß er, rls er sich das Thema stellte, für die Todesstrafe gewesen ,sei; jedoch im Laufe der Bearbeitung zu der entgegengesetzten Meinung gekommen sch Auch hierüber wurde lebhaft diskutiert. Ta man aber über diesen Punkt wirklich ganz vcrfchicdeuer Meinung fein kann, so ist es wohl ganz natürlich, daß man dieses Thema nicht nur mit ein paar 'Worten abtun kann, sondern immer loicbcc Gelegenheit finden wird, auch in anderen Kreisen darüber zu debattieren. * Das Jli-Programm * Berlin. Gemeinsame Brranstaltuug. Mittwoch, den 12. November, abends 8 Uhr, Rosrnstraße 2-4: Eemeindepokitischer Abend. Referat: Dr. A. Lilienthal. Jli-Singkreis. Donnerstag, den 20. November, abends 8 Uhr, bei Ilse Finkel, Charlottenburg, Riebuhrftratze 58. Aelterengruppe. Donnerstag, den 20. November, abends 8 Uhr, bei kEllev Littmann, Charlottenburg, Nene Konlstratze 6, bei Joseph. Breslau. Hauptgruppe: Arbeitsgemeinschaften und Studienlreise: Um 20.15 Uhr im Jugendheim: Montag, den 17. November: Grundlage« und Aufgaben des religiös-liberalen Judentums. Montag, den 17. November: Hebräisch sür Anfänger. Donnerstag, den 20. November: Di« Entwicklungsgeschichte des deutschen Judentums seit der Emanzipation. Donnerstag, den 20. November: Judentum und Christentum. — Freitag, dm 14. November, 19.30 Uhr: Freitagabendspatandacht. — Freitag, den 21. November, 20.30 Uhr, im Jugendheim: Freitagadendfeier. — Jüngeren-Gruppe: Dienstag, de» 18. November, 16.30 Ahr: Geselliger Nachmittag (siehe Sondereinladung). — Jüngften-Gruppe: Montag, den 17. November, im Jugendheim. Frankfurt a. M. Jli-Jugendgrupp«. Samstag, den 15. November, 16 Uhr, bei» Walter Brill, Reuterweg 44. Referent: Wolfgang Edinger. Samstag, den 22. November, 16 Uhr, bei Paul Hirfchberg, Bäckrrweg 9. Spielnachmittag. Samstag, den 29. November, 16 Uhr, bei Wolfgang Edinger, GSrtuerweg 55. Arbeitsgemeinschaft Kunstgeschichte. Samstag» den 6. Dezember, 16 Uhr, bei Karl Zedner, Sophienstratze 12. Anssprache: Aktuelle Tagesfrage«. Samstag, den 13. Dezember, bei Siegfried Stiefel, Reuterweg 59. Anssprache: Abwehrfragen. Samstag, den 20. Dezember: Chanukahfeier. (Näheres wird nach bekanntgegeben.j Dienstag, den 18. November 1930, Vortrag des Herrn Studiendirektor Dr. Driefen: „Die Lehren der jüdifchm Geschichte sür die Gegenwart". Liegnih. Am Montag, den 17. November 1930, abends 20.15 Uhr, spricht Manfted Haas« über die Jlibewegnng. Treffpunkt: Sitzungssaal des Gemeindehauses, Bäckerstratze 16. Magdevmg. Am Dienstag, dr« 18. November 1930, abends 8.15 Uhr, spricht im Vereinszimmer der Mendelssohn-Log«, Breiterweg 139*140, 3 Tr., Fräulein Ellen Littmann, Jli-Berlin, über „Ervndfragen des Liberalismus" mit anschließender Diskussion. Nachtraguag. Ter Verfasser des Artikels „Schire Simroh", dessen Nennung versehentlich unterblieb, ist Oberkantor Bernhard Alt, Aachen. Bei der Aufzählung der Merkmale des jüdischen Kantoralgesanges muß es nicht „Arithmetik", sondern „Arhythmik" heißen. * Vereinsnachrichten Tic Bereinigung der Berliner SynagogenchSre, Dirigent Alexander Weinbaum, bringt am Mittwoch, den 19. November, abends 8 Uhr, in der Neuen Synagoge, Oranienburger Straße 30, Handels „Judas Maccabäus" zur Aufführung. Die Titclpartie singt Kammersänger Hermann Jadlowker, ferner wirken die Mitglieder der Berliner Staatsoper Tilli de Garmo und Anna Lipin und das Mitglied der Städtischen Oper in Leipzig C. A. Neumann mit. Am Cembalo Max Janowski, an der Orgel Arthur Zepke. Das Berliner Sinfonie- Orchester. Kartenverkauf bei Bote 8- Bock und A. Wertheim. „Friede durch die Jugend!" In der ersten öffentlichen Kundgebung der „Jungjüdischen Friedensgcmeinfchaft", Sonntag, den 16. November, IO1/2 Ufr vormittags, in der Synagoge Prinzregentenstraße 69-70, werden von den Vertretern der J.F.G. Knrt Jacobowitz, Dr. Swarsensky, E. Lewin u. A. nachstehende Referate erstattet werden: „Die religiöse Friedensforderung des Judentums", „Friede durch die Jugend!", „Die Schule des Friedens". „Not und Selbsthilfe der jüdischen Jugend", „Frauen nnd Friede". Im Rahmen dieser Kundgebung findet als Veranstaltung der „Freien Jüdischen Volkshochschule" der Bortrag von Rabbiner Dr. Baeck „Pazifismus" statt. Schlußansprache: Dr. Nossig: „Die Friedenssackel". Frei« Jüdische Volkshochschule, Yorckstraße 88 (Goldmann), Bergmann 472. Der Bortrag von Rabbiner Dr. Leo Baeck über Pazifismus (3. Vortrag des Zyklus „Jüdische Tagesfragen") ist von der Synagoge Fasanenstraße nach der Synagoge Prinzregentenstraße verlegt worden und findet im Rahmen einer Kundgebung der Jungjüdischen Friedensgemeinschaft am Sonntag, den 16. November, 10^/z Uhr vormittags, statt. Vor und nach dem Bortrag sprechen Vertreter der J.F.G.: Dr. Schenkel, Dr. Swarsensky, K. Jacobowitz, Dr. Alfred Nossig u. A. Prof. Heinrich Locwe beginnt am 17. November einen Zyklus von 4 Montagabenden in der Synagoge Fasanenstraße, abends 8 Uhr, über: „Namen der Juden". Der Zyklus von Rabbiner Dr. Warschauer: Ein Gang durch die jüdische Geschichte wird aus das Wintertrimester 1931 verlegt.