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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-02-26 · 9 (26.2.1930) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
9 (26.2.1930)
Date
1930-02-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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WWÄMk3eil>« Organ der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Der«nt«ertt. Redakteur: Btano Woydo. Bit Berehiigung für das liberale Judentum übernimmt um kür diejenigen Auffähe, die ausdrücklich als in ihrem Namen »der in ihrem Aufträge versaht gekennzeichnet find, die Verantmortuua. Alle anderen Artikel, Aeuherungen und Vorschläge erscheinen unter der Verantwortung der Redaktion. Die »Jüdisch-liberale Zeitung" erschein» jeden Atttiwoch. »edaNlon «ud Geschüfissieüe: Berlin SW 11. Hollesche Str. 1 Fernruf: Bergmann 3358. 3359 Postscheckkonto: Berlin 7lW 7. 137069 (Vereinigung für das liberale Zudentum» Nachdruck sämtlicher 0riginal-L,eiträgr nur mit vorheriger Genehmigung der Redaktion gestattet. Lezugsprei, durch die Geschäftsstelle '/«jährlich M. 3.— Einzelnummer 0.25. Bei freier Zusendung i. Inland 0.30 Für die Mitglieder der Vereinigung ist der bezugaprei» im Mitgliedsbeitrage enthalten. Anzeigenpreise: Die I2aespalk. RonpareiUezeil« 0.45 Anzeigentarif durch die Geschäftsstelle. Anzeigenannahme bei der Geschäftsstelle u. sämtl. Annoncen-Erpedi». 7fr. 9 Berlin. 26. Februar 1930 10. Jahrgang Der neue Kultusminister Von Bruno Woyda Das Scheiden van Professor Becker aus dem Ministe rium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in Preußen hat weit über die Kreise einzelner Parteien hinaus namentlich in den Kreisen der Gebildeten Bedauern hervorgerusen. .Hatte hier doch ein Mann einen Posten fünf Jahre inne, der, erfüllt mit eigenem Kulturenrpfinden, verstanden hatte, Stätten deutscher Kultur wieder zu Ansehen und Geltung zu bringen. Professor Becker hatte zu jüdischen Kreisen neben persönlichen Beziehungen auch tiese Bindungen sachlicher Art. Als Semitist und ausgezeichneter Kenner der Geschichte Aegyptens war er wissenschaftlich verwachsen mit jüdischen Problemen. Als Kenner der Religion»- und Kulturgeschichte der islamischen Völker wußte er über einen engkonsessirmellen Bezirk hinaus zu deuten. Daß eine Persönlichkeit von seinen Graden als Opfer von Parteiverhandlungen sein.Amt verlassen mußte, wurde bedauert auch von denen, die seiner politischen Weltanschauung nicht zuzustimmen vermochten oder die Kritik an seiner Tätigkeit, die vornehmlich der Ausgestaltung des deutschen Hochschulwesens galt, glaubten üben zu müssen. Das Preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, das einstige Kultusministerium, ist für das Sein und Werden der deutschen Judenheit von größter Bedeutung. Nicht nur, weil in Preußen über zwei Drittel der deutschen Juden beheimatet sind, nicht nur, weil von diesem Ministerium aus wichtige Entscheidungen für das Schulwesen Preußens getroffen werden, das ja auch für die Erziehung des jüdischen Kindes und damit für die Zukunft des Judentums in Deutschland wesentlich ist. sondern weil von dieser geistigen Zentrale res größten deutschen Freistartes das geistige Gesicht der deutschen Öffentlichkeit entscheidend gestaltet werden kann. Deshalb muß die Frage nach der Persönlichkeit des neuen Kultusministers auch in den deutsch-jüdischen Kreisen von größtem Interesse sein. Tie Ernennung des Sozialisten Adolf Grimme zum Nachfolger von Professor Becker wurde in der Oeffentlichkeit nur vom jeweiligen Parteistandpunkt aus betrachtet. Die Tageszeitungen glaubten ihre Pflicht erfüllt zu haben, wenn sie entsprechend der Tendenz ihres Blattes den Wechsel im Kul , tusministerium charakterisierten. Es ist ein trauriges Zeichen unserer deutschen Publizistik, daß auf Grund der Zeitungsartikel wohl kein Mensch in der Lage sein dürfte, sich von der Persönlichkeit des neuen Kultusministers ein Bild zu machen. Würde die Persönlichkeit des neuen Kultusministers wenigstens in den Redaktionsstuben bekannt sein, so wären rriemals die Mißdeutungen möglich gewesen, die seine nicht eben glückliche Antrittsrede im Landtag erfahren hat. Die Einen erzählten, daß die Religion in Gefahr fei, und die Anderen meinten, der Individualismus solle einen Todesstoß erhalten, da der Minister selbst von dem „Exponenten einer Machtgruppe" anstatt von der Persönlichkeit gesprochen habe. Wenn hier zu diesen Dingen geschrieben werden soll, so geschieht es nicht aus irgendwelchen politischen Motiven. Für sie ist das Forum dieses Blattes nicht zuständig. Wohl aber ist es angebracht, ja sogar notwendig, gerade in einem jü-' dischen, religiös-liberalen Blatt zu den Auffassungen Stellung zu nehmen, die der neue Kultusmirrister in seinen bisherigen Schriften „Der religiöse Mensch" und „Die religiöse Schule"*) niedergelegt hat; denn sie berühren sich auss engste mit den Bestrebungen, die in führenden Kreisen des liberalen Judentums in Wort und Schrift vertreten werden. Was Grimme will, ist die Erziehung zur Persönlichkeit, die Durchdringung des Menschen und der Welt mit Religiosität. Sein Streben gilt einer neuen Zielsetzung der Religion. Jahrhunderte sahen die Religionen ihre Ausgabe darin, leidenden Menschen Mut und Kraft zum Tragen ihres Leids zu geben. Man hielt es für die Aufgabe der Religion, die Blickrichtung des leidenden Menschen von der Erde zum Himmel zu wenden, aus sein Bürgerrecht im Reiche Gottes zu verweisen. Wandlung des Ausgabenkreises der Religion tut not. Wieder wie vor Jahrtausenden muß die Religion ihre wesentliche Aufgabe in der Durchdringung von Welt 'und Leben mit religiösem Geist erkennen. Wieder darf sich Religion nicht genug sein lassen mit dem tröstenden Hinweis, der Arme habe das gleiche Bürgerrecht mit dem Begüterten im Reiche Gottes, sondern Religion muß erneut kämpfen für das Bürgerrecht Gottes im Reiche des Diesseits. In seiner Schrift „Der religiöse Mensch" wendet sich *) Wolf Grimme: „Der religiöse Mensch". Eine Zielsetzung für die neue Schule. Schriftenfolge des Bundes entschiedener Schulreformer. Ferner: Adolf Grimme: „Die religiöse Schule". Rede gehalten aus den Tagungen des Bundes entschiedener Schulreformer zu Leer in Ostfriesland und in der Berliner Universität 28. Juli und 3. Oktober 1923. Mit einem Geleitwort von Paul Oestreich. Beide Verlag C. A. Schwetschke & Sohn, Berlin. Grimme mit außerordentlicher Schärfe gegen die Jenseits theoretiker der Religionen, denen er die Notwendigkeit reli giöser Tatverwirkiichung im Diesseits gegenüberstellt. „Es ist nun einmal nicht anders: Ter erst blüht ans zu einer Persönlichkeit im vollen Sinne, dem Sehnsucht Hingabe an eine andere Persönlichkeit erzeugt, mit der ihn ein tiesstes, letztes, ge heimniSvolleS Gemeinschaftsgefühl verbindet. Auch die Menschheit kann erst iverden, ivas sie ihrem Wesen nach sein soll, ivenn sie sich solidarisch verbunden fühlt zum gemeinsamen Werk mit einem Du. Dies Tu unserer Sehnsucht ist Gott. Und unsere hochgemute Sendung, die Aufgabe der Gemeinschaft aller Völker ist: Mitarbeiter Gottes zu sein an der siegreichere Ausrichtung seiner Herrschaft in der Welt... So brauchen wir diesen andern: Gott. Doch auch das Umge kehrte gilt: „Galt braucht auch Dich, daß er sein Werk vollende: Deine Hände sind Gottes Hände", wie Ernst Lifsaucr singt. Darum geht es auch nicht an, sich Gott als einen guten alhen Herrn in einem fremden Reich jenseits der Wolken zn erträumen . . . Kein Irrtum ist fluchwürdiger als der, daß einer „dies fcitigen" Welt eine „jenseitige", „himmlische", in die mir hineinstcrben lvürden, gcgenüberstehe, für die zu arbeiten sich recht eigentlich allein verlohne. Es gibt keine, z >v e i Welten in dem Sinne, daß die eine für die Menschen wäre und eine gänzlich andere für Gott. So aufgefaßt ist die Arbeit keine Strafe und leine Last, vielmehr eile Geschenk und eine Gnade. So ausgcsaßt liegt das Paradies nicht vor der Arbeit, die ivir im Schweiße unseres Angesichts verrichten. Das goldene Zeitalter schält sich aus dem Rohstoff dieses „Jammertals" erst heraus wie eine Büste aus dem Marmorblock durch die Arbeit, lind keine Rede erscheint glaubensloser, als wenn einer sagt: Das ist zwar Ziel; indes ich zweifle, daß cs menschenmöglich ist. Die Rede vergißt: Es ist iticht Men schcnziel allein. Es ist ein Bau mit Gott.. Man wird schon in diesen wenigen Zitaten zahlreiche Berührungspunkte zu jüdischen Anschauungen finden. Der Blick ist vom .Erlösungsglauben, der in die Vergangenheit geht, abgckehrt und dem messianischen Reich der Zukunft zugewandt. Vernunftwidrige Dogmen sind aus der religiösen Gedankenwelt ausgemerzt; Jenseitsgläubigkeit ist durch von Gottesgeist erfüllte Tiesseitsarbeit abgelöst. Es ist charakteristisch und ganz gewiß kein Zufall, daß Grimme aus den Seiten seiner Schrift, denen die vorstehenden Zitate entnommen sind, drei jüdische Dichter zitiert: Else Lasker- Schüler, Ernst Lissauer und Max Brod. Würde das Judentum sich weniger mit theologischen Haarspaltereien abgeben und mehr die Verpflichtung in sich verspüren, vom Judentum als Weltreligion nicht nur hin und wieder und dann auch noch gern auslveichend zu reden, sondern als Weltreligion zu handeln, es würde in Grimme einen religiösen Mitstreiter finden, der, aus christlicher Symbolik kommend, das Christentum wieder zum jüdischen Urgrund des Juden Jesus zurückführen will. Immer stärker werden im Judentum die Bestrebungen, die Jesus als jüdischen Propheten iu die jüdische Religionswelt einbeziehen wollen. Es genügt in diesem Zusammenhang Namen rvie Montefiore, Stefan Wise, Klausner zu nennen, um darzutuu, daß derartige Bestrebungen wahrlich nicht von den schlechtesten Juden gefördert werdet:. Dabei ist freilich selbstverständlich, daß Jesus nicht als Gottheit, sondern als gotterfüllter Mensch, als Prophet gewertet wird. Das Ziel dieser Bestrebungen deckt sich mit dem, was Grimme, der von der anderen Seite an das Problem herantritt, in seinen Schriften zum Ausdruck bringt. In dem Bortrag „Tie r eligiöse Schule" finden sich u. a. folgende Sätze: „Uns ist nichts wesentlich an Jesus, waS zum Glauben nötigt, daß er wirklich lebte. Für uns ist Rankenwerk, ivas fällt, wenn dieser Jesus nie die Erde sah. Auch Rankenwerk hat Wert. Wir schmähen keinen, der das Lichtbild eines Menschen, dem sein .Herz gehört, mit Laubgewinde schmückt. Allein cs trifft das Wesen der Gestalt des Neuen Testamentes nicht, sie sich als Gott zu denken, der Mensch geworden sei, um eine Kirche unter uns zu stiften. Das Wesen Jesu ist cs, Abbild gottersülltcn Menschentums zu sein, sonst nichts... Ein Christus, der Gott wäre, iväre Christus nicht. Er iväre nicht inehr, der er ist. Er i st nicht Gott; er l e bt mit Gott. Genauer freilich trifft den Unterschied das Wort: Er ist nicht Gott, er ist Idee des Menschen, der mit Gott lebt, des Menschen, der seines Daseins vollen Sinn erfüllt... Und klarer lehrt sie sehen, als zumeist geschieht, daß es kein Abbild gibt, das nicht von seiner Zeit und von den Grenzen seiner Menschlichkeit bedingt -ist, daß also auch das unaussagbar hehre Abbild, das unverwittert vor uns steht aus abgelebter Zeit, nicht letzte Geltung hat.. ." Ueber das gleiche Problem heißt es in der Schrift „Ter religiöse Mensch": „Schon kündigt sich das Nahen einer Zeit an, wo die Menschen ebenso über die nichtigen Fragen der Le hr unter * s ch i e d e hinaus sind wie über den Sklavenaufstand gegen die Religion. Schon hört man aus, Kirchenglauben und Religion in eins zu setzen. Schon macht die Lehre über den Rabbi von Nazareth Platz in den Herzen der Menschen dem Nacheiferungzündenden Vorbild seines gottcrsülltcn Menschentums, mag es nun Mythe oder tiwschichte sein, ein Mensch mit Blut und Bein oder eine Phantasiegcstatt menschlicher Sehnsucht. Schon erscheint vor einem Gleichnis >vie dem vom verlorenen Sohn vieles, was seit Paulus den Menschen als wcsent.ich gepredigt ist, wie Ranleniverk. Die Zeit ist vorbei, >vo es Gottcsläfte rung war, als Andersens Vater, wie der Dichter iu Märchen seines Lebens erzählt, meinte: „Christus ist ein Mensch gewesen wie wir, aber ein ungeivöhnlicher Mensch." Wir stehen heute am Grabe des iveltabgcwandten Christentums, dem die Auferstehung und Uebermcnschnng Christi alles war. Wortlos und freudig zieh« der Vater im Gleichnis de» tangausgcblirbenen, wegmüden Sohn an seine Brust und küßt ihn. Vor dieser einen sinnbildhaften Gebärde müssen sämtliche Dogmen und Bekcuntnisschristen der Kirche verbleichen. Ter religiöse Mensch braucht keinen Vermittler zwischen Gott und sich. Er tritt selbst vor Gott. Trotz der Mitverantwortung Aller nimmt niemand uns die eigene Verantwortung ab, kein Buch, kein Priester, kein Heiliger, kein Heiland. Der religiöse Mensch weiß, daß er vor Gott ganz allein auf sich gestellt ist. Er will auch keinen Vertreter. Er verschmäht es, sich vor Gottes großen gütigen Augen zu verstecken hinter den breiten Schultern eines Volkes, einer Kirche oder eines Christus. Frei schaut er ihm selbst ins Auge. Und er tut es mit dem bescheidenen Stolz, den der männliche Wille, sich selbst zu verantworten, in unsere Haltung legt. Der religiöse Mensch lvill selbst ein Christus sein. Nicht Christus der Gott, sondern Jesus der gottbcsessenc Mensch ist ihm Vorbild mannhafter Entschiedenheit im Kampf um die religiöse Aufgabe, die Welt zu einem Stück des göttlichen Reichs zu ge stallen, in dem alles, was ivir tun und denken, im Wirtschaftsleben so gut wie im Dasein des Staates, nichts anderes mehr ist als Gottesdienst, Dienst am gemeinsamen Wert mit Gott." So kommt Grimme zu zahlreichen Forderungen, die gerade im Judentum unserer Tage als Forderungen größerer Lebensnahe der Religion erhoben worden sind. Und wenn «r auch m der Terminologie oft noch im Christentum haften bleibt — er nennt diejenigen, die ihm das Vorhalten, „Namenssetischisten mit negativem Vorzeichen" in der Sache decken sich seine Forderungen weitgehendst mit den in unseren Kreisen erhobenen. Klar formuliert er das Entweder - - Oder: „Entweder fordere ich, daß auch Handel und Politik werden, was sie sein sollen: Gottesdienst, oder ich erkläre frank heraus, daß das Ziel, Gott die Erde untertan zu machen, Phantasterei ist." So rüstet er zum Kampf, fordert, „daß der Geist des größten Homo religiosus vom Stamme Israel mit uns ins Feld ziehen muß gegen die Helfershelfer" dieser gottentfremdeten Welt des Egoismus nicht nur, sondern ebenso gegen die Anbeter Christi, des Götzen". So will er führen del> „Weg vom Sozialismus als Religion zu der Religion, die sich als Sozialismus auswirkt". Ihm ist der Verfechter einer Wirtschaftsordnung, in der der Egoismus zum eisernen Bestand gehört, recht eigentlich der Antichrist; und der, der den völkischen Äoltcktivegoismus predigt, der im Tiefsten unreligiöse Mensch. Am bestell wohl kennzeichneil seine Auffassung die Schlußsätze seines Bortrages über „Tie religiöse Schule": „Gott will nicht Weltscheu; er will Weltdurchdringung. Mit ihm im Bund stehn, heißt: In die bedingte Welt die Forderung des Unbedingten werfen. Die Menschen, die er braucht, sind Welt g e st a l t u n g s mcnschen, sind Menschen, die in die verkalkte Welt Herzströme neuen Blutes gießen." Aus der Gedankenwelt seiner religiösen Ueberzeugnng ergeben sich für Grimme die Forderungen für Gestalt und Ausgaben der Schule. „Ziel der Erziehung ist die ihrer Eigen- und Mitverantwortung bewußte Persönlichkeit, die das Reich Gottes als Ziel aller Gemeinschaft in Ehrfurcht, Freude und Arbeit bejaht." Schon aus diesem Satz wird ersichtlich, wie sehr sein mißverständliches Wort vom „Exponenten einer Machtgruppe" mißverstanden wurde. Gewiß ist er der Auffassung, daß das Zeitalter des subjektiviftischen Individualismus hinter uns liegt, daß lose Individualisten nie ein. Volk schaffen. Aber was er stattdessen fordert, ist die Persönlichkeit in weit höherem Sinne, die Persönlichkeit, die in sich trägt das einende Bewußtsein, Glied eines Organismus zu sein. Was seine Gegner ihm unterschieben, verurteilt niemand schärfer als er selbst: „Ich will nun gleich vorausschicken, daß die Kampfansage gegen die Persönlichkeit zugunsten der Masse für den geistigen Menschen das Signal zum Abrücken vom Sozialismus sein würde. Es muß deshalb von vornherein erkannt werden, daß die Unklarheit über die Persönlichkeit im künftigen Gemeinwesen zur Krisis im heutigen Sozialismus führen muß. Ja, ich wage die Behauptung, daß ein Sozialismus, der die Persönlichkeit aus löschen wollte, vergessen hätte, wozu er da ist." So ergibt sich für Grimme, daß er die weltliche religionsfreie Schule ablehnt. Er will die weltliche Schule in einem höheren Sinne, als religiöse Schule. „Der Kampf gegen die konfessionell gebundene Schule ist ein Kampf für die religiöse Schule. Und diese wird d-en religiösen Sozialisten formen oder sie fällt abvon ihrem Ziel. Denn der Kampf gegen die kirchensreic Schule soll frei machen die Bahn für die Schule der wahren Kirche. Die Ablehnung der über kommenen Konfessionen bedeutet schlechtwcgs das Gegenteil des Verzichts auf religiöse Erziehung. Sie erfolgt aus der Tiefe der Verpflichtung zu einem ncuerwachendcn Bekenntnis. Die religiöse Schule bekennt sich zu der Erziehung des gotterfüllten Menschen, der in Mensch und Welt den Stoff religiösen. Gestaltens sieht. Die neue Schule will im eigentlich protestantischen Geiste d-cn Sinn lebendigmachen dafür, daß die ganze Welt und unser aller Leben ein Feld religiöser Bearbeitung ist. Sie lehrt den Kampf auf

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