Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 40 (1.10.1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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materiellen Beistand zu leihen. In diesem Sinne wurde eine Reche von bedeutsamen Beschlüssen gefaßt, die die Grundlage der weiteren intensiven „Ort"-Propaganda in Deutschland bilden werden, U. a. wurde auch beschlossen, sich an die Rabbiner mit der Bitte Lu wenden, während der kommenden Feiertage von der Kanzel herab aus die lebenswichtige Bedeutung der in Osteuropa zu bewältigenden jüdischen Aufballarbeit Hinzuweisen. Angesichts der außerordentlichen Dringlichkeit des ausgestellten Arbeitsprogramms haben sich sämtliche Anwesende bereit erklärt, die Not-Aktion des „Ort" in Deutschland nach Kräften zu unterstützen. Vereinsnachrichten Schale der Jüdischen Jugend. Seit Anfang September sind folgende hebräische Kurse wicdereröffnet: Anfängerkurs: I. E f r a t i (Dewarim) Dienstag 8—10, Beth Am, Grolmannstraße 30. M i t t e l k u r s e: Dr. C. Franken st ein (Jonah) Montag 8—10, Lützomstraße 16, Dr. M. Spitzer lRuth) Montag und Mittwoch 5—61/2, Beth Am, Grolmannstraße 36, Tr. M. Mayer (Simsongeschichte) Dienstag 8—10, ebenda. Kurse für Fortgeschrittene: Dr. W. Mecklenburg (Schmuel) Dienstag 6—8, Lützotvstraße 16, derselbe (Scholem Alechem) Donnerstag 8—10 ebenda, derselbe (Aggadah) Dienstag 8—10 ebenda, derselbe (Diwre Poaloth) Mittwoch 6—8 ebenda. I. B r a s l a »v s k i (Safrut Erez Israel) Donnerstag 8!/o—10Vo, Monbijouplatz 10. Zu fast allen Kursen können noch Teilnehmer in beschränkter Zahl ausgenommen werden. Die Ausnahme erfolgt durch Anmeldung beim betreffenden Kursleiter oder beim Leiter der Schule, Tr. M. Mayer, W. 35, Kurfürstenstraße 49, Lützow 7343. | Das Jiddische Wissenschaftliche Institut begeht den 70. Geburtstag des bekannten, jetzt in Berlin lebenden jüdischen Historikers Prof. Simon Dubnow durch eine Festsitzung, die am Sonntag, den 5. Oktober, im Großen Saale des Logenhauses,, Kleiststraße 10, stattfindet. Hs werden Begrüßungsansprachen und wissenschaftliche Vorträge gehalten werden. Sprechen werden: W. Latzky, I. Lestschinsky, S. Rubaschow, Dr. A. Steinberg, E. Tscherikower, Prof. Dr. Gotthold Weil, Dr. Mark Wischnitzer. Vertreter jüdischer wissenschaftlicher und gemeinnütziger Organisationen werden Begrüßungsansprachen halten. Beginn präzise 10i/o Uhr. Eintritt frei. Mitteilung Zirka 60 englische Wäschereibesitzer, Leiter der größten Wäschereien Englands, besichtigten neben anderen Betrieben auch die Groß- Wäscherei der D. Counde A.-G. Die Herren waren darüber erstaunt, daß die Dampswäschereien Deutschlands gegenüber denen der anderen Länder besonders weit vorgeschritten und neuzeitlich eingerichtet sind, trotzdem Deutschland während des Krieges von dem internationalen Maschinenmarkt vollkommen abgeschlossen war. Es war sehr interessant, daß die Herren bemerkten, daß eigentlich nur noch einige Großbetriebe in Holland und Amerika sind, die mit den größten deutschen Wäschereien in ihrer Vielseitigkeit und Ausführung der Wäsche verglichen werden können. Besondere Bewunderung erregte die Einrichtung für die Umwandlung des Spreewassers in kristallklares Quellwasser nach den neuesten technischen und chemischen Erfahrungen und bezeichneten die .Herren dies als ein Wunder der Technik. Neuartig ist auch die Verwendung des Kondenswassers zum | Spülen der Wäsche, was eine einwandfreie, hygienische Wäsche ge- I währleistet. Aus der Jli-Vewegung Verantwort!.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Zugendvereiue Deutschlands Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmann, Frankfurt a. Main Zum 28. September Liebe Freunde! Am 28. September vor einem Jahre ist Ludwig Lewin gestorben. Es kam damals so plötzlich, daß wir nur ahnen konnten, was wird an ihm verlieren würden. Heute wissen wir es. Es war ganz natürlich, daß Ludwig in der Zeit seiner Aktivität durch seine ganze Persönlichkeit immer die treibende Kraft und der Mittelpunkt im Jli war. Aber auch, als er selbst wünschte, etwas inkhT in den Hintergrund zu treten, als er seine Gruppe, die er länger als fünf Jahre gesülbrt hatte, abgegeben hatte, blieb es so. Es wurde nichts begonnen, nichts ausgesührt, was wir nicht mit ihm besprochen, was wir ihm nicht wenigstens mitgeteilt batten. Cr gab uns immer einen Rat. Und wenn wir vorher untereinander uneinig und unentschlossen waren, nach der Unterhaltung mit Ludwig wußten wir genau, was wir zu tun hatten. So war es in allen Jlifragen, so war es in allen persönlichen Dingen. Ludwig wußte, wenn eines von seinen Gruppenkindern sich mit einem Erlebnis oder mit einer Frage beschäftigte und nicht allein damit fertig wurde, und wenn er sah, daß wir nicht den Mut hatten, von selbst zu ihm zu kommen, dann führte er uns dazu, ihm unsere Nöte zu erzählen. Nach jeder solchen Unterhaltung hatten wir dann das Gefühl: „Wir sind ein Stück werter gekommen, und wenn wir wieder einmal nicht weiter wissen, dann können wir wieder zu Ludwig gehen und er wird uns ebenso helfen." Jbr wißt, wie oft ein junger Mensch — Ludwig begann mit einer Gruppe von Vierzehnjährigen — vor Rätseln steht, die er nur mit Hilfe eines älteren Führers und Freundes lösen kann, und werdet verstehen, wie oft wir da Ludwigs Hilfsbereitschaft, auch in ganz praktischen Dingen, in Anspruch nahmen, und welchen großen und gütest Einfluß er auf seine Gruppenkinder ausübte. Das grenzenlose Vertrauen, das wir zu ihm batten, ist niemals enttäuscht worden. Und jetzt nach einem Jahre erkennen wir das alles deutlicher als in der Zeit, in der Ludwig in unserem Kreise gewesen, ist, und fragen uns wohl im stillen, wenn Streit und Uneinigkeit Vorkommen, ob das auch möglich gewesen wäre, wenn Ludwig noch bei uns wäre, Er fehlt uns bei sachlichen Entscheidungen, und er fehlt denen, die das persönliche Verhältnis aus der Gruppe oder dem Vorstand zu ihm hatten, als Freund, Führer und Berater. Wir wissen, daß Ludwig für uns unersetzlich bleiben wird! Hilde Deutschland). Aus der Ili-Arbett Berlin. (Jugendgemein schüft der Jüdischen Reform-Gemeinde.) Am 9. September fand im Sitzungszimmer der Reform-Gemeinde, Johannisstraße 16, ein. Diskussionsabend über die bevorstehenden Reichstagswahlen statt. Die große Beteiligung an diesem Abend — der Raum konnte nur unter Zuhilfenahme der Fensterbretter und ähnlicher Sitzgelegenheiten alle Teilnehmer fassen — hat bewiesen, daß diesem Thema, das ja aus dem Rahmen unserer sonstigen Veranstaltungen herausfiel — wie der Leiter des Abends auch richtig bemerkte — von der Jugend ein großes Interesse entgegengebracht wird. Drei Hauptreferate — Deutsche Staatspartei, Deutsche Volkspartei und Deutsche Sozialdemokratische Partei — leiteten den Abend pn und bildeten die Grundlage zu einer äußerst lebhaften Diskussion, bei der auch noch Anhänger anderer Parteien, wie beispielsweise der Kommunistischen Partei, zu Worte kamen. Mit besonderer Freude kann berichtet werden, daß auch die Jugendlichen, die noch ein paar Jährchen Zeit haben, bis sie selbst zur Wahlurne schreiten dürfen, sich sehr zahlreich an der Diskussion beteiligten und sich schon jetzt politisch Nach jeder Hinsicht zu informieren versuchen. Welcher Partei die Majorität mehr oder weniger zu- oder abgeneigt war, läßt sich bei objektiver Betrachtung schwer sagen, hingegen machte sich ein Schwanken einzelner Meinungen nach dieser und jener Partei ziemlich deutlich bemerkbar, was auch nur wieder durch die augenblickliche politische Wirtschaftskrise bedingt ist. Ter Albend hat dazu angeregt, noch in einer weiteren Besprechung nach den Wahlen die politischen Programme der Parteien eingehend zu erörtern. E. K. Breslau. (Jüdisch-liberaler I u g e n d v e r e i n „Abraham Geiger.") In der Hauptgruppe sprach am 3. September Franz Meidner über „Deutsche und jüdische Bevölkerungsfragen im Lichte der Statistik". An Hand des Zahlenmaterials, das z. T. in graphische Darstellungen umgearbeitet war, besprach er eine Reihe dieser Fragen, zunächst der deutschen Bevölkerung: Geburtenrückgang, Sterbezifferrückgang, Volksgesundheit, Arbeitslosigkeit. Landflucht, Uebervölkerung usw. und versuchte, die Ursachen, Auswirkungen und etwaige bevölkerungspolitische Maßnahmerl klarzulegen. Ebenso behandelte ec die deutsch-jüdische Bevölkerung, bei der Mischehe und Austrittsbewegung zu den allgemeinen Bevölkerungsfragen hinzutritt. Er kam hierbei zu dem Ergebn's, daß die hohe Mischehezisscr eine mathematisch erfaßbare Notwendigkeit bei allen kleineren Bevölkerungsgruppen ist. Nach einer Betrachtung einiger soziologisch bedeutsamen Fragen der jüdischen Bevölkerung schloß der Vortragende mit der Warnung vor dem Versuche, aus längere Zeiträume hinaus Prophezeiungen in all diesen Fragen aufzustellen, seine mit größtem Interesse aufgenommenen Ausführungen. — lieber unsere am 7. September veranstaltete Trefsahrt mit dem Liegnitzer Jli unterrichtet ein besonderer Bericht. — Am 10. September hielt Erich Vulkan einen Vortrag über „Reichstagswahlen und Abwehrfrage". Der große Zuhörerkreis darf wohl als Beweis dafür angesehen werden, daß man den Ernst der Lage immer mehr erkannt hat. Der Vortragende bewies zunächst die Berechtigung, sich in einem religiösen Verein mit einem solchen Thema zu befassen. Nicht die Parteien, wohl aber die von diesen verschiedentlich aufgerollte Judenfrage müsse von uns geprüft werden, aus Gründen religiöser und menschlicher Wahrheit und Gerechtigkeit, unter dem Gesichtspunkt jüdischer Sittlichkeit, aus Glauben an Gott und die uns gestellte Menschheitsaufgabe. Sodann zeigte er in .Hinblick auf die Wahlen das ungeheure Anwachsen der antisemitischen Welle, die geschickte Propaganda und ihre Erfolge. Nachdrücklichst wies er, gestützt ans zahlreiches Material, auf die verhexenden Auswirkungen solchen Treibens hin. Er zeigte die gerade jetzt gebräuchlichsten Angriffe gegen Juden und Judentum und ihre Widerlegung bei der nötigen Sachkenntnis. Beispiel und Gegenbeispiel führten die antisemitischen Verirrungen dieses Wahlkampfes sowie die geeigneten Abwehrmittel und Methoden vor Augen. Ein umfangreiches im Wahlkampf verwandtes Presse- und Schriftenmaterial und dergl. vervollständigte den Ueberblick. Auf Wunsch erklärte der Vortragende noch kurz seinen persönlichen Standpunkt zu den Wahlmöglichkeiten für die Juden und wies abschließend auf die Lehren hin, die chin zur Stärkung der Abwehr aus diesem Wahlkampf ziehen müssen. Am 19. August fand ein I ü n g e r e n - G r u p p e n abend statt, an dem Alice Cohn eine Aussprache: „Grundgedanken des jüdischreligiösen Liberalismus" leitete. Hierbei behandelte man hauptsächlich das Wesen des Liberalismus an Hand der Dr. Nordenscheu! Schrift. Am 26. August kam man zu einem Unterhaltungsnachmittag zusammen. Am 2. September sprach Fredy Aschkowitz über „Lessing, Leben und Werke". Er verstand es, in klarer Schilderung ein Bild von Lessings Persönlichkeit zu entwerfen und die einzelnen Lebcnscpochen durch eine kurze Charakterisierung seiner Werte zu verdeutlichen. Der gemütliche Heimnachmittag am 9. September stand im Zeichen des Abschieds von Franz Meidner, dem bisherigen Leiter der Jüngeren-Gruppe. Es fehlte nicht an einer entsprechenden Würdigung seiner Person. Sämtliche Mittel waren erlaubt. Zu spüren bekam dies Meidner u. a. in einer markigen Abschiedsrede .Hans Hammers, deren Eindruck noch verstärkt wurde durch einen von Ruth .Honigbaum verfaßten, von Margit Berger ausgeführten musikalischen Vortrag. Von den „Aelteren" betätigte sich Alfred Fabian hierbei am Klavier, während Erich Vulkan mit einigen typischen Reminiszenzen aufwartete. Nach einem von Karlheinz Peiser bestrittenen „heiteren" Teil sah sich schließlich der Gefeierte selbst zu einer Abschiedsrede genötigt. Breslau. (I l i-I ün g e r e n g r u pp e.) In der Veranstaltung am 16. August sprach .Hans Hammer über das Thema „Krieg dem Kriege". Er schilderte zuerst die ungeheure Begeisterung der Bevölkerung bei Kriegsausbruch, die durch die Lügen der Presse zum Haß gesteigert wurde und wies darauf hin, daß die einzige Literatur dieser Epoche aus den unwahren und uns jetzt lächerlich scheinenden Kriegsbüchern bestand, die in gewissen Kreisen noch immer bei Jung und Alt Anklang finden. In ihnen finden wir den Krieg so dar,i gestellt, wie er sich unter Friedrich dem Großen abgespielt hat. Der Vortragende gab uns eine Probe der frisch, frei, fröhlich, frömmelt Stimmung, die in diesen Büchern herrscht. Anfangs betrachtete man den Krieg als nette Abwechslung, als ein lustiges Soldatenspicl. Als aber die Truppen nach 4 Jahren zermürbenden Massenmordes in die Heimat zurückkehrten, da erklang aus ihren Reihen selbst die pazifistische Forderung: Nie wieder Krieg! Der Militarismus verlor viele Anhänger. Umso unwürdiger ist es, daß er heute wieder „modern" und aktuell geworden! ist. Gerade jetzt haben Rechtsparteien, die zum Teil dem Kreigsgodawken noch freundlich gegenüberstehen, viele Stimmen gewonnen. Wir haben in Deutschland den Stahlhelm, in Oesterreich die Heimlvehr, die immer noch die Felddienstübungen, ihre Kriegsspiele nicht lassen können, und allen Ernstes glauben, durch diese Spielereien dem Vaterland etivas zu nützen. Es ist verwunderlich, daß sich trotz allem immer noch sehr viele zu einer 12jährigen Dienstzeit im Heere melden. Die Heeresleitungen fast aller Länder sind auch jetzt noch bemüht, das .Denken des Soldaten durch Drill zu unterdrücken. Bei einer geistigen Tätigkeit wäre doch eine pazifistische Zellenbildung zu leicht möglich. Dann sprach Hammer über die Waffen eines Znlunftskrieges, gegen die es keine Abweihr gibt. Er erwähnte besonders das Giftgas, gegen das die Gase des vorigen Krieges ein Kinderspiel sind. Bei ihrer ungemein kostspieligen Herstellung wären, wie er richtig sagte, die Waffenfabrikanten, wie im vorigen Krieg, die einzigen Gewinner. Der Bortvagende kam zu dem bedauerlichen Schluß, daß zwar die Völker jetzt für eine Versöhnung noch nicht reif seien, daß sich aber die Nationen bald zur Verwirklichung des Völkersriedens vereinigen würden. Fredy Aschkowitz. Breslau/LiegrrH. (I l i - T r e f f e n.) Wiederum kann unsere Jli- Bewegung in Schlesien einen schönen Erfolg buchen. Das regnerische Wetter konnte nicht hindern, daß Sonntag, den 7. September, unter starker Beteiligung das Treffen des Bleslauer und des Liegnitzer Jlis in Maltsch durchgeführt wurde. In fröhlichster Stimmung wanderte man pach dem idyllisch gelegenen Leubus, und bald war alles» von der Gemütlichkeit erfaßt. Beide Jlis überboten sich an fröhlichen Einfällen. Spiele, musikalische Darbietungen, nicht zuletzt der schwungvolle^ Tanz (sic! sic!) halsen uns, das unfreundliche Wetter zu vergessen. Aber auch die notwendigen organisatorischen Besprechungen, die der gemeinsamen Winterarbeit geividmet waren, fanden statt. Wir Breslauer konnten dabei mit Freude feststellen, mit welchüm Eifer unsere Liegnitzer Jlifreunde an der Arbeit sind, und welche überraschende Entwicklung der Liegnitzer Jli seit dem vorjährigen Treffen genommen hat. Rein äußerlich wurde dies durch die überaus starke Beteiligung der Liegnitzer Freunde an unserem Tressen bestätigt. Leider war die Zeit viel zu schnell vergangen. Einen gewissen Abschiedstrost bedeutete die begeisterte Motorbootsahrt von Leubus nach Maltsch als Abschluß des Treffens. Eine enge Freundschaft zwischen dem Breslauer und Liegstitzer Jli, Anregungen für die künftige Arbeit, und die Erinnerung an schöne Stunden sind das Ergebnis der Trefsahrt. Erich Vulkan. Liegnitz. (Heimabend u n d I l i- T r es s e n.) Am 1. September sprach Franz Meidner über Demokratie und Diktatur. Der interessante Bortrag über ein so aktuelles Thema wurde selbstverständlich mit großem Beifall ausgenommen. Eine rege Debatte über die Diktatur Mussolinis in Italien schloß den Abend. Am 7. September trafen wir uns mit dem Breslauer Jli in Maltsch. Tie Tatsache, daß Liegnitz so zahlreich wie noch nie erschienen war, zeigt, wieviot Arbeit wir in Liegnitz geleistet haben, und daß unsere Arbeit erfolgreich war, indem sie das Interesse der Indifferenten geweckt hat. Magdeburg. (Religiöse W e i h e st u n d e.) Am Sonntag, den 7. September, waren bei uns Mitglieoer der Jugendgemeinschast der Reformgemeinde Berlin zu Gast, um eine religiöse Weiheslunde zu veranstalten. In den Räumen der Mendelssohn-Loge hatten sich dazu in erfreulich großer Zahl 140 Personen eingefunden. .Die in wundervoller Weise durchgesührte Feierstunde hat bei den Teilnehmern einen tiefen Eindruck hinterlassen. Das ist besonders deshalb bemerkenswert, weil der weitaus größere Teil der Besucher mit erheblichen Bedenken und vielen Vorbehalten erschienen war. Ueberraschend war die Wirkung der durch Lautsprecher wiedergegebenen Schallplatten. Kaum, daß im Klang das Mechanische der Uebertragung zu spüren war. Im Gegenteil, die Mrkung der Chorgesänge und der erschütternd zarten und reinen Klänge der Violine Kreislers ist nicht zu vergleichen mit derjenigen mittelmäßiger musikalischer Kräfte, wie sie einer kleineren jüdischen Gemeinde zu Gebote stehen. Wir haben damit eine Neuerung von großem Wert kennen gelernt, der gewiß noch eine stärkere Verbreitung beschieden sein wird. Den Mittelpunkt der Feierstunde bildete die Predigt von Ilse Wolfs, die in schlichter Sprache klare Gedanken zu sagen wußte. Sie sprach, von einem Prophetenwort ausgehend, von der Verantwortlichkeit eines jeden vor Gott, vor dem Leben, von der Verantwortlichkeit insbesondere der Jugend. Dieser Verantwortung sei sich auch die Jugend der Reformgemeinde bewußt, wenn sic sich zu umwälzenden Neuerungen im jüdisch-religiösen Leben, und im jüdischen Gottesdienst bekenne. Sie habe es nur da gewagt, ehrwürdigen Ueberlieserungen abtrünnig zu »verden, too sie Neues, Besseres an seiner Stelle glaubte aufbauen zu können. Aber dann habe sie sich auch nicht gescheut niederzureißen und zu erneuern. So glaubt die Refocmsugend ihr Judentum für sich inhaltsreich und lebendig gestalten zu können und schon gestaltet zu hadert. Und das ist viel. Denn gerade das ist ja der Sinn der liberalen Jugend, des Liberalismus überhaupt, dem Judentum einen für uns heute lebenden Menschen einen lebendigen Inhalt zu geben. Vielleicht ist die Reformgemeinde auf einer richtigen Bahn am weiteren vorwärts geschritten. Aber nicht jeder wird ihnen auf ihrem Wege folgen wollen. Ein Blick in ihr Gebetbuch zeigt, wie sie in ihrer Liturgie radikale Veränderungen geschaffen haben. Auffallend, vielleicht teilweise nachahmenswert ist die Kürze der einzelnen Gottesdienste, besonders an den hohen Festtagen. Wohl das wichtigste Problem ist, ob sich die fast völlige Fortlassung des Hebräischen rechtfertigen läßt. Es ist hier jedoch nicht Raum, ausführlich zu den Fragen, die sich bei diesen Umwälzungen ergeben) Stellung zu nehmen. Eine Diskussion, die wir am Dienstag,'den 16. September, darüber stattfinden lassen, wird die einzelnen Anschauungen zu Wort kommen lassen. Wir werden darüber berichten. Wir sagen aber auch hier noch einmal allen denjenigen, die mit vieler Mühe und Hingabe an der Durchführung der Weihestunde beteiligt waren, herzlich Dank. Sie haben uns durch die Uebermittlung ihrer Ideen viel Anregung, durch ihre Liebe und Begeisterung für ihre Sache ein gutes Beispiel und einen Ansporn für unsere Wintcrarbeit gegeben. Ratibor. (Borträge im Jli.) Nach längerer Sommerpause nahmen wir im September unsere Tätigkeit mit zwei Veranstaltungen wieder auf, die (mit 20 bezw. 30 Personen) recht gut besucht tvaren. Wir konnten auch die Ausnahme neuer Mitglieder verzeichnen. Am 10. September sprach Franz Pick im Hinblick auf die Wahlen über: „Wir Inden und die politischen Parteien". Nach eingehender Schilderung der politischen Lage der Juden in anderen Staaten ging er aus unsere deutschen Verhältnisse über, sprach über den Antisemitismus auf der Rechten, über die nationalsozialistische Gefahr und über die geringe Möglichkeit, ,manche vielen Juden nahestehende Partei zu wählen, weil sie mit den „Nazis" eine Koalition eingehen wolle. Er sagte, es sei bedauerlich, daß die Juden bei uns so ziemlich aus zwei Parteien beschränkt seien, rvir müßten dafür kämpfen, daß wir so wie die englischen Juden ohne Gefahr für unser Judentum alle Parteien wählen können. An den Vortrag schloß sich eine rege Diskussion. Am 24. September sprach Herr Bieberseld in seiner gemütlich plaudernden Art über die hohen Feste. Er begann mit den Selichaus>- Tagen als Vorbereitung zum Neujahrsfeste, sprach dann über die Bedeutung dieser Feste und ferne Gebräuche zu Haus und im Gottesdienst. Darauf ging er auf die zehn Bußtage und de,: Versöhnungstag über und tvürdigle besonders die Gebete dieses, unseres höchsten Festes in erster Linie das Sündenbekenntnis. Er konnte erfreulicherweise auch mitteilen, daß das „Kol-Nidre" auf das Drängen der liberalen Mehrheit hin in unserer Gemeinde dieses Jahr in abgeänderNr Form gesungen wird. Dank der Unterstützung durch die Berliner Reformjugcnd können wir am 11. Oktober eine religiöse Weihestunde veranstalten. ...... Das Jli Programm i* Berlin. Gemeinsame Veranstaltungen. Am Sonntag, den 12. Oktober, Sukkautz-Feier in Hermsdors. Tressen 9.45 Uhr Stettiner Borortbahuhos. Donnerstag, den 23. Oktober, abends 8 Uhr: Bunter Abend bei Heinrichsdvrffs, In den Zelten 9. Jli-Singkreis. Donnerstag, den 9. Oktober, abends 8 Uhr, Singprobe zur Sukkauß-Frier bei Paul Loewenstein, RÄ. 23, Jagowstraße 8. Aelterengruppe: Sonntag, den 5. Oktober, Bormittagsausflug. Treffen vor dem Bahnhof in Wannsee 9.38 Uhr. Breslau. Haupt» und Jüngeren-Gruppe: Donnerstag, den 9. Oktober, 28.15 Uhr, in der Gemeindesukkoh der Renen Synagoge, Anger 8: Sukkaußbetrachtung von Alfred Fabian. — Jüngstea-Gruppe: Mittwoch, den 8. Oktober, 18 Uhr, in der Gemeindesukkoh, Anger 8: Zusammensein (Erklärung, Unterhaltung). Frankfurt a. M. Samstag, den 4. Oktober 1930, 16 Uhr, bei Stiesel, Reuter» weg 591: Aussprache-Nachmittag. Dienstag, den 7. Oktober 1938: Geselliger Abend in der Laubhütte der Westendsynagvgr.