Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 14 (2.4.1930)
- Date
- 1930-04-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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MjschllberaleZeMng Organ der Vereinigung für das liberale Judentum e.V. 1v«ro«tw-rtl. Redat»««r: Bruno Voydo. ' Dt« Vereinig»«« für da« liberale Zndenkum übernimmt nur für diejenigen Aufsätze, die ausdrücklich als in ihrem Namen oder in ihrem Aufträge versaht gekennzeichnet sind, die Verantwortung. Alle anderen Artikel. Aenheruagen und Vorschläge erscheine« unter der Verantwortung der Redamon. vie „Jüdisch-liberale Zeitungerscheint jeden Mittwoch. Redaktion und GeschitftsfteNe: Berlin SV 11. Hallesche Skr. 1 ernruj: Dergmann 3358, 3359 oftschecktonto: Berlin JOB 7, 137068 Bereinigung für das liberale Zndenkum) Nachdruck sämtlicher Original-Beiträge nur mit vorheriger Genehmigung der Redaktion gestattet._ Bezugspreis durch die Geschäftsstelle '/.jährlich M. L— Einzelnummer 9.25. Bei freier Zusendung l. Inland 0.30 5ür dle Mitglieder der Vereinigung ist der Bezugspreis im Mlglledsbeitrag« «nihatte«. Anzeigenpreise: Die 12 geipalt. Nonpareillezeil« 0.45 Anzeigentarif durch dle Geschäftsstelle. Anzeigenannahme bei der Geschäftsstelle u. fämtl. Annonceu-Expedit. Nr. 14 Berlin. 2. April 1930 10. Jahrgang Vreutzifchll Landesverbandstag Ter Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden trat am 30. und 31. März zu seinen alljährlichen Beratungen zusammen. Ta am 30. November dieses Jahres zum ersten Male Neuwahlen für dieses Gremium stattsinden werden, muß der Verband in der nächsten Zeit erhöhte Beachtung bei der preußische n Juden heit zu erreichen bemüht sein. Ist. doch, seine Tätigkeit leider noch immer in weiten Kreisen nicht hinreichend bekannt. Daß es ihnl in den letzten sechs Jahren möglich! gewesen ist, religiöses Leben in kleinen Gemeinden zu erhalten und zu fördern, jüdischen Kultus'beamten, ihren Witwen und Waisen ein wenn auch noch« notdürftiges, so doch, wenigstens erträgliches Leben zu gewährleisten, das ist bereits so feststehend, daß darüber nahezu gar nicht mehr gesprochen wird. Und vie Folge davon ist, daß. der abseits stehende Jude diese zur Selbstverständlichkeit gewordenen Tatsachen nur zu leicht vergißt. Gewiß ist noch nichts vollkommen; aber an den Mängeln trägt wohl mehr das Fehlen entsprechender Staatsbeihilfen als der Wille des Landesverbandes die Schuld. Immerhin gelangen an Subventionen für leistungsschwache Gemeinden und an Beihilfen für Kultusbeamte jährlich mehr als eine halbe Million Mart zur Auszahlung. Durch die Einrichtung von Bezirkstehrersteilen und BezirksraMnaten ward auch eine planvolle religiöse Betreuung der kleinsten Gemeinden ermöglicht. Im Bezirk Niederschtesien ist ein derartiges Bezirk'srabbinat eingerichtet worden mit dem Sitz in Oels, im Bezirk Nordschleswig mit dem Sitz in Frieorichstadt, im Bezirk. West iälen mit dem Sitz in Borken, im Bezirk Oberschlesien mit dem Sitz in Groß-Strelitz. Tie Einrichtung weiterer Bezirksrabbinate steht bevor, wobei hoffentlich entsprechend einem liberalen Antrag über die zweckmäßigste Legung des Rabbinatssitzes mit den zuständigen Provinztalverbänden im voraus Fühlung genommen werden wird. Und weiterhin leistet der Landesverband umfangreiche Arbeit auf dem Gebiete der jüdischen Wohlfahrt, wo mit seiner Hilfe in den letzten Jahren beispielsweise bei der Errichtung des Wolziger Fürsorge-Erziehungsheims oder den Vorbereitungen zur Gründung einer Arbeiter-Kolonie Wesentliches erreicht wurde. Tie Ausbildung von Lehrern und Kantoren wird gleichfalls vom Landesvetbano zentral gestaltet. Theologische Bildungsanstalten und Organisationen für die Wissenschaft des Judentums werden von ihm in erheblichem Umfange subventioniert. Manche Anstalt würde vermutlich, schon ihre Existenz eingebüßt haben, hätte nicht der Landesverband als Helfer gewirkt. Wenn aber trotzdem der Lanoesverband in weiten Kreisen so unpopulär ist, so ist die Ursache in seiner eigenen völlig unzweckmäßigen Organisation zu suchen. Die sachliche Arbeit des Landesverbandes wäre unschwer von Gremien zu leisten, die gegenüber den heutigen Zuständen eine Reduktion um die Halste aufweisen würden. Tie Liberalen haben mehrfach in diesem Sinne Anträge gestellt, und ftc hüben schließlich« wenigstens schrittweise eine Verkleinerung zu erreichen versucht. Aber die zionistischen Ideologen träumten von einem „jüdischen Landesparlament'" und ihr Drang nach „Abgeordnetenreden" überwiegt das Interesse an ruhiger fachlicher Arbeit. So wird erst der nächste Wahlkampf entscheiden können, ob' weiter wie bisher 125 Persönlichkeiten aus den verschiedensten Teilen Preußens in Berlin zusammenkommen müssen, um eine Arbeit zu vollbringen, die ebenso gut von einem weit kleineren Gremium vollbracht werden könnte. Vorerst muß man sich damit abfinden, daß die Größe der Landesvcrbanosgremien dazu führt, daß unerhebliche Formalien zu den bedeutungsvollsten Angelegenheiten ausgebanscht werden, und daß Erörterungen über alle möglichen Fragen stattsinden, auch wenn sie in der Arbeit des Landesverbandes selbst garnicht zur Debatte stehen. Daß man infolge der Beratung von Wahlordnungen und unerheblichen Verfassungsänderungen zu der geplanten Aussprache über die „Wirt- Zur Beachtung! Unter Hinweis auf die Veröffentlichung in Nr. 5 dieses Jahrgangs erinnern wir ergebenst daran, daß die Generalversammlung vom 1. und 2. Februar 1930 den Jahresbeitrag auf Rm. IS.— (d. i. vierteljährlich Rm. 3.—) festgesetzt hat. Vereinigung für das liberale Judentum e. V. schastsnot der deutschen Inden"" keine Zeit mehr hatte, ist ganz charakteristisch. Der Kamps bei den Neuwahlen wird darum gehen, ob die jüdischen Gemeinden Religionsgemeindcn sein sollen und der Landesverband ein Verband derartiger Gemeinden, oder ob die Politisierung des Judentums besiegelt werden soll. Ein der Volkspartei angehörender ostjüdischer Führer hat tu der Debatte klar ausgesprochen „w-kr werden es nicht dulden, daß die jüdischen Gemeinden zu R e t i g i o n s gemeinden d e - gradiert werden". Das deutsche Judentum wird bei beit Wahlen die Antwort au, derartige Gedankengänge zu erteilen haben. Verhandlungsberichk Nach Borberatungen des Haushallsansschusses am Freitag, den 28. März, und einer Ratssitzung am 29. März traten am Sonntag vormittag die Fraktionen zu ihren Beratungen zusammen. Ter Verbandstag selbst fand Sonntag mittag seinen Auftakt in einer religiösen Weiherede des konservativen Berbandstagsmitgliedes Rabb. Dr. Roscnthal (Köln). Er würdigt das bisher vom Verbände Geleistete und wünscht den Mitarbeitern am Werk, daß ihre Wähler nach diesem 6. (Verbands)tage der Arbeit gleich Gott nach den 6 Schöpfungstagen „ihr Werk sehen und sagen: Es ist sehr gut!" Sodann eröffnet der Präsident R.-A. Stern den Verbandstag und bezeichnet als Hauptziele der Arbeit für die nächste Zeit: Schaffung eines neuen Judengesetzes und des Reichsverbandesder deutschen Juden. Der Präsident begrüßt den anwesenden Vertreter der Gemeinde Danzig, di«, politisch abgelöst, von allen doch als wertvoller Teil des deutschen Judentums angesehen werde, gedenkt, während alle Anwesenden sich erheben, der im letzten Jahre verstorbenen Abgeordneten JustizratHirschberg (Breslau), R- - A. Katze nstein (Kassel) und der Ratsmitglieder Prof. Türk (Berlin) und G r ü n w a l d (Beuthen), und begrüßt bi£ an ihre Stelle getretenen Herren, besonders herzlich das nun den Platz seines Vaters auch im Engeren Rat einnehmende Ratsmitglied L. G. R. D r. L i l i e n t h a l (Berlin). Den Tätigkeitsbericht des Rates erstattet sein Präsident Kammergerichtsrat Leo Wolfs (Berlin) unter Bezugnahme auf die gedruckte Vorlage: Es ist mit geringem Auswande Gutes geleistet. Das Wichtigste aber ist, daß sich die preußische Jupenheit hier eine legitime Vertretung ihrer Gesamtinteressen und eine Tribüne für ihre Forderungen und inneren Auseinandersetzungen und damit zugleich eine Möglichkeit inneren Ausgleichs durch großzügige gemeinsame Arbeit geschaffen hat. Als Manko ist das Stocken der Reichsoerbandsgründuug zu werten nach der Ablehnung des gemeinsamen Entwurfs der Landesvcrbandsleitungen durch den letzten Berbandstag. Der Referent schloß mit herzlichen Daiikesworten an die Dezernenten und Angestellten des Verbandes. Den Etat für 1930/31 bringt der Finanzdczernent im Rat, Direktor Kareski, Vorsitzender der Berliner Gemeinde, ein, zugleich mit dem Rechnungsabschluß für 1928/29. Der Voranschlag schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 1 201 000 RM. (1929/30: 1 243 000 RM.) ab. Bemerkenswert ist der neue Titel „Bezirksrabbinate" (50 000 RM.) und die Herabsetzung des Wohlsahrtsetats von 180 000 auf 120 000 RM. Ter Referent schildert die wachsenden Anforderungen und schrumpfenden Einnahmen, rügt die Säumigkeit zahlreicher Mitgliedsgemeinden bei Erfüllung ihrer Verpflichtungen, die allerdings jetzt schon vielfach unverschuldet sei, aber nicht zu einem Druckmittel für die Durchsetzung von Sondcrtvünschen werden dürfe. Bei der Gcwähruirg der Staatsbeihilfen werden die Inden anderen Religionsgemeinschaften gegenüber stets benachteiligt. Noch größere Gefahr aber droht von innerjüdischen Gegnerschaften. Wenn jene intrigierende Gruppe (gemeint ist der Halberstädtcr „Preußische Landesverband gesctzestreuer Synagogengemeinden") nicht endlich zu gemeinsamer Arbeit zurttckfiudet, wird die ganze preußische Jndenhnt die von ihr zerschlagenen Fensterscheiben bezahlen müssen. — Die „Sammelanleihe", vom letzten Verbandstag beschlossen, hat nicht vollen Erfolg gehabt, da von zahlreichen Gemeinden unmögliche Konditionen (Zinslosigkeit u. a. m.) verlangt wurden. Rechtsanwalt D r. Klee (Berlin), Vizepräsident des Rates, berichtet über die von der SnbventionskomMission geleistete Hilfsarbeit: Aufgabe war: die Gewährung von Beihilfen oder Darlehen an Kleingemeinden für allgemeine Kulturzwecks (Renovierung bzw. Neuerrichtung von Friedhöfen, Synagogen oder sonstigen Kulturdenkmälern besonderen Werts), Beihilfen an leistungsschwache Gemeinden zur Aufrechterhaltung »der Belebung von Kultus und Unterricht, Förderung jüdisch-wissenschaftlicher Institutionen und Auszahlung von Ruhegehältern an Beamte und Beamtenlvitwen ans leistungsschwachen, aufgelösten oder nicht mehr deutschen Gemeinden. Auch eine jüdische Hilfsaktion für den deutschen Osten hat der Ausschuß mit bescheidenen Mitteln durchgeführt und auch mittelbar auf die Betreuung jüdischer Hilfsbedürftiger in Nervenheil- und ähnlichen Anstalten eingewirkt. Allein an Ruhegehältern wurden in den letzten beiden Jahren zusammen etwa 190 000 RM. gezahlt. Auch Dr. Klee schließt mit einem Appell an die Gemeinden, die schwere Arbeit des Verbandes nicht durch Indolenz zü gefährden. Einen interessanten Ueberblick über das Problem der Staatsbe i Hilfen gibt der Vizepräsident des Rates D r. Js ma r Freund. Während die Beihilfen für die christlichen Kirchen in Preußen von 1924—1929 von 53 Millionen auf 82 Millionen RM. jährlich gestiegen sind, beträgt die für uns Juden nur jetveits 200 000 RM. Der Beitrag müßte bei Zugrundelegung des Bevölkerungsanteils mindestens 820 000 RM., bei Zugrundelegung des Steueraufkommens der Juden noch viel höher sein. Aber auch von diesem Betrage wird durch „Abrundung" ein Teil noch uns entzogen, trotz eindeutiger parlamentarischer Beivilligungsbeschlüssc, und ständig sucht man uns unser Recht, das man noch als solches bestreitet, iveiter zu verkümmern. So ist die ganze Kultur- und Sozialarbeit des Verbandes immer wieder in Frage gestellt. Es herrscht bei gewissen maßgeblichen Stellen den jüdischen Interessen gegenüber Willkür und Uebeltvollen. So hatte .man die Förderung der Bezirksrabbinate abhängig gemacht von deren Errichtung und nach ihrer Errichtung die Förderung vertveigcct wegen „Einsparung von Pfarrstellcn" l Einen Teil der Mißerfolge gegenüber gegenüber den Behörden führt Referent auf die Minierarbeit des Halberstädter „Preußischen Landesverbandes gesehestreuer Synagogengemeindcn" zurück, gegenüber dessen Darstellung im letztwöchigen „Israelitischen Familienblatt" er folgendes feststellt: Ettva 70 Gemeinden gehören beiden Verbänden an. l§as ist ein Unding und verwirrt die Rechts- und Verbandslage nach innen und außen: Zahlreiche Doppelmitglieder stellen ihre jeweilige „Berbandstreue" auf die Höhe der zu erlvartenden Beihilfen ab, andere erschleicheu doppelte Beihilfen und schaffen so eine Atmosphäre der Kor-« ruption, die nicht zu dulden ist. Schreiten wir ein, so macht man daraus in Verdrehung der Tatsachen „Mißbrauch von Siaatsgeldern", informiert in diesem Sinne die Behörden, während wir zum Besten aller gerade die Behörden überzeugen, daß die Verteilung der Beihilfen im jüdischen Interesse dem jüdischen Verbände als bestem Sachkenner verbleiben, eine andere Regelung als bevormundend und daher, verbitternd wirke, muß. Durch die Machenschaften ist das Gegenteil fast schon erreicht, ja die Staatshilfe beinahe ganz in Frage gestellt. Tie Behörden sind der täglichen Quereln des anderen Verbandes über drüssig, der intrigiert und petitioniert, auch die Vorarbeiten zum Judengesetz gefährdet, »vährend wir Arbeit leisten und dem Gesamtjudentnm dienen. Zu verurteilen ist auch die Entspannung der hessischen Vorsteherämter als staatlicher Einrichtungen für die Zivecke des Halberstädter Verbandes. Dieser verkehrt mit uns in einem unwürdigen Tone und verletzt schließlich nicht nur unsere, sondern auch die gesamtjüdischen Interessen. Dr. Freund schließt unter lebhaftem Beifall der Liberalen und der Bolksparteiler: „Bisher haben wir im Allgcmeininteresse uns zurückgehalten und geschwicgen. Jetzt ist es Pflicht, zu In der nun folgenden Generaldebatte ergreift für die Liberale Fraktion das Wort Frau Paula Olleudorfs-Vreslau. Sie tritt für das Frauenstimmrecht im jüdischen Gemeindeleben ern und spricht den Parteien, die entsprechende Bemühungen unterstützt haben, den Dank der jüdischen Frauen aus. Leider gäbe es noch immer Gemeinden, die sich der Mitarbeit der Frauen verschließen, aus dreierlei Gründen: 1. weil manche trotz vieler gutachtlrcher Aeußerungen u. a. von Rabbiner Dr. Nobel und Dr. Ksinsky, wonach der gleichberechtigten Mitarbeit der Frauen in der Gemeinde keine religionsgesetzlichen Bedenken entgegen stehen, dies immer noch nicht airerkennen. 2. Gibt es Gemeinden, die auf die Rundfrage des Jüdischen Frauenbundes geantwortet haben, ihre Gemeinde' habe kein Bedürfnis nach Frauen. Und 3. gibt cs sogar in der Zeit der „neuen Sachlichkeit" noch Männer, die die Mitarbeit der Frauen ablchnen, «veil sie eine bestimmte Frau ablehnen. — Jedoch, wo Frauen in der Gemeindeverwaltung sind, haben sich, wie die Männer bestätigen, sehr erfreuliche Erfolge gezeigt. Sie wendet sich dann der eigentlichen Arbeit des Verbandes zu, und spricht den Führern, Beamten und Angestellten des Verbandes und allen Gemeinden, die den Verband halten und stützen, den Dank ans. _ Die Arbeit des vergangenen Jahres habe das jüdische Leben Preußens ein Stück weiter gebracht, wenn auch noch nicht alle Blütenträume reiften. Der Landesverband müsse insbesondere auch des Wortes von Balzac sich häufiger erinnern: „Wenn ich alle die Freund schüft besäße, die ich durch unbeantwortete Briefe verloren habe, wir glücklich würde ich sein." Zn viel Arbeit werde mitunter aus einen Dezernenten gehäuft. Ein Kopf könne nicht alles denken, ein Mund nicht alle Fragen bcantivortcn, ein Freund nicht alle stützen. Dankbar sind «vir auch für die wenigstens teilweise Erreichung staatlicher Subventionen, «venn cs auch hier in der Republik noch oft so, wie in der Monarchie ist, daß man uns für gleichberechtigter im Geben als im Empfangen ansieht. Aber es ist doch manchen kleinen Gemeinden und vielen notleidenden Beamten und deren Familien geholfen worden. Erfreulich sei, daß endlich mit der Errichtung von B c z i r t s r a b b i n a t e n ein Anfang gemacht worden ist. Die Einrichtung derartiger Bezirksrabbinate sei oft als ein außerordentlicher Aufschivnng im religiösen Leben von den Inden des betreffenden Bezirks empfunden tvordcn. Der Wohlfahrtsausschuß, der in tiefer Trauer seines langjährigen Vorsitzenden Professor Türk gedenkt, hat sehr beachtliche Anregungen gebracht, der liberalen Kultuskommission verdanken «vir das Einhcitsgebctbnch, das viel Anerkennung findet. Leider ist dem dringenden Wunsche nach guter und ausreichender Lehrerbildung noch kein Anfang zur Erfüllung geworden. Alle früher geschaffenen Ausbildungsanstaltcn sind geschlossen mit Ausnahme der beiden in Köln und Würzburg, die der konservativen Richtung angehören. Von den Pädagogischen Akademien hat nur Frankfurt die Möglichkeit einer Ausbildung für jüdische Lehrer. Das ist die dritte Ausbildungsmöglichkeit auf konservativer Scite. Für liberale Lehrer gibt cs einzig und allein die Borbcreitungsanstalt für eine Religionslehrer-Bitdungsanstalt. Daß das nicht genügt, braucht nicht erörtert zu werden. Die Bemühungen an der pädagogischen Akademie in Breslau, auch eine Ausbildung für jüdische Lehrer zu schaffen, haben bisher noch keinen Erfolg gehabt. Die bisherige Ablehnung stützt sich auf eine Enquete über jüdische Volksschüler, von der nachträglich festgestellt lvurde, daß sie z. B. 150 Kinder in Berlin gar nicht mitgezählt hat. Manchmal sicht man zu viel, manchmal zu wenig Inden. Diese Verhältnisse sind eine schwere Sorge für das liberale Judentum. Der noch vorhandene Lehrerbestand, auch der' konservative, wird bald aufgebraucht sein, und ob man dann die noch nach altem System ausgebildcten Volksschullehrer an öffentlichen Volksschulen wird iveitcrbcschäftigen dürfen, ist bei dem jetzt so häufigen Wechsel von Schulsystemen sehr fraglich. Wir müssen darauf dringen, daß diese kulturellen Grundlagen geschaffen und erneuert werdet:. Und eZ befremdet uns, daß, anstatt die beiden bestehenden Unterrichtsausschüsse mit stärkeren Mitteln und Vollmachten zu versehen, ein zionistischer Antrag vorliegt, der nun noch einen 3. Unterrichtsausschuß verlangt. Ich darf hier in aller Bescheidenheit «vieder daran erinnern, daß unser Kultus,