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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-10-09 · 41 (9.10.1929) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
41 (9.10.1929)
Date
1929-10-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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4!t Aus der IN-Vewegung Veranlwortl.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschland» Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmann. Frankfurt a. Main Vorstandsbeschlutz der »Arge" zur Zewish Agency Der Borstand der „Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine in Deutschland" hält sich mit Rücksicht auf die Erklärungen der deutschen Mitglieder der Jewish Agency und des Keren Hajessod für verpflichtet, festzustellen, daß ein großer Teil der jüdischen Jugend, insbesondere der jüdisch-liberalen Jugend den Aufbau einer jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina abkehnt. Er beklagt aufs tiefste die Opfer, die die bisherigen Vorfälle in Palästina gefordert haben, sieht aber gerade hieran, zu welch' unglückseligen Folgen eine politische Einstellung des Judentums führen muß. Der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft betont mit Nachdruck, daß für die große Mehrheit der deutschen Juden das Judentum eine reine Glaubenssache ist und bleibt, und daß die Zukunft des Judentums nur in seiner religiös-sittlichen Auswirkung, niemals auf politisch-nationalem Gebiete liegen kann. ein Segen sein, wenn sie in Altem wurzelt, auf den Schultern vergangener Generationen sich ausbaut." Der gedruckte Auszug aus dem Manuskript dieses Referates erscheint uns jetzt wie ein Vermächtnis des Dahingeschiedenen, des in jungen Jahren schon so reifen Führers, dem wir Dank und Anerkennung schulden. Dank im Sinne des Verstorbenen bedeutet aber: an der Verwirklichung der religiösen Ideen Mitarbeiten, auf dem von ihm gewiesenen Wege an dem Aufbau eines positiven, religiös-liberalen Judentums Mitwirken. Wir trauern mit der Mutter des Verewigten, die ihr einziges Kind verlor, wir trauern um den Freund und Führer unserer eigenen Reihen, wir trauern mit dem Liberalismus, dem einer der hoffnungsvollsten künftigen Führer durch den Tod entrissen wurde. Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands. Tr. .Hoffmann, R.-A., Vorsitzender An die zionistische Zugend! Der Wiener „Wahrheit", dem Organ der Union deutschösterreichischer Juden, entnehmen wir: In der am Montag stattgehabten Versammlung wurde uns von einem jugendlichen zionistischen Redner der Vorhalt gemacht, daß die Jugend nur in den zionistischen Reihen zu finden sei, und das nur deshalb, weil der nationale Gedanke allein fähig ist, die Jugend zu begeistern. Man muß zugeben, daß diese Behauptung zum Teil leider berechtigt ist. Ich sage „zum Teil", weil auch wir junge Leute genug in unserer Vereinigung haben, aber sie treten nicht in dieser Art auf, wie es die zionistische Jugend tut. Wir jungen Unioniften pflegen prinzipiell gegnerische Versammlungen, aus welchem Anlasse immer sie stattfinden, nicht durch, gelinde gesagt, lautes Benehmen zu stören, wir verstehen es, die Gesinnungen Andersdenkender zu respektieren, und vor allem sind unsere Argumente besser fundiert, als daß sie kräftiger Stimmwerkzeuge bedürften. Ich sagte vorhin aber auch „leider". „Leider" nicht vielleicht deshalb, weil wir so kleinlich sind, dem Zionismus den größeren Anhang Jugendlicher zu neiden, sondern „leider" deshalb, weil wir es im Interesse der Menschheit, der wir Juden vor allem zu dienen bestrebt sein sollen, bedauern, daß die heutige Jugend es noch immer nicht gelernt hat, das Menschheitsideal auf Höheres einzustellen als auf nationalen Chauvinismus, wei! wir es bedauern, daß eine Generation, deren erste Kindheitseindrücke Not und Hunger, Haß und Mord, Trauer und Schmerz um gefallene Väter und Brüder, um verkrüppelte, hilflos gewordene Angehörige waren, den Nationalismus, den Urheber unseres Kindheitsalpdruckes, nicht zu überwinden versteht, weil wir es bedauern, daß eine Generation, der ein Gräser, ein Zweig, ein Remarque und viele, viele andere ein aufwühlendes Memento zurufen, noch immer sich Reden gefallen läßt, ohne aufzuschreien in heller Empörung, wie sie ein bedeutender zionistischer Führer jüngst gehalten hat, deren Tenor an die wüsten Kriegshetzreden aus der „großen Zeit" erinnerte mtb deren Höhepunkt mit dem Ausspruch erreicht wurde: „Es ist süß, fürs Vaterland zu sterben!" Welcher Hohn, uns, uns unglücklichen Kindern einer erschütternden Zeit, ungestraft das sagen zu dürfen! Nein, ihr Chauvinisten, tausendmal nein, wir Jungen lassen uns das nicht mehr einreden, wir Jungen werden uns nicht durch solche Traktätchen systematisch zu willigem Schlachtvieh erziehen lassen, wir Jungen wollen leben und wirken für die Menschheit. Und darum allein bedauern wir es, daß Ihr im national-chauvinistischen Lager noch mehr seid als bei uns, weil wir mit Entsetzen erkennen, daß die Jugend nichts gelernt, aber alles vergessen hat. Unser Kampf gilt dem höheren Ideale der Völkervereinigung, einem Ideale, das die helle Begeisterung der Jugend verdient. Wir-Juden waren immer Pioniere der Ethik und mußten bittere Opfer deshalb aus uns nehmen. In diesem Sinne bedauern und beklagen wir unsere gefallenen Brüder und Schwestern in Palästina, soll aber ihr Tod nicht umsonst gewesen sein, dann geht in Euch, jüdische Altersgenossen aus dem zionistischen Lager, und schreibt mit uns aus Eure Fahne, was Ihr im Gruße ja im Munde führt: „Scholaum!" Benno L ö w. Dem Andenken von Ludwig Lewin Noch können wir es kaum fassen, daß Ludwig Lewin, der langjährige Führer und tatkräftige Mitarbeiter in der jüdisch-liberalen Jugendbewegung, so Nützlich und unerwartet aus unseren Reihen schied. Ein Vorbild treuester Pflichterfüllung gegenüber allen Forderungen, die in seinem Wirkungskreise an ihn herantraten, edelsten Denkens und Handelns in den vielen Fragen, die ihm als dem persönlichen Berater und Freund vorgelegt wurden, ein Sucher der Wahrheit und aufrichtiger Verfechter unserer Ideen. Als tiefreligiöser Jude genügte ihm nicht nur die Kenntnis und Erkenntnis jüdischer Vergangenheit; ihm lag an der Verwirklichung religiösen Lebens, am Erleben religiöser Wahrheiten. So suchte und fand er die Synthese von Leben und Religion, die so vielen unserer Zeitgenossen noch fremd, erkannte die Bedeutung unferer jüdischen Lehren für das alltägliche Leben und wußte diese seine Erkenntnis in überzeugender Weise den Jüngeren, seinem Jlikreise, zu vermitteln. Ueber „die Verwirklichung des liberalen Judentums in der Jugendbewegung" sprach er im Aufträge des Weltverbandes auf der Berliner Weltkonferenz und wies der liberalen Jugend einen Weg nach zwei Richtungen: Wiedererwecken des überlieferten Judentums und Neugestalten dieses Judentums für unsere Generation. „Rückkehr zum Alten allein macht das Judentum nicht lebensfähig; Erneuerung aber hat nur Sinn und kann nur dann Werbt neue Mtgtteder! Zugendgemeinschaft der jüdischen Reformgemeiude Tic erste Zusammenkunft der Jugendgemumschast in diesem Winterhalbjahr hatte zum Thema: Osteuropäisches Judentum. Das Referat hatte Herr Tr. Singalowsky übernommen. In den Räumen des Mosse-Hauses waren etwa 150 Jugendliche anwesend. Als Vertreter der Repräsentanten der Re,ormgerneinde waren Herr Lachmann-Mosse, Herr Pinkus, Herr Pros. Schäfer, sowie Herr Rabbiner Lehmann erschienen. Ferner für den Ort Herr Tr. Frd. Brodnitz, Herr Tr. Elkeles, Herr Graetz.. Bevor Herr Günther Knobloch Herrn Tr. Singalowsky das Wort erteilte, ging er kurz aus die Idee der Jngendge^ meinschaft ein. Drei Voraussetzungen bestimmen ihre Arbeit. 1. Objeltivätät. 2. Ter Wille zur Erneuerung. 3. Tie Liebe zum Judentum. Ter Vortragende führte zunächst aus, daß die Krisis der 6 Millionen Juden in Osteuropa eine Frage der Gegenwart und Zuiunst sei. Man könne seit Beginn der Emanzipation im 19. Jahrhundert zwei Etappen zur Gleichstellung der Juden unterscheiden. 1. Tie politische. 2. Tie wirtschaftliche Gleichstellung. Das Ghetto ist der Inbegriff einer geistigen und wirtschaftlichen Außenstellnng. Tie Einseittgkeit des Ghrttolebens überdauerte aber die Zeit nach der Emanzipation, sodrß ein innerer Widerspruch zwischen Milieu und Umwelt enrstand. Die Emanzipation enthält aber eine Verpflichtung in sich. Nämlich mit der Welt zu leben. Wenn also schon ein innerjüdischer Konflikt besteht, so tritt eine Verschlimmerung durch die wirtschaftliche Lage hinzu, die in Polen geradezu typisch für das osteuropäische Judentum sei. Tie Masse der jüdischen Händler hat sich in einer erschreckenden Weise vermehrt. Es erscheint fast wie eine pathologische Krankheit. Wer dem Antisemitismus die Schuld in die Schuhe schieben will, urteilt falsch. Wenn der Berufner Händler 10% beträgt und hiervon 43% auf Juden entfallen (oder in Litauen 7<v>, davor: 42%), so kann dies kein gesunder Zustand sein. Tie Regierungspolitik hat eben ihr „Gesicht dem Lande" zugewandt. Wodurch eine Vernachlässigung der Industrie, des Handels und der Stäote eintritt. Sodann bestehen noch zwei Ursachen, die ihren Ursprung im Regierungsprogramm haben. Es ist dies einnrai eine Verkürzung des Weges vom Produzenten zum Konsumenten (also eine Umgehung des Händlers); zum andern eine organisierte Entziehung von Handelsgebieten. Bei der fortschreitenden Rationalisierung, 2 Millionen Beamten und der zunehmenden Monopolisierung entstein ein Lustmensch, den man nirgends braucht und brauchen will. Die Regierung hat keine Veranlassung ihr Programm zu ändern, weit es weiten Bolkskreisen dadurch besser geht. Eine Million Händler kann mit Recht behaupten mehr am Fortschritt als an der Reaktion zu leiden. Wie ist diese Krisis zu überwinden? Ter Vortragende führte hierzu aus, daß der Ort 1. ein jüdisches Harrdwerk schaffen will, weil eine Lösung nur eine Umgestaltung der Berufe bringen kann, dagegen eine Emigration nicht mal eine teilweise Lösung darstellt. (Für 10951 ind allein im vorigen Jahr an Werkzeugen gekauft worden.) 2. Durch Wanderausstellungen. Und schließlich die Sorge für die Heranwachsende Jugend. Ein sehr schwieriges Problem stellt die Gleichberechtigung in der Fabrik dar. Da keiner den Juden einstellen will, selbst der jüdische Arbeitgeber ein Vorurteil hat und keiner den Juden anlernen will, hat der „Ort" Lchrsabriken gegründet, um die Juden aus die Arbeit vorzubereiten. An der Diskussion beteiligten sich: Herr Opperrheirner, Herr Knobloch, Fräulein Eva Markuse, Herr Gundersheim, Herr Dr. Elkeles, Herr Graetz und Herr Tr. Brodnitz. In der Diskussion zeigle sich dann ziemlich deutlich die Schwierigkeit des ganzen Problems. Nicht durch Anti.. und Gegena n t i.. wird eine Lösung gesunden werden. Mit der Frage: „Gibt es eine Gesamtverantwortung?" hätte eigentlich jcker diese Veranstaltung verlassen müssen. Aus diesem Grunde hat die Jugendgemeinschaft beschlossen, Mitte Oktober einen zweiten Abend zu veranstalten, um die Grenzen einer solchen Gesamtverantwortung darzulegen. H-t G-r. >♦«♦»♦»< Aus der Ili-Arbett Berlin. (Aelterengruppe des I l i.) Die Aclterengrupp« besprach an ihrem letzten Abend bei Grete Arons das Problem der Gnade. Zweierlei Desinition gibt es für diesen Begriff: den der Verzeihung, Vergebung, und den des Genies, des Künstlers. Wir sprechen in diesem S-inn sowohl von Begnadigung eines Verurteilten als von einem begnadeten Künstler. Das Wesentliche bei beiden Fällen ist das Unverdiente, also Geschenkte. Ist nun der Künstler höher zu schätzen, der sich erst alles erkämpfen und erringen muß, oder der, dem alles durch Gnade gleichsam in den Schoß fällt? Und wie ist es beim ethischen Menschen? Ist da der Weg oder das Ziel maßgebend? 'An zahllosen Bibelstellen läßt sich Nachweisen, daß, mag auch der von Natur aus ethisch hochstehende Mensch, eben, weil er das Gute selbstverständlich tut, an und für sich höher stehen, derjenige, der kämpft und sich selbst besiegt, ist höher zu achten. Beim Künstlerischen dagegen ist es umgekehrt, hier kommt es nur auf das Resultat an. Nach längerer Aussprache über den Begriff des Künstlerischen kam man schließlich dahin, das als Kunst anzuerkennen, was Ewigkeitswert habe im Gegensatz zu augenblicklichen Werken; ein Kunstwerk muß ferner wahr und stilecht empfunden werden. Die Frage, ob der Künstler verpflichtet sei, sein Werk der Allgemeinheit zu schenken, und ob das zum Wesen der Kunst gehöre, erzieherisch zu wirken, blieb offen, da hier Meinung gegen Meinung stand, für die jede Beispiele und Beweise anzuführen waren. Ter nächste Abend rvird dem Begriff des Dogmas gewidmet sein. Breslau. (Jüdisch-liberaler Jugendverein „A b r a - ham Geiger".) Einen verheißungsvollen Auftakt für den kommenden Winter bildete die Eröffnungsveranstaltung unserer Winterarbeit am 25. September in der uns freundlichst zur Verfügung gestellten Wohnung von Frau Paula Ollendorss, der an dieser Stelle nochmals hierfür wie für die liebenswürdige Bewirtung recht herzlich gedankt sei. Eine große Zuhörerschaft, darunter viele Gäste, füllte gar bald die herrlichen Räume. Nach einigen einleitenden Worten erteilte unser 1. Vorsitzender, Wolfs Davidsohn, Herrn Gemeinderabbiner Dr. Vogelstein das Wort zu seinem Vortrag: „Was gibt das liberale Judentum unserer Jugend?" Mit Dank hob W. Tavivsohn die stete Bereitwilligkeit Herrn Dr. Vogelsteins hervor, der trotz seiner umfangreichen anderweitigen Inanspruchnahme in unserem Kreise spreche. Raummangel zwingt uns leider, den Inhalt des hochinteressanten Vortrages hier nur in großen Linien wiederzugeben. Bon einem Worte Martin Bubers über die Macht des Geistes ausgehend, zeigte der Vortragende am geschichtlichen Beispiel, daß stets der Geist alles andere überdauert hat. Unter diesem Gesichtspunkt sollen die Fragen untersucht werden: „Was ist liberales Judentum?" und „Was braucht die Jugend der Gegenwart?" Von der psychologischen Seite müßten die Probleme aufgerollt werden. Methodisch nicht unbedenklich sei die Formulierung: die „heutige Jugend" sei anders. Kaum je habe es eine Einheit gegeben, auch nicht innerhalb der einzelnen Generationen. Der Vortragende bewies dies und die bestimmenden Einflüsse an einer interessanten Entwicklungsstudie, die aus dem vorigen Jahrhundert bis zur Nachkriegsgeneration führte und auch die jeweilige Situation der Inden beleuchtete. Am Ende dieser Entwicklung steht der Versuch der Jugend, aus den schweren Erschütterungen zur Einheit der Persönlichkeit zu gelangen. Tie Gründung der Persönlichkeit durch jüdischen Nationalismus täuscht die Persönlichkeit nur vor. Es mehren sich die Zeichen seines Rück? ganges, die Zeichen, nicht mehr „die Mode von gestern mitzumachen". Ter Zusammenbruch des jüdischen Nationalismus .»verde zerstören. Eine Idee müsse wieder lebendig sein. Die Jugend sucht Lebensstil, weil ihr die Dinge seelenlos geworden sind. Religion müsse Kern und Wurzel des Persönlichkeitslebens sein. Wir denken nicht an unfreie Formen und an geistige Knebelung, Univahrhaftigkcit und Gewissenszwang. Mit der Religion wurde nur unter dem Namen Gottes oft Mißbrauch getrieben. Für uns gilt als Sinn alter echten Religion das Streben nach der Vollkommenheit, nach: Gott, ivie es bei Goethe seinen Ausdruck findet, wie es auch der 8. Psalm besagt. Was Kant nennt: Der gestirnte Himmel über mir, das moralische Gesetz in mir. So der Monotheismus mit dem Streben nach Vollendung der Gemeinschaft. Alles verlange das Konkrete der Gestaltung. Bei aller Ablehnung müssen wir den Wert des geschichtlich Gewordenen anerkennen. Arbeit der Gegenwart für die Zukunft. Dies die Grundlage des liberalen Judentums. Keine Autiquitäteureligiou, auch keine Glaubensschema. Keine Ansgezwungenheit, sondern Vernunft mit allem, was der von Gott gegebene Menschengeist schafft. Tie große Idee der sozialen Gerechtigkeit (Propheten), Wert und Verantwortlichkeit des Menschentums find im Judentum versinnbildlicht. Den Formen wollen wir in freier selbstgewährter Verantwortlichkeit gegenübertreten. Das macht uns selbständig und stellt uns gleichzeitig in die Gemeinschaft, für uns und die anderen zum Gewinn. Nach einer ergiebigen Aussprache, die die praktische Einslußmvglichkeit des Liberalismus, sei es durch Religionsunterricht, durch Elternhaus u. a., sowie die Freiheit der Persönlichkeit zum Gegenstand hatte, faßte der Vortragende noch einmal den Sinn der Religion, insbesondere des religiösen Liberalismus, zusammen. Daß wir unS tn Freiheit selbst dazu bringen, das religiöse Bewußtseinn in uns zu tragen und andere das ihrige bekennen und üben zu lassen. Daß »vir selbst die Verantwortung in uns und Gott gegenüber besitzen. Erich Vulkan. Frankfurt a. M. (Wanderung des I l i.) Wenn Engel reisen, lacht der Himmel. Am Samstag-Abend regnete cs in Strömen. Sonntag-Morgen in aller Frühe begrüßt uns das herrlichste Herbstwetter. In fröhlicher, ausgelassener Gesellschaft kommen »vir in Heigenbrücken im Spessart an. Es geht sogleich steil in den Hochspessrrt hinaus. Nach halbstündigem, steilen Aufstieg erreichen »vir einen herrlichen Aussichtspunkt und sind für unsere Mühe schon reichlich belohnt. Es geht »veiler durch den »vundcrvollen Hochspessart mit seinem reichen, alten Baumbestand nach Rothen buch, einem Flecken mitten im Walde zwischen Bergen versteckt. Wir kommen zu idyllischen Waldplätzen, durch Täler mit kleinen, rauschenden Bächen. Links grüßt die Steinmühle, eine der schönsten Jugendherbergen Deutschlands. Der Gegensatz zum Taunus, den wir bisher für unsere Ausflüge wählten, ist sehr kraß, Während man im Taunus selten einen Weg findet, den man ohne eine Unzahl weiterer Ausflügler wandern kann, begegneten uns auf unserm Spessartausflug nur tverrige Menschen. Aber urrsere eigene Gesellschaft genügte uns vollauf; in lebhaften Disput besprachen wir während der Wanderung die so aktuellen jüdischen Probleme der Gegenwart. Die Wanderung führt uns weiter durch Weibersbrunn nach M e s p e l b r u n n. Dort besichtigten wir das alte, ehrwürdige Schloß, das mitten im Wasser erbaut ist. An diesem idyllischen Ort zu weilen ist Erholung, die reine Lust des Spessarts zu atmen, Erquickung. Selten hat uns ein Ausflug soviel Schönes geboten, wie diese Wanderung. C. Mondschein. Ralibor. (D i s k u s s i o n s a b e n d.) „Das Wesen des Liberalismus" nannten »vir unsere letzte Zusammenkunft. Nach Verlesung des Protokolls streifte Herr Dr. Heimann die jüngsten Ereignisse in der jüdischen Welt an Hand der Jta-Telegramme. Zu unser aller Bedauern teilte uns Herr Dr. Heimann mit, daß wegen finanzieller Schwierigkeiten der Jta von nun an die Telegramme ausbleiben »verden. An die Berichte schloß sich Anni Frankels Referat „Das Wesen des Liberalismus" an. Ihren Ausführungen legte die Rednerin die Nordensche Broschüre zugrunde. Sie faßte die Bedeutung des Themas in kurzen Zügen zusammen und bot in ihrem Vorträge ausreichend Stofs zu einer regen Diskussion, in der der Unberschitt» zwischen Orthodoxie und Liberalismus dargelegt wurde. Ferner sei noch herausgegriffen die Frage der Erhaltung des Judentums. Im großen und ganzen zeigten Referat wie Diskussion klar das Wesen des Liberalismus, und lvar dieser Abend gleich dem vorherigen besonders »vertvoll für Mitglieder und Gäste. G. Fröhlich. Annahme van Bestellungen auf die Züdüch.liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands

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