Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 21 (21.5.1930)
- Date
- 1930-05-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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werden könne. Es bestehe eine Ueberorganisation, die zu hohe Vcr- I waltungskosten verschlinge. Bei aller Anerkennung dürfe vor einer Kündigung zum Landesverband, deren praktische Wirkung übrigens erst nach längerer Frist eintrete, nicht zurückgeschreckt werden. Im Laufe des Jahres sei der Gedanke erörtert worden, den Abwehrkamps von der Gemeinde übernehmen zu lassen. Tic Gemeinde besitz« hierfür nicht die Organisation noch dir Erfahrung. Man müsse die Abwehr den Verbänden, die sich mit ihr befassen, überlassen. Notwendig sei cs jedoch, die Leistungen der Gemeinde für den Abwehrkamps zu erhöhen. Unter allen Umständen abzulehncn sei ein Bcilrag zur Keren Hajcssod angesichts der finanziellen Not der heimischen Organisationen. Aus dem Friedhof habe man Kohanim Gräber angelegt und ähnliche Neue rungen im konservativen Sinne cingcführt, die ans dem alten Friedhof nicht beständen, dagegen den Urnenhain und das Kolumbarium ver weigert. Der Jugendfürsorge müsse nach >oie vor die Aufmerksamkeit der (Gemeinde zugewandt »verdcu, weshalb inan trotz der schwierige» Verhältnisse den im Vorjahr beivilligtcn Betrag wieder auszruversen habe. In Vertretung der beiden abwesenden Fraktionsmilglieder sprach alsdann Herr Meyer für die konservative Partei über die Religions- Schule, und spricht gegen den Abbau des Philmrthropins. Der Redner der Volkspartci, Herr Tr. Simon, wünschte vom Vorstand Aufschluß über seine Teilnahme an aUgemcin jüdischen Be wegungen, insbesondere über die Beteiligung an der Arbeitsgemeinschaft jüdischer Groß Gemeinden und an der Jea. Die Gemeinde dürfe sich nicht aus religiöse Ausgaben beschränten, darum begrüße auch er es, daß größere Beträge für die Abwehr zur Verfügung gestellt werden sollen. Es sprachen alsdann nochmals Redner sämtlicher Fraktionen in der Generaldebatte. Herr Dr. Avis (liberale Fraktionlvics darauf hin, daß leitende Gesichtspunkte für die Disposition der einzelnen Gelder notwendig seien. Der Etat sei zivar ein Not Etat. Es sei jedoch unrichtig, daß unter einer anderen parteipolitischen Führung ein anderes finanzielles Ergebnis zu erwarten sei. Herr Dr. Baerwald, der für den Vorstand ans die gehaltenen Reden erwiderte, nahm zunächst den Syndikus gegen die von Herrn Dr. Geiger erhobene Bemängelung in Schutz. Seine enge Fühlung mit dem Vorstand sei selbstverständlich. Er stehe auch der Gemeinde Vertretung zur Verfügung. wenn sie es wünsche. Die Bekanntmachung der Protokolle des Vorstandes könne nur in den« bisherigen Rahmen, erfolgen. Die Protokolle der Konferenzen der Arbeitsgemeinschaft der Groß-Gemeinden könnten zur Einsicht gegeben werden. Die Sitzungen seien selten. Ueber die Jca könnte vielleicht im engeren Kreise gesprachen werden. Die Ueberorganisation des Landesverbandes würbe auch in Berlin bedauert. Ein Abbau sei dringend erforderlich. Für ein« Kündigung sei im Vorstand keine Mehrheit zu erwarten. Was den Religions Unterricht angehe, .so sei er tatsächlich im argen. Es sei schwer, geeignete Lehrkräfte zu finden; die Gemeinde habe .kein Inspektions-Recht. In der Schul-Frage legte der Redner den betannten Standpunkt des Vorstandes dar. Die Finanzlage sei nun einmal schlecht. Der Steuer satz von l5 »z« auf die Dauer untragbar. Es müsse also gespart werden, und zwar da, >vo die Gemeinde keine bindenden Berpflichtuugcu habe. Tie Unterhaltung einer Schule von Kindergarten bis zur Universität sei keine bindende Verpflichtung. Anders stehe es mit der Volksschule. Diese werde man unterhalten müssen, möglichst mit städtischer Sub vention. Aus der Spezial-Debatte ist hervorzuheben: Eine Besoldungs-Sperre für das laufende Jahr wurde beschlossen für alle Erhöhungs Anträge ohne Rechtsanspruch. Der Etat des Philanthroplns lvurdc mit RM. •->i 4 ()!)!),-— entsprechend den Be schlössen der Finanzlommission angenommen, und zwar unter Stimmenthaltung der Konservativen, die hierdurch ihr Mißtrauen gegenüber der Verwaltung der Schule zum Ansdruck bringen sollten. Der An trag, lveiterc RM. 25 000,— für die Religionsichule zu bewilligen, wurde abgelehnt. Der Beitrag zum Landesverband wurde mit RM. 80 000,— bewilligt. Die von der Finanzlommission gcstrieyencii Subventionen wurden größtenteils wieder hergcstctlt. RM. 300, für das Lehrgnt Rodges, RM. -100,— für die Gesellschaft für jüdische Volksbildung, RM. 1000,— für den Keren Hujessod (mit 2 Stimmen der liberalen Fraktion unter Abivesenheit einiger Mitglieder), RM. 500,— für den „Ort", RM. 1200, für den Ausschuß für Bevölke rugnspolitik, obivohl in der Debatte zum Ansdruck gekommen war, daß die Aufgabe wohl wichtig, die bisherige Politik jedoch als völlig verfehlt anzufchen fei. Hamburg. (Todesfalls Herr Moritz Wolfs, Juniorches des Bankhauses Louis Wolfs, ist plötzlich irach längerem Leiden im Aller von 66 Jahren gestorben. Der Verstorbene bekleidete auch in der Deutsch-Israelitischen Gemeinde verschiedene Ehrenämter. Er war u. a. seit langen Jahren in der Verwaltung des Altenhauses der Deutsch Israelitischen Gemeinde tätig, auch gehörte er dem Vorstand der Beer digungs-Brüderschaft ehrenamtlich an. Köln. .sE in neues L e h r l i n g s h e i in.! Am vergangenen Sonntag wurde ein neues Heim für kaufmännische Lehrlinge feierlich seiner Bestimmung übergeben. Tie Weiherede hielt Herr Rabbiner Dr. Kober. Lauenburg. (3 0 j ä h ri § e § A m t s j n b i l ä u m.) Herr Mac; Baruth, früher Kruschwitz und Fiiehne, feiert am l. Juni sein 30 jähriges Timstjubiläuin. Sensburg. (S y n a g o g e n f ch ä n d n » g.) In Sensburg, lvo die nationalsozialistische Bewegung in letzter Zeit in besonderem la|c zugenommcn hat, wurde in der Nacht zum 13. Mai eine Synagogen schändung verübt. Der Täter schlug ein Fenster des Synagogcnqebäudes ein und stieg durch dieses in den Bclranin. Hier riß er die Altardecke uwd ein Betpult herunter und warf die silbernen Leuchter zu Boden. Weiterhin beschädigte er die Uhr dadurch, daß er die Zeiger entfernte. Schließlich verunreinigte er noch den Altar. Es ist ganz zweifellos, daß der Täter in völkischen Kreisen zu suchen ist. Die Staatsanwaltschaft und die Sensburger Polizei haben sofort eine energische Untersuchung eingeleilct. Die Staatsanwaltschaft hat einen Kriminalbeamten aus Allcnstein zur Aufklärung der Angelegenheit entsandt. Leider sind die Spuren durch die Ungeschicklichkeit eines Beamten der Ortspolizei, der die herabgeworfenen Gegenstände mit Rücksicht auf den am gleichen Abend stattsindrnden Gottesdienst sofort an Ort und Stelle stellen ließ, zu einem erheblichen Teil verwischt. Hoffentlich gelingt es den Nachforschungen des Allensteiner Kriminalbeamten, den oder die Täter festzustellen. Werver. (Le hr e r v e rs a m m l n n g.) .Hier fand eine Konferenz des Vereins jüdischer Lehrer Emdens und Oldenburgs statt. Landesrabbmer Dr. de Haas, Oldenburg, hielt einen Vortrag über „Die Josefsgeschichte". Ta die Veranstaltung öffentlichen Charakter trug, war auch der größte Teil der Gemeindemitglieder der Einladung gefolgt. Lehrer Popper betonte als Vorsitzender den Zlveck der öffentlichen Veranstaltung, den Kontakt zwischen Lehrer und Gemeinde, Schule und Elternhaus herzustellcn. Daß dieser Zweck er reicht war, bewiesen die Dankesworte des Vorstehers I. Arons an den Referenten für die lehrreichen Ausführungen und an den Lehrerverein für die Ermöglichung des Vortrags vor breiterer Oeffentlichkeit. Vereinsnachrichten Berbaiü» der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Die 8. ordentliche Delegiertentagung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, die an den beiden Pfingsttagen in München in der Tonhalle abgehalten wird, wird nach den bisherigen Meldungen durch die Delegierten und Gäste von etwa 150 Bünden aus ganz Deutschland besucht werden. Im Mittelpunkt der Verhandlungen des ersten Tages steht, unter dem Motto „Jugend hilft der Jugend", das für die jüdische Jugend so außerordentlich schwierig gewordene Berufs- Problem. Der Bortrag Martin Bubers „Wie kann Gemeinschaft werden?" bildet den Auftakt für 2 Gruppen von Arbcitsgenreinschaften, die, von verschiedenen Grundfragen ausgehend, unter dem Thema „Beruf und Leben" und „Lebensgestaltung" stehen. Den Abschluß des ersten Tages bildet eine Vollversammlung, in der die Ergebnisse der Arbeitsgemeinschaften in Thescnform vorgelegt »verden. In einem Schlußwort „Gestaltung durch den Bund" werden diese Ergebnisse zusammengefaßt und die Konsequenzen, die sich aus ihnen für die zukünftige Gestaltung der Jngendbundarbeit ergeben, aufgezeigt werden. Der zweite Tag ist Verbandsfragen gewidmet. In ausführlicher Aussprache werden die Ergebnisse der vergangenen Arbeit überprüft und bie Richtlinien organisatorischer Art für die Weiterarbeit sestgelegt lverdcn. Mit der Wahl der neuen Leitung des Verbandes wird die Tagung ihren Abschluß finden. Am Psingstsonntagabend führt die Künstlerische Arbeitsgemeinschaft des Jüdischen Jugcndvereins Düsseldorf „Jeremias" von Stefan Zweig auf. .Hierzu hat der Dichter seine Anwesenheit zugesagt. Veranstaltungen geselliger Art, Führungen und Ausflüge umrahmen die Tagung. Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands. 0. ordentlicher Berbandstag in Köln vom 25. bis 27. Mai 1930. Sonntag, den 25. Mai 1030, vormittags 10Q. Uhr, Rheinlandlogc: Dessen tl ich? Kundgebung. Begrüßungsansprache des Kollegen Goldberg, Köln. Eröffnungsansprache des Verbandsvorsitzenden. Festrede des 2. Verband»-- Vorsitzenden. Montag, den 26. Mai 1030, vormittags 0 Uhr, Rheinlandlogc: Arbcitssitzung. Geschäftsberichte, Referate, Freie Aussprache. Themen der Referate: 1. Eigenbetriebc oder Aufbanhilfe in den Gr meinden. Referenten: Kollege Louis Goldbrrg, Köln, Kollege Jsi Kahn, Frankfurt (Main). 2. Hilfe für den geiverblichen Mittelstand stand durch Ausbau und Zusammenschluß der jüdischen Kreditinstitiltc. Referent: Kollege Julius Perl, Breslau. Abends 8 Uhr findet im weißen Saal der Bürgergesellschaft, Apellhofplatz, die Feier des 25jährigen Bestehens der Ortsgruppe Köln statt. 'Dienstag, den 27. Mai 1930, vormittags 9 Uhr, Rheinlandloge: Fortsetzung der Arbeitssitzung. Bcrbandsangelegenheiten. Mitteilung Um die starke wirtschaftliche Not in der Studentenschaft durch Selbsthilfe zu mindern, haben sich eine größere Anzahl Studenten, die lange Jahre im Ausland gelebt haben, unter Leitung des .Herrn Ignaz E. Floersheim zu einem „Akademischen Sprachen Dienst" znsammengcschlossen. .Herrn Floersheim, der selbst aus bedeutenden incernationalen Kongressen und Ausstellungen als Dolmetscher und Uebersetzer tätig war, steheik Uebersetzer und Dolmetscher für 14 Fremdsprachen als Mitarbeiter zur Seite. Außer der selbstverständlichen Diskretion, sichert das Institut für Uebersetzungen aller Art prompte und gewissenhafte Erledigung zu. Sprachzirlel für Airsänger und Fortgeschrittene werden durch pädagogisch geschulte Kräfte geführt. Erste in und ausländische Referenzen stehen Interessenten gerne zu Diensten. (Siehe auch Inserat.) Aus der Jli-Vewegung Verantwort!.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Zugendvereine Deutschlands Vorsitzender: Dr. Hugo Hosfmann. Frankfurt a. Main Klarheit Gedanken zur Dresdener Tagung. Bon Alfred Fabian (Ili-Breslau). Daß die liberale Bewegung in Deutschland neben vielen Erfolgen auch schwere innere Gefahren aufzuweisen hat, und daß sic in Zukunft noch vielen solchen entgegengeht, bedarf in diesen Spalten keiner n'jheren Darlegung. Aber gerade im Hinblick auf die Dresdener Tagung der liberalen Jugendbewegung muß vori neuem darauf hiugelviefeil werden, wie eng die Verknüpfung der jungliberalen Bewegung mit der Gefamtbewegung selbst ist, wie sehr sie innerlich abhängig ist vom Wohl und Wehe dieser. Daher verlangt die diesjährige Tagung den angespannten'Eifer aller jungliberalcn Kräfte, die in ernsthafter Erkenntnis eurer schwierigelt Situation sich an die zahlreich gestellten Aufgaben machen wollen. Sie verbietet von vornherein jeden über das Ziel hinausschießenden Begeisterungstaumel, der betäubt und benebelt, aber njcht klärt. Und Klarheit — das ist eine Forderung, der wir in jüdisch-politischer Hinsicht bereits auf der vorigen Tagung in Magdeburg gerecht geworden sind, die wir aber diesmal auch auf andere Gebiete unseres Betätignugsfeldes ausdehnen müssen. Noch immer krankt unsere Bewegung daran, daß ihr die K c i in z e l l e n in ausreichendem Maße fehleit, die sie zu ihrer Erhaltung unb Fortbildung braucht. Es genügt nicht, daß wir in einigen bedeutsamen Gemeinden Deutschlands vertreteil sind. Unsere Bewegung vcrdieitt es wirklich, schon um überhaupt ihre manchmal noch nicht einmal gekannte Existenz zil erweisen, tu viele andere kleinere Gemeinden getragen zu werden. Auf der Magdeburger Tagung schien es trotz audersiauteudcil Beschlusses so, als ob man sich aus einer mißverstandenert Ideologie heraus nur schwer zu einer weitgehenden Expansion unserer Bewegung bekennen wollte. In Dresden wird man sich ohne Zweifel mit aller Eutschiedenheit fü r eine A u s b reit u n g unserer Idee in weitestem Maße eittsetzcn. Neben der endgültigen Fühlungnahme mit der R eform j u g en d, die hoffentlich in recht stattlicher Anzahl erscheinen tvird, soll man auch an die Einb e z i e h u n g neuer, außerhalb des Liberalismus st e h ende r j u u g e r M e n s ch e n i n unsere Be w e - guiig deitken. Dabei muß man beispielsweise in den Orten, in denen noch leine junglibcrale Bewegung zu verzeichnen ist, von den Mänttern und Frauen, Acltcren und Jüngeren ausgehen, die bereits zu unserer Richtung gehören, sie gewissermaßen als Vertrauenspersonen benutzen und sie zu veranlassen suchen, vvn sich aus je nach Lage der Tinge kleinere Arbeitskreise oder größere Vereinigungen ins Leben zu rufen. Eine Z e u t r a l o r g a n i s a t i o n, in ähnlicher Art etwa lvie ein Landesverband, müßte alle diese Orte gemeinsam umfassen und sie der großen Ili-Bewegung zuführen. Furcht vor Ueberorganisation sollte die Bildung solcher Verbände nicht verhindern. Tenn darüber wollen wir uns doch klar sein: eine kräftige Organisation kann oft das feste Rückgrat einer zwar an sich starken, aber nur schwach vertretenen Idee bilden; und ehe man. aus die sich durchsetzende Macht der Idee bauetid. auf diese vielleichr unbequemen Tinge verzichtet, sollte man sie wenigstens - meiner Ansicht nach mit aller miv möglichen Energie — versuchen. Praktische Vorschläge sollen der Tagung selbst Vorbehalten bleiben. Neben her wünschenswerten Klarheit in Fragen der äußeren Organisation verdient auch der innere Aufbau unserer Vereine eine klärende Auseinandersetzung. Wir haben es in dieser Hinsicht besonders schwer, weil wir die uns zusagenden Formen noch nicht restlos gesunden haben, vielmehr noch im Aufbau begriffen sind. Schon die Lösung der vor kurzem hier von Erich Vulkan aufgeworfenen Frage, wie wir uns bei der Einbeziehung von „I ü n g st e n" in unsere Arbeit zu verhalten haben, ergibt sich nicht ohne tveiteres aus unseren bestehenden Auffassungen und muß erst durch eine Aussprache gemeinsam geklärt werden. Noch größere Schwierigkeiten bereitet aber der gesamte Aufbau unserer Vereine. Für die Mitglieder, die sich in unseren Jlis bereits eifrig betätigen, mag die augenblicklich äußere Form der Arbeit genügend und befriedigend sein. Aber wenn wir daran denken wollen, durch großzügige Werbetätigkeit unsere Reihen zu stärken, müssen wir zunächst bei denen unserer Mitglieder beginnen, die lau und ängstlich beiseitestehen, sie heranzuholen und in ihren Ansichten zu festigen suchen. Dazu wird nötig sein, daß der einzelne Verein sich mehr diese innere F e st i - gung seiner Mitglieder angelegen sein läßt, als auf die Durchführung eines vielseitigen Programms bedacht ist, dessen Zusammenstellung viel von der Führung, aber zu wenig vom Einzelnen verlangt. Unsere Jlis werden sich mehr zu Erziehungsgemeinschaften umgestalten müssen. Hier liegt noch> ein weites Betätigungsfeld; denn die Formen, in denen diese Arbeit sich abspielen soll, bedürfen, wenn sie auch schon im Rohen fertig sind, noch eines tatkräftigen Ausbaues. Bon hier aus gesehen wird sich auch für die Nachwuchsfrage leichter eine Lösung finden lassen, wenngleich diese Lösung uns wieder vor neue, große Ausgaben stellt. Eine Fütle von Arbeit eröffnet sich uns für Dresden, und es wäre erfreulich, wenn durch die der Tagung voraufgehende Diskussion in diesen Spalten und dann durch die Tagung selbst unsere Bewegung um ein kleines, aber zäh errungenes Stück Weges gefördert wird, damit die großen Hoffnungen, die wir alle aus die Dresdener Tagung setzen, sich erjitllcn und jeder sich freut, dem Ruse gefolgt zu sein: Auf ilach Dresden! Aus der Jli-Arbeik Breslau. (I üdischi i b e rate r I u g c n d v e r e t u „A b i a-- h n m Oie ig er".) Am 30. Avril fand eine „Zeitungsschau" statt. Es sprachen Alfred Berger und Albert Wesel. Sie behandelten zahlreiche Pressemeldungen, vorwiegend Themen der jüdischen Blätter. Außerdem sprach noch Kurl Haase über die Heranziehung jüdischer sozialistischer Kreise zu unserer Arbeit. Die Aussprache schloß sich hauptsächlich an dieses Referat an. Am 7. Mai war ein gemütlicher Heimabend angesetzl. Sein erster Teil »vurde zu einer Aussprache über zeitgemäße Fragen des Liberalismus verwandt, die durch ein Referat von .Hans Leschnitzer eingeleitet wurde. Der zweite Teil wurde dem Titel des Abends entsprechend verbracht. Der 14. Mai brachte eine „Tagesschau" benannle Aussprache. Im Vordergrund der Erörterungen staiw die Behandlung der wirtschaftlichen Notlage. Am 5. und 12. Mai fanden Arveitsgemeinschaftsabeude statt. In dem Rahmenthema „Tie Juden in ihrer Umwelt" wurde aus Wunsch der Teilnehmer am ersten Abend über Judenfeiudschast, und zlvar ihre Formen und Motive zu den verschiedensten Zeiten, gesprochen. Am zweiten Abenv kamen wir aus direktem Wege vom vorigen Thema aus die staatsbürgerliche Stellung der Juden in der Diaspora und von dort aus den Zionismus. In der Jüngeren-Gruppe hatten tvir am l. Mai einen Ausspracheabend „Querschnitt durch die Zeit", in dem über bestimmte Tagessragen nach kurzer Einleitung gesprochen wurde. Am 8. Mai hielt Margit Berger einen Vortrag über „Jüdische Musiker", sie behandelte Komponisten und Virtuosen hauptsächlich des 19. Jahrhunderts, ihr Leben und ihre Werke. „Bunter Lesenachmittag" nannte sich die Veranstaltung am 15. Mai, in der man zumeist lustige Erzählungen las. — Zu erwähnen bleibt ein als gemeinsame Veranstaltung beider Gruppen angesetzter Ausflug in die Obernigker Gegend, der am 4. Mai stattsand, wie immer gemütlich imb anregend, dazu noch von schönstern Wetter begünstigt. Berlin. Gemeinsame Veranstaltungen. Singabend voraussichtlich Donnerstag, den 29. Mai, abends 8 Uhr, bei Paul Löwenstein, Moabit, Jagowstratze 1. Meldungen und Anfragen sind z» richten an Adolf Marcuse, ^Berlin-Friedenau, Taunüsstraste 23. — Mittwoch, den 5. Juni, abends 8 Uhr, Vortrag von Fritz Michaelis. Thema und Ort werden noch bekanntgegeben. — Oliva und Reu-Charlottenburg. Mittwoch, den 28. Mai, abends 8 Uhr, Heimabend bei Inge Eötz, Berlin-Schönebrrg, Freiherr o. Steinstraße 16. Thema: Ghandi und sein Merk. Steglitz. Dienstag, den 27. Mai, abends 7 Uhr, bei Eva Graetz, Erlenbusch 4. Pankow-Osten. Dienstag, den 27. Mai, abends 8 Uhr, im Heim, Monbijouplatz 10. Thema: Geschichte der Juden in Spanien. * Mittwoch und Donnerstag, den 23. und 29. Mai, Fahrt nach Teupjtz. Treffen 17 Uhr Görlitzer Bahnhof, Ausgang Sprrewaldplatz. Anmeldungen umgehend an Martin Glast. * Vor der Dresdner Tagung soll eine Fahrt in die Sächsische Schweiz stattfinden. Beginn voraussichtlich Dienstag, den 10. Juni 1930, morgens. Kosten etwa 15,— Mk. inclusive Fahrgeld. Anträge auf Zuschüsse aus der Wanderkasfe sind zu richten an Marlin Glast, R. 58, Danziger Straße 94. Anfragen und Anmeldungen sind schriftlich bis spätestens 25. Mast zu richten an Hilde Deutschland, Steglitz, Heinrich Seidelstraße 6, da wir uns in den Jugendherbergen anmelden müssen. Breslau. Jüngeren-Gruppr: Donnerstag, den 22. Mai, 20 Uhr, Jugendheim: Bortrag von Heinz Silbrrmann: „Wegweiser für die intelligent« Jugend zum Sozialismus und Kapitalismus". — Hauptgruppr: Montag, den 26. Mai, 20.15 Uhr, Jugendheim: Arbeitsgemeinschaft: „Die Juden in ihrer Umwelt". — Gemeinsame Veranstaltung beider Gruppen: Mittwoch, den 28. Mai, 20.15 Uhr, Jugendheim: „Die Dresdener Tagung". (Erscheinen aller Mitglieder, die an der Fahrt nach Dresden teilnehmen, ist unbedingt erforderlich.) , Frau kfrm a. SR. Dienstag, den 27. Mai, 20.45 Uhr, Westendfpnagoge: Heimabend. Herr Dr. Hofsmann: Vorbesprechung der Dresdner Tagung. Am 3. Juni 1930: Feierstunde. Näheres wirb noch bekanntgegebe». Jli-Jvgendgruppe. Samstag, de» 24. Mai 1930, bei Familie Zucker, Bornwiesenweg 1. Referat Karl Heinz Zucker: Bolschewismus. ♦+»»»4++*♦♦♦♦♦♦♦♦♦»< Das Ai-Programm ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦<