Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 33 (13.8.1930)
- Date
- 1930-08-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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10. Jahrgang Nummer 33 «T Vellage 13. August 1030 Die Bidet in Roman. Drama nnö Mm Thomas Manns biblischer Roman, an oem er seit Jahren arbeitet, wird demnächst! unter dem Titel „Jaatob und seine Söhne" erscheinen (ursprünglich war der Titel „Joseph und seine Brüder" vorgesehen). Felix Salten hat vor kui^em einen Roman „Simson" veröffentlicht. Ten Snnson-Stoff behandelt ebensalls der deutsch erschienene Roman „Narr und Prophet", von Wladimir Jabotinst'y. Tie grandiose David-Trilogie von Richard Beer-Hosmann nähert sich der Vollendung. Bon dem jungen Tichter Alexander Lernet-Hoienia hat vor nicht langer Zeit die Neue Rundschau einen prächtigen Einatter „Saul" abgedruckt. Und es ist nicht lange her, da hat der biblische Film die Runde durch die Welt gemacht. — Man sieht, Romanschriftsteller, Tramendichter und Filmregisseure greifen heute auf die Urväter- -zeit Zurück und sind eifrig am Werk, biblische Menschen und biblische Begebenheiten in lebendiger Gestaltung vorzuführen. Ties bedeutet keineswegs eine Flucht aus der Gegenwart; es ist vielmehr ein mutig unternommener Versuch, Menschen und Begebenheiten der Bibel durch das Medium der Kumt! Gegenwart gewinnen zu lassen. Es ist! doch merkwürdig, wie sich' die Bibel dem Geist und dem Geschmack der Zeit stets von neuem anzupasscn vermag. Oder vielleicht ist! es bei diesem alten Buch) das nie veraltet, gar nicht merkwürdig, daß! es mit der Zeit Schritt hält und immer wieder eine zeitgemäße Auferstehung feiert. Stofflich und gedankliche ist! die Bibel eine Art stehender Pol in der Erscheinungen Flucht, ein altes, ewig junges Buch, auf das der Kulturmensch in seinem edlen Tran ge immer wieder zurückgreift. Früher einmal, als das fromme Gemüt noch seine Blüten trieb, da lasen oiefes Buch der Vater und der Sohn und die Mutter und die Tochter mit gleicher Inbrunst! und fanden darin Erbauung und Seelenerhebung. Heute ist! das Buch der Bücher keine Hauspostille mehr, wenigstens nicht in dem Maße, wie es einst! gewesen ist. Dafür aber hat sich heute der Roman, das Trama, der Film der biblischen Stoffe bemächtigt und Künstler und Schaffende sind strebsam bemüht, die schlichten Geschichten oer Bibel bilderreich! und künstlerisch gewand-et darzustellen. Tie Aufgabe ist nicht leicht. Tenn nur ein Tichter, dem die Menschen und die Begebenheiten der biblischen Zeit lebendig vor Augen 'stehen, vermag einen biblischen Stoff zu einem großzügigen Kunstwett nachsckofseno zu gestalten. Es gibt Stoffe, mit denen auch eine bescheidene Begabung fertig werden kann; es sind jene dankbaren Stoffe, deren Jnnengehalt schon an oer Oberfläche sichtbar ist' und die sichi demnach zu einer künstlerischen Behandlung gleichsam' von selbst äüfdrängen. Im biblischen Stoff dagegen müssen die kunstsähigen Werte wie aus einem verborgenen Schacht ausgegraben werden, und das erfordert einen Schriftsteller oder Tichter, der in Zeitenfernen sehen und die biblische Welt und ihre Menschen intuitiv erfassen kann. Tie Bibel war von jeher eine der Hauptquellen der Dichtung in allen ihren Arten. Namentlich' deutsche Poeten haben dieser Quelle vielfach die Stoffe für ihre Tichtungen entnommen. Zunächst. hatte das biblische Epos Eingang in die deutsche Literatur gefunden; ihm folgte das biblisch? Trama. Am spärlichsten wurde der biblische Roman gepflegt. Wohl die ältesten biblischen Romane sind „Assanat", ein Roman, der die Geschichte Josefs behandelt, und „Simson, eine Helden- und Liebesgeschichte"" von Philipp von Zefen (1619—1689). Tem eigentlichen biblischen Prosaroman begegnen 'wir erst! seit dem Ausgange des neunzehnten Jahrhunderts. Ter biblische Stoff nach seiner inneren Beschaffenheit widerstrebt ine Gcunoe der Behandlung in Romanchrin, denn der Prosaroman ist vor allem Prosanerzählung, eine ganz aufs Weltliche gerichtete Dichtungsgattung. Im Unterschied von der Novelle wird im Roman jedes Wunder und jeglicher Eingriff ber göttlichen Vorsehung in den Gang der Handlung völlig ausgeschaltet. Am' ehesten hätte sich manche biblische Erzählung zur Behandlung als Schäferroman geeignet, aber das gelobte Land des Schäflerromans war Madien, nicht Palästina. So sind denn auch die meisten biblischen Romane, von älterer Zeit bis auf unsere nächste Vergangenheit, mehr biblisch frisierte erdichtete Erzählungen, als dichterisch ausgeschmnckte Geschichten der Bibel. Tie Beschaffenheit dieser Romane ist oft schon an ihren Titeln zu erkennen: da ist ein Reman betitelt „Ter Stern von Halalat", ein anderer „Ter Stern von Juda", ein Roman nennt sich 'kurz „Astarte", was eigentlich nur „Stern" (Mondgöttin) bedeutet, und ein anderer heißt „Esther"', was wiederum nur die persische Form für Astarte ist, die Stern bedeutet. Es fehlt offenbar diesen Romanen an innerer Leuchtkraft, und wohl deshalb werden in ihren Titeln soviel Sterne verwendet. CE der neuzeitliche biblische Roman — wie beispielsweise oer von Thomas Mann — trägt echtes biblisches Gepräge und ist hohes, edles Kunstwerk. Im Gegensatz zum biblischen Roman ist die Zähl der biblischen Tramen sehr groß. In Deutschland trat das biblische Trama frühzeitig auf den Plan. Bereits im Jahre 1562 wurde bei der Einweihung des Elisabethans zu Breslau eine Komödie ,Kain und Abel" aufgesührt. Bon Hans Sachs besitzen wir mehrere dramatische Arbeiten biblischen Inhalts. Im 17. Jahrhundert dichtete Matthias Holzwatt einen „Saul"'', ein Trama, das an Schaugepränge und Personenmenge die modernen szenen- und bilderreichen Bühnenstücke weit überbot. Das Stück wurde in Böhmen von hundert redenden und chushundett stummen Personen gespielt. Ein Stück „Adam und Hewa" von Jakob Ruch einem Wundarzt und Steinschneider zu Zürich, wurde 1656 in Zürich mit hunoertundsechs handelnden Personen aüfgeführt. Christian Werse (1642—1708) schrieb die Schauspiele „Jsaks Opferung", Jakobs Heirat", „Ter keusche Josef" und andere; diese biblischen Stücke wurden in Zittau, einer alten Ottssitte gemäß, an bestimmten Spieltagen durch die Schuljugend aufgeführt. Besonders groß ist die Zahl der biblischen Tramen in der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts. Es ist recht seltsam, daß im 18. Jahrhundert, zu derselben Zeit, da in England, Frankreich und Deutschland der Kampf gegen die positive Religion heftiger denn je zuvor entbrannte, die meisten Tichter gerade auf biblische Stoffe zurückgrifsen, um die deuffche Literatur nach langer Erstarrung zu neuem Leben zu erwecken. Auf die vielen biblischen Epen, von denen hier nur der „Noah" Bodmers und „Ter geprüfte Abraham" Wielands erwähnt sein mögen, folgte eine Reihe biblischer Dramen. Wie Bodmer der erste war, der wieder biblische Stoffe in die deutsche Literatur einführte, so hat er sich auch in biblischen Tramen zuerst versucht. Er schrieb unter anderem „Ter erkannte Josef", „Der Tod des ersten Menschen", „Der Vater der Gläubigen", ein Trama, das die Opferung Isaaks behandelt, ferner „Ter Fußsall vor dem Bruder", ein biblisches Drama für Kinder, das die Großmut Josefs gegen seine Brüder schildert. Das verhältnismäßig bedeutendste Werk dieser Gattung ist Klopstocks Trauerspiel „Der Tod Adams"", ein mehr dialogisiertes sentimmtales Idyll als ein Drama. Dieses Trauerspiel Klopstocks wurde in Deutschland sowohl als in Frankreich mit Begeisterung ausgenommen und viel gelesen; merkwürdigerweise gefiel es den Franzosen besser als den Deutschen, es wurde von den Franzosen nahezu überschwenglich gelobt. „Chef d'oeuvre bien au dessus de t'Oedipe de Sophocle, avec lequel il a quelq'ue ressemblance", urteilt darüber ein französischer Kritiker jener Zeit. Das Stück brachte später Gleim in fünffüßige Jamben. In einem Briefe an Lessing berichtet Gleim, er habe den Tod Adams „vorgelesen und mitgcweint"". Außer diesem Trauerspiel hat Klopstock noch zwei biblische Tramen „Salomo"" und „David" geschrieben. In diesem Zusammenhänge sei auch erwähnt, daß Klopstocks Gattin Margareta (Meta) ebenfalls ein biblisches Trauerspiel „Ter Tod Abels"" versaßt hat; es findet sich in ihren hinterlassencn Schriften, die 1759 in Hamburg erschienen sind. Auch Johann Kaspar Lavater hat ein biblisches Trama „Abraham und Isaak"" geschrieben. Die Geschichte der sieben Märtyrer behandelt August Hermann Niemeyer in dem Stück „Thirza und ihre Söhne"" (1778); von demselben Verfasser ist auch „Abraham auf Moria", ein religiöses Trama, erschienen. „Belsazer, ein Schauspiel mit Chören"" betitelt sich ein den Tod Belsazers behandelndes Trama von Christian Grafen zu Stolberg. Von den biblischen Tramen, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erschienen sind, wären hervorzuheben: „Tie Mutter der Makkabäer" von Zacharias Werner, „Saul und Tavid" von Friedrich Rückert, „Nimrod" von Gottfried Kinkel. Sehr oft wurde der Estherstoff bearbeitet; schon Hans Sachs hat die Esthergeschichte dramatisiert, und Goethe hat in sein Fastnachtsspiel „Ter Jahrmarkt zu Plundernsweilern"" ein vollkommenes Ahasverus-Spiel eingebaut. Grillparzers Fragment „Esther"" nimmt in der Reihe der Estherdramen eine gesonderte Stellung ein, denn es ist ein Trama von großer dichterischer Kraft. Mit dem Erscheinen von Hebbels „Judith"" beginnt eine lebhaftere Bewegung auf dem Gebiet des biblischen Dramas. Wilhelm Gärtner dichtet einen „Simson"", Otto Ludwig „Tie Makkabäer"", Alfred Meißner „Das Weib des Urias"", Paul Heyse „König Saul"". Es mag an dieser Stelle angemerkt werden, daß auch der hervorragende Schauspieler Josef Kainz ein leider nur Fragment gebliebenes biblisches Trama „Saul"" hinterlassen hat; einzelne Teile davon sind in Tageszeitungen und Zeitschriften erschienen. Bon den biblischen Tramen aus jüngerer und jüngster Zeit wollen wir summarisch die folgenden nennen: „Das Weib des Uria" von Albert Geiger, „Simson"" von Frank Wedekind, „Tie ersten Menschen"" von Otto Borngräber, „Tie jüdische Witwe" von Georg Kaiser, „Jaakobs Traum" von Richard Beer-Hofmann und „Jeremias" von Stefan Zweig. Alle diese. Tramen besitzen starken poetischen Gehalt. Auffallend ist, daß kein bedeutender Tichter sich an den Moies wagte. Aus dem 19. Jahrhundert ist uns nur ein „Moses"" von Friedrich August Klingemann bekannt. Erwähnung verdienen der „Moses"" von Karl Hauptmann und der „Moses"" von Viktor Hahn, zwei Werke voll dramatischer Kraft und poetischer Schönheit, die jedoch der gewaltigen Moses-Gestalt nicht ganz gerecht werden. Zu dem biblischen Roman und dem biblischm Drama hat sich in jüngster Zeit auch der biblische Film gesellt. Aber während der Roman die außerordentliche Begebenheit, das Trama den außerordentlichen Menschen in der Bibel sucht, unternimmt es der Film, das Wunderreich der Bibel in der knappen Zeitspanne einer vorbeiflimmernden Stunde dem Publikuni zu erschließen. Ter Anfang ist seit langem gemacht worden. Wenn ich mich recht erinnere, war die Geschichte Simsons mit den Philistern der erste Bibelfilm, der auf der Leinwand rollte. In der Folgtest wutten noch andere wunder- und bilderreiche biblische Filme in den Lichtspielhäusern vorgeführt. Tie zwei prächtigsten Bibelsilme. die wir in den letzten Jahren zu sehen bekamen, waren „Tie zehn Gebote"" und „Tie Sklavenkönigin""; namentlich das letztgenannte Filmstück überbot alles bisher auf diesem Gebiete Geleistete. Schon der Leistungswert des Filmstückes „Tie Sklavenkönigin" war recht bedeutend, denn dieser in seiner Art meisterliche Film war an wundervollen Bildern und an bildhaften Wundern überaus reich. Die bildhaften Wunder — das ist es, was bei der Verfilmung der biblischen Stoffe hauptsächlich in Betracht kommt. Ter Film, vielfach auf das Spannende und Wunderbare eingestellt, greift bei Behandlung eines biblischen Stoffes zumeist nur das Wunder heraus; ihm ist es ein Leichtes, auch das biblische Wunder in dm flimmerndm Lichtkreis zu stellen. Darin leistet der Film ganz Außerordentliches: er wirft die biblischm Wunderdinge malerisch auf die Leinwand und hebt mit Prachtbildern die Gesetze der Natur auf. Das Wunder in der Bibel vollzieht sich einfach, schlicht, geradezu natürlich; das biblische Wunder im Film ist wirklich wunderbar. Ter Film vermag vieles, fast alles. In Los Angeles wurde sogar der Schöpfungsbericht der Bibel gefilmt. Man denke, die Wetterschaffung als Monumentalfilm, wo man in knappen sechs Viertelstunden alles schm kann, was in sechs vollen Schöpfungstagen zustandegebracht worden ist. Man sieht, wie Himmel und Erde aus dem Chaos hervorgehen und wie sich das Licht von der Finsternis und das Trockene von den Gewässern scheidet, dann sicht man auf der Erde das Gras aufgehen, und Kraut und fruchtbare Bäume wachsm, und im Wasser die großen Walfische sich regen und unter dem Himmel allerlei gefiedertes Gevögel, und zum Schluß wird der Mensch aus dem Erdenstaub geschaffen und. das Weib aus der Rippe des Mannes, — kurz, man ficht alles, wie es in der Schrift beschrieben isti. Tie biblischen Stoffe eröffnen dem Film ganz ungeahnte Perspektiven. Taß, die Sonnne zu Gibeon stille steht und der Mond im Tale Ajalon, das ist wahrlich das tleinste der Wunder, die uns der Film vorführen kann. Tie Phantasie der Tichter hat nicht immer die Bitoer der Bibel nachschaffend gestalten können. Es ist. bezeichnend, daß. seit Klopstocks Trauerspiel „Ter Tod Adams"" bis auf Borngräbers Trama „Tie ersten Menschen"" die Tichter die Geschichte des ersten Menschenpaares immer erst nach der Vertreibung aus dem Paradiese behandelt haben; offenbar trauten sie ihrer Muse oie dantischc Kraft nicht zu, das Paradies paradiesisch zu schildern. Der Film aber wird sich auch ins Paradies wagen dürfen; er ist solcher Ausgabe gewachsen. Er wird das Paradies noch paradiesischer ausmalen, als es sich der Bibelleser auch nur vorzustellen vermag. Und die Kinobesucher werden darüber kaum erstaunen. Tenn in der Fiimwelt geschehen der Wunder viele. S. Meisets. Amschau Das Aufbau-Werk von „Ort" in Ziffern. Dem von der Zentralverwaltung des Verbandes „Ort"" in Berlin soeben veröffentlichten Finanzbericht ist zu entnehmen, daß der Verband seine Bilanz für das Jahr 1929 mit einer Ausgabensumme von ^59657 Dollar abgeschlossen hat; dazu kommt für das gleiche Jahr eine Summe von 387 813 Dollar für Besorgung von deklassierten Juden in Sowjetrußland mit Maschinen für Rechnung der ausländischen Verwandten dieser Juden. Außerdem haben die verschiedenen Gesellschaften der Kreditkooperation in Sowjetrnßland Maschinen und Rohstoffe im Kreditwege geliefert bekommen. Laut dem Bericht der russischen Vertretung des Verbandes „Ort"" an das Finanzkommissariat der Sowjetregierung haben diese Lieferungen von Produktionsmitteln an die Kooperativen eine Summe von 465 717 Rubel betroffen. An die jüdischen Landwirte in Sowjetrußland wurd-m landwirtschaftliche Artikel um einen Gesamtbetrag von 84 268 Rubel abgegeben. Für Jndustrialisierungsarbeit wurden aus den Mitteln der Zentralverwaltung des „Ort""-Verbrndes und der Verwandt en-Aktion zusammen 465 445 Dollar ausgegeben; dazu kommen die für Produktionsmittel an die Kreditgeuossenfchasten verwendeten 465 717 Rubel. Tausende Handwerker wurden mit Maschinen und Werkzeugen versorgt, zum größten Teil aus den Mitteln der „Vol'ks-Werkzeugskampagne"" in Amerika wurden 26 Attels (Produktionsgenossenschaften) für Deklassierte organisiert, Artels und einzelne Heimarbeiter wurden mit im Ausland eingekausten, weil in Rußland nicht vorhandenen, Rohstoffen versorgt. Alle nach Rußland eingesührten Maschinen, Werkzeuge und Rohstoffe haben gemäß einem zwischen dem Verband „Ort"" und der Sowjetregierung getroffenen speziellen Abkommen Zollfreiheit. Für landwirtschaftliche Tätigkeit hat der Verband „Ort"" im Jahre 1929 162 952 Dollar ausgegeben, dazu kommen Zuwendungen an jüdische Landwitte in der Gesamthöhe von 84 268 Rrckel. Mehr als 150 landwittschastliche Siedlungen in Sowjetrußland, Beßarabien und Polen mit einer Gesamtbevölkerung von über 25 000 Seelen wurden vom Verband „Ott"" betreut. Darlehen wurden gewähtt zur Anschaffung von lebendem und totem Inventar, zum Bau von Wohnhäusern und landwittschastlichen Gebäuden, zur Anschaffung von Saatgut, zur Einführung neuer Wirtschaftszweige, wie Weinbau, Milchwirtschaft u. a. m. Größere Darlehen wurden zur Anschaffung von Traktoren für die Kolonien bewilligt. Für Berufsausbildung hat der Verband „Ott"" im Berichtsjahre 174 703 Dollar ansgegeben. Es wurden 97 technische Bildungsanstalten in verschiedenen Ländern Osteuropas unterhalten oder unterstützt. Diese Anstalten wurden von 7779 Peffonen, und zwar vom Jugendlichen, die das Handwerk erst erlernen, sowie von Erwachsenen, die infolge der Wittschaftskrisis aus ihren bisherigen beruslichen Positionen hinausgestoßen wurden und znm 'Handwerk übergehen mußten; schließlich von fettigen Handwerkern, die sich in ihrem Fache spezialisierten, um der Konkurrenz von Nichtjnden begegnen zu können oder — was in Polen zu einer Notwendigkeit wurde — die amtlichen Gesellen- und Mnster-Qualiffkattonen erhalten zu können. In Rußland insbesmrdere unterstützte „Ott"" verschiedene Fachknrse, die die jüdische Jugend in den Kleinstädten für die Großindustrie, Transpott- und Bauarbeit vorbereiten. i Von der Ausgabensumme von 759 657 Dollar und den für konstruktive Verwandtenhilfe ausgegebenen 387 813 Dollar entfielen 7 o/o für Organisations- und Verwaltungskosten. Die Ausgaben für die Sammeltätigkeit in allen Ländern hinzugerechnet machen diese Kosten 12 % der Umsatzsumme aus. Dem Finanzbericht ist weiter zu entnehmen, daß der Verband „Ott"" im Jahre 1929 in Amettka und in den europäischen Ländern weitere 456278 Dollar aufgebracht hat, davon haben Amettka 288175 Dollar, die westeuropäischen Länder 44910 Dollar geleffttt. Hervorzuheben ist die Leistung Deutschlands, wo für das Werk des „Ott"" wie für die Aufbauarbeit im Osten überhaupt ein starkes Interesse sich kundgibt. Trotz der außerordentlich schweren Wirtschaftslage des osteuropäischen Judentums wurden allein aus Osteuropa im Berichtsjahre nicht weniger als 121909 Dollar (27 °/a der Gffamtausgaben) für das Aufbauwerk des „Ott"" geleistet. Dich Summe schlicht MitgliedÄbeiträge, Einzelbesteuerungm, Subventionen der Stadtverwaltungen u. a. m. ein.