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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-11-27 · 48 (27.11.1929) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
48 (27.11.1929)
Date
1929-11-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Aus der Jli-Dewegung Vercmtwortl.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands Vorsitzender r Dr. Hugo Hofsmann. Frankfurt a. Alain wo steht der IN? In der vorigen Woche veröffentlichten wir einen Aufsatz von Werner Rosenstock, der kritische Gedanken zur Jli- Arbeit enthielt. Entgegen der veröffentlichten Vorbemerkung ist durch ein bedauerliches Versehen der Berliner Redaktion der Artikel von Werner Rosenstock ungeteilt veröffentlicht worden, die Veröffentlichung der Erwiderung von Dr. Hoffmann hingegen leider unterblieben. Wir drucken nachstehend die Erwiderung von Tr. Hoffmann auf die Roscnstockschen Ausführungen ab. Tie in der vorigen Nummer veröffentlichten Ausführungen Werntr Rosenstocks zeigen den Fehler, daß sie aus den besprochenen Artikeln Behauptungen entnehmen, die nicht vorhanden sind; si^ müssen deshalb zu falschen Schlußfolgerungen führen. Rosenstock behauptet, von mir werde der religiös gefestigten Jugend eine solche gegenübergestellt, die „mangels eigener religiöser Einstellung den Kern des Judentums in Anderem suchen müsse". Eine solche Gegenüberstellung ist nicht behauptet. Es wurde lediglich gesagt, daß ein Teil der nichtorthodoxen und nichtzionistischen Jugend glaube, mangels religiöser Einstellung den Kern des Judentums in Anderem suchen zu müssen. Dieser Jugend und dieser Methode stellte ich den Weg, der von den Jlis mit Recht und mit immer größerem Erfolg beschritten wird, gegenüber: die religiöse Veranlagung, die letzten Endes in jedem Menschen, wenn auch zunächst noch unbewußt, vorhanden, durch gemeinschaftliches Fühlen und Empfinden und durch gemeinsames Wirken aus den Tiefen hervorzuholen und lebendig zu gestalten. Wir sind und bleiben der Auffassung, daß der K e r n des Judentums sein religiöser Gehalt ist, und daß alles übrige, mag man es nennen, wie man will (Besonderheit des Wesens, Verbundenheit miteinander, Schicksalsgemeinschaft), besondere Wesenszüge oder äußerliche Fakten darstellen, die aus 6-rund langjährigen, von aller Umwelt abgeschlossenen gemeinschaftlichen Zusammenlebens entstanden sind. Gerade durch das Jahrhunderte lange, religiös fundierte Gemeinschaftsleben sind die als besonders jüdisch be zeichneten Eigenschaften, wie etwa die geistigere Beweglichkeit, das ausgeprägte Familienleben, das soziale Empfinden, gefördert worden. Es ist verständlich, daß ein Teil der heutigen Jugend das Religiöse des Judentums skeptisch betrachtet, weil sie weder in ihrer bisherigen Erziehung," noch bei ihren Eltern, noch iin Gotteshaus wahre, innerliche Religiosität zu finden glaubt oder zum empfinden vermag. Dies darf sie aber nicht veranlassen, wegen der mangelnden Religiosität vieler Erwachsener oder wegen der ihr nicht mehr verständlichen Ausdrncksform des Religiösen in den bestehenden Gottesdiensten nunmehr das rein Religiöse vollkommen über Bord zu werfen und an dessen Stelle etwas Jüdisches zu setzen, das jeder Einzelne als Kern seines Judentums freilegen soll. Damit wäre allerdings dem wirklichen Wesen des Judentums jede Grundlage entzogen; und der so oft gegen den Liberalismus erhobene Vorwurf, er führe, konsequent eingehalten, Schritt für Schritt, mehr ins Ungewisse, würde hier seine Berechtigung haben. Gerade dem widerspricht der wirkliche, positive Liberalismus, der als einzige Grundlage allen Judentums das Religiöse bezeichnet. Hier handelt es sich nicht um irgend einen „Konfessionsbegriff", noch gar um einen „einseitigen Rationalismus", sondern um ein in den Tiefen der Seele wurzelndes, seit Bestehen des Judentums vorhandenes ursprüngliches religiöses Empfinden. Ebenso irrig ist die Annahme Werner Rosenstocks, es sei behauptet, die Jugendbewegung sei zu einseitig auf rein praktische Ziele eingestellt. Ter Satz, dem er diese Auffassung entnimmt, lautet: „Die bloße Tatsache der mangelnden Empfänglichkeit für religiöse Dinge — einer natürlichen Folge unreligiöser, auf rein praktische Ziele eingestellt gewesener Erziehung — läßt diese Jugend . die mehrtausendjährige Geschichte und die noch heute geltende Sendung des Judentums kurzer Hand außer Acht lassen." Es ist also nicht von rein praktischen Zielen der Jugendbewegung gesprochen, sondern einzig und allein davon, daß die frühere Erziehung dieser Jugend (seitens der Eltern) auf rein praktische Ziele eingestellt gewesen und damit versäumt habe, diese Jugend von früh auf religiös empfinden zu lehren. Der Versuch Werner Rosenstocks, ein anderes, von den Kräften der Seele erfülltes religiöses Gefühl anzunehmen, geht fehl. Dieses ist entweder identisch mit dem vorgeschilderten jüdischreligiösen Empfinden, das aber nach seinem Wunsche bewußt auf Umwegen gesucht werden soll, oder es ist das allgemein-religiöse Gefühl, welches in keiner direkten Verbindung mehr mit der jüdischen Religion steht, sondern ebenso die Basis christlicher oder freireligiöser Auffassung sein könnte und nur durch die äußeren Wesenseigenschaften der Juden von der Religiosität aller anderen unterschieden ist. Zum Kern des Judentums gelangt man nicht auf dem Umwege der Feststellung einer besonderen Eigenart der Juden, — die, wie hervorgehoben, eine Folge rein äußerlicher Tatsachen ist —, sondern einzig und allein aus dem direkten Wege, den uns Mose und die Propheten sowie die gesamte Geschichte des Judentums gewiesen, auf dem Wege der vom Judentum der Welt gegebenen religiösen Aujfassung vom einig-einzigen Gotte, aus oer alle religiös-sittlichen Ideale der Vergangenheit wie der Zukunft resultieren. Eine weitere Behauptung, von dpr Werner Rosenstock ausgeht, die aber in meinem Artikel nirgends enthalten, ist die, die Jugend wende sich vom „Partei"standpunkt ab, bei dieser Abwendung würden auch persönliche Motive mitspielen. Der Satz, den Werner Rosenstock meint, lautet: „Die Abwendung mancher Liberalen vom „Partei"stand punkt . ist neben vielfach mitspielenden persönlichen Motiven auch darauf zurückzuführen, daß man die kulturellen Aufgaben der Gemeinde oft zu sehr hinter die verwaltungsmäßigen zurücktreten ließ." Hier ist von der Jugend überhaupt nicht die Rede, sondern, wie auch in den vorhergehenden Sätzen, von den Erwachsenen, die, wie der Unterzeichnete leider zu oft seststellen mußte, das Wort „Partei" in vollkommen falscher und übertrieben negativer Weise deuten und oft, wie jedem im Parteileben Stehenden bekannt ist, aus persönlichen Gründen sich von dieser Partei fernhalten. Der Unterzeichnete wendet sich gerade gegen diejenigen, die auch Werner Rosenstock als solche bezeichnet, von denen die Jugend nichts wissen wolle. Es ist .von mir im gleichen Satz darauf hingewiesen, daß die rein verwaltungsmäßige Gemeindearbeit mancher Liberalen auch von unserer Seite als unvollständig angesehen wird und daß die kulturellen Aufgaben der Gemeinde auf keinen Fall hinter diesem Verwaltungsmäßigen zurücktreten dürfen. Eine „Bagatellisierung" des Religiösen liegt, wenn überhaupt, auf Seiten der Anhänger Werner Rosenstocks, nicht auf unserer Seite. Es scheint mir aber verfehlt, von einer Bagatellisierung des Religiösen zu sprechen. Sucht man jedoch den Kern des Judentums auf manchen Wegen der Jugendbewegung, die mit religiösem Judentum überhaupt nichts zu tun haben, so wird man nie zum Religiösen gelangen, sondern allenfalls beim Trutz-Judentum oder beim Zionismus enden, niemals bei dem Judentum, das die Propheten und die mehrtausendjährige Geschichte des Judentums uns gelehrt haben. Es erscheint verfehlt, wenn nicht gar überheblich, nach den Grundsätzen der Jugendbewegung — die auf anderen,'ihr näherliegenden Gebieten manches Berechtigte durchgesetzt hat — alle Vergangenheit über Bord zu werfen und das Wesen des Judentums aus vollkommen neuen Wegen suchen zu wollen. Nicht unser „Judesein" ist uns das Tiefste und Heiligste, sondern die Religion unseres Judentums. Unser Judesein ist die äußere Tatsache, unsere Religion das Wesentliche dieses Judeseins. Diese Scheidung klar auszuzeichnen, scheint mir allerdings wichtig st e Aufgabe der jüdisch-liberalen Jugendbewegung. Es ma§ sein, daß die Auffassung Werner Rosenstocks vielen unter der heutigen Jugend, die keine Religiosität kennen lernten und deren Eltern nicht religiös sind, bequemer erscheint. Unsere Pflicht ist es, darauf hinzuweisen, daß das einzig Bestehende und Unvergängliche unseres Judentums von jeher seine R e - ligion gewesen und in aller Zukunft bleiben wird. Mag die heutige Zeit noch immer dem Rationalen das Vorrecht geben, mag das Religiöse auch vielen unserer Zeit noch fernliegen, umsomehr und in desto stärkerem Maße müssen wir auf den verschiedensten Wegen versuchen, dies Religiöse zurückzugewinnen. Gerade der Liberalismus gibt uns die Möglichkeit, durch zeitgemäße Wandlung der überlieferten Formen und neue Wege die Religion wieder mit dem Leben in Verbindung zu bringen, unser ganzes Dasein religiös-ethisch zu erfassen. Seien wir uns dieser Aufgabe bewußt und lassen wir uns nicht durch scheinbar bequemere Wege von dieser, allerdings nicht immer leichten, aber umso besriedigerenden Arbeit abbringen. Dr. H ofsmann. ★ Das Jli-Programm ★ Berlin. , «teglitz. Sonnabend, 30. November, 18.00 Uhr, bei Eva Eraetz, Dahlem, Am Erlenbufch 4. Pankow-Osten und Oliva. Donnerstag, 28. November, 20.00 Uhr, bei Herbert Schwär;, Jagowstratze 43, Aufgang 1: 1. Probe zur Chanukkah-Feier. Breslau. Hauptgruppe: Mittwoch, den 4. Dezember, 20.30 Uhr, in der Religionsschult II, am Anger 8, zweiter Eingang: Aussprachezyklus: Die augenblickliche Situation des deutschen Judentums; 3. Abend: Referat von Alfred Fabian. Jüngeren-Eruppe: Donnerstag, dm 28. November, 16.30 Uhr: Aussprachenachmittag'. „Zeit und Zeitung." Frankfurt a. M. Samstag, den 30. November, 17 Uhr, llntermainanlage 7, Dr. Hoffmann: „Faust". Montag, den 2. Dezember, 20.30 Uhr, bei Lion, Sternstratze 11, Arbeitsgemeinschaft Dr. Gottschalk: „Religiöfer Liberalismus". Dienstag, den 3. Dezember, 20.45 Uhr, Westeudfynagoge, Heimabend: „Literaturfchau". Donnerstag, den 5. Dezember, Arbeitsgemeinschaft: „Freie Referate". Jugendgruppe: Samstag, den 30. November, bei Zedner, Sophienstratze 12: Buchbesprechung. Jakob Flörsheimer: „Die Renaissance" o. Eobineau. Auch alles TrW^fbfmUlgemacht! Konditors Jüngster schweigt und lacht! Kann man verstehen! So eine Frage... als ob Palmin nur eine Sache für Köche wäre! Palmin... In der Back» Stube ebenso unentbehrlich und geschätzt wie ln Jeder seinen Küche! i . durch nichts zu ersetzen! Palmin — durch flieht» cd — Ist blaibt nun einmal da» besta Speisefett dar Walt. Palmin in leder KQdkt, das achte Palmin I das naturreine I QlUllTl COCOS-SPEISEFETT Jaft tX ''(m T^i \ werden hier beide, die Blonde und die Dunkle. 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