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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-04-02 · 14 (2.4.1930) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
14 (2.4.1930)
Date
1930-04-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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4. btn Konditor Erich Döring, ebenfalls Wendenstraße 6 und 5. den ittt fteit sich verborgen haltenden arbeitslosen Kaufmann Rudi Steinls -«letzt Wrangelstraße 181 bei Kurz wohnhaft. All« fünf gehören der Sturmabteilung der Nationalsozialistischen Deutsche« Arbeiterpartei, und zwar dem Sturm 27, an, der das aus vielfachen Anlässen VereitS in der Oeffentlichkeit häufig genannte Lokal von Zielich zum „Wiener Garten", Wiener Straße ly, als ständige« Berkehrslokal «enntzt. Dieses Lokal bildete auch in der fraglichen Nacht den Aus" gangspunkt der Unternehmung. Die oben genannten Personen nahmen nächst an einem in dem Lokal stattfindenden sogenannten „Lumpem- H" teil und begaben sich dann in den frühen Morgenstunden mit Farbstoff und Pi,nsel bewaffnet nach dem Kottbuser Ufer. Um gegen eine etwa auftauchende Polizeistreife gesichert zu sein, wurden die Zugänge von der Kottbuser Brücke und von der Admiralsbrück« durch di« als Posten aufgestellten Wüstenberg und Ruba gesichert. Das Äe-- sudeln der Außenwand der Synagoge hat etwa «ine Stunde Zeit in Anspruch genommen. Döring, dar gewissermaßen, qls Anstifter anzusehen ist, ist der politischen Polizei bereits aus ähnlichen Vorgängen bekannt, bei welchen er mit feiner Klebe- und Pinselkolonn^. der auch Meckelburg zuzuzählen ist, tätig geworden ist. Nach dem glaubhaften Geständnis der zu 1 bis 4 näher bezeichnten Täter haben sich in vorliegendem Falle besonders Meckelburg und Steinle betätigt. Breslau. (Etat der Jüdischen Gemeinde.) Der Vorstand der Breslauer Jüdischen Gemeinde veröffentlicht den Haushaltsplan für das' Jahr 1930/31, der folgende Ausgabeposten enthält: Soziale Ausgaben (Wohlfahrtsamt) 362 114 M.; Jugendheim 15 360 Sst.; Unterrichtswefen 122 020 M. (davon für Lehranstalt I 45 574 M., Lehranstalt II 43812 M., höhere Lehranstalten 32 632 M); Bibliothek und Archiv 13 366 M.; Gottesdienst 186677 M (davon Alte Synagoge 70572 M., Neue Synagoge 73 455 M., Zweiggottesdienst 42 660 M.); Schlachtwesen 29 460 M., Badeanstalt 9 999 M.; allgemeine Verwaltung 96 546 M. (davon Subventionen 32 546 M., Beitrag an den Preuß. Landesverband 64 000 M.): andere Berwaltungsuukosten 211791 M.; Kosten der Steuererhebung 70 000 M.; der-Kesamtausgabenetat betrifft also die Summe von 1 117 333 M- Breslau. (Ernennung.) Der Dozent am jüdisch-theologischen Seminar in Breslau Dr. Isaak Heinemann ist zuin Honorarprofessor in der Philosophischen Fakultät der Universität Breslau ernannt Wochen. Dvisde«. (Auch ein Richterspruch die Folge verfehlter Taktik.) Wie verkehrt, ja gefährlich es ist, Abwehrarbeit «useigeue Faust treiben zu wollen, anstatt die Behandlung, solch schsoirriger Materie dem C.-B. als der dafür gegebenen und zuständige« Instanz zu überlassen, sei an folgendem, auch sonst interessanten Vorfall gezeigt. Einige Gemeindemitglieder nahmen mit Recht Awstoßdaran, daß, ein antisemitischer Zeitungshändler mitten in der Stadt, einen groben Hetzartikel, wonach Juden Fremde schachten dürfen, ausgeschnitten und mit roten Unterstreichungen versehen an seinem Verkaufsstande angeklebt hatte. Die um Schutz angerufene Behörde erhob zwar nur eine Anklage wegen Verübung groben Unfugs, aber selbst dieser lvurde nicht als vorliegend erachtet, sondern der Mann frei-- gesprochen. Urteil wie Begründung sind gleich seltsam. Erstens könne, wer Zeitungen verkaufe, nicht alles (!) lesen und auf seine Richtigkeit, prüfen, was darin stünde, zweitens aber sei der Nationalsozialismus «ine „geistige Bewegung (!), die nicht unterdrückt werden dürfe". Dabei.) soll der Richter, der dieses salomonische Urteil fällte, selbst kein Antisemit sein, ja er zog, um seine Objektivität und Gründlichkeik zu beweisen, einen Sachverständigen zu, den Theologieprosessor Alt von Leipzig, doch hatte er damit kein Glück. Denn in Uebereinstiin-- mung mit den nachfolgenden Zeugen legte dieser dar, daß die Uebersetzung bewußt falsch sei und daß von einem religiösen Gebot (in dem zu Grunde gelegten Sohar, einem kabbalistischen Buche, das überhaupt nur die wenigsten Juden kennen, keine Rede sein könne. 3tzaS wurde also durch die Anzeige erreicht? Das Gegenteil. Und dies wohl nur, weil der C.-B. zu spät und außerdem lückenhaft in. Kenntnis gesetzt, die Anklage weder nmmodeln noch den Gang der Verhandlung — ettva als Nebenkläger oder durch entsprechende ^Aufklärung ^des Richters — beeinflussen konnte. Ein „mene tekel" — hoffentlich für alle, denen die Reinhaltung unseres Glaubens chrlich fern Herzen liegt und di« sich daher nicht selbstherrlich, sondern in kluger Anwendung der gegebenen Mittel bemühen werden, sie vor Vevu<tzlimpfung hetvahren zu Helsen. DÜsseltzokf. (I u g e u d k u n d g e b u n g.) Am Sonntag, den 2^. März, veranstaltete der Düsseldorfer Stadtausschuß für Jugendpflege eine Jugendkundgebung zum Tage des Buches in der Rheinhflle. Im Rahmen dieser Veranstaltung ist es besonders hervorzuheben, daß der Sprechchor des Jüdischen Jugendvereins Düsseldorf als einzig« bündische Organisation an diesem Vormittag mitwirkte. Er bracht« in wirkungsvollster Weise unter Leitung von Herbert Felsenthal tchr Schöpfungsgeschichte in der Uebersetzung von Martin Buber zum Bortrag. Es ist zu begrüßen, daß sich die Stadtverwaltung Düsseldorf entschlossen hat, den Düsseldorfer Bund zur Mitwirkung aufzustndern, da hierdurch das überparteiliche Empfinden der zweitausend jugendlichen Zuhörer in erfreulicher Weise gestärkt wurde. Die Veranstaltung ist deshalb noch besonders bemerkenswert, weil es unseres Wissens das erste Mal ist, daß eine jüdische Organisation als einzige bei einer städtischen Veranstaltung mitgewirkt hat. — Es wäre sehr wünschenswert, daß dieser Geist auch an anderen Orten Verbreitung findet, denn er ist nicht nur dem örtlichen Verein, sondern im verstärkten Maße dem deutschen Judentum förderlich. Emhage«. (Jubiläum.) Letzten Sabbat beging Lehrer Kanthal unter Teilnahme der gesamten Gemeinde, vieler ehemaliger Schüler und auch auswärtiger Freunde sein 25 jähriges Ortsjubiläum. Für die Erhaltung des religiösen Lebens in der Gcnreinde ist der Jubilar mit Eifer und bestem Erfolg tätig gewesen. Landrabbiner Dr. Walter auS Kassel würdigte in seiner Festansprache, die im Mittelpunkte des feierlichen Gottesdienstes ftand, die Verdienste des allgemein geachtete« geistigen Führers. Kamrover. (R e p r ä s e n t a n t e n s i tz u n g.) Zu Beginn teilte der Vorsitzende mit, daß die Abrechnung der Friedhofsverwaltung für die Jahre 1925/29 vorliege, geprüft sei und noch bei den Repräsentanten zirkuliere. Der Vertrag mit dem Magistrat, den Grunde stückaustausch gegen Friedhofsgelände betreffend, tvird verlesen. Er ist noch in einem Punkte nachzuprüsen. Die Repräsentanten genehmige« den Abschluß des Vertrages mit der Einschränkung, daß die Grund- «rtverbsteuer vom Magistrat getragen wird. Nach längerer Aussprache anerkennt das Kolleg einstimmig (trotz Fehlens einer rechtlichen) di« moralische Verpflichtung, dem Kinderhort in seiner heutigen Art -und Gestaltung diejenige Summe über Rechnung der Friedhofsverwältung zuführen zu müssen, die ihm bislang aus der Verpachtung des Grundstückes Ohestraße zufloß und die durch den Austausch in Wegsall kommt. Zu Beginn der Etatberatungen führt Herr Herzberg fliberal) aus, der Etat bringe keine erheblichen Abweichungen und Aenderungen gegen den früheren. Für das zu Ende gehende Etatjäh« sei ein Betrag von 10 000 Mark noch dem Pensionsfond zuzusühren. Dem müsse unbedingt Rechnung getragen werden. Bei Bewilligungen müsse allergrößte Sparsamkeit herrschen, jede zur Verfügung stehenlde Einnahmequelle sei heranzuziehen, um die Steuerlasten nach Möglichkeit abzubauen. Der Zuschuß zum Religionsunterricht müsst vom Magistrat unbedingt erhöht werden. Für die Friedhofsverwaltung haben wegen der umfangreichen Erdarbeiten ganz besondere Verhältnisse bestanden. Das kommende soll als das erst« Rormaljahr für die Friedhofsverwaltung gelten. Bis zum 15. März 1931 müsse der nächst« Abschluß erfolgen. Etwaige Ueberschüsse seien, an die Gemeindekasse abzuführen. Treppenhaus und einig« Klassenzimmer der Religionsschule müßten freundlicher gestaltet werden. Die Mander- »innen dürften hier nicht abgefertigt werden. In der Wohlfahrtsstelle '.fei «in besonderer Raum «inzurichten, in dem die Petenten den Sekretär sprechen können. Das Geld, das dem Preußischen LaudeSverband zuzufhhren sei, könne man für die unmittelbaren Zwecke der Gemeinde besser verwenden. Man werde über kurz oder läng doch einen ‘ voll-« amtlichen Syndikus einstellen müssen, um di« Repräsentanten zuentkäste». Die Gemeinde habe erhebliche Verpflichtungen gegen pensionsberechtigte Beamte. Eine Umwandlung der Besteuerung sei notwendig. Man müsse eine Kombination von allgemeinen Beiträgen und solchen ans Grund der Einkommensteuer anstrebeu. Die Höhe und Abstufung seien. natürlich gründlich zu prüfen. Ein« solche Aenderung werde dem Fortbestand der Gemeinde dienen und die Arbeit der Verwaltung wesentlich erleichtern. Redner dankt dann namens der liberalen Fraktion den Gemeindebeamten für ihre treue und gewissenhafte Arbeit. Herr Dr. Schleisner (Einheitspartei) bemerkt, daß für den Provinzialverband hannoverscher Synagogengemeinden zu wenig getan werde. Man müsse durch Halten von Gottesdiensten und Vorträgen das Interesse an jüdischen Dingen in Kleingemeinden qnregen. Die BibliothekSkommission werde zusammentreten, sobald die Bibliothek geordnet sei. Die Sommerserien sollten dazu benutzt werden, die Räume der Religionsschule zu verschönen. Redner befürwortete, die angeregten Verbesserungen im Wohlfahrtswesen sowie die Anstellung eines Syndikus. Auch durch die Annahme der neuen Wahlordnung werde eine Vergrößerung der Verwaltung notwendig. Ob im Herbst Neuwahlen stattfinden, sei durchaus zweifelhaft, da das Material beim Ministerium nur langsam bearbeitet »vcrde. Die vorgeschlagene Einführung der - Kopfsteuer bedeute für viel«, die bislang steuerfrei waren, eine erhebliche Belastung. Ein großer Teil von den nach dem neuen Wahlstatut aufzunehmenden Gemeindemitgliedern werde überhaupt nicht zur Zahlung herangezogen werden können. Trotzdem begrüße er den Vorschlags »veil er ein« Entlastung der große»» Steuerzahler bedeute. Durch die damit einsetzende Steuerfreudigkeit werde der Verwaltung viel Arbeit erspart werden. Man solle sich sofort mit der Regierung in Verbindung setzen, ob sie eine derartige Aenderung der Besteuerung genehmigen »verde und von einer Fünferkommission die Vorarbeiten leisten lassen. Redner dankt im Namen seiner Freunde ebenfalls der Beamtenschaft. Herr Rabbiner Dr. Schorsch bittet, dem Lehrhaus 750,— Mark zum Halten von Borträgen durch auswärtige Redner zu bewilligen. Herr Landrabbiuer Dr. Freund glaubt, daß die Regierung das neue Steuergesetz genehmigen werde. Herr Dammann (liberal) moniett, daß einem Beamten auf Gemeindekosten eine Laubhütte gebaut worden sei. Er sei gegen Bewilligung der 750,— Mark. Es fänden genug öffentliche Borträge statt, die sich mit jüdischen Fragen beschäftigen. Auch den Posten „Reisekosten" lehne er gb. Die Lehrerbibliothek sei der Gemeindebibliothek anzuglicdern. Herr Dr. Schwarz (Einheitspartei) empfiehlt, den von Herrn Dr. Schorsch in einer Elternversammlung erstatteten Bericht der Religionsschule drücken und allen Eltern zugehen zu lassen. Er sei für Bewilligung der 760,— Mark. Ebenfalls Herr Goldmann (Einheitspartei). Herr Dr. Goldschmidt (liberal) lehnt die 750,— Mark mit der Begründung ab. daß zuviele unterstützuugsbedürftige Vereine da seien. Soviel Geld einem einzigen Verein zu geben, gehe über den Rahmen der Leistungsfähigkeit, Die Sozialbeitrage für die Beamten sollen weiter von der Gemeinde geleistet werden, da das Gegenteil einer Gehaltskürzung gleichkomme. Herr R.-A. Goldstein (Volkspartei): „Oeffnen Sie die Tor« der Gemeinde tveit. Dann »vivd eine steuerliche Entlastung eintreten." Die Genehmigung des Wahlstatuts durch das Ministerium müsse beschleunigt werden. Die 750,— Mark möge man bewilligen. Das sei im Interesse aller Parteirichtungen. Herr Dr. Schorsch vertritt nochmals die Bewilligung der 750,— Mark, für deren Bewilligung auch Herr Sternheim (liberal) ist. Auch Herr Dr. Gumpcl (liberal) schließt sich dem an. Herr Herzberg: Das Kolleg müsse Einblick in die Rechnung der FriedhofHoerwaltung haben. Führung von Sonderkonten sei zu vermeiden. Auch die Rechte der Bibliothekskommission dürfen nicht geschmälert werden. Herr R.-A. Goldstein bittet, die beiden Sportvereine gleichmäßig zu subventionieren. Herr Dammann'Vspfieht dagegen die Bewilligungen gemäß Vorschlag des Vorstandes anzunehmen. Herr Wechsler und Herr Dr. Schorsch bitten, dem Bar Kochba 200,— Mark zu bewilligen, was auch geschieht. Sodann werden die 750,— Mark für das Lehrhaus einstimmig bewilligt. Auf Antrag Herzberg wird eine fünfgliedrige Kommission zur Abänderung der Stxuerordnung gewählt. Außerdem wird der Vorstand beauftragt, geeignete Maßnahmen zur Beaufsichtigung der Chorkinder zu treffen.! Sodann wird der Etat in Höhe von 315 845 Mark mit geringfügigen Äenderüngeir ohne »vettere Einwendungen einstimmig genehmigt. Es tvird einstimmig beschlossen, zwei Vorauszahlungen von je 30 o/o des vorjährigen Steuer-Ist als Abschlagszahlung auf die endgültige Veranlagung zu dm Synagogenabgaben zu erheben. Herr Kommerzienrat Berliner, Herr Albert Wolfs und Herr Dt. Gumpel werden; in ein« Kommission gewählt, die über die Uebernahme des Allersheims zu beraten und der nächsten Repräsentantensitzung zwecks 'Beschlußfassung zu berichten hat. Der Zeitpunkt für die Entpachtung der für den Urnenhain benötigten Grundstückfläche »vird dem Vorstand überlassen. Der vom Vorstand vorgeschlagene Zusatz zu § 4 des Abgabewstätuts betr. Erhebungen von Vorauszahlungen bei noch nicht erfolgter Veranlagung zur Reichseinkommenstcuer wird genehmigt. Köln. (Die „Gemeinschaft" wehrt sich.) Die „Gemeinschaft" Bereinigung für fortschrittliches Judentum e. B. Köln übersmdet uns folgendes Schreiben, das sie an den Vorstand der Synagogengemeinde Köln gerichtet hat, mit der Bitte um Veröffentlich»»»»«. Näherer Erläuterungen des Briefes bedarf es kaum, da sein Inhalt den Sachverhalt klar darstellt. Die Schriftleitung. Köln, den 28. 3. 1930. An dm Vorstand der S»)nagogeng«meinde Köln, i. £>. des Vorsitzenden, Herrn Emil Blummau Köln, Roonstraße 50. In der letzten Repräsentantenversammlung sah sich das Mitglied des Vorstandes, Herr Schnelling, bemüßigt, die „Gemeinschaft" als „Sonntagsgemeinschaft" zu bezeichnen. Der Unterzeichnende wies diesen Ausdruck als ungehörig zurück und erklärte deutlich, es sei an den von Gegnern geflissentlich verbreiteten Gerüchten, die „Gemeinschaft" plane die Verlegung des Sabbat auf den Son»»tag, kein »vahres Wort- Umso peinlicher uitb häßlicher mußte es »virkm, als Herr Schnelling trotz dieser Ausführungen den Ausdruck „Sonntagsgemeinschaft" noch zweimal wiederholte. Die „Gemeinschaft" sucht die schwierige Aufgabe zu lösen, abseitsstehende »vertvolle Menschen wieder an das Judentum zu binden. Sie darf envarten, daß »nan über ihre Tendenzen in ernster und sachlicher Weise spreche. Sie bittet den Vorstand, er möge sie hinfort vor Verdächtigungen und vor Verhöhnung schützen, »vmn eines seiner Mitglieder — dazu noch in öfsmtlicher Sitzung - sie in »»«qualifizier-' barer Weise angreift. Ein« Abschrift dieses Brieses erlaubten »vir unS dem Vorsitzenden der Repräsentanz, Herrn Generalkonsul Max Baumann, zu über- Jn vorzüglicher Hochachtung Die „Gemeinschaft" e. V. Köln. §ez. Dr. Walter Blank. Königsberg. (R e p r ä s c n t a n t e n s i tz u n g.) In der letzten Repräsentantensitzung gedachte der Vorsteher Professor Dr. Rudolf Cohn der dahingegangenen Repräsentanten Konsul Dr. Leo Laser und Fabrikbesitzer Salomon Winter, sowie der Jubiläen von Justizrat Lichtenstein, Synagogenvorsteher Liebermann, Rabbiner Rabbiner Dr. B o g e l st e i n und Repräsentant F u e r st. Der Vorsteher teilte mit. daß die Jüdische Mittelpartei e. V. und die jüdischreligiöse Mittelpartei ihm die Mitteilung gemacht haben, daß sie sich zu einer Fraktionsgemeinslhast der Bereinigten Mittelparteien der Synagogmgemeinde Königsberg zusammengeschlossen haben. Die Versammlung beschloß «ine Subvention von 180 Mark für den Verein für Bibel- und Talmudstudium und eine solche von 200 Mark für den Verein Jüdischer Religionslehrer und Kultusbeamten zu bewilligen. LS wurde beschlossen, das dem Synagogenverein Cranz gehörig« Synagogengrundstück des gleichnamigen Seebades von der Königsberger Gemeinde zu übernehmen. Zum Wahlleiter für die Repräsentantenwahlen wurde Rechtsanwalt Dr. I a c o b h II, zu dessen Stellvertreter Rechtsanwalt Dr. Gr »mach bestellt. Es folgte ein Bericht über den Bau des neuen Friedhofs an der Steffeckstraße, auS dem hervorgeht, daß der Voranschlag um «ttwt 10 °/o überstiegen wurde. Jedoch sind erhebliche Mehreinnahmen auS Grundstücksverkäufen gegenüber dem Voranschlag erzielt worden. Königrörrs. (Von den Gemeindewahlen.) Der Wahlleiter Rechtsanwalt Dr. Jacoby ll veröffentlicht nunmehr die Vorschlagsliste für die am 6. April stattsindende Repräftntantenwahl. Den ersten Wahlvorschlag stellt die Liste der Vereinigten Jüdischen Mtttelparteien dar, deren Spitzenkandidaten wir bereits genannt haben. Den zweiten Wahlvorschlag bildet der der Bereinigung für das liberal» Judentum «. V., Ortsgruppe Königsberg i. Pr., deren Vorschlag ebenfalls schon von uns bekannt gegeben ist. Den dritten Wahlvorschlag' hat d»e Jüdische Bolkspartei eingeveicht. Es kandidieren für sie: Rechts anwalt Dr. Selimar Berlowitz, Kaufmann Ephraim Piczen»k,Dr. jur. Sigmar Ginsburg, Kaufmann A. Sch. Munwes, Apotheter Max Rosenthal, Kaufmann Isidor Klatzkow und Frau Berta Goldbe r g. Den vierten Wahlvorschlag hat die Jüdischkonservatrve Bereinigung eingereicht. Auf ihm stehen: Bankdirektor Hermann Marx, die Kaufleute Dr. Louis Perlmann, Jacob L o e w e n t h a l, Laser B r a u d e, Heinrich P o f n e r, Kurt Kasper und Max Wartelsky. (2«eh*E rversammlung.) Der Bezirksverein jüdischer Lehrer am Nrederrhein hielt hier am 23. März seine Frühjahrsversammluug ab. Beratungsgegenstände waren im »vesentlichen: Die Ander^estaltuirg des Ilnjernchts im Hebräischen und die Einführung des jüdischen Buches in das jüdische Haus. Den ersten Gegenstand hatte man schon »n der Herbsttagung des Vereins besprochen. In der Hängen Versammlung sprach man sich dahin aus, daß ein lebhafterer Betrieb und eine Ern>eiterung des Stoffes im Hebräischen wohl erwünscht sei. Dagegen hielt man es nicht für die Aufgabe der Schule, Sprechfertigkeit im Hebräischen zu erzielen. Eine solche Ueberspannung sei »»>eder erforderlich noch erveikhbar. — Ueber die Einführung des jüdischen Buches in die jüdische Familie sprach der Vorsitzende des Vereins, Herr Heymann-Rheydt, in fesselnden und überzeugenden Ausführungen. Hier handele es sich um die Zurückgewinnung verlorener jüdischer Belange. Sie könne nur durch Vermittlung der Schule erfolgen. Für die Schule seien von jüdischem Geist erfüllte Lesebücher erforderlich, für die gesamte Jugend wertvolle Schriften. Der Gegenstand wird die niederrhcinische Lehrerschaft noch einmal auf ihrer Bezirkstagung im November beschäftigen. Hauptlehrer Andorn- Krefeld hielt für di« Weiterbildunng der Lehrerschaft die Bildung vor» Bezirksbüchereien, die olle wesentlichen pädagogischen u,»d Wissenschaft- ^"^Neuerscheinungen enthalten sollten, für höchst wünschenstvert. Die Mittel müßten von dem Landesverband und von den Großgemeinden des Bezirks hergegeben »»»erden. Die Verwirklichung dieses Gedankens soll angestrebt nrerder». Die Tagung verlief ebenso anregend »vie ergiebig. Langenftlhold. (Neuer Lehrer.) Zum Lehrer der hiesigen Gemeinde wurde Lehrer D. Loeb von der Regierung ernannt. Herr Loeb »vor früher in der Provinz Posen tätig und kam als Flüchtlings lehrer nach Zivesten (Bezirk Kassel). Die von ihm geleitete öffentliche Volksschule ist vo»n Minister aufgelöst »vorden. Liffa i. P. (Tragischer Vorfall.) Zur Feicr des 25 jährigen Jubiläums der hiesigen Raphael Kosch-Loge war auch de» älteste der Gründer, Fabrikbesitzer Sigismund Goldschmidt, aus Breslau, gekommen. Ihn hat das tragische Geschick ereilt, daß er an der Festtafel, bald nachdem er seine Festrede beendet hatte, einen Herzschlag erlitt, dem der sofortige Tod folgte. Sigismund Goldschmidt stand im 77. Lebensjahre und »var, bevor er seinen Wohnsitz nach Breslau verlegte, viele Jahre Mitglied des hiesigen Gemeindevor-- standes. Als solcher hat er sich große Verdienste um die hiesige Gemeiirde erworben und auch im Breslauer Gemeindelrben und ft» den dorligen Logen spielte er eine bedeutende Rolle. Die Gründung des Logenheims in Krummhübel ist hauptsächlich sein Werk. Laut testamentarischer Bestimmung erfolgte seine Beerdigung auf dem hiesigen Friedhofe. Wie einst um den Hohepriester, »venn er starb, das ganze Volk trauern sollte, so pries Rabbiner Dr. Sänger aus Breslau den Verstorbenen vor der großen Trauerversammlung als einen Hohepriester der Menschheit, der Menschlichkeit und der Güte, um den alle trauern, die ihn gekannt haben. Weitere Worte treuen Gedenkens »vidmete ihm Rechtsanwalt Dr. Max Wolff aus Breslau seitens der Breslauer Logen. Das Airdenken des Verblichenen wird in hohen Ehren bleiben. Lissa i. P. (Repräsentanten - und Vorstandswahl e n.) Da die Aussührungsbestimmungen zu dem »reuen polnische»» Judengesetz noch nicht erschienen sind, haben die Repräsentanten- und Vorstandswahlen nach den Statuten des alten preußischen Judengesetzes stattgefunden. Es tvaren 15 Repräsentanten u»»d 5 Stellvertreter, sowie 5 Vorstandsmitglieder und 3 Stellvertreter zu wählen. Sanitätsrat Dr. Simon Scherbe! wurde wieder zum Vorsitzenden der Repräsentanten, Juda Choinacki zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. In den Vorstand wurden gewählt: Landgerichtsrat Dr. Meyer Hoffmann, Dipl.-Jng. Wolf Pachter, Isidor Cohn, Ignatz. Zmigrod, Heinrich Rosenblum. Es ist zu wünschen, daß diese Wahlen zu einer Sanierung der Verhältnisse in der Gemeinde führen. Rödinge«. (Friedhofsschändung.) Aus dem jüdischen Friedhof in Rödingen, Kreis Jülich (Rhld.), tvurden — wie von dott telegraphiert wird — 14 Grabsteine umgeworftn, die zum Teil erheblich beschädigt worden sind. Am Abend vor der Tat hatte eine nationalsozialistische Versammlung stattgefunden. Auf die Ergreifung des Taters dieser 82. Friedhofsschändung sind 200 Mark Belohnung ausgesetzt »vorden. Ta-iau. (Gedenkfeier für Kultusbeamten Becker.) Hier fand eine Gedenkfeier für den verstorbenen Kultusbeamtcn S. Becker statt. Lehrer Miloslatver-Königsberg nahm nach einleitenden Gesängen von Kantor Schmulotvitz-Labiau die Gedenkrede auf, in der er die. Erzählung von den drei Kronen des Thoragelehrten, des Priesters und des Herrschers aus den Sprüchen der Väter zugrunde legte. Diese Kronen habe der Dahingegangene sich erworben. Er sei ein anerkannter Thorakundiger gewesen und habe sich durch seine Tätigkeit im Gotteshause die Krone des Priesters erworben. Außerhalb des Gotteshauses habe er die dritte Krone des Führers in der Gemeind« errungen. Das Wertvollste aber sei die Krone seines guten Namens gewesen, die über allm drei Kronen stehe, denn diese habe er sich be»' Juden »vie bei Nichtjuden erworben. Nach dem „el molc rachamim" von Kantor Dchmulowitz gedachte Lehrer Miloslatver der dahingegangenen Gefallenen, woran sich das allgemeine Abendgebet anschloß. Vereinsnachrichten Jakob Wassermann liest aus Einladung von Generalkonsul Eugen Landau aus seinem unveröffentlichten Vorspiel zum Etzel-Roman am Sonntag, 6. April, Vs9 Uhr abends, in der „Deutschen Gesellschaft 1914", Schadowstraße 7, zum Besten der „Jüdischen Altershilse Groß-Berlin «. (Karten ä RM. 10,— int Büro der Altershilfe, Kantstraße 160, Bismarck 1221.) Der Landesausschvß Berlin der jüdischen JugendoerdLnde veranstaltet am Montag, den 7. April 1930, abends 8 Uhr, im Gemeindehaus, Rosenstraße 2-4, einen Ausspracheabend über das Thema: „Die Wittschaftssituation der deutschen Juden". Das Referat hält Adler-Rudel, Leiter des Arbeiterfürsorgeamtes der jüdischen Organisatio»»en Deutschlands. Einige führende Wirtschaftspolitiker »verden in der Diskussion sprechen. Gäste sind willkommen. Deutsch-jüdische Jugendgemeinschaft, Ortsgruppe Berlin. Elternabend im Bezitt Nordwesten am Sonntag, den 6. April 1930, abends 71/2 Uhr, in den Hohenzollernsälen, NW-, Bandelstraße 35. Elternahn»d im Bezitt Nordosten am Mittwoch, den 9. Apttl 1930, abends 8 Uhr, in der Aula der Königstädtischen Oberrealschule, NO. 55, Pasteurstraße 44-46. An beiden Elternabenden finden Aufführungen wie „Der große und der kleine Klaus", Irenen aus „Der rote General" u. a. statt. Redaktionelle Notiz Als Brotaufstrich, der sich gleicherweise durch Wohlfeilheit wje durch besonders feinen Geschmack auszechnet, erupsiehlt Frau Elisabeth Michel, Zittau i. Sa., eine Mischung von 1/2 Tafel Palmin mit i/4 Pfund Speck. Frau Michel hebt außerdem hervor, daß ihr Palmin seit jeher vorzügliche Dienste leiste und daß mit Palmin hergestelltes Gebäck locker gerät, leicht verdaulich ist und sich durch lange Haltbarkeit auSzeichnet. Auch erweise sich Palmin als besonders sparsam. Wir geben diesen «einen Wink dem Wunsch« der Einsenderii» entspre- «hn»d gern an unsere Lesettnnen »veiter.

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