Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 2 (8.1.1930)
- Date
- 1930-01-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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der jüdischen Jugendbewegung entweder angehören oder sich mit ihren Bestrebungen zur Erneuerung der jüdischen Wohlfahrtspflege solidarisch erklären, beschlossen. Tr. FriÄrich Brodnitz und Dr. Ernst Bloch behandelten das „soziale Element im Aufbaulverk für Palästina und Rußland". Der Zusammenhang zwischen diesen Themen und brn übrigen Probleinkreisen ist darin zu sehen, daß die Fragen einer Reform der sozialen Arbeit im deutschen Judentum unlösbar mit der Gesamtlage des jüdischen Volkes in der ganzen Welt verknüpft ist. Dr. Brodnitz gab in ausführlichen Darstellunger^nter Heranziehung und übersichtlicher Elidierung der gesamten Literatur einen Ueberblick über das Aufbauwerk in Polen und Rußland. Er hob hervor, daß man heute auch dort bestrebt ist, die Unterstützten selbst in sinanzieller und wirtschaftlicher Hinsicht heranzuziehen und da' durch den Charakter der bloßen philantropischen Hilfe aufzuheben. Dr. Bloch unterschied zwischen sozialer Arbeit i>n engeren Zinne und sozialpolitischen Aufgaben des Palästinaaufbaus, zu denen beispielsweise die sich aus der Tatsache des Zusammenlebens zweier Bevölkerungselemente (Araber, Juden) ergebenden Schwierigkeiten der Realisierung von in Europa längst verwirklichten Mindestforderungen wie Abschaffung der Frauen und Kinderarbeit, von Frühehen usw. gehören. Durch den Zusammenstoß des Orients mit einem europäischen, modern organisierten Arbeiterelement ergibt sich eine gewisse Beunruhigung des Landes, die sich heute auch politisch auswirkt. Eine wichtige soziale Aufgabe ist die Einbeziehung und Produktiviernng der orieittalischen Juden, die heute noch sich im Anfangsstadium befindet. Die Diskussion über den Bildungsstand der jüdischett Jugend, über den Dr. Eli Munk und Hermamr Gerson referierten, stellt »ur den Beginn einer Unterhaltung über dieses Thema dar. Tr. Munk bemühte sich, den Standpunkt des gesetzestreuen Judentums in seiner (Geschlossenheit dar - zustellen und betonte besonders die Wichtigkeit der jüdischen Schule. .Hermann Gersou, der im Gegensatz zu seinem Vorredner von .einem subjektiven religiösen Erlebnis ausging, bejahte vorn religiösen Ztandpunkt ans ebenfalls den Wer/ der jüdischen Schule und ging aus die Notwendigkeit einer Reform des Religionsunterrichts ein. Die Diskussion stellte in gewisser Beziehung dann einen Zusammenhang mich den früheren Themenkreisen insofern her, als auf die Frage der Erfassung weiterer Kreise voir jungen jüdischen Menschen auch voit dieser kulturellen Seite her eiugcgaugen wurde, und die noch unerfüllten Ausgaben der Arbeit der Jugend bünde in dieser Richtung nochmals besprochen wurden. Tie Tagung wurde mit dankbarem Hinweis auf die Unterstützung' durch de» .Herrn Reichsminister des Innern eröffnet. Tie Vertreter der Orts und Laudesausschüsse des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbäude gaben kruze Berichte über den Stand der Arbeit in ihren Orten. Im Verlauf der Tagung wurden in einer Soudcrarbeitsgemem fchaft die Aufgaben der jüdischen Jugendbünde, soweit sie geeignet sind, proletarische Menschen jüdisch bewußt zu machen, diskutiert. Der Erfolg der Tagung ist über das sachliche Ergebnis hinaus vor allem die Jnteressierung und Heran ziehurrg eines Kreises junger Menschen für wichtige ge n,einsame Aufgaben der jüdischen Jugend. Auch in diesem Jahre wurde die ausgezeichnete Versorgung der Teilnehmer in dem Heim freudig und dankbar anerkannt und trug wesentlich zu dem Getingen der Tagung bei. Umschau Aus der englischen ..Reu» Pear's Houour List". In der Ehrenliste, die in England von Jahr zu Jahr am AeujahrStage erscheint, und Titetverleihnngen und Auszeichnungen enthält, stehen diesmal die Namen von vier Inden: Louis Bernhard Baron, der Sohn des vor kurzem verstorbenen bekannten jüdischen Philantropen Bernhard Baron, wurde irr der, Barvnettstand erhoben; die Privatsekretürin Mac Donalds Al ist Rosa Roseirberg erhielt deir Orden des British E.npireder Präsident der JCA, Leonhard Lionel Eohen, nmrd-' Ritter des Königin Victoria-Ordens, und Honourable Süchacl Myers, Oberrichter von Neuseeland, Ritter des Or ,,s von St. Michael und St. George. Kurz vor dem Tode vvrr Bernhard Baron hisst es, er nur de in den Peer Stand erhoben werden, und inan meint, dast die Erhebung seines Sohnes in den BarouAtstand eine posthume Ehrung für seinen Vater ist, Louis Bernhard Baron selbst seht die'soziale mib philanttopische Wirksamkeit seines Vaters in reichem Ausmaße fort. Leonhard L. Eolch.r hat sich als Ehrelrsciretär des King Edward's Hospital Fund Verdienste erworben, die erst vor k l Tage,, ö,serrtlich vorn Princc os Wales gerühmt worden sind. Mist Rosa Roseirberg ist drc Tochter eines jüdischen Jmmigrautcn in Whichchape,. wo 'sie auch ihre Erziehung genossen hat. Sie ist seit oi-len Jahren MaeToualds Privatfetretärir, und hat ihn auf seiner l eh len Ameriläreise zur Verhandlung über das FlotEnabkom - men begleitet. Honourable. Michael Mpers ist Oberrichker uu Neuseeland, wo er auch geboren ist. Er ist Präsident d-'- Jüdisch Sozialen Klubs in Wellington (Neuseeland). 13 502 Juden kamen im letzten Einwanvernngsjahr nach Amerika- Dein soeben herausgegebenen Jahresbericht des Einwanderniigsk'onunissariats ist'zu entnehmen, dast im letzten Einwandernngsjahr l. Jiili 1928 bis 30. Juni 1929 - - 13 502 jüdische Einwanderer unter der allgemeinen Zahl von 479 327 Einwanderern nach deir Bereiiligten Staaten gekommen sind. Von den jüdischen Einn-andercrn kamen 7 073 außer der Quote und l> 129 auf Grund der Quote ins Land. Auster der Quote wanderten ein 206 Männer amerikanischer Bürgerinnen, 1568 Frauen amerikanischer Bürger, 2 877 Kinder amerikanischer Bürger, 096 Rüäiehrer, 850 Einwanderer ans Ländern, die außer der Quote stehen. 130 religiöse Funktionäre, 302 Frauen Qnnd Kinder von Rabbinern, 111 Professoren und Sur tQ.entcn. >Jta. Aus Un ßemänöeu 1 n Einrichtungen des Gemeindehauses und abermaligem liturgischen Gesang wurde die schlichte und doch erhebende Feier beschlossen. Berlin, (5 0. G e b u r t s t a g.) Ter Hauptkautor der jüdischen Gemeinde, .Herr Berthold Friedmann, hat am 3. Januar 1930 seinen 50. Geburtstag iir aller Stifte begangen. Aus dem Vc'nv-altungsdk'ilst der Gemeinde hcrvorgegangcn, amtiert Herr Friebmann, der ein treuer, zuverlässiger und immer bereiter Freund unserer Lache ist, au der Synagoge Lindeirstraße und weist durch seinen beivährten und wertvollen Vortrag die .Herzen der Andächtigen zu gewinnen und die gottesdienstliche Stimmung der Gemeinde zu erhöhen. Ganz besonders ist zu erwähnen, dast Herr Hauptkantor Fried mann zil den hohen Fciertageir auch außerhalb seiner Synagoge in deir Interims Gottesdiensten der Gemeinde sich einen großen Kreis dankbarer Freunde gelvonnen hat, die gerade seine Art des Vortrages, der immer der solche dienen lvitt, besonders schätzt. Wir lvünschen dem verehrten Jubilar, dessen Jugendlichkeit eigentlich die Erreichung eines halben Lebensjahrhiliiderts anzweifelii läßt, daß er noch Jahrzehnte zum Wöhle der gesamten Gemeinde lvirken und in immer steigendem Maste die äußere Anerkennung erhalten möge, die er ganz zweifellos verdient. Noch inniger ist der Wunsch seiner zahlreichen Freunde, dast nach herbem Familienschicksal ihm durch daS Wohlergehen seiner Kinder Licht und Freude ständig und ungetrübt beschiede» sein möge. Berlin. (7 0. GeburlSt a g.) Am 5. Januar 1030 vollendete der jüdische Gelehrte und Publizist Tr. simon Bernfeld sein 70. Lebensjahr. Bernfeld wurde zu stauislan in Galizien geboren, war 1870 Redakteur der hebräischen Zeitschrift „Hakot" in Königsberg, 1 HS 1 wurde er Mitredakteur des ...Hamaggid" in Lyck, besuchte dann i» Berlin die .Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, promovierte IHM.*! und wurde 188(1 als (tzrostrnbbiner der fephandischen Gemeinde nach Belgrad berufen, seit 1 HO4 lebt er in Berlin. Bernfeld hat die hebräische ttzeschichtsliteratur um vielbeachtete Monographien bereichert. Er schrieb u. a. „Kore hadoror", eine Tarstellung der kullurgeschichltichen Entwicklung des Judentums, „Tor chacham", kritisch biographische stizzen über hervorragende jüdi sche (belehrte des 1». Jahrhunderts, „Tor lahapuckwt", einen Beitrag zur Geschichte der Haskala in Deutschland im 18. Jahrhundert, „Ta'at elohim", eine (heschichte der jüdischen Religioiisphitosophie, „Toledol hareformazjoil hadatit", eine (beschichte der jüdischen Re foriiibeivegniig iiu 10. Jahrhundert, „Leser hademaol", eine Lamm lung und Würdigung voll Quellen über die Judenversolguiigen von 7l> bis etiva 1785. Ferner faßte er seine Anschauiingeii über die Etttstehnilg der Bibel im „Maivo safruti leküwe hakodesch" zusammen. Bernfeld hat auch viele Bücher in deutscher Sprache verösseiillichr, so u. a. „Inden und Judentum im 10. Jahrhundert" lBreslau 1808), „Ter Talmud, sein Wesen und seine Bedeutung" (Berlin 1 »<>•)), „Tie Heilige Lchrist sür schule und Haus" lBerlin 1003), lind „Kämpfende Geister im Judeiltlim" (Berlin 1 t>U7), enthalrend Bio graphien hervorragender Inden. Von dem Werke „Tie jüdische Literatur" liegt »nr der erste Teil iin Truck vor. In jüngster -stur gibt er in Gemeinschasl mit Leo Breck, Jsmar Elbogen u. a. die schrisiensolge „Tie Lehre» des Judenlums" heraus. Ungemein srucht bar ist Bernselds publizistische Tätigkeit: in den letzten vier Jahr zehnten hat er nahezu iir sämtlichen hebräischen tlnd deutsch jüdischen 3eitllilgen und Zeitschriften zahlreiche Aufsätze über Politik und Zeitsrage», über kulturelle, literarische und ivissenschasltiche Probleme veröffentlicht. Auch in der jiddischen Presse hat er zeitweilig das Wort ergriffen. Dortmund. (R e p r ä s e n t a n t e n lv a h l.) Für die am sonn tag, de» 12. Januar 1030, stattfindende Repräfenlantenivahl ist zlvifchen der Vereinigung für das liberale Jndeillliin einerseits und der ostjüdiichen lind konservativen Vereinigung andererseits nach längeren Verhairdluiigen ein Kompromiß zilstaitdegekommeil. Tie zionistische Ortsgruppe hat an den Verhandlungen teilgeiiommen, ist aber dem Kompromiß nicht beigetreten. Tie beteiligten (Kruppen waren sich darüber einig, dast daS bisherige Wahlvcrfahren geändert und Verhältnis Wahlrecht nnd Fraueinoahlrecht baldmögtich eingeführt wer den solle. Von deti zur Neubesetzung stehenden Mandaten sollen zu falle»: den liberalen Kandidaten st Repräsentantensitze auf 0 Jahre, l Repräsentankensitz aus 3 Jahre, 2 stellvertretersitze aus 0 Jahre (davon 1 Konipromist Kandidat): den Kandidaten der ostjüdischen und konservativen Pereinigung 1 Repräsentantensitz ans (> Jahre, 1 Repräsentanteiisitz aus 3 Jahre, 1 Lrellvertretersitz auf 6 Jahre, sämtliche ausscheidenden bisherigen Gemeindevertreter aller Gruppen sollen iviedergeloählt tverden und die bisherigen srellvertretcr in die freien Bollsitze ausrücken. ES ist zu erwarten, dast durch dieses Abkvmmeil ein Wahlkampf mil seinen nilvermeidtichen Erregungen vermieden tverden dürfte. Harburg. (Rener Friedhof.) Ter alte, seit über 12" Jahren in Benntznng befindliche Friedhof der Synagogen Gemeinde ist derart belegt, dast in absehbarer Feil mit seiner Schließung gerechnet tverden must. Alsdann dürflen dortsetbst nur noch die Toppet - gröber in Anspruch genommen werden. Tie Relibeschaffilitg von Friedhossgelände bereitete große sorge. Es ivar natürlich nicht daran zu denten, eine neue BeerdigungSstätte so zentral gelegen lvie die bisherige zu erhalten. Aus städtebaulichen Gründen zerschlugen sich aber auch alle Verhandlungen über iveiter außerhalb der Stadt gelegenem Terrain. Rullmebr hat die stadl der Synagoge»-(Kemeiube ein enlspre cktenkes Gelände zu Beerdigungsziveckeu zur Verfüguilg gestellt, das einen Teil des neuen Feiitralfriedhoss darstellt. Tie stadl überiiimiitt allch die Jnstandsetzliiig dieses jüdischen Teils des Friedhofs, so daß nach einiger Feil für die spuagogen (Gemeinde nur die Er richltltig einer Leichen und Frievhosshalle in Frage kommt. Kasse!, i, E r s o lg ei n e s j ü d i s ch e n A r ch i teil e n. - Bei dem Weltbeioerv um die Ausführung eines Wvhlfahrtsheims, dast nack, dem Willen nnd mit den Mitteln des in Berlin verstorbenen Laildgerickitsdireklors Tr. F. Ajchrolt in der Kasseler Altstadt er richtet tverden soll, ist dem Architekten M. .H. sichel, der Eritivlirs des Reg. in Geiueillschasi mit Bau meisters und dem Architekten Benshtiiu. (E i v. iv e i h u u g r i n e s G e m r indeha u > e s.) Unsere Gemeinde tonnte kürzlich ein neu eingerichtetes Geineindebaus weihen, daS dem Gottesdienst und schulunterrtckn, außerdem auch Bersammlungszwecken dienen soll und endlich Wohilungei: sür Beau, te ausweist. Liturgische Gesänge leiteten die Feier ein L. OV.Ihhh, der Vorsteher der Gemeinde, begrüßte dann die »Käste, insbesondere das Ehrenvorstandsmitglied A. Bendheim, der 33 Ja-,re iiu der spitze der Gemeinde stand. Lehrer Müller und Rabbiner Tr. Merz bach, Darmstadt, wiesen in ihren Ansprachen aut die Bedeutung der Feier bin. Mst TaukeSworten an die Spender von Gaben für di: Leers arbeitet, der erste Preis znertannt worden. Ter Bail lvird also nach diesem Entlvnrf zur Ansnihrnng gelangen. - Vom Architekten sichel sind auch viele Gedenktafel» für die (tzemtlenen aus jüdischen Geiueinden des hiesigen Bezirks geschaffen worden, so hat die Gemeinde (Kurhageu am ersten Tage des Ehanutahfestes eine (Kedenktaiel geweiht, die von der Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Fronlsoldaten genistet worden war nnd deren Herstellung in den Händen der Firma (Kebr. Hallo lag. Bei der Einweihung der tKedenktasel sprach Lehrer Kaiuhal eindrucksvolle Worte. Königsberg. (2 2 ö j ä f> r i g e s I n b i l ä n m d e r a h e iv r a Kadischa.l Tie hiesige Ebelora Kadischa konnte in diesen Tagen ans ihr 225 jähriges Jubiläum zurückblicken. Ter Tag n'nrde durch einen feierlichen Festgottesdienst begangen, bei dein nach liiurgiick'en (Kesangen des Lynagogenchors nnd des ersten Kantors Tr. P.ck (Kemeillderabbiiier Tr. Leivin das Festgeber sprach. Ter Rabbiner nnes darauf hin, daß nunm>-tir 225 Jahre verflossen sind, seitdem durch den KonigSberger tKIaubensgenosseii Markus Jlter die Er lanbnis zur 2tnlegnng eines israelitischen Friedhofes im Jahre!7o( erwirkt wurde. Tiefer Markus Joer war selbst der erste, der aus dem ueugegründeteil Friedpos beigeient nuirde. An seinem Grabe reichten fick» eine Reihe von tKlanbensgenossen die Hand und gründeten die Ehe.vra Kadischa, die bereits ins Leben gerufen ivurde, bevor die offizielle shiiagogeilgeineutde in Königsberg bestand. Tr. Leivin gedachte daun der in letzter Feit verstorbenen Ehelvraiiiilgtieder, :ns besondere des dahingegangenen frühere» ersten Borsitzendeu, Justiz rat Eduard Holz. Am Abend vereinigte ein gemütliches Mahl die Vorstandsmitglieder und Mesajstini in der jüdischen Polkslüche Hacb nochast Orchim. Ter Vorsitzende sallr, Wolsi wies noch einmal hierbei auf die Wichtigkeit des Gedenktages hin und begrüßte die Erschienenen. Kantor Wollheim gedachte besonders der ausopserudeu, Arbeit der Mesasskim und brachte ein 5ooch ans diese aus. Lchneideniithl. (L t a d t r a r 2 ch n e i d e r g e st o r b e n..l Iin Alter von 70 Jahren starb am 31. Dezember, noch ganz kurzer Krankheit, Ltadtrat a. T. Louis Lihneide^, der fast > , Jahrhundert 1. Vorsteher der hiesigen indische" tKeuieinde war. Für b;-* große Beliebtheit und Anerkennung, deren sich Schneider erfreuen kov"''. zeugte seine Beisetzung, welche am 2. Januar stattgefuncen Tie Synagoge, iti der die Trauecseier stattsand, hatte Tranergewand angelegt und tonnte kaum die große Anzahl der Gemcindemitgliedec und Andersgläubigen fassen, unter denen mail Vertreter der Behörden und vieler Vereine, sowie Abgeordnete der jüdischen Gemeinden der Grenzmark Posen Westpreußen lunnerkte. Nach einleitendem Chorgesang ,,Eintausch kechozir" hielt Rabbiner Dr. Rosenzweig die Trauerrede, in lvetcher er dem Dahingeschiedenen Worte des Abschieds und der Tankes widmete. Er gedachte der tatkräftigen Führung des Verstorbenen, welcher sowohl auf dem Gebiete der Gemeindeverwaltung als auch der sozialen Arbeit Hervorragendes geleistet hi». Schneider wirkte für den Frieden innerhalb der Gemeinde nicht llur mit Worten, sondern auch durch die Tat und hat den (tzedaukeil der Gemeinschaft nnd Zusanttnenfassung der jüdischen Gemeinden unserer Provinz durch die Mitbegründung des Bezirksverbandes der jüdisck>en Gemeinden, der Grenzmark Posen Westpreußen rxrivirklicht. Im Namen deS Gcmeiildevorstandes nahm Jnstizrat Soldin Abschied von dem Freunde und Mitarbeiter: für die Repräsentanten Versammlung sprach Kaufmanil^ Siegfried Sommerseld. Mit dem weihevollen Schlustgesang des synagogenchores „schuivi nafschi" schloß die erhebende Trauerfeier, welche auf alle Ainvesenden einen tiefen Eindruck machte. Eine unabsehbare Menschenmenge gab dem Hei.ugegangeneu das Geleit auf dein Wege zum Friedhof, woselbst unter den üblichen Gebeten seine sterblichen Reste der Erde übergebe» wurden. — Tast der Heimgang Louis Schneiders nicht nur in seiner Heimatstadt schueidemühl, sondern auch in der Arbeit aller jüdischeil Organisationen eine Lücke hinterlästt, »oeist jeder, der mit dem jüdischen (KegentvartSteben vertraut ist. Es gibt wohl keine jüdische Organisation, in lvetcher stadtrat Schneider nicht mitgearbeitet hat, und in »vel cher er »ichl dlirch seine temperamentvolle und sachkundige Art bekannt gewesen wäre. — Louis Schneider, der in religiösen Angelegenheiten dem Fortschritt huldigte, war ein aufrechter und wahrer Jude. Ter Verstorbene war Mitbegründer uild eifriges Mitglied der hiesigen Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Indent um. Tilsit. (Todessall-l Hier verstarb der Rechtsanirnrll Leo Will, der im jüdischen Leben, ,vie darüber hinaus im össentlickien Leben der Stadt eine bedeutende Rolle gespielt hat. Ter Tahingegangene wirkte bis zur politischen Uiinvälztiitg in Thorn, too er als Präsident der (Kabriel Riester Loge des Ordens B'ne B'riß, im Eentralverein lind in anderen Organisationen sich in erhebtickn'm Maste am jüdischen Leben beteiligte. AlS seine Heimatstadt pv.nisch wurde, hielt es Wilk nicht länger in Thorn. Er fiedelte nach Tiliit über, wo er eine ziveite Heimat fand. .Hier nahm cr im jüdischen Leben der Stadt ivie der Provinz nnd selbst darüber hinaus eine hervorragende steltuilg ein. so ivar er auch hier viele Jahre hindurch Präsident der Loge zu den drei Erzvätern im N.O.B.B., der er noch bis zu seinem Heimgänge Vorstand. Auch der ostpreilßischen ArbeitSgemeitlschast der ll.O.B.B. Loge gehörte er eine Feillang an führender stelle an. Außerdem ivar er Mitglied des Generalkomitees der (Kroßloge für Teutschland. Besonders wertvolle Arbeit leistete er auch in dem Kampfe gegen den AiuisemilismirS als Leiter der Ortsgruppe Tilsit des Centralvereins und als stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Ostpreußen. Ueberalt >vo es galt, sich der Judenhetze entgegenzlistellen. tnu Will in vollster Lessentlichkeit auf, ohne Rücksicht daraus, ob ihm dies wirtschaftliche und gesellschaftliche Nachteile bringen könne. Im allgemeinen politischen Leben nahm er ebenfalls eine führende stelle ein. so ivar er zweiter Vorsitzender der Ortsgruppe Tilsit des Reichsbanners schtvarz Rol lKold, dessen Gauvorstaild er auch angehörte. Gleichfalls ivar er Vorstandsmitglied der Deutschen Temokraliichen Partei, deren Vertrauen ihn noch bei den letzten Kommunativahlen ins Ltadtpartamellt entsandte. — Auch ans kulturellem Gebiete hat sich Wilk ausgezeichnet, so gehörte er dem Vorstand der Tilsiter Volksbühne an. In den Kreisen seiner Berufsgeilossen und der Richter war er eine sehr geachtete Persönlichkeit, die sich wegen ihrer Aufrichtigkeit und lvege» ihres humorvollen Wesens größter Wertschätzung in »veiten Kreisen erfreute. Tübingen. (Neuwahlen.) Bei der am 8. Dezember >020 staltgefnndeneii Nemvahl der Abgeordneten der Israelitischen Landcsversaminlung ivurde .Herr Rechtsanwalt Tr. s. Hayuin in Tübingen, der seitherige 1. Vizepräsident der Landesversammlung, in sämtlichen Gemeinden des VI. Bezirks (Tübingen-Rentliilgen, Hoch, Baisingen, Mühringeii, Repingen, Rottiveil) lvieder als Abgeordneter gcivählt. Bei der am selben Tage vorgenommenen Neuwahl von 2 Gemeindevorstehern der Gemeinde Tübingen Reulliiigen lvurden die Herren I. Oppenheim in Tübingen und B. Treyfnß in Reutliilgen lvieder zu Vorstehern gewählt. Vereinsnachrichten Die nächste sitzimg der Bezirtsgruppe Westliche 'Vororte des jüdischen Frauenbundes findet am 0. Januar um G,5 Uhr bei Frau s-üßapfel, schlachtensee, Luisenstraße 18, statt. Vortrag von Antonie Lilienfeld Lenn'nz. Thema: Jüdische Eigenart bei unfern großen Komoonisten (Haliog, Meyerbeer, Mendelssohn, Rubiustein). Mil - tvirkende Toni Wasen (Gesang). synagogenverein Prinzregentenstraße E. V. Am 20. Januar, abend- 8 Uhr, sinbel im Pücgersaal des Rathauses selchneberg der zlveiie lstemeindeabend statt. Neben musikalischen Vorträgen lvird ein Vonrag über den Bau der Synagoge gehalten tverden, der den Platzinhabern Informationell über den stand der Bauarbeiteil und die innere Ausstattung bieten wird. — Vorher um 7 Uhr findet die ordentliche lKeneralversammlnng mit satzuugsgemästem Programm statt. Fu Gunsten der Indischen Kinderhilse E. V. findet ein Vortrag von Adolph Donath über „Berliner Kuilstsammlungen von hente" mit Lichtbildern am Tonnersrag, oen lll. Januar 1930, abends 8 Uhr. im Brüdervereinshans, Kursürstenstraße 115 lUi, statt. Karte» zitin Preise von Mk. 3,— fiub zu erhalten im Büro der Jüdischen I Kindcrbilse E. V-, Auguststraße 1-1-15, Tel. Nord. -1150. „Mendelssohn-Verein" für jüdische Oieschichte und Literatur zu j Elbecst'Id. Am Donnerstag, den 0. Januar 1030, abends 20.30 | '81 „ j Uhr, findet im Festsaal des Hotels „Kaiserhof" ein Vortrag ,.E o n st a n t i n Brunner über Judentum und I u d e n - j he:r" statt: Referent: Oieorge Go-eh, Berlin. Gäste haben Zutritt, l Tie vor 25 Jayren begründete Jüdisch« Toynbee-HaUe der Berliner Logen U.O.B.B. begeht ihr Jubiläuin durch einen Festabend! am s omrlag, den 12. Januar 103l», abends 8 Uhr, in der Staat - > lickre,r Akademischen Hochschule sür Musik, Charlottenburg, Fasanen-! straste I. Eintrillskarten zum Preise von Mk. 1,— tverden gegen; Voreinsendung des Betrages vom selretarial der Toynbee Halle, i Berlin W. 02, Kleiststraße 10, zugesandt. (Postscheckkonto Nr. 21511 > Karl M. Baer, Sonderkonto Toynbee-Halle.) Spendenliste für den Hilfsfonds Otto H. Mcyer, Aachen; KöiligSberger, Rache»; Jours Haymanu, Rache»: Hug» Haymanu, Aachen; Paul W. Meyer, Aachen: Sommer u. Rosenseld, Aachen; Tr. M. Meyer, Stettin; v. Haas, Trier: I. R. Kalisch, Breslau; Otto Boumitt, Franljurt a. M.: S. Rosenbaum, Pasewalk; E Roscuberg,' Aachen; Jos. Kaufmann, Aachen; Max Stern, Aecheu: Struch u. Guttenlag, Aachen: Meyerselb u. Herz. Aachen; Fritz. Marx, Aachen; Baum. Georg Jacobowitz, Berlin: Kom.-Rar Alfred Cohn, Berlin: M. Pollai, Berlin- Fnebeuau: Hugo Kausnranu, Aachen; Tr. Paul Homburger, Karlsruhe: Dr. Adolf Abraham, Berlin; Paul Schlome, Brriiu-Halenfee; R.-A. Tr. ElMes, Berlin; Dir Dr. Gut-- mann, Berlin: S.-R. Tr. Ollendorf, Barmen; Mar Gins, Breslau: K.-R. L. Rosenzweig, Nürnberg; Dr Max Cohn. Bonn - - - ' "" " ~ Ol, Xsl. VU-vmj), vmm, tu* „ , , s R Blau, Fraucsuu a. M: S.-N. Tr. Fraukenfte'n. 0i Tr. Brodnitz, Berlin; Tr Jul. L. Seligsohu, Berlin; I. R' Bla: I ... . . ‘ Magdeburg; R A. Dr. Tarnoivsfi, Breslau; Alb Schönl;ovr7 Düsseldorf; I. R. Pions (er, Berlin; B. Arnold, Augsstur.i- F,.! Landauer. Auasbura: Herm Broder. Maabebura: