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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-11-05 · 45 (5.11.1930) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
45 (5.11.1930)
Date
1930-11-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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hierüber säum das Interesse einer noch so kleinen Oeftentlichkeit beanspruchen können. „Daß der Charakter des Sabbat als Tag der inneren Ruhe und Sammlung uno der Sonntag als Tag der Enispannung und Zerstreuung niemals gleichzusetzcii sind, sei hier nicht näher ausgeführt. Tic Bestrebungen des Verbandes Sch am re Schabbos iind zu begrüßen und zu unterstützen." In dieser Zeitung hat einmal ein Berliner Rabbiner gesagt, die Trennung von Männern und Frauen mährend des Gottesoierffles darf nicht aufgehoben werden, weil der Gottesdienst somt wahrscheinlich würdelos verlaufen würde. Und hier betont Herr Weinsast, baß Sabbat und Sonntag niemals zusarnmensälien dürsten, weil der eine ein Tag der inneren Sammlung, der andere ein Tag der Entspannung sei. Aber kaum ein Jude steht auf, um gegen diese Mißtrauens'beweise gegen die Iudenheit zu protestieren! Welcher christliche Gottesdienst ist würdelos, weil Männer und Frauen in -hin nicht getrennt sitzen? Sind die Inden soviel disziplinloser als die Christen? Ein jüdischer Führer hat es behauptet. T«s versteh« ich ntcH! Tie Christen brauchen nur einen Ruhetag, den sic je nach ihrer Einstellung mehr zur Entspannung oder mehr zur inneren Sammlung benutzen. Tie Juden brauchten früher auch nur einen Rudetcig. Uno ein Ruhetag ist ihnen geboten. Aber ein dem Gesetze wahrscheinlich treuerer Jude als ich behauptet, der Tag der inneren Sammlung und oer der äußeren Entspannung müßten nebeneinander bestehen. Tenn das ist doch der Kern dessen, was Herr Wemsast sagen wollte. Wäre es ihm nur um einen für die beiden Religionsgemeinschaften verschiedenen Inhalt ihres Ruhetags zu tun. dann spräche \a nichts gegen ein zeitliches Zusammenfällen der beiden Tage. Tagegen spräche nur, daß die Juden beide Tage brauchen. Und nun der Schlußsatz: also: „Tie Bestrebungen des Verbandes Schomre Schabbos snrd zu begrüßen." Wahrhaftig, diese Folgerung versiebe ich nicht. Es ist ja gar^ nicht möglich, den Widerspruch zwischen der Meinung von Herrn Weinsaft und den Zielen des Verbandes Schnurre Schabbos schärfer auszudrücken, als dies Herr Weinsaft, unfreiwillig, getan hat, indem er dem Sabbat die innere Ruhe, dem Sonntag die Erholung zum Inhalt gal. Wohl könnte eine- Organisation den Schutz oieses Tages der äußeren Ruhe, die gesetzliche Sonntagsruhe provagieren. Aber orgairisatorischer Schutz des Tages der inneren Ruhe? Tas verstehe ich nickst! Und es riecht nach „Muttertag" u. ä. Herr. Weinsast lehnt banale Zeitgemäßheit ad. Aber >va« in zeitgemäßer Gestaltung nebensächlich und banal ist. verdient als Bindung an die Ewigkeit diese Bezeichnung erst recht. Ich glaube übrigens, daß ich die Nebensächlichkeit der Kalendersrage mehrmals deutlich genug *um Ausdruck gebracht stabet Und eben weil ich das meine, finde ich, daß sie ungeeignet ist, einen „Rhythmus der Zeitlosigkeit" vorzustellen, ungeeignet aber auch, als Basis für gewichtige revolutionäre Toten zu gelten. Tas Mr ist eine Schwäche des Liberalismus, oder vielmchr: des heute betätigten Liberalismus, daß er eine Reform der Formen und Förmchen als sein Feld ansieht; daß er seine Energie daraus verwendet, durchzusetzen, daß z. B. der Kantor in Tortmund sich beim Kiddnsch dem Rabbiner zuwendet. Und daß er dort, wo er so etwas durchsetzt, vor allem aber dort, wo er doch einmal eine Reform der Inhalte erreicht bat, über die Erregung der anderen stolpert. Der Jüdisch-liberale Jugendverein in Ratibor schrieb über einen Gottesdienst der Reformgemeinde in Rattbor ungefähr: Unverständlich ist uns die Aufregung weiter Kreise der Gemeinde. Wir wollten ja diesen Gottesdienst sticht emsichren (daß das ein Verbrechen wäre, gibt man schon zu!), sondern ihn nur dorsühren. Ich wundere mich gar nicht ^über die Aufregung weiter Kreise. Und ich begrüße sie. Tenn wäre das liberale Judentum nicht einmal Mig, „weite Kreise" in Aufregung zu bringen, das wäre traurig. Aber nein, die liberalen Juden gehören zu den Menschen, dte sich« extra einen Hut kaufen, um ihn vor jemandem abnehmen zu können! „Wer die Rabbiner müssen sich doch ilackdem Kesetzestreuesten .Teil ihrer Gemeinde richten!" Natürlich, wenn sie so sind, dann müssen sies. Wer sie sollen ckben anders sein. Und wenn sie das Zeug dazu Hütten, würden sie führen und nicht folgen. Aber sie kommen aus die Tagung der Vereinigung für das liberale Judentum und sagen: „Ihr seid schuld, daß wir in unserer Konferenz das und jenes nicht erreicht haben, Ihr unterstützt uns ja Nicht!" Es hat einmal einen Abraham Geiger gegeben. Und man erzählt, sein orthodoxer Nachfolger habe die Schwelte absägen lassen, über die er gegangen ist. Man weiß aber, daß dieser orthodoxe Nachfolger deutsch gepredigt hat, wie die Liberalen im Kampfe gegen Orthodoxie und preußische Regierung es durchgesetzt hatten. Heute wird kaum ein orthodoxer Rabbiner sich vor einer Schwelle zu fürchten brauchen. Wir brauchen eine Reform der Inhalte. Unsere Bindung an die Zeitlosigkeit wird davon nicht berührt. Tenn diese bestes nicht in Einzelheiten, ob sie nun Kalender oder bedeutendere Teile der Thora sind. Wären das die Fäden, die die Inden an die Ewigkeit binden, so könnte man nur bedauern, daß sie zu schwach sind, diese Juden daran nuszuhängen Weite Vergangenheit darf nicht zur Zeitlosigkeit avancieren Zeitlos ist das Leben, aber nicht die Munne. Zeitlos ist das sittliche Prinzip, aber nicht die Sitte. Und eben weil Sitte und Form nichts Ewiges und Wesentliches ist, hat die vom liberalen Judentum geforderte Formalreform erst in zweiter Linie hinter der geforderten Jnhaltsreform zu stchen. Wer alte Formen für unwesentlich hält, darf nicht neue für wesentlich halten. Tie Liberalen, die sich an Formenerneuerung klammern, verfehlen den Sinn des Liberalismus, ich verstehe sie nicht. Tie liberalen Juden, die in Formen aber eine Bindung an die Ewigkeit sehen, •n ihnen den „Rhythmus des Zeitlosen" verspüren, verstehe ich« nicht. Die Liberalen, die sich über eine Aufregung wundern und empören uno sie um jeden Preis vermeiden wollen, verstehe ich nicht. Tie, die in langen Konferenzen beraten, wie weit eine Reform der Inhalte, z. B. des Eherechts, jetzt taktisch erwügbar sei, verstehe ich nicht, Tie, die ihre Ansichten anders (und der Vergangenheit wohlgefällig ^begründen als mit ihrem Gewissen, verstehe ich nicht. Alle diese unbegreiflichen Liberalen sind schuld daran, wenn das liberale Judentum immer noch als ein Judentum!weiter und dritter Klasse angesehen wird. Denn wenn ie selbst sticht von seiner Erstklassigfeit überzeugt sind und ie Überall betonen, ohne Rücksicht auf die durchaus verstand- , kich« Aufregung weiter Kreise, ohne endtose taktische Erwck , gungen, ohne die Hintertreppe der Kasuistik, wie sotten dann j die „weilen Kreise" davon überzeugt sein! j Franz Meidner, Frankfurt a. M.!! - Der neue Feuchtwanger i! AN DTC | JüoischA'.bcralc Zeitung Berlin SW U Hattesche Straße 1 In Nr. 44 Ihres Blattes schreibt Toris Wittner über den neuen Roman „Erfolg" von Lion Feucht'vanger. Ihr j Urteil über den literarischen Wert oder Unwert dieses Buches i wird hier nicht berührt. Ta eS sich aber um einen historischen Roman handelt, oder, wie sie selbst sagt, einen pseudohistorischen, so wird aus oer Kritik von Frau Wittner, an Stelle einer literarischen Betrachtung — eine politische. Nicht eine Kritik des Romans — sondern eine Kritik des Landes Bayern, seiner Bewohner, seiner Beamten und seiner Justizpflege. Auch Lion Feuchtwanger hat diese politische Kritik, so unlösbar mit seinem Roman verknüpft, daß ex sich gefallen lassen muß — eben wegen dieser politischenKritik eines deutschen Landes uno wegen der Tatsachen, aus welchen er sie ausbaut — politisch beurteilt zu werden. Feuchtwanger scheint seine historischen Kenntnisse nicht aus erster Quelle bezogen zu haben. Er scheint die Kreise, die er .schildert, nur aus Zeitungsberichten und noch dazu aus recht etnseitigen zu kennen. Aber er tut so, als ob er über über die politischen Verhältnisse, über die er schreibt, wirkl i d\ informiert wäre. Seine Leser — Toris Wittner i*t der schlagendste Beweis hierfür — aber ivlgen gläubig seinen Ausführungen. Gerade wir Juden beklagen so oft, daß einzelne Handlungen von Glaubensgenossen von unseren Gegnern der breiten Masse oes Volkes als Handlungen der Juden schlechthin, also der jüdischen Gesamtheit, hingestellt werden. Genau so machen es Feuchtwanger uno Doris Wittner mit Bayern, seiner Bevölkerung und feinen Staalsfurütionären. Sätze wie: „er gibt die ganze Skrupellosigkeit, den falschen Patriotismus, die schlaue Bauernpolitist die tonressionelte Intoleranz, die Judenverfolgungen und vor allem aber die Erschütterung der Justiz im Lande Bayern dem Urteil der Geschickte und der Nachwelt unbarmhierzig preis" oder „der Begriff des Rechtes war abgeschafft in dem Lande Bayern der Jahre 1920 bis 1924" sind eine Verallgemeinerung einzelner, ganz weniger Fälle, die geradezu ungeheuerlich ist. Tie wenigen Ausnahmen — wie sie doch nickt nur in Bayern, — sondern auch in allen andern deutschen Ländern vorgekommen sind, werden hier zur Regel gemacht. Es ist einfach nicht wahr, wenn inan die bayerische Justiz in ihrer Allgemeinheit so charakterisiert. Tiefe Justiz, in der doch auch zahlreiche jüdische Richter rechtsprechen. Es ist l äch e r li ch, von Judenverfolgungen zu schreiben und die antisemitischen Ausschreitungen einer Partei damit zu Ausschreitungen des ganzen Landes zu machen. Tie mast gebende Partei dieses Landes — die Bayerische Volkspartci — ist doch gerade der größte Feind jener Antisemiten. Wenn Toris Wittner sich aber gar soweit verstngt, daß sie es wagt, Bayern als eine „Partie honteusc" des Deutschen Reiches zu bezeichnen, so muß mau hierauf erwidern,d aß es weder von Feuchtwanger „Bravour, Lauterkeit, Tapferkeit und Streitbarkeit" ist, wenn er dies tut, noch von ihr, wenn sie dies billigend wMqesällig konstatiert. Nein, diese Kritik und diese Behauptung beweist absolute Unkenntnis der wahren Verhältnisse. Mit aller Energie muß man sick eine solche Kritik verbitten, die nur dazu beitragen kann, in einer Zeit höchster politischer Spannungen unheilvoll zu wirken. Feuchtwangers Buch ist, historisch betrachtet, eine geschichtliche Betrachtung subjektivster Art. Bei gerecht denkenden, objektiven Lesern in Bayern, hat sie deshalb sehr großen Unwillen dervorgerufen. Frau Wittner aber hat von dem ihr vertrauten Gebiet der Literatur aus den Versuch unternommen, politische Verhältnisse zu beleuchten. In ruhigen Zeiten könnte man ihr 'sagen, sie möge Tinge, die sie nicht kennt, lieber nickt kritisieren. Heute muß man ihr znrusen: „Hände weg?"! Tr. Ludrvig W a s s e r m a n n, München.! 6 U C H E R S C H A U Hans Ostwald: Das Liebermann - Buch mit 270 Bildern von Max Liebermann. Paul Franke Verlag, Berlin. 500 8. Seinem Zille-Buch hat der Verfasser dieses Liebermann-Buch folgen lassen, das mit derselben Unmittelbarkeit zum Leser spricht wie jenes. Mit der Absicht, „dem Volke eine Brücke zur Kunst zu bauen“, ist auch dieses Buch geschrieben, darum läßt er — so viel wie nur immer möglich — den Künstler selber sprechen, sich offenbaren — in Werken und in Worten. Eine schier unerschöpfliche Fülle von Anekdoten, von mündlichen und schriftlichen Aeusserungen über künstlerische und menschliche Dinge ist hier zusammen getragen, locker aneinandergereiht und mit zahlreichen Reproduktionen nach Bildern, Zeichnungen, Litographien, Holzschnitten anschaulich belebt, von denen manche hier zum ersten .Male erscheinen. Aus vielen Einzelzügen baut sich so das Bild des großen Meisters und bedeutenden Menschen vor uns auf. Er tritt uns in seiner ganzen Originalität so lebendig, so unmittelbar entgegen, daß wir seine leicht gebückte Haltung, seine hastigen Bewegungen zu sehen, seine explosive Stimme zu hören vermeinen. Manch feine, kluge allgemeine Bemerkungen leiten einzelne Abschnitte (Herkunft und Kindheit, Wander-, Lehr- und Mannesjahre, der Organisator’ Arbeitsbilder, Landschaften, Selbstbildnisse u. ä.) ein und erheben das Buch über das Niveau einer Anekdotensammlung. Wie Liebermann Welt und Menschen sieht, erfährt man hier aus seinem Munde wie aus Pinsel und Stift, aber auch wie die Menschen ihn sehen und — wie er von den Menschen gesehen werden möchte. Er hat mit großer Freigebigkeit den Verf. mit Material für dies populäre Buch unterstützt und ihm erklärt: „Es ist die höchste Befriedigung des Künstlers, wenn sein Schaffen ins Volk dringt". Nun, Liebermanns Popularität braucht nicht mehr erkämpft zu werden, ln Anlehnung an Goethes Worte schrieb er mir vor kurzem: „Was man in der Jugend begehrt, hat man im Alter die Fülle". Gewiß, er hat lange darum gerungen, hat sie aber erreicht, und so ist dieses Buch von Ostwald vor allem eine Feststellung der unbestrittenen Popularität Max Liebermanns, die auf der Größe seiner Leistung und auf der Eigenart seines Menschentums beruht. Mit vieler Liebe und gutem Verständnis ist hier alles Charakteristische zusammengetragen und zu einem unterhaltenden und erquickenden Buche vereinigt. Es wird gewiss viele Leser finden. Dr. A. Galliner. ★ Aus der Ili-Arbeil * Breslau. (Von der W i „ t c r « r b c i t.) In allen Gruppen herrscht bereits eine rege Winke rarbeit. Die Arbeitsgemeinschaften und Studienkreise haben ihre Tätigkeit ausgenommen und werden zr^ Mm inen hängend über ihre Arbeit berichten. Auch über die Arbeit der Jüngere,i-Gruppe wird noch berichtet werden. Die Jüngstcn-Gruppc hat im Oktober, dem zweiten Monat ihres Bestehens, einen weiteren Aufschwung genommen. Am 8. Oktober fand in der Gemeindcsukkoh $a«M«fonw eine sehr stark besuchte Zusanunenkunft statt. Wolfs Davldsohn verstand es. in kurzen Worten den Sinn des Sukkausfestes eindrucksvoll zu charakterisieren. Nach gemeinsamen Spielen fand die schöne Veranstaltung ihr Ende. Am 20. und 27. Oktober? be>prach man in der Jüngsten Gruppe die Ausgestaltung des Channkkafcjles, zu dem auch die Eltern eingeladen werden sollen. Außer der ^ekiüre eines Buches und einigen Spielen unterhielt man sich wieder über bestimmte Fragen. So behandelte man die Arbeit der Gruppe und das Zusammenleben mit unseren nichtjndischen Mitbürgern. Magdeburg. -Jüdisch-liberaler I u g e n d b u!I d „H e i - m a t".> Am 21. Oktober sprach Herr Tr. Karl Roscmhal, Prediger an der Jüdischen Reformgemcindc Berlin, über „Tas Wesen der Reformbewegung". Ter Redner betonte, man dürfe den Resormjudcn nicht falsch verstehen und ihm nicht eine Loslösung vom Judentum nachsagcn. Vielmehr will diese Bewegung durch Anpassung an die heutigen Verhältnisse jedem Juden die Religion lebensnahe gestalten. Tic Anfänge der Resormbewegung gehen auf Moses Mendelssohn zurück, der die Jüdische Jugend endlich auch dem deutschen Knlturkreis zuführie. Im Anschluß daran wurden mehrere Schulen gegründet, die neben spezifisch jüdischer auch allgemein weltliche Bildung lehrten. Doch muß man Mendelssohn die Schuld an der Massen flucht, die bald nach feinem Tode au$ dem Judentum ein setzte, zuschieben. Denn diese war die natürliche Folgerung der Mendelssohn scheu Theorie „Judentum ist nicht offenbarte Religion, sondern offenbartes Gesetzt. Hier taten — und das ist bemerkenswert — feine Rabbiner, sondern Laien den Austritten und Taufen Einhalt. Unier Führung von Aron Bernstein und Sigismund Stern sammelten sich fortschrittlich gesinnte Männer in der „Genossenschaft für Re-- sorm im Judentum", aus der später die jüdische Resormgemeinde Berlin hervorging. — Im z»veitcn Teil seines Vortrages behandelte Tr. Rosenrhal die heutigen Einrichtungen des Resormgottesdienstes. Zirka 95 " o der gesamten deutschen Juden, so meinte der Redner, verständen gar nicht oder nur sehr mangelhaft hebräische Gebete. Außerdem sei das Hebräische wohl in Palästina als Gebetsprache am Platze gewesen, denn _ es sei ja zugleich Landessprache gewesen. Daraus ergibt sich, daß es keine Gebetsprache im eigentlichen Sinne gibt, sondern Gebersprache sei damals wie heute identisch mit Landessprache. Aus diesen beiden Gründen habe man es für angebracht gehalten, den^ Gottesdienst, mit Ausnahme einiger schon symbolisch gewordener^ Sätze (Schema iiüoel — Kodausch, kodausch usw.) in deutscher Sprache abzuhalten. Tann setzte sich der Referent für den Sonntagsgottesdienst ein und für das Fortlassen aller Bräuche, die mit der heutigen Zeit nichts mehr gemeinsam hätten. Abschließend forderte er letzte Konsequenz, vor allem von denen, die die alten Gesetze und Bräuche wohl verteidigen, aber an ihre Einhaltung selbst nicht dächten. — In der anschließenden Diskussion wurden verschiedene Bedenken, die sich teilweise bis zur völligen Ablehnung steigerten, laut. Der gute Besuch zeigte deutlich, wie angebracht cs war, einmal einen berufenen Vertreter über diese so viel umstritten« Bewegung sprechen zu lassen. — Sa. — Dr Das Ili-Programm * Berlin. Am Montag, den 10. November, abends 8 Uhr, findet tut großen Festsaal von Kroll, Platz der Republik (Eingang Groß« Queraller-, eine Kundgebung des Liberale« Vereins statt. Es wäre erwünscht, wenn alle Mitglieder hinkommeu würde«. Karten vom Liberalen Verein (Wahlbüro). Hallefches Ufer 22. Gemeinsame Veranstaltung. Mittwoch, de» 12. November, abends 8 Uhr, Rofenstraß« 2-4: Gemeindepolitischer Abend. Referat: Dr. A. Lilienthal. Oliva nnd Nen.Lharlottenburg. Sonnabend, den 8. November, abends 8 Uhr, bei Herbert Schwarz, Moabit, Jagonfftratze 43. Steglitz. Dienstag, den 4. November, abends 7 Uhr, bei Lolli LSweuftei«, Steglitz, Aibrechtstratzr 118. Hermsdors. Dienstag, den 4. November, abends 8 Ahr, in Hermsdors, Albrechtstratz« 10. Thema: Liberalismus. Die Ili-Rabel« sind angekommev! Sie sind erhältlich bei Manfred Schmor^, Moabit, Jagowstratze 43. Breslau. Hauptgrnppe: Mittwoch, den 12. November, 28.15 Uhr, Jugendheim: Vortrag von Herrn Gemeinderabbiner Dr. Hermann Vogelstein: „Vom jüdischen Gebet". — Arbeitsgemeinschaften «nd Studien kreise: Um 20.15 Uhr im Jugendheim: Montag, de» 10. November: Die Grundlagen und Ausgaben des religiös-liberalen Judentums. Montag, den 10. November: Hebräisch für Anfänger. Donnerstag, den 13. November: Die Entwicklungsgeschichte des deutschen Jnbeatums feit der Emanzipation. Mittwoch, den 19. November: Jvdentum und Christentum. — Jünge re „-Gruppe: Dienstag, den 11. November, 29 Uhr, Jugendheim: Referat von Hans Hammer: „Die Arbeiler-Kulturausstellunq Breslau 1930". — Jüngsten-Gruppe: Montag, den 17. November, 16 Uhr, im Jugendheim. Feankfun a. VfL Dienstag, den 11. November 1930: Rabbiner Dr. E. Seligmann spricht über: „Das jüdische Schrifttum" Liegnih. Am Montag, den 10. November 1930, abends 8.15 Uhr, findet im großen Vereinszimmer des Hotel Reichshof (am Bahnhof) ein gemütliches Beisammensein mit heiteren Darbietungen statt. Wir erwarten rege Beteiligung. Magdtvmg. Am Dienstag, 11. November 1930, 8.15 Ahr abends, im vereinszimmer der Mendeisfvhnloge, Kurzarbeitsgemeinfchaft: „Grundlagen der Polittt". Leitung Herr Paul Crohn. Vereinsnachrichten Das von der „Ort"-Gestllfchast für den 8. November ds. Js„ 8 Uhr abends, angekündigte große Konzert unter Mitwirkung von Emanuel List, Leo Gollanin, Prof. Josef Wolfsthal, Michael Taube mit dem Kammerorchester nnd Alexander Weinbaum mit einem gemischten Chor muß aus unvorhergesehenen Gründen, statt in der Synagoge Prinzrcgentenstraße in der Synagoge Fasanenftraße stattfimden. Sowohl das Programm wie auch die Mitwirkung sämtlicher Künstler werden von dieser Aenderung in kein«: Weis« berührt. Karlen sind bei Bote 8- Bock, Wertheim, Tietz und an der Abendkasse zu erhalten. Die erst« öffentliche Versammlung der Jungfüdischt» Friedensgemeinschafi findet Sonntag, den 16. November 1930, 101/2 Uhr vormittags, in der Synagoge Prinzregentenstraße 69-70, statt. Thema: „Friede durch die Jugend!"

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