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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-04-09 · 15 (9.4.1930) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
15 (9.4.1930)
Date
1930-04-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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WWMeraleZMmg Organ der Vereinigung für das liberale Judentum e.V. jDerautn, ortl. Redakteur: Bruno Woyda. DleVereiniguag für da» liberale Judentum übernimmt nur für diejenigen Auffähe, die ausdrücklich al» in ihrem Hamen oder in ihrem Aufträge verfaßt gekennzeichnet find, die Verantwortung. Alle anderen Artikel, Aeuherungea und Vorschläge erscheinen unter der Verantwortung der Redaktion. Die ^Jüdisch-liberale Zeitungerscheint jeden Mittwoch. Redaktion und Geschäftsstelle: Berlin SM 11. HaUesche Str. 1 Fernruf: Bergmann 3358, 335B Postscheckkonto: Berlin JIW 7, 137069 wereinlgung für da» ttberale Zudeutum) Nachdruck sämtlicher Original-Beiträge nur mit vorheriger Geuehmiguug der Redaktion gestattet. Bezugspreis durch die «ejchSftsfielle '/jährlich TSL L- Liuzeknnuuuer 0LS. Bei freier Zusendung t. 3ulaudLS0 Für die BNtgÜeder der Vereinigung ist der Bezugspreis im Mtglledsbeitrage euchatten. Anzeigenpreise: Die 12gespalt.Roupareivezetle0^43 Anzeigentarif durch die Geschäftsstelle. Auzeigeuaunahme bei der Gefchäftrsteveu. fämtl. Anuouceu-^pedit. Ar. 15 Berlin, 9. April 1930 10. Jahrgang Eine zeitgemäße pessachvetrachtung Das Gemälde, das die Bibel vom Leben der Israeliten im Reiche der Pharaonen und dem Auszug aus Aegypten zeichnet, gehört wohl bis auf den heutigen Tag zu den gewaltigsten Schilderungen der Weltliteratur. Fronvögte des Pharao machten den Kindern Israel „ihr Leben sauer mit schwerer Arbeit in Ton und Ziegeln und mit allerlei Frönen auf dem Felde und mit allerlei Arbeit, die sie ihnen auslegten mit Unbarmherzigkeit". Doch Mose, durch den Gott sprach, befreite sein Volk und führte es aus Knechtschaft zur Freiheit. Gewiß wird der Mensch der Gegenwart, der die Einzelheiten der Erzählung nicht symbolisch zu werten versteht und nicht ihre zeitbedingte Einkleidung gelten läßt, sondern am Buchstaben haftet, an ihrem religiösen Gehalt leicht irre werden. Ist doch ein Gott, der das Herz des Pharao verstockt, um seine Macht erweisen zu können, uns heutigen religiösen Menschen fern und der Gewinn der Freiheit durch blutige Vernichtung der Widersacher nicht der Weg, den uns wahre Religiosität zu gebieten scheint. Doch das historische Pessach ist uns nur Anlaß, nur Teilinhalt vom Pessach der Gegenwart. Ist das historische Pessach begrenzt auf den Freiheitskampf Israels, so ist das Pessach der Gegenwart geweitet auf das Gebiet der Allmenschheit, gerichtet nicht mehr auf den israelitischen Volksgenossen sondern auf den Menschen schlechthin. Pessach ist Freiheit s f e st der jüdischen Religion geworden. Ms solches aber hat es in der Gegenwart gewiß keine geringere Bedeutung als je zuvor. Scheint doch heute nur zu wahr bas Wort, daß Freiheit nur im Reiche der Träume ist, und sind doch die sogenannten „gottgewollten Abhäugigkeiten" in den letzten Jahren wahrlich nicht geringer geworden. Nur daß ihr Schwergewicht sich von der politischen nach der wirtschaftlichen Seite verschob. So ist denn erforderlich, daß im Pessachsest dieses Jahres ganz besonders auch der Erörteruna^der wirtschaftlichen Unfreiheit des jetzt lebenden Menschen Rechnung getragen wird. Ta aber ergibt sich, was hier schon des öfterer: gesagt wurde, daß es Speziallösungen' für die Juden nicht geben kann, ebensowenig wie für eine andere Einzelgruppe, daß insbesondere die Juden Deutschlands, da sie sich nicht von Deutschland lösen wollen und können, auf Gedeih und Verderb mit der Gesamtheit des deutschen Volkes verbunden sind. Tie wirtschaftliche Not der deutschen Juden wird beseitigt sein, wenn die Wirtschastsnot des deutschen Volkes beseitigt fein wird, nicht früher und nicht später. Und denen gegenüber, die mit gewichtigen Mienen eine im Endeffekt oft dazu im Mißverhältnis stehende Betriebsamkeit aus dem Gebiete jüdischer Sonderhilssmaßnahmen entfalten, muß immer wieder betont ^werden, daß cs sich hier bestenfalls um Linderungs-, nicht aber um Genelungsarzneien handeln kann, daß jedes deutsche Sozialgesetz wesentlichere Folgen zeitigt als irgendwelche (deswegen natürlich keineswegs überflüssigen) Selbst- Hilfsmaßnahmen. Tie deutschen Juden sind eben mit der deutsche:: Gesamtwirtschast verflochten, und Sondererscheinungen, über die zwar sehr oft, aber meist mit recht geringer Sachkenntnis gesprochen und geschrieben wird, wie etwa die unterschiedliche Berufsschichtung lind wohl doch nur ein Kapitel in dem Geschichtsabschnitt, der durchs die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Juden beendet wurde. Wohl sind die Juden auch jetzt noch im Wirtschaftsleben häufig die Schrittmacher, aber den Schrittmachern folgen die anderen. Gerade auf dem Gebiete der Berufsschichtung erfolgt mit Riesenschritten ein Ausgleich: einmal als Folge der Proletarisicruug jüdischer Kreffe, dann aber infolge von Strukturwandlungen des nichtjüdischen Bevölkerungsteils. Ter Zug in die Großstadt beispielsweise ist längst allgemein geworden: wohnten im Jahre 1875 nur 6,3 Prozent der Reichsbevölkerung in Großstädten, waren es um die Jahrhundertwende 16,2 Prozent, so betrug die entsprechende Ziffer im Jahre 1925 bereits 26,8 Prozent, während die Reichsbevölkerung in Landgemeinden in diesen 50 Jahren von 60,9 Prozent auf 35,6 Prozent zurückging. Das hat natürlich auch eine wesentliche Verschiebung innerhalb der einzelnen Wirtschaftszweige im Gefolge gehabt. Tie Ergebnisse der Berufsstatistik zeigen, daß in den Jahren 1882 bis 1925 der Anteil der Berufszugehörigen an der Gesamtbevölkerung in der Land- und Forstwirtschaft von 40 Prozent auf 23 Prozent sank, in Handel und Verkehr hingegen von 9,7 Prozent auf 16,9 Prozent stieg. Und innerhalb der einzelnen Berufszweige ergibt sich ganz allgemein ein Rückgang und eine Schwächung der selbständigen Existenzen. Was ergibt sich aus all dem hier Gesagten? Daß das Sinnen jüdischer Kreise viel stärker als das heute der Fall ist darauf gerichtet sein müßte, entsprechend ihrem religiösen Weltbild au der Gestaltung der deutschen Sozialpolitik mitzuwirlen. Immer wieder muß hier, um die Tendenz des Gewollte:: zu verdeutlichen, aus die biblische Agrargesetzgebung als Beispiel hingewiesen werden. Tie Weimarer Reichsversassung gibt im Artikel 155 Grundsätze für die Verteilung und Nutzung des Bodens. Was ist zur Durchführung dieser Grundsätze im Verlaufe von 10 Jahren geschehen? Und doch wäre diese Aufgabe wohl weit wichtiger als das jetzige Parteiengezänk um eine — gemessen am Gefamtetat des Teutschen Reiches — finanzielle Quisquilie. Wie stark aber jüdische Kreise bei der Erörterung derartiger Fragen sich selbst ausschalten, das zeigt jetzt wieder die Tagesordnung für den Ende April in Würzburg stattfindenden Kongreß der Bode::reformer. Ta spricht von protestantischer Seite der Rcichstagsabgeordnete Mumm über das Thema „Tie .Heimstätte in ihrer religiös-sittlichen Bedeutung" und der Präsident des deutschen Caritasverba:ü)es, Prälat Tr. Kreutz, zum gleichen Thema, von jüdischer Seite aber niemand. Wir wollen hoffen, daß dieser Schönheitsfehler — antisemitische Motive sind hier ja bestimmt nicht im Spiel, hat doch Tamaschke selbst das Thema „Bibel und Bodenreform" in einer kleinen Schrift behandelt - noch von jüdischer Seite behoben werden kann. Es muß hier darauf verzichtet werden, für die verschiedenen Wirtschaftszweige die Notwendigkeit der Ausprägung jüdisch-religiöser Gedanken aufzuzeigen. Nur eins soll noch gesagt sein: ganz besonders dringlich ist die Schaffung eines religiös fundierten Kollektivbewußtserns gegenwärtig auch im Hinblick auf die Erwerbslosenfrage. Wenn auch jetzt in den Sommermonaten.der übliche zahlenmäßige Rückgang der Arbeitslosen erfolgen wird, es muß doch, und vielleicht gerade dann, die Frage gestellt werden, wie viele Krisenwinter das deutsche Volk wohl noch zu überstehen vermag. Statt des Feilscheus um die Unterstützung für die Erwerbslosen müßte weit ernster die Frage geprüft werden, wie sich neue Arbeitsplätze schaffen lassen. Zeigt sich daß der Konsum für eine Vergrößerung der Produktion gar nicht aufnahmefähig ist, so müßte eben in den Wintermouaten eine geringe Verkürzung der Arbeitszeit aller Arbeitnehmer erfolgen. Damit würde auch dem alten jüdischen Grundsatz, daß die beste Hilfe für Arme nicht im Geben von Geldunterstützungen, sondern in einer Förderung der Erwerbsfähigkeit, in der Anweisung von Arbeit besteht, Rechnung getragen werden. Und den Vorteil aus einer derartigen Regelung hätten alle Arbeitnehmer; würden sie doch wenn auch der Verdienst des Einzelnen vorübergehend sinken würde, befreit werden von dem Damoklesschwert der Erwerbslosigkeit. Solche Betrachtungen zum Pessachsest mögen neuartig sein, doch das schadet nichts. Wichtiger als 'salbungsvolle Festbetrachtungen sind ja, wie auch die historische Pessachgeschichte zeigt. Taten. Und wahre Freiheit wird eben nicht durch allumfassende Schwärmerei, sondern nur durch bewußtes Hinwirken auf den verschiedensten Einzelgebieten erbaut. Wenn auch die Hoffnung, daß wir bis zum nächsten Pessach aus dem Aegypten unserer Tage in das Land ziehen weroen, in dem Milch und Honig fließt, recht gering ist!, e:uen Anfang zu machen mit der Ueberwindung der ökonomischen Unfreiheit ist unsere Pflicht. Das Pessachsest des Jahres 1930, in dem in dielen jüdischen Häusern der Sedertisch nur karg gedeckt sein wird, mahnt uns, zu arbeiten für das Recht des Mensche n in der modernen Wirtschaft. B. W. Im kommenden Jahr in Jerusalem Von Rabb. Tr. Gott schal l Franksürt a. M. Wenn das alte Wort in diesem Jahr aus Hunderten von Haggadabüchern wieder auftlingt, dann kann es nicht anders sein, als daß. mit ihm auch die Erschütterungen wieder wach werben, die das Leben Jerusalems im letzten Jahr bedrohten. Und mit diesen Erschütterungen stellen sich alle die wie eine Schutzmauer gleichsam um diese Stadt, die sich von irgend einem Gesichtspunkt aus als ihre Freunde fühlen unb ihr zum Frieden, zur Freiheit, zur Freude verhelfen möchten. Man weiß, daß diese Gesichtspunkte ganz verschieden sind und ganz verschieden auchdie Wege, auf denen man zum Ziele kommen möchte, ganz verschieden freilich! auch schon das Ziel selbst, das man sich mit der Arbeit für diese Stadt und das Land, deren Hauptstadt sie ist, verknüpft denkt. Zu diesen Freunden gchören ja aber auch wohl die, die, mitausgewühlt von den Erschütterungen und in ernstem Nachdenken über all die Gründungen um Palästina, sich noch immer nicht entschließen können, irgend einer dieser Organisationen beizutreten, sich noch! immer nicht davon überzeugen können, daß „dies der Weg ist«". Sie möchten eben in keiner Weise, auch indirekt nicht, daß durch ihre Mitarbeit der politische Einschlag, den der Aufbau erfahren hat, immer stärker und damit — und das ist das wesentlichste — das Judentum selbst immer mehr und immer stärker politisiert werde. Nicht um die Auslegung des Wortes „national" geht es bloß, nicht die Sorge um Teutschitum oder Heimattun:' überhaupt ist es, obwohl diese schwer genug wird und mit der — auch indirekten — Förderung der heutigen Palastmaarbeit nur immer vergrößert werden kann es geht darum, wie es schou immer darum ging, ob wir den religiösen Begriff in seiner Reinheit und höchsten Blüte erhalten und immer mehr fördern unb entwickeln wollen oder nicht. Uno das ist eine Entscheidung, die sowohl die hitjüdischen Propalästinenser wie die jüdischen, die aus ganz anderen Gründen an die Lösung der Frage herantreten, schließlich nur der: religiös Ergriffenen selber werden überlassen müssen. Unb so bis in die Tiefe gehen ja diese Tinge wohl, daß „Namen" und „Prominenz" dabei einfach auszuschalten haben. Unb wenn von nichtjüdischer Seite von einem Werk oer Humanität und Gesittung gesprochen wird, so sind das gewiß religiöse Begriffe. Wer wenn gleichzeitig oamit von Oer Freistatt für ein jüdisches Volk die Rede ist, dann wird mau nicht verlangen können, oafr wir das letzte Wort über Notwendigkeit oder Wirklichkeit eines solchen jüdischen Volkes von dieser Seite entgegen nehmen. Ebensowenig wie die jüdischen Kreise aus uns Eindruck machen werden, bie immer ::och und immer wieder Religion und Religiosität verwechseln, in den Anhängern der „Religion" aber nichts als unentwickelte Kinder sehen, von hier aus das Judentum preisgeben und in der Volksgemeinschaft die Rettung sehen. Bleiben die religiösen jüdischen Kreise, die leinen Grund sehen, oie Mitarbeit am heutigen Palästinaaufbau abz»lehnen, nachdem sie ihre Heimatliebe ausdrücklich betont haben. Soweit es sich um mthoooxe Kreise handelt, wird man ja wohl nicht verlangen underwarten, daß. ihre Argumentationen aus liberale Kreise Eindruck machen und erst recht nicht, daß. der Kamp,' um eine Mauer ihnen als eine religiöse Angelegenheit erscheint, wichtig und heilig genug, den Rat der Völker damit zu belasten. Eindruck können allein liberale Kreise erwecken, die, bei der Jugend und bei Aelteren, unsere Mitarbeit wünschen, die in einem nationalen jüdischen Gebilde keine Gefahr und keinen Abstieg sehen. Wir scheiden also damit die schon wieder aus, auch: unter den Liberalen, die in der Mitarbeit ein notwendiges Turchgangssiaoium sehen, notwendig gerade zur Rettung der Religion, weil man so viele Juoeu heutzutage durch Religion allein dem Judentum nicht mehr erhalten könne. Erhalten aber müsse man sie, weil von den Nachkommen vielleicht doch, wieder — Religion kommen könne. Man möchte sieb ja eigentlich über das Vertrauen zur Religion freuen, das in der Annahme liegt: Religion ist unverwüstlich, bricht eines Tages doch durch selbst! bei Kindern - unreligiöser' Eltern. Tenn so müßte es dochsein. Man könnte sich, freuen, wenn man überzeugt wäre, daß die so reden, wirklich schon alles getan haben, um nicht bloß die Kraft der Religion, sondern auch die der Religiosität bei den angeblich Verlorenen ir-rrksam zu machen, daß sie ihnen jüdischen Liberalismus so entwickelt und so entschieden und so groß und so weltoffen und so undogmatisch und so göttlich und nicht bloß gotthaft, so menschersüllt und nicht bloß göttersüllt, so irdisch und nicht bloß himmlisch«, so persönlich, und nicht bloß personenhast, so formdurchgeistigt und nicht bloß formell und formal nahegebracht haben, daß. sie ein Recht hätten zu verzweifeln und ein Recht nur noch, die Hoffnung am offenen Grabe auszupstanzen, die Hoffnung auf ein Aüfevstchn im Jenseits ■ des neuen Landes. Man darf allen Grund haben, daran zu zweifeln. Gewichtiger sind uns natürlich, die, die ehrlich, eme Verbindung von Religion und Politik wünschen oder sie mindestens nicht für so bedenklich, halten, daß. man sich deshalb von der Aufbauarbeit sernhalten müßte, die aus diesem Grunde der Verbindung von Liberalismus, hier als Religiosität verstanden, mit nationaler Arbeit nicht im Wege sichen möchten, oie gegen diese neue Nuance im Judentum deshalb — d. h. deshalb allein — nichts einzutrnnden haben. Und hier scheiden sich, allerdings die Wege. Und cs muß sich sa wohl um eine Herzens-, eine Seelensache handeln, wenn man trotz allem und allem abseits stehen bleibt. Nicht Prinzipienstarrheit, nicht Rücksicht auf Angriffe oder persönliche Tinge können und dürfen hier den Weg weisen. Das eine wie das andere ist so klein und so kleinlich, daß es an Religiosität gar nicht heranreicht, sie nicht berühren darf. Nein, der Ernst der Lage offenbart sich, darin, daß Religiosität sich schieinbar über ihr eigenstes Gebiet hinausbegibt, mit ihm im Widerspruch liegt und im Kampf: der Ethik, der Humanität, der Bruderliebe. Wie kann man, das ist ja der scheinbar stärkste u:ck scheinbar jüdischste Einwand, wie kann man beffeitestchen, wo soziale Not schreit, Verfolgte eine Freistatt suchen, ein „Volk ohne Raum" um seinen Boden ringt. Wie kann man nicht alles beiseitestellen und nur Ideale in Reinheit verfechten, im Jenseits der Wirklichikeit stehen und von ihm predigen statt im Tiesseits der Nüchternheit. Ist das denn religiös? Uno die Antwort: für uns so religiös wie für euch das Gegenteil. Es liegt hier — in aller Bescheidenheit gesprochen — jene Tragik vor, die schon vor Jahrhunderten da war, ja vor mehr als 2000 Jichren, als ein Jeremia sich mit seinem Volk äbmühte und ihm auS Religiosität und Liebe nicht zum Weg der andern raten konnte, obwohl Frie re und Heimat auf ihm zu liegen schienen, sondern nur zu seinem eigenen, der Heimatlosigkeit und Unterwerfung im

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