Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 41 (8.10.1930)
- Date
- 1930-10-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Ulbert Eichelbaum Repräsentant Lesscr Hirsch und Hausmann Hans Herrmann gewählt, während die Repräsentanten Paul Gronowsti und Max Simon im Falle des Ausscheidens eines Vorstandsmitgliedes in die freigewordene Position cinrückcu. Der in der Versammlung an weserrde Repräsenlaiu Lesscr .Hirsch nahm die Wahl an, woraus ihm der Repräsenlantcnvorstehcr, Direktor Pcntz, für seine langjährige und ersprießliche Tätigkeit in der Repräsentanz den Dank der Versammlung aussprach. Sodann wurde beschlossen, den ausschcidenden Kommisjionsmilgliedcrn Kaufmann Emil Roscuthal und Apotheker Max Rosenthal ein Dankschreibcil füc die in den Kommissionen geleisteten Dienste zukommen zu lassen. Königsberg. (Verband der Synagogen gemeinden Ostpreußens.) Der Verband der Spnagogcngcmeindcn Ostpreußens hielt hier eine Sitzung des Geiamlausschusses ab, bei der im Vordergrund der Beratungen die Amtsniederlegungen des Verbands' Vorstehers und des stellvertretenden Verbanbsvorstehcrs standen. Zunächst sprach der Verbandsvorstehcr, Archur Cohn-Königsberg, sein großes Bedauern über das Ausscheiden de-s steltvcrlrclenden Perbands. Vorstehers und Schatzmeisters, Sigmund Wolst-Königsbcrg, aus, der dem Verbände in jahrelanger treuer Arbeit wertvolle Dienste gelcister habe. Tann erklärte er, daß er sich selbst gezivnngen sähe, sein Amt zur Verfügung zu stellen, da er sein 'Vorstand der Königsbergcr- Synagogengemeinde nicht mehr angehöre. Es käme hinzu, daß sich auch Schwierigkeiten in der Besetzung des der Provinz Ostpreußen im Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zustehcnden Sitzes ergäben. Es sei eine Selbstverständlichkeit, daß der Verbands- Vorsteher dem Rat angchörcn müsse, andererseits mache aber die Groß-Gcmeinde Königsberg Anspruch ans diese- Amr. Geheimra: Professor Dr. Falkenhcim, der Vorsitzende der Synagogengcmeinde Königsberg, der die Versammlung namens der Königr-vcrger Gemeinde bemcindc begrüßte, stimmte den Ausführungen des Vcrbandsvorstehers zu und bedauerte die Strömungen in der jüoischen Gemeinde, die dahingingen, das Amt durch ein Vorstandsmitglied der Gemeinde zu besetzen. Eine Reihe iveitcrcr Redner betonte ebenfalls, daß der Verbandsvorsteher sein Amt unbedingt wcitcrbchaitcn müiie, da er die Geschäfte auf ausgezeichnete Wciie geleitet habe. Schließlich erklärte sich Archur Cohn mit Rücksicht auf die äußerst schwierige Situation, in der sich der Verband zur Zeit bcsindc, bereit, das Amr eines Verbandsvorstehers anzunchmen, bcionic jedoch, daß dies nur im Zusammenhang mit dem Ratssitz im Preußischen Landesverband möglich sein wird. Die Versammlung beschloß, die Wahl des stellvertretenden Verbandsvorstehers und Schatzmeisters bis zur nächsten Sitzung zu vertagen. Inzwischen soll die Synagogengcmeinde Königsberg ausgeiordert werden, ein Mitglied für diesen Posten vorzuschlagen. Sodann wurde die Tagesordnung für die kommende Generalversammlung ausgestellt, bei der die Bedeutung der Neuorganisation und Kirchensteuer für die ostpreußischcn Synagogengemcindcn sowie die Ausstellung eines Normaietats behandelt werden sollen. Als Referenten zum ersten Thema werden Rechtsanwalt Neumann Ii-Altcnstein und Kaufmann Rolominsky Gumbinnen, die Vorsitzenden ihrer Gemeinden, bestimmt, zum zweiten Thema der Verbandsvorstehcr Arthur Cohn. Ein weiteres Referat soll über die Stellung der Frau in der Gemeinde gehalten werden. Hierzu soll eine Referenlin noch bestellt werden. Weiterhin hatte sich die Ausschußsitzung mit den Vorbereitungen für die Wahlen zum Preußischen Landesverband am 30. November 1930 zu bcfchäftigeu, wosür der Verbandsvorstehcr eingehende Richtlinien gab. Es wurde beschlossen, nach Möglichkeit eine Einheitsliste für die Ver-- bandswahlcn zustande zu bringen. Als Vertreter der Provinzgemeindcn wurden Rechtsanwalt Reumann II-Allcnstein und Rechtsanwalt Dr. Arthur Ehrlich-Köuigsbcrg, bisher Tilsit, bestellt. Ta beide Kandidaten der liberalen Richtung angehören, so wird darum gebeten, daß bei der Aufstellung der weiteren Kandidaten die bisher nicht vertretenen Parteien berücksichtigt werden möchten. Es wurde sodann ein Wahlausschuß gebildet, dem Verbandsvorstehcr Arthur Cohn, Professor Rudolf Cohn, Gcheimrat Falkenhcim, Gemeinderabbiner Tr. Lcwin, Bankdircktor Marx, Waisenhausdircktor Peritz und Kantor Wollheim, sämtlich aus Königsberg, sowie Zahnarzt Tr. Krügcr-Allenstein, Handclskammerpräsidcnt Laser-Tilsit, Rabbiner Dr. Ncusetd-Elbnig, Kaufmann Jacobsbcrg-Zinten, Kaufmann Nodvminsky-Gumbinncn, Sanitätsrat Dr. Rofeneranz-Jnsterburg und Facharzt Dr. Weißbrem- Elbing angchören. Zum Schluß teilte der Verbandsvorstehcr mit, daß die Besetzung des Bezirksrabbinats Rastenburg in nächster Zeit erfolgen lverde. Die Tagung wurde durch einen Imbiß, der seitens der Königsbergcr Gemeinde gereicht wurde, unterbrochen. Kiistrin. (Kaufmann Adolf Hartwich *r.) Im 67. Lebensjahre verstarb hier der Kaufmann Adolf Hartwich. Seit mehr als z.'vei Jahrzehnten wirkte der Verstorbene als Repräsentant in der hiesigen Sunagogengemcinde, dessen Vorstand seine vorbildliche Pflichttreue, icin lvohltätiges Wirken und seinen aufrechten Charakter in einem Nachruf hcrvorhcbk. Vilbel. .Erneuerung der Synagoge.) Ein Legat eines nach Amerika ausgewanderten Vilbelcrs fetzte die dortige israelitische Gemeinde in die Lage, die Synagoge von Grund auf erneuern zu lassen. In Gegenivart der fast vollzählig versammelten Gemeinde und vieler Festgäste wurde das Gotteshaus jetzt neu geweiht. Provinzialrabbiner Tr. Sander-Gießen hielt die Wciheredc, Obcrkantor Scheuermann-Frankfurt verschönte .die Feier durch Gcsangsvorträgc. Den Dank der Gemeiirde an alle Spender und Gaste erstattete in einem Schlußivort der Vorsteher der Gemeind«, Herr Julius Strauß. Wallertheim. -Todesfall.) Der frühere Vorstand unserer Gemeinde, Karl Isaar, ist im 77. Lebensjahre aus dem Leben abberujm worden. Dem Gcmeindcvorstand gehörte der Entschlafene mehr als zwei Jahrzehnte an, und die Gemeinde schuldet ihm großen Dank für sein tatkräftiges Eintreten für aUe ihre religiösen Interessen. Dem auch in nichtjüdischen Kreisen beliebten und geachteten Manne widmete Rabbiner Tr. Lewikt aus Alzey einen ehrenden! Nachruf. Aus der Jli-Dewegung Veranttvorll.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Zugendvereine Deutschlands Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmann, Frankfurt a. Main Zu den kommenden jüdischen Wahlen Von Werner Hochheimer (Jli-Frantsurt a. M.). Am 30. November dieses Jahres werden in ganz Preußen die Neuwahlen zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden stattfinden. In sehr vielen Gemeinden, hauptsächlich auch in den Großgemeinden Berlin und Frankfurt a. M., finden gleichzeitig hiermit die Wahlen zu den Repräsentantenversammlungen der örtlichen Religionsgemeinden statt. Um was es in der Hauptsache in diesen wichtigen Doppelwahlen geht, werden unsere Freunde wissen. Werden in das Preußenparlament bzw. in die Gemeindevertretungen tatsächlich jüdisch-nationale Mehrheiten einziehen, oder werden die Parteien, die im Judentum nur eine religiöse Verbundenheit sehen, die Oberhand behalten? Werden das Preußenparlament bzw. die Gemeindevertretungen von einer Mehrheit beherrscht werden, die sich zusammensetzt aus reaktionären, sinnlos den Zeichen, Forderungen und Nöten der Zeit sich widersetzenden Konservativen, aus der rauhen Wirklichkeit gegenüber fremden nationalen Schwärmern und schließlich aus solchen Personm, die es mit niemandem verderben wollen und daher unklar jeder verantwortlichen Entscheidung aus dem Wege gehen, indem sie zumeist das eine zu tun behaupten, das Entgegengesetzte jn die Praxis umsetzen? Oder wird sich die Mehrheit derjenigen ausrechterhalten lassen bzw. in der Berliner Repräsentantenversammlung wiedergewinnen lassen, die Mehrheit derjenigen Personen, die ihr Judentum als Religion kompromiß- und bedingungslos von jeder nationalen Idee freihalten, indem sie volksmäßig und staatsbürgerlich wllein Deutschland als ihren Heimatstaat ansehen und jeder nationalen oder kulturellen Verbundenheit Mit Palästina fremd und ablehnend gegenübersiehen, derjenigen Personen zugleich, die die jüdische Religion und ihre Formen insbesondere, von ihrem Selbstzweck befreit, modernen und fortschrittlichen Anschauungen gemäß fortentwickeln wollen, ohne das vermeintliche Recht des einzelnen zur Bevormundung des anderett. Daß die Mehrheit der deutschen bzw. der preußischen Juden im letzteren Sinne, d. h. in religiös-jüdisch-liberalem Sinne denkt Und fühlt, dürfte selbst den Gegnern ohne Zweifel Daß eine Mehrheit daraus die Folgerung ziehen würde und sich uneingeschränkt jedem gegenüber offen zu dieser deutsch-jüdisch-liberalen Idee bekennt, dürfte zweifelhafter sein. Daß die Mehrheit demgemäß auch ihre Pflicht tut und bei den Wahlen ihren liberalen Stimmzettel abgibt, wodurch sie ihrer Anschauung auch erst zur praktischen Durchführung verhelfen kann, das ist leider noch zweifelhafter. Es ist kaum ein Unterschied im jüdischen Kampf um die geistige Herrschaft gegenüber dem allgemeinen politischen Kampf um die Herrschaft im Reiche. Durch Schwärmereien, Phrasen und wirklichkeitsfremde aber idealistisch klingende Programme haben die Nationalsozialisten Millionen für sich begeistert, Menschen zu sich hinübergezogen, die ihrer Einstellung nach ganz wo anders hingchören als zu den Nationalsozialisten. Sollten die vielen Frauen und Mütter, die nationalsozialistisch wählen, tatsächlich dem Säbelgerassel und Kriegsgeschrei ihrer gewählten Parteigänger zustimmm, oder sind sie nur durch die „großartige Idee" der Nationalsozialisten verführt worden, dabei aber im Herzen echte Pazifistinnen, die Krieg und Morden verdammen. Die gleiche Erscheinung zeigt sich bei den Jüdisch-Nationalen. auch hier Schwärmerei, idealistische Programme, die auf jedes „Gemüt" wirken müssen. Dazu noch der sozial klingende Name Jüdische Volks Partei (siehe Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter- Partei) in schamhafter Verdeckung des alles wahrheitsgemäß, ausdrückenden Zionismus, der aber evtl, abschreckend wirken könnte. Entsprechend wie bei den nationalsozialistisch wählenden Frauen, Klaubt man wirklich, daß alle, die sich für die „großartige Idee" der Jüdischen Volkshartei einsetzen, tatsächlich dem Programm dieser Partei zustimmen? Ist es nicht so, daß darunter auch eine riesige Anzahl Verführter ist, die an sich unserer Vorstellung von Deutschtum und Judentum nicht im geringsten nachftehen, die jeder national-jüdisch-en Idee ablehnend gegenüberstehen! Uitfc auch mit der Wahlbeteiligung geht es wie in der allgemeinen Politik. Tie Radikalen, insbesondere die Nazis, bringen ihre Anhänger bis auf den letzten Mann restlos an die Wahlurne. Tie ungeheure Gruppe der Nichtwähler setzr sich aber aus denjenigen zusammen, die sich bei Stimmabgabe für die gemäßigten Parteien entschieden hätten, aber gerade das Fehlen des Radikalismus, das Fehlen der auf das Gemüt wirkenden Phrasenl)astigkeit im Programm dieser gemäßigteren Parteien hat ihnen nicht genug Antrieb gegeben, ihr Wahlrecht auch auszuüben. Aehnliche Gefahr droht den Liberalen im jüdischen Wahlkamps. Nicht nur, daß ein großer Teil an sich deutsch-jüdisch-denkender Menschen durch die Schwärmereiprogramme der Jüdisch-Nationalen übertölpelt werden, nein auch diejenigen, die ihr fortschrittliches Judentum mit uneingeschränktem deutschen Volkstum verbinden und tatsächlich Anhänger dieser Ideologie D»d, lassen sich von ihr nicht so begeistern oder zum mindesten zur Pflicht mahnen, ihr Wahlrecht durch Abgabe des liberalen Stimmzettels auch tatsächlich auszuüben. Im Gegensatz zu den anderen Anschauungen verführt die deutsch-jüdisch-liberale eine große Anzahl ihrer Anhänger zu einer Lauheit, die ihren psychologischen Grund in dem Inhalt der Idee hat, die aus sich selbst heraus nicht genügend zum Kampfe anreizt, die aber bei vielen auch bis zur Interesselosigkeit führt. Erst wenn diesen Massen die Gefahr unmittelbar vor Augen geführt wird, die ihr durch die Beherrschung durch entgegengesetzte Gruppen droht, sängt sie an. sich zu interessieren und in Bewegung zu kommen (vergl. die durch das Ueberhandnehinen der Radikalen erst aufgescheuchten Gemäßigteren im politischen Wahlkamps). Drei"Gesahrpurikte sind es, die bei der kommenden Wahl drohen, eine dem wahren Willen der preußischen Juden nicht entsprechende Berbandsvertretung zu erhalten, indem die liberalen Vertreter nicht die ihnen eigentlich zukommende Anzahl aufweisen werden. Erstens ist es die verführerische Art, in der die Jüdisch-nationalen an die Gemüter appellieren, und der Eifer, den sie dabei entwickeln, ihre Ideen als allein mit Gegenwartswert behaftet hinzustellen. Zweitens ist es der insbesondere noch jn ländlichen Bezirken eingewurzelte Glauben, liberal sein heiße „nichts halten wollen", wenn man nicht mehr die Gebräuche „halte", die derjenige gerade zu „halten für gut befunden I>at, geht das Judentum zugrunde oder man ist kein Jude mehr, da die Liberalen aber noch mehr einreißen wollen, muß man halt konservativ oder mittelparteilich wählen, oder wenn man ganz schlau ist, bleibt man zu Hanse. Dritter Gefahrpnnkt ist die Interesselosigkeit und Lauheit der auf liberalem Boden Stehenden. Schwer wird es halten, diesen drei Gefahrpunkten, Ursache einer evtl. Niederlage, zu begegnen. Wir dürfen aber nicht den Mut sinken lassen, anfeuern müssen wir unsere eigenen Reize und Begeisterung in ihnen erwecken, allen denjenigen, die nicht aus ihrer Ueberzeugung heraus Zionisten oder Orthodoxe sind, unsere Ideen des fortschrittlichen Judentums und des Deutsch-Judentums klarzumachm und näherzubringen versuchen. Es ist in der letzten Zeit, insbesondere im letzten Wahlkamps, ein neues Schlagwort „Jugend" aufgetaucht, plötzlich besann sich alles auf das Vorhandensein einer Jugend. Es hieß „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft", jede Partei will sich die Partei der Jugend nennen, jede Partei will ihren Körper und ihre Anhängerschaft durch junge Kräfte auffrischen, eine überalterte Partei verbindet sich mit einer noch unverbrauchten Jugendorganisation usw. Viel Unfug ist plötzlich mit dem Worte „Jugend" getrieben worden, denn Jugend ist schließlich nicht durch ihr bloßes Dasein etwas Besonderes, es muß schon etwas in ihr stecken oder von ihr auSgchen, damit man sie auch als etwas Besonderes anerkennen kann. Die Tatsache ihres ja naturnottvendigen Daseins allein berechtigt sie noch nicht zu einer Vorzugsstellung, man kann nun nicht aus einmal Jugend mit Tugend gleichstellen. Aber andererseits ist eins richtig erkannt worden, daß es nämlich schädlich ist, die Jugend zu unterschätzen und mit ihr zu wenig zu rechnen. Wir Jungen lassen uns nicht mehr mit einer Handbewegung abtun, hier ist eine geistige Macht emporgewachsen, die Mitarbeiten und mitaufbauen, die aber auch mitbestimmen will und es sich nicht mehr gefallen läßt, in Kadavergehorsam bereitzustehen und alles ungeprüft anzuerkennen, was von der älteren Generation als gut und lvesise und natürlich zufolge der Erfahrung als unumstößlich hingestellt wird. Tie Jugend, heute in früheren Jahren verselbständigt, stellt .eine bedeutende Macht dar, gegen die oder ohne die zu arbeiten man nunmehr als Unmöglichkeit einsieht, soll die Arbeit nicht großen Schaden erleiden. Tenn das ist nicht zu leugnen, die für alle Tinge insbesondere für die Ausbreitung notwendige Begeisterung, Friede und Erneuerung bedarf des Einflusses der Jungen. Wer ein festes greifbares Ideal zu bieten vermag, wird die Jugend an sich ziehen können mitsamt den „Tugenden", die sie mit sich bringt, nämlich dem Eifer, diese Ideale möglichst in die Wirklichkeit umzusetzen und andere zu überzeugen und mit in die Bewegung einzuspannen. Es soll hier den älteren Generationen unserer Bewegung keinerlei Vorwurf gemacht werden, aber daran sollen sie erinnert werden, daß es um ihre Sache schlecht bestellt sein wird, wenn sie nicht rechtzeitig die Jugend an sich zu fesseln verstehen, um mit ihr gemeinsam in gegenseitiger Anregung und Unterstützung aufzubauen und die Ideen weiterzutragen. Auch die jüdisch-liberale Jugend, insbesondere die den jüdischliberalen Jugendbünden (Jli) angehörende, ist bereit, mitzuhelfen und mitzukämpfen, aber sie muß auch als gleichberechtigt neben die Gruppe der Aclteren gestellt werden. Nicht ein geduldetes Anhängsel wollen wir Jungen sein, das man mal gelegentlich anzuhören geruht, denen man mal gutmütige Worte zuerkennt, nein wir haben uns emanzipiert, wir bilden eine Masse, die an Zahl, geistigem Wollen und Können den Alten nicht nachsteht und gern mit ihnen zusammengeht zu beider Teile Nutzen und insbesondere zum Nutzen der Sache selbst. Man möge zur Tat schreiten und wirklich den Jungen den Einfluß einräumen, den sie beanspruchen kann. Landesverband und Gemeindevertretungen sollen von Menschen besetzt sein, die unserem Ideal entsprechen, von Kämpfern für die Anerkennung eines fortschrittlichen Judentums, von solchen Juden, die sich ihres Deutschtums bewußt sind. Glaubt man nicht, daß es vielleicht ganz nützlich wäre, wenn im Landesverband und jn den Gemeindevertretungen sich mal die älteren, wohl erfahreneren, aber durch die Zeit einseitiger und unbeweglicher gewordenen Mitglieder mit jungen frischen Kräften mischen. Ein Erfolg nach innen wie nach außen würde nicht Ausbleiben. Hat nicht die Jugend geradezu ein Recht aus Beteiligung, oder glaubt man etwa, daß sie zur Erfüllung der Ausgaben noch nicht erfahren und reif genug sei? Man will ihre Stimmen, die noch mehr als ein Viertel aller Stimmen ansmachen, warum sollte man ihr eine entsprechende Vertretung von einem Viertel aller Mitglieder verweigern. Die Vorstände der liberalen Ortsgruppen bzw. der liberalen Wahlkreisausschüsse mögen es sich daher recht eingehend überlegen, ob sie uns Jungen, deren Mitarbeit und Mitwirkung sie verlangen, durch die sie eine Aufrüttelung der träge Gewordenen erwarten, auch den entsprechenden Einfluß durchs Ausstellung der entsprechenden Zahl jugendlicher Kandidaten verweigern oder gewähren wollm. Am Ergebnis wird sich ja die Richtigkeit des Tuns schon erweisen. Aus der IN-Arbeit Breslau. (Jli-Jüngsten-Gruppe.) Nun umfaßt unser Jli neben der Haupt- und der Jüngeren-Gruppe auch noch eine Jüngsten-Gruppe. Als wir den Entschluß faßten, diese Gruppe für 9—13 jährige Mädel und Jungen zu gründen, dachten wir selbst incht an einen so schnellen und großen Erfolg, wie er jetzt tatsächlich eingeireten ist. Allen Widerständen zum Trotz gelang es uns, den einmal gefaßten Plan zu verwirklichen. Innerhalb eines Monats erreichte die neue Gruppe die stattliche Zahl von 25 Mitgliedern. Es ist eine begeisterte und arbcitssrohe Schar. Alles deutet darauf hin, daß unsere Jüngsten-Gruppe in Kürze einen noch viel größeren Kreis umfassen wird. Diese Vergrößerung kann gewiß manche Schwierigkeit schassen, doch glauben wir, auch für diesen Fall schon hinreichend Vorsorge getrosten zu haben. Die ersten Veranstaltungen der Jüngsten- Gruppe, die am 1., 8., 15. und 29. September stattfanden, haben gezeigt, daß wir uns mit unserer Arbeit auf dem richtigen Wege befinden. Es ist selbstverständlich, daß bei einer solchen Altersgruppe Spiel und Unterhaltung einen breiteren Raum einnehmen. Doch findet an jedem Nachmittag auch eine kleine Aussprache über eine bestimmte Frage statt. So sprach man u. a. über den „Besuch des Gottesdienstes" und über „die Freude am guten Buch". Daneben werden auch regelmäßig lehrreiche Erzählungen, Novellen usw. jüdischen und allgemeinen Inhalts gelesen. Die Gruppe steht unter der Leitung zweier Hauptgruppenmilglieder, die bei der Durchführung der Arbeit von einem kleinen Kreis der Jüngeren-Gruppenmitglieder ständig unterstützt werden. Im Oktober will die Jüngsten-Gruppe mit den Vorbereitungen zu einer eigenen Chanukkahveranstaltung beginnen, zu der insbesondere die Eltern cingeladen werden sollen. Am 8. Oktober sindet eine kleine Feier in der Gemeindesukkoh statt. E. B. * Das Ili-Programm Berlin. Semeinsame Veranstaltungen. Am Sonntag, den 12. Oktober, Sukkauß-Feier in Hermsdorf. Tressen 9.45 Uhr Stettiner Borortbahnhos. Donnerstag, den 23. Oktober, abends 8 Uhr: Bunter Abend bei Heimckchsdorffs, Jn den Zelte« 9. Jli-Singkreis. Donnerstag, dev 9. Oktober, abends 8 Uhr, Singprobe zur Sukkaußfeier bei Paul Loewenftein, NW. 87, Jagowstraße 1. . «eltereugruppe: Heimabend bei Käthe Heilbronn, Eisenacher Straße 35-36, am Mittwoch, den 15. Oktober 1930, um 8 Uhr abends. Leitung: Pckul Heinrichsdorfs. Weste«. Heimabeiü Montag, den 13. Oktober, bei Hilde Weglei«, Sybrlstraße 45, »m 8 Uhr abends: Erziehungsfragen. Haupt- und JiingerenqSruppe: Donnerstag, de« S. Oktober, 20.15 Ahr, in der Semeindefnkkoh, Anger 8: Snkkanßbetrachtung von Alfred Fabian. - Mittwoch, de« 15. Oktober, 20.15 Uhr, Jugendheim: Mit-Nederverfammln««. Anschließend spricht Herr Rabbiner Dr. Halpersoh« über: „Eindrücke pvn der Londoner Wektkonstreuz 1930".