Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 34 (20.8.1930)
- Date
- 1930-08-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Lebensnahe der Religion Zur Diskussion über das Referat auf der Dresdner Tagung Vor einer Reihe von Jahren warf einmal in einer Sitzung Rechtsanwalt Dr. Julius L. Seligsohn die Frage auf, wie eigentlich der Begriff des Juden zu definieren sei; „Jude" könne einer genannt werden lediglich auf Grund seiner Abstammung oder auf Grund eines förmlichen Bekenntnisses zu den Lehren und zur Gemeinschaft des Judentums oder, das wäre die dritte der drei möglichen Definitionen, auf Grund seiner ethischen Gesinnungen und .Handlungen, selbst wenn er selber noch nie etwas vom Judentum gehört, geschweige denn seinen Zugehörigkeitswillen zum Judentum bekundet haben sollte. Sokrates z. B., für den das konkrete Gebilde „Judentum" gänzlich außerhalb des Gesichtsfeldes lag, könnte man in diesem Sinne einen „Juden" nennen. Man sieht, wir haben es hier — im Gegensatz zu den Begriffsbestimmungen nach den äußerlichen Merkmalen der Abstammung oder des Bekenntnisses — mit einer esoterischen Deutung des Wortes Jude zu tun, wie sie ähnlich für die Begriffe Jude und Christ auch in dem berühmten Lessing- Wort vorliegt: „Was mich euch zum Christen macht, das macht euch mir zum Juden." Aber man sieht wohl auch, daß mit dieser esoterischen Begriffsbestimmung, so hoch ihr Wert gür die humanitäre Grundhaltung des Einzelnen sein mag, für die praktische Gemeinschaftsarbeit nicht viel anzusangen ist. In dieser praktischen Unbrauchbarkeit der Esoterik liegt mein Haupteinwand gegen Bruno Woydas in Dresden gehaltenes Referat. Denn, so überraschend es ihm selber, dem mit Zahlen, Statistiken, wirtschaftlichen Gegebenheiten arbeitenden Realpolitiker, vielleicht klingen wird, seinem Referat liegt eine esoterische Auffassung von Judentum und Juden zugrunde. Das sei zunächst bewiesen. Tie Definition nach seiten der Abstammung scheidet für Woyda von vornherein aus. „Grundlage und Wesen des Judentums" ist ihm wie mir die Religion. „Entscheidend für die Zugehörigkeit zum Judentum ist das Bekenntnis zur jüdischen Religion und die Erfüllung ihrer Pflichten", hieß es in jener bekannten Resolution der Liberalen Vereinigung, und es können also Menschen jeder Rasse, jedes Stammes, jeder .Hautfarbe Juden sein, sofern sie sich zur jüdischen Religion bekennen und deren Pflichten erfüllen. Dieses „Bekenntnis zur jüdischen Religion" wird nun m. E. von Woyda als unwesentlich bagatellisiert, da er am Anfänge seines Referates die Differenzierung der verschiedenen Religionen, also auch des Judentums, nach dogmatischen Inhalten für überaltert erklärt und die theoretische Gruppierung auf dem Gebiete der Religionen ersetzt sehen möchte durch eine Einteilung nach dem praktischen Verhältnis der Religiosität zum Leben. Wir haben cs glso mit dem gleichen.Komplex zu tun, der in obiger Resolution mit der „Erfüllung ihrer (d. h. der jüdischen Religion) Pflichten" gemeint ist. Man hat es jener Resolution als Mangel angerechnet, daß diese „Pflichten" nicht näher bezeichnet sind, und in der Tat ist die Frage danach berechtigt. Sind mit den „Pflichten" vorgeschriebene Kulthandlungen oder freie ethische Handlungen gemeint? Wenn Kulthandlungen, welche? Wenn Handlungen im Leben, welche? Die Resolution hat sich darüber nicht ausgesprochen, und ein strammer „Rechtsliberaler", Gegner der Reformgemeinde, könnte demnach interpretieren: Gottesdienst am Sonntag statt am Sabbat, mit nur fünf hebräischen Sätzen, das sei keine genügende Erfüllung jüdischer Pflichten; also stehe die Reformgemeinde außerhalb des historischen Judentums. (Ich lege Wert aus die Feststellung, daß diese Meinung nicht meiner Phantasie entspringt, sondern daß sie von prominenter „rechts"-liberaler Seite wiederholt geäußert worden ist.) .Für den Rech tsliberalen taucht hier sogar die Frage auf, ob und wie weit die Speise- und andere „Gesetzes"-Komplexe „unerläßliche Forderungen" im Sinne der „Richtlinien" sind. Ein strammer Reformer dagegen kann sagen, die Sabbat-Idee sei an keinen bestimmten Kalendertag gebunden, der Reform-Gottesdienst sei aus dem gleichen Geiste wie z. B. der Gcigersche, also sei allen „Pflichten" Genüge getan. — Woyda lehnt beide hier geschilderten Standpunkte als nicht ausreichend ab. Man kann, darauf lausen seine Ausführungen hinaus, Kulthandlungen ausüben, und zwar je nach Geschmack, Erziehung und freier Wahl mehr rechtsliberal oder mehr resormerisch; aber man braucht es nicht, es besteht keine Verpflichtung. — Alles in allem: die Abstammung macht nicht den Inden, das theoretische oder dogmatische Bekenntnis macht nicht den Juden, die Ausübung traditioneller Kulthandlungen macht nicht den Juden. Was bleibt? Es bleiben die freien ethischen Handlungen; ausschließlich sie. Nachdrücklich betont Woyda, daß wir „nur eine Form, die ethische Tat, als allgemein verbindliche Form gellen lassen". „Einigkeit muß darin bei uns bestehen, daß die verschiedenen Richtungen.übereinstimmen in der Auffassung, daß nur die ethische Tat allgemeinverbindliche Form ist." Das läßt er nun nicht so allgemein stehen; er führt die heutigen Notstände und die aus ihnen sich ergebenden Forderungen an: Abschaffung der Todesstrafe, Friedensbewegung, Rassenfrage, Kolonialpolitik, Wirtschaftsnot, Arbeitslosigkeit, Freihandel, Bodenreform, Sozialismus und manches andere. Alle Nöte möchte er namens der Religion behoben, alle Forderungen namens der Religion erfüllt sehen. Man kann seinen Schilderungen der heutigen Zustände And seinen daraus hevgeleiteten Forderungen restlos zustimmen, man kann und muß wohl auch seiner Stofsbeherrschung und -Durchdringung höchste Anerkennung zollen, aber etwas spezifisch „Jüdisches" wird man in seinen Ausführungen nicht erblicken können, kaum etwas spezifisch „Religiöses". Die Abschaffung der Todesstrafe z. B. oder die Mitarbeit am Pazifismus und alles andere kann man auch aus christlicher, aus mohammedanischer, buddhistischer, hinduistischer und aus jeder anderen Religiosität heraus fordern. Und man kann obendrein die Forderungen losgelöst von aller Religion, gegen alle Religion erheben. Beispiel: Woyda spricht von der Arbeitslosigkeit und nennt die Verpflichtung des Menschen zur Arbeitsleistung eine „sich aus dem Göttlichen für den Menschen ergebende Aufgabe". Demgemäß fordert er aus seinem subjektiven religiösen Geiste heraus Maßnahmen zur Behebung der Arbeitslosigkeit. Im gleichen Atemzuge aber zitiert er Aufhäuser: „Es ist unwirtschaftlich und auf die Dauer unerträglich, mit der fortschreitenden Rationalisierung immer mehr menschliche Arbeitskraft (Erwerbslose) auf Lager zu legen." Religiosität? Nein, reine Zweckmäßigkeit, zu der sich auch ein entschiedener, klarer Atheist bekennen kann; und Ludwig Herrmann begeht einen bösen Schnitzer, wenn er (in Nr. 27 vom 2. Juli) meint, „er kenne „religionslose" Menschen, die aus tiefster Religiosität ihrer Religionsgemeinschaft den Rücken gekehrt haben und im Sozialismus, Pazifismus usw. eine Stätte gefunden haben, wo sie ihre Religion ohne opportunistische Konzessionen leben können". Solche Menschen gibt es auch; aber es gibt neben diesen unkirchlichen, unkonfessionellen auch wirklich uureligiöse, atheistische Sozialisten und Pazifisten. Gehörte z. B. ich zu ihnen, ich würde mir verbitten, daß man mich wegen meines Pazifismus „religiös" nennte. Und als Religiöser verwahre ich mich dagegen, paß man als Kriterium der Religiosität die Verbundenheit mit dem Nebenmenschen für ausreichend hält, während allein die Verbundenheit mit Gott und durch sie erst die mit dem Nebenmenschen als Religiosität anzusprechen ist. Humanität ist noch nicht Religiosität, ob sie auch gleich millionenmal mit ihr verwechselt wird. Beide aber, Religiosität und Humanität, sind weit davon entfernt, bereits ein bestimmtes realpolitisches Programm zu sein. Vielmehr kann man aus dem gleichen religiösen oder humanitären Geist heraus zu sehr entgegengesetzten Folgerungen kommen. Daß einer ein sozial- und wirtschaftspolitisches Ziel verfolgt, soll religiösem und humanitärem Geist entspringen; für welches der möglichen Ziele er sich aber .Mscheidet^ist eine reine Frage der Zweckmäßigkeit. „Ich glaube", Mßt es bei Woyda, „daß es nicht Sache der Religion ist, sich für eins der möglichen Wirtschaftssysteme zu entscheiden. Sie hat das Gewissen eines jeden Wirtschaftssystems zu sein." Gut, also daun fördert sie nicht bestimmte ethisch-soziale Tat en, sondern nur'die ethisch-soziale Gesinnung, die zu den verschiedensten, ja zu entgegengesetzten Taten führen kann, welche ihrerseits aus den verschiedensten, ja aus entgegengesetzten geistigen Quellen entspringen können. Läßt es sich leugnen, daß man als Jude, als Christ und als Atheist Anhänger des kapitalistischen, als Jude, als Christ und als Atheist Anhänger des sozialistischen Wirtschaftssystems sein kann? Daß es Juden und Christen gibt, die von Religions wegen die Todesstrafe fordern, wie es Atheisten gibt, die sie bekämpfen?! Lassen wir den Atheismus beiseite. Ich selber bin ja der Anschauung, daß Humanität allein nicht genügt, daß sie auf Religiosität gegründet sein muß, und diesen Geist der Religiosität verlangt auch Woyda. Wie aber findet er sich mit der Tatsache ab, daß der Jude in einem Falle zu den gleichen Forderungen kommt wie ein Christ, und daß er in einem andern Falle zu entgegengesetzten Forderungen kommt wie sein eigener Glaubensgenosse? Tie religiös-ethische Gesinnung allein macht nicht den Juden, auch die aus ihr entspringende ethische Tat macht ihn nicht; diese beiden machen ja auch den Christen. Erklärt man sie dennoch als alleinige Ausdrucksform des Judentums, so hat man sich endgültig auf den Boden des oben zitierten Lessing-Wortes, auf den Boden der Esoterik begeben. Woyda wird mir entgegenhalten, meine Ausführungen liefen auf eine Einwendung hinaus, die er selber bereits berücksichtigt hat: „Wenn gegenüber einer solchen Auffassung der Einwand erhoben wird, die ethische Tat könne nicht Kriterium einer spezifischen Gemeinschaft sein, womit dann wohl zugleich gesagt werden sott, es bedürfe zur Erhaltung der Religionsgemeinschaft auch aller möglichen anderen Formen, so müssen wir demgegenüber daraus Hinweisen, daß Kriterium der Religionsgemeinschaft nie eine Form, sondern selbstverständlich nur der Inhalt der Religion sein kann." Ich will keinen Wert darauf legen, daß Woyda wenige Zeilen vorher — die Stellen wurden oben im Wortlaut angeführt — selber die ethische Tat mehrfach eine Form nennt, sie also nicht als Religions-Inhalt rechnet. Wohl aber meine ich, daß sie als „Inhalt der Religion" nur bezeichnet werden könnte, wenn bestimmte, genau bezeichnete Taten von der Religion gefordert würden. Bei der Orthodoxie ist das der Fall: das ganze „Religionsgcsetz" ist Inhalt, nicht Form der Religion. Bei 'uns aber bleiben, wie wir sahen, alle Möglichkeiten offen; und den theoretisch-dogmatischen Inhalt, den Lehr-Inhalt der Religion, hat Woyda, wie wir ebenfalls sahen, als nebensächlich beiseitegesctzt. Ich vermag keinerlei festhalt-baren Inhalt, kein Kriterium des Judentums und des Judeseins bei ihm zu finden; alles, was er fordert, kann man „jüdisch", kann man über auch anders nennen, — deshalb sage ich, seinem Referat liegt eine esoterische Auffassung zugrunde. Einer der großartigsten Esoteriker unserer Zeit, Krishnamurti, hat vor etwa Jahresfrist seinen Orden aufgelöst. Das Ereignis ist viel zu unbemerkt geblieben, ist von den offiziellen Religionsgemeinschaften viel zu wenig beachtet und gewürdigt worden. Die Begrüirdung, die Krishnamurti gab, gehört .unter die religiösen Großtaten dieser Erde: ein Prophet, der den Orden seiner eigenen Anhänger auflöst und nur sechs kurze Wortes dazu spricht: „Die Wahrheit kann nicht organisiert werd en." Das ist in der Tat der Esoterik letzte Konsequenz, und deshalb spreche ich von ihrer Unverwendbarkeit für die praktische Gemeinschaftsarbeit. „Was sollen wir als Juden für Judentum und Judenheit tun? Was sotten wir als Juden für Menschentum und Menschheit tun?" lauten die zwei Fragen, die am Anfänge jeder jüdischen Tagung, auch der Dresdener Jli-Tagung, stehen. Auf die zweite Frage ward uns nur eine halbe und obendrein sehr bestreitbare Antwort: alles, was Woyda fordert, wird auch außerhalb des Judentums gefordert; manches, was er ablehnt, wird von politisch andersdenkenden Juden aus dem Geiste der gleichen jüdischen Religiosität heraus bejaht. Auf die erste Frage aber, deren Lösung Überhaupt die Voraussetzung für die zweite ist, erhalten wir gar keine Antwort, und sie wird, soweit ich sehe, nicht einmal erhoben. „Lebensfremdheit des offiziellen Judentums" — ein seit langem empfundener, tiefer Schmerz; „Lebensnahe des Judentums" — eine ebenso lang erhobene, heilige Forderung. Dennoch, nach allem, was Gutes darüber wir hörten: was sollen wir tun? George Goetz. * Aus der Ai-Arbeit * Breslau. (I ün g e r e n g r u p p e.) Noch vor den Ferien sprach Heinz Silbermann am 19. Juni über „Wegweiser für die inlettigentie Jugend zum Sozialismus uuo JiapUaiipmuö". Im 1. Teil seines Vortrags behandelte er den Kapitalismus. Er ging aus von der falschen Stellung der Bevölkerung, gab dann einen Uebcrblick über kapitalistische Wirtschaftsformen, über ihre Vorteile, die überwiegenden Nachteile und ihre Funktionen. Er führte 2 Theorien von Marx über den Uebergang vom herrschenden Syst ein zum Sozialismus an: die eine ist die Entwicklungstheorie, die andere will radikalen Umsturz» Dreier Teil wurde mit der Feststellung geschlossen, unsere Wirtz'chaft stehe^an einem wichtigen. Punkt, die erstrebte Wirtschaftsdemokratie! der Sozialdemokraten werde von den kapitalistischen Nationalökonomcn noch abgeleugnct. - Die Meinungen ejniger bedeutender Wirtschaftsvertreter wie ^ombart, Goldschmidt und Weber, leiteten den 2. Teil, Sozialismus, ein. Der Vortragende ging daiin näher auf die Verdienste von Marx uub Engels ein, die den Sozialismus überhaupt erst rn der Wirtschaftslchre verankert haben. Die Behandlung mehrereü sozialistischer Probleme, wie Kapitalsverteilung, Durchbildung und Lchulung der Arbeiter füllten diesen Teil. Mit einer Betrachtung der internationalen, sozialistischen Gedanken schloß der Vortrag. Fredy Aschkowitz. Frankfurt a. M. (Jüdisch-liberale I u g e n d g e m e i n- 1 ch a ] t.J Für unseren dreswöchcntlichen Heimabend hatten ivir als Thema „Politische Tagessragen" angesetzt. Als wir dieses Programm ctufiteatcn, »var der Reichstag noch nicht auseinander gegangen, so daß die vorgesehene allgemeine politische Ueberschau, die insbesondere Wahlrcform, Wahlrecht und Wahlpflicht inzwischen in viel stärkerem Maße aktuell geworden war und zu einer konkreteren Aussprache führen mußte. Zunächst gab Herr Stein eine allgemeine Uebersicht über die neu geschaffene Lage, legte kurz die letzten Ereignisse vor der Auslösung des Reichstages dar und verlas den Wortlaut des vielbesprochenen Paragraphen 48 der Reichsverfasstu^. Hier setzte bereits eine Debatte über die rechtliche Auffassung ein, die natürlich zu keinem endgültigen Ziele iommen tonnte. Um zu positiver Arbeit zu gelangen, schlug Herr Jakobsohn, der die Leitung dieses Abends übernommen hatte, vor, eine Dreiteilung des Themas vorzunehmen und der Reihe nach zu besprechen: 1. Die bisherigen Koalitionen und die Arbeit des letzten Reichstags, 2. Die Ursachen zur Auslösung, 3. Unsere Stellung zu den Neuwahlen. Es ist wohl überflüssig, einen Bericht über die beiden erstgenannten Punkte und die sich daran anschließende Aussprache zu geben, da cs sich hier ja nur um allgemein bekannte Tatsachen handelte. Wesentlich wichtiger war natürlich die Frage unserer Stellung zu den Neuwahlen. Selbstverständlich liegt es dem Jli, wie wohl allen jüdischen Organisationen fern, irgendwie für die eine oder andere Partei zu werben und somit eine einseitige Wahlbeeinslussung hervorzurufen. Es konnte sich demnach für uns nur darum handeln, festzustellen, welche Parteien von uns als Juden nicht wählbar sind und insbesondere die Stellung zur Deutschen Staatspartei zu bestimmen. Bezüglich der letzteren hatte sich Herr Jakobsohn zuvor mit der Geschäftsstelle des Central-Vereins in Verbindung gesetzt. Wenn es einerseits natürlich schwer zu entscheiden ist, inwieweit die veröffentlichten Erklärungen des Jungdo-Führers Mahraun unser Vertrauen verdienen, so kann man auch andererseits nicht von vornherein ein vielleicht unberechtigtes Mißtrauen ihm gegenüber hegen. Es ist sicherlich begrüßenswert, wenn ein arischer Jugendführer, wie Mahraun, den Antisemitismus vollkommen ablehnt, und wird man es der Zukunft überlassen müssen, ob Mahraun in der Praxis sich an diese Erklärungen gebunden fühlt. Jedenfalls darf man wohl sagen, daß vorläufig kein Grund zu Mißtrauen und damit zur Ablehnung der Deutschen Staatspartei gegeben ist. Vom Standpunkt der Bekämpfung des Antisemitismus wäre es sicher begrüßenswert, wenn die neue Bildung die Möglichkeit gibt, Mitglieder des Jungdeutschen Ordens und Mitglieder unserer Gemeinschaft zu Aussprachen zusammenzuführen. Von unserer Stellung zu den übrigen Parteien war wenig zu sagen, da sich hier nichts wesentlich geändert hat. Das Zentrum wird aus religiösen Gründen wohl nach wie vor zahlreiche Stimmen aus der jüdischen Orthodoxie bekommen, die Wählbarkeit anderer Parteien, wie der Sozialdemokratie und kleinerer Gruppen, richtet sich nach der politischen Anschauung und wirtschaftlichen Stellung des Einzelnen und ist unabhängig von irgendwelchen jüdischen Belangen zu beurteilen. Daß die Nationalsozialisten und andere antisemitische Parteibildungen nicht wählbar sind, bedarf keiner besonderen Erwägung. Da die Wichtigkeit des behandelten Themas zu lebhaften Debatten führte und den Abend ausfüllte, wurde beschlossen, demnächst einen weiteren Abend zur Aussprache über die ursprünglich vorgesehenen Punkte allgemeiner Politik anzusetzen. Arthur Astheimer (Jli-Frankfurt a. M.). Das Ili-Programm Berlin. Achtung! Der Jugendausschuß des C.-V. veranstaltet am Donnerstag, den 21. August, abends 8 Ahr, im Pschorr-Haus, Tauentzienstraße 13 (an der Gedächtniskirche), eine Aussprache über die Mitarbeit der deutsch-jüdischen Jugend im C.-B. Es spricht: Dr. A. Hirschberg, stellvertretender Syndikus des C.-.V, über: „Die Bedeutung des 14. September." Dr. Ludw. Tietz über: „Politische Aufgaben der Jugend". Unsere Mitglieder haben Zutritt und sollen möglichst erscheinen! Föhrersitzung. Donnerstag, den 21. August, abends 8 Uhr, bei Hildegard Bach, Schöneberg, Kufsteiner Straße 13. Gemeinsame Veranstaltung. Sonntag, den 24. August: Fahrt nach Wilhrlmshagen. Treffen 8.15 Uhr Bahnhof Aleranderplatz, Schalterhalle. Führung: Marti» Elaß. Aelterengruppe. Mittwoch, den 27. August, abends 8.15 Uhr, bei Betty Marcus, NW. 37, Tile-Wardenbergstraße 20. Thema: Franz Rofenzweig, die Bauleute. Pankow-Osten. Dienstag, den 28. August, abends 8 Uhr, im Heim, Monbijouplatz 10. Oliva und Neu-Charlottenburg. Mittwoch, den 27. August, abends 8 Uhr, Heimabend bei Hildegard Bach, Schöneberg, Kufsteiner Straße 13III. Weste«. Montag, den 21. August, abends 8 Uhr, bei Anni Jacobsohn, Schlüterstraße 31. Thema: Jesaja. Montag, den 28. August, abends 8 Uhr, bei Helmut Galliner, Sybelstraße 19. Thema: Jesaja. Breslau. Jüngeren-Gruppe. Dienstag, den 26. August, 16.30 Uhr, Jugendheim: Lesenachmittag. — Hauptgruppe: Mittwoch, den 27. August, 20.15 Uhr: Gemütlicher Heimabend; Zeitungsschau. - Montag, de« 25. August, 20.15 Ahr, Jugendheim: Arbeitsgemeinschaft: „Die Juden in ihrer Umwelt." Magdckmg. Dienstag, 19. August, abends 8.15 Ahr: „Aktuelle Zeitungsschau". — Voranzeige: 7. Setemder: Religiöse Weihestnnde der Jugend« gemeinschaft der Reformgemeinde. Näheres durch besondere Einladungen. / 1