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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-12-18 · 51 (18.12.1929) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
51 (18.12.1929)
Date
1929-12-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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„Mir sitzt ja die Nacht noch böse in den Knochen. Ein paar Nächte nacheinander erschien mir der Schmuhl im Traum. Jetzt bleibt er Gott sei Dank weg.“ Der Schmied blickte ihn verächtlich an. „Du Gipskopf!“, sagte er nur. * # In dieser selben Nacht nahm das Schreckliche, das mit unwiderstehlicher Macht das Gemüt des Schmiedes mehr und mehr in seinen Bann ziehen sollte, seinen Anfang. Nach dem arbeitsreichen Tage hatte Peter Lohmann seine Kammer erstiegen und sich zur Ruhe gelegt. Ein Klopfen weckte ihn aus tiefem Schlaf. Er rief: „Wer ist draußen?“ — Keine Antwort. Der Schmied sprang mit einem Satz aus dem Bette und riß die Türe auf. — Kein Mensch war draußen. In der nächsten Nacht klopfte es abermals. Und so sonderbar erschien dem Schmied dieses nächtliche Klopfen, daß ihm das Hirz zu pochen begann. Sein Haar sträubte sich; der Schweiß brach ihm aus den Poren. Und nun geschah Folgendes: Die Türe ging auf und beim fahlblauen Schein des Mondes, dessen Licht sich gespenstig in die Stube ergoß, sah Peter Lohmann ein Totengerippe. Mit scheppernden Gebeinen ging es Schritt für Schritt vorwärts, auf Peter Lohmanns Lager zu. Abwehrend streckte der Schmied die Arme, der Schrei blieb ihm in der Kehle stecken. Das Gespenst hatte weder Fleisch noch Gesicht, und doch erkannte Peter es. Das ist Schmuhl, — der Jude! Nichts geschah sonst. Der Leichnam blieb einen Augenblick vor Peters Lager steilen und verließ dann lautlos die Stube. Dies blieb nicht die einzige Begegnung /.wischen Peter und Schmuhl. Nacht für Nacht öffnete sich die Türe, — hier half kein Riegel, hier half kein Stemmbock, — Schmuhl trat in die Stube. Der verstörte Schmied sann auf Abhilfe. Er stand am Amboß und machte sich mutige Gedanken. „Ich Werfe ihn die Treppe hinunter; ich schlage ihm den Hammer an den Schädel!“ Doch aller Mut schwand dem Schmied angesichts des Entsetzlichen, das diese Nacht brachte. Schmuhl kam nicht allein. Wieder und wieder öffnete sich die Türe. Ein Gerippe nach dem anderen, — Männer, Frauen und Kinder, ■- traten in die Stube, füllten die Stube. Peter Lohmann stieß einen Schrei aus. Mit einem Sprung war er an der Türe, unter unsäglichem Grausen fühlte er die Berührung kalter Gebeine an seinem Fleische, stürzte die Treppe hinunter und floh im Hemd auf die Straße. - -- Anderen Jagcs überwand sieh der Schmied und ging zum Krämer. Zaghaft erzählte er ihm von dem allnächtlichen Erscheinen des Schmuhl. Jakob war aufgeräumt wie immer. Er lachte. „Mir ist der Sehmuhl ja auch erschienen, aber das war doch nur ein Traum! Doch mit wachen Augen, sagst du, und leibhaftig sein Gerippe gespürt? Ha, ha, iia! Zehn Jahre liegt der Schmuhl in der Erde und zum Peter kommt der Schmuhl in der Nacht!“ Er hielt sich den Bauch vor Lachen. Peter stand stumm mit allfeinandergebissenen Zähnen und stierte vor sich hin. Nun wurde auch der Krämer ernst. „Ich will dir etwas sagen, Peter. Du mußt dir die Sache aus dem Kopfe schlagen! Ich habe eine Frau gekannt, die ist am Herzschlag gestorben. Ihr toter Vater ist ihr in der Nacht erschienen. Das ist ja alles Larifari!, Peter! Die Grabsteine, ja, die mmmmmmmmmmmmmammmmKmm haben, wir wohl umgeschlagen, es war eine feine Sache. Nicht schlecht haben wir es den Juden gegeben. Aber ich bin auch froh, daß wir es hinter uns haben, ich möchte es kein zweites Mal mehr machen. Geschehen ist geschehen, Peter! Es ist ja auch weiter nichts dabei. Aber der Schmuhl in der Nacht, — — ha, ha, ha!" Er lachte gezwungen. „Laß dich nicht auslachen, Peter, schlag’ dir die Sache aus dem Kopf!" — — -- Der Schmied suchte Rettung bei seiner Religion. Er ging beichten. Er versah sich mit Weihwasser und besprengte die Stube. Der Spuk wich nicht. Der Spuk saß tiefer, er saß im Gemüt. Im Wachen, im Schlafen, am Amboß und nach Feierabend hatte Peter Gesichte. Sie traten ihm aus der Luft entgegen, sie sprühten aus den Funken, die er mit dem Hammer aus dem Eisen schlug, sie leuchteten aus dem Feuer der Esse. Er verfiel körperlich. Sein Blick wurde unstet. Sein mächtiger Körper magerte ab, wurde schlotterig. Der körperliche und geistige Zerfall des Peter Lohmann trat bald offensichtlich zutage. Seine Freunde sagten: „Er ist nicht recht im Oberstübchen.“ Sie schoben es auf den Umstand, daß Peter, der zeitlebens ein rechtschaffener Mensch gewesen war, unter einer ehrenrührigen llltiltlllllllltilfllillltltllllllUiiiiiiiiiiiimiififiiiiiiiiiiiiiiiiiiiKiiliiiliiimilllltilillllltllllllllllllllt Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands iiinnmiiimiii»iiiiiiiiii»nMiintiimniiiiiiiinnmnmimi8inummiimniimnintiiininnmin Verdächtigung fünf Tage im Gefängnis gesessen hatte. Der Krämer mied ihn wie die Pest. In seinem hoffnungslosen Zustand der Verdammnis kam Peter ein Gedanke. „Du mußt die Steine wieder aufstellen!“ Er versah sich mit einer Schaufel, mit Eisendraht, Klammem und Stricken. Zur Nachtzeit verließ er das Haus. „Jakob muß mit", dachte er. Er lenkte seine Schritte zum Hause des Krämers. - So oft der Krämer Jakob später an diese Nacht zurückdachte, gefror ihm das Mark in den Knochen. Leicht, ja leicht hätte es sein können, und auch seine, Jakobs, Gebeine moderten jetzt neben denen Peters an der Kirchhofsmauer. In jener Nacht wurden der Krämer und seine Frau durch heftiges Läuten der Ladenschelle aus dem Schlafe gestört. Eine Stimme rief zu ihnen herauf: „Komm mit, Jakob! Jakob, komm mit!“ Jakob dachte an seine Träume und an des Schmieds Erzählungen. Entsetzt sprang er aus den Federn und kroch unter das Bett. Seine Zähne klapperten. „Das ist Schmuhl, der Jude!", wimmerte er. Seine Frau ging ans Fenster und steckte den Kopf hinaus. „Du Narr‘, sagte sie zu Jakob, „komm hervor! Es ist dein Lohmann, der Schmied!" Schon wollte Jakob befreit aufatmen, da überfiel ihn ein neuer Schreck. „Wenn der verrückte Peter zur Nachtzeit an meine Türe kommt, wird er nichts Gutes im Schilde führen." „Rühr’ dich nicht!", flüsterte er seiner Frau zu.- Peter rief noch einige Male. Als sich im Hause des Krämers nichts rührte, schimpfte er „Feigling“ und „Duckmäuser" vor sich hin und machte sich allein auf den Weg. Das Werkzeug in den Händen, mit festen Schritten, gestärkt durch seinen Vorsatz, ging der Schmied durch das schlafende Dorf auf dem nächsten Wege dem Friedhof zu. Als sei er zu einer Arbeit bestellt, ging er an das große Tor und rüttelte an der Klinke. Die verschlossene Türe ließ ihm das Bewußtsein zurückkehren. Er ging seitab und überkletterte 8ie Mauer. Der Friedhof lag noch in dem selben verwüsteten Zustand, wie ihn Peter nach der Untat verlassen hatte. Auf Anordnung der Behörde war, da der Täter noch nicht gefunden war, an den zerstörten Steinen nichts verändert worden. Peter machte sich sofort an die Arbeit. Er versuchte mit der Schaufel das Geröll von Schmuhls Grabstein aufzutürmen, es in seine frühere Form zurückzuschaufeln. Es wollte und wollte nicht gelingen. Kaum hatte er ein Häuflein aufgetürmt, so kam es beim Dazutun der nächsten Schaufel wieder ins Rollen. Peter versuchte die Arbeit am nächsten Stein. Als auch hier seine Mühe erfolglos blieb, machte er sich an die Steine, die er damals nur umgeschlagen, aber nicht zertrümmert hatte. Keuchend schleppte er den Stein auf den Sockel, befestigte ihn mit Draht, mit Stricken, — er hielt ihn eine Weile mit den Armen in der aufrechten Stellung fest. Trat Peter zurück, fiel der Stein vom Sockel. Stundenlang arbeitete Peter. Umsonst! Er ging /.um Grabe des Schmuhl zurück und begann mit den Händen die Steine zu türmen. Der Morgen dämmerte. Peter hockte auf der Erde. Mit Grausen dachte er an das Heimgehen, — an seine Stube, — an Schmuhl und sein Gefolge. Jetzt fiel ihm auf, daß sich ihm in dieser Nacht, die er auf dem Friedhof verbracht hatte, zum ersten Male seit langer Zeit kein Gespenst gezeigt hatte. „Also hierbleiben muß ich“, dachte er. Er nahm einen Strick, warf ihn um einen Ast und zog diesen am Strick tief zur Erde. Dann machte er eine Schlinge, legte sie sich uin den Hals und erhängte sich an dem Baume über den Gräbern. Redaktionelle Rotiz Festgebäck. (Lin Pfund Bienenhonig, tOO Ooamnt „Palmin"* und 125 Gr am in Zucker tueEben erhitzt und als Gewürze das Abgc ricbcne einer Zitrone, ein Teelöffel Zimt, drei gestoßene Nelken mib ein Päckchen Laiiillczucker verwendet. Unter die abgekühlle Masse rührt man zwei ganze Eier, zwei Pfund Weizenmehl, ztvölf Gramm .Hirschhornsalz sowie zwölf Gramm Pottasche. Der Teig wird tüchtig geknetet und dann kleinfingerdick ausgerollt. Man sticht mit einem kleinen Weinglasc Scheibchen aus und bäckt sie auf gefetteten Blechen gar. Man überzieht sie nach Belieben mit einer Schokoladen oder Zuckerglasur. *) Palmin ist das naturreine Äokosspeisefetl von Dr. Schlinck. Mandelplätzchen geraten damit gleich vorzüglich, wie beispielsweise ein .Honigblechkuchen oder einfacher Napfkuchen. Palmin ist hundertprozentiges Fett. Es ist daher außerordentlich ergiebig. Ein Rezept büchlcin verabfolgen die Kolonialwaren- und Feinkostgeschäfte gern kostenlos. ii Wird aadi mal Chef und Kochkunstlehrer! Ist heute schon <jfrfjflto »Verehrerl und tfli feedeofe! afta* hared bei einem so jungen Menschen I Denn da hat er ja das Geheimnis der fetnenKochkunst begriffen Palmin — durch nichts zu ersetzen! — 1:1 ur.d bleibt nun einmal das beste Speisefe.it der Wolf. Pelmin In jeder Küche, des echte Palmin I Taft . das naturreine UinJin C0C0S-SPEI5EFETT Durch Beruiung unseres Rabbiners nach Barmen ist die Rabbinatsstelle der Gemeinde baldigst neu ZU besetzen. Besold, nach staatl. Grundsätzen. Ausfiihrl. Bewerb, sind zu richten an den Vorstand der Synagogengemeinde Oppeln, Sanitätsrat Dr. Schlesinger Vormittags-Abendschule Private Vorbereitungsanstalt. Direktor Darziger Berlin, Alte Jakobstraße 125 , scnreibmaschinenu. nano Arbeiten jeder Art übernimmt Lina Hopp» Berlin NU) 87, Bachstrasse 3 1, Seitenfl. ptr. Uleinreisender Wir suchen für sofort oder später jüngeren Herrn für süddeut. Touren. Bewerber müssen bei einschläg. Kundschaft gut eingeführt sein und erfolgreiche Tätigkeit nachweisen können. Ausführl. Angebote mit Lebenslauf u. Lichtbild erbeten an: Atlantic - Theater - Lichtspiele Potsdamer Straße 31a Programm vom Freitag, den 20 -26. Dezemb. FrOhlingserwachen Eine Tragödie in 6 Akten Rohen Feiöeimann&co. W&ingroBhandlung u. Weinbrennerei Mannheim Die Garde-Diva Lustspiel in 6 Akten mit Agnes Esterhazy, Georg Alexander Beginn Wochentags 5, 7 u. 915 Sonntags 3, 5, 7 u. 9ls JugouHlgemeiiiscliaft der Jüdischen Reform - Gemeinde CDamikah-BallOie Erste weiMeri Mn Judentums am Sonntag, den 22. Dezemher 1929 im Logenhaus tmser sirase 12/13 Karten im Vorverkauf (Jüdische Reform-Gemeinde, Berlin N 24, Johannisstraße 16, Postscheckkonto Nr. 26134) Mk. 1.50, an der Abendkasse Mk. 2. ist die Quelle Ter ein ffir Fenerbefttattimg in Berlin ron 1874, e. V, T«ra. kostenlose Feuerbestattung Annahme W 35, Lfltzowstraße 44, Telephon: Lützow 960-61 und Charlottenburg, Kanlstr. 154 a ficke Pa*anenstra8e, Telephon: .Steinplatz 1835 AM (Reden, Diskussion, Beschlüsse) Gründungsversammlung der World Union for Progressive Judaism London, 10.—12. Juli 1926 Preis: im Buchhandel M. 1.80, für Mitglieder d. Vereinigung, die bei uns direkt bestellen. M. 1.— Vereinigung iflr das liberale Judentum i v. Berlin SW 11, Hallesche Strasse 1 < I I X 509 6 3405 1451 46145

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