Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 10 (5.3.1930)
- Date
- 1930-03-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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der abgestumpfte Erwachsene nur die rauhen Kanten hindernder Wirklichkeit erblickt. Die ganze Natur ist belebt von Seelen und Geistern. Alles webt und strebt zum Bezirk der Vollendung. Wunder und Geheimnis ist die wahre Wirklichkeit, die zu erfassen, letzte Aufgabe ist. „Denn es ist jft so, daß die Toten nicht erloschen sind, wie viele es «einen in einer Zeit, die geistferne geworden ist, wie kaum jemals eine andere vor uns.“ „Die Toten“ wechseln mt ein grobes Gewand gegen ein feineres, und die Welt, in die sie durch das vergangene Tor eintreten, ist weit wirklicher, als die Welt des Scheins, in der wir hier auf dieser Erde atmen.“ Die religiöse Einstellung Kybers und Me Betrachtung des Uebersinnlichen scheint einer starken Verwandtschaft mit der buddhistischen Einstellung nahe zu sein. Manches Befremdende ist in diesem Buche, aber mancher tiefe und reine Gedanke blitzt auch daraus auf. Bs ist das Werk eines Dichters und Denkers. Rabbiner Dr. Davin Schönberger - Aachen. Klassiker der Weltliteratur im jüdisch-hebräischen Kulturkreise. Von Samuel Meiseis. — Verlag Die Neuzeit. — Wien 1930. Heft 2. — 16 Seiten. Subskriptionspreis für sämtliche 15 Hefte 12 M. Der Verfasser führt als Grund des Fehlens einer Uebersetzung der griechischen Dichter ins Hebräische die Auffassung an, daß jüdischer Geist wohl mit griechischer Weisheit, aber nicht mit griechischer Poesie harmonieren könne. Aus diesem Grunde seien Aristoteles’ „Ethik“ und „Rhetorik“ ins Hebräische übertragen worden, nicht aber seine „Poetik“, da ihr Fundament die Werke der griechischen Dichter seien. Und Dichtkunst sei nur national, während Wissenschaft Weltbesitz sei. — Nur Anakreon, dessen Gedichte 1920 ins Neuhcbräische übertragen seien, falle aus dem Rahmen d^r allgemeinen Regel. Von den Zeiten Juda Halevis an seien Lyriker von Wein- und Liebesliedern im Sinne Anakreontischer Dichtung bei uns heimisch geworden. Meiseis verweist auf die „Schire Anakreon“ des Warschauer Dichters Tschcrnichowski. Ich vermisse die wissenschaftliche Parallele zwischen Anakreon und der ähnlichen 'Dichtung im jüdisch-hebräischen Kulturkreise. — Den römischen Dichtern Vergil, Horaz, Ovid, Lucrcz, Juvenal und Plautus werden fünfzehn Zeilen gewidmet, und zwar mir ein loses Aufzählen von Uehersetzungsliteratur. Nach den Ankündigungen auf dem Titelblatt haben wir etwas ganz anderes erwartet. Viel besser kommt Dante fort, der im zweiten Abschnitt hei der Darstellung italienischer und spanischer Klassiker an erster Stelle steht. Geistvoll stellt der Verfasser dar, daß Dantes Welt uns untergegangen ist, da seine Schilderung der Hölle, die zweifellos herrlichste Dichtung der göttlichen Komödie, nur das Jenseits durchwandert, während wir Menschen des Diesseits sind. Zum Vergleich zieht der Verfasser den Traktat Gehinnom, der dem Reiche der Kabbala entstammt, heran und läßt die Frage offen, ob vielleicht Dante von dieser Quelle abhängig ist. Am Schluß des /.weiten Heftes gibt der Verfasser eine gelehrte Abhandllung über Dantes Schrift „De vulgari eloquentia‘“ [Die Volkssprache], mit der er Immanuel ben Salomo Komis hebräisches Werk „Haeden we Haiopheth [Paradies und Hölle], das von Dantes „Divina Comedia“ beeinflußt ist, in Zusammenhang bringt. “Rabbiner Dr. Arthur Rosen t ha I, Berlin-Lichtenberg. Schebesta: Bei den Urwaldzwergen von Malaya. Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig. Ein deutscher Forscher, der insbesondere auch als Anthropologe bekannte Pater Paul Schebesta, gibt in diesem sehr lesenswerten Buch einen äußerst anschaulichen Bericht über «ms der primitivsten Völker der Erde, das Ergebnis seiner Forschungsreise aus den Jahren 1924/25. Vor kurzem hat Iruno Woyda in einem Leitartikel dieser Zeitung (Nr. 48 der L-l. Ztg. vom 27. XL 1929) darauf hingewiesen, daß derartige Bücher gerade tom religiösen Standpunkt aus besonderes Interesse beanspruchen dürfen, da sie den Religionen, die heute in ihrer Mehrzahl mit einem bestimmten Erdteil, Land oder Volk verknüpft sind, wieder Weltperspektiven aufzeigen und ihre Bekenner an die Verpflichtung gegenüber der Gesamtmenßchheit gemahnen. Das vorliegende Buch ist in diesem Blatte noch um eines weiteren Vorzuges erwähnenswert: es beschränkt sich nicht auf die Schilderung der Lebensweise der Semang, auf die Wiedergabe von Reiseabenteuern — die aätiiiiich nicht fehlen —, sondern es gibt erstmalig einen tiefen Einblick in das Geistesleben und die religiösen Anschauungen eines fast unbekannten Urvolkes; und das ist selbstverständlich bedeutungsvoll weit über den Einzelfall hinaus für die Erkenntnis der Urquellen der Religion überhaupt. Hier wird i» einem ausführlichen Kapitel („Die religiösen Anschauungen der Diahai“) das Denken von Menschen in der Gegenwart geschildert, die im Donner, im Sturm, in der Flut noch Offenbarungen überirdischer Mächte sehen, denen als Sühnopfer noch das Blutopfer religiöse Vorschrift ist, die ihrem höchsten Gotte Kare! noch diese vierfache Art der Strafe nachsagen: erstens schlägt er den Uebeltäter durch den Blitz oder durch fallende Baumstämme zu Boden; zweitens sendet er den Tiger gegen ihn, um ihn zu zerreißen; drittens schickt er bestimmte Krankheiten, die der Sünde auf dem Fuß folgen, und viertens fordert er für bestimmte Sünden kategorisch das Blutopfer. Interessant, daß auch hier schon zwischen Mensch und Gottheit eine Mittelsperson, der Hala, tritt, die die Funktionen des Priesters, Seelsorgers und Medizinmannes zu erfüllen hat. Das in Uebersetzung wiedergegebene Gebet bei der Darbringung des Blutopfers gibt die Möglichkeit zu Vergleichen mit den Anfängen anderer Religionen. Natürlich weichen auch bei diesem Urvolk die Vorstellungen über das höchste Wesen entsprechend den Ueber- Üeferungen des einzelnen Stammes oft recht erheblich voneinander ab. So gilt bei den Batek als höchstes Wesen nicht ■icht Karei, sondern Keto, das Licht, ein Wesen, das Sonne und Mond als Augen hat. Es kann im Rahmen einer Buch- Besprechung nicht näher auf die Eigenarten derartiger religiöser Anschauungen eingegangen werden. Aber der Wunsch soll doch noch an alle Gebildeten gerichtet werden: Lest die Bücher der Forschungsreisenden, sie werden Jedem viel geben. Moritz Simon, Berlin. Eingegangene Bücher Koffer und Harfe. Gedichte eines Laien von Georg Kuba tz kl. Verlag Moritz 8e Korn, Berlin C 2. Das große Sehnen. Gedichte eines Juden von Arthur Grün. Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn, 1930. JDie Berufsmöglichkeiten der Schüler höherer Lehranstalt on von Dr. M. Katz. Verlag von Quelle & Meyer, Leipzig, 1930. Kleine Anzeigen und Familien-Tlachrichlen gehören in die Jüdisch - liberale Zeitung Aus der Ai-Bewegung HctantaMflU Mtfrctt*gtmcla|4aff >il»Uch-l>d«raI«r Jagcnbvtrtlac viotschla,», tMUnhti St 8*0* Hoffmau», Jranlftut a. Stall 3acob[ou-fjeim In Seefett Das Jocobsorcheim m Seefett a. Harz, das dem Reichsausschuß der jüdischen Jugendverdände gehört, eröffnet am 1. Mai 1930 den diesjährigen Betrieb. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß Anmeldungen rechtzeitig, d. h. möglichst 4 Wochen vorher an das Büro des Reichsausschusses, Berlin N. 24, Oranienburger Straße 13-14, zu richten sind. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß für die Schulferien Juli/Augnst im wesentlichm nur Anmeldungm von Schülern der hündischen Jugend berücksichtigt werden können. Für Mai können noch jetzt Anmeldungen, die umgehend schriftlich eingereicht werden, entgegengenommen werden. * Aus der Ili-Arbeil * 1 i Breslau. (Jüdif «^liberaler I u g e u d v e r e i ll „Abraham Geiger".) Der Vortrag „Krisis der Religion", den Herr Rechtsanwalt Dr. Hugo Hoffmann, Frankfurt a. M., am 5. Februar bei uns hielt, war für alle Zuhörer ein hoher Genuß. Seine Ausführungen bewiesen eine reiche Gestaltungskraft des Ausdrucks und waren getragen von stärkster Begeisterung für Idee und Bewegung des liberalen Judentums. Dr. Hoffmann warf zunächst einen kurzen Rückblick auf die einige Tage zurückliegende Hauptversammlung der Vereinigung für das liberale Judentum und führte dann etwa folgendes aus. Wenn es auch für uns selbst keine Krisis der Religion gebe, für weite Kreise bestehe sie. .Heute scheine jedenfalls die Mehrzahl der Menschen nicht religiös. Die vom Vortragenden dargestellte Entwicklung des Menschen von feiner Kindheit an bedinge beim Einsetzen des wirklichen Denkens eine Krisis, die wohl ein jeder durchzumachen hat. -Hier müsse das Familienleben ringreifen, um Halt zu gewähren. Daher religiöse Festigung in der Ehe. Neben der Betonung der Gefühlsmomente müsse das Religiöse durch den Verstand mitcrkämpft werden. Im Zusammenhang mit der Frage des verstandesmäßigen Näherbringens des Religiösen stellt der Vortragende eine kulturgeschichtliche Betrachtung an, die zeigt, wie die Kulturen auf das Religiöse zurückgehen, wie hinter ihnen geistige und seelische Kräfte stehen, und die weiter zeigt, wie sich auch das Re ligiöse aus verschiedene Weise weiterentwickelt hat. So Religionen des Pessimismus, Religionen des Optimismus. Bei den Juden beweise den Optimismus das Streben nach Vollkommenheit, z. D. bei den Propheten. Gott könne nur der Inbegriff des Höchstsittlichen, ein Einheitliches sein. Ter Vortragende behandelte dann den Gedankengang des Monotheismus und zeigte, wie wir auch Verstandesmäßig Gott finden können. Wir sähen aber auch, daß trotz aller Entwicklung der Zeit und Technik der göttliche Geist geblieben sei, daß wir auch das anerkennen, was wir nicht selbst verstehen. Hier setze das gefühlsmäßige Erkennen Gottes ein, das uns durch den Grf>anken an die Verbundenheit mit der Ewigkeit helfen werde, die Leiden des Alltags leichter zu ertragen. Sodann ging der Vortragende auf unsere Aufgabe ein, die darin zu erblicken sei, die Verbindung mit der Tradition durch Umwandlung und Umformung wieder aufzunehmen. Wie uns das gelingen, wie wieder die Seele gesunden werden könne, wurde weiter an den Gedanken des liberalen Judentums und durch die Forderungen der religiös-liberalen Jugend gezeigt. Die eindringlichen und überzeugenden Ausführungen, die begeistert ausgenommen wurden, ließ Dr. Hoffmann in einem an die Jugend gerichteten Gedicht von Herrn Rabbiner Dr. Gottschalk „Glaube an Dich" ausklingen. Die nunmehr folgende Aussprache gliederte sich mit erfreulicher Klarheit und unter stärkster Beteiligung der Anwesenden in den Rahmen des Vortrages ein; sie beschäftigte sich im wesentlichen mit der Frage: Religion — Religiosität sowie den Schwierigkeiten und Möglichkeiten, die sich stets in der Praxis zeigen. — Ueber die weiteren Februarveranstaltungen berichten wir in der nächsten Nummer. Franksart a. M. (Heimabend.) Der Jli-Heimabend vom 28. Januar brachte uns ein interessantes Zwiegespräch von Herrn Rechtsanwalt Klibanski und R. - A. Dr. Hoffmann über das „Recht im Judentum und in der Gegenwart". R.-A. Klibanski erläuterte Rechtsfälle im Geiste des alten jüdischen Rechtes; Dr. Hofsmann zeigte zum Vergleich dir jetzt herrschende Rechtsaufsassung. Im Rahmen eines einzigen Heimabends und vor einer Zuhörerschaft von Laien konnten die beiden Referenten nur über sehr kleine, aber doch die wichtigsten Teile des riesigen Rechtsgebietes sprechen, nämlich über die Ahndung eines Verbrechens, das den Tod eines Menschen verschuldet hat. Der Prozeß Halsmann, der dieser Tage eine so traurige Aktualität erlangt hat, veranlaßte die Referenten, gerade diesen Zweig des Rechtsgebietcs in den Mittelpunkt der Erörterungen zu stellen. Der Eindruck des Urteils im Prozeß. Halsmann ist niederschmetternd: und doch fehlt auch nicht ein gewisses erhabenes Moment, wenn man sieht, wie gewaltig in der ganzen Welt die Kritik au der Entscheidung des österreichischen Gerichtes einsetzt und wie stark sich das Rechtsgefühl in der Welt dagegen auflehnte. Nachdem Herr Dr. Hoffmann uns den Tatbestand geschildert und über die Urteile gegen den jungen Halsmann berichtet hatte, erläuterte Herr R.--A. Klibanski anhand dieses Falles die Rechtslage nach altem jüdischen Recht. Während das Urteil gegen Halsmann sich nur aus Indizienbeweisen aufbaul, ist nach jüdischem Gesetz der Indizienbeweis untauglich zur Aufklärung eines Mordes. 'Vielmehr müssen zwei Zeugen die Tat selbst gesehen haben und dies vor Gericht bezeugen. Diese beiden Zeugen werden vor Gericht getrennt vernommen und die Glaubwürdigkeit der Aussagen genau geprüft. Nach dem jüdischen Recht gab es zwei Arten von Gerichten; ein Synhedrion mit 71 Richtern zur Entscheidung chei Kapitalverbrechen und ein Synhedrion mit 23 Richtern für weniger schwerwiegende Verfehlungen. Die Gerichtssitzung und Beratung war öffentlich, während heute die Beratung hinter verschlossenen Türen stattfindet. Der Angeklagte durfte in die Verhandlung eingreisen wann er wollte. Noch auf dem Wege zum Richtplatz ivar es dem zum Tode Verurteilten gestattet, Einspruch gegen das Urteil zu erheben, neue Gerichtsverhandlung und Strafaufschub zu verlangen. Eine humane Handhabung des jüdischen Gesetzes bewirkte so, daß die Juden durch die Tat zeigten, daß sie Gegner des Todesstrafe waren. Eine lebhafte Aussprache schloß sich an die Ausführungen der beiden Referenten. Das jüdische Recht erregt unsere Bewunderung; wir erkennen die Auswirkung hoher ethischer Forderungen der jüdischen Religion in den Rechtsformen wieder; aber bei einem Vergleich der alten jüdischen Rechtsbestimmungen mit dem komplizierten Wirtschaftsapparat, der schwierigen Gesellschaftsordnung und der diffizilen Mentalität der Gegenwart müssen wir uns sagen, daß heute Der ethische Geist der jüdischen Gotteslehre ist erhaben über Zeit und menschliches Geschehen, aber die Formen schwinden und ändern dieses alte jüdische Recht für uns nur historische Erinnerung sein kann, sich; weil diese Formen selbst von Menschen geschaffen wurden. Aegaitz. (Jugend ab ende.) Der Liegnitzer Jli veranstaltete Montag, den 17. Februar, und Montag, den 24. Februar, ztvei Jvgendabcnde, an denen „Uricl Acosta", ein Trauerspiel von Karl Gutzkow, mit verteilten Rollen gelesen wurde. Anschließend an diese Tlbende wurden für die Ortsgruppe wichtige Bereinsfragen besprochen. Hauptthema der Aussprache war die Dresdener Jlitagung, die Pfingsten oder kurz nach Pfingsten stattfinden soll. Wir halten für den günstiger gelegenen Termin den Sonntag nach Pfingsten. Die Liegnitzer Jl's bringen der Veranstaltung viel Interesse entgegen und wollen reckt zahlreich erscheinen. Magdeburg. (S t l f t u u g s s e st.) Der Jüdisch-liberale Jugendbund^ „Heimat" beging am Sonntag, den 23. Februar 1930, sein 6. Stiftungsfest in Form eines Kostümfestes der „Bösen Buben". Die bunte Ausschmückung des Logenhcimes brachte die „Bösen Buben" gleich in heitere Stimmung. Nur mußte man artig sein, wenn man von der „guten Tante" Bonbons haben wollte und wenn der „Herr Lehrer" mit dein Rvhrstock kam. Die lustigen Schnadahüpfel, von Thea Gabriel und Anni Moritz vorgetragen, veranschaulichten die Entwicklung des „Jli''. Gerd Schaescr zeigte in einem selbst verfaßten Gedicht den richtigen „Lösen Buben" Ein Tanz von Ursel Lcinung ließ ihre Geschicklichkeit erkennen. Daun sprach Hans Meyer zu feinen Gästen. Herr Kronheim dankte ihm für seine Humor vollen Worte. Vor und nach diesen Unterbrechungen wurde flott getanzt. Außerdem prämiierte man die besten Tanzpaare und Kostüme. Noch lange Zeit blieben Jugend und Ellern fröhlich zusamin-cn. Ratibor. (Jüdisch-liberaler I u g e n d v t r e i n.) Wie es besonders Herr Seligsohn_ auf der Breslauer Tagung forderte, beschäftigten wir uns in unserer letzten Zusammentunst mit einer allgemeinen Frage. Franz Pick referierte über Deutschlands wich tigstcs Wirtschastsproblnn, über die Reparationssrage. Er führte aus . Schwer lasteten auf Deutschlands Wirtschaft die furchtbaren Bestimmungen des Versailler Vertrages und die vermehrten Ausgaben der öffentlichen Hand, die, eine Folge des Krieges, der Wirtschaft in Form von neuen Steuern entzogen werden müßten. Aber untragbar waren die Reparationslasten, die ursprünglich als Ersatz für alle Schäden, die die Angehörigen unserer Gegner infolge des Krieges erlitten haben, gedacht tvaren. Anfangs bezifferte man unsere Schuld aus 200 Milliarden Goldmark, im Londoner Ultimatum ging man dann auf 132 Milliarden herunter. Da aber diese Zahlen viel zu hoch tvaren, da man die Lücke ztvischen Einnahmen und Ausgaben, durch Notendrücken aussüllen wollte, da unsere Einfuhr die Ausfuhr zu stark überwog, und da die Ruhrbesetzung das Herz der beut scheu Wirtschaft traf, kam dann 1023 der völlige Zusammenbruch. Dadurch endlich ivurdc man einsichtiger. Im August 1024 forderte man im Dawes-Ptan viel geringere Zahlungen und setzte sie besonders für die ersten Jahre sehr niedrig fest. Am unsere Währung zu schützen, gewährte man uns einen weitreichenden Transserschup und gestattete uns in ziemlich großem Umfange Sachlieferungen. Jedoch zeigte es sich im Jahre 1028, daß man die Zahlungen immer noch zu hoch bemessen hatte, und so berief man Anfang 1029 in Paris eine Äonsercuz, in der die Vertreter Deutschlands gcmeiusam mit denen der Gläubiger einen Zahlungsplan aufstellen sollte. Zuerst zeigten sich unüberbrückbare Differenzen zwischen Angebot und Forderung, aber schließlich einigte man sich doch auf den Kompromißvorschlag des Amerikaners Houng, der besonders für die ersten Jahre bedeutende Ermäßigungen vorsah. Allerdings sollten Sachlieferungen und Transserschutz sehr eingeschränkt werden. Der Wert dieses Planes ist 35 Milliarden, etwa 80 o/o des Dawes-Plans Es ist fraglich, ob wir alles werden zahlen können; jedoch bleibt uns nichts anderes übrig, als ihn zu ratifizieren, da ein« DaweK- Krise unserer Wirtschaft furchtbar schaden würde. Unsere Aufgabe wird es jetzt mehr als ein halbes Jahrhundert lang sein, den Plan zu erfüllen und darüber hinaus an der Gesundung der deutschen Wirt schüft zu arbeiten! An die Ausführungen schloß sich ein« lebhafte Diskussion, die sich mit vielen Wirtschaftsfragen beschäftigte. Das Jk-Programm Salta. Tagesfahrt am Sonntag, de« 9. März. Tresse« 9 Ahr Stettiner Vorortbahnhof. Sonntag, den 23. März, gemeinsame Veranstaltung. Rechtsanwalt Heinrich Stern: Die Grundlagen des liberalen Judentums. Weste«. Donnerstag, den 6. März, bei Hilde Deutschland, Steglitz, Heinrich Seydelstraße 8. Thema: Die Angen des ewigen Binders. Hermsdorf. Gruppe 3: Sonnabend, den 8. März: Unsterblichkeit der Seele. Aelterengruppe: Mittwoch, den 5. Marz, bei Werner van der Zyl, Brückrnalle« 5. Pankow-Osten. Dienstag, den 11. März, im Heim. Monbijouplch 10, 2. Portal. Thema: Propheten. Südende. Sonnabend, den 8. März, nachmittags 4.3Ü Uhr, bei Rosemarie , Deutschland, Steglitz, Heinrich Seydelstraße 6: Die 10 Gebote. Oliva und Neu-Charlvttenbnrg. Mittwoch, den 12. Marz, bei Hilde »ach, Kufsteiner Straße 13. Breslau. Freitag, den 7. März, 19.30 Uhr, in der Wochentags-Synag»^. Anger 8, Freitagabendspätgottesdienst. Hanptgrappe: Mittwoch, de« 12. März. 20.30 Uhr, in der Religionsfchnle II, Anger 8. Bortrag de» Herr« Studienreferendar Dr. Fischer: „Der Jude des Mittelalters und seine Umwelt." Jnngeren-Sruppe: Donnerstag, de« 8. März, 16.30 Uhr, Restaurant Schaal: Heiterer Nachmittag. - Voranzeige: Sonnabend, den 15. März, 20.30 Uhr, Restaurant Schaal: Gem«- liches Purim-Beisammensein. Frankfurt a. R. Dienstag, den 11. März 1930, 20.45 Uhr, Heimabend. Westendfynagoge. Dreigespräch: Hella Lion, Jak. Flörsheimer, Walter Scheidt: „Hat unsere religiös-liberale Einstellung nur theoretische Bedeutung oder gibt sie uns Rückhalt im täglichen Leben." Samstag, de» 29. März, Stiftungsfest anläßlich unseres fünfjährigen Bestehens in den Clubräumen Groß-Frankfurt. Karten zu RM. 2,— bei den Mitgliedern und an der Abendkasse. Liegnitz. Freitag, den 14. März, veranstaltet der Liegnitzer Jli eine Freitagabendseier in den Räumen der SUesialoge, VäSerstraße. Ratibor. Am Sonnabend, den 15. März, findet i« großen Saal« m» Stufe Hotel unser diesjähriges Purimfrst statt. Briefkasten Dr. Ludwig T., Berlin. Gegenüber der in der vorigen Nummer zu dem Artikel „Jüdische Wohlfahrtspflege" veröffentlichten Bornoiiz berichtigen wir gern, daß Herr Caspary gegenwärtig ledrglrch dem Vorstand der Zentralwohlfahrtsstelle angehört, daß Vorsitzender der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden zur Zeit Herr Rabbiner Dr. Baerl, Geschäftsführer Herr Dr. Ollendorff-