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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-07-02 · 27 (2.7.1930) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
27 (2.7.1930)
Date
1930-07-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Stimmungsgehatls fyattc rasch weite Verbreitung gesunden. Beim Feslgotlesbienste wirkte neben einen, Kiirderchore zum eysrenmalc ein zu diesem Zwecke gegründeter gemischter Chor mit, zu dem sich Frauen und Männer der Gemeinde, frei willig zur Versügung gestellt hatten, und der mil einem von Hermann Levi/dem späteren berühmten Wagnewirigen-- ten, komponierten Festliede den Weiheakt erössnete. Mit d-er Einführung der Orgel war eine Aenderung der Gebetordnung und eine Umgestaltung der Gebete verbunden. Eine ans Synagogenräten und Gemeindemitgliedern beste hende Kulturkommission war mit dieser Aufgabe betraut worden. Die Hauptarbeit leistete indessen Rabbiner Präger. Tie Akten der israelitischen Gemeinde Mannheim, insbesondere die über „die Einrichtung der Gottesdienstes", beweisen, mit welch staunenswertem Fteiße und peinlicher Gewissenhastigkeit sich Präger dieser Arbeit unterzog. 1855 legte er den ge druckten Entwurf des I. Bandes des Jsraelilischeu Gebetbuchs für die öffentliche und häusliche Andacht (Gorlesdienst für Werktag, Sabbate und Festtage) dem Oberrate zur Genehmi gung vor. Es wurde mit der Auflage genehmigt, das; einige weg gelassene Gebete (Opfer und Rückkehr nach Zion, Psalmen u. a.) teils im Text, teils als Anhang ausgenommen werden sollten. Im übrigen spricht „man" aber die bestimmte Erwartung aus, „das; künftig keine Aenderung ohne vorherige diesseitige Genehmigung eingeführt, und datier auch der in Aussicht gestellte zweite Teil des Gebetbuchs vor dem öffentlichen Erscheinen der diesseitigen Prüfung unterbreitet werde". Da die Drucklegung bereits beendet war, wurden alle Beau ftandungen als Anhang bcigegebcn. Rur das Verlangen, das; die Haftara wieder hebräisch verlesen werde, Lehme der Syna gogenrat ab, da ihr deutscher Vortrag bei der Gemeinde großen Anklang gefunden habe. Es ist hier nicht die Stelle und würde zu weil führen, auf alle die Schwierigkeiten einzugehen, die Rabbiner Präger noch in den folgenden Jahren feines Wirkens zu überwinden halte. Ganz besonders entlud sich der Zorn des Oberrats über chn, als er im Aufträge seiner Gemeinde den Entwurf eines Gebetbuchs für die hohen Feiertage vorlegte. Lein angebliches „rasches Drängen" zog ihm das Mißfallen feiner Oberbehörde zu, die ihm sogar Amtsenthebung androhte. Präger durfte damals die höchste Genugtuung erleben: seine Gemeinde stellte sich einmütig hinter ihn. Ihre große Er bitterung über die Maßregelung des verehrten religiösen Führers brachte der Synagogenral dem Oberraie gegenüber in entschiedener Form zum Ausdruck. Erst 1860, als am politischen .Himmel Badens wieder liberaler Wind wehte, wurde die Maßregelung förmlich zurückgenommen. Die mit den Kümpfen verbundenen Aufregungen hatten aber Prägers Gesundheit untergraben. Im besten Mannesalter verschied er im folgenden Jahre. Die Worte des Propheten Maleachi (2, 6), die des Verblichenen Grabstein zieren, kennzeichnen treffend dieses seltenen Mannes Wesen und Wirken. Mithin war die Einweihung der Mannheimer Synagoge zugleich die Einleitung einer jüdisch-liberalen Aera. Und wenn wir das Werk Prägers in diesen Jubiläumstagen Überschaum, so will uns das als höchste Leistung scheinen, daß es damals gelang, jene Glieder der Gemeinde, ohne Unterschied des Alters und Geschlechts, die auch der religiösen Form das Recht der Entwicklung und Anpassung zugestanden wissen wollten, zu sammeln. Wohl zu keiner Zeit herrschte in Mannheim mehr wirkliches religiöses Leben als in jenen Tagen, da auf beiden Seiten mit Inbrunst und Leidenschaft um die Gestaltung des Judentums gerungen wurde. Wenn die jüdisch-liberale Tradition bis heute lebendig blieb, so ist dies ganz besonders der Schwungkraft znzuschreiben, die Präger der Bewegung gab und die noch bis zur Stunde nachwirkt. Seine Nachfolger im Amte verwalteten das von ihm iibeuommctic Erbe nicht immer i:t seinem Sinne. Auch verstanden manche von ihnen!ro(, grosser Gelehrsamkeit nicht, die nötige Fühlung mit der Gemeinde, namentlich mit der Jugend, ausrecht zu halten. Tas Leben mit der Gemeinde, oorzüglich die fortgesetzte Verbindung mit der jungen Generation, verlieh Präger die notwendigste Voraussetzung der Führerschait: die Er,ühlung des Unterschiedes zwischen Ewigem und Alltäglichem. Es gereicht einer geistigen Bewegung nicht zum Ruhme, wenn sie dem von den Vätern Ererbten keine eigenen Werte hinzuzulügen vermag, und es scheint fraglich, ob eine Vereinigung, die sich lediglich als Hüterin der Neberlietvrung suhlt, noch als „Bewegung" angesprochen werden darf. Der Mannheimer jüdische Liberalismus, das must auf Grund einer 30jährigen Wahrnehmung festgestellt werden, lebt seit langer Zeit vorwiegend von der Erinnerung au eine große Vergangenheit. Zum Jubeltage der Synagoge fühlen wir uns verpflichtet, aus diese Tatsache hinzuweisen. Möge die Gedenkfeier der Geburtsstrmde des Mannheimer Liberalismus' diejenigen, die sich heute als Träger des liberal-jüdischen. Kedauiens anseheu, zu neuem Leben ermuntern! Möge ihnen wenigstens, um von vielen Notwendigkeiten nur die tvichtigste zu erwähnen, bewußt werden, daß jede Bewegung zum Tode verurteilt ist. wenn sie nicht das kommende Geschlecht zu überzeugten Mitarbeitern und Mitstreitern zu gewinnen vermag. Wer die Jugend hat, dem gehört die Zukunft! Aus der Ai-Bewegung Derantwortl.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Hugendvereine Deutschlands Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmann, Frankfurt a. Main Aus der M-Arbeit Berlin. Am 3. Juni b. Js. hatte die Jugcndgcineinschast der Jüdischen Reform-Gemeinde ihre Mitglieder zur ersten ordentlichen Generalversammlung eingeladen. Einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit der Jugcndgemeinschaft im letzten Jahr brachte die Vorsitzende Ilse Wolfs. Sie erwähnte in erster Linie die zahlreichen Vortrags- und Tiskussi'onsabende, deren Themen sich ausschließlich mit jüdischen Problemen befaßten. Bon den Diskussionsabenden, die im (Gegensatz zu den Vortragsabenden von Mitgliedern unserer Jugendgcmeinschaft geleitet und ausgeführt wurden, bedarf wohl besonderer Betonung der Distussionsabend über „Probleme in Schnitzlers Professor Bernhardt", zu dem Heinz Kellermann referierte. Außerdem bedürfen die Referate von Assessor Hans Lennhofs über: „Religion und modernes Strafrecht" und Fritz Lennhofs über: „Interkonfessionelle Jugendarbeit" gleichfalls Erwähnung. Aus der Reihe der Vortragsabende seien hier nur die Referate des Herrn Dr. Singalowski über: „Ghettodämincrung, Licht und Schalten im Wirtschaftsleben des osteuropäischen Judentums", des Herrn Bruno Wopda über: „Aufbau in Palästina?", „Judentum und Sozialismus", des Herrn Tr. Rosenthal über: „Vaterlandsliebe und Bölkerversöhnung im Lichte des Reform judentums" und des Herrn George Goetz über: „Judentum der Zukunft (Constantin Brunner)" genannt. — Ferner fanden Führungen durch die Rudolf Mosse Druckerei, das Haus der Technik (A.E.G.), sowie Besichtigungen verschiedener Zugscharenheime, des Kinder- und Säuglingsheimes nstv. statt. Und nicht zuletzt sei noch der „Gottesdienste der Jugend" gedacht, mit denen wir allen jüdischen Jugendverbänden vorangehen, denn es gibt wohl in ganz Deutschland keine Jugendgruppe, die regelmäßig (alle Monat) ihre eigenen Gottesdienste veranstaltet, bei denen die Jugendlichen selbst die Funktionen (Prediger, Porbeter usw.) übernehmen. Ader da wir eine Jugendgcmeinschaft sind — so führte Ilse Wolfs aus —, hatte man es auch an geselligen Beranstaltungen nicht fehlen lassen. Erwähnt seien hier nur unser Chanukkahbatl, unser Scderabend und jetzt im Sommer unsere mehrfachen netten Wanderungen. Nach diesem Bericht legte der Vorstand sein Amt nieder, woraus die Mitgliederversammlung ihm volle Entlastung erteilte. In der nun folgenden Aussprache entspann sich eine lebhafte Diskussion. Man war im allgemeinen mit der Tätigkeit des alten Vorstandes zufrieden, zumal dieser es verstanden hatte, in verhältnismäßig kurzer Zeit die Zahl unserer Mitglieder auf 110 zu erhöhen, was unter Berücksichtigung der vielen gerade in Berlin bestehenden jüdischen Jugendverbände einen nennenswerten Aufschwung bedeutet. Es wurden verschiedene Vorschläge über Arbeitsgemeinschaften, Vortragsabende und gesellige Zusammenkünfte gemacht. Letztere seien nötig, um das Gemeinschastsgesühl und die Zusammengehörigkeit zu fördern und zu erzielen. — Vielseitig bemängelt wurde das „Nicht-' erheben" eines Mitgliederbeitragcs, und es ist wohl mit Bestimmtheit onzunchmcn, daß dieser Mangel bei der nächsten Generalversammlung keiner Erwähnung mehr bedarf! Alsdann fand die Neuwahl des Vorstandes statt. Als 1. Vorsitzende wurde wiedcrgcwählt: Ilse Wolfs, 2. Vorsitzender: Curl Treumann, 1. Schriftführerin: Elsa Kriegsmann, 2. Schriftführerin: Eva Lipschitz, 1. Beisitzerin: .Hilde Lachmann Mosse. 2. Beisitzer: Heinz Kellermann, 3. Beisitzer: Heinz Lcvy. Der neue Vorstand nahm die Wahl an und sprach dem alten Vorstand seinen Dank für die mühevolle und erfolgreiche Tätigkeit aus und versprach, die begonnene Arbeit mit erneuter Kraft weiter auszubauen. Elsa Kriegsmann. Frankfurt a. M. (Jüdisch-liberale I u g c n d g c m e i nschaft.) Am 24. Juni sprach Herr Dr. Löffler in unserem Heim-- abend über: „Die sexuelle Frage". Er gliederte dieses Thema zunächst in zwei Teile: die gegen-- wärtigen praktischen Fragen für die moderne Jugend und die Einstellung der Religion auf diesem Gebiet. Zunächst legte er dar, wie sich die sexuellen Fragen überhaupt entwickeln konnten und wies auf die Uranfänge der Kultur, wie auch der Zivilisation hin. Er betonte die Tatsache, daß gerade bei den Unzivilisicrtcn, den Primilivcn, wie uns dies besonders in. der Südscc entgegentritt, eine außerordentliche Reinhftt des geschlechtlichen Lebens herrscht. Bei diesen Völkern gibt es kein Sexualproblem; hier besteht die ihren LebenSbedingungen entsprechende Frühehe mit einer unbedingten ehelichen Treue. Aber der Vuf.' „Zurück zur Natur!", der in absoluter Verkennung solcher Tatsachen gerade von denen immer ausgesprochen wird, die eine freiere Auffassung des Geschlechtslebens an streben, läßt auch einen Einblick in die ursprüngliche Natur, in das Tricbleben der Tiere, als angebracht erscheinen. Dr. Löfsler unterscheidet hierbei sehr sein zwischen wild lebenden und „domestizierten" Tieren. Von ihnen haben hauptsächlich die frei und rvild lebenden Tiere, wie Tauben und Rehe, aber auch ausgesprochenes Wild, »vie Tiger, Löwen ustv., die Aufmerksamkeit insofern erregt, als sie in strengster Monogamie leben. Tic domeitizierten Tiere dagegen, d. h. die Tiere, die sich der Mensch dienstbar gemacht hat, und die unter seinem direkten Einfluß stehen, wie Hunde, Katzen, Geflügel usw., leben in einem ausgesprochenen sexuellen Ehaos, eine Tatsache, die zn denken Anlaß geben sollte. Nun können wir Menschen der abendländischen Kultur, bezw. Zivilisation, mit solcher Erkenntnis wenig anfangen. Wenn man auch daraus folgern kann, das; gerade erst die Zivilisation die Unreinheit im sexuellen Leben und damit ein sexuelles Problem überhaupt verursachte, so können wir uns doch von dieser Zivilisation nicht frei machen; wir stehen einmal in dieser nicht mehr natnrhasten Well und müssen uns darin znrcchtzusinden suchen. Seruclle Nöte hat es zu allen Zeilen gegeben; die geivaltige Kraft des Triebes ist stets erkannt ivorden, und man hat die ver.> schiedcnsten Methoden gesucht und benutzt, diesen Trieb einer gesellschaftlichen Ordnung anzupassen und zu moralisieren. Dic Daueraskese, die lebenslängliche Enthaltsamkeit, die von Einzelnen gepredigt worden ist, und auch von überragenden Geistern, ivie Michelangelo, Leonardo da Vinci, Beethoven, um eines großen Werkes, einer starken Idee willen, von den Mönchen kraft ihres religiösen Fanatismus durchgesührt worden ist, kaum immer nur für einzelne überragende Menschen, nie aber für die Gesamtheit ein irgendwie gangbarer Weg sein. Das wichtigste Mittel der Versittlichung tvar seil altershcr die religiös und gesetzlich auf Lebenszeit geschlossene Ehe. Sic war für den Staat, wie auch für dcir hierdurch in ganz bestimmte Bahnen gelenkten Geschlechtsirieb die naheliegendste Lösung. Während nun aber lin Lause der Jahrhunderte der Mann als Vertreter der herrschenden Klasse für sich alle Rechte außerhalb der Ehe in Anspruch nahm, wurde daS junge Mädchen in strengster Obhut intd Bewachung gehalten, so das; ihr von vornherein jede Möglichkeit genommen >oar, oder sie, falls sie sich frei machte, in Acht und Bann! geriet. Diese Einstellung bezeichnet man mit Recht als „Doppelte Moral". Sie hatte ihren Ursprung einerseits in der vorherrschenden männlichen Klasse, andererseits aber auch darin, daß das Mädchen mit andern Folgen zu rechnen hat als der junge Mann. Nun ist diese Folgeerscheinung an sich durchaus kein Grund, zumindestens kein sittlich bindender Grund, dem weiblichen Geschlecht ein strengeres Richtmaß anzulcgen. So mußte die doppelte Moral praktisch ihr Ende in dem Moment erreichen, als die Vormachtstellung des Mannes gebrochen war. Hiermit kommen »vir zu den Problemen der Gegenwart. Dic belvnßt angestrcbtc Gleichberechtigung der Frau auf jedem Gebiet, die absolute »virtschaftliche Umwälzung, die das junge Mädchen aus der Obhut des Elternhauses in das Erwerbsleben und damit m dauernde Berührung mit dem anderen Geschlecht brachte, die ungleich stärkeren Anreizungen durch Kino, Familicnbad usw. mußten eine ganz neue Einstellung und Beleuchtung der sittlichen Grundideen mit sich bringen. Mit dem starken Anwachsen der Jugendbewegung, die eine selbständigere Entlvicklung der Jugend aus Eigenem heraus unter möglichster Ausschaltung bestimmten elterlichen Einflusses anstrebte, führte zu einer neuen Beurteilung des gesamten sittlichen Fragenkomplexes. Als die schwierigen Wirtschaftsverhältnisse eine Frühche für den weitaus größten Teil der Jugend unmöglich machten, sträubte man sich gänzlich gegen den Zlvang einer lebenslänglichen Ehe überhaupt. Schlagworte, »vie individuelles Ausleben, das Recht auf den eigenen Körper, eigenes Verantwortungsgefühl usiv. sairden eine begeisterte Anhängerschaft. Man hat viel experimentiert. Frei« Körperkultur als Mittel gegen die Ueberreizung gerade durch das Verhüllen, Kameradschaftsehe auf Zeit und vieles Andere wurde gepredigt. Neue Wege galt es und gilt es noch immer zu sinden, die bei möglichster Dehnbarkeit ihrer Abgrenzungen dennoch einen sittlichen Rahmen ergeben und vor dem Chaos belvahren. Denn es ist ein Unding, dic absolute freie Liebe, den gänzlich willkürlichen Geschlechtsverkehr gutzuhcißcu. Wir leben innerhalb einer Gemeinschaft und durch die Gemeinschaft; somit hat kein Mensch das Recht, das Glück nur für sich zu beanspruchen; die Rücksicht aus die Gemeinschaft, fordert dringend Bindungen irgeirdwelcher Art, die in der Lage sind, diese sittlich zu erhalten. Natürlich wäre es ein Unding, den heutigen Jungens »vie Mädels Enlhaltsamkcit hiS zur Ehe vorzuschreiben, da meist infolge der »virtschastlichen Verhältnisse die Ehe erst rech! spät geschlossen »vcrdcn kann. Ja durch die etiva 12noigc Ueberzahl des weiblichen Geschlechtes uuiic eine große Anzahl von Frauen zur Dauer Askese verurteilt. Aber auch die Ehe aus Zeit, etiva wie in Rußland, iväre nur dann möglich, wenn der Staat für die Versorgung der Kinder aufzukommen in der Lage wäre, dic sonst der Frau allein zur Last fallen würden. Sicherlich »vird der sexuelle Trieb an und für sich oft übertriebe», und häufig ist es nur Neugierde, ja sogar Trotz gegen den bisherigen Zlvang, die Lust an der Sensation, am Verbotenen, was die jungen Menschen vorzeitig zur sexuellen Betätigung führt. Ohne diese zu verbitten, lvas nur reizt und praktisch doch wertlos ist, soll man die Jugend daraus ausinerksarn mack»en, welcl>e Gefahren für die Gesundheit gerade in jungen Jahren freies Leben mit sich bringt. Erst im »virklich ansgereiften Alter mag man sich entscheiden, welchen Weg man zu gehen gedenkt. Noch ist keine neue Norm gefunden,: so bleibt es dem, der dic alte Institution unbedingt ablehnt, überlassen, bei vollster Verantwortung sich zr» entschließen. Nie darf nauirlich eine planlose, rein törperliche Betätigung Platz greisen; das ist zum mindesten die Voraussetzung zur freien Selbstbestimmniig, daß eine geistige Verbundenheit, eine ivirklichc Freundschaft den Ausgangs Punkt abgcben, der dann durch die Sexualität gekrönt werden »nöge. Ties alles ist selbstverständlich leine Lösung des Problems, von dem tvir heute noch »veit entfernt sind. Alte Jugcndvcrcine aber sollten.es sich zu einer der wichtigsten Ausgaben »rachen, eine wirk, lichc Beantlvortung dieser aktuellsten aller Fragen zu finden. Noch ist keine neue Form gesunden, die in der Lage »väre, die Jahrtausende alte Institution der Ehe zu ersetzen, aber so schloß Dr. Löffler seine interessanten Ausführungen — es muß und »vird eine Norm gefunden »verdcn, dic aus den alten Bindungen heraus eine neue Einstellung schasst, die in ihrer Sittlichkeit Rücksicht aus die Gemeinschaft der Menschen uimint und vor dem Ehaos beivahrend, eine neue Moral der neuen Zeit entstehen laß!! „Bis dahin aber müßt Ihr, die Ihr noch gebunden seid in den alten Verhältnissen, Euch soweit »vie irgend möglich znriickhalten aus Rücksicht auf dic Gemeinschaft und ans Euer Judentum, dem ohnedies von Seiten seiner Gegner stets Schrankenlosigkeit als orientalisches Merkmal vorgeworscn wird." An die Ausführungen Dr. Löfflers schloß sich eine ebenso intensive »vie »veilgreisende Diskussion an, die noch viele interessante und »vichtige Fragen auslvars. Diese Diskussion innerhalb des Mitgliederkreise? »vird am kommenden Dienstag sortgesctzl »verdcn. A r t h u r A st h c i m e r , Jli Frankfurt a. M. Ratibok. „Tie Dresdener Tagung" lautete das Programm unsercr letzten Zusammenkunft. Fräulein Fränkel gab einen Bericht über das Jli-Treffen, Franz Pick einen über die Delegiertentagung. Daran schloß sich eine längere Diskussion, in der besonders die religiöse Weihes stunde der Rcformjugcnd viel besprochen »vurde. Einer Anregung unseres Vorsitzenden Dr. Weber solgeird, beschlossen »vir fast einstimmig die Veranstaltung einer ähnlichen Weihestunde in Ratibor an einem der Tukkaus-Mittclseiertage. Den Abend beendigte die Wahl unserer Mitglieder für die in 'Dresden beschlossenen Kommissionen. Das Ili-Programm ★ Berlin. Gemeinsame Veranstallangen. Somitog, den 6. Juli, 8 llhr, Potsdamer Ringdahnhof. Aeltercngruppe. Donnerstag, den 10. Juli, abends 8 Ahr, in Hermsdvrs, Akdrrchtstrahe 10. «Abfahrt: Stettiner Lorortbahnhof 10.42 llhr.f Thema: Franz Rosen zweig, Bauleute. Führersitzung. Donnerstag, den 24. Juli, abends 8 Uhr, bei Hilde DeotftPavd, Steglitz, Heinrich Seideistraße 6. Jli-Singkreis. Donnerstag, den 3. Juli, 19.45 llhr, bei Ernst Arons, Magdeburger Strahe 25. Pankow-Osten. Dienstag, den 8. Juli, im Heim, Monbijouplatz 10. Steglitz. Dienstag, den 8. Juli, 18 Uhr, bei Julius Stern, Lankwitz,. Cornelinsstrahe 22. Thema: Schulfragen. Frankfurt a. M. 8. Juli 1930. Arthur Astheimer spricht über: „Primitioreli^ gionen" in einem Cyklus „Religionen". Mitteilung Für die Reise: Boenicke-Cigarren. Erst eine gute Cigarre verschafft dem Raucher vollen Urlaubsgenuß. Da aber der Cigarreneinkaus bekanntlich Bertraucnssache ist, deckt sich der verwöhnte Raucher am zweckmäßigsten vorher mit einem bewährten Fabrikat ein. Als solches genießen Boenicke°-Cig arren infolge höchster Preiswürdigkert und Güte größtes Vertrauen; die in verschiedenen Preislagen herauKgebrachtcn Spezialmarlen wie das berühmte Hausmarke-Coronas-Sortiment, die Jubiläums Marke, die Jubeljahr- und Siegesgöttcr-Sortimente ustv., werden allgemein als Höchstleistungen anerkannt. Die Firma Otto Börnicke, Berlin W. 8, Französische Straße 21, und Zweiggeschäfte sendet jedem Interessenten die kürzlich erschienene Preisliste kostenlos zu. Sie bietet in jeder Preislage das denkbar Beste, und gerade unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen ist jedermann mehr denn je bestrebt, seinen Eigenbedarf so preislvcrt als möglich cinzukausen. Für die Reise finden unsere Leserinnen eine besonders »vohlfcile Auswahl von praktischen Kleidern »rno Kostümen bei R. M M aaßen in der Leipziger Straße. Der Weg zu Maaßen ist lohnend, denn die große Auswahl und die Uebersicht ist einzig in ihrer Art. Wer an die See reist, versäume nicht bei Albert Rosenhain in der Leipziger Straße oder am Kurfürstendamm seine Einkäufe zu tätigen. Täglich treffen praktische Neuheiten ein, die zu besichtigen empfehlenswert sind. vcim Ausbleiben oder bei verspäteter Zustellung der Zeitung bitten wir, sid» sofort an den Zusteller oder veschwerdeflHrend an die zuständige Zustellpostanstalt zu wenden und erst, wenn dies Keinen erfolg hat, uns davon Mitteilung zu machen. Oerlag der lüdisdb-liberalen Zeitung

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