Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-02-26 · 9 (26.2.1930) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
9 (26.2.1930)
Date
1930-02-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2613366-2614053-2614062--3483-2621077
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Aus der Jli-Vewegung Verautwuril.: Ardeitsgemeiuschaft )üdisch-lib«raler Zugendveretae Deutjchlaad» Gorfitzeuderr De. Hug» Hoffmmm. Irankfurt a. Aal» Ein neues Jugendheim der Breslauer Gemeinde Mit der Einweihung des von der Breslauer Gemeinde geschaffenen Jugendheimes am kommenden Purimfeft geht ein langjähriger Wunsch der hiesigen jüdischen Jugendver bände endlich in Erfüllung. Noch vor zwei Jahren war die Schaffung eines Jugendheimes das Ideal iveiter jüdischer Jugendkreife Teutfchlands, eine Ausgabe, zu deren Verwirklichung vornehmlich die Jugend lebhaft drängte, und die in Frau Paula Ollen dovff, Breslau, eine eifrige Fürsprecherin zur Erfüllung ihrer Wünsche fand. Auf ihren Reisen nach England und Amerika lernte Frau Ollendorfs die erstgeschaffenen jüdischen Jugendheime/die settlements, kennen und setzte sich sofort nach ihrer Rückkehr in g-a»rz Teutschlano mit unablässiger Energie und freudigstem Idealismus durch Vorträge und Aufsätze für die Schaffung derartiger Jugendheime ein. Vor allem in den Kreisen des jüdischen Frauenbundes fand sie sofort Verständnis für ihre iöcaicu Bestrebungen. Rach einigen Monaten öevftärttev Propaganda gewannen auch die -Gemeinden Interesse an der Verwirklichung dieser neuen Kulturaufgabe. Trotz der gewaltigen Wirtschaftskrise fanden viele Gemeinden den Weg, das Werl zu schaffen, das jeweils der folgenden Generation das Erbe des Jlwentums vermitteln und somit ein wichtiger Faktor zur Erhaltung des Juden tmns .überhaupt sein wird. , Nun sind zwei Jahre vergairgen, und auf Anregung von Frau Paula OllendorshBrcSlau finden lvir Jugendheime in den Gemeinden Gelsenkirchen, Köln, .Hamborn, Elberfeld und last not least iu ihrer Heimatstadt B r es 1 a u. Im Anfang des Jahres kaufte unsere Breslauer Gemeinde ein herrlich gelegenes .Haus mitten im Zentrum der Stadt der Fensterblick gewährt die Aussicht über den Stadtgraben nach den Anlagen der Liebigshöhc. Tas Grund- Mck wurde von Herrn Regierungsbaumeister Ehrlich in ge ejgneter Weife umgebaut, so das; es nun in reichstem Maße allen Ansprüchen genüg!, die man an ein Jugendheim über Haupt steilen kann. Ter Garten des .Hauses ist als Sportplatz angelegt worden, der mit Rasenflächen,' Laufbahnen, Sprungstellen sowie Turn und Spielgeräten airsgestattet ist. In den mit modernsten und zweckmäßigsten Einrichtungeil angelegten Bade und Tuschräumen findet die Jugend Gelegenheit, den Körper zu reinigen und zu erfrischen. Tie Wohnräume sind in vollster Würdigung der neuen Sachlichkeit vorbildlich ausgestattet und gewähren einen überaus. behaglichen und angenehmen Aufenthalt. Eine Anzahl Unterrichtszimmer für Jnstruktionsstnnden sowie kleiirere Klubräume stehen für Hcinrabende einzelnen Gruppen zur Verfügung. Versammlungsräume in geeigneter Größe ge statten gut frequentierte Veranstaltungen^ Auch eine mit dVf Irischen Apparaten versehene Teetüche ermöglicht die schnelle Fertigstellung von Tee und kalten Abendbroten. Eine reichhaltige Bibliothek sowie ein gemütliches Lesezimmer stehen jchem Besucher, auch zu Arbeitszwecken, zur Verfügung. Kurzum, das ganze Jugendheim ist so eingerichtet, daß es zu gleicher Zeit viele Veranstaltungeil und allen jüdischen Jugendvereinen „Abende" im eigenen Hause ermöglicht. Tie Organe unseres Breslauer Heimes werden gebildet von einem Kuratorium, das sich aus langjährig tätigen Damen Und Herren des Gemeindelebeils zusammensetzt sowie einem Arbeitsausschuß, dem bis auf wenige Mitglieder ausschließlich Jügendliche angehören. Dadurch wird vor allem die Jugend an der Arbeit und Ausgestattullg des Betriebes im Jugendheim unmittelbar beteiligt. Nach der Schilderung dieses schönen Heimes wird der Leser fragen, wie es eine Gemeinde verantworten kann, in unserer gewaltigen, überall aufs unangenehmste fühlbaren Wirtschaftskrise, aus den allseitig beschränkten Mitteln Beträge zu bewilligen für die Schaffung eines derartigen Wertes. Das Werk spricht für sich selbst. Wir kennen die Raumnot allüberall. Wir wissen, daß auch die anderen konfessionellen und sozialistischen Gemeinschaften derartige Heime schaffen und große Teile ihrer finanziellen Mittel für diese Jugendarbeit verwenden. Wir wissen aus den Gemeinden der amerikanischen und englischen Judenheit, die zwar nur auf freiwillige Zuwendungen angewiesen sind, daß sie in großzügigster Weise praktisch diesem Problem zu Leibe ge rückt sind. Nurr sind auch viele deutsche Gemeinden an die Verwirklichung dieses Werkes gegangen iu der Hoffnung, durch diese Arbeit Auflösung und Indifferenz zu bekämpfen. * Tenn unter den weiten Kreisen des Judentums macht die religiöse Indifferenz besonders in großen Teilen der Jugend ungeheure Fortschritte. Religionsunterricht und Gottesdienst können dem jungen Menschen nicht immer Religiosität und Kulturelemente des Judentums übermitteln. Tas Elternhaus bietet dem Jugendlichen oft überhaupt keine Gelegenheit, das Judentum in irgend einer Weise kennen zu lernen. Auch die IIebermacht der Wirtschaft, die auch viele, viele Jugendliche vor bitterste Probleme des Alltags stellt, gestattet dem einzelnen nicht mehr, für das Schicksal des Gesamtjudentums verantwortlich zu denken. So scheint ein völliger Zwiespalt zwischen der gegenwärtig Heranwachsenden Jugend und ihrem Judentum, von depr sie oft gar keine oder keine rechte Vorstellung hat, zu klaffen. All das kritische Geschehen der Gegenwart stellt die Frage nach der Zukunft des Gesamtjudentums. Dringende Hilfe tut not, ehe es zu spät ist und die rüstig fortschreitende Indifferenz immer weitere Kreise der Jugend dem Judentum entzieht. Hier erfüllen nun die jüdischen Jugendvereine eine sehr, sehr wichtige Aufgabe. Wir müssen unumschränkt zugeben, daß gerade die Jugendorganisationen bestrebt sind, alle noch fernstehenden Kreise der jüdischen Jugend zu aktivieren, daß viele dieser Jugendverbände durch ihre intensive Arbeit aus dem besten Wege sind, Judentum wieder lebendig zu gestalten, daß gerade die organisierte Jugend zu einer Neubelebung der Tradition beitragt und die Religiosität des Judentums, in weiteste Kreise unserer Glaubensgenossen bringt dje mit ihrem Judentn nur noch durch äußere Bande verknüpft sind. Gerade die organisierte Jugend arbeitet in dem festen Bestreben in der Umwelt, bei Kommilitionen, kaufmännischen Freunden und Mitschülern wieder die B e r an t - I w 0 r t u n g für Zukunft und G e st a l t u n g unseres Judentums zu wecken. Tas langersehnte und jetzt neugeschaffene Jugendheim ist nun für diese organisierte Jugend ein vorzügliches Arbeitszentrum. Tenn mit einem Schlage fallen jetzt für die Jugendvereine viele Sorgen, die vorher wirksame Entfaltung ihrer Tätigkeit verhinderten. Ich erinnere nur an die Raumnot. In Privatwohnnngen, Wirtshäusern oder sonstigen unzulänglicher Lokalitäten versammelte sich jüdische Jugend zur Arbeit, die ihre werbende, erfolgreiche Resonanz draußen im Leben firrden sollte. Wenn nun die Heimverhältnisse der organisierten Jugend schon sehr im argen lagen, so ist das Bild noch ungünstiger hinsichtlich der unorganisierten Jugend, über deren Bedeutung für die Erhaltung des Judentums in Deutschland nicht gerrng gesprochen und gedacht werden kann. Tie Arbeit an dieser unorganisierten Jugend ist notwendig an die Existenz eines Heimes gebunden, das hier das wichtigste Werbemittel darstellt. Will man die anders eingestellte, aus anderen Schichten kommende, bisher unorganisierte Jugend erfassen, so brauchen die werbenden Jugendverliände einen Ort, der einladend genug ist, sich dort .gern anfzuhalten. Wenn.wir ferner bedenken, daß das Heim dazu beiträgt, die oft völlig unzureichenden häuslichen Wohnungsverhältnisse zu erleichtern, so bietet sich vielen Jugendlichen Gelegenheit, im Lesezimmer ihre geistige Ausbildung fortzusetzen. Neben all den genannten Aufgaben hat aber das Heim noch eine wichtige gesellschaftliche Ausgabe unter den verschiede neu Jugendorganisationen zu erfüllen: Es gleich; Vorurteile aus und die gegenseitige Anschauung und Erfahrung in Arbeit und Tätigkeit gebietet Toleranz und gesellschaftlichen Takt vor fremden Meinungen und Lebensauschauungen. Vor allem ist das Jugendheim ein wesentliches Mittel, das zur Intensität des Gemeindelebcns beiträgt. Tenn die Jugend, der dieses Heiin gehört, wird bodenständig in der Gemeinde, sie bat ihren Besitz dort. TaS Schassen der Jugend wirkt auf die Gemeinde zurück, die daraus neue Kräfte gewinn!. Hans M. T a n z i g c r, Breslau. * Aus der Ili Arbeit Breslau. «3 ii b i s ch I i b e r u 1 e v 3 it c\ e»» b o frei ii .,A b r a h a in Geige»".! Am 23. Junnar sprach in unferev H a » pr gruppe Fräulein Tr. Alice Oppenheimer über „Das RcichSjugendivvhtsahrrSgesetz. Seine Anwendung in £kt öffentlichen und privaten Wohlfahrtspflege/' Tie Vortragende verband eS vor möge ihrer reichen praktischen Erfahrung, den trockenen Eesehesstosf lebendig und scssetnd zur Tarslellung zu bringen. TaS Gesetz verdanke seine Entstehung dem Gedanken, das; der Staat für die Gesundheit seiner Jugend zu sorgen habe. In diesem Sinne wurden auch die Organisationen der JugendwohlsährtSbehörden mit it>vci Komveten; nus-gebaut. Danach »uaubte sich die Voctrag. »»sc im wesentlichen den Bestimmungen des Jugendgerichtsgesetzes zu und betonte dabei das häufige Zusammenarbeiten der Jugendgerichts Hilfe mit den verschiedenen konfessionellen Organisationen. Ter Straf Vollzug bei Jugendlichen und die einzelnen Erziehnngsmaßregeln wurden eingehend behandelt. .Hier zeigte die Vortragende die Methoden, aber auch die Schwierigkeiten - der Fürsorgeerziehung. Sic ergänzte diese Fragen durch persönliche Beobachtungen in Erziehungsheimen und im Jugendgefängnis, wobei das letztere einer scharfen Kritik unterzogen wurde. Die Aussprache behandelte gerade die praktische Seite des Themas, insbesondere die Regelung der jüdischen Jngendwohl sahrtspflege. — lieber den äußerst beifällig aufgenommenen Vor trag „Krisis der Religion?", den der Vorsitzende der „Arge", T r. Hugo Hoffman», am 5. Februar hielt, werden »vir in der nächsten Rümmer berichten. Ein Jüngeren Gr n p p e n abend brachte am 25. Januar einen Bortrag von Wolfs Tavidfohn, unserem l. Bvrsitzettdcn, über: „Die Methodik des heutigen Religionsunterrichtes". Selbst Religionslehrer, schöpfte er, der uns allen als moderner Pädagoge bekannt, aus eigenen Ersahruitge» und Erlebnissen. (Gerade das erhöhte den Reiz feiner Ausführungen, die sich an den heute gegebenen Aufbau des Religionsunterrichtes hielten und doch immer »vieder Gedanken und Seele des Vortragenden wiederspiegelten. Eine ge »lauere Wiedergabe seiner Ausführungen möchten »vir uns ersparen, da sie der Vortragende auf unseren Wunsch einem Hauplgrnppenvorlrag des nächsten Monats zu Grunde legeir »vird, »vorüber »vir dann ausführlich berichten. Der Vorlrag „Tie Entstehung jüdischer Gesänge", den Herr K a n t o r W a r t e n b e r g e r am 30. Januar in der Jüngeren Gruppe hielt, ist an anderer Stelle besonders behandelt. Am 0. Februar fand in der Jüngeren Gruppe ein Leienachmittag statt. Harrh May las in bunter Folge Ernste» und .Heiteres, er gab Proben aus Tagore, aus Russischen und Chinesischen Märchen, Presbcr u. a. Erich Bulkan. Frankfurt a. M. <N a t i v n a l i S in u s , UniversaIis mus, Judentum.) Im Rahmen unseres Winterprogramms „Unser Judentum uub die Probleme der Gegenivart" sprach am 1k. Januar 1330 Herr Rabbiner Dr. Seligmann über „Nationalismus, UniversaliSmns, Judentum". Ter Referent führte aus: DaS Thema grenze stark an dasjenige, daS ihm für die Breslauer Tagung gestellt Ivorden fei. Die Stellung des Nationalismus und des UniversaliSmns im Judentum ist aus der geschichtlichen Entwicklung des Judentums zu erklären. Eine große Umwälzung entstand vor ungefähr 1500 Jahren, nach jüdischer Zeitrechnung. J»n Osten Europas ist die Stufe, auf der >o i r heute stehen, noch lange nicht erreicht: »venn der Einfluß einmal fo groß ist, daß eine Umwälzung eintritt, wird sie sehr stark fein! Der Einfluß europäischer Kultur »var es, der den Umschlvung brachte. UnidcrsaliSmus und PartikulariSmus machten schon in ältester Zeit ihre Einflüsse im Judentum geltend. Schon damals waren die Trieb fräste vorhanden, »»ichts von außen her Kommendes auf sich einwirken zu lassen, alle eigenen Ideen aber nach außen zu verlieren. Den Hauptzug ins Universalistische sehen »vir im Monotheismus selbst. Ein einziger Gott — eine einzige Menschheit. Ein Ausleger der Bibel sagte einmal: „Gott schuf einen Menschen am Anfang, damit die Menschen sich nicht über ihre Herkunft streiten können. Gott, als Schöpfer der Welt, »vurde den Menschen, und natürlich auch uns Juden, als erstes kundgetan. Hier haben »vir aber zugleich das Partikularistische im Judentum, die Ausertvählung eines Volkes. Und mm das Nationale: „Ihr sollt mir ein heiliges Biplk sein", sprach Gott. Also ein Volk, aber ein heiliges, im religiösen Sinne gedacht! Deshalb dürfen »vir das Volk nicht national betrachten, sondern nur im religiösen Sinne! Warum hat sich das jüdische Volk unter allen anderen erhalten? Nur weil sein Vollsein auf religiöser, nicht auf nationaler Basis ausgebaut war! Auf der einen Seite nicht unterzugehen, sich im Stämme zu erhalten, auf der anderen Seite das allgemein Menschliche zu fördern, tvar von jeher das Ziel des Judentums. Und die Verkünder beider Richtungen waren „Priester" und „Propheten". Mit ihnen begann die Idee unseres Judentums, mit ihnen tvird sie auch schließen. Kultus. Ritus'und Zeremonien sind die Gebiets die den Partikularismus im Judentum zeigen. Die Ethik, das allgemein Menschliche, stellt den Universalismus dar. Der Talmud selbst ist die Be tonung des Partikularistischen! Die Hagadah wiederum ist die Der künderin des _ allgemein Menschlichen. In den trostlosen Zeiten des Mittelalters standen Menschen auf, die über ihren strengen Gesetzen das menschlich und sittlich Fördernde sahen, die Verkünder des UnivcrfalismuS. Liberales Judentum — Universalistisches Judentum! Trotzdem kann sich unser Judentum nicht nur aus Grund des Ethischen erhalten: gerade der Liberalismus »vill ja das Alte, soweit es sich mit dein Modernen vereinbaren läßt, erhalten. Wir müssen daS, was wir partitularistisch nennen, im Judentum festigen, um unser Juden lnm erhalten zu können. Die vielen Probleme, die durch dc», Vorlrag ausgelvorsen »varen, gaben in der anschließenden Diskussion reichlich Anregung zur Klärung dieser Fragen. .Hella Lion, Jli Frankfurt a. M. Magdeburg. (I! ü d i s ch l i b e t a l c r Jugendbund „H e i - m a t".) Im jüdisch-liberalen Jugendbund „Heimat" sprach am Sonntag, den 3. Februar 193‘J, im .Heiin der Mcndetssohnloge, Herr Rechtsanwalt Dr. Hugo Hoffmami-Franksurl a. M., I. Vorsitzender jüdisch-liberaler Jugendvercine Deutschlands, über das Thema: „In gendnot — Elternnot". Der l. Voy'itzende des „Jli", Hans Meyer »md Herr Rechtsanwalt Tr. Heinrich Kaß, im Austrage der Vereinigung für daS liberale Judentum, Ortsgruppe Magdeburg, begrüßten den Referenten. Dann ergriff Dr. .Hossmann daS Wort zu feinem Referat. Er ging von de» Anfänge»» der allgemeinen Jugend, - beivcgung aus. Zu dieser Zeit »var das Begehren der Jugend nach Freiheit ein Prolest gegen die Strenge der Eltern und Erzieher. Dr. Hoffman»» führte aber Beispiele an, daß die Jugend poch nicht allein über sich bestimme»» kann, sondern der undeivnßten Führung der Acltercn bedarf. Damit kam der Referent aus den Kernpunkt seiner Ausführungen: Tie jüdische Familie. Durch den heutigen Ji»disscre,»tismus vieler Eltern wirb das Religiöse in dc» Jugend zu wenig gepflegt. Tr. Hofsmann hält cs für sehr richtig, daß junge Menschen in unserer schweren Zeil Halt und Kraft in der Religion finden. Er schlug vor, für die Erwachsenen Kurse einzurichtcn, lvie cS schon in größeren Städten geschehen ist,'in denen man sich mit jüdischen Dingen beschäftigen soll. Zum Schluß las der Referent ein sehr eindrucksvolles (Kedichl von Rabbiner Tr/ Gottschalk-Frankfurt a. M.: „Glaube an Dich, jüdische Jugend/: Der starke Beifall betvieS Dr. Hofsmann, mir sehr seine Ansichten bei Jung und Akt Anklang gefunden hatten. An der Diskussion beteiligten sich Fräulein Regina Cohn und die Herren Kronheim, Fließ und .HanS Meyer. Anschließend sprach .Herr Tr. Hofsmann noch einige Schlußworte. Rakibor. 'SS i e >v ecken n >» d s ö r d e r » iv i r jüdisch, religiös en Liberalismus. Am Dienstag, den 1. Fe bvtuu, hatten »vir alle das G'.ück, einen vorzüglichen Redner z»» u»»s über Probleine sprechen zu hören, die besonders uns, die Jugend» heftig beivegen. Tr. Hofsmann iFranksurt a. M.) sprach oor zahl reich versammeller Gemeinde über das Thema: „Wie wecken und fördern ir'ir jüdisch religiösen Liberalismus". Ter Redner ging von der Frage ans, die ihm kurz vorher aus unseren Reihen gestellt wurde: „Ist und kam» Religiosität modern sein?" Aeußerlich »vill eS scheinen, alS. ob alle Religiosität verschwuirden sei. Die Meirsch heit haster in besinnungslosem Taumel durchs Leben. Es lebt nicht der Mensch, sondern die Maschine. Es gibt leine Liebe, sondern nnr Interesse. Alles ist nur auf Veräußerlichung bedacht, reagiert nur auf starke, äußerliche Reize. Wo bleibt das innere Leben? Wo die Seele, >vo die Religion? - Ta taucht die Jugendbewegung auf. Bon religiösem Geiste getrieben, fordert sie: „Zurück zur Natur." Doch durch die völlige Loslösung von den Erwachsenen, durch das lieber Bord-Werfen aller Autorität mußte sie zersche»len an den harten Klippen der Wirktlchtcit. Und da erscheint eine neue Betvegung, die die Jugend mächtig ergreift, die liberale Jugcndbewcgung, bei der die starre Autorität der früheren Zeit tzwar auch nicht mehr gilt, die aber die Autorität vor großen Person lichteilen umsomehr anerkennt. --- Jetzt führte der Redner wegen der knappen Zeit in etwas kürzeren Worten die Ziele der Betvegung aus und suchte die Wege darzutegcn, die zur Weckung und Förde rung des jüdisch-religiösen Liberalismus führen. Nicht die M-en scheu sind religionslos, sonder»» die Ausdruckssormen der Religion, sind uns entfremdet. Jugendgottesdienste, Weihestunden, religiöse Gespräche innerhalb der Jugendzirkel, die Verbreitung geeigneter Literatur siird u. a. Wege, das Interesse an der Religion wieder zu ertvecken. Aus der Vergangenheit leben, in der (Gegenwart wirken, für die Zukunft bauen, das sei unser Ziel. Den aus wahrer Begeisterung strömenden Worten des Redners folgte der lebhafteste Beifall. Das Ili-Programm Berlin. Pankow-Osten. Montag, den 3. März, bei Alice Wrzeszinski, NO. 55, Elbinger Straße 46. Thema: Jesaja. Hermsdors. Gruppe 1: Sonnabend, den 1. März, 5.36 Uhr nachmittags: Aus dem Dschungelbuch. — Gruppe 2: Sonnabend, »en 1. Marz» 8 Uhr abends. Thema: Staatsverfassung. Donnerstag, den 27. Februar, bei Galliner, Sybelstraße 19» Thema: Hofe«. «rerla». Hauptgruppe: Mittwoch, den 5. März, 20.30 Uhr» iu der Religivnsschule II, Anger 8: Aussprachezyklus: Die augenblicklich« Situation des deutschen Judentums; 5. Abend: „Deutsches Judentum — Gesamtjudentum". Einleitendes Referat und Leitung: Franz Meidner. — Jüngeren-Gruppe: Donnerstag, den 27. Februar, 16.30 llhr, Restaurant Schaal, Bortrag von Karlheinz Perser: „Weltbürgertum". Frankfurt a. M. Dienstag, den 11. März 1930, 20.45 Uhr, Heimabend, Westendsynagoge. Hella Lion, Jak. Flörsheimer, Waller Scheidt: Dreigesprach: „Hat unsere religiös-liberale Einstellung nur theoretische Bedeutung oder gibt sie uns Rückhalt nud Ansporn im alltäglichen Leben?" Anläßlich unseres fünfjährigen Bestehens findet am 29. Marz ein Stiftungsfest statt. Näheres wird uoch bekanntgegebeu. Jli-Jugendgruppe Frankfurt. 1. Marz, 16 Uhr, bei Dr. Moser, Saudweg 30. Referat: Hella Lion: Jugendprobleme. 8. März, 16 Uhr, bei Dr. Edinger, Bockenheimer Anlage 49. Arbeitsgemeinschaft Kunstgeschichte. Leitung: Frau Dr. Edinger. Magdeburg. Dienstag, den 4. März 1930, abends 8.15 Uhr, in der Loge. Breiterweg 139-140: Nordischer Abend. Jugeudgruppe: Sonnabend, den 1. März 1930, nachmittags 5 Uhr: Heimnachmittag. Leitung: Alfred Hadra. vereinsnachrichten Freie jüdische Bolkshochschule. Im März beginnen folgende Vorlesungen: Rabb. Dr. Wiener: Freie Aussprache über religiöse Fragen (Montag 8 Uhr Synagoge Fasanenstraße, Beginn 10. Mörz). R.-A. Dr. Margarete Bereut und Frau Siddy Wronsky: Ehe und Familie im Judentum, unter rechtlichen und bevölkerungspolitischen Gesichtspunkten (Dienstag 8 Uhr Synagoge Fasanenstraße, Begrün 4. März). Purimfeier: Professor Lölve:.Jüdischer Bolkshumor. Alexander Granach: Rezitationen. Sonntag, den 3. März, 8 Uhr, Drüdervcreinshaus, Kursürstenstraße 115-116. Junge Szene, Lerli«. Max Koninski vom Frankfurter Schauspielhaus spricht am Mittwoch, den 5. März, abends 81/4 Uhr, im Ärotian-Steinweg-Saal, W. 9, Bellevnestraße 14, Dichtung der Gegenwart, u. a. Becher, Brecht, Frank, Horvath, Kästner, Tucholski, Weinert, Ulitz, A. T. Aegner. Karten zu Mk. 1,50 und 2,— an der Abendkasse.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.