Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 34 (20.8.1930)
- Date
- 1930-08-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Erst bis nun diese Wahlen so erledigt sind, erst dann dürfen die Juden wieder in einen Jnteressentenhausen jüdischer Art zerfallen! Ich habe bis jetzt mit keinem Worte der Pathetik, die so nahe läge, Raum gegeben. Soll ich sie auf die Parole des Herrn Simon beziehen? Versuche man zu einem Nationalsozialisten zu gehen und ihm zu raten, er möge bei den Wahlen nicht aus die Stellung zur Judenfrage sehen! Er würde den Ratgeber für einen — Juden ansehen! Und das ist!bei ihm der Gottseibeiuns! Es gibt im Gegensatz zu Herrn Simon jetzt nur eine einzige politische Parole für Juden: Zu prüfen bis in die geheimste und Jmfichtbarste Verästelung, wie die Parteien zur Judenfrage stehen. Und das Wirtschaftliche ist diesmal da Nebensache! Das muß auch der „bürgerliche Jude" voll und ganz tun. — Ter Zukunftsstaat wird ihn nicht gleich holen, wenn er auch gezwungen sein wird, den sozialistischen Parteien die Stimme zu geben. — Tas ist übrigens nichts Neues. Auch in Deutsch österreich oder in der Tschechei, auch in Polen, soweit man sich nicht für die nationaljüdische Partei einfangen läßt, tut der jüdische Bürger bis zum Großkapitalisten dasselbe! Und er stirbt nicht daran... schützt aber die Juden! Es gibt auch in Teutschland jetzt keine andere Möglichkeit, um eventuell eine andere Möglichkeit zu schassen. Jetzt endlich möchte ich auf meine drei kleinen Geschichten zu Beginn meines Aufsatzes zurückkommen. Jetzt wird man sie...soweit das bisher nicht geschehen, leicht verstehen. 1. Man kann den Pelz bei den Wahlen nicht waschen und ihn nicht naß machen! 2. Man kann, wenn man ehrlich raten will, nicht sagen: Jeder mache jetzt ganz unbekümmert, was er will! ... Tas ist noch weniger wie ein schlechter Rat. 3. Inden am wenigsten können bei einer solch politischen Wahl, wo es um ihre Haut geht, plötzlich vergessen, daß sie zusammengehören und in euren Jnteressentenhausen,, ohne Rücksicht auf das Gefährlich-Gemeinsame, zerfallen. Wir wollen reiten gen politischen Unverstand und gegen Privatinteressen. Für die Deutsche Skaatspartei Eine Zuschrift. An die Redaktion der Jüdisch-liberalen Zeitung. In der vorigen Nummer veröffentlichten Sie einen Leitaufsatz, der sich u. a. mit der Deutschen Staatspartei befaßte und ihr eine gewisse Unklarheit in ihrer Haltung gegenüber dem Antisemitismus vorwarf. Ich darf Ihnen hierzu mitteilen, daß abgesehen von ausreichenden Erklärungen maßgebender Persönlichkeiten der „Staatspartei" soeben Herr Tr. Bruno Weil (bekanntlich stellvertretender Vorsitzender des C.V.) an durchaus aussichtsreicher Stelle der Kandidatenliste Berlin der Partei nominiert wurde. Ties dürfte wohl Ihre Bedenken zerstreuen und jedem jüdischen Deutschen, soweit er sonst auf dem Boden der neuen Partei steht, die Möglichkeit geben, sich unbedenklich für sie einzusetzen und ihr seine Stimme zu geben. Hinzu kommt, daß die Partei in programmatischen Erklärungen und Reden den Kampf und die Niederringung der radikalen Parteien, insbesondere aber des radauantisemitischen Nationalsctzialismus ans ihre Fahnen geschrieben hat, eine Erklärung, die bekanntlich von anderen „bürgerlichen" Parteien vergeblich erwartet wurde. Ich bin überzeugt, daß Sie loyalerweise diese Zuschrift zum Abdruck bringen werden und begrüße Sie als Ihr Ludwig Herrmann. rührend. Monsieur Stora, dessen Sohn im Kriege zum Krüppel geschossen wurde, wußte gar nicht, was er mir alles zuliebe tmr könne und bat mich sehr, doch bis Ende der Woche zu bleiben, um als Ehrengast' einer jüdischen Hochzeit in Algier beizuwohnen. Ich. nahm aber leider schon am nächsten Tage Abschied von Algier und seiner schönen Umgebung und ging noch einmal hinauf zum Vorort Mustapha Superieure, dem Villenvorort, in dem sich der Palast des Gouverneurs und das herrlich gelegene Tienstgebäude Geheimrat Windels', des deutschen Konsuls, befindet. Durchblicke zauberhafter Schönheit zwischen Palmen, reizenden kleinen mit Glyzinien und Rosen, Georginien und Jasmin bewachsenen Villen und Gärten auf das strahlendblaue Meer. Im Rücken die Ketten des Tellatlas und zu Füßen die Arbeitervorstädte Mustapha und Marabout und der wundervolle Jardkn d'Essai, der Botanische und Zoologische Garten der Stadt. — Constantine ist die Inkarnation eines Raubvogelnestes. Es ist Leine Stadt. Es ist das afrikanische Erlebnis. Steil abfallende Häuser über Hunderte von Metern tiefen Schluchten, in die in den guten alten Zeiten Mißliebige, ohne viel Federlesens zu machen, geworfen wurden. Von der Kasbah aus einen unendlichen Fernblick. Phantastische Brücken, die sich, über Abgründe spannen, schwingen, tief, tief unter ihnen ein Gebirgsbach. In grenzenloser Flachheit die k'abylische Tiefebene. Tas Eingeborenenviertel nt das weitaus interessanteste, zumal hier das jüdische Element vorwiegt. Es ist viel sauberer als Algier. Die Männer, wie auch in Algier, kaum zu unterscheiden von denen der Wirtsvölker, aber die Frauen sind dick, meist! rothaarig und tragen ans dem Kopfe kleine spitze Judenhütchen, die es in allen Farben zu kaufen gibt und die mit dicken Kopftüchern auf dem Kopf befestigt werden. Ein Mädchen trieb die Eitelkeit allerdings soweit, das sie in jedem Ohre eine Sicherheitsnadel steckend, stolz umherlief'. In den „Soukhs" findet man schöne Gerberarbeiten, gestanztes Metall, Maroquinerien, Gürtelweber, Schlosser und alles arbeitet mit unorienialischer Schnelligkeit. An einem der Läden hing einer der alttestamentarischen Wasserschläuche, die die Karawanen mit sich tragen. Ein 'Ziegenfell hält das Wasser ordentlich zusammen. Von der Place de lr Breche führt rund um die äußere Stadt der Abgrundsboulevard, Boulevard de l'abime, eine in den Felsen gehauene Straße, die 600 Meter hoch über oem Flachland liegt. Constantine, Gründung des Kaisers Eonstlantin ist gewaltig und stark, eine ungewöhnliche, unvergeßliche Stadt. Gottesdienste * »ttUK-Of»«,. Liberale Synagoge Osten (kaiftrstrahe 29-30). Freitag, 22. August. 7.30 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbinatskandidat Mrhler. Berttn-Nordev. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Aller 162). Freitag, 22. August, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbinatslandidat Voos. Sonnabend, 23. August, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. - - - Berlln-Westerrd. Liberal Synagoge Westend (Aula Leistilowstratze 7). Die regelmäßigen Gottesdienste beginnen wieder am 29. August. Wegen der Gottesdienste an den hohen Feiertagen erteilt Auskunft die Geschäfts-, stelle Michelson, Kaiserdamm 82. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (Cecilienschule, Nikolsbnrger Platz). Freitag, 22. August, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Berlin. Jüdische Reform-Gemeinde. Gottesdienste am Sonntag, den 24. August. Johannisstratze 16: vormittags 10 Uhr; Predigt: Dr. Lehmann. Kleiststraße 10: vormittags 10 Uhr; Predigt Dr. Jelski. Aus den Gemeinden Bechhofen. (Todesfall.) Unter ungewöhnlicher Beteiligung von Leidtragenden ist der im besten Mannesalter von 51 Jahren, einer .Herzlähmung erlegene Hugo Steinbecker zu Grabe getragen, worden. Ter Entschlafene hat in vorbildlicher Treue und mit Hingabe, allen gemeinnützigen Bestrebungen gedient, und darum bedeutet sein frühzeitiges Ableben einen unersetzlichen Verlust. Zahlreiche Vereine, denen der Verblichene angehörte, gaben ihm mit ihren Fahnen das letzte Gelcil. Rabbiner Tr. Munk, Ansbach, schilderte die trefflichen Charakterzüge des Toten, der ein treuer Glaubensgenosse, ein aufrichtiger Tcutscher und Jude gewesen sei. Religionslehrer Goldbcrg rief ihm namens der Gemeinde 'Worte des Tankes nach. Ter Reichsbund jüdischer Frontsoldaten wurde durch Heinrich Ullmann, Nürnberg, vertreten: sein Abschiedswort galt dem toten Kameraden, der, ein Opfer langjährigen Frontdienstes, nun einem tückischen, Leiden erlegen war. Werkmeister Schloß sprach für die vielen Angestellten und Arbeiter und gab der allgemeinen Trauer um den.treu-t sorgenden Chef beredten Ausdruck. Bürgermeister Bieringer betonte in seinen Gedcnkwortcn die großen Verdienste, die sich der Verstorbene, in seiner sechsjährigen Amtstätigkeit um die Gemcindeinteressen erworben hatte. Bemerkenswert war die vom Gcmeindcoberhanpt gemachte Acußcrung, daß der Heimgegangene bei den Wahlen die größte Stimmenzahl auf sich vereinigt habe. Trei Ehrensalven für den ehemaligen Feldzugtcilnehincr hallten über das Grab, das die sterbliche: Hülle eines guten Kameraden und edlen Menschen umschloß. Driesen (Ostbahn). (Todesfall.) Im 57. Lebensjahr verstarb infolge eines Herz- und Gchirnschlagcs der Kaufmann Nathan Jacobsberg. Ter Tahingcschiedcne übernahm im Jahre 1903 das Modewaren- und Konfektionsgeschäft M. Bader, das er in seiner jahrzehntelangen Tätigkeit durch Fleiß, Branchenkenntnis und Reellität bedeutend anszubauen verstand. In der jüdischen Gemeinde erfrcutic er sich größter Achtung. Er war mehr als 20 Jahre im Vorstand der Synagogen-Gemeindc. Ferner war er Vorsitzender der Ortsgruppe Driesen des Textil- und 'Einzelhandels. Königsberg. (Eduard Birnbaum-Gedächtnisfeier.) Am zehnten Todestage des berühmten Oberkantors der Königsberger Synagogengemeinde Eduard Birnbaum fand sich eine riesige Gemeinde von Freunden und Verehrern des Verstorbenen — und nicht nur von, Juden — in der überfüllten Aula der Hindenburgschule zusammen, Ich hatte hier als Ersatz für die in Algier entgangene Hochzeit die Ehre, zu einer Beschneioung geladen zu weroen. Es war nicht ganz leicht, diese Ehre mit Fassung zu tragen, da zuviel Ungewöhnliches auf mich einstürmte. Ten Obecrabbiner, dem ich vor gestellt .wurde, hätte ich z. B. nie im Leben für einen Juoen gehalten, denn er trug einen Fez und weite Türstenhosen. Ec sowohl wie alle anderen bei der Beschneidung Anwesenden waren sehr neugierig, etwas über Berlin zu hören, oa sie sich leine rechte Vorstellung davon machen tonnten uno nur gehört hatten, daß die jüdischen Einwohner Berlins alle sehr fromm sein sollten. Ich wagte natürlich nicht, diese gute Meinung zu zerstören und tat mein Möglichstes, mich ihr, die ein anderer vor mir dort bildete, entsprechend zu benehmen. Ich hoffe, daß, bis einer der Juden von Constantine einmal nach Berlin kommen wird, es dort bereits alles so sein wird, daß er diese gute Meinung, die man übrigens dort von allen Berliner Einwohnern hat, bestätigt finden wird. Es war wirklich wundervoll, diese Gastfreundschaft dieser kleinen Gemeinde zu scheu, die sich da zur Beschneidung zusammengefunden hatte. Man setzte mich auf den besten Stuhl, reichte mir alle nur erdenklichen Leckerbissen, als da sind Anisette, Bier, Oliven und mancherlei Fischchen, deren Gräten ruhig in die Stube gespuckt wurden, und schob mich während der feierlichen Handlung in die erste Reihe der Umstehenden. Am Abend durste ich meine neugewonnenen Freunde noch einmal in der sehr schönen und großen Synagoge begrüßen, in der sich nahezu alle zum Abendgottesdienst einfanden. Wieder einmal das ganze alte Testament. Blinde Bettler, von Kindern hereingeführt, weißbärtige, beturbante Greise, s.chöngeschmückte Frauen, die das Hütchen mit einer gewissen Koketterie zu tragen wußten, die nicht nur aus der Zeit vor hundert Jahren stammt, in der die Juden französische Bürgerrechte erwarben. (1830 find die algierischen Juden als Franzosen anerkannt worden und haben seit 1870 Bürgerrecht in Frankreich.) Daneben junge Menschen, die sich durch nichts von Parisern unterschieden und die, obwohl modisch, ja fast elegant gekleidet, sich hier allabendlich mit jenen Glaubensgenossen zusammenfanden, die noch nach der Väter Sitte gekleidet einhergingen und sicher auf diese sündhaften Neuerungen der heutigen Jugend schalten. Tunis ist noch großstädtischer und irgendwie sauberer als Ahgi-er. Vielleicht deshalb, weil es nur französisches Protektorat ist, vielleicht liegt es an dem italienischen Einfluß, der unverkennbar ist. Der große Boulevard Jules Ferry ist die europäische Ader des tunesischen Lebens. Von hier geht auch eine elektrische Schnellbahn nach Karthago, in dessen Nähe sich auch der Flughafen befindet. Auf dem um eine würdevolle Gedächtnisfeier zn begehen. Der Vorsitzende der Königsberger Synagogengemeinde, Geheimrqt Professor Dr. Falken-- heim, erössnete den Festakt mit einer kurzen Einleitungsrede, in der« er Birnbaum als den großen Künstler feierte, dessen Andenken in der von ihm betreuten Gemeinde niemals vergessen werden wird. Nach Orgelspiet des Synagogenorganisten, Kirchenmusikdirektor Beyer, aus Birnbaums Kompositionen .sang ein gemischter Chor das Schomreni el, ebenfalls in der Vertonung von Birnbaum. Darauf hielt« der bctannte Tichter und Komponist Arno Nadel, ein Schüler Birnbaums, die eigentliche Festansprache. Er würdigte in Birnbaum den Menschen, der sich durch Weisheit, Milde und Güte sowie Humor auszeichnete, und den Künstler und Wissenschaftler. Birnbaum habe die synagogale Musik in der wertvollsten Weise bereichert. Er richtete an die Zuhörerschaft den Appell, das Werk Eduard Birnbaums nicht verlorcngchen zu lassen und dafür zu sorgen, daß es in der Oeffent-* lichkeit in der Bearbeitung von Samuel Guttmann erscheinen könne. Birnbaum sei der kulturvollste von alten synagogalen Musikschöpfern gewesen. Er habe sich durch Wissensdurst, durch künstlerischen Schöpfcpdrang wie durch Frömmigkeit in gleicher Weise ausgezeichnet. Die treue Gemeinde seiner Verehrer werde nicht müde werden, daß Andenken an ihn wachzuhalten. Daraus trug Obcrkantor Manfred Lewandowski-Berlin, der nach Birnbaum das Amt eines Obevkantors der Königsbcrgcr Synagogcugcmeinde iune hatte, in gesanglich hervovragender Weise das El mole rachamim vor. Es folgte eine Molsette von Birnbaum „Ter .Herr ist mein Hirte", durch dreistimmigen Frauenchor vorgetragcn, lvonach Lewaudowski das .Haschkiwchnu und andere Sologesänge vorbrachte. Mit einem Schlußgesang des Synagogenchors unter Stabführung von Chordirektor Badrian und Orgclspiel schloß die eindrucksvolle Feier. Lübeck. (Todesfall.) Das älteste Mitglied der Gemeinde, Herr I. Sternfeld, ist fast neunzigjährig gestorben. Sechs Jahrzchntie seines Lebens verbrachte der Entschlafene in Baden-Baden, Ivo cr eine angesehene Persönlichkeit war und sich auch in nichtjüdischem Kreisen großer Beliebtheit erfreute. Tie unmittelbare Ursache seines Todes stand mit dem kurz vorher erfolgten Ableben der Gattin im Zusammenhang, mit der der Verblichene 61 Jahre in glücklicher Ehe lebte. Rabbiner Dr. Winüer gab an der Bahre der allgemeinen Trauer um den Heimgang des trefflichen Greises Ausdruck, und als Vertreter der Chcwrah sprach .Herr S- Carlebach dem verdienten Ehrenmitglied des Vereins Worte des Tankes und der Verehrung aus. Bad Mergentheim. (Persönliches.) Tas Vorstandsmitglied unserer Gemeinde, Herr A. Adler sen., beging dieser Tage unter starker Anteilnahme zahlreicher Freunde den 60. Geburtstag. Bon seiner Beliebtheit zeugt die Tatsache, daß er, obwohl geborener Amerikaner, in verschiedenen Ehrenämtern tätig ist und u. a. im letzten Jahre auch auf weitere sechs Jahre in die Israelitische Landcsjsynode Stuttgart wiedergewählt wurde. Norden. (Persönliches.) Am 16. d. Mts. beging Herr A. A. Cossen in körperlicher und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag. Ter Jubilar hat sich in vorbildlicher' Weise um die Förderung der Gemeindeintcrcssen bemüht und manche Institution geschaffen oder auszugestalten versucht. Auch der Synagogen-chor, der vor etwa 40 Jahren gegründet wurde, ist seiner Anregung hauptsächlich zu vevdanken. Tie Gemeinde und weite Kreise der Stadt haben dem Jubilar an seinem Ehrentage ihre Dankbarkeit und Wertschätzung zum Ausdruck gebracht. klassischsten Terrain also die modernste Verkehrsmöglichkeit. Tie Kasbah, in der sich die berühmten „Soukhs" der Parfümeure und Lederhändlec befinden, ist von einer Art Wall umgeben, deren Zentralpunkt und Haupteingang die Porte d? France bildet. Auf der Suche nach dem Judenviertel kam ich am Palast des Bey von Tunis vorbei, dem Dar el Bey, der aber seine ständige Residenz in Karthago hat. Dann „Soukhs", „Soukhs", nichts als „Soukhs". Betäubt von den Wohlgerüchen Arabiens. Auch hier wieder, aber verstärkter und auf Flaschen gezogen, der starke süße Jasmin. Die Moscheen sind in Tunis, im Gegensatz zu Algerien, verboten und die Verbote stehen in 4 Sprachen angeschlagen. Sogar auf deutsch. Die schönste und älteste ist die Moschee des Oelbaums, Dschama el Situn, aus dem 13. Jahrhundert- Aber wenn ich sie heute aus dem Gewühl heransfinden sollte, würde ich glatt versagen. Der einzige Moscheehof, der betreten werden darf, gehört zu der öffentlichen Bibliothek, dessen verdienstvollem Leiter, Herrn Barbau, ich einen Besuch abstattete. Diese inmitten des romantischen Tunis gelegene Bibliothek, zwischen den Basars der Tbppichhändler und denen der Lederwarenhändler, weist eine Bücheranzahl auf, die seit dem Jahre 1910 von 6000 auf 150000 gestiegen ist und die außer begreiflicherweise vielen Jslamwerkcn (auch in deutscher Sprache) dank der Umsicht des Herrn Barbau auch Werke hebräischer Schriftsteller, Fachschriften und Werke der Brüder Mann, Uebersetzungen und Originale Gerhart Hanptmanns und noch mehrerer deutscher Autoren enthält. Und während von einem der Nachbartürme ein Muezzin seine monotone Stimme erschallen ließ, erklärte mir Herr Barbau stolz, daß er Werke nach Palermo, Rom, ja selbst bis nach Berlin ausleihe. Es war fast unmöglich, das Judenviertel aus diesem ungeheuren Wirrwarr, den die Gäßchen der Kasbah bilden, herauszufinden. Vorübergehende Ladenbesitzer, selbst Polizeibeamte, die ich fragte, verstanden mich nicht oder wußten wirklich den Weg zur Judenstadt nicht. Aber schließlich geriet ich beim Umherwandern in eine Gegend der Altstadt, in der die Häuser an den Wänden mit hebräischen Todesanzeigen übersät waren und nun war es mir ein Leichtes, mich nach der Synagoge durchzufragen. Das war nun also der Zufluchtsort einer Gemeinde, die schon seil den Zeiten Kaiser Barbarossas Furchtbares erlitten. Es war nur ein sehr kleiner Raum im Verhältnis zu den prächtigen Synagogen von Algier und Constantine, aber ich war schon sehr zufrieden, eine Synagoge endlich gefunden zu haben. Es mag sicher noch größere und schönere auch in Tunis geben, aber kaum eine, deren Minchastimmung schöner war.