Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 24 (11.6.1930)
- Date
- 1930-06-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau PaMina-Sitzung der MMdats-Kommission des BSlkerhttttdes. Am Dienstag, den 3. Juni, trat die.Permanente Mandatskommission des Völkerbundes unter dem Vorsitz des italienischen Vertreters Marquis Teodoli zu ihrer außerordentlichen, den Palästina-Tragen gewidmeten Tagung zusammen, die etwa eine Woche in Anspruch nehmen wird. Am 10. Juni beginnt die ordentliche Tagung der Mandatskommission, in der 'die allgemeinen Mandatsfvagen zur Behandlung kommen werden. Das an Stelle des zurückgetretenen Geheimrats Kastl neu ernannte deutsche Mitglied der Kommission, Ministerialdirektor Dr. Ruppel, nimmt zum erften Mal an der Tagung teil. Begnadigung v»n 23 zum Tode Verurteilten in Palästina. Ein offizielles Kommunique der Palästina-Regierung teilt mit, daß der High Commissioner Sir John Chancellor in Ausübung seiner Befugnis gemäß Artikel 16 der Paläftina- Kabinettsorder beschlossen hat, 23 im Zusammenhang mit den Unruhen im August 1929 zum Tode verurteilte Personen zu begnadigen und die Todesstrafe in lebenslängliches Gefängnis umzuwandeln. Nicht begnadigt wurden zwei Araber aus .Hebron und ein Araber aus Safed, anscheinend darum, well sie als schuldig befunden wurden, mehr als einen Mord begangen zu haben. — Nicht in die Begnadigung emgeschlossen ist auch der vom Jassaer Gericht zum Tode verurteilte sephardische Jude Joseph Urphali, weit der Privy Council in London, an den Urphali gegen seine Verurteilung appelliert hat, über seinen Fall noch keine Entscheidung getroffen hat. Die von den zum Tode verurteilten Arabern beim Privy Council eingebrachten Appelle waren bereits zurückgewiesen worben. 40 Jahre Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Am Tienstag, den 3. Juni, abends, hielt der Verein zur Abwehr des Antisemitismus seine Jnblläumstagung anläßlich seines 40 jährigen Bestehens in München ab. Zustimmungskundgebungen liefen aus allen Teilen des Reiches ein, so u. a. vom Bamberger Erzbischof Dr. Jacob von Hauck, vom Vorsitzenden der Reichstagsfraktion der Bayerischen Bolkspartei, Prälat Dr. Leicht, von zahlreichen Universitätsprofessoren. Stadthäuptern, Pfarrern u. a. m. Die Versammlung faßte die folgende Entschließung: „Im Antisemitismus sehen wir eine Verletzung der sittlichen Idee oes Christentums, der Gerechtigkeit, der Wahrheit, und eine Gefahr für den Bürgerfrioden im .Inland und für dgs deutsche Ansehen im Ausland." Die Begrüßung des Erzbischofs von Hauck lautet: „Jederzeit habe ich gegen ungerechtes und liebloses Vorgehen gegen oie jüdische Religion wie gegen die jüdischen Mitbürger Stellung genommen und mir die Anerkennung der jüdischen Gemeinde dahier wie der bayerischen Judenschaft verdient." Geheimer Hofrat Dr. jur. et. Phil. Lujo Brentano, Professor an der Universität München, sandte eine Begrüßung, in der es heißt: „Das Fremdtum innerhalb des deutschen Volkes muß aufhören, wenn das Volk wieder aufkommen soll. Das kann aber weder durch Versuche, die Rassenreinheit yerzuftellen, erreicht werden, noch etwa, indem man einen Teil der intelligentesten Bevölkerung Deutschlands zu dessen Feinden macht, indem man etwa, dem früher russischen, jetzt ungarischer und polnischen Beispiele folgend, einen Numerus clausus für jüdische Studenten an den Universitäten oder für jüdische Professoren, auf deren Lehrstühlen einführt. Was uns not tut, ist Einheit des Fuhlens und Denkens. Sie kann nicht erreicht werden, indem wir dem Beispiel in der Kultur rückständiger Völker, sondern dem derjenigen folgen, deren Stärke es ist, daß sie durch gerechte Behandlung der in ihrer Mitte wohnenden Juden ihre gesamte Bevölkerung in eine einheitlich fühlende Nation verschmolzen haben. In England ist Disraeli nicht der einzige jüdische Minister geblieben; dort hat man einen Juden sogar zum Vizekönig von Indien gemacht. In Frankreich finden wir seit der großen Revolution Juden vielfach tonangebend in Gesellschaft und Politik. In den Vereinigten Staaten ist ihr Einfluß außer ordentlich groß. In Deutschland dagegen hat die in den letzten Dezennien aufgekommene Antisemiten-Bewegnng wesentlich dazu beigetragen, jene deutschfeindliche Sttmmnng hervorzurufen, unter der wir zur Zeit, da der Krieg auOrach, so sehr gelitten haben und welche noch heute die westlichen Völker mit Mißtrauen ans das deutsche Volk blicken läßt.... Es ist nicht daran zu denken, daß die westlichen Völker zum Wiederaufbau des Deutschtums die Hand reichen, solange man in diesem die Inkarnation von Gewalttätigkeit gegen andere Völker erblickt.... Das restlose Aufgehen der Juden in der deutschen Bevölkerung ist die einzig mögliche Lösung der Judenfrage." Geheimrar Dr. Karl Voßler, Professor an der Universität München, schreibt: „Das Gefühl, das etwas Niedriges und Rohes im Antisemitismus steckt, ist mir zum ersten Mal in den Knabeujahreu aufgegangen, als ich sah, wie ein grundgutmütiger Jude, der einzige in unserer Klasse, zuerst von einigen Wenigen und schließlich von den meisten verlacht, gefoppt und gequält wurde. Später lernte ich die feineren Gründe und Ideologien kennen, mit denen der Antisemittsmns sich ein kulturpolitisches Anseherr gibt.... Für mich als Nichtjuden hat die Judenfrage nur diese eine Beunruhigung: wie werden wir die Schande des Antisemitismus los? Für Aebrrge sollte man, scheint mir, die Juden selbst sorgen >Lhnen obliegt es, zu dem kulturellen Leben inr deutschen Volke, zu seiner Geschichte, zu seinen Erinnerungen und Hoffnungen das richtige Verhältnis zu finden . .. . .?‘c thüringische Judenheit appelliert an Reichsinnen- MlNlster Wirth. Die thüringische Israelitische Religionsgemernschaft rrchtete durch die israelitische Religionsgemeinde rn Gera an den Reichsminister des Innern, Dr. Wirth, das folgende Schreiben: „Die Empörung einer beleidigten Glaubensgemeinschaft ruft Ihre Ueberparteilichkeit als Reichsminister, Ihren Gerechtigkeitssinn rn konfessionellen Fragen, Ihre Menschlichkeit als Menschen an. Minister Dr. Frick hat in amtlichen Aeußerungen den oeutschen Juden die Fähigkeit der Einordnung in das Wohl der Gesamtheit und somit alle staatsbürgerlichen Tugenden abgesprochen, die sie nicht nur als zufällige Glieder des deutscheu Volkes, sondern auch aus innerster Schicksalsverbundenheit zu erfüllen und zu erhöhen gewillt sind. Wir wissen, daß wir einen Mann, selbst im Range eines Ministers, der in wahnähnlichen Ideologien besangen ist, für ebensolche Handlungen kaum zur Verantwortung ziehen können. Ebensowenig brauchen wir die Gesamtheit der Juden, die sich in schweren Krisen der Tragik des deutschen Volkes würdig erwies, gegen die Anwürfe dieses Ministers zu verteidigen. Wenn Regierung .und Parlament eines Landes * Gottesdienste * VerNa-Rordea. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Allee 162). Freitag, 13. Juni, abends 7.15 Ahr, Gottesdienst. Predigt Dr. Graupe. Sonnabend vormittag 10 Uhr Gottesdienst. Lerlin-vste». Liberale Synagoge Oste« (Kaiferstrahr 30). Freitag, 13. Juni, abends 7.30 Uhr, Gottesdienst. Predigt Dr. Salomonfli. Berlin »Westenr. Liberale Synagoge Aestend (Aula Leistikowstr. 7, nahe Reichs« kanzlerplatz), Freitag, 13. Juni, abends 7 Uhr, Gottesdienst. Predigt Dr. Andorn. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (Ceciiienfchule, Nilolsburger Platz). Freitag, 13. Juni, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt Dr. Swarsenfky. Jüdische Reform-Gemeinde. Gottesdienste am Sonntag, den 15. Juni. Johannisstray« 16; vormittags 10 Uhr; Predigt: Dr. Lehmann. Kleiststraße 10, vormittags 10 Uhr; Predigt: Dr. Rvfenthal. in völliger Zersplitterung versagen, bleibt uns die letzte Hoffnung der Intervention in verfassungswidrige, noch nie erlebte Vorgänge das deutsche Reich! Die Wahrung unserer Menschenwürde im Kampf gegen Haß, Niedrigkeit und Verleumdung ist uns allein überlassen, den Schutz unserer verbrieften Bürgerrechte erwarten und fordern wir von Ihnen, Herr Minister." Verkündung des bayerischen Antischächtgesetzes. In der letzten Nummer des Gesetz- und Verordnungsblattes (Nr. 15) ist das vom Landtag beschlossene Gesetz über das Schlachten von Tieren mit Wirkung vom 1. Oktober 1930 verkündet. Gleichzeitig gibt das Innenministerium die Ausführungsbestimmungen bekannt, in denen es heißt: Unter Schlachten ist jede Tötung eines Tieres zu verstehen, bei der eine Blutentziehung stattfindet. Mit der Blutentziehung darf erst nach vorausgegangener vollständiger Betäubung begonnen werden. Infolgedessen darf auch der Halsschnitt für das rituelle Schlachten erst dann vorgenommeu werden, wenn das Schlachttier vor dem Tchächtschnitt vollständig betäubt ist. Die Tiere dürfen erst dann in deu Schlachtraum gebracht werden, wenn alle Vorbereitungen zur sofortigen Abschlachtung getroffen sind: auch dürfen die Tiere erst unmittelbar vor der Betäubung gefesselt werden. In Schlachtbetrieben, in denen jährlich mindestens 100 Großtiere oder 200 Kleintiere geschlachtet werden, darf nur mit besonderen (mechanischen) Apparaten betäubt werden. Bei den übrigen Schlachtungen ist der Kopsschlag bis auf weiteres noch gestattet. Frau Josef Scharf gestorben. In Budapest verstarb hochbetagt Frau Josef Scharf, die vor ungefähr 50 Jahren iw Ritualmord-Prozeß von Tis za Eszlar auf Grund der falschen Aussagen ihres damals 12 jährigen Stiefsohnes Moritz Scharf zusammen mit ihrem Gatten wegen Ritualmordes unter Anklage gestellt und zunächst verurteilt wurde. Der Staatsanwalt hatte gegen sie die Todesstrafe beantragt. Moritz Schars ist bekanntlich im vorigen Jahre als zu seinem Glauben zurückgekehrter Jude in Amsterdam gestorben. Sitzung der Berliner Repräsenkanlenversammlung Ter Vorsitzende eröffnet die Sitzung oer Repräsentan tenversammlung der Jüdischen Gemeinde vom.5. Juni mit einem von allen Anwesenden stehend angehörten warmen Nachruf auf das jüngst verstorbene Mitglied Hngo Ostberg. Für Ostberg tritt Frau Bianca Hamburger als Vollmitglied ein, während Frau Heinrichsdorf Repräsentantenstellvertreterin wird. — Der Gemeindevorstand teilt mit, daß er deu Beschluß der Versammlung auf Herabsetzung des Wahlalters vom 21. aufs 20. Lebensjahr bis zu einer Gesamtrevision des Statuts zurückgestellt habe. Für die kommenden Wahlen wird also noch der alte Modus gelten. Eine längere Debatte knüpft sich an ein Schreiben des Mitgliedes der Friedhofskommission, Tr. Geisenberg, das die Erwerbung des Geländes zur Erweiterung des Friedhofs in Weißensee durch die Gemeinde betrifft. Das bisherige Gelände ist fast völlig belegt. In Kreisen, die an dem zukünftigen Gelände in Wejßeusee als Siedler und Gärtner interessiert sind, ist eine gewisse Mißstimmung entstanden. Der Generalsekretär der Vereinigung für das liberale Judentum, Herr George Goetz, hat in der Berliner „Nord-Ost-Zeitung" an dem Erweiterungsprojekt der Gemeinde, anknüpfend an einen früheren Beschluß der C.-B.-Ortsgruppe, Kritik geübt, wogegen nun Tr. Geisenberg Protest erhebt. Der Gemeindevorsitzende betont die sicher ungewollte antijüdische Wirkung des Artikels und teilt mit, daß die Friedhofserweiterung längst in Angriff genommen sei. Auch die Liberalen R.-A. Stern und Rosenthal rücken von dem Inhalt des Artikels ab, wenn dieser auch im guten Glauben geschrieben sei. Rosenthal betont, daß sich die Gemeinde fortdauernd um die Erhaltung der dortigen Siedierexistenzen bemühe. Ter Gemeindevorstand teilt mit, daß die Verhandlungen wegen der Errichtung des Lehrstuhls der Berliner Gemeinde an der Universität Jerusalem noch zu keinem Ergebnis geführt hätten. Ter Vorstand schlägt vor, von den hierdurch frei werdenden 15 000 RM. aus dem Etatjahr 1929 5000 RM. der Habimah in Palästina in Anerkennung ihrer kultureller: Leistungen zuzuweisen. — R.-A. Dr. Klee' unterstützt die rm Ausschuß abgelehnte Vorlage: Ter Betrag sei einmal für palästinensiche Kulturzwecke festgelegt gewesen und die „Habimah" habe sich den Anspruch auf Unterstützung kraft ihrer Leistung und ihres Prestiges erworben. — Prof. Loewe unterstreicht die sprachschöpferische Bedeutung der heute schon in Palästina fest verwurzelten „Habimah". R.-A. Stern rühmt zwar ebenfalls den Idealismus und die Arbeitsergebnisse der „Habimah"-Schar. Ter Universitätsbetrag fei aber für einen bestimmten Zweck festgelegt und mangels Erreichung des Zweckes als nicht ausgegeben eingespact. Einer anderweitigen Verwendung würden die Liberalen bei Aufzeigung eines anderen der Universität ebenbürtigen wissenschaftlichen Zweckes zustimmen, nicht aber einer Abziehung des Betrages von seinem ursprünglichen rein wissenschaftlichen Verwendungszweck. Zur Vorbereitung einhelliger Beschlußfassung wird die Entscheidung vertagt. Eine längere Debatte knüpft sich an den Vorschlag des Gemeindevorstandes, eine gemischte Deputation zur Vorberatung eines endgültigen Projektes für die Errichtung einer konservativen Synagoge im Nordwesten Berlins zu bilden. Ter Vorstand wünscht, in der Agrikolastraße zu bauen zwecks Kostenersparung und Verbindung dieses Projektes mit dem Ledigenheim. Aeußevstenfalls ist an die Verlegung der Orgel von der Synagoge Levetzowstraße in die am Kottbuser Ufer gedacht. Kareski begründet den Wunsch des Vorstandes damit, daß 400009 RM.. also die Hälfte der Baukosten des früher in der Klopft ockstraße geplanten Baues gespart werden. Tr. Loeb greift beit Gemeindevorstand wegen des Stellungswechsels an. R.-A. Stern lehnt namens der Liberalen den „Orgeltausch" entschieden ab. Schließlich wird die gemischte Deputation gebildet mit dem Aufträge, schleunigst eine Vorlage einzureichen. (Jtä) (Wir geben vorerst den Bericht der jüdischen Telegraphen- Agentur wieder und behalten uns vor, zu Einzelheiten noch selbst Stellung zu nehmen. Tie Red.) Aus den Gemeinden :: * Berlin. (5 0. Geburtsta g.) Am Freitag, den 13. d. Mts., vollendet der Leiter des Jüdischen Waisenhauses in Pankow, Waisenhausdirektor Blumenfeld, sein 50. Lebensjahr. Er hat sich — als Nachfolger des Direktor Grunwald, dem 37 Jahre die Leitung des Hauses oblag — um die Fortentwicklung des Waisenhauses, das als Wohlfahrtsnistitut der Jüdischen Gemeinde Berlin einen Rang cinnimmt, insbesondere in pädagogischen Erziehungsfragen und in der materiellen. Stellung der hierbei Beschäftigten, besonderes Verdienst erworben. Berlin. (Ablehnung eines Lchächtverbotsanträges./ In der gestrigen Sitzung des Haushaltsausschusses der Stadt Bertiir kam ein Antrag der Nationalsozialisten zur Abstimmung, der eine Einführung des Lchächtverbots für Berlin forderte. Für den Antrag stimmten nicht nur die Nationalsozialisten und die Deutschnationalen, sondenr auch die Deutsche Bolkspartei und die Wirtschaftspariei. Der Airtrag wurde jedoch mit den Stimmen des Zentrums, der Demokraten, Sozialdemokraten und Kommunisten ab^ gelehnt. Frankfurt a. M. (Todesfall.) In Frankfurt verstarb im 70. Lebensjahre der frühere Bankier Herr Ludwig Schiff, jahrelanges Vorstandsmitglied der Frankfurter Jüdischen Gemeinde, der sich um die Finanzen große Verdienste erworben fyat. Er war ein Bruder des verstorbenen großen amerikanisch-jüdischen Phitantropen Jacob Schiff, und auch er betätigte sich führend an kulturellen und sozialen Werken. Er errichtete an der Universität Frankfurt a. M. die Manfred Schiff-Stiftung für medizinische Forschung zur Erinnerung an seineil verstorbenen Sohn. Ludwig Schiff >var auch Ehrenbürger der Universität Frankfurt a. M-, gehörte dein Vorstand des Hilssvereins der Deutschen Juden an und nahm eifrig an den Arbeiten des Hilssvereins teil. Er war der Schwiegervater von Legationsrat Professor Dr. M. Sobernheim. Ratibor. (Todesfall.) Vor einigen Tagen verstarb hier unser langjähriges treues Mitglied Bankier Samuel Glaser im 73. Lebensjahre. Samuel Glaser erfreute sich bei allen Parteien und Konfessioneil der größten Beliebtheit. Er war 36 Jahre Stadtverordneter und wurde vor drei Jahren zum Ehrenbürger der Stadt Ratibor ernannt. Wir verlieren in Samuel Glaser einen Manu, der mit großer Liebe unserer Betoeguiig anhillg und sich stets für unsere Bestrebungen eingesetzt hat. , Stuttgart. (Pfarrer bei m Gottesdienst in der Synagoge.) An einem der letzten Sabbate erschien eine größere Anzahl jüngerer evangelischer Geistlicher, die nach Absolvierung der 1. theologischen Dienstprüfung ihr praktisches Vorbereitungsjahr hier verbringen, während des Morgengottesdienstes in der Synagoge, um auch in die Art des jüdischen Gottesdienstes Einblick zu gewinnen. Die Herren wurden von ihren Kursleitern, Herrn Oberkirchcnrat Knapp und Herrn Stadtpsarrer Wüterich, geführt. Mit großem Interesse folgten sowohl die Führer selbst wie die Kursteilnehmer dem Verlauf des Gottesdienstes an Hand der Gebetbücher, die für sie aufgelegt worden waren, wobei einzelne Gemeindeylitgliedcr den .Herren, die ja in der hebräischen Sprache nicht unbewandert sind, bei der Orientierung behilflich waren. Stadtrabbiner Dr. Rieger hielt die Predigt, in der er in Anschluß an den laufenden Prophetenabschnitt über die Friedensliebe und Menschlichkeit sprach, die der schönste Gottestempel sind. Nach dem Ende des Gottesdienstes gab Dr. Rieger seinen evangelischen Kollegen eine Uebecsicht über die Arr und den Aufbau des jüdischen Gottesdienstes nach dev religiösen wie nach der geschichtlichen Seite hin, wobei der Redner gelegentlich auch treffende Parallelen zu christlichen Quellen zog. Daran reihte sich noch eine Besichtigung der in der Synagoge vorhandenen Kultgegenstände. Den Besuchern wurde Gelegenheit zu mancherlei Fragen geboten, lvovon reichlich Gebrauch gemacht wurde Im Nennen der Kursteilnehmer dankte Herr Oberkirchenrat Kqgpp der israelitischen Gemeinde und insbesondere Herr Stadtrabbiner Dr. Rieger für die erwiesene Gastfreundschaft und die reichen Eindrücke, welche alle Teilnehmer gewonnen haben. Weitere G e m e i n d e n a ch r i ch 1 e n verössentlichen w-ir durch di.' Inanspruchnahme der ZeitiMG durch die Jli-Tagung erst in der nächsten Nummer. Vereinsnachrichten Lehrgänge für jüdisch-soziale Ausbildung und Fortbildung. Die Z e n t r al w o Y l f a h r t sfte l l e der deutschen Juden und die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums veranstalten Lehrgänge zum Zwecke einer ergänzenden jüdisch-sozialen Ausbildung und Fortbildung für in der sozialen Arbeit und Ausbildung stehende Personen sowie für Rabbiner und Lehrer und in der Ausbildung zu diesen Berufen Stehende. Der erste Lehrgang findet in der Zeit vom 10. Juni bis Ende Juli 1930 statt. Näheres durch die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin-Charlottewbürg 2, Kantstraßc 158. Die von der Gesellschaft „Ort" veranstaltete Kundgebung Deutscher Schriftsteller, die am Mittwoch, den 11. Juni, stattfinden sollte, ist wegen Verhinderung einiger Redner auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Den bedeutendsten internationalen NOII0f8SSBfl UOd AUSSt8llUD08R Akademische'sprächon-Dlenst Berlin KW 7. Friedrichen*. 150 ll (Ecrnnnmneniir.) Fernsprecher: A 4 Zentrum 5457 / Bürozeit: 9—21 Uhr seine bewährten uebersetzer und Dolmetscher für 44 Fremdsprachen zur Vertilgung. uiter: ignaz E. Floersheim Erste in- und ausländische Referenzen aus Wissenschaft, Industrie, Politik u. Handel. uebersetzungen. spracnzirkel und Einzel-Unterricht