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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-03-05 · 10 (5.3.1930) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
10 (5.3.1930)
Date
1930-03-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Mische Personen — stehen 44 Todesfälle — d. h 1,6 Wt jüdischen Bevölkerung — gegenüber. In Zukunft soll im Stettiner Gemeindeblatt nach Abkauf eines jeden Kalendervierteljahres eine regelmäßige statistische Ausstellung über die Veränderungen im Personenstand unserer Gemeinde erscheinen und am Schluß eines jeden Jahres eine genaue statistische Uebersicht veröffentlicht werden. Dann werden ausreichende Bergleichsmöglichkeiten mit den Borjahren vorhanden sein, und diese Zahlen werden die bevölkerun.gspolitische Entwicklung unserer Gemeinde lebendig erschein eit lassen. Sitzung des Hamburger Repräfentanteukollegiums Der Kampf um das Frauen Wahlrecht. — Die Leistungen der Gemeinde. Das Nepräjeutamenkollegium hielt am 25. Februar die letzte Sitzung in dieser Session ab, da die Amtsperiode der Mitglieder am 15. März abläuft. Aus der Tagesordnung stand die zweite Lesung des liberalen Antrages betr. Einführung des passiven Frauenwahlrechts zum R. K. Wer glaubte, daß, nachdem der Gemeindevorstand dem in erster Lesung gefaßte,! Beschluß seine Zustimmung gegeben, sich die Annahme in der zweiten Lesung reibungslos vollziehen würde, hatte sich getäuscht. Tie Sitzung darf als die bewegteste bezeichnet werden, die das R. K. in der verflossenen Periode abgehalten hat. Ten Auftakt bildete die Mitteilung des Vorsitzenden Herrn Lisser betr. den Eingang eines an das R. K. gerichteten Schreibens eines 'Gemeindemitgliedes. Die Konservativen wünschten offizielle Verlesung. Früherer Gepflogenheit entsprechend wurde das abgelehnt. Tarans 'nahm Herr Schloß (streng orthod.) das Wort und verlas die erwähnte Eingabe, in der an das R. K. mit starken Worten appelliert wurde, von der Einführung des passiven Franenwahlrechts abzusehen. Man müsse auf die Kreise, die in der Vorlage einen Verstoß gegen das Religionsgesetz erblickten, Rücksicht nehmen, man gefährde sonst den Gemeindefrieden; auch sei es vollständig unnötig, hie Frauen in das Gemeindeparlament einziehen zu sehen. Tr. Frankel (lib.) vertrat unter scharfer Zurückweisung der formellen Anwürfe den Standpunkt des Antrages. Er wies daraus bin, daß in den letzten Tagen auch in Köln ein entsprechender Antrag akzeptiert sei und das; auch Hamburg sich dem Wunsch der Frauen und des überwiegenden Teiles der Gemeindemitglieder nicht verschließen dürfe. Ihm pflichtete Lisser (lib.) bei, der daraus hinwies, daß in 15-deutschen und in vielen großen Gemeinden der Ostlandec die Frauen das passive Wahlrecht genössen. Alexander Levy (kons.) hält die Vorlage mit dem Religionsgesetz für vereinbar und weist daraus bin. daß man keiner Partei vorwerfen könne, daß sie beu Frieden in der Gemeittde gefährde. Nachdem Tr. Spir.cr (streng orthod.) nochmals davor gewarnt hatte, seine Freunde in eine Gewissensnot zu bringen, Dr. Calmus (zion.), Schindler (lib.) für und Osfenburg (kons.) sowie Tr. Lanzkron (kons.) gegen den Antrag sich ausgesprochen hatten, schritt man zur Abstimmung, die ergab, daß mit 13 gegen 5 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen der Antrag die vorgeschriebene Zweidrittelmehrheit fand. Tarauf erbat Dr. Spitzer (streng kons.) das Wort und erklärte, daß er nach diesem Ergebnis sein Mandat als Repräsentant niederlege und seinen Austritt aus der Gemeinde vollziehen werde. Er verließ den Sitzungssaal. Sein engerer Gesinnungsfreund Schloß gab die Erklärung ab, daß er sachlich den Standpunkt des Herrn Dr. Spitzer teile, daß er aber die von Dr. Spitzer gezogene Konsequenz .nicht ziehe, zumal die Session ohnedies demnächst beendet sei und er nicht wieder kandidieren werde. Herr Offenburg erklärte als Vertreter der zur Achduth gehörendeir Gruppe, daß diese zwar gegen die Vorlage' gestimmt hätte, daß sie sich aber der Majorität füge und nach wie vor treu zur Gemeinde stehen werde. Herr Michaelis (Vertreter des Misrachi) betonte, daß in anderen Gemeinden ein Austritt orthodoxer Mitglieder aus gleichem Anlaß nicht erfolgt sei. Tamil war der Gegenstand erledigt. Die Vorlage geht nunmehr an beu Gemeindevorstand zur zweiten Lesung. Es wurde dann der Steuersatz für das am 1. Juli beginnende Rechnungsjahr mit 10 Prozent der Einkommensteuer (bisher 9 Prozent) nach einer von Tr. Frankel (lib.) gegebenen Begründung angenommen. Ferner wird dem Altenhaus der Gemeinde gestattet, für bauliche Veränderungen seinem Fond bis zu 30 000 RM. nach Zustimmung des Gemeindevocsiandes zu entnehmen. Am Schluß der Sitzung gab der Vorsitzende, Herr Lisser, einen Ueberblick über die reiche Arbeit, die das Kollegium in den verflossenen fünf Jahren geleistet habe. Er hob insbesondere hervor, daß das Wahlalter auf das 21. Lebensjahr herabgesetzt sei und die Frauen nunmehr wohl das passive Wahlrecht erhalten werden. Tie Gemeinde habe sich mit der Gründung eines Reichsverbandes der deutschen Juden befaßt und sei, da diese gescheitert, der Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände beigetreten, ebenso dem Verbände der schleswig-holsteinischen Gemeinden und der Hansestädte. Für die Ostjuden sei ein Haus für eine Synagoge erworben. Die Grundstücke der Neuen Dammtor-Synagoge seien von der Gemeinde übernommen. Ein Haus sei für die Jugendverbände angekauft worden sowie ein weiteres Grundstück zur Ausgestaltung des Pflegeheims. Ganz besondere Fürsorge sei dem Unterrichtswesen gewidmet. Tie israelitische Töchterschule habe sich weiter entwickelt, und habe von der Oberschulbehörde gerade jetzt die Anerkennung einer Realschule für Mädchen gefunden, so daß die Absolventen der Klasse II b ohne weiteres in die Obersekunda einer Oberrealschule übertreten können. Der Vorsitzende beglückwünscht die Schule und ihren verdienstvollen Leiter, Herrn Direktor Dr. Jonas, zu diesem Erfolg. Sehr bedeutsam sei ferner die Einführung des Religionsunterrichts an den öffentlichen Schulen. Die Bibliothek unter Leitung des Herrn Professor Dr. Markon sei ausgestaltet und umfasse — infolge des Erwerbs der Büchersammlung des Rabbiners Tr. Nobel — jetzt 17 000 Bände. Tie Besucherzahl der Leseräume sei auf durchschnittlich 70 am Tage gestiegen. Auf dem Gebiete des Wohlfahrtswesens und der Jugendfürsorge habe die Gemeinde ihren Ausgabenkreis erweitert. Die Finanzgebarung sei bisher gesund gewesen, jedoch müsse mit einer gewissen Sorge der finanziellen Auswirkung der Wirtschastskrisis entgegengesehen werden *: Versammlungskalender Danzig Dounerstag, 6. März, abends (Versammlungslokal und -zeit »erden bekanntgegebech, Vortrag George Soetz (Berlin! Seneralsekretiir der Bereinigung für das liberale Judentum & v>: „Religion und Realpolitik". Gottesdienste * Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Allee 182! Freitag, 7. Marz, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Prof. I. Friedländer. Sonnabend, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten (Aula Kaiserstratze 29-30! Freitag, 7. März, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Plotle. Berlin-Westend. Liberale Synagoge Westend (Aula Leistikowstraße 7. nahe Reichskanzlerplatz! Freitag, 7. März, abends 7 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Klein. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (Cecilienschule, Rikolsburger Platz». Freitag. 7. Marz, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Swarsensky. Berlin. Jüdische Reform-Gemeinde. Gottesdienste am Sonntag, den 9. März. Johanuirstratze 16: vormittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Jelsli. Kleiststraße 10: vormittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Rosenthal. Die Zusammenarbeit im Kollegium sei durchweg von Harmonie und Versöhnlichkeit getragen gewesen. Die Mitglieder seien bei allen sachlichen Gegensätzen doch dem Gesamtinteresse der Gemeinde zu dienen beflissen gewesen. Er hoffe, daß aucki die kommenden Jahre beweisen werden, daß die Hamburger Juden treu zu ihrer paritätischen Einheits gemeinde stehen werden. Nachdem das älteste Mitglied des Kollegiums, Herr Ezechel, dem Vorsitzenden den Dank für dessen umsichtige und mrparteiische Leitung des Kollegiums ausgesprochen hatte, wurde die Sitzung geschlossen. i *1 Aus den Gemeinden f*]; i 12 Bleicherode. (Persönliche «.) Am letzten Sabbat beging Herr Otto Schlesinger, der erste Synagogen Vorsteher hiesiger Gemeinde, seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar, der seit drei Jahrzehnten die Interessen der jüdischen Mitbürger mit vorbildlicher Treue und Selbstlosigkeit vertritt und auch als Stadtverordneter sich in den Dienst der Allgemeinheit gestellt hat, erfreut sich in der gesamten Bürgerschaft großer Achtung und Beliebtheit, die auch anläßlich seines 70. Geburtstages deutlich zutage traten. Braunschweig. (Antrag au f S ta a t s u n t e r stütz u n g der j üdis chen Gemcinde.) In der Sitzung des Haushaltsausschusses d-cs Landtages lag am Dienstag ein Antrag der jüdischen Gemeinde um Gewährung von Staatsunterstützungcn vor. Man nahm in dem Antrag Bezug auf die finanziellen Unterstützungen, die der evangelisch lutherischen Kirche gewährt werden. Der braunschweigische Volksbildungsministcr hat zu diesem Antrag noch keine Stellung genommen. Von Mitgliedern des Haushaltsausschusses wurde die Wohlsahrtsarbeit der jüdischen Gemeinde anerkannt und wohl auch der moralische Anspruch dieser Unterstützung nicht abgestritten. Bei der zweiten Lesung des Haushaltsplanes im Plenum des Landtages will man sich mit diesem Antrag beschäftigen. Breslau. (R a d i u m s p c n d e für c> a s Israelitische Krankenhaus.) Der amerikanische Philanthrop, Herr Lucius N. Littauer, der zum Andenken an seinen in Breslau geborenen Vater bei dem israelitischen Krankenhause im Jahre 1928 die „Nathan Littauer-Stiftung" errichtete, aus deren reichen Mittelir ein Muster giltiges und mit den modenrsten Apparaten für Diagnostik und Therapie ausgestattetes Röntgeninstitut errichtet wurde, hat bei seinem persönlichen Besuch im Sommer 1929 dem Krankenhause eine weitere hochherzige Schenkung zur Beschaffung von Radium überwiesen. Nach jetzt erfolgter Lieferung ist das israelitische Krankenhaus im Besitz von 115,09 Milligramm Radium-Element bezw. zirka 291 Milligramm Radium Bromid. Tie Einteilung der einzelnen Präparate und die gleichzeitige Anschaffung eines modernen Instrumentariums ge statten den Aerzten der Anstalt die weitgehendste Anwendung der nach den neuesten rvissenschastlichen Forschungen so vielseitigen Radium .Heilbehandlung. Möge die erneute ruhmreiche Tat des edlen Men fchenfreundes Herrn Littauer den Hilfe suchenden Kranken zum Segen gereichen. Duisburg. (Neuwahl in den Vorstand.) Wir berichteten im Sommer v. Js. über die Differenzen innerhalb der Gemeinde, die den langjährigen Vorsitzenden der Gemeinde, Herrn Theodor Lauter, veranlaßten, sein Amt niederzulegen.' Dieser Schritt, der allseitig sehr bedauert wurde, drohte zu schlimmen Konsequenzen für die Gemeinde zu führen. Es gelang jedoch, nochmals zu einer Verständigung zwischen dem Jüdisch-liberalen Gemeinde-Verein mrd seinem Gegner zu kommen, so daß der Vorsitzende des Jüdisch-liberalen Gemeinde-Vereins, Herr Rechtsanwalt Dr. Kaufmann I, an Stelle des Herrn Lauter, der eine Wiederwahl ablehntc, einstimmig von der Repräsentantenversammlung in den Gemeindevorstand gewählt wurde. Frankfurt a. M. (I u g c n d d i e n st d e s I ü d i s ch e n F r a u - e n bundes.) Der Jugeuddienst des Jüdischen Frauenbundes (Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Langestraße 3) kann nur dann seine Ausgabe erfüllen, alleinstehenden Jugendlichen eine beratende Helferin zur Seite zu stellen, wenn sich die jüdischen Organisationen seiner bedienen und mit ihm zusammen arbeiten. Der Jugenddienst soll als freie Liebestätigkeit die Sorge für die Jugendlichen zugleich zentralisieren und dezentralisieren. Er will in der ganzen jüdischen Frauen welt Deutschlands das Verantwortungsgefühl für das Schicksal der im Erwerb stehenden, aber auch der erwerbslosen oder arbeitslosen Jugendlichen wachmachen, bevor sic durch den Engpaß der Gefährdung der Verwahrlosung verfallen. Kiel. (Ausstellung „Das jüdische Buch".) Am 22. und 23. Februar fand in Kiel eine Ausstellung des jüdischen Buches, mit Lotterie und Verkauf verbunden, statt. Allgemeine jüdische Literatur und Parteibezw. Tendenz-Literatur war zu sehen. Die Ausstellung, die der Anregung des Rabbiners Dr. Posner zu verdanken ist, hat überaus reichen Anklang gefunden und ist in allen Teilen als erfolgreich und gelungen zu bezeichnen. (Jta.) Köl«. (Vom Israelitischen Asyl.) Justizrat Eltzbacher, der ein Menschenleben lang das Israelitische Asyl in Ehrenfeld hervorragend geleitet hat, ist infolge tiefgehender Konflikte innerhalb der Krankenhausverwaltung vom Borsitz des Kuratoriums zurückgetreten. An seine Stelle ist Geheimrat Ottmar Strauß getreten. 2. Vorsitzender ist Dr. h. c. Alfted Tietz geworden. Köln. (Stadtparlament und Schächtfrage.) Das Stadtverordneten-Kollegium hatte sich Ende Dezember mit einem nationalsozialistischen Antrag, das Schächten zu verbieten, zu be- 5>TOLtWERO{ 'Billig. > xDohlSchmickcrui L nahrhaft. fassen. Es überwies die Angelegenheit damals einem Fachausschuß. Dieser lehnte den Antrag ab, ersuchte aber gleichzeitig die Stadtvevwaltung, das Landwirtschaftsministerium zu veranlassen, den für die Prüfung des elektrischen Betäubungsverfahrcns zuständige» Sächverständigenausschuß um Entscheidung der Schächtfrage anzugehen. Die Stadtverwaltung hat diesem Ersuchen entsprochen. Königsberg. (A u i> Dem Gemeindelebe n.) Die bevorstehenden Gemeindewahlen haben innerhalb nuferer Gemeinde eine neue Konstellation hervorgebracht. Die Jüdische Mittelpartei c. B. nnd die Jüdisch-religiöse Mittelpartei, die sich bei den letzten Wahlen in starkem Maße bekämpft haben, haben unter dem Namen „Bereinigte Jüdische Mittelpartei" eine Arbeitsgemeinschaft und eine Fraktionsgemcinschaft in der Repräsentanz gebildel. Damit ist ein Streit begraben, der seiner Zeit nicht iveltanschanungsgemäß geführt war, sondern aus persönlichen und organisatorischen Gründen. Mit der Bildung dieser Arbeitsgemeinschaft ist auch der Großblock, der bisher zwischen der Jüdischen Mittelpartei e. V., den Konservativen »ich den Zionisten bestand, aufgehoben. Bei den kommenden Wahlen wird wahrscheinlich jede der Parteien eine eigene Liste ausstellen. Die Bereinigung für das liberale Judentum hat bereits ihre Liste ausgestellt, und zwar stehen an den ersten Stellen der liberalen Liste die Repräsentanten Isidor Fabian und Albert Loose. Es folgen weiterhin: Frau Herta Klein, Repräsentant Max Simon, Glasermeistev Falkenstein, Repräsentant Dr. Willy Wolffheim, Prokurist M endet-- sohn sowie Repräsentant Noah Jaruslawsky. Magdeburg. (Besuch der Volkshochschule in der Synagoge.) Am Montag, den 21. vorigen Monats, hatte sich in unserer Synagoge eine stattliche Anzahl von Mitgliedern der hiesigen Volksschule zu einer Besichtigung eingefunden. Es ist dies' innerhalb von zirka Jahren das 3. Mal. Herr Rabbiner Dr. Wilde verstand c», in geradezu pädagogisch-meisterhafter Weise die Zuhörer zu fesseln. Er kleidete seine Erläuterungen in Form eines Märchens. So ließ er einen alten Juden aus Palästina seinem vieltansendjährige» Schlafe entstehen und ihm seinen Besuch machen. Hier staunte er über die merkivürdigen Wunder, die eine kleine Handbewcgung hervorzuzaubern vermochte. Ein leichter Druck auf eine» unscheinbaren Knopf ließ das Zimmer im gleichen Augenblick in Hellem Lichte erstrahlen. Plötzlich vernahm der alte Jude Stimmen. „Hast Du Besuch im Nebenzimmer? Dann will ich gehen." „Nein") sagt der Hausherr, „es ist die herrliche Erfindung des Radio, das' uns Stimmen von Menschen aus der weiten Welt hören läßt!"! Und so ging cs fort eine volle Stunde. Immer glaubte der alte Jude, daß all das Neue, früher nie Gekannte, die Religion mit ihren Sitten, Gebräuchen, Einrichtungen aus alter Zeit ersetze. Und die Zuhörer saßen und lauschten ivie gebannt den Ausführungen. Än diesem Abend bewährte sich das berühmte Beispiel von der zur Erbe fallenden Stecknadel. Die Erläuterungen wurden unterstützt von einigen Gesanges aus den Hallel-Psalmen, dem Ausnnd Einheben, der Vorlesung der 10 Gebote aus der Thora und durch die prächtige „Deutsche. Keduscha", die Oberkantor Teller, vom Synagogen-Chor unterstützt) vertrug. Dr. Wilde übersetzte diese Stücke und nannte zugleich ihren Ursprung. 'V- Obwohl die Führung damit ihr offizielles Ende erreicht hatte, konnten sich die christlichen Zuhörer nicht trennen. Noch eine weitere Stunde hatten sie Fragen über Fragen zu stellen. Im Mittelpunkt ihres Interesses stand die Thorarolle. Vor allem aber galt es die „Geheimnisse" zu lüften, die vorhanden waren. Typisch für die unter unfern christlichen Mitbürgern herrschende Ansicht über vermeintliche „Geheimnisse" war die Frage einer Zuhörerin, was eigentlich die' über der Lade beiderseits derselben angebrachten Ornamentformen mit de» hebräischen Zeichen darin zu bedeuten haben; ob dixse RundbogenforU von der jüdischen Religion vorgeschrieben sei. Eine ändere Jnteressentin wünschte Auskunft über etwaige Mission im Judentum ustv. Wie diese 2 Stunden gewirkt haben, davon legte schon einen. Tag später ein an Dr. Wilde von der Leitung der Volkshochschuk gerichtetes Dankschreiben Zeugnis ab, worin es "unter anderm heißt: „Sicherlich werden diese (Ausführungen!) dazu beigetragen haben, das gegenseitige Verstehen Andersgläubiger zu fördern." schon längere Zeit zuvor hatte eine Reihe von Schülern aus den verschiedenen Magdeburger höheren Schulen unter Leitung ihrer Lehrer wie auch die Magdeburger Musikschule den Freitagabend-. Gottesdiensten mit größter Andacht nnd Aufmerksamkeit beigewohnt. Oberhausen. ^(T ödes f n l l.) Infolge eines Urrglüüsfalles ist der langjährige Schatzmeister der Gemeinde und Repräsentant derselben, Herr Emil Oppenheimer, plötzlich aus unserer Mitte gerissen worden. In mehr als dreißigjähriger ehrenamtlicher Tätigkeit hat der Heimgegangene, dessen Pflichtgefühl und Selbstlosigkeit vorbildlich waren, die Interessen der Gemeinde toahrgenommen und allen, die seine Hilfe begehrter, Rat und Unterstützung geboten. Die Gemeinde betrauert seinen jähen Heimgang aufs tiefste und wird ihm stets ei» treues und dankbares Gedenken bewahren. Vereinsnachrichten Die Freie Jüdische Volkshochschule veranstaltet am Sonntag, den 9. März, abends 8 Uhr, Brüdervcreinshaus, Knrsürstenstraße 116 bis 117, eine Purimfeier. Prof. Heinrich Locwe wird über die historische Entlvicktung und die psychologische Grundlage des jüdische» Volkshumors sprechen, Alexander Granach rezitiert aus Werken von .Heine, Wedekind, Perez und Scholem Alechem (siehe Inserat). Das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht, Potsdamer Straße 120, veranstaltet im Rahmen eines Zyklus über vergleichende Erziehungskunde am Mittwoch, den 5. Marz, abends 8 Uhr, im großen Saal einen Vortrag des bekannten jüdischen Pädagogen Dr. Siegfried Lehmann über das von ihm gegründete und geleitete Kinderdorf Benschemen mit dem Thema: „Ein Produktionserziehungs-- versuch im Waisenhaus Benschcmen." Ein neuaufgenommener Fllm vom Kinderdorf gelangt zur Vorführung. Unkostenbeitrag. Vorbestellungen an das Sekretariat der Jüdischen Waisenhilfe, Charlotten-, bürg 2, Knesebeckstraßc 86, erbeten. Der Jüdische Turnverein 1905 feiert sein 25 jähriges Stiftungsfest am Sonntag, den 9. März, in den Räumen der „Gesellschaft der Freunde", Potsdamer Straße 9. Neben einer erstklassigen Tanzkapelle sowie Tombola sorgen Turn- und Gymnastik-Vorführungen und Darbietungen erster Kräfte für einen genußreichen Abend. Eintrittskarten Mk. 2,50 an der Abendkasse, im Vorverkauf (Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B., SW. 11, Hallesche Straße 1) Mk. 2,—. Gäste willkommen. Jüdische «rüder-Kemeiade E. B. Neukölln - Israelitischer Fraurn-Verem E. 8. Neuköllu. Sonntag, den 9. März 1930, abends 6 Uhr, Kostümball (anläßlich des Purimfestes) im Kaiser-Saal der Weinhauses „Rheingold", Berlin, Bellevuestraßc 19-20. Die Veranstaltung findet zugunsten des Jüdischen Bezirkswohlfahrtsamtes Neukölln statt. Eintrittskarten u Mk. 2,— incl. Steuer im Gem-eindobüvc, Jiarstraße 8, erhältlich. Telephon Neukölln (FII) 8368.

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