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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-08-06 · 32 (6.8.1930) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
32 (6.8.1930)
Date
1930-08-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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schule entstehen! Wie sollen sie den naturwissenschaftlichen Unterricht mit dem Inhalt der Hauptgebete vereinbaren, wenn der Lehrer sie nicht, gegen sein besseres Wissen, die hebräischen Gebete aus Kosten der Sprachkemttnis unrichtig übersetzen läßt? Und dann die jüdische Schule, müssen dort die Kinder nicht geradezu wissenschastsfremd erzogen werden? Ein Beispiel: Vor etwa fünfzehn Jahren kam eine junge Mnsche Lehrerin an eine größere jüdische Schule einer Großstadt. Zu ihrem Unterrichtsfach gehörte auch Naturkunde. Eines Tages erzählte sie den Kindern von der Entstehung der Steinkohle. Das erfuhr ein Lehrer und machte dem Direktor Meldung. Die Lehrerin wurde darob entlassen. Wie durfte sie aber auch etwas vortragen, das mit dem Schöpfungsbericht der Bibel nicht im Einklang steht! Sollte dieser Vorfall nicht geeignet sein, die Ursache des Rufes nach jüdischen Schulen zu erhellen? Vorwärts!, nicht rückwärts, heißt doch die Parole unseres Liberalismus! Darf man lügen? Man muß lügen, weil unser Gebetbuchs unsere Segeussprüche und unser Gottesdienst dazu zwingen. Es sind nur einige Dinge hier hervorgehoöen, es gibt noch sehr viele andere gleicher Art. Vielleicht ist die Zeit noch nicht gekommen, in der man solche Wahrheiten hören mag, vielleicht fühlen sich noch viele, die sich liberal nennen, auch in ihren „heiligsten Gefühlen" durch solche Ausführungen verletzt, denn „die Gewohnheit nennt er seine Amme". Das wäre ja auch nichts Neues, es sei nur daraus hingewiesen, daß es heute vor einundneunzig Jahren in Preußen, aus Betreiben der Uebersro-mmen, noch nicht gestattet war, in den Synagogen deutsch zu predigen, auf dem Friedhofe eine deutsche Trauerrede zu halten, bei einer Hochzeit eine deutsche Ansprache an das junge Paar zu richten. Es gibt noch einige Mitbürger, die in dieser, uns heute merkwürdig erscheinenden Zeit vor 1840 schon gelebt haben. Heute predigt man deutsch auch in den orthodoxesten Synagogen, hält der orthodoxe Rabbiner einen deutschen Nachruf, eine deutsche Trauerrede. Einzelne sind oft ihrer Zeit voraus, sie werden aber von der Menge nicht verstanden. Aber mit der Zeit setzen sich Gedanken, die anfänglich Entrüstung hervorgerufen haben, doch durch, wenn sie wahr, wenn sie richtig sind. Von den Zeitgenossen mögen sie als Verräter am Hergebrachten oder als Volksversührer bezeichnet werden, aber ihre Gedanken gehören der Zukunft. Auch Moses, Jesaia, Jeremia, Maimonides, Spinoza, Mendelssehn und viele andere galten ihren Zeitgenossen wenig oder nichts, erst die Nachwelt hat ihre Gedanken anerkannt. Deshalb muß man aber doch die Wahrheit sagen, wenn man von ihr überzeugt ist, — man dors nicht lügen! Lebensnöhe der Religion Zur Diskussion über das Dresdner Referat An der Dresdener Jlitagung habe ich nicht teilnchmen können. So sei es mir gestattet, an Stelle einer Diskussionsrede mich hier zu Woydas Referat „Lebensnahe der Religion" zu äußern. Wenn etwas die Größe und Weite des religiösen Liberalismus im Judentum beweist, so ist es gerade die Tatsache, daß Woyda in seinem Referat eine Fülle von Problemen behandeln und berühren konnte, über die im einzelnen keineswegs Uebereinürmmung innerhalb des Liberalismus herrscht. Nicht der Umstand ist von Bedeutung, daß wir in Einzelfragen verschiedener Meinung sind, sondern die Feststellung, daß die Meinungsverschiedenheiten im einzelnen verschiedene Auswirkungen. einer und derselben Grundanschouung sind. Ich beschränke mich im Folgenden aus einige wenige Punkte und kann auch diese nur andeutungsweise erörtern, nicht erschöpfend behandeln. Tie rüigiöse Grundfrage ist heute in der Tat nicht die Frage nach der Auffassung dieser oder jener religiösen Lehre, oder nach! der Uebung dieser oder jener religiösen Form, sondern die viel tiefer greifende Frage, ob die Religion — und habei geht uns speziell das Judentum an — mit dem wirllichenLeben vereinbar ist oder nicht. Eine Religion, die fern ab von der Wirklichkeit ihr Dasein führt und ihre Bekenner seelisch zu erfassen sucht, hat leine Gewalt über wirklichkeits'frche, ringenoe Menschen. Sie mag Einsiedlern den' Lebensinhalt geben, mag den anderen einzelne Momente ihres Lebens erheben — über dyr Sinn dessen, wozu uns Menschen die Gottesgabe der Religion verliehen ist, wird sie niemals erfüllen. Heidnisch ist die Trennung und das Auseinandetltäj'sen von Religion und Leben. T-ie große Errungenschaft des Judentums ist nicht nur die Lehre von dem einen heiligen Gott, sondern auch die andere, daß der Mensch,, da im Ebenbilde des einen heiligen Gottes geschaffen, eine Einheit sein soll, daß alle Lebensäußerungen sich, zur Einheit und Einheitlichkeit zusammenchgen sollen, daß, demgemäß Religion nicht ein für sich abgegrenzter Bezirk des menschlichen Lebens sein darf. chier ist die Wurzel für die eigentümliche Paradoxie des jüdischen Lebens, jene eigenartige Mischrung von Gemütstiese, ja bisweilen Sentimentalität, und verstandesmäßig nüchterner Erfassung und Benutzung der praktischen Verhältnisse. Mir scheint daher schon die Formulierung „Lebensnahe der Religion" nicht ganz zutreffend zu sein. Das Problem ist vielmehr die gesamte Praxis des wirklichen Lebens den idealen Forderungen der Religion nach! Möglichkeit anzugleichen oder, anders gesehen, das gesamte wirkliche Leben aus der Grundlage der religiösen Ideen zu gestalten. Das bedeutet keineswegs eine Unterordnung des Lebens unter religiöse Herrschaft, wie etwa im Mittelalter die Kircke das Leben zu binden gesucht hat, sondern es bedeutet, daß der Mensch als religiöse Persönlichkeit die Tinge dcls Lebens betrachtet und ihnen gegenüber Stellung nimmt. Es ist darum durchaus richtig, wenn Woyda dem Judentum die Ausgabe stellt, an die großen Probleme des Gegenwartslebens von religiöser Grundanschauung her heranzutreten So haben ja die Propheten gewittt, und sie haben damit gezeigt, daß auf diese Weise zugleich Gegenwartswerte und ewige Werte geschaffen werden. Woyda hat eine Reihe von aktuÄlen Fragen herausgestellt und zu ihnen Stellung genommen. Aber rch glaube nicht, daß wir recht daran tun würden, uns als Juden mit ihm z. B. für die Wirtschaftsform der Genossenschaft, für Freihandel und für Ersetzung der heutigen anarchischen Weltwirtschaft durch Planwirtschaft einzusetzen. Ich! stimme vielmehr seinem fast unmittelbar voraufgehenden Satze zu „daß es nicht Sache der Religion ist, sich für eines der möglichen Wirtschaftssysteme zu entscheioen Tie Religion hat ihr eigenes Recht. Sie hat das Gewissen eines jeden Wirtschaftssystems zu sein." Auch die Wirtschaftssysteme unterliegen der Veränderung und Umbildung, verfehlt ist dogmatische Wirtschäftsorthodoxie, die irgend ein Wirtschaftssystem als das allein selig machende hinstellt. Hier gilt vielmehr Koheleths selten voll gewürdigtes Wort von der Relativität aller Tinge. Wer politisch oder wirtschaftspolitisch parteimäßig eingeschworen ist. wird leicht zum Dogmatiker. Das ist für alle diese Probleme der große Wert der religiösen Einstellung, daß — die religiöse Gcundanschauung einen andern, freieren Blickpunkt gewährt, daß wir die religiös ethischen Gefahren und Bedenken des Fest- Wiens und Weiterführens der bisher erfolgten Richtung erkennen und demgemäß das bisherige System umzubilden suchen. Kaum kann es Bedenklicheres geben sowohl für die Religion als auch! Kr die Behandlung der praktischen Fragen als die Identifizierung der Religion mit irgend einer Staats¬ oder Wirtschaftstheorie. Aber die Anerkennung der Idee der sozialen Gerechtigkeit wuchst! aus der religiösen Grundlegung heraus, und von hier aus wird man das ewige Problem Individuum und Gemeinschaft stets von neuem nicht nur theoretisch, sondern unter den gegebenen Verhältnissen des wirklichen Lebens zu lösen suchen. Nur mit wenig Worten mag aus das von Woyoa angeschnittene Problem der Arbeit eingegangen werden. Tie Erzählung im 3. Kapitel des ersten Buches Mose ist nach jüdischer Auffassung nicht der Bericht vom „Sündenfall", das Wort „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du Brot essen" nicht ein Fluch, sondern ein Segen. Und mit Unrecht stellt Woyda seine Auffassung der „Buchstubengläubigleit" gegenüber. Ich glaube, es dürfte unmöglich sein, in dem ganzen jüdischen Schrifttum auch nur ein einziges Wort zu finden, irr dem die Arbeit als Fluch für die Menschen bezeichnet wird. Ans der Fülle der gerade entgegengesetzten Aussprüche sei nur ein talmudischer Satz zitiert: Keinem Lebewesen hat Gott die Arbeit als Lebensgut mitgegeben als allein dem Menschen. Und ferner sei auf das vierte Wort des Tekalogs hrngewiescn, das nicht nur das Gebot der Ruhe am siebenten Tage, sonderrr ebenso die Forderung enthält: „Sechs Tage sollst du arbeiten." Es kann kaum scharfer der religiös sittliche Wert der Arbeit betont und andererseits vor der Entseelung menschlicher Arbeit gewarnt werden als durch das Gebot der Arbeit und der Ruhe im Zchntvort. Aber auch Woydas Ausführungen über Altliberalismus und Jungliberalismus und über das offizielle Judentum kann ich nicht unwidersprochen lassen. Seine Beurteilung des sogen. Einheitsgebetbuches geht von einer irrigen Voraussetzung aus. Es lag die zwingende Notwendigkeit vor, für die Gemeinden mit liberalem Gottesdienst statt der zahlreichen, grundsätzlich kaum von einander abweichenden Gebetbücher ein einheitliches Buch zu schaffen. Das war nur möglich mit Zugöständnkfsen auf verschiedenen Gebieten, ohne daß die grundsätzliche Stellung eine Beeinträchtigung -erfuhr. Woyda führt einen Hymnus aus dem 2. Teil des Buches an. Man mag ihn ablehnen, und ich kann verraten, daß wir Bearbeiter des Buches ihn nicht ausgenommen hätten, wenn kr nicht von Gemeinden und deren Vertretern, deren liberale Gesinnung gar nicht in Zweifel gezogen werden kann, gefordert worden wäre. Den religiösen Grundanschauungeu des Liberalismus widerspricht der Hymnus nicht, einige Gemeinden wollten ihn nicht missen, jede Gemeinde hat die Freiheit ihn fortzulassen — denn das Gebetbuch soll Einheitlichkeit, aber nicht Uniformierung bringen — sollen etwa Geschmacksurteile das Kriterium für jüdischen Liberalismus bestimmen? Das wäre Veräußerlichung des religiösen Liberalismus. Woydas Angriff gegen die Beibehaltung des zweiten Absatzes des Schma, seine abfällige Charakterisierung dieses Schriftabscknittes als do-ut-des-Theorie würde eine gründlichere Widerlegung erfordern, als sie hier gegeben werdn kann. Aber daß ich es ganz offen bekenne: es widerstrebt mir, einem so leichthin ausgesprochenen Schlagwort eine gründliche theologische Entgegnung gegenüberzust'ellen. So einfach, wie Woyda es es sich hier gemacht hat, kann man ernste theologische und religiöse Probleme nicht abtun. Nur ganz beiläufig möchte ich fragen, ob Herr Woyda schon daran gedacht hat, daß hier nicht der Einzelne, sondern die Gemeinschaft des Volles angeredet ist. Mit dieser Frage hängt der andere Vorwurf gegen die Liberalen zusammen, daß sie aus der Thoravorlesung diejenigen Stücke nicht ausmerzen, „die wir aus religiösem Geiste heraus ablehnen". Es sei demgegenüber nur auf einen Gesichtspunkt hingewiesen, daßi nämlich, auch unsere Auffassung dem Wandel unterworfen ist. Ein Beispiel mag dies belegen. Geiger hat die Akeda und deren Erwähnung im Gebet beseitigt aus religiösem Geist heraus. Wir sehen die Erzählung anders an. Sie ist nicht die Forderung, sondern die Verwerfung d.es Menschenopfers, sie zeigt, was vermeintlich, und was in Wahrheit die Stimme Gottes ist, chnd sie läßt den großen Gedanken und die große Forderung des Opfers hervortreten. Wer nicht bereit tfl Opfer zu bringen, der glaubt vielleicht Religion zu haben, aber er täuscht sich. Eine Religion, die von ihren Belennern leine Opfer fordert, mag sehr bequem sein, aber sie ist kstaftlos. Ich muß auf ein Eingehen aus die anderen Beispiüe, die Woyda vorgebracht hat, verzichten. Aber eines möchte ich betonen: ich sehe gerade in Woydas stiarker Betonung, bezw. Ablehnung äußerer Formen den „Altliberalismus", den er verwirft. Es war in der Entwicklung der Verhältnisse begründet, daß der Liberalismus seine Kräfte zur Beseitigung mancher Formen und zur äußeren Umgestaltung des Judentums einsetzen mußte. Das war keineswegs, tvie man von gegnerischer Seite zu behaupten pflegt, etwas Negatives. Aber das Wort Geigers kann nicht starr genug betontj werden, daß die Forderung tautet „Reform der Anschauung". Nichts ist verfehlter als den Liberalismus gleichsam mit der Elle zu messen und die Ablehnung dieser oder jener Form als Maßstab für den Grad des Liberalismus anzusehen. Diese Haltung gegenüber dem Problem der religiösen Form ist ebenso unftei wie die sklavische Unterwerfung unter die Form. Wir stehen dem Formpwblem weit freier gegeiüiber — aus Verantwortlichiteitsgesühl nach beiden Seilen, aus religiösem Geist, aus Verständnis für das wirkliche Leben und aus Verständnis Kr die Menschenseele. Wir haben heute andere, seelische Probleme des religiösen Liberalismus. Mit Recht betont Tienemanri in seinem Aufsatz über liberales Judentum in dem neuesten Heft des „Morgen", daß Liberalismus eine Seelenhaltung ist, die sich im gesinnten Leben entsprechend auswirit. Das erkennt auch Woyda in den Schlußworten seines Referqts an. R abbiner Ta. Vogel st e i n, Breslau. Aus den Gemeinden :: * Jesberg. (Goldenes Ehejubiläum.) Di,c Eheleute Moses Schloß und Frau, geb. Gans, begingen im Kreise der Kinder und Enkel in erfreulicher Körperun-d Geistesfrische die goldene Hochzeit. Zu den Gratulanten, die in großer Zahl zur Familienfeier erschieircn, gehörte auch der Landrat des Kreises Fritzlar, der ein Glückwunschschcciden und Ehrengeschenk des Reichspräsidenten überreichte. Der Jubelbräutigam steht im 78. Lebensjahr, seine Ehegesährtin ist 7k Jahre alt: beide Eheleute erfreuen sich bei alten Ortsinsasscn großer Wertschätzung. Köln. (R h e i n i s ch-W cstsälischcr R a b b i n c r v e r b a n d.) Am 20. Juli hielt der rheinisch-wcstsälischc Rabbincrverband in den Räumen der Rheinlandloge seine diesjährige Sitzung ab. Klein-Düsseldorf eröffnete die Sitzung mit Begrüßungswortcn an die Erschienenen, gedachte sodann in warmen Worten des kürzlich verstorbenen Kollegen Levi-Krefeld und hieß schließlich die neuen Verbandsmitglieder Köhler- Borken, Lubasch-Barmen und Wilhelm-Dortmund herzlichst willkommen. Jin Mittelpunkt der Verhandlungen stand das Referat von Galliner- Gelsenkirchen über Bezirksrabbinale. Das Ergebnis der Aussprache war die einstimmige Annahme folgender Resolution: „Wir begrüßen die Arbeiten des Landesverbairdcs, die die Schaffung von Bezirksrabbinrten zum Ziele haben und halten es für eine Lebensfrage des Judentums in Deutschland, daß diese Arbeiten mit aller Energie fortgesetzt werden. Gegenüber der Verkennung der Bedeutung dieser Bestrebungen betonen wir, daß wir in der Gründung von Bczirlsrabbinaten einen wesentlichen Schritt zur Herbeiführung der Gesundung des ösjcntlichen jüdischen Lebenserblicken. Jeder Jude, wo auch immer er wohne, hat ein Anrecht öarauf, einem Rabbinat anzngchören, das seine religiösen Bedürfnisse: fachmännisch vertritt. Diese Vertretung der jüdischen Religion ist von solchem ttmfang und solcher Wichtigkeit, daß sie nur von Männern ausgeübt werden kann, die rabbinisch ausgebildet und für diese Aufgabe autorisiert sind. So anerkennenswert auch die Leistungen sind, die viele Lehrer neben ihrer unterrichttichen Tätige keit für die jüdischen Gemeinden vollbracht haben und vollbringen, so erfordert es doch die Stellung des Judentums nach außen und nach innen, daß die geistig-religiöse Führung des Judentums Männern anverlrant ist, die dieser Ausgabe ihren gesamten Lebensinhalt toidmen. Dieses Ziel ist ohne Einrichtung von Bezirks-- rabbinaten nicht zu erreichen. Wenn es and) angebracht ist, in der Uebergangszcil wohlerworbene materielle und ideelle Rechte der Lehrer zu wahren, so können doch die Rabbiner auf die ihnen geschichtlich und rcligionsgesetzlich zustehenden Rechte und Pflichten nicht verzichten, und wir müssen verlangen, daß rabbinischc Funktionen nur von Rabbinern vollzogen werden." Auch andere praktische Fragen wurden eingehend besprochen, z. B. die Stellung des Rabbiners zu den Kindern aus Mischehen. lieber die geplante Kalcnderreform hielt Neuhaus-Mülheim ein kurzes Referat, in dem er auf die großen Schwierigkeiten hinwies, die sich aus dem neuen Entwurf für die jüdische Religion ergeben. Zum Boositzendeu des Verbandes wurde Kollege Gelles, Gladbach-Rheydt, gewählt. Mülheim/'Ruhr. (Goldene Hochzeit.) Am Samstag, den 26. Juli 1030, beging das Ehepaar David Carsch und Frau, geb. Cahn, das Fest der goldenen Hochzeit. In der Synagoge fand innerhalb des Gottesdienstes eine feierliche Ansprache durch Rabbiner Herrn. Dr. Neuhaus statt, in der er unter Zugrundelegung des Textes „diesen. Tag hat der Ewige geschaffen, wir wollen frohlocken und uns seinler freuen", auf die Bedeutung der goldenen Hochzeit hinwies und das Jubelpaar in erhebender Weise feierte. Im Hause brachte der Vorsitzende des Vorstandes der Gemeinde, Herr Meyer Kann, die Glückwünsche der ganzen Gemeinde zum Ausdruck, indem er besondersdarouf hinwies, daß Herr Carsch 37 Jahre als Repräsentant der Gemeinde und Vorstandsmitglied der Wohlfahrtskassc derselben vorbildlich wirkte. Eine große Gratulatiouscour schloß sich im Hause an: am anderen Tage überbrachte Herr Ehrenbürgermeistcr Major a. D. Roßkothen mit einer herzlichen. Ansprache die Glückwünsche der Stadt Mülhcim/Ruhr, wobei er dem Jubelpaar, insbesondere dem Jubilar, einem alten Veteran von 1870, eine Adresse überreichte. Die Regierung hatte Herrn Rabbiner Dr. Neuhaus beauftragt, die Glückwünsche derselben zu überbringen. Er entledigte sich dieser Aufgabe, indem er mit einer ebenfalls herzlich gehaltenen Ansprache ein Schreiben des Herrn Polizeipräsidenten Weyer, Oberhausen/Mülheim, übergab. Niederaula. (Todesfall.) Im 50. Lebensjahre verstarb der im sozialen Wohlsahrtsdienst der Gemeinde eifrig tätige Herr I. Goldmeier. An seiner Bahre gaben Lehrer Gans und namens der Familie Lehrer Levy aus Höchst der allgemeinen Trauer der Freunde des Verstorbenen Ausdruck. Ein stattliches Trauergefolge, das die sterbliche Hülle zum Grabe geleitete, legte Zeugnis ab von der Wertschätzung, die der Entschlafene in weiten Kreisen genoß. Rothenburg o. T. (Persönliches.) Frau Helene Löwenthal, die langjährige Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins, dem sie seit fast einem halben Jahrhundert angehört, beging unter Teilnahme zahlreicher Mitbürger ihren 70. Geburtstag. Um die Ausschmückung und Einrichtung der dem Gottesdienst geweihten Stätte- Hat sich die Jubilarin besondere Verdienste erworben, die auch an ihrem Ehrentage seitens der Gemcindeangehörigen dankbar anerkannt wurden. Das Ili-Programm Berlin. Aelterengruppe. Donnerstag, den 7. August, 20 Uhr, bei Martin Glaß, Danziger Straße 94. Führersitzung. Donnerstag, den 21. August, abends 8 Uhr, bei Ernst Arons, Berlin W., Magdeburger Straße 25. Westen. Montag, den 11. August, abends 8 Uhr, bei Renate Dasco, Charlottenburg, Knesebeckstraße 83. Thema: Deutsche Reichsoerfassung. Oliva und Reu-Charlottenburg. Dienstag, den 12. August, abends 8 Uhr, tei Hilde Bach, Kufsteiner Straße 13. Wer nicht kommen kann, muß bis spätestens Sonnabend, den 9. August, absage«. Steglitz. Dienstag, den 12. August, abends 7 Ahr, bei Hilde Deutschland, Steglitz, Heinrich Seidelstraße 6. Breslau. Jüngeren-Gruppe: Dienstag, de« 12. August, 18.30 Uhr, Jugendheim: Zum Verfaffungslag: „Diktatur — Demokratie", Referat von Franz Meidner. - Haupt gruppe: Mittwoch, den 13. August, 20.15 Uhr, Jugendheim: Heimabend: „Gedanken zum Berfassungstag." F<a«rfun a. M. Dienstag, den 12. Angust: Politische Tagersrageu: „Wahlrecht und Wahlpflicht". Liegnitz. Am Donnerstag, de« 14. August, findet abends 8.30 Uhr im Sitznngsfaal der Synagogengemeinde in der BaSerstraße eine Lorstandsfitzvng statt, deren Anfgab« es fein wird, die bevorstehende Vollversammlung vorzubrreiten.

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