Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-09-10 · 37 (10.9.1930) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
37 (10.9.1930)
Date
1930-09-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2613366-2614053-2614090--3713-2621335
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Sprechsaal Für diese Rubrik übernimmt die Schristleitung lediglich die preßgesetzliche Verantwortung. Vom Wochenkags-Gokkesdienst Zu den .sehr einleuchtenden Ausführungen des Herrn Dr. Willy Rosenthal jm Sprechsaal (Nr. 31) dieses Blattes gestatte ich Mir, auf meinen Artikel „Oefsnet die Tore" (Nr. 38, Jahtgang 1929) Hinzumeisen, in dem ich die gleiche Forderung wie Herr Dr. R. erhoben habe, nämlich, daß unsere Gotteshäuser, ähnlich wie die der anderen Bekenntnisse, auch außerhalb der gottesdienstlichen Zeiten geöffnet bleiben sollten. Allerdings habe ich nicht — urü> darin unterscheide ich mich von Herrn Dr. R. — von Wochentagssynagogen gesprochen, sondern überhaupt von den Synagogen, zumal ich nicht nur an Großstädte und Großgemeinden (in denen sich ja meistens die sogenannten Wochentagssynagogen finden), sondern mvg- -lichst an alle Andachtsstätten gedacht habe. Meinen vorjährigen Bemerkungen möchte ich noch an fügen, daß ich gelegentlich meiner Anwesenheit bei der Weltkonferenz in London habe feststellen können, daß die Wochentagssynagoge der Jewish Liberal Synagogue, in der die hauptsächlichen Beratungen stattfanden, auch außerhalb der Andachtszeilen geöffnet ist und daß — ein Novum für deutsche Verhältnisse — ein entsprechender Hinweis auf einer Tafel (wo auch, gleichfalls ein Neues für uns, die Namen der Rabbiner der Synagoge verzeichnet sind) vermerkt ist. Ich möchte ferner noch hinzufügen, daß ich in der Zwischenzeit seit Veröffentlichung meiner Anregung beobachten konnte, daß innerhalb der protestantischen Kirche — die katholische hat es schon immer getan — die Gepflogenheit, die Kirchen auch außerhalb der Gottesdienste, wenigstens zu bestimmten Stunden, geöffnet zu halten, starke Fortschritte gemacht hat. Jedenfalls für uns ein „Zeichen der Zeit" und ein Anlaß, hinzugehen und das Gleiche zu tun. Wir können uns ja zudem auf Hanna berufen, die jm Stiftszelte zu einer nicht allgemein üblichen Zeit gebetet hat, und die sogar als Muster einer frommen Beterin bis auf den heutigen Tag gilt. Ich nutze den Anlaß, um mit ein paar Worten auf die andere, von Herrn Tr. Rosenthal an der gleichen Stelle gegebene Anregung einzugehen. Herr Tr. R. meinte nämlich, in den leistungsschwachen Gemeinden, die über kein volles Minjan verfügten, sollte die Andacht eben ohne Minjan abgehalten werden, und zur Zerstreuung der Gewissensbedenken frommer Juden sollten unsere Rabbiner — nicht nur die liberalen — sich dahin äußern, daß ein Gottesdienst einschließlich des Kaddischgebets auch dann als vollgültig anzusehen sei, wenn weniger als 10 Personen an ihm teilnähmen. Ta kennt Herr Tr. R. unsere Rabbiner — und nicht nur die nichtliberalen — sehr schlecht! Und d i e Rabbiner, die in seinem Sinne zu entscheiden versucht haben — und der Schreiber dieser Zeilen hat es vor mehr denn einem Jahrzehnt in seiner damaligen Gemeinde versucht — sind mit ihrer Auffassung zumeist zucht durchgedrungen, sondern haben vor der Autorität des Schülchan aruch zurückweichen müssen, der unter Umständen sogar eine Unterbrechung des Gemeindegebets fordert, wenn durch das Weggehen einzelner — natürlich an sich ein grober Unfug, außer in besonderen Notfällen — die Zehnzahl aufgehoben worden ist. H alp e rsohn, Breslau. *i: Aus den Gemeinden ■* Berlin. (5 0. Geburtst a g.) Am 12. September begeht Amtsgerichtsrat Walther Michaelis seinen 50. Geburtstag. Unser Gesinnungsfreund Michaelis hat einen unbestrittenen Ruf als Jurist insbesondere auf dem Gebiete des Registcrwesens. Erst vor wenigen Wochen erschien von ihm ein Werk über Registerrecht, das bald grundlegend für diese schwierige Materie werden dürste. Amtsgerichtsrat Michaelis hat stets jüdischen Dingen großes Interesse zugewandt. Er steht auf dem linken Flügel des liberalen Judentums, gehört dem Vorstand der Jüdischen Reformgemcinde an und führt den Vorsitz der Bezirksgruppe Schöneberg des Liberalen Vereins. Entsprechend seinen bibliophilen Neigungen widmet er sich auch mit besonderem' Interesse den Arbeiten der Soncino-Gesellschaft. Wir wünschen dem Jubilar auch au dieser Stelle alles Gute und hoffen noch aus recht viele Jahre gedeihlicher Zusammenarbeit zum Besten des liberalen Judentums. Berlin. (Professor Eugen G o l d st e i n 8 0 Iah r e alt.) Am 5. September wurde der weltberühmte Erperimentalphysiker und physikalische Entdecker Professor Eugen Goldstein 80 Jahre alt. Goldstein wurde 1850 in Gleiwitz geboren und lebt jetzt in Berlin. Er war Observator an der Shernwarte in Babelsberg. Als Schüler von Helmholtz gab er schon in seiner Doltordissertation eine fundamental wichtige Entdeckung, die elektrolytische der Kathodenstrahlen. Diesem Nachweis folgte später die Auffindung der Striktionskathvdenstrahlen und Reflektierbarkeit der Kathodeastrahlen. Als Erster gab er auch eine Methode zur Messung der Geschwindigkeit der Strahlen au. Seine wichtigste und berühmteste Entdeckung ist aber die der Kanalstrahlen. Lange beschäftigte er sich mit dem Spektrum, die Physik verdankt ihm eine große Reihe von Entdeckungen auf dem Gebiete der Spektroskopie. Früher als in Deutschland, wo er wegen seiner Zugehörigkeit zum Judentum Zurücksetzungen erleiden mußte, wurde Eugen Goldstein in der tvissenschaftlichen Welt des Auslandes gewürdigt. Als Jude bekam Goldstein nicht einen Lehrstuhl und auch nicht die Möglichkeit zu freiem wissenschaftlichem Arbeiten. So bestritt er, ber in den allerbescheidensten Verhältnissen lebte, die Kosten seiner Versuche zum größten Teil durch das, was er sich an Lebensunterhalt' entzog. Erst als er schon in vorgerücktem Alter stand, wurde ihm die astrohysikalische Abteilung am Potsdamer Observatorium übertragen. Di« Physiker planen auf dem Naturforschertag in Königsberg in diesem Jahre einiges von den Ehrungen nachzuholen, die dem großen Gelehrten während seiner Schaffenszeit versagt waren. — Stets hat es Goldstein verschmäht, durch Flucht aus dem Judentum die Hemmnisse zu beseitigen, di« ihm in den Weg gelegt wurden. Berlin. (E inweih nngdesAltersheims in der Li etzm-annstraße.) Kann es vor den hohen Feiertagen eine seelisch liefere Vorbereitung oder eine frömmere Tat geben, als die Weihe vom sozialen Anstalten und religiösen Einrichtungen, wie wir Berliner Juden sie in diesen Wochen erleben dürfen? Ein solch' feierlicher Akt sammelte am vergangenen Sonntag vormittag eine große Zahl Gemeindemitglieder zur Eröffnung des vom Jüdischen Altersheim e. B., Sitz Berlin, gegründeten Altersheims in der Lietzmannstraße. Mit den einfachsten Mitteln ist hier aus einem alten Häuscrkomplex ein Helles, heiteres, in freundlichen» Farbtönen gehaltenes Heim für unsere betagten Brüder und Schwester^ geschaffen worden. Nachdem der Verein erst vor kurzem in Landsberg a. W. ein Haus für etwa 60 Insassen geschaffen hat, ist es ihm durch die Opfcrwilligkeit des Herrn Direktor Heinrich Stahl und die Tatkraft des Herrn Rabbiner Dr. Salomonski gelungen, auch hier in kürzester Zeit, ohne viel Aufsehen und Aufhebens zu machen, 25 alten Menschen ein Heim zu bereiten. In der mit Blumen geschmückten Haussynagoge fand die Weihe des Hauses Patt. 'Als Vertreter der Gemeindebehörden sah man vom Borstand die Herren Rechtsanwalt Dr. Kollenscher und Dr. Ellenbogen, von der Repräsentanz die Herren Emil Pincus, Dr. S.. London und Alfred Jaulus, vom Wohlfahrtsamt Herrn Dr. Lamm sowie eine große Anzahl im Gemeindeleben hervorragend tätige Männer und Frauen. Nach dem feierlichen Einholen der Thorarollen durch die Herren Rabbiner Dr. Salomonski, Dr. Warschauer, Dr. Wilhelm- Levy und Dr. Singermann und dem Anzünden der Ewigen Lampe hielt Dr. Salomonski die Weiherede, Entstehung und weitere Ausgestaltung des Heims klar und geistvoll schildernd. Die Feier wurde umrahmt von stimmungsvollem Chorgesang, während die kantoralen Funktionen in erhebender Weise von dem Kantor der Liberalen Synagoge Norden ausgeübt wurden. Nach dem Gottesdienst schloß sich rin Rundgang an, der die Teilnehmer von der Behaglichkeit und Zweckmäßigkeit des neuen Heims überzeugte. Möge diese soziale Tat bald eifrige Nachahmung finden, damit in absehbarer Zeit allen betagten Glaubensgenossen unserer Gemeinde in dieser schweren Zeit ein Heim für einen sorglosen und ruhigen Lebensabend geschaffen werde. Bochum. (T o d e s f a l l.) In Berlin, wo er seinen Lebensabend verbrachte, ist das langjährige Vorstandsmitglied hiesiger Gemeinde, Herr Gustav Langstadt, verschieden. Der Vorstand und die Repräsentanten der Gemeinde widmen dem Entschlafenen einen ehrenden Nachruf, in dem sie die Verdienste des Verblichenen um die Gemeindeverwaltung dankbar anerkennen und auch seiner ersprießlichen Tätigkeit im jüdischen Verein für Ferienkolonie und seines fürsorglichen Wirkens für die Jugend gedenken. Durch seine lautere und vornehme Gesinnung wie durch sein selbstloses soziales Wirken bleibt dem Ber-. storben«n ein dauerndes Gedenken bei allen Mitgliedern der Gemeinde, gesichert. Duisburg-Ruhrort. (Todesfall.) Der Vorsitzende der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Sally Leeser, wurde unter starker Beteiligung der Gemeinde und eines großen Teils der Bürgerschaft Duisburg-Meiderichs zu Grabe getragen. In herzlichen Worten gab Herr Berthold Benjamin der tiefen Trauer und innigen Dankbarkeit Ausdruck, die alle Teilnehmer des Trauergefolges dem Entschlafenen für sein treues und vorbildliches Wirken bekundeten. Prediger Kaiser würdigte bei der Trauerfeier im Hause und am Grabei die Verdienste des Verblichenen um die religiösen und sozialen Interessen der Gemeinde. Frankfurt a.M. (Granaten i n e i n c r j üd is ch e n Schule.) In einer jüdisch-orthodoxen Privatschule in Frankfurt a. M. wurde heute, lvie die Jta mitteilt, ein aufsehenerregender Fund gemacht. Man entdeckte eine mit Pulver gefüllte explosionssähige 7,5 Zenti- STRAHL & FALKE BLUMEN-AUSSTELLUNG BERLIN W 66 NAUERSTR. 79 FERNRUF: ZENTRUM 5023 u. 5024 BLUMENSPENDEN . TRAUERSPENDEN TAFELSCHMUCK INNENDEKORATIONEH IN HÜHSTLERISCHER AUSF0HRIHI8 meter-Feldgranate. Ob ein ernsthaftes Attentat oder nur eine Drohung beabsichtigt war, weiß man nicht. Die Granate wurde während der schulfreien Zeit im Hausflur uiedergelegt. Die Polizei ist fieberhaft lbcmüht, die Sache aufzuklärcn. Auch in der Zeit der letzten Wahlen hatte man in einer jüdischen Schule einen ähnlichere Fund gemacht. Grünstadt. (F r i c d h o f s s ch ä n d u n g.) Auf dem hiesigen jüdischen Friedhof wurden dieser Tage sechs Grabsteine umgeworsen und eine Gedcnkplattc für einen gefallenen Krieger, die im Grabe der verstorbenen Eltern eingelassen war, herausgerissen. Die Einscgnungshalle tvurde beschädigt und beschmutzt. Man nimmt an, daß dieser Frevel aus Mutwillen verursacht wurde. Harburg-Wilhelmsburg. (E i n w e i h u n g e i n e s n e u c n Gemeindeu n b Jugendheim s.) Die Synagogen-Gemeinde Harburg Wilhclmsburg übergab am Donnerstag, den 7. September, in einer schlichten Erinnerungsfeier das neu erbaute Gemeinde- und Jugendheim seiner Bestimmung. Das neue .Heim stellt einen Anbau dar, der nunmehr für 100 Personen Platz bietet und durch Türen geteilt werden kann. > Bor allem dient der Neubau der Religionsschule, die bisher räumlich sehr beengt war. Weiterhin ist er Versammlungsraum für gemeindliche Veranstaltungen, für den Frauenverein und vor allem für den Jugendbund, der jetzt in der Lage ist, im eigenen Heim sein,; Abende zu veranstalten. Der Architekt verstand es, mit den vorhandenen beschränkten Mitteln einen vornehm wirkenden, modern ausgestat taten Raum zu schaffen, der den verschiedenen Anforderungen, Schul-, Heim- und Versammlungszwecken zu dienen, gerecht wird. In seiner Ansprache dankte der Vorsitzende des Vorstands, Herr Ludtvig Fließ, allen, die zum Gelingen des Werkes beigetragen haben, vor allem den Herren Repräsentanten Goldmann Und Meier für ihre Initiative, sowie den Spendern, die in freiwilliger Sammlung die Mittel für die gesamte Einrichtung zur Verfügung stellten. Herr Prediger Gordon übernahm das .Heim für die Religionsschule, deren Geist jene wahre jüdische Frömmigkeit sein soll, die sich in diesem Beth Hamidrasch, dem .Hause des ewigen Suchens nach Wahrheit und Gottverbundeuhcit, heimisch fühlen soll. Wie in schwerer wirtschaftlicher Notlage die Gemeinde den Idealismus aufbrachte, dieses schöne Heim der Zukunft zu bauen, so soll die Jugend es füllen mit dem Geist der Hingabe an jüdische Aufgaben. Frau Olga Baruch brachte den Dank des Frauenvereins zum Ausdruck, Herr Pomeranz den der Chewrah Kadischa. In markigen Worten versprach der Vorsitzende des jüdischen Jugcndbundes, Herr N. Apteker, an der Jugend zu arbeiten. Dem Versprechen ließ der Jugendbund sogleich die Tat folgen, indem er im Anschluß an die Einweihung des Heimes in demselben einen Vortrag des Herrn Rechtsanwalt Dr. Urias-Hamburg über den „letzten Reichstag" veranstaltete, der außerordentlichen Beifall fand und eine interessante Diskussion entfesselte. Hoof. (Persönliches.) In voller Gesundheit beging der Vorsteher und Rechnungsführer der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr H. Wcrtheitp, seinen 70. Geburtstag. Seit drei Jahrzehnten verwaltet der Jubilar die Interessen der Gemeinde mit Umsicht und Hingabe zur vollsten Zufriedenheit aller Mitglieder, die ihrem Führer durch häufige« Wiederwahl und durch Aufmerksamkeiten an seinem Wiegenfeste Dank und Sympathie zum Ausdruck brachten. Kassel. (Sitzung der G e m c i nde ä l testen.) Die in der vorigen Sitzung bereits erörterte Einrichtung eines Filialgottesdienstes soll im Sitzungszimmer der Gemeinde zur Ausführung gelangen, um allen, die keine Plätze in den beiden Synagogen erhalten können, die Teilnahme am Gottesdienst zu ermöglichen. Der Eintritt in die beiden Synagogen wird nur gegen Borzeigen seiner Eintrittskarte gestattet sein. Der wiederholt borgetragenen Beschwerde wegen unzureichender Gelegenheit zur Ablage der Garderobe in der Synagoge Rosenstraße wird durch provisorische Anlage einer weiteren Garderobe Rechnung getragen werden. — Frau Geheimrat Beermann wird eine Grabstätte in dem Hirsch'schen Erbbegräbnis zur Verfügung gestellt. Das Vorsteheramt der Israeliten hat die Unterstützung des Israelitischen Heil-Erziehungsheimes in Marburg a. L. abgelehnb. Nach weiteren Erhebungen will das Kollegium erneut zum Gesuch Stellung nehmen. Nach einer kurzen Besprechung über den Wechsel in der Leitung der Volksschule und andere interne Fragen wird ingeheimer Sitzung über Personalsragen und Steuerangelegeuheiten verhandelt. Kassel. (Wechsel in der Schulleitung.) Am 1. Oktober tritt Direktor Dr. Lazarus nach Erreichung der Altersgrenze in oen Ruhestand. Die Regierung in Kassel hat Lehrer Jos. Moses von. diesem Zeitpunkt ab zum Leiter der .Israelitischen Volksschule er- Meerholz. (Todesfall.) Jm Alter von 91 Jahren starb hier nach kurzer Krankheit der älteste Lehrer Hessens S. Mrk. Der Verblichene war in Sterbfritz im Kreise Schlüchtern geboren, besuchte das Lehrerseminar in Schlüchtern und iVat 1858 ins Lehramt. Von 1874 bis 1908 war er hier als Lehrer und Kantor der jüdischen, Gemeinde tätig, die ihrem greisen geistigen Führer bis in die letzten Lebenslage Liebe und Verehrung entgegenbrychte. Bewundernswert war das rege Interesse, das der Verstorbene bis kurz vor seinem Tode allen Vorgängen des täglichen und beruflichen Lebens entgegenbrachte: Die von ihm verwaltete öfseutliche jüdische Schule ist allerdings vor einigen Jahren duvch die Regierung in Kassel aufgelöst worden, nachdem der Amtsnachfolger eine Stelle an der jüdischen Volksschule in Felsberg erhalten hatte. Plauen i. B. (Amtsj ubilaum.) Der verdiente geistliche Führer, Prediger und Lehrer unserer Gemeinde, Herr Emannet Heimann, beging am 1. September 1930 sein 25 jähriges AmtsjubUäum. Herr Heimann war, bevor er zu uns kam, in seiner bayrischen Heimat als Volksschullehrer tätig und seine besonderen Fähigkeiten hatten seinerzeit Veranlassung gegeben, ihn aus der großeut Anzahl Bewerber für unsere Gemeinde zu verpflichten. In welch reichem Maße es Herr Heftnann verstanden hat, in diesen 25 Jahren in allen Kreisen der Gemeinde Liebe und Anhänglichkeit zu finden, davon gab trefflichen Ausdruck die Feier seines Jubiläums. Neben dem Vorstand und den Gemeindeverordneten waren der größte Lei? der Mitglieder unserer Gemeinde erschienen, um ihre Glückwünsche darzubringen. Namens der Israelitischen Religionsgemeinde zu Plauen ergriff Herr Rechtsanwalt Dr. Goldberg das Wort und führte ungefähr folgendes aus: „Mit dem heutigen Tage sind 25 Jahre vergangen, seit Sie in Ihr Amt als Prediger und Lehrer unserer Gemeinde eingewiesen worden sind. Als junger Mensch kamen Sie zu uns, und wenn auch 25 Jahre vergangen sind, so ist in Ihnen doch die Begeisteruiigc'- fähigkeit und der Drang Gulkes zu tun so jung geblieben lvie vor 25 Jahren. Rein und klar liegt das, was Sie unserer Gemeinde gegeben haben, vor uns. Mil innigstem Dank darf die Gemeindeverwaltung feftstellen, daß Sie jederzeit Ihr Alles eingesetzt haben, um unsere Gemeinde nach innen und außen zu stärken, sie zu hegen und zi; pflegen. Die Ueberzeugungstreue, die Ihnen eignet, die Gewissenhaftigkeit und die Vordildlichtcil Ihrer Amtsführung, die Mannigfaltigkeit der Interessen, die Ihnen anvertraut waren und sind, Jhv Wohttätigkeitssinn, die Freude an Ihrem Lehrerberus, Ihre Dienste als Sekretär der Gemeinde, alles dies hat zusammengewirkt, um Ihnen, innerhalb der Gemeinde eine einzigartige Stellung und hohes Ansehen zu sichern." Indem Herr Dr. Goldberg ein Ehrengeschenk überreichte, gab er dem Wunsche Ausdruck, daß es dem Jubilar vergönnt sein möge, noch viele Jahre in Frische und Gesundheit seines Amtes zu walten. Gleichzeitig sprach .Herr Dr. Goldberg als der jetzige geschäftsführende Präsident der Eugen-Fuchs-Loge dem Bruder Heimann die herzlichsten Wünsche aus, hervorhebend, daß die erhabenen und hohen Lehren des Ordens, der Geist der Wohttätfgkciir, Bruderliebe und Eintracht in dem Jubilar zu einer lebendigen Einheit geworden seien. Für den jüdischen Frauenverein überbrachte Frau Hermine Löwenthal die herzlichsten Wünsche für das einzige männlich«! Mitglied des Vereins. Der Frauenverein verdankt Herrn Heimann unendlich viel, denn er hat dem Verein die Wege gewiesen, wie zu arbeiten ist und wo zu arbeiten ist. Seine Hilfsbereitschaft und sein Wohltätigkeitssinn sind Grundlagen des Vereins. Sodann überbrachten noch Wünsche und Gaben der Vorsitzende des Hilfsvereins, Herr Lutzki, der Vorsitzende der Zionistischen Ortsgruppe, Herr Cohn, und der Ortskollege, Herr Kantor Wormser, für den Jugendbund Plauen, den Jugendring Plauen und für den Mitteldeutschen Lchrerverein und den Sächsischen Aehrerverbrnd. Herr Wormser führte insbesondere für dcu letzteren aus, daß dessen Vorsitzender, Herr Heimann, aus dem Wirken dieses Verbandes nie weggedacht werden könnte. Herr Heimann hat sich als seine vornehmste Aufgabe angelegen sein lassen, die Pensionssrage der jüdischen Lehrer in Sachsen zu regeln, und wenn heute mancher ausgediente alte Beamte einen sorgenfreien Lebensabend hat, so ist das in erster Linie auf das Wirken des Jubilars zurückzuführen. Schließlich gab noch der Führer des Kameradenbundes in kurzen kernigen Worten der Freude darüber Ausdruck, daß der Jubilar auch die Interessen des Kameradenbundes gefördert habe. Der Jubilar« selbst dankte für alle die Ehrungen, die ihm dieser Tag gebracht habe und sprach davon, daß er sich an einem solchen Tage selbst die Frag«- vorlegen müsse, ob er denn auch alle die Erwartungen erfüllt Hobe, die man an das Arm: eines Lehrers und Predigers stellen könne. Er glaubt, daß nicht alles das, was er sich vorgenommen habe, Wirklichkeit geworden wäre, aber wenn ihm die Gemeinde noch einen besonderen Wunsch an diesem Tage erfüllen wolle, so sei es der, daß sie immer mehr und mehr das schöne und erhabene Gotteshaus zu Zeiten der Andacht besuchen wolle, das in diesem Jahre eingeweihli worden ist. Nach diesem offiziellen Akt blieben die Anwesenden noch einige Zeit mit dem Jubilar vereint, um in Rede und Gegenrede Reminiscenzen über die vergangenen 25 Jahre zu feiern. Plquen i. V. (A n t i s e m i t i s ch e A u s s ch r e i t u n g e n.) In der Nacht vom 31. August l. I. wurden drei Mitglieder unserer Gemeinde ans der schlecht beleuchteten Forststraße hinterrücks von 3 Nationalsozialisten, die in Begleitung von drei Frauen waren, überfallen. Alle 6 Personen schlugen auf die überraschten jüdischen. Herren ein und brachten einem von ihnen eine sehr erhebliche» Wunde am rechten Auge bei, so daß er sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Obwohl die Polizei alsbald die Verfolgung, der Rowdies anfnahm, ist es bisher leider nicht gelungen, deren Namen sestzustellen. Trier. (A m t s j u b i l L u nt.) Letzten Sabbat beging Oberrabbiner Dr. Altmann sein 25 jähriges Amtsjubiläum und zugleich das zehnjährige Jubiläum seiner Tätigkeit in Trier. Als bedeutender Gelehrter, Kanzelredner und Schriftsteller hat sich der Jubilar, der in Salzburg und Meran wirkte, während des Krieges auch als Feld-« rabbiner tätig war, einen geachteten Namen.verschafft. Oberrabbine« Dr. Altmann gehört dem gesetzestreuen Judentum an und erfreut sich in allen Kreisen der Bevölkerung, bei Behörden und in der Gelehrtenwelt höchster Wertschätzung. Durch seine literarischen Arbeiten („Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg", „Jüdische Welt- Lund Lebensperspektiven" u. a.) und seine Mitarbeit bei vielen jüdischen und allgemeinen Institutionen, zahlreichen Zeitschriften und wissenschaftlichen Gesellschaften genießt der Jubilar den Ruf eines bedeutende^ Publizisten, dessen Würdigung und Anerkennung in diesen Tagen besonders vielseitig zum Ausdruck gebracht wurde. Vereinsnachrichten Israelitischer Fraueu-Unterstützuugs-Berein, E. B., Berlin. Montag, den 15. September 1930, nachmittags 5 Uhr, im Logenhause, Kleiststraße 10, findet die 46. orderttl. Mitglied«r-Versammlung statt. Anschließend Vortrag von Frau Dr. Eschelbacher: „Entwicklungen und neue Aufgaben in der Frauenarbeit." Kreis Iung-Jü-ifcher Pazifisten. Nächste Zusammenkunft Montag, den 15. September, 20 Uhr, im Verwaltungs-Gebäude der Jüdischen Gemeinde, Rosenstraße 2-4. Gäste herzlich willkommen. Eintritt frei. Auskünfte erteilt jederzeit Ernst Levy, Stresemannstraße 11. Moritzplatz 2570. .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.