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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-02-12 · 7 (12.2.1930) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
7 (12.2.1930)
Date
1930-02-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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OK einen Baken, und ließ ihn doch fallen, an der Gurgel gepackt von dem selbstgeschriebenen Wort, dessen Smn ihm «uf einmal die Krallen ins Herz schlug. Lieber Waldemar! Soeben erhalte ich aus Hamburg die telephonische Nachricht, daß Heinrich auf der Straße von Rechtsradikalen überfallen urä> erschlagen-„Erschlagen?"-- Er — schlagen?" — — — Grausam zerfleichte das befreite Raubtier den niederge-- worfenen Feind. „Erschlagen?" — — — Das hieß nicht fchlagen! „Er — schlagen", — das bedeutete ein blutüberströmtes, schmerzverzerrtes Gesicht, in das weiter hineinge- HLmmert wurde, mit Fäusten, Stöcken, Knüppeln, die sich blutig färbten, — — immer noch, immer noch, immer noch, auf den stöhnenden, wimmernden, nur mehr zuckenden Haufen, — — immer — - - - Der Alte wollte aufspringen, der Vision entfliehen, schlug die Hände vor die geschlossenen Augen, — und sah es doch, das unerträgliche Bild, als wäre es auf die Jnnenrvand Wie Kinderspielzeug aus dünnem Gummistoff, lag zusammengeschrumpft und runzelig das krebsrote Gesichtchen des Neugeborenen in der Wiege. Jahr um Jahr dehnte es mit seiner Lider tätowiert! seinem Atem, — — zog es in die Länge, - zeichnete pen ersten Schatten der nahenden Mannheit auf die Oberlippe, — — — meißelte verfrühte Furchen, unverheilte Denkurrben in das arme Gesicht,'das sie nun zerschlagen hatten, — zerschlagen! — Feucht glitzernd im Lampenlicht, begannen die Buch- §aben sich zü röten, wie Blut. Das Rufzeichen hinter der!nsprache ragte auf wie ein Knüppel, blutbeklebt. Die entfallene Feder war über das Papier gerollt,-die Kleckse schwollen an, flössen zusammen, überschwemmten den ganzen ÄrieAogen,-das grüne Tuch, bis an den Rand der Tischplatte wuchs die Blutlache, tropfte zu Boden, -jefoec Tropfen ein dumpfer Schlag, auf das Kind, das wimmernd am Boden lag. „Heinrich!-Heinrich!" — . Aus unersorschlicher Tijrse spülte ein Schluchzen den gurgelnden Schrei des Urwaldtieres um sein Junges, so voll Weh und brüllender Wut zugleich, daß auch dem Diener draußen ein Schauer über den Rücken rieselte und er hereinstürmte ohne anzMopsen, gerade noch rechtzeitig, um den tachnelnden Greis in der Mitte des Zimmers in seinen Armen auszufangen. Wer der Anblick der zwei schweren Pratzen, die auf ihn Milten, riß den halb Ohnmächtigen sofort wiürer hoch. Fortgewischi war das blutige Dulderantlitz des Sohnes, Kraft strömte in das schlotternde Skelett, daß es den blonden Hähnen vor die Brust schlug, gegen die Türe zurückschleuderte, mit «kelverzerrtem Mustde kreischend: „Rühren Sie mich nicht an!... Hinaus! Kommen Sie mir nicht Nahe!.. Hände fort! Hände fort!" — — - — Blaß vor Schrecken .stürmte der Diener die Treppen hinunter, schaltete dem Alten das Telephon weg, und ries m der Billa des Schwiegersohnes an: der Hem Justizral möchte herüberspringen, — aber sofort! BÜCHERSCHAU Evangelische Kirchenstatistik Deutschlands. Heft 2/3: Konfessionsstatistik von Paul Troschke, Oberkonsistorialrat, Leiter des Kirchenstatistischen Amtes des Deutschen Evangelischen Kirchenbundesamts, Berlin-Charloftenburg 1929. Der Geschichte, Aufgabe und Arbeitsweise evangelischer Kirchenstatistik in Heft 1 der Sammlung, über die an dieser Stelle berichtet wurde, folgt nunmehr die Konfessionsstatistik •auf der Grundlage der Volkszählung aus dem Jahre 1925. ln dem hundert Seiten starken Band wird ständig der jüdische Bevölkerungsteil in Deutschland den Evangelischen und Katholiken vergleichsweise gegenübergestellt, so daß jeder, der sich mit jüdischer Konfessionsstatistik beschäftigt, dem Buche seine Aufmerksamkeit schenken sollte. Herbert P hilf p p s t h a I. Hugo Haase, sein Leben und Wirken. Von Ernst Haase. (Ottens Verlag, Berlin-Friedenau.) Wohl zur Rechtfertigung eines politischen Streiters erster Ordnung, der darum ein fast ebenso Vielgeliebter wie Vielbpfehdeter gewesen ist, hat ihm Sohnesliebe ein Ehrenn\ a 1 errichtet; es besitzt den Vorzug, aus authentischem material geformt zu sein und trotz der persönlich nahen Stellung des Herausgebers, die durch den zeitlichen Abstand von den Dingen ausgeglichen wird, der historischen Wahrheit zu ihrem Rechte zu verhelfen. Es hing wohl mit Haases von ihm selbst kaum betontem Judentum zusammen, daß er, der ein durchaus guter Patriot war (sofern man das Wort nicht im eng nationalen Sinne versteht), sich schon frühzeitig gedrängt fühlte, ein beredter Anwalt der Bedrängten zu werden — damals, als es zumal in Ostpreußen, dem einstigen Junkerlande, für anrüchig, ja gefährlich galt, sich zu einer Linkspartei zu bekennen. Viele halbvergessene Prozesse, die tjjese abgekürzte jPhronik dreier ausgefüllter Lebeusdezennien an die Bewußtseinsoberfläche bringt, waren dessen ungeachtet mit seinem Namen verknüpft. Um dem Weltgeschehen näher zu sein, übersiedelte Haase nach Berlin, und was er hier, in den nun folgenden Kriegsuh<d Nachkriegsperioden, namentlich für seine, oft in sich selbst zersplitterte, Partei geleistet, wie er auf Partei Versammlungen und im Reichstag zu Gesetzentwürfen und als Volksbeauftragter gesprochen, mit welcher geistigen Schärfe er die verschiedensten Dinge erfaßt, oft sehr schwierige Situationen mit Takt und Herzenswärme gemeistert hat, ist in der Tat enorm. Dieses Gedenkbuch spiegelt es in seiner Aneinanderreihung von Geschehnissen und Motiven wieder. Derselbe Krieg freilich — und darin liegt wirklich Tragik —, den er mit der ganzen Leidenschaft seiner glühenden Seele, einem Priester in der Wüste gleich, bekämpfte und der die an sich schon hervorragenden Kräfte Haases löste, steigerte, ins Gigantische erhob, wurde mittelbar auch der Anlaß seines frühen Sterbens. Die Kugel, die ihn vor einer seiner glänzenden Reichstagsreden fällte (von denen eine Auswahl nebst Briefen und Bildern hier zusammengestellt ist) stammte von einem Rachsüchtigen aus der Nachkriegszeit. Genau 10 Jahre ist es her, man hatte auch das schon halb vergessen. Darum enthüllt Pietät das Bild eines jüdischen Deutschen von besonderem Format just zur rechten 2eit. Dr. Richard Elb, Dresden. Werbt nette Mitglieder! Aus der Ili-Vervegirng Verauttvortl.: Arbett»ge«etufchaft )itbtsch-ttberaler)use«bVeretue Derrifchlauv» Vorfitzender r Dr. Hugo Hoffmuuu. Frankfurt a. Main Idee, Organisation und Gegner Bon Franz M e i d n e r, Jli-Breslau. Ter Liberalismus hat eine Organisation und legt Wert aus sie. Aus welchem Grunde und zu welchem Zweck? Eigentlich bedarf der Liberalismus keiner Organisation, denn er ist eine Persönlichkeitsidee. Und eine solche bedarf, für sich genommen, keiner Organisation, mit Ausnahme eines Falles: wmn es eine Idee gibt, die sich gegen sie stellt. Dann muß, sich die Persönlichlkeitsidee zu einer Massenidee organisieren, ohne deshalb ihren Persönlichkeitsgedanken aufzugeben. Es ist schwer, über diesen ursprünglichen Widerspruch hinwegzukommen. Aber es muß gelingen. Tenn ohne diese Organisation kann der Liberalismus nicht gegenüber gegnerischen Ideen bestehen. Und andererseits ist praktisch genommen das Nichtbestehen einer Gegenströmung undenkbar. Wir müssen uns also zunächst mit dem Vorhandensein eines Gegners abfinden und ferner seststellen, daß er uns zur Organisation zwingt. Man sollte aber den Gegner nicht nur als lästige Notwendigkeit empfinden, sondern seine Bedeutung etwas eingehender würdigen. Es ist eine alte und liebe Gewohnheit der Menschen, den, der anderer Meinung ist, bei jeder Gelegenheit zn beschimpfen, herabzusetzen und anzngreifen. Umso reizvoller ist es, einmal mit dieser Gewohnheit zu brechen und das Dasein dieses Gegners zu lobpreisen, nicht etwa darum, weil er irgend etwas besser kann oder, weil seine Ansicht richtiger ist, sondern nur,weil er der Gegner ist. Schon die eben genannte Gewohnheit ist ja, wie gesagt, eine liebe Gewohnheit, der wir eben nur infolge des Daseins des Gegners nachgehen können. Es wäre aber noch kein großes Lob für jemand, wenn man ihm nachsagt, daß er einer zwar alten urrd lieben, aber immerhin schlechten Gewohnheit Vorschub leiste. Wir verdanken dem Gegner bedeutend mehr. Nämlich die Existenz unserer eigenen Anschauung. Bleiben wir eimnal bei unserem besonderen Falle und fragen: gäbe es überhaupt einen Liberalismus, wenn es keinen Konservativismus gäbe? Nehmen wir an, es entwickelt sich alles reibungslos im liberalen Sinne, eine konservative Gegenströmung ist gar nicht vorhanden. Es wäre dann unmöglich, sich in dieser Richtung für etwas einzusetzen, weil es auch keine Möglichkeit gäbe, sich gegen etwas einzusetzen. Denn jedes „Für" erhält seinen Charakter als „Für" erst durch das Vorhandensein eines „Gegen". Ein Land, in dem es nur eine Partei gibt, besitzt gar keine Partei, und, was für das Land von den nachteiligsten Folgen sein muß, es gäbe keine Opposition. So verdankt man dem Gegner nicht nur das Vorhandensein der eigenen zielbewußten Idee, sondern unter Umständen, nämlich wenn der Gegner sich stark in gegnerischem Sinne betätigt, auch den Hochstand dieser Idee, der nur im Kampfe erreicht wird. Wenn über alle Fragen des Lebens eine solche Uebereinstimmung herrschte wie über den pytagoräischen Lehrsatz, so wäre das ein höchst langweiliger und öder Zustand. Wenn es also keine konservative Idee gäbe, gäbe es auch keine liberale. Ohne Gegner keine Ideen, keine Ideale, denn es gehört zum Wesen einer Idee, daß man für sie kämpft. So besteht der seltsame Widerspruch, daß jede Weltanschauung gegen die gegnerische kämpft und sie vernichten will und doch ohne sie nicht leben könnte. Wer keine Idee braucht diesen Widerspruch zu fürchten und sich in ihrem Kampfe beirren zu lassen, denn die Vernichtung des Gegners wird ihr nie gelingen. In her einen Zeit dominiert diese, in der anderen jene Idee, aber beide sind ewig. So braucht keine Idee den Sieg zu fürchten. Aber den Wert der anderen Richtung dankbar anzuerkmnen, kann nichts schaden. Man verdankt ihr Dasein und Blüte der eigenen Idee. Darum: Es lebe der Gegner! Ich sagte am Anfang, der Liberalismus, absolut genommen, bedürfe keiner Organisation, weil er eine Persönlichkeitsidee ist. Das bleibt richtig. Aber diese Feststellung hat weniger als theoretischen Wert. Tenn ein Liberalismus ohne Gegenströmung, also ein Liberalismus, absolut genommen, ist praktisch nicht und theoretisch wohl auch kaum möglich. Also bedarf der Liberalismus jedenfalls einer Organisation. Freilich^ der Widerspruch Persönlichkeitsidee— Organisation bleibt bestehen. Unsere Gegner halten uns oft vor, und auch unsere Anhänger beteiligen sich gern an diesen Vorwürfen, daß unsere Organisationen nicht fest und straff seien wie die anderer Richtungen. Das ist also nicht ein Vorwurf, der dje Organisationen trifft, oder ihre Mitglieder. Tenn diese Erscheinung gehört zum Wesen des Liberalismus. Sie erklärt sich aus dem Widerspruch zwischen der Idee des Liberalismus und der Organisation. Und, daß sich dieser Widerspruch bemerkbar macht, ist nur zu begrüßen. Tenn unter der einseitigen Betonung der Organisation würde die Idee zu leiden haben. Nurorganisationsmenschen haben im Liberalismus keinen Platz. Denn diese kommen über ihrer Einseitigkeit einerseits zur Unduldsamkeit, andererseits zur Befangenheit in schematischem und traditionellem, damit unpersönlichem, nichtliberalem Denken. * Aus der Ili-Arbeik Breslau. (Jüdisch-liberaler Jugendverein „Abraham Geiger".) In der Jüngeren-Gruppe sprach am 30. Januar Herr Kantor Wartenberger über „Die Entstehung jüdischer Gesänge". Im wesentlichen berichtete er über die Entwicklung des traditionellen Synagogengesanges. Schon im zweiten Tempel wurde neben Opserkult auch Vokal- und Instrumentalmusik gepflegt. Während an den Festtagen mehrstimmige Wechselchöre den Gottesdienst verschönten, so umrahmten an Werktagen die weniger stark besetzten Levitenchöre das tägliche Opfer. Eines der wesentlichsten Instrumente war das bei uns noch heute im Gebrauch stehende Schofar. Da es ventillos ist, so konnte man aus ihm nicht die diatonische Tonleiter, sondern nur den hebräischen Durdreiklang ertönen lassen. Aus dieser Jntervallstellung der Terz und Quint ist die Melodie unserer Thoravorlesung entstanden. So bezeichnet z. B. eine Quint vom Grundton nach unten eine Frage, ein Quint vom Grundton nach oben die Antwort. Bei der Gebetsliturgie, zu deren traditionellsten Stücken die aus dem Mittelalter stammenden „Missinai-Gesänge" (Kaddisch, olenu, borchu, Kol nidre) gehören, unterscheidet man in der Melodie äolische und phrygische Tonart. Während die ersterr Tonart ausgesprochenen Mollcharakter trägt, so wird die zweite durch lyrischere Tonart gekennzeichnet. Sulzer, Lewandowsky u. a. Kantoren des 19. Jahrhunderts gebührt nun das Verdienst, den traditionellen Syn-a» gogengesang mehrstimmig für Borbeter, Chor und Orgel in geeignete Partien gesetzt zu haben. Die hervorragenden theoretischen Darle gungen wurden durch geeigirett Beispiele an Schofar und Harmonium erläutert. H. M. Danziger. Frankfurt a. M. (I l i -I uge ndg r upp e.) Am 18. Januar fand unser erster Aussprachenachmittag statt. Das Thema hieß: Was bedeutet uns Judentum. Otto Stein vom Jli hielt am Eingänge ein kurzes Referat und lestete liebenswürdigerweise die Aussprache. Der Referent führte etwa folgendes aus: Er fasse das Judentum nur als Religionsgemeinschaft auf und streite das Bestehen einer jüdischen Rasse mit bestimmten Merkmalen ab. Die liberalen Juden wollen ihre Religion wandlungsfähig gestalten. Der Liberalismus sei natürlüb individuell: der eine halte dies, der andere das, aber er bedeute keineswegs, alles weglverftn. Es setze sich sehr für die Speisegesetze ein, da man sie in der Jugend leicht halten könne. Besonders über den letzten Punkt erhob sich enee rege Diskussion, die sich ziemlick lange hinzog und über die ich natürlich hier nicht eingehen kann. Frankfurt a. M. (Z e i l u n g s s ch a u.) Unsere Zeilungsschaa am 22. Januar 1930, brachte einen Bericht Herrn Jakobsohns über das Referat Ernst Kahns: „Auslösung der deutschen Juden", das in der Gesellschaft für jüdische Volksbildung gehalten wurde. Sodann den Bericht über den Abend im Freisinnigen Verein, an dem Herr Dr Mainzer über „Vorgänge aus dem Gemeindeleben" sprach. Weiterhin brachte Otto Stein einen Artikel: „Die Schule als Erziehungsanstalt?" von Rolf Buchdahl, der dem „Rhythmus", einer Schülerzeit schrift, entnommen war. .Herr Ernst Kahn stellte an Hand von Statistiken jest, daß die Zahl der Juden in Deutschland sich immer mehr verringert. Die Ursachen sind folgende: 1. Die Austrittsbetvegung, die eine steuerliche Angelegenheit ist. 2. Die Auswanderung, der aber die Einwanderung sicherlich in gleichem Maße gegenübersteht. 3. Die Mischehe (auf 100 reinjüdische Ehen kommen 52 Mischehen). 4. Geburtenrückgang. 5. Tod, wobei der Selbstmord eine große Rolle spielt. Hier war für uns eine Bemerkung Dr. Salzbergers in dieser Sitzung interessant, die uns zur Diskussion anregte. „Die Orthodoxie darf sich nicht der religiöse Teil der Judenheit nennen. Die Zahl der Selbstmorde erreicht in der Orthodoxie ihr Höchstmaß. Wahre Religiosität aber läßt keinen Selbstmord zu." Der zweite Bericht lautete „Vorgänge aus dem Gemeindeleben" Hier kam zunächst die Frage der Steuererhöhung zur Sprache. Dann das Philanthropin. Weiter wurden die Streitpunkte des Liberalismus und der Orthodoxie in der jüdischen Gemeinde besprochen: Urnenfried- Hof, Kohanimfrage und Einäscherung. Beide Berichte waren für uns von Interesse, weil sie uns einen Einblick in die Gemeinde gaben, der wir angehören, von der wir zum mindesten die .hauptsächlichsten Vorgänge wissen müssen. Der Artikel des Schülers Rolf Buchdahl: „Die Schule eim Erziehungsanstalt?", brachte Anklagen gegen den Lehrer, der seinen Schülern nur das Pensum einhämmern will, darüber hinaus aber kein Verständnis für sie hat. „Elternhaus, Schule und Iugendbünde". so führt Rolf Buchdahl aus, „sind die Hauptstellen, von denen die Erziehung ausgeht." In der Diskussion, die sich dem Verlesen dieses Artikels anschloß, wurden die verschiedenen Meinungen erkennbar. So der Gegensatz von alten und jungen Lehrern; daß z. B. die jungen Lehrer sich mehr in die Jugendlichen Hineinsühlen könne, dem natürlich Beispiele vom Gegenteil gegenüberstanden. Bor allen» gilt beim Lehrer die,„Persönlichkeit", ganz gleich welchen Alters, die sich in einer Schulklasse zu behaupten weiß und der die Jugendliche,: trotzdem Vertrauen schenken. Mit einigen Bekanntgaben schloß der für uns sehr interessante und vielseitige Abend. Hella Lion, Frankfurt a. M. Liegnitz. (Jugendgruppe des Jli.) Am 20. d. M. hielten in unserer Jugendgruppe, die sehr gut besucht war, zwei unserer Jugendmitglieder einen Bortrag über das Thema: „Religion und Ethik". Die Vortragenden waren Lotte Manheim und Manfved Haase. Jeder legte dem gleichen Thema eine andere Bedeutung zu Grunde. Wir beabsichtigen, von dem Inhalt der Borträge keinen Bericht zu geben, da wir dieselben in Kürze der Redaktion zur Veröffentlichung im Original weitergeben wollen. Eine rege Diskussion, an der sich alle Anwesenden lebhaft beteiligten, beschloß den inhaltreichen Abend. * Das Jli-Programm Berlin. Westen. Donnerstag, den 13. Februar, adevds 8 Uhr, bei Renale Lasco. KnesebeLstraße 83: Grundfragen des liberalen Judentums. Hermsdorf. Gruppe 1: Sonnabend, den 15. Februar, abends 5.38 Uhr: Joseph. Gruppe 2: abends 7.38 Ahr über Staatsformen. Sudeude. Sonnabend, den 15. Februar, 4.36 Uhr, bei Peter Fleischer, Südende, Potsdamer Straße 17. Steglitz. Sonutag, den 16. Februar, vormittags 11 Uhr, bei Hilde Deutschland, Steglitz. Heinrich Seydelstraße 6. Thema: Krieg und Frieden. Pankow-Osten. Montag, den 17. Februar, bei Ruth und Gerda Jacobsohn, Niederschönhausen, Kaiser Wilhelmstraße 5. Breslau. Gemeinsame Veranstaltung der Haupt- und der Jüngeren-Gruppr: Sonntag, den 16. Februar, 11.15 Uhr, im kleinen Saal der Lessingloge: Morgenfeier. Gesänge: Herr Oberlantor Lori«, am Harmonium: Herr Organist Schaffer. Ansprache von Herr« Rabbiner Dr. Saenger: „Die Bedeutung religiöser Gebrauche und Zeremonien für unsere Zeit". Angehörige unserer Mitglieder willkommen. — Jüngeren-Eruppe: Donnerstag, den 13. Februar, 16.38 Uhr. Restaurant Schaal, Tauentzienstraße 12: Aktuelle Theaterschau; einleitendes Referat zur Aussprache: Heinz Silbermann. Fraukfurt «. M. Dienstag, den 18. Februar, 28.45 Uhr, Heimabend, Westendsynagvgr: Zeitungsfchau und aftneNe Tagesfragen. Jvgendgruppr: Samstag, de« 15. Februar, bei Frau Dr. Ediuger, Bockenheimer Anlage 49, Arbeitsgemeinschaft, Kunstgeschichte. Leitung: Frau Dr. Edinger. Magdeburg. Am Freitag, den 14. Februar 1938, abends 8.38 Uhr. Freitagabendgottesdienst in der kleine« Gemciudesynagoge, Gr. Schulstr. 2 c. Anschließend in der Loge gemütliches Beisammensein. — Iugendgruppe: Am Sonnabend, deu 15. Februar 1938, nachmittags 5 Uhr, Heimuachmittag i« der Loge. Thema: „Reisen um die Welt". Leitung: Ruth Hadra. Am Donnerstag, deu 28. Februar 1938, abeuds 8.15 Uhr, Lortrag des Herr« Oderkautor Mar Teller über: „Morris Roftvseld". Am Sonutag, deu 23. Februar 1938, 6. Stiftungsfest. Näheres wird noch bekanntgegeben.

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