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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-10-22 · 43 (22.10.1930) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
43 (22.10.1930)
Date
1930-10-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Aus der Jli-Bewegung Verantwortl.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Zugendverelne Deutschlands Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmann. Frankfurt a. Main Streiflichter zu den jüdischen Wahlen Von Erich Vulkan (Jli-Breslau). Wir dürfen Werner Hochheimer danken, daß er auch in unseren Reihen, im Kreise der liberalen Jugend, die Aussprache über die kommenden jüdischen Wahlen eröffnet hat. Was uns an seinen Ausführungen besonders Gefallen finden läßt, das ist ihre rücksichtslose Offenheit und das Streben, endlich zu einer Klärung zu gelangen. Und MaS Hochheimer über die Bedeutung der Jugend für die Lebenskraft einer Bewegung und die aus diesem Umstand sich ergebende Lehre sagt, nicht oft genug.kann es den älteren Generationen zugerufen werden. Freilich, und auch das sei gesagt, es darf und kann keine Jugendförderung geben, die nicht zugleich auch Sinn und Wert für die Gesamtheit einer Bewegung besitzt. Daraus ergibt sich ebenso die Verpflichtung für die älteren Generationen, bei all ihrem Tun die Forderungen der Jugend zu prüfen und sich ihr gegenüber stets verantwortlich zu fühlen. Heilte mehr denn je kommt es darauf an, den Zusammenhang mit der Jugend zu erhalte,r, ihn, wo er noch nicht besteht, zu suchen. Tenn jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, da die Jugend — und mit ihr auch die jüdische - in weit stärkerem Maße als früher begonnen hat, an den Geschehnisser, ihrer Zeit tätigen Anteil zu nehmen. Gehen wir von dein Gedanken aus, daß Selbstkritik immer noch die beste Kritik ist, sprechen wir es ruhig im jetzigen -lugenblick aus, die liberale Jugend hat oft genug allein g e st a n d e n, nicht beachtet und ^nicht unterstützt und nicht befragt von den älteren Generationen. Allein gestanden — verraten fei's — jedoch nicht in i d e o l 0 g i s ch e r Hinsicht. Hier wissen wir uns eng verbunden mit den Anschauungen des deutschen liberalen Judentums. Das hat sich gezeigt, wo religiöse Fragen, wo insbesondere Fragen des religiösen Forischritts behandelt wurden: das hat sich gezeigt, wenn wir zu jüdisch-politischer Lrellungnahme gezwungen waren. Doch sei auch daukbar anerkannt, daß sich das liberale Judentum in letzter Zeit mehr und mehr bemüht, neben die Einmütigkeit geistigen Wollens auch die Verbundenheit in gemeinsamer praktischer Arbeit mit der Jugend treten zu lassen. Noch ist es zur restlosen Erfüllung unseres Wunsches, beachtet, unterstützt und gefragt zu werden, nicht zu spät. Wir sind im Gegensatz zu denen, die da immer noch glauben, die Jugend Hintausetzen zu müssen, der Meinung, daß ein erfolgreiches Wirken einer Bewegung ohne die In - l g e n d wie ein Wirken ohne die älteren Generationen! auf die Dauer nicht denkbar ist. Und noch einige andere Tinge seien aus der Unzahl Fragen herausgegriffen, die sich angesichts der beoorstehendeu Wahlen ergeben. Nur wenigen Lesern der vorigen Nummer (Nr. 41) dieser Zeitung dürfte in dem Kölner Bericht über den Gottesdienst der „Gemeinschaft" ein Satz ausgefallen sein, der, so unbedeutend er im ersten Augenblick auch erscheint, die größte Beachtung verdient. Nach einer Schilderung des Gottesdienstes der „Gemeinschaft" und des großen Anklangs, den er gesunden, heißt es dann in dem Bericht: „Die Beterschar verharrte von Anfang bis Ende in tiefster Andacht. Leider trugen eine Anzahl halbwüchsiger jüdischer (!) Jungen und Mädchen, die mit der Absicht gekommen waren, den Gottesdienst zu stören, einen Mißklaug in diese Veranstaltung." Ter letzte Satz spricht für sich selbst. Jeder ernsthafte Mensch muß ob des geistigen Tiefstandes dieser jüdischen Jugendlichen erschüttert sein. Aus dem Bericht geht nicht h ervor, welcher Bewegung sie angehörten, oder ob sie sich auf Grund eines bestimmten Auftrags im Gottesdienst „betätigen" sollten. Derartige Methoden waren wir ja bisher leider von anderer Seite zur Genüge gewohnt. Wie dein auch sei, ob diese jüdische Jugend ohne oder mit bestimmter Weisung gehandelt hat, nufere wie wohl die Aufgabe aller anständigen Juden ist es, das Judentum vor derartig schmutzigen Kämpfen zu bewahren. Denn heute noch Einzelfall, kann er morgen schon zur Regel geworden sein. Aber wir haben auch gerade vor den Wahlen die Pflicht zu prüfen, welche Anschauungen letzten Endes zu einer solchen Entseelung und Entsittlichung der Jugend, einer solchen Entfremdung gegenüber allem Religiösen, einer so gewalttätigen Unduldsamkeit führten. Tiefe Prüfung ist Sache jedes einzelnen, aber gerade in der Wahlzeit unbedingt erforderlich. Ueberlege sich jeder, von welcher Richtung er in besonderem Maße Geist. Seele und Sittlichkeit gefördert sieht. Das sei die Lehre des Kölner Falles. Allenthalben hören wir jetzt von der Schaffung einer „Wirtschaftspartei des jüdischen Mittelstandes", der Großgemeinde Breslau ist jedenfalls diese „Bereicherung" des Gemeindelebens bereits beschieden. Was sagt die Jugend, was sagt insbesmidere die deutschjüdische Jugend dazu? Sollen die Gemeindevertretungen auch weiterhin Arbeiten leisten, die im Aufgabenkreis einer Religionsgemeinschaft liegen, oder sollen sie ein Abklatsch der großen Politik, der politischen Parlamente werden? Sind wir noch gleichberechtigte Glieder des deutschen Volkes, das seine politische Vertretung besitzt, oder glauben wir die politischen und wirtschaftlichen Fragen losgelöst von den großen deutschen und europäischen Wirtscha'ftsvorgängen durch eine „jüdische" Politik zu gutem Ende führen zu können? Wer das glaubt, wird gerechterweise zugeben müssen, daß dann neben einer jüdischen Wirtschafts- oder Mittelstandspartei auch eine sozialistische, kommunistische Partei usw. in die Gemeindevertretung einziehen darf. Für die Vertretung jüdisch-nationalistischer und „national-sozialistischer" Parteien dürfte nach den bisherigen Anzeichen sicher gesorgt sein. Wohin dieser Weg führen würde, ist offensichtlich. Wir, die jüdisch liberale Jugend, haben noch immer den Standpunkt vertreten, daß soziale Fragen im Rahmen der Gemeinde geregelt werden sollten, soweit dies im Ausgabenkreis und bei den beschränkten finanziellen Mitteln einer Gemeinde möglich ist. Aber n u r und „einzig und allein den w irtschaftli - ch en Wiederaufbau" zu wollen, wie tu Nr. 1 des Nochrichtenblattes der Breslauer jüdischen Wirtschaftspartei gesagt wird, das bedeutet Vernichtung der jüdischen Gemeinde. Soll ihre Erhaltung noch einen Sinn haben, so darf sie trotz der schweren wirtschaftlichen Lage mtb trotz ihrer sozialen Tätigkeit, jetzt sogar erst recht, nicht vergessen, Träger und Förderer geist- und seeleschassender Werte zu sein. Die wirtschaftliche Befreiung und Sicherung ist Ausgabe der in den deutschere Parlamenten vertretenen Parteien im Zusammenwirken mit anderen wichtigere Wirtschaftsfaktoren. Was die bisherigere Parteien der jüdischere Gemeinden an ergänzender WirJchafts- und Sozialhilfe tun konnten, das haben sie getan. Davon zeugen die Aussprachen in allen Gemeindevertretungen und üie Etats der Gemeinden. Gewiß kann marrches kritisiert werden, aber darüber sollte mau sich ine klaren sein, daß auch eine jüdische W i r t sch a ft s p a r t ei nicht mehr schassen wird. Gegerr die Engstirnigkeit gewisser jüdischer Kreise zu fampfen ist eine der Hauptaufgaben der religiösere, der deutsch-jüdischen Jugend, in dieser Wahlzeit. Und noch ein Punkt sei kurz gestreift. Immer noch scheint die Möglichkeit zrr bestehen, die jüdischere Wahlen zu vermeiden. Tollte es aber nicht dahin konrmen, dann darf schon jetzt der Wunsch an alle Parteien gerichtet werden, den Wahllamof reach sachlichere und nicht nach persönlichere, gehässigere Gesichtspunkten zu führen. Wir könnten es reicht verstehen, wenn gerade beute Methoden angewandt würden, die im vergangenen politischere Wahlkampf oft genug beanstandet werden mußten. Laste man es in dieser schwerere Zeit dennoch an dem nötigen Take fehlen, dann wird die liberale Jeegerrd wissen, . wie sie sich zu verhalten hat. Aus der Ili-Arbeit Berlin. > I n g e n D g e m e i n s ch a f t d c r Iüdischen R e - s o i m ß e m e i n D e.j Am 16. Oktober rcranftaircten mir im kleinen 2aat Oe* (iaie Üeoit, MuuürfreiiDnmm 155.f;6, unseren ersten „Bunten Abend". Ter Znnikl zu Diesem Abend war nur Mitgtieoerw unserer Jugendgemeinschafr gestartet und man kann wohl sagen, dag diese .Soudervergünftigung" auch rvirktich eine solche für alte Teilnehmer gewesen ist. Als Gäste durften >vir öctrn Tirekior Lipichitz und Herrn Rabbiner Tr. Lehmann begrüßen. Ter kleine gemütliche Saal in seiner bunten Beleuchtung, die ausgezeichnete „SchaI1plarten"-Äapette, die unaufhörlich zum Tanz aufsyiette, und die rvirktich netten Borträgc, sie alte sorgten für eine ungezwungen heilere Srimmnng. Ein von Heinz Levy verfaßtes Tafelties wurde nach der bekannten Melodie: Jumheidi-heida von. alten — Heinz KeUermaiin begleitete am Finget — begeistert mitgesungen. In 28 Versen hatte Heinz Leva es ausgezeichnet verstanden, die schwächen und Streiche einzelner Mitglieder treffend zu charakterisieren. In ähnlicher Weise unterhielt uns Hermann Schildberger (nicht zu verwechseln mit T r. Hermann Sch.tz der Tichter und Maler in einer Person vereinigt. Tiefer brachte in glcichfatts amüsanter Form Streiche aus unserem Kreis, die viel leicht mancher glücklich vergessen wähnte, in, selbstverfaßten Reimen zum Vortrag und zeigte zugleich zu jedem Reim eine gut gelungene .Aaritarur. — Zum Schluß trug Peter Grabenwitz einige nette, von ihm komponierte Chansons vor. — Unser sehr verehrter Herr Tr. Lehmann, der sonst immer für „geistige" Nahrung sorgt, ließ sich diesmal in sehr „geschmackvoller" Weise unser „leibliches" Wohl besonders angelegen sein. — Bis in die späten Abendstunden tvar man vergnügt beisammen und es lvurde vielfach der Wunsch geäußert, derartige Veranstaltungen recht häufig zu wiederholen. Elsa Kriegsmann. Breslau. (I l i- H a u p t g r u p p e.) Tie Monate September und Oktober standen bereits im Zeichen beginnender Winterarbeit. Am 17. September sprach Herr Tr. Ludwig Korn über „Probleme der Mischehe". In seinen sehr zum Nachdenken anregenden Ausführungen betonte der Redner, daß der Ausfall der Reichstagswahlen beweise, wie der äußere Truck ans Das Judentum sich zusehends verstärke. Daher sei innere Festigung durch stete Bewußtmachung unserer Verantwortung und unserer Aufgaben geboten — zu denen auch Auseinandersetzung und Beschäftigung mit dem gegenwärtig sehr akuten Problem der Mischehe gehöre. Redner würdigte zunächst das Mischehenproblem in seiner Bedeutung im Lause der jüdischen Geschichte und kam zu dem Ergebnis, daß die .Mischehe im jüdischen, Altertum durch die Vielweiberei ziemlich verbreitet tvar. Erst Esra forderte Auflösung der zu seiner Zeit geschlossenen Mischehen und verbot sie streng für alle Zukunft. So war in Mittelalter und Neuzeit die Mischehe nicht nur vom Talmud, Maimonides und Schulchan Aruch verboten, sondern auch bis 1876, zur Einführung der Zivilehe durch Staatsgesetz untersagt. — Heute nun gehört das Mischehenproblem zu den Existenzfragen des deutschen Judentums. Herr Dr. Korn bewies nun an Hand eines iveiten statistischen Materials, das Ausschluß über die Schließung von Mischehen unter allen Drei Konfessionen in Tenlschland innerhalb des letzten Jahrfünfts bot, daß gerade die Großstadt Mischehen begünstigt, während in kleineren. Städten gesellschaftliche Rücksichten oft hemmend wirken. Ter Redner ging dainc aus verschiedene soziologische Spezialfragen ein und betonte, daß es oft Egoismus wirtschaftlicher Natur ist, der einen beider Teile zur Mischehe verleitet. Sie stellt eine drohende Gefahr für das deutsche Judentum dar und es gilt der Mischehe mit allen zu Gebote stehenden Mitteln ernergisch Kampf zu bieten. Daß dabei die innere religiöse Festigung und Erziehung des einzelnen, dem sein Judentum mehr als nur Kultus bedeutet, ein wirksames Mittel im Kampf darstellt, ist selbstverständlich. — Am st. Oktober einte uns ein Zusammensein in der Gemeindesukkoh der neuen Synagoge. Erich Vulkan, dem die Leitung dieses Abends oblag, trug zu Anfang ein Gebet vor aus dem vor wenig Wochen vom Frankfurter Jli hcrausgcgcbenen Dichtungen und Schriften des Herrn Rabbiner Dr. Gottschalk. Sodann rvürdigle iit einer kurzen, aber von tiefer Religiösität erfüllten Ansprache Alfred Fabian die Bedeutung des Snkkothfestes und seiner Symbole für unsere Gegenwart. 9iorf> immer, so führte Fabian aus, harren die Ideale des Judentums und seiner Propheten der Erfüllung. Gerade in unserer vom politischen Haß und wirtschaftlicher Ungewißheit erschütterten Zeit bedarf es immer wieder, sich unserer Verantwortung keivußt zu werden, nachzndcnken, zn den Quellen des Göttlichen zurück' znkebren und sich mit den schöpferischen Kräften des Sittlichen eins zu suhlen. Tie Gemeinschaft hätte die beste Möglichkeit und daher die ganz besondere Aufgabe immer wieder im Leben, im Kalmpf da draußen für den Geist der Einheit, des Friedens und der Gerechtigkeit einzutrcten. Damit nun aber die Gemeinschaft jeden einzelnen von uns schützen und für unsere Ideale kämpfen kann, ist es erforderlich, daß jeder unter uns selbst Opfer bringt und die Gemeinschaft in jeder .Hinsicht unterstützt. So ruft nun im Kampf des Alltagslebens die .Hülle zur Sammlung und inneren Festigung ans, die Hütte des Friedens, die Selbstüberwindung des einzelnen und Arbeit der Gemeinschaft für die Ideale des Judentums fordert- Zum Schluß trug Erich Vulkan ein Gebet aus den oben erwähnten Veröffentlichungen von Hcrrit Tr. Gottschalk vor. — Unsere Mitg!iederversammlung am 15. Oktober lvurde cingeleitet durch eine kurze Ansprache unseres Vorsitzenden, Herrn ak. Religionslehrer Wolfs Tavidsohn, der besonders unsere im Lanfe des Winters stattsindenden Arbeitsgemeinschaften und Studienkreise besprach nird einen jeden zur Teilnahme an einem Arbeitskreis aufforderte. Anschließend sprach .Herr Rabbiner Dr. Hakpersohn über „Eindrücke von der Londoner Weltkonsercnz 1930". Wie die Formulierung des Themas schon sagt, wollte Herr Tr. Halpersohn weniger einen objektiven Bericht der Tatsachen und Ereignisse geben als mehr persönlich und skizzenhaft ein Bild seiner Eindrücke aufzeichnen. Neben einer sachlichen SchilDerung, die der Referent gab, betonte ec die Momente, die dem Kongreß ihre besondere Weihe gaben. Der Wille >zur Lösung von Fragen, die in ihrer sittlichen Bedeutung die Menschheit angehen, hatte Bewohner aller Herren Länder vereint in Englands Metropole. Alle Veranstaltungen lvaren ausgezeichnet organisiert uno der Referent lvürdigle immer wieder die Persönlichkeiten der Prüsidialmitglieder sowie der englischen Gastfreunde. Kurzum, die Wellkonserenz stellte für den Referenten ein ganz großartiges Erlebnis dar und er erhoffte mit uns allen, die seinen fesselnden Worten lauschten, einen recht wirksamen Erfolg der Arbeiten der liberalen Weltkonserenz 1930. §. T. Köln. (Jngendgruppe der Gemeinschaft.) Nach verhältnismäßig ausgiebiger Sommerpause kam am 8. Oktober die Jugendgruppe in ihrem Versammlungsraum in der Roonstraße zufammen. Eine besondere Note erhielt der Abend dadurch, daß Hery Rabbiner Tr. Gottschalk, der vor kurzem feierlich in die Gemeinschaft eingeführt wurde, znm ersten Mat anwesend >var. Herr Dr. Siegfried Braun, in dessen bewährten Händen bisher die Führung der Jugendgruppe gelegen hatte, machte Herrn Tr. Goilschalk mit dem bisherigen Wirken seiner neuen Schutzbefohlenen bekannt und bat ihn, das Steuer zu übernehmen. Herr Tr. Gotlschalk dankte in kurzen Worten, und man schritt znm einzigen Punkt der Tagesordnung: „Ausarbeunng des Winterprogramms". Reiir äußerlich lvurde man sich zunächst darüber einig, nach wie vor einen technischen Bereinsapparal zu vermeiden. Vorsitzender, Schriftführer, Kassierer usiv. ivird es also in oer Jugendgruppe nichr geben. Tie Verbindung zu den „Erwachsenen" halten die Herren Tr. Gottschalk und Tr. Braun aufrecht. Tem „Vereinscharakrer" beschloß man insofern ein Zugeständnis zu machen, als in Zukunft in der jüdisch-liberalen Presse über das berichtet werden soll, was in Der Jngendgruppe vorgeht. In sachlicher Beziehung >var recht interessant Die Stellungnahme der einzelnen Mitglieder zur Tagesordnung, und zivar deshalb, weil man aus ihr deutlich den jeweiligen Standpunkt hinsichtlich der Aufgaben der Jngendgruppe ersehen konnte. Es bildeten sich zwei Meinungen: die eine, „moderne", wollte alles stofflich mit dem Judentum zusammenhängende (Quellenstudium vsiv.) über Bord geworfen wissen, die andere, „klassische", »vollte sich im kommenden Winter eifrig dem Quellenstudium, teilweise sogar in Der Ursprache widmen. Ganz überwiegend lvurde es abgelehnt, sich mit der hebräischen Sprache zn befassen. Damit sollte nun durchaus keine grundsätzliche Einstellung dagegen zum Ausdruck kommen: aber ohne hierauf überhaupt einzugehen, wäre es in der Tat ein Unding, bei der ohnehin schon knappen, zur Verfügung stehenden Zeit Hebräisch zu treiben, eure Sprache, die der Mehrzahl der Mitglieder selbst in den Ansangsgründcn unbekannt ist und nie ,zu der notwendigen Vertiefung führen könnte. Im übrigeil kam mau dahin überein, alle ztvei Wochen zusammenzukommen und an die Besprechung einer Stelle Aussprachen in dem bisher üblichen Rahmen anzuschließen. Für die nächste Zusammenkunft am >22. Oktober 1930 ist vorgesehen: Hilde Schürmann gibt einen Ucberblick über das erste Buch Kohelet. P. M. Ratibor. (W e i h e st u n d e der R e f o r m g c m e i n d e.) Unsere religiöse Weihestunde am Sonnabend, den 11. Oktober, war trotz des frühen Beginns — um -,48 Uhr — von fast 200 Personen aus allen Kreisen unserer Gemeinde besucht. Tie Berliner Resormgemeinde harte uns zu dieser Veranstaltung Herrn Rabbiner Dr. Lehmann zur Predigt und Herrn Rechtsanwalt Tr. Schildberger zur Bedienung des Schallplattenapparates zur Verfügung gestellt. Das Amt des Vorbeters hatte Peter Berliner übernommen, Hilde Berg las einen Psalm vor, Gerth Fröhlich aus der Thora uud Traute Heimann aus den Propheten. Tie schönen, gefühlvoll vorgetragenen deutschen Worte traten an die Stelle hebräischer Gebets und übten eine große Wirkung aus. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete die wunderbare Predigt Rabbiner Tr. Lehmanns, die wohl an keinem der Anwesenden ein-- druckslos vorübergegangen ist. Tr. Lehmann ging von der Frage aus, wie es zn erklären sei, daß so bald nach denn Versöhnungstag ein Fest der Freude, das Laubhüttenfest, folge. Er erklärte das aus der Lebensidee des Judeirtums, der Idee der Lebensbejahung. Arbeit sei für den Juden Religion, und auch die Freude gehöre zu der Religion des Juden. Schließlich seien noch die Schaltplatten erwähnt, die sich als eilt vollwertiger Ersatz für Orgel und menschliche Stimme zeigten. Während der Weihestunde herrschte — im Gegensätze zu den Gottesdiensten unserer Gemeinde — eine lautlose Stille und tiefe Andacht. Mag man sich zu der Resormbeivegung stellen tvie mau will, das eine muß man ihr zugesteheu: Wenn auch vieles gegen ihre Art des Gottesdienstes einzuwenden ist, so kann sie doch mancherlei Anregungen zur schöneren Ausgestaltung unseres Gottesdienstes geben. Unverständlich ist die Aufregung tvciter Kreise unserer Gemeinde über unsere Veranstaltung. Man spricht von einer Gefährdung der Einheit der Gemeinde, ein ebenso sonderbares tvie jeglicher Grundlage enlbehrendes Gerücht, das ans völliger Verkennung des Zweckes unserer Veranstalruirg beruht. Wir chatten lediglich die Absicht, unserer Gemeinde eirimal den Gottesdienst der Berliner Resormgemeinde v 0 r z u f ü h r e n , nicht aber ihn hier einzuführcn. Wer dies versteheir tvollie, hat es auch verstandci!. Aber es gibt nun eininal Leute, die gewisse Tinge nicht verstehen wollen. So konnte es zu dem sinnlosen Gerede von der Störung der Einheil unserer Gemeinde kommen. Jedenfalls haben die itnerfreulichen Folgen unserer Veranstaltung der vielgerühmten Gerneindeeinheit mehr geschadet als die Veranstaltung selbst. * Das JN-Programm * Berlin. Gemeinsame Beranstattuna. Donnerstag, den 23. Oktober, abends 8 Uhr: Bunter Abend bei Heinrichsdorsts, In den Zelten 9. Ponkow'Ostev. Mittwoch, den 22. Oktober, 20 Uhr, bei Ilse Cohn, Schönhauser Allee 132. Westen. Mittwoch, den 22. Oktober, abends 8 Uhr, Disknffionsabend bei Renate Vasco, Knefebeckstraße 83. Sonntag, den 26. Oktober, Ausslug. Tressen 9 Uhr auf dem Bahnhof Savignyplah mit Fahrkarte nach Schmöckwitz. Breslau. Hauptgriippe: Mittwoch, den 29. Oktober, 20.15 Uhr, Jugendheim: Vortrag von Herrn Philipp Lachs: „Iüdischr Grinrindewahlen". — Studienkreise: Die Entwicklungsgeschichte des deutschen Judentums seit der Emanzipation: Leitung: Wolfs Davidsvhn. — Donnerstag, den 23. Oktober, 20.15 Ahr. Jugendheim: Hebräisch für Anfänger; Leitung: Albert Wesel. — Montag, den 27. Oktober, 20.15 Uhr, Jugendheim: Arbeitsgemeinschaft: Grundlagen und Ausgaben des religiös-liberalen Judentums; Leitung: Alfred Berger. — Montag, den '27. Oktober, 20.15 Uhr, Jugendheim: Judentum und Christentum; Leitung: Martin Schreiber, beginnt erst Mittwoch, den 5. November. — Iüngeren-Kruppe: Dienstag, den 28. Lttobcr, 16.30 Uhr: Gemütlicher Hciinnachmittag. — Besprechung der Winterarbeit. — Iüngstcn-Gruppe: Montag, den 27. Oktober, 16 Uhr, bei Berger, Charlottenstraßr 4. Magdeburg. Am Dienstag, 23. Oktober, 8.15 Uhr, in dem Bereinszimmer der Mendelssohnloge, beginnt die Kurzarbeilsgemeinschaft: „Die politischen Parteien". Leitung: Herr Paul Crohn.

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