Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 9 (26.2.1930)
- Date
- 1930-02-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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stellen, z. B. die Zentrale für private Fürsorge, die Wohl--- tätigkertszentvale der Berliner Kaufmannschaft, die Jüdisch« Gemeinde durch ihr Wohlfahrts- und Jugendfürsorgeamt, daS gleichzeitig Auskunfts- und Gutachtenstelle für die be hördlichen Aufsichtsorgane ist. Die allgemeine Anerkennung und Benutzung dieser Prüsimgsstellen ist notwendige Voraussetzung einer Vereinfachung der Wohlfahrtspflege. 5. Daß die ganze Grundlage unserer Wohlfahrtspflege eine sittlich-religiöse ist, ist selbstverständlich. Die Versittlichung des Verfahrens in unserer organisierten Wohlfahrtspflege ist vielleicht das schwierige Problem and die höchste Aufgabe der sozialen Fürsorge überhaupt. Es ist alter talmudrscher Grundsatz, den Armen nicht zu beschämen. Ja, einer unserer Weisen ging so weit, has Nichtgeben von Almosen 'für besser zu erklären, als ein Wohltun, das den Armen beschämen könnte. Wie ist diese sittliche Verpflichtung, die sich auf die A r t des Gebens bezieht, mit den modernen Methoden zu vereinigen? Soll, wie der Talmud es verlangt, öffentliche Wohltätigkeit ganz ausgeschlossen sein? Niemand wird bestreiten, daß ein solcher Radikalismus den Zweck der Zedokoh heutzutage gänzlich vernichten würde. Die öffentliche, d. h. die organisierte Wohlfahrtspflege heute abschaffen, hieße Hun-4 derttausende der ärgsten Not verfallen zu lassen! Die Organisation muß eine öffentliche sein, ihre Hilfe, ihr Eingriff muß in einer Weise erfolgen, die den Bedürftigen in keiner Weise bloßstellt, sie muß unösfentlich und diskret sein. Es kommt hier alles auf die Praxis des Helfers an. Er muß taktvoll genug sein, die Organisation in den Hintergrund treten, sie den Bedürftigen nicht spüren zu lassen. Wenn Herr Dr. Baeck die Frage aufwirft, ob sich nicht zuweilen die Organisation „allzu bemerklich" zwischen Helfer und Arme einschiebc, so müssen wir gestehen, daß wir alle nur Menschen sind und unsere Fehler haben. Unser Streben aber und unser ernsthaftes Nachdenken ist dem Plane gewidmet, die Organisation möglichst zu mildern und in der praktischen HilsSarbeit zu verdecken. Radikaler jedoch als diese Methode, die eine Erziehung der Helfer im sozialen und Menschheitsgeiste erfordert, scheint uns eine andere Idee zu sein, die in jüngster Zeit Herwige? reist ist. Ist dock) der alte Zedokohgedanke der, daß der Arme einen Anspruch aus Unterstützung hat. ein Recht also. Wer aber ein Recht für sich in Anspruch nimmt, hat keinen Grund zur Scham! Wie nun, wenn man die Hilfsbedürftigkeit selbst zur Mitarbeit Heransicht? Wenn man den beschämenden Unterschied zwischen Armen und Wohltätern dadurch verwischt, daß die Verwaltung der Organisation ans beiden Schichten sich znfammenfetzt? Dieser sozialistische Gedanke ist in der Praxis einiger Kommunalverwaltungen vor kurzem eingeführt worden. Er scheint uns dem alten Zedokohgedanke« unserer Religion nahe verwandt und es besteht die ernsthafte Absicht, ihn auch in unsere Wohlfahrtspflege, wenn man erst einige Erfahrungen damit gemacht hat, einzuführen. Zweifellos ist der Gedanke äußerst fruchtbar für die Erwerbstosenfürsorge, die ja bei dem gegenwärtig grassierenden wirtschaftlichen Antisemitismus von größter Wichtigkeit ist. Unsere Abteilung „ArbeitS- und Berufsfürsorge" soll Sorge tragen, neben einer Schicht von Arbeitgebern eine beträchtliche Zahl von Stellungslosen zu gewinnen, nie raten und Helsen. Der Anfang eines Zusammenschlusses ist bereits gemacht. Auf Anregung des städtischen Jugendamtes ist eine Art Gemeinsamkeit der Vereine erfolgt, die Kinderfürsorge treiben. Alle sind freilich nicht beigetreten, einige, weil sic befürchten, daß ein Zusammenschluß ihre Sonderinteresscn gefährdet, andere, weil sie kein gutes Gewissen haben und sich bewußt sind, daß ihre Tätigkeit überflüssig ist. Aber immerhin, ein Anfang ist gemacht. .Hier hat die städtische Behörde die Anregung gegeben, sollte nicht unser jüdisches Gewissen und unsere eigene Erkenntnis ausreichen, den be gonneuen Weg fortzusetzen? Wir werden demnächst au alle Verciuc, die sich bisher von den EimgungSbestrebungen aus überängstlicher Sorge um ihren Bestand ferngehalten haben, die Einladung zu einer Aussprache ergehen lassen. Mögen alle, die glauben, daß das Geschick der Elenden, Bedürftigen und Notleidenden in ihre Hand gegeben ist, und die sich bewußt sind, daß sie kostbares Gut zu verwalten haben, unserem Ruse folgen! Tann soll es vereinter Arbeit gelingen, unsere jüdische Wohlfahrtspflege zum Vorbild für alle öffentlichen Körperschaften und füralle Konfessionen zu gestalten. Unsere Wohlfahrtspflege soll dem Idealbild einer Wohlfahrtspflege so nahe kommen, wie dies einem von Menschen geschaffenen Werk überhaupt möglich ist, sie soll wahrhaft werden wie ein Iiddus ch H asch em! Gesühntes Anrecht Als der Ordinarius für neuere deutsche Literaturge schichte an der Berliner Universität, Erich Schmidt, im Juni 1913 starb, geriet das preußische Unterrichtsministerium in arge Verlegenheit, denn die drei nächsten Anwärter auf diese Lehckairzel und zugleich Schmidts jahrelange Fachge nofsen und Mitarbeiter waren drei Gelehrte jüdischen Glaubens: Richard Moritz Meyer, der Goetheforscher, Verfasser einer preisgekrönten Goethebiographie, Ludwig Geige r, der jahrzehntelang das „Goethe-Jahrbuch" heraus gab, bis ihm die Goethe-Gesellschaft (Vorsitzender Gustav Roethe) die Redaktion aus der Hand nahm, und M a r H e r r - m a u n, der namhafte Forscher auf dem Gebiete der Theatergeschichte und anregende akademische Lehrer. TaS Ministerium ließ die Stelle lieber sieben Jahre lang unbesetzt, als daß es fk einem dieser jüdischen Herren anvertraut hätte. Geiger wurde mil dem Geheimratstitel abgespeist, Meyer und Herrmann bl,eben außerordentliche Professoren. Statt ihrer wurde 1920 ein anderer Gelehrter, Julius Petersen, von der Universität Frankfurt berufen, der sich damals noch kaum die Sporen verdient hatte. Obwohl die Zahl der Literatursiudentcn beängstigend anwuchs, konnte sich die Behörde nicht entschließen, eine zweite Kraft für dies Fach eiuzustellen. Meyer und Geiger starben inzwischen. Jetzt erst, nach vierunddreißigjähriger erfolgreicher Dozententätigkeit, ist Max Herr mann vom neuen preußischen Minister Grimme zum Ordinarius für neuere deutsche Literatur berufen worden. Der Minister hat somit ein Unrecht gesühnt, das diesem Gelehrten wegen seiner Charakterfestigkeit jahrzehntelang angetan wurde, denn Herrmann hat es gleich den beidm anderen Kollegen verschmäht, sein Amt um den Preis eines Glaubenswechsels zu erkaufen. Seine Ernennung löst lebhafte Genugtuung aus, denn den großen Gelehrten Moritz Steinschneider ließ die Behörde bis zum - neunzigi I ★ | Versammlungskalender Berlin. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdische» Gemeinde zu Berlin E. B., Bezirksgruppe Halenfee-Srunewald. Am Dienstag,, de» 4. März, abends 8.30 Uhr, findet in den Festränmen des „Sturm" Aurfürstendamm 173, ein Vortragsabend statt. Herr Syndikus Dr. rer. pol. Hermann Berlak und Herr Wilhelm Marcus (Repräsentant der Jüdischen Gemeinde zu Berlins spreche» über das Thema: „Sorgen und Hoffnungen des jüdischen Mittelstandes". Freie Aussprache. Gäste herzlich willkommen. Berlin. Jugendgemeinschaft der Jüdischen Refvrmgemeinde. Donnerstag, 27. Februar, abends 20 (8) Ahr, im Moffe-Haus. Leipziger Platz 15, Vortrag George Soetz: „Judentum der Zukunft, dorgestellt an den Werken Constantin Brunners". Gäste willkommen. Königsberg i. Pr. Dienstag, 4. März: Bortrag George Soetz (Berlin), Generalsekretär der Bereinigung für das liberale Judentum E. B.: „Am was> geht es bei unfern Repräfentanten-Wahlen?" Ort und Zeit werden noch bekanntgegeben. * Gottesdienste Berlirt-R-rtzev. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Ml« 182). Freitag, 28. Februar, abends 7.15 Ahr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Andorn. Sonnabend, vormittags 10 Ahr, Gottesdienst. Bttlin-vste». Liberal« Synagoge Osten (Aula Kaiserstraße 29*30). Freitag, 28. Februar, abends 7.15 Ahr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Swarfenfky. Berlin-Westend. Liberale Synagoge Westeud (Aula Leistllowstrahe 7, nahe Reichs* kanzlerplatz). Freitag, 28. Februar, abends 7 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Prinz. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (Cecilieuschule, Rttolsbvrger Platz). Freitag, 28. Februar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfki. Berlin. Jüdische Reform-Gemeinde. Gottesdienste am Sonntag, den 2. März. Johannisstratze 16: vormittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Rofeuthal. Kleiststraße 10: vormittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Lehmann. sten Jahre warten, ehe sie ihn wenigstens mit dem Pro fesiortitel auSzeichnete. Mar Herrmann ist als Sohn des feinsinnigen Schriftstellers Louis Herrmann am 14. Mai 1865 in Berlin geboren. Er besuchte hier das Wilhelmsgynrnasium und studierte danu in Berlin und Freiburg Germanistik und Philosophie. Auch seine Gattin, Helene geb. Schlesinger, ist den Wissenschaften ergeben; sie hat u. a. eine kritische Heine- Ausgabe veranstaltet. Max Herrmann ist Schriftführer der Gesellschaft für deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte,- er gibt außerdem die „Monumenta Germaniae Paedagogica" heraus. Andere seiner Forschungen betreffen die deutsche The atergeschichte des Mittelalters und der Renaissance, die Schriften von A. von Eyb und die Frühzeit des deutschen Humanismus. Zur Cottaschen Jubiläumsausgabe von Goethes Werken trug er den 16. Band bei. Eugen Wölbe. j * | Sprechsaal j * j Für diese Rubrik übernimmt die Schrntleitung lediglich die preßgesetzliche Verantwortung Reformen auf dem Berliner Friedhof Vor etwa einem Jahre wohnte ich einer großeil Beerdigung auf dem Friedhöfe in Weißeusee bei. Es siel mir auf, daß ein Redner außerhalb der Sprechhalle stand und durch das geöffnete Tor seine Ansprache au die Tcauerversammlung hielt. Auf Befragen vernahm ich, daß der Redner ein Priester sei, der mit der Leiche nicht linier einem Dache weilen dürfe. Ich hatte diese Sache vergessen. Bor einigen Tagen besuchte ich den Friedhof wieder, um an einer Beerdigung teilzunehmen, kam aber zu früh und vertrieb mir die Zeit mit Umherwandeln. Dabei fiel mir auf, daß an der Sprechhälle ein Anbau errichtet wurde. Bon einem Bekannten, den ich traf, hörte ich folgendes: Seitens einiger vom Priesterstamm sei es bei der Gemeindeverwaltung durchgesetzt worden, daß dieser Anbau für sie errichtet wurde, damit sie in einem von der Halle abgetrennten Raum der Trauerseier beiwohnen könnten. Der Anbau sei oben mit einem Schlitz versehen, der die Trennung bewirke. Durch die geöffnete Sprechhallentür könnten die Priester dann die Trauerreden anhören, auch könne ein Redner, der Priester sei, von dem Anbau aus in die Halle hinein sprechen. Der Gemeinderichter habe diese Anordllung für religiös richtig erklärt. Mir war diese Angelegenheit nicht begreiflich, auch von einem Gemeinderichter hatte ich bisher noch nichts gehört, kann mir auch von dessen Tätigkeit kein Bild machen. Mein Freund meinte, es sei seine Ausgabe, über die retigiöfeu Einrichtungen der Gemeinde zu wachen. Bisher hatte ich geglaubt, das sei Aufgabe der Rabbiner. Aber sei es, wie es will, mich! interessiert hauptsächlich die Frage: auf wessen Kosten wird solche seltsame Einrichtung, die doch Tausende kostet, hergestellt? Werden die erforderlichen Gelder von den Interessenten aufgebracht oder müssen die Steuerzahler dafür aufkommen? Wenn ersteres der Fall wäre, bliebe nur die bauliche Verschandelung des schönen Gebäudes zu beanstanden. Die Halle besteht, wie ich hörte, seit fünfzig Jahren in der bisherigen Art. Wie kommt es, daß nach so langer Zeit sich eine solche Veränderung erforderlich: macht? Sollte sich wirklich eine große Zähl Angehöriger des Priesterstandes Stou=wero( iDohlfchrneckc nd L nahrhaft. für diese Angelegercheit interessiert haben, trotzdem chre Vater und Großväter während eines halben Jahrhunderts nicht aus den etwaigen Fehler in der Anlage der Halle aufmerksam geworden waren? Oder sind neue Bestimmungen für die Priester entstanden? Ich vermute die Anregung geht nur von einigen Uebereifrigen aus, dann dürfe doch gewiß nicht der Gemeindesäckel damit belastet werden. Ich finde es gewiß richtig, daß die Gemeinde für die Erhaltung aller religiösen Einrichtungen sorgt, das kann aber nicht bedeuten, daß sie beliebige neue Einrichtungen schafft, au die bisher Niemand gedacht hat uitfc die einige Heißsporne ausgeklügelt haben; wohin würde das führen? Seit fünfzig Jahren haben in Berlin eine ganze Reihe streng religiöse Raboiner fungiert, darunter auchsolche vom Priesterstamme. Ihr Stillschweigen kann nur als Billigung aufgefaht werden, neue, abweichende Ansichten einzelner können nicht als maßgeblich betrachtet werden. Wie ich erfuhr, geht die Sache noch weiter. Ter Anbau all allein genügt noch nicht, es muß auch die Wartehalle von den Priestern benutzt werden können. Deshalb hat man auch den Zugang zu dieser durch einen Schlitz im Dach von dem Gebäudekomplex getrennt und wird eine neu« Treppe zur Wartehalle anlegen; eine recht fein ausgeklügelte Sache! Da von dein Gang zur Wartehalle eine Tür ins Freie führt, kann also der Priester direkt seinen Separatraum aufsuchen. Auch wenn es nicht von wenigen, sondern von einer größeren Anzahl der Priester ausgehl, dann wäre die gezu belasten. Sie hätten zusammentreten und der Gemeinde-« zu belasten. Sie hätten zusammentrete nund der Gemeindeverwaltung die erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen, können. Bei der. großen Anzahl der in Berlin wohnenden Leute namens Cahen, Cabn, Cohen, Cohn, Cohnheim, Cohnreich, Kahn, Kohn, Katz, Katzenstein und wie die Nachkommen des Priesterstammes sonst noch heißen, wäre es doch ein' Leichtes gewesen und hätte einzelne derselben nur unbedeutend belastet, wenn sie den erforderlichen Betrag unter sich zusammen aufgebracht hätten. Es kommt noch! eine Kleinigkeit hinzu. Nachdem der Anbau errichtet, stellte es sich heraus, daß er zu niedrig ge-, halten und ein Umbau erforderlich! war. Das kostet natürlich, wieder Geld, wer ist wohl dafür verantwortlich? Gewiß! der Steuerzahler! Ich habe mir dann den Anbau angesehen. Er ist außen etwa drei Meter breit und ein bis eineinhalb Meter Lies. Ta er noch im Bau, konnte ich die Höhe nicht beurteilen. Diese ist aber auch Nebensache. Tie innere Fläche ist Llso drei bis vier Quadratmeter groß. Wenn Ln solchem Raum etwa ttod) ein Rednerpult steht, bleibt kaum Platz für ein halbes Dutzend Priester - und dafür solche Neueinrichtung und große Kosten? Mir wurde heiß bei den Gedarrten, die in mir wogten,, ich nahm deshalb meinen Hut ab und ging langsam den- Weg zu der neuen Halle entlang. Da erblickte ich, plötzlich ein Schild mit der Auffchrift: „Das Betreten des Friedhofes ohne Kopfbedeckung ist nicht gestattet." Also eine weitere. Neuerung. Als gehorsamer Staatsbürger habe ich mein Haupt sofort wieder bedeckt. Aber nun quälen mich neue Fragen. Was bedeutet diese Polizeiverordnung? Warum muß ein Spaziergänger auf dem Friedhofe den Hut auf dem Kopfe behalten? Auf die Teilnehmer an einer Beerdigung kann sich der Befehl doch nicht beziehet!, denn die haben den. Kops doch stets bedeckt. Ter Friedhof ist doch, keine Synagoge. Geht die Neuerung vielleicht auf dieselbe Quelle zurück wie der Anbau an die Sprechhalle? I. Scheffler. konzertierende Kantoren Daß sich Kantoren als Konzertsänger betätigen und hierbei auch gottesdienstliche Gesänge vortragen, ist eine Erscheinung, die zwar von manchen unserer Berufsgenossen verurteilt wird, gegen die aber unserseits keine Einwendung erhoben werden kann. Man. darf darin, wenn die Ausführung in wirklich künstlerischer Weise erfolgt, immerhin ein. Mittel erblicken, die jüdisch-religiöse Musik auch weiteren» dem jüdischen Gottesdienste fernstehenden Kreisen zugänglich zu machen. Daß aber konzertierende Kantoren hierbei marktschreierische Reklame treiben, ihre Veranstaltungen durch Plakate ankündigen lassen, auf denen ihr Bildnis invollemAmtskleide „prangt", widerspricht u. E. künstlerischer Feinfühligkeit, vor allem aber dem Gedanken, der sich im jüdischen Vorbeter, dem „Scholiach zibbur", verkörpert, und somit dem Ernst und der Würde unseres Standes. Wir, die Standes- und Berufsvertretung jüdischer Kantoren in Deutschland, können uns mit solchem Vorgehen nicht einverstanden erklären. , Allgemeiner Deutscher Käntoren-Verband E. B. (Vereinigung jüdischer Kantoren). Leon Kornitzer, 1. Vorsitzender. Briefkasten Sully Schueemaua, Lerliu. Wir danken Ihnen für Ihre Zuschrift. Die Berliner Gemeinde hat inzwischen erstmalig (am 21. ds. Mts. in der Synagoge Lützowstraße; Herrn Oberkautor John) eine solche Kantoren-Einführung veranstaltet, und wir sind sicher, daß diese Einrichtung sich jetzt hier dauernd erhalt. l'