Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 39 (25.9.1930)
- Date
- 1930-09-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Lagen durlegte. Mit einem Gebet um himmlischen Schutz für das erneuerte Heiligtum, für die Gemeinde und das ganze deutsche Land und Volk schloß Die Rede. Tic Rezitation eines Psalms und der stimmungsvolle Chor: Jhi scholaum b'chölech beendeten die Feier, die aus alle Teilnehmer, besonders auch die nichtjüdischcn, einen sichtlichen Eindruck machte. Königsberg. (R e p r ä s e n t a u t c n v c r s a m m l u n g.) Der Repräsentantenvorstehcr, Waisenhausdircktor Peritz, begrüßte nach der Sommerpause die Repräsentanten zu der ersten Sitzung und hieß den von schwerer Krankheit genesenen Repräsentanten Apotheker Meycrorvitz besonders herzlich willkommen. Sodann hielt er einen Nachruf auf die kürzlich verstorbene Frau Jda Tinesmann, die sich durch ihr wohltätiges Wesett wie durch ihre aufopfernde Arbeit für die Gemeinde ein dauerndes Denkmal gesetzt habe. Der Vorsitzende des Gemeindevorstands, Geheimrat Professor Tr. Falkenheim, gab bekannt, daß Kaufmann Siegmund Wolfs sein Amt als Vorstandsmitglied niedergelegt habe. Er sprach dem Ausscheidenden den besonderen Dank des Vorstandes aus, den Direktor Peritz auch für die Repräsentanten» ersammlung zum Ausdruck brachte. — Ter Repräsentantenvorsteher gab davon Kenntnis, daß es seinen Bemühungen gelungen sei. Jugendliche für die Arbeit in den Gemeindaausschüssen hcranzuziehen. Darauf trat die Versammlung in die Etatsberatung ein, über die Repräsentant Albert Loose referierte. Es habe sich für das Rechnungsjahr 1930 bis 1931 ein Strucraussall von ungefähr 30 000 Mark ergeben, der jedoch durch den Betriebsfonds sowie durch Einsparung des letzten Jahres gedeckt sei. Seitens des Vorstandes seien verschiedene Abstriche am Etat gemacht worden. Stärkere Herabsetzungen seien jedoch mit Rücksicht auf einen erheblichen Teil der für die Dauer festgclegten Ausgaben, insbesondere auf die Gehälter, nicht möglich. Die einzelnen Posten zu den Etatseinnahmen wurden fast sämtlich in der vom Vorstand vorgeschlagenen Höhe von der Versammlung geirehmigt. Die Einnahmeposten für die Mieten wurden um 300 Mark erhöht, da die gesetzlichen Mieten inzwischen gestiegen sind. Die Versammlung beschloß, die Koscher-Zulagc der Gemeindebeamten, die bisher 10 »o des Gehalts betrug, auf 5 o/o herabzusetzen. Di« Einsparung einer Schächterstelle wurde der Schcchita-Kommission überwiesen. An Gehältern für das Chorpcrsonal sollen 5000 Mark gespart werden. Tie Ausgaben für die Verstärkung des Chors an hohen Feiertagen wurden von 3800 Mark auf 3500 Mark herabgesetzt. Für Beleuchtung und Beheizung der Neuen Synagoge wurden 2500 Mark bezw. 3000 Mark bewilligt. Ein Antrag des Repräsentanten Justizrat Tr. Lichtenstein, der Vorstand möge eine Kommission zur Prüfung der Frage einsctzen, ob und unter welchen Umständen eine Vereinigung der Konservativen Synagoge „Adaß Jisrocl" mit der Alten Synagoge 'stattsinden könne, wurde angenommen. — Für den jüdischen Kindergarten wurden 600 Mark, für die hebräische Sprachschule 1350 Mark Subventionen bewilligt. Für Einnahmen wurde ein Posten von 237 800 Mark in den Etat gesetzt. Tie Versammlung beschloß gemäß dein Vorschläge des Vorstands, für das Stcuerjahr 1930/31 einen Steuersatz von 21 o/o als Zuschlag zur kommcusteuer und von 50 o/o als Zuschlag zur Vermögenssteuer zu erheben. Königsberg. (Gründung eines G e m e i n d e au s s chu s - ses der jüdischen Jugend.) Auf Veranlassung des Repräsentantenvorftehers Direktor Peritz fand eine Sitzung der jugendlichen Vertreter sämtlicher Gemeindekommissionen statt, die sich mit Jugendsragen zu befassen hatte. Der Vorsitzende, Direktor Peritz, wies darauf hin, daß es die Gemeinde als ihre Ausgabe betrachte, die schulentlassene jüdische Jugend zu den Pflichten der Gemeindearbcit heranzuziehen, damit sie Interesse und Verständnis für das Gemeind clebcn empfange und dereinst eine treue Stütze des Judentums werde. Es sei nicht nur notwendig, sich auf die organisierte Jugend zu beschränken, sondern auch die unorganisierte Jugend heranzuziehen. Zu dieser Arbeit müsse sich die Gemeinde insbesondere der Jugendführer bedienen. Aus diesem Grunde hätten die Gemeindekörperschaften den Beschluß gefaßt, reifere Jugendliche aus allen Parteien durch Zuwahl zu den verschiedensten Gemeindekommissionen heranzuziehen. Die Tätigkeit der Jugendvertreter der Gemeinde soll eine vollkommen überparteiliche sein. Einer neu zu schassenden Jugendorganisation solle der Weg geöffnet werden, neue, jugendlich: Ideen und Formen für unser Gemeindeleben zur Anerkennung zu bringen und die Jugend gemeinsam mit der älteren Generation zusammenarbeiten zu lassen. -- Die Gedankengänge des Referenten fanden bei den Jugeudführern allgemeine Zustimmung. Es wurde die Konstituierung des Gemcindcausschusscs der Jüdischen Jugend in Königsberg i. Pr. beschlossen, der von Zeit zu Zeit unter einem selbstgewählten Vorsitz zusammenkommen und dafür sorgen soll, daß auch die Jugend in starker Weise an den Problemen des Gemeindelebens teilnimmt. Diese Probleme sollen ihr in klubartigen Zusammenkünften nahegcbracht werden. Königsberg. (Todesfall.) Hier verstarb Frau Jda Tincsmann, die in einer Reihe jüdischer Vereine in hervorragender Weise tätig war. Ganz besonders betätigte sie sich noch in der letzten Zeit bei der Einrichtung des neuen Jüdischen Altersheimes, dessen Vorstand sie angehörte. Im Kuratorium des Ferienheimes Neuhäuser sorgte sie für die Unterbringung bedürftiger jüdischer Kinder zu einem Secaufenthalt im Ferienheim. Auch im Vorstand der jüdischen Volksküche „Hachnossas Orchim" leistete sie hervorragende Arbeit. Ein zahlreiches Trauergefolge aus allen Kreisen der Gemeinde erwies der Verblichenen die letzte Ehre. Plauen. (G e m c i n d c r a t s s i tz u n g.) Aus der am 16. ds. stattgehabten Sitzung des Gemcinderates ist zu berichten, daß der langjährige Gemeindeverordnete Herr Paul Lcwin, Falkcnstein, sein Amt niedergelegt hat. Ter Gcmeindevorsitzcnde .Herr Rechtsanwalt Tr. Goldberg widmete 'ihm ehrende Worte für seine stets eifrige Mitarbeit. Aus den zahlreichen Eingängen ist bemerkensivcrt eine Abschrift der Eingabe, die der Sachs. Israel. Lehrcrverbnnd an das Ministerium für Volksbildung gerichtet hat. Ferner das Urteil des Landgerichtes Plauen, das die Gemeinde zur Räumung des Bewaumcs verurteilt, in welchem bisher der chassidischc Gottesdienst stattfand. Um dem chasfidischen Teil unserer Gemeinde die Ausübung des Gottesdienstes in seinem Ritus zu ermöglichen, hat die Gemeinde aus 5 Jahre das Rückgebäude Schillerstraße 41 gemietet und für die chasfidischen Zwecke vorrichten lassen. Ter Vorstand der chasfidischen Gemeinde, Herr M. Reisen, dankt dem Vorstand für seine tatkräftige Hilfe. — Ter Vorsitzende, .Herr Tr. Goldbcrg, gibt ferner davon Kenntnis, daß zum 1. Oktober d. I. das Schächtverbot in Bayern beginnt. Infolge der nächsten Nähe unserer Gemeinde zu Orten, in denen bayerische Juden rituell leben, hat die Gemeinde Weiden i. d. Obcrpfalz die Bitte anher gerichtet, sie mit Koscherslcisch zu versorgen. Hierzu ist selbstverständlich unsere Gemeinde gern bereit und hat auch, um durch größere Menge im Verbrauch Vorteilhaftes in Qualität und Preis bieten zu können, Fühlung mit den Gemeinden .Hof und Bayreuth ausgenommen. Es ist eine selbstverständliche Pflicht, daß lvir in jeder Weise unsere bayerischen Glaubensgenossen unterstützen. ES wird daraus verwiesen, daß der Jüdische Friedensbund am 28. ds. in nuferer Synagoge eine öffentliche Kundgebung abhalten wird, zu der Herr Rabbiner Tr. Goldmann aus Leipzig als Hauptredner gewonnen wurde. Es folgten nunmehr die Berichte der einzelnen Ausschüsse, von denen derjenige des Finanzausschusses vertraulich war. Ter Wirtschaftsausschuß, dem die Bewirtschaftung des neuen Synagogengebäudes obliegt, hat verschiedene Sitzungen abgehalten und dabei it. a. beschlossen, den Gemeindesaal an Vereine und Private gegen Miete zu vermieten. Die bctr. Sätze wurden von der Gemeinde- Vertretung genehmigt. Der Mietertrag soll zur weiteren Ausgestaltung der Jnnenräumc verwendet werden. Für den Schulausschuß berichtete Herr Prediger Hcimann über seine Verhandlungen mit hiesigen Schulleitern. Bekanntlich hat das Volksbildungsministerium angeordnet, daß die Zensuren für den jüdischen Religionsunterricht nicht, wie den entsprechenden Zensuren bei Protestanten und Katholiken, auf das allgemeine Schulzeugnis gesetzt werden. Zum Zwecke der Gleichberechtigung unserer Religionszensuren mit denjenigen anderer Konfessionen hat der Verband Israelitischer Lehrer in Sachsen die oben genannte Eingabe an das Volksbildungsministerium gemacht. Bis zur Entscheidung über diese Eingabe hat die- Gemeinde eigne Zensurbücher Herstellen lassen. Tic Besprechungen i>es Herrn Prediger Heimann zielen dahin, die Direktoren zu bitten, diese Zensurbücher zusammen mit den anderen Zcnsurbüchrrn am Halbjahresschluß den Schülern auszuhändigen. Dieser Bitte ist allenthalben entsprochen! worden. — Zum Synagogcnausschuß wurde mitgeteilt, daß außer dem Liberalen Hauptgottesdienst noch ein konservativer Gottesdienst abgchaltcn werden soll. Auch dieser findet unter Aufsicht der Gemeinde statt und mit den Beamten der Gemeinde. Ferner soll für den Hauptgottesdicnst ein Hilfsschammes aushilfsweise angestcllt werden Plauen. (Antisemitischer u e b e r s a l l.) Zu der Meldung von einem antisemitischen Ueberfall am 31. v. M. ist nachzutragen, daß die Täter ermittelt werden tonnten und gegen sie Strafantrag gestellt worden ist. Sie haben den feigen Ueberfall zugegeben. Potsdam. (Antisemitismus im Städtischen Krankenhaus.) Dem 8-Uhr-Abendblatt entnehmen wir: Eine peinliche Angelegenheit aus dem Städtischen Krankenhaus in Potsdam, welche Aerztekreise sicherlich interessieren dürste, beschäftigte das Potsdamer Arbeitsgericht. Als Kläger tritt der Assistenzarzt des Städtischen Krankenhauses in Potsdam, Tr. Teligtisch, auf, der gegen den Potsdamer Magistrat auf Zahlung von Gehalt und Verpflegung klagt. Der Magistrat inserierte in der „Medizinischen Wochenschrift" von einiger Zeit nach einem Assistenzarzt für die Station der Geschlechts- und Hautkrankheiten im Städtischen Krankenhaus, deren Stationsarzt Dr. Ueberschneer in Potsdam ist. Es meldete sich der Kläger aus Saarbrücken auf Grund seines Doktordiploms, das er in Wien erhalten hat. Am 1. August telegraphierte der Magistrat Potsdam: „Erwarte sofort Ticnstantritt." Tr. Teligtisch kam am 1. August hier an, unterschrieb die Tienstanweisu.ng, und der Oberbürgermeister gab die Ermächtigung, den Kläger einzusrcllen. Einige Tage nach seinem Dienstantritt — niemand bemängelte seine ärztliche Tätigkeit — wurde Dr. Teligtisch aufgesocdert, seinen Lebenslauf einzureichen. Jetzt stellte sich heraus, daß er Jude war. Am 9. August erklärte man dem Kläger plötzlich, daß seine ärztliche Tätigkeit nicht genüge; cr könne gehen. Tr. Ueberschneer wollte herausgefunden haben, daß der Kläger bei Injektionen Blutbahnen zerstochen, Abstriche unsachgemäß gemacht, falsche Diagnosen gestellt hätte und anderes mehr. Testen ungeachtet ließ man aber diesen angeblich unfähigen Arzt iveitcr im Städtischen Krankenhaus Patienten behandeln. Am 15. August, als die Aerztc im Städtischen Krankenhaus Gehalt erhielten, wurde der Kläger einfach bei der Zahlung übergangen. Dem Kläger wurde am 15. August von Tr. Ueberschneer anheimgestellt, freiwillig zu gehen. Das tat der Kläger nicht, und es kam nun auf der Station 7 zu peinlichen Szenen in Gegenwart von Patienten. Eine Schwester soll dem Kläger bei der Visite mit einem Fußtritt gedroht haben, und Tr. Ueberschneer hat, wie der Kläger vor Gericht behauptet, diesem die Worte zugerufen: „Halten Sie das Maul!", so daß alle Patienten der Gcschlechtsstation es hören konnten. Ter Kläger hat daraufhin Dr. Ueberschneer wegen Beleidigung vertlagt. Ter Kläger wurde am 1. September aus dem Krankenhaus hi-nausgesetzt. Tas Arbeitsgericht, unter Vorsitz von Amtsgerichtsrat Hirschseld, verurteilte den beklagten Magistrat dazu, dem Kläger das Gehalt und die Verpflegung vom 1. August bis 30. September zu zahlen, da bis dahin das Arbeitsverhältnis bestehe. Der Volkswohlfahrtsminister hat die Akten über den Fall des Arztes eingefordcrt. Schwetz a. W. (jctzj polnisch Swiecic). (5 0 j ä h r i g c s Synagogen-Jubiläum.) Tie hiesige Gemeinde beging am 24. August die Feier ihres 50 jährigen Synagogenjubiläums. Die einst an Mitgliedern sehr ansehnliche Gemeinde besteht heute noch aus 15 deutschen Familien, welche die Gemeindeinstitutionen aufrecht erhalten. Tie Jubelfeier fand unter großer Anteilnahme der nichtjüdischen Bevölkerung statt. Das schöne und geräumige Gotteshaus war festlich geschmückt. Nach einleitendem Harmoniumspiel wurde das Minchagebet verrichtet, worauf ein Umzug mit den Thorarollen erfolgte. Nachdem von Harmonium uns Geige „Die Himmel rühmen" zu Gehör gebracht worden war, hielt Gemeinderabbiner Tr. Grün aus Danzig die Festpredigt, in der er die innige Verbundenheit des Kleinstadtjudcn mit seinem Gotteshause darlegte. Aus ihr resultiere letzten Endes überhaupt die Bedeutung des Kleinstadtjudentums für das jüdische Leben im allgemeinen. Ter Schwerpunkt des Judentums sei zwar aus der kleinen in die große Stadt verlegt worden, aber die Judcnheit der großen Stadt zehre gewissermaßen von der Jüdischkeit, welche die Juden aus der kleinen in die große Gemeinde mitgebracht haben. Mit einem musikalischen Nachspiel schloß die Feier. Am Abend fand sich die Gemeinde noch zu einem gemütlichen Beisammensein zusammen. Wiesbaden. (Völkische Rohlinge.) Hakenlreuzler, die sich aus einer Fahrt nach Mainz befanden, sielen über das Vorstandsmit«- glied des R. j. F., den Fabrikanten .Herz, her und verletzten ihn schwer, so daß eine Operation im Krankenhaus, wohin Herz gebracht worden war, vorgenommen werden mußte. Ter Ueberfall war ohne jeden Anlaß in heimtückischer Weise unternommen, als .Herz vor seiner Wohnung mit der Reparatur seines Wagens beschäftigt war. Würzburg. (T o d c s f a l l.) Hauptlehrer a. D. S. Eisemann lvurde unter starker Anteilnahme hiesiger und auswärtiger Freunde zu Grabe getragen. Seit 1012 (war der Verstorbene hier als Religionslehrer tätig. Bezirksrabbiner Tr. .Hanover widmete dem Entschlafenen einen ergreifenden Nachruf, in dem er seine Güte, Milde und Gerechtigkeit hervorhob. Studiendirektor Stoll ries namens des Jüdischen LehrcrvereinS für Bayern dem Verstorbenen herzliche Abschiedsworte nach und betonte, daß er als Begründer des Vereinsich um die allgemeinen Berussinteressen besonders verdient gemacht habe. Als Verwandte gaben Lehrer Weil aus Hof und Dr. Eisemann^ Nürnberg, der Trauer der Familie in schmcrzbewcgtcii, Worten bcsonderen Ausdruck. Zierenberg. (Persönliches.) Ter Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Jakob Kaufmann, beging unter lebhafter Teilnahme aller Ortseingesessenen seinen 60. Geburtstag. Welcher Beliebtheit sich der Jubilar erfreut, beweist der Umstand, daß er iy zwei Wahlperioden znm Stadtverordneten-Vorsteher getvählt ivurdc und sich in dieser Eigenschaft um das friedliche Verhältnis der Bürgerschaft, die glücklicherweise vom Bazillus des Judenhasses noch nicht in dem sonst üblichen Maße infiziert wurde, verdient machen tonnte. Von der Wertschätzung, die Jakob Kaufmann als Führer der Stadtverordneten genießt, zeugt ferner die Tatsache, daß das arlament des Städtchens der jüdischen Gemeinde einstimmig einen Zuschuß von 200 Mark zur Renovierung ihrer Synagoge bewilligte. Aus der Bewegung Berlin. (Gemeinde abend der Bezirksgruppe N o ed e n.) Am Montag, den 15. September, fand in der Metzer Str. 1 der erste sehr stark besuchte Gemeindeabend der Bezirksgruppe Norden in diesem Winterhalbjahr statt. Herr Falkenberg eröffnete dm Abend, der der einleitenden Vorbereitung der Wahlarbeit gewidmet sein sollte, und gab nach einleitenden Worten Herrn Woyda das Wort zu dem Vortrag des Abends: „Tie bevorstehenden Repräsentantcn- Wahlen! Was wir zu tun hadcn!" Vierundzwanzig Stunden, so führte Herr Woyda etwa aus, trennen uns erst von den Wahlen zum deutschen Reichstag. Das Ergebnis wird jedem zu Denken Anlaß gegeben haben. Was einst als Ziel jedem Volke vorschwebte, „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr", hier ist von alledem nichts mehr zu merken. 6» i, "Million Menschen, d. h. jeder 5. Wahlberechtigte hat eine Stimme abgegeben für die Nationalsozialisten. Tie Nationalsozialisten eint in Deutschland nicht ein positives Parteiprogramm, sondern die Ablehnung der parlamentarischen Demokratie und mehr noch der Judenhaß. Tie Juden sollen ausgemerzt werden aus dem deutschen Volke. Ein Jude, so sagt man, kann nicht Deutscher sein. Ideologien trennen die Menschen, aber gemeinsame Arbeit führt sie zusammen. Wenn heute ei * Millionen Menschen ihre Stimme für eine Partei abgegeben haben, die geeint nur sind durch den Judenhaß, so muß das darauf zurückzuführen sein, daß man die Juden nicht kennt. Man muß sich die Mühe geben, ihnen diese Kenntnis beizubringen. Gemeinsame Arbeit bindet. Wir wollen in diesem Zusammenhänge nicht prüfen, >vas in den letzten Wocheir geschehen ist. All die jüdischen Aufrufe, die an die jüdischen Wähler herausgegebcn worden sind, haben nicht gerade dazu beitragen können, uns in die gemeinsame Front mit unseren deutschen Volksbrüdern einzureihen. Wir müssen versuchen, durch gemeinsame Arbeit uns einander wieder anzunähern» damit bei einer späteren Wahl leine Wiederholung kommen kann. Die Wahlen zum Preußischen Landesverband und zur Repräientanten-Versammlung der Jüdischen Gemeinde haben durch die Reichstagsrvahlen eine neue Bedeutung erhalten. Sie müssen die Entscheidung darüber herbeisühren, ob wir im kulturellen wie im sonstigen Wirtschaftsleben gemeinsame Arbeit mit Nichtjuden verrichten wollen. Es scheidet uns von den Zionisten im jüdischen Leben, daß sie eine Trennung des jüdischen Deutschen vom nicht«- jüdischen Deutschen herbeisühren durch eigene Schulen, Turnplätze usw. Wir Juden müssen uns entscheiden für Trennung oder gemeinsame Arbeit. Wenn wir uns 'für gemeinsame Arbeit entscheiden, ja) müssen »vir darauf hinwirken, daß der Aufgabenkreis der Jüdischen Gemeinde beschränkt wird aus den einer Religionsgemeinde. Augenblicklich erfüllt sie Aufgaben, die Stadt oder Staat zufallen. Auf dem Wohlsahrts- und Kultusgebiete sollte die Gemeinde Vorbildliches leisten. WaS wir erstreben müssen, das ist die Ausschaltung der Politik in der Gemeinde. Aufgabe der Gemeinde soll die Pflege und Förderung jüdischer Religiösität in Berlin sein. Wenn wir dieses Programm im Wahlkampf verfechten »vollen, müssen wir uns klar darüber sein, welche Möglichkeiten gegeben sind, einen Wahlsieg zu bekommen. Herr Woyda gibt dann einen Ueberblick über die Arbeiten, die in Bezug auf die Wahlen bisher geleistet worden sind und die noch geleistet iverdcn sollen. Er schließt seinen Bortrag mit den Worten, daß cs unser Streben sein muß, die Machtstellung für das Berliner Judentum in der Jüdischen Gemeinde wieder zu erringen, daß das Judentum und das deutsche Vaterland auch Besitz unserer Kinde» Die Ausführungen des Herrn Woyda entfesselten eine ausgedehnte Diskussion, au der sich auch zwei neuausgestcllte Kandidaten lebhaft beteiligten, und in der sowohl grundsätzliche als auch taktische Fragen behandelt wurden. Tie .Herren Martin Sobotker und Bruno Sommerfeld nahmen für die Jugend das Wort; sic betonten besonders, daß man die Jugend zu praktischer Arbeit im Wahlkamps heranziehen solle und müsse, denn nur so könne man sie für uns gewinnen. In seinem Schlußwort hob .Herr Woyda noch besonders hervor, daß der Liberalismus Gerechtigkeit ivolle für alle religiösen Richtungen von der Reform bis zur Orthodoxie. Verein für Feuerbestattung in Berlin von 1874, e. V. ▼enn. kostenlose Feuerbestattung Annahme W Lü, Liitzowstrafle 44, Telefon: Lützow 960-61 Ein grosser Teil der von uns betreuten Personen hat zürn Teil Wir bitten bei Bedarf unsere Vermittlung in Anspruch zu nehmen. MMiilte Groll-Berlin E. v. Charl. 2, Kantstr. 160. Bismarck 1221 Zimmer leerstehen ne Erste meiwlerenza lieralee Judentums w (Reden, Diskussion, Beschlüsse) Gründungsversammlung der World Union for Progressive Judaism London, 10.—12. Juli 1926 Preis: im Buchhandel M. 1.8V» für Mitglieder d. Vereinigung, die bei uns direkt bestellen. M.I.— vereiniguno nr du liberale Judentum Eli. Berlin SW 11, Hallesche Strasse 1 Alle Tqfee ist Kein Sonntag, aber: . alleTa&e gib Vs CM. im Klee! C. M. im Klee BIENENHONIG das reine und reifste Naturprodukt. Nahrhaft, gesund und bekömmlich. CHR. MARTENSEN, MARNE i. HOLST. Postfach A 170 netto 9 Pfd. 11.70 netto 5 Pfd. 7.00 netto 3X3 Pfd. 12.40 netto 2X3 Pfd. 8.50 netto 1X3 Pfd. 4.50 Nachnahme. Frei Haus. 07