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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-07-30 · 31 (30.7.1930) · page 10

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
31 (30.7.1930)
Date
1930-07-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sprechsaal r. Für dies« Nubrik übernimmt die Schristleitung lediglich die preßgesetzliche Vervntwortung. Vom Wochentagsgottesdienst An den Wochentagen sind unsere Gotteshäuser meist recht schwach besucht. Es finden sich fast nur Leidtragende, des Käddischgebetes wegen, ein. Nach religiöser Vorschrift müssten mindestens 10 erwachsene Personen zu einer Andacht vereint sein. Um die Befolgung dieser Vorschrift möglichst sicherzustellen, pflegen die Gemeinden einige bedürftige Glaubensgenossen zu „beschäftigen", die als Minjanleute den Andachten regelmäßig beiwohnen und für ihre „Leistung" ein bescheidenes Honorar erhalten. Die Zahl dieser Minjanleute ist verschieden. Kleinere Gemeinden, deren Mitglieder selber nicht zu den bemittelten Kreisen zählen, werden sich kaum die Einrichtung eines vollen bezahlten Minjan leisten können. An Berlin, so glauben wir. läge indessen kaum ein Grund vor, daß nicht alle Gemeindesynagogen mit je 10 bezahlten Minjanleuten versehen sein sollten. Schließlich stellt ja das Honorar der Minjanleute schon eine Art Zedokoh dar, die zu schmälern jüdischem Empfinden nicht entspräche. In Wirtlichkeit wird hierbei nichts erspart, denn was die Synagogenkasse versagt, muß die Woylfahrtskasse ja doch hergebcnf das ginge aus einer Tasche in die andere. Uebrigens macht cs in einer Großstadt feinen guten Eindruck, wenn zur Auffüllung des jeweiligen Minjan die Straße nach Teilnehmern abgesucht werden muß. Sofern sich aber arme Gemeinden tatsächlich kein volles Minjan leisten können, wäre es richtiger, die Andacht nötigenfalls ohne Minjan abzuhalten und in dieser Hinsicht wäre es erwünscht, daß sich zur Zerstreuung der Gewissensbedenken frommer Juden unsere Rabbiner — nicht nur die liberalen — in aller Oesfentlichkeit dahin äußerten, daß ein Gottesdienst einschließlich des Kaddischgebets auch dann als vollgültig anzusehen ist, wenn weniger als 10 Personen an ihm teilnehmen. Es liegt nahe, in diesem Zusammenhänge noch auf folgendes hin.uweijen: Viele nichtjüdische Andachtsstätten werden bekanntlich bei Tage ununterbrochen offen gehalten, um Menschen, die auf kurze Zeit seelische Ruhe und Trost im Gebet suchen, zu jeder Tageszeit Gelegenheit zur Einkehr zu geben. Dieses Beispiel sollten die jüdischen Gemeinden unbedenklich nachahmen. Man öffne die Wochentagssynagogen. Zwei Beamte wären allerdings nötig, um während der Zeit, in welcher die Synagoge offen gehalten wird, abwechselnd die Aussicht auszuüben. Für diese Aemter würden sich sicher würdige ältere Personen aus der Reihe der vom Wohlfahrtsamt Betreuten finden, so daß die Gemeindekasse per saldo keine oder keine erhebliche Mehrausgabe aus dieser Einrichtung haben würde. Jedenfalls würde diese Einrichtung das religiöse Lüben günstig beeinflussen.^ Käme zu einer bestimmten Tagesstunde auch der Rabbiner ins Gotteshaus, nm dort denjenigen Gemeindemitgliedern, die Rat in religiösen und persönlichen Angelegenheiten wünschen, beizustchen, so gewönne man eine weitere günstige Gelegenheit, die Gcmeindemitglieder an die Gemeinde und an ihren Rabbiner zu fesseln. Der persönliche Verkehr unserer Gemeinderabbiner mit der Gemeinde bedarf heute mehr als je einer besonderen Vertiefung, die sich keineswegs im Religionsunterricht und in der Ausübung von Kasualien erschöpfen darf. Will y Ro senthal. :: * Aus den Gemeinden Berlin. (Todesfall.) Tci Leiter der inneren Abteilung der erst im. vorigen Jahre errichteten Poliklinik der Jüdischen Gemeind? am Bnlowplatz, Professor Carl Lewin, ist im Alter von »4 Jahren gestorben. Als Professor von Leyden 1903 das Institut für Krebsforschung eröffnete, wurde Lewin Assistent. Es gelangen ihm eine Anzahl bemerkenswerter Arbeiten auf dem Gebiet der erperrmentellen Krebsforschung, so u. a. die Uebertragung der Krebsgeschwulst vom Menschen auf den Hund und die Wcitcrttbertragung durch mehrere Generationen hindurch. Von größeren Werken von ihm sind ■in nennen das übet bic bösartigen Q^icfjhjülftc vom ^ahre 1909 ■unb vom Jahre 1928. Die Beerdigung fand unter Beteiligung zahlreicher Vertreter des ärztlichen Berlins . statt. Rabbiner Dr. Arthur Levh fand ergreifende Worte des Abschieds. Für die Freunde und den deutschen Zionismus sprach Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, der Earl Lewin durch Jahrzehnte in Jugendsreundschast und gemeinsamer Arbeit verbunden war. Namens der Gemeinde dankte der Gemcindevorsitzende Georg Kareski für seine wertvolle Mitarbeit an den Ausgaben der Gemeinde, im Namen des Deutschen Zentralkomitees zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheit und zugleich im Namen des Krebsinstituts der Berliner Universität, dessen langjähriger Mitarbeiter Professor Lewin getvescu ist, sprach Geheimrat Professor Dr. Ferdinand Blumenthal, für die Großloge sprach Sanitätsrat Goldschmidt, für die neue Poliklinik der Berliner Jüdischen Gemeinde der Leiter der chirurgischen Abteilung Privatdozmt Dr. Pickardt. Nreslau. (Störung des G o t t e s d i e n st e s.) Sonnabend, den 19. Juli, kam es in der alten Synagoge zu unliebsamen Störungen des Gottesdienstes. Fünf junge Leute haben an der Ecke Wallstraße einen zum Gottesdienst gehenden Juden angehaltcn, mit Zurufen belästigt und bis zur Synagoge verfolgt. Drei von ihnen betraten dann die Syrragoge und störten ben Gottesdienst, so daß das Überfallkommando gerufen werden mußte. Jever. (9 5. Geburtstag.) Herr I. D. Josephs konnte seinen 95. Geburtstag feiern. Mehr als ein halbes Jahrhundert rft der Jubilar Vorsteher der Gemeinde gewesen, die ihrem bewährten Führer Liebe und Wertschätzung «ntgegenbringt. Daß er sich auch des Vertrauens der christlichen Mitbürger in hohem Maße erfreut, beweist die Tatsache, daß er viele Jahre Mitglied des Stadtrats gewesen ist. Köln. (B e e r d i g u n g D r. S i m ch o w i tz.) Am Mittwoch der vergangenen Woche trug man Sascha Simchowitz zu Grabe. Ein großes Trauergefolge war erschienen, um dem Freund, dem Bruder, Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämter« Deutschlands iiiuiiiiiniiiiiiiiiiiiitiiiitiiiiitiniiiiiiiiiiuiiiiiiiiiniiiiiiiiiiuiiiiiiuiiiiiiiiiiiiimiiimiiiiiiiiiiiiii dem Arbcitsgenost'eu das letzte Geleit zu geben. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. Kober. Weiter sprachen für die Großloge Rabbiner Dr. Rosenthal, für die Rheinlandloge R.-A. Dr. Rudolf Callmann, für die Stadt Köln Beigeordneter Tr. Meerfeld, für die Kölner Universität Prof. v. d. Lehen, für die Genossenschaft deutschem Bühnenangehöriger Präsident Watlauec aus Berlin und der Kölner Schauspieler Majewski. Die Verbindung im K. C. Rheno Gucstphali-a scharchiertc. Krefeld. (Ein Jubilar.) Einer der angesehensten Bürger unserer Stadt, der Rechtsantvalt Justizrat Dr. Gustav Simon, tonnte in diesem Monat ein Doypcljubiläum begehen. Am 3. Juli kehrch zum 50. Mal der Tag lvieder, an dem er als Referendar in den Juftizdienst getreten war, und am 19. Juli waren 50 Jahre vergangen, seitdem er seinen Doktor gebaut hatte. Aus diesem Anlast hat ihin die juristische Fakultät der Georg August.Hochschule zu Göttingen das Doktor-Diplom erneuert. Der Preußische Justizministor sprach ihm in einem persönlichen Handschreiben seine Glückroünsche aus, ebenso der Obcrlandgerichtspräsident zu Düsseldors, der Landgerichtspräsidcnt und der Oberstaatsanwalt zu Krefeld. In diesem Glückwunschschrcibcn ist der Gestierte als eine Zierde seines Standes bezeichnet worden. Geehrt tvurde er auch durch die An:vak:skammcc zu Düsseldorf, deren Vorstand er seit langen Jahren angehört und durch den Anwaltsverein zu Krefeld, dessen Vorsitzender er ist. Weitere Glücktvünsche kamen vom Verein deutscher Seidenwebereien und anderen Tcrtilverbanden, die Herr Justizrat Simon rechtlich betreut. Er hat aber auch neben all diesen Institutionen auch der jüdischen Gemeinde und der jüdischen Gesamtheit wertvolle Dienste geleistet. Zwei Jahrzehnte fast gehörte er dem Repräsentanten^ kollegium an und war auch viele Jahre dessen Vorsitzender. Weiter war er Vorstandsmitglied der Ortsgruppe des C.V. und des Literatur- Vereins. Pattensen. (Persönliche s.) Lehrer Jakob Apt, der mehr als 37 Jahre als Kantor und Lehrer der öffentlichen israelitischen Volksschule tätig war, tritt in den Ruhestano, und mit seinem Rücktritt vom Amt geht die letzte jüdische Volksschule im Regierungsbezirk .Hannover ein. In einer besonderen gottesdienstlichen Feier hat die Gemeinde, die ihren verdienten Beamten zum Tanke zum Ehrenmitglied ernannte, offiziell von ihm Abschied genommen. Der Vorsteher Harry Wertheim sprach dem Scheidenden herzlichen Dank für alles aus, was er in fast vier Jahrzehnten zur Hebung und Förderung der geistigen und religiösen Interessen geleistet hatte. Frau Meta Neufeld dankte namens des Israelitischen Frauenvereins Herrn Apt für das von ihm seit 37 Jahren vorbildlich geführte Amt des Schriftführers des Frauenvereins. Aus der Jli-Bewegung Verantwort.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Iugendvereine Deutschlands J Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmann, Frankfurt a. Main Eindrücke auf der Weltkonferenz Von Dr. Hugo Hoffman::, Frankfurt a. M. Tie nachstehenden Ausführungen mögen in aller Kürze all den Jli-Mitgliedern, die nicht das Glück hatten, der Konferenz beizuwohnen, einen kleinen Ausschnitt von. dem gebet,, was sie inieressierl. Sie machen keinen Anspruch aus Vollständigkeit, ebensowenig bei der Kürze der Zeit auf eine eingehende Darlegung der zur Sprache gekommenen Probleme. Charakteristisch war der Beginn der Konferenz, der am Freitagabend einen eindrucksvollen Gottesdienst der Reformgemeinde Berlin mit Schallst latten bot und am Sonnabendoormittag einen mehr traditionellen Gottesdienst in der West-London-Synagoge folgen ließ. .Hierdurch wurde in gleicher Weise, wie es bereits in Dresden geschah, sowohl der weiter links stehenden Refornn-Richtung als auch der mit der Tradition enger verbundenen liberalen Richtung Rechnung getragen. Der Empfang im .Hause des ersten Rabbiners der Londoner Liberalen Synagoge ,Tr. Matluck, am Sonnabend nachmittag gab Gelegenheit ,die Delegierten der verschiedenen Länder kennen zu lernen. Hierzu sei bemerkt, daß Tr. Mattuck zugleich der eigentliche Führer der Jugend dieser liberalen Synagoge ist, die sich vor Jahren in einer Gemeinschaft „The Alumni Society" zusammengeschlossen hat. Aus Amerika war u. a. ein junger Rabbiner, L a w r e n c e K a h n, Lexington (Kentucky) zugegen, der in seinem Aeußeren kaum den Eitrdruck eines Rabbiners machte und doch die Eigenschaften zu besitzen scheint, die man von einem Rabbiner erwartet. Das gleiche gilt für einen weiteren amerikanischen Rabbiner, Benjamin Parker, New Port. Tie Art und das Wesen dieser jungen amerikanischen Rabbiner wurde deshalb allgemein besonders angenehni empfunden, weil man in ihnen Menschen sah, die sich durch nichts von uns unterschieden. Sie leben und fühlen mit der Jugetrd. Sie arbeitet: geistig und sozial mit ihr und hätten sich den Vergnügungen und geselligen Veranstaltungen nicht fern. Wir Deutschen sind vielfach gewohnt, den Rabbiner als bei: religiösen Führer von vornherein von einer gewissen Distanz aus zu betrachten. Die Amerikaner scheinen den Natürlicheren Weg zu gehen. Tie jungen Rabbiner leben mit der ihr nahestehenden Jugend wie mit gleichgesinnten und gleichaltrigen Freunden. Sie wachsen erst allmählich aus diesem Freundeskreis als religiöse Führer heraus, indem sie sich gleichzeitig mit den religiösen Problemen mehr und mehr befassen. Mit besonderer Freude wies der Führer des Weltverbandes, Claude Montefiore, daraus hin, daß er die Krönung dieser Konferenz in der sich anschließenden Jugendtagung sehe. Selbstverständlich ist dies nicht dahin zu deuten, daß die Beratungen der Jugend inhaltlich höher dastehen würden, als etwa diejenigen der Erwachsenen. Tie Tatsache an sich, daß Vertreter der liberalen Jugend der verschiedenen Länder zusammenkamen, um von ihrem Standpunkt aus die Probleme des Liberalismus zu erörtern, war Claude Montefiore das besonders Wertvolles und wir, die Jugend, danken ihm, dem ältesten und zugleich ersten Führer des Weltverbandes, sowie der Organisatorin, Lily Montagu, und Tr. Mattuck, daß sie diese Jugendtagnng einberusen haben. Bei einer kurzen Vorbesprechung zeigte sich, wie unterschiedlich die Stellung der liberalen Juden in den verschiedenen Ländern ist. Ter Wunsch unserer deutschen Delegation, eine möglichst klare Umgrenzung des Begriffs „Liberalismus" zu finden, mußte aus diesem Grunde zurückgestellt werden. Tie Berichte über die jüdisch-liberale Jugendbewegung in den angeschlossenen Ländern zeigten, daß die Arbeit der Jugendorganisationen nicht allzu stark voneinander abweicht. Vielleicht läßt sich ein Unterschied darin erkennen, daß die amerikanische und englische Jugend stärker sozial wirkt, als die deutsche, die wiederum mehr mit religiösen Problemen ringt. Ties erklärt sich aus der allgemeinen Situation der Juden der verschiedenen Länder. In Amerika und England bilden die einer bestimmten Synagoge zugehörigen Juden eine Gemeinschaft für sich> deren Aufgaben etwa die gleichen sind, wie diejenigen unserer aus Liberalen, Orthodoxen und Zionisten .zusammengesetzten Einheitsgemeinden. Tie soziale Arbeit ist bei unseren Gemeinden derart konzentriert, daß die Einzelrichtungen dieser Gemeinden ihre Hauptaufgabe nicht mehr in der sozialen Arbeit zu suchen brauchen. Ebenso unterschiedlich ist die Stellungnahme zum Zionismus. Für uns Deutsche, znm mindesten für den überwiegenden Teil der Liberalen, sind Liberalismus und Zionismus zwei voneinander zu trennende Richtungen. Tie jüdisch-liberale Auffassung sieht im Judentum eine reine Glaubenssache, die sich weder lokal noch kulturell einschränken läßt, die vielmehr als Glaubenssache Ewigkeitscharakrer trägt. Ist ein Zionist nicht orthodox, so können wir ihn doch nicht zn der: Jüdisch-Liberalen zählen, so lange er nicht seine Auffassung vom nationalen Charakter des jüdischen Volkes oder von einem kulturellen Zentrum des Judentums in Palästina aufgibr. Tie Synagogen-Gemeinschaften in Amerika und England sind n i ch t aus dieser religiösen Basis ausgebaut; sie fassen diejenigen Inden zusammen, die sich dieser Gemeinschaft anschließen wollen. Hierzu gehören auch zionistisch eingestellte Juden, die solchen Gemeinden beitreten, da es Einheitsgemeinden im Sinne unserer deutschen Gemeindestruktur nicht gibt. Außer den vorerwähnten Berichten hielten drei Vertreter der Jugend, Rabbi Iss ermann. St. Louis, Fräulein Betty Marcus, Berlin, und Mr. Leslie Edgar, London, Referate über „T i e religiöse Weltanschauung der Jugend". Bemerkenswert an diesen Ausführungen war die Feststellung in dem Referat von Betty Marcus, daß die heutige Jugend oft anstelle der Religion einem andern Ideale zustrebt, das allerdings die Religion nicht zu ersetzen vermag. Tie Jugend kann, da sich ihr Denken und Empfinden in dauerndem Fluß befindet, keine fest abgeschlossene Weltanschauung besitzen. Sie muß sich zu einer solchen durchringen; aber gerade hierin liegt die Kraft der Jugend zu neuer Schöpfung und neuem Gestalten. Ten Kern der geschäftlichen Sitzung bildete der oben erwähnte Vorschlag zur Gründung eines Weltverbandes der Jugend des liberalen Judentums. Dieser Vorschlag wurde von einigen Delegierten aus der Konferenz vorher besprochen und bezweckte eine engere Organisation de: jüdisch-liberalen Jugend der ganzen Welt. Bisher bestand lediglich ein Untertamitee des Weltverbandes, dessen Ausgabe sich darin erschöpfte, mit der Jugend der verschiedenen Länder in Verbindung zu treten und die Gründung jüdisch-liberaler Gruppen zu fördern. Ter geplante Weltverband sollte anstelle dieses losen Gerüstes einen s e ü e n Bau setzen, ""m sich die bereits bestehenden Organisationen einstigen und weitere Organisationen der Länder, in denen sich bisher noch leine liberale Jugend zusammengeschlossen hatte, anschließen würden. Tie Tebatte über diesen Vorschlag zeigte, daß die Engländer und Amerikaner in der Jugend noch nicht die Selbstständigkeit erkennnen, die in Deutschland unumstritten iü. Man hielt mit einer Kr Deutschland nicht ganz verständlichen Vorsicht zurück und glaubte, daß die Jugend innerhalb des Weltverbandes genügend Mitarbeiten könne. Es bedurfte einer eingehenden Begründung, daß mit diesem Vorschlag keineswegs eine Arbeit geplant sei, die dem Weltverband der Erwachsenen auch nur irgendwie nachteilig sein könne, daß vielmehr der Weltverband der Jugend einzig und allein deshalb gegründet werden solle, um dem benetzenden Weltverband eine möglichst wertvolle Stütze zu sein. Eine Organisation, hinter oer Verbände der verschiedenerr Länder stehen, wird weit eher weitere Organisationen heranziehen, als ein Komitee von Einzelpersonen. Mit UnteiMtzung des Rabbiners Tr. Mattuck wurde eine Resolution angenommen, die die Gründung eines solcher: Weltverbandes der Jugend vorsieht und den Verwaltungsrat des bestehenden Weltverbandes bittet, diese Gründung bei seiner nächsten Sitzung zu unterstützen. Tie Beratungen der Erwachsenen brachten eine Fülle von Problernen, die zmn Teil auch die Jugend betrafen. Sie werden an anderer Stelle dieses Blattes erörtert werden^ Hervorzuheben nt lediglich, daß die Bedeutung der jüdischliberalen Jugend wiederholt betont und anerkannt wurde. Tiefen Eindruck machten wieder, wie bereits bei früheren Konferenzen, die überragende Güte und Bescheidenheit Claude Montefiores, die unermüdliche Arbeitskraft und Arbeitslust! von Miß Montagu, die klugch Taktik und Verhandlungsleitung Tr. Mattucks, das austprühende Temperament Rabbiner Tr. Schulmanns, New Norl, der feurige Elan des Rabbiners Germain Levy, Paris, der begeisternde Optimismus Rabbiner Tr. Seligmanns und am Schluß der Konferenz die tiestchürsende Gläubigkeit Rabbiner Dr. Baecks. Das Ili-Programm Berlin. Gemeinsame Veranstaltung für alle Gruppen. Bunter Abend Donnerstag, den 31. Juli, abends 8 Uhr, bei Helmut Ealliner, Sybelstraße 19 II. Breslau. Jüngeren-Gruppe: Dienstag, den 12. August, 16.30 Uhr, Jugendheim: Zum Verfafsuugstag: „Diktatur — Demokratie", Referat von Frau; Meiduer. — Hauptgroppr: Mittwoch, den 13. August, 20.15 Uhr, Jugendheim: Heimabend: „Gedanken;um Berfaffungstag. FeavkftM a. R. Dienstag, de« 5. August 1930: Aler Jakobsohn spricht über: „Henry Ford, sein Leben und sein Werk".

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