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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-08-07 · 32 (7.8.1929) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
32 (7.8.1929)
Date
1929-08-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Illustrierte Sportblatt (Sport-Spiegel des Berliner Tageblatt-) in seiner Ausgabe vom 6. August wie solgt: „Bei herrlichem Wetter und zahlreichem Besuch fand die vierte Begegnung Maccabi (Berlin) mit dem nordostdeutschcn Mannschastsmeister Stettiner Boxclub statt. Maccabi siegte mit 12:2 Punkten, da Stettin in mehreren Klassen mit Ucbergewicht antrat. Aber auch sonst hätten die Berliner den Silberpokal der Kurdircktion gewonnen. Balsam (Maccabi) war im Fliegengewicht seinem Gegner Luck in jeder Runde überlegen. Ball (Maccabi) gewann im Bantamgewicht die Punkte auf der Waage, im Einladungskampf verlor er knapp gegen den zehn Pfund schwereren Titel (St.). Fuchs (Maccabi) un Federgewicht war seinem alten Gegner Salomon stets im Schlag voraus und ivurde einstimmiger Punktsieger. Malz (Maccabi) erteilte Otto Boxunterricht, konnte aber den starken Gegner nicht zu Boden schlagen. Batist (Maccabi) machte im Weltergewicht wenig Federlesens mit Koch, der bereits in der ersten Runde mehrmals zu Boden ging und in der zweiten Runde ausgab. Hutter (Maccabi) und Heinrich waren unter der gewohnten Form. Durch eine bessere dritte Runde tvurde .Heinrich Punktsieger. Im Halbschwergewicht brachte Hudasch (Tt.B.C.), früher Breslau, >165 Pfund aus die Waage, Stettin verlor also auch diese Punkte wegen Ucbergewicht. Sein Gegner Buchbaum (Maccabi), der nur 147 Pfund hatte, wehrte sich tapfer und erreichte ein Unentschieden. Köln. (Vers a s s u n g s f e i c r und Studentenschaft.) An der hiesigen Universität feierte man kurz vor Semestcrschlust den Bersassungstag.. Rektor und Senat versammelten sich in der Aula, in der auch eine Anzahl Ehrengäste, darunter der Ober bürgermeister Dr. h. c. Adenauer, Platz genommen halten. Die farbentragende Studentenschaft glänzte durch Abwesenheit bis — auf die jüdische Verbindung im K. E. Rheno Guestsalia, die als einzige chargierte. Es ist bemerkenswert, das; eine katholische Verbindung, die auch erschienen war, die Aula verließ, als sie merkte,, daß lediglich die K.C er anwesend »varen. Das Kölner Zentrums organ, die Kölnische Volkszeitung, hat cs scharf gerügt, daß nicht wenigstens die katholischen Studierenden der Feier beiwohnten, bei der ein aus ihren Reihen hervorgegaugener Hochschullehrer Professor Tr. Ebers die Festrede hielt. In Bonn zeigten sich die katholischen Verbindungen besser der Situation gewachsen: Dort wohnten alle der Berfassungsseier bei. - Man muß es tief bedauern, daß die kommende Führergeneration ihre junge Kraft mit kleinlichem unfruchtbarem Parteigezänk und mit abbauender .Heyarbeit vergeudet, anstatt sie freudig in den ansbauenden Dienst der Republik zu stellen. Ten jüdischen Studierenden gebührt Dank dafür, daß sie das Gebot der Stunde ersaßt haben und ihrer Bedeutung gerecht geworden sind trotz der glänzenden Vereinsamung, in der sie sich bei der Berfassungsseier fanden. Köln. (Ein jüdisches Lehr h a u s.) Auf Grund einer Anregung des Gcmcinderabbiners Dr. Kober hat die Verwaltung einen Ausschuß eingesetzt, der die Begründung eines jüdischen Leyr Hauses vorbercilen soll. Dieser Ausschuß hat bereits getagt und beschlossen, zu Beginn des kommenden Winters mit der praktischen Lehrarbeit zu beginnen. Es ivurde ein Sekretariat errichtet, das unter der geistigen Leitung des Ausschußvorsitzenden Dr. Kober die Vorbereitungen zu treffen hat. Köln. (V e r u r t c i l u n g D r. L e y s.) Ter Reichstagsabgeordnete Dr. L e y, der Führer der westdeutschen Nationalsozialisten, wurde am Freitag vor dem Kölner Amtsgericht zu 101)0 RM. Geldstrafe verurteilt Die Staatsanwaltschaft hatte Klage gegen ihn er hoben wegen eines Artikels und eines ihn iltustrierendcn Bildes im Westdeutschen Beobachter. Der Artikel trug die Ueberschrift: Taube von den Inden geschachtet." Er sollte die Behauptung erhärten, daß cs Ritualmorde gebe, die von Religions wegen den Juden geboten seien. Die Staatsanwaltschaft erachtete Beschimpfung einer Sielt gionsgesellschast und Aufreizung zum Klassenhaß für vorliegend. Das Gericht schloß sich dieser Auffassung an und fällte folgendes Urteil: Der Angeklagte wird wegen Vergehens gegen 8 166 in Tateinheit mit 8 130 kostenfälliganstelle einer an sich v e r >v i rkten G e f ä n g n i s st r a f e von 2 Monaten zu 1000 RM. Geldstrafe verurteilt. Die Exemplare 41 und 44 a des W. B. sowie die zur Herstellung dienenden Platten und Formen lverdcn nach Maßgabe d-es ß 41 cingezogen. Königsberg. (Professor Löhr scheidet aus dem Amt.) Mit dem Schlüsse des Sommersemesters scheidet der ordentliche öffentliche Professor der alttcstamentlichcn Wissenschaften in der cvang-etisch-theologischen Fakultät der Albertus-Universität D. Dr. Max Löhr aus seinem Lehramt. Löhr ist eine Persönlichkeit, die sich gerade in den Kreisen des Judentums der allergrößten Wertschätzung erfreut, ist er doch nicht nur einer der besten Kenner des Judentums überhaupt, sondern hal er doch auch in Zeiten, in denen «s von Angriffen gegen das Judentum wimmelte, vom Standpunkt der Wissenschaft aus als ernster Mahner in der Tagespresse das Wort an die weiteste Oefsentlichkeil gerichtet, insbesondere immer dann, wenn wieder einmal das Märchen vom Ritualmord in den Hirnen verhetzter Massen spukte. Erst vor kurzem hat er anläßlich der Memeler Ritualmordlegende ein Gutachten in der Presse vcr öfsentlicht, das den sogenannten Ritnalmord in das Reich der Fabel verweist. Dieses Gutachten ist auch in dem soeben erschienenen Wcrkchen „Blutlügen", das beim Philo Verlag i» Berlin hcrausgekommen ist, zun; Abdruck gebracht. Auch als Vortrags redner in den jüdischen Literaturvereinen und im Eentralverein ist Löhr hcrvorgetreten. Seine wissenschaftlichen Werke „Deutero nomimum", „Psalmenstudien", „Geschichte des Volkes Israel", „Alt lcstamentliche Religionsgcschichte" und „Ueber das Opfer im alten Testament" wurden in jüdischen wie in christlichen Kreisen mit dem gleichen Interesse gelesen. Löhr, der ein ausgezeichneter .Hebraist und Mitglied der wissenschaftlichen Prüfungskommission für die hebräische Sprache ist, ist auch Mitarbeiter der Kittelschen „Biblia hebraica" und der Kautzschen „Uebcrsctzung des Alten Testamentes". In der „Zeitschrift für Alttestamentliche Wissenschaft", in den „Kö nigsbcrger Gel-ehrtenbtättern", im „Morgen" des kürzlich verstorbenen Prof. Julius Goldstein Darmstadt und im „Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin" hat Löhr eine Reihe wertvoller wissenschaftlicher Aufsätze veröffentlicht. Innerhalb der Königsberger jüdischen Gemeinde ist er eine sehr bekannte Persönlichkeit, da fast kein Feiertag vergeht, an dem er nicht den Gottesdienst in der Neuen Synagoge besucht. Die Albertus Universität feierte den Scheidenden in einem besonderen Festakt in seinem Kolleg. Löhr wird auch weiterhin seine ivi'senschaftliche Forschungslätigkeit ausüben. Kvnigstrin. (Persönliches.) Zum Lehrer und Kantor der hiesigen Gemeinde ivurde ab 1. August Lehrer Metzler, bisher in Frielendorf, gewählt. Die durch den Fortgang des Lehrers Metzler erledigte Stelle i» Frielendorf ist dem Lehrer Gultmann aus Breslau übertragen worden. Lüneburg. (Bombenattcntat gegen das Haus des E e n 1 r a l v e r e i n s Vorsitzen de n.) Am 1. August um ztvei Uhr morgens ist aus die Billa des Rechtsanwalts und Notars Tr. Strauß in Lüneburg ein Bombenattcntat verübt worden. Die Vorderfront des Hauses wurde zerstört. Der Luftdruck der Erplosion machte sich toeit bemerkbar und zertrümmerte die Fensterscheiben der Nachbarhäuser. Glücklicherweise sind Todesopfer nicht zu beklagen, da Tr. Strauß und Familie sich gegenwärtig auf einer Sommerreise befinden. Man vermutet, daß es sich um ein Attentat der von der antisemitischen Agitation im Lüneburger Kreise beeinflußten Elemente handelt. Dr. Strauß ist Vorsitzender der Lüneburger Ortsgruppe des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und ein bekannter Demokrat. Er ist ein Schwager des Ministerialrats Dr. Hirschseld. Mosbach. (7 0. Geburtstag.) Die Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins, Frau Klara Siegel, beging am 3. August in körperlicher Rüstigkeit ihren 70. Geburtstag und wurde von vielen Seiten geehrt. Bad Schwalbach. (Jubiläum.) Lehrer L. Spier beging dieser Tage unter allgemeiner Teilnahme der Gemeinde reinen 60. Ge bnrrstag.' Von den 40 Jahren seine? erzieherischen Scb.Viciis cm sal.^n mehr als 28 auf die hiesige Gemeinde, die ihrem f/ck'ätzion Beamtin mgrrcher.ci Beweise der Liebe und Verehrung gab. i*j Aus der Bewegung Berlin. (Liberaler Verein für die Angele heilen der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B litten diejenigen Mitglieder, die infolge der Reisezeit bisher Beitrag für das laufende Quartal noch nicht bezahlt haben, möglichst umgehend aus unser Postscheck-Konto Berlin 14 8 überweisen. ge n- .) Wir ihren diesen 05 zu # | Sprechsaal ' * :: Sti diese Rubrik übernimmt die Echristlettung lediglich die pretz» aelekliche Berantwortuaa. Mörby Stocksund, 27. 7. 29. -Herrn Redakteur Bruno Woyoa. Sehr geehrter .Herr! In der Beilage der Jüdisch liberalen Zeitung vom 10. Juli fiel mir beim Lesen des Aufsatzes: Jüdische Aerzte früherer Zeiten von Joseph Kauffmann Wcißensec folgender Passus auf: Mordochai Gumpel Lcvisohn war .Professor der Medizin an der Universität in Uppsala, er starb 17 17. Dies ist ein Irrtum, da erst 1 7 7 5 die erste jüdische Riede» lassung in Stockholm erlaubt wurde. Von einer Professur in Uppsala konnte unmöglich auch zu dieser Zeit die Rede sein. Ich schlug nun in Hugo Valentins: Judarnas historia i Sverige (die Geschichte der Juden in Schweden) nach und fand folgendes: „Im Jahre 1 7 8 0 hielt sich auch ein bekannter jüdischer Arzt ^aus London kkr Stockholm auf. Sein Name lvar George (Gumperts) Lcvisohn. Im Verein mit dem Alchemisten August Nordenskjüld versuchte er, unterstützt von Gustav III., Gold zu machen. Als er Schweben verließ, ernannte Gustav III. .ihn den 13. Mai 1780 zum Titulärprosessor." Uebcrsctzung aus dem schwedischen Text.) Hochachtungsvoll ' T. K l e i n. Berichtigung Bei der in unserer Nr. 30 veröffentlichlen Fortsetzung des Artikels „Ist der moderne jüdisch-liberale Gottesdienst einer Verbesserung bedürftig und fähig?" fehlte der Name des Verfassers. Ter Anssatz ist von Herrn Sanitätsrat Tr. Ignaz Steinhardt, Nürnberg. Aus der Jli-Vewegung Verantwort!.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmann, Frankfurt a. Main Warum nicht neutral? Von Erich Vulkan, Jli-Breslau. Immer wieder begegnet den Mitgliedern der jüdischliberalen Jugendvereine die Frage: Warum legt Ihr Euch denn als junge Menschen schon so zeitig in einer bestimmten Richtung fest? Und weiter hört man: Geht doch in jüdischneutrale Bünde oder schafft einen neutralen Boden, denn dort könnt Ihr Euch ja genügend über alle jüdischen Tinge orientieren. Es ist nicht leicht, demgegenüber der anderen Seite die Gründe für unser Verhalten klar zu machen. Selten werden wir dabei aus Verständnis stoßen. Geruhsame Gemüter können uns eben nicht verstehen. Und doch muß hier einiges gesagt werden, das für unsere Haltung entscheidend ist. Nur zur Klärung, nicht um irgendjemanden anzugreifen. Man fordert die Neutralität von der Jugend mit der Begründung, Jugend habe später noch lange genug Zeit, sich in der einen oder anderen Richtung festzulegen. Auch Erfahrung und Kenntnis seien noch nicht ausreichend vorhanden. Wir können dem nur entgegenhalten: Wenn nicht jetzt, wann d a n n? Sollen wir e r st eine Entscheidung suchen oder abwarten, wenn wir vom Lebenskampf zermürbt und abgelenkt sind, oder sollen wir schon vorher und rechtzeitig einen Halt finden, der uns die Nöte des Lebens überwinden hilft? W i r bejahen letzteres. Einen Halt für das Leben wollen wir finden, etwas, das mit uns geht, so gut wie wir mit ihm. Etwas, für das wir eintreten können und das wir wirken lassen wollen gegenüber allen Widrigkeiten des Lebens. Dazu ist Klarheit über die eigene Ansicht erforderlich. Im Wesen echter Jugend liegt es, diese Klarheit zu suchen. Wir brauchen nur auf die vergangene Geschichtsepoche zurückzugreifen, um zu sehen, wohin es führt, wenn jugendliches Suchen künstlich unterbunden wird. Insbesondere, wenn Menschen nicht frühzeitig klar und entschieden zu eigener Stellungnahme angehalten werden. Hier, auf politischem Gebiet, trugen Unentschiedenheit und der mangelnde Mut, den Dingen klar ins Auge zu blicken und sie zu meistern, wesentlich zu den verhängnisvollen Katastrophen der vergangenen Jahre bei. Das Uebel lag also in der falschen Jugenderziehung der Vorkriegsgenerationen, die, durch anderes verwirrt, im Älter den Weg nicht mehr fanden. So auch auf anderem Gebiet. Die Jugend will Fuß fassen, will gerade infolge ihrer noch mangelhaften Erkenntnis möglichst bald einen eigenen Standpunkt suchen und erste Erfolge im Sinne der ihr vorschwebenden Idee sehen. Darin liegt überhaupt jeglicher Entwicklungsgedanke begründet. Jugend kann sich nicht damit begnügen, etwas als eigen zu besitzen, sie will auch den anderen dafür begeistern, selbst wenn sie vor den Augen der Wissenden nur erwas Altes für sich neu entdeckt hat. Dem steht die Neutralität entgegen. Sie muß jede tiesergehende Reibung vermeiden. Wird Neutralität nämlich in der Praxis wirklich geübt, so heißt das nichts anderes als ein Unterbinden der Jdeenwerbung im engeren Kreise. Neutralität verbietet es, den anderen bewußt im eigenen Sinne zu beeinflussen. Geschieht dies dennoch, so wird der Begriff der Neutralität mißbräuchlich angewandt. Darum behandelt man in neutralen Bünden, auch wenn bisweilen darstellende Vorträge über den Inhalt der verschiedensten Richtungen u. ä. gehalten werden, im wesentlichen doch nur Themen, die allgemein jüdische Fragen und Dinge zum Gegenstand haben. Man vergißt, daß dies selbstverständlich auch in den richtungsmäßig gebundenen (liberalen, orthodoxen, zionistischen) Vereinen geschieht. Nur mit dem Unterschied, daß man sich in diesen mit einer derartigen Beschäftigung noch nicht zufrieden gibt, sondern dadurch nur eine Befruchtung der eigenen in bestimmter Richtung verlaufenden Arbeit schasst. Es soll hier nichts gegen die Neutralität überhaupt gesagt werden. Nur Neutralität in der Jugend lehnen w i r für unser Teil ab. Neutralität im Atter erkennen wir an. Sie kommt z. B. in den Logen zum Ausdruck. Im Alter besitzt der Mensch im allgemeinen nicht mehr die Stoßkraft der Jugend. Er hat meistens seine Aufgabe bereits erfüllt oder zu erfüllen gesucht, während die Jugend noch mitten in der Verwirklichung ihrer Gedanken steht. Im Alter wird eine Neutralität, die auf in der Jugend errungener Klarheit des einzelnen beruht, auch etwas ganz anderes sein als alle (leider heute noch so häufige) verschwommene Gefühlsneutralität. Man könnte einwenden, der Versuch der Jugend zu entschiedener Stellungnahme erziehe zur Einseitigkeit. Dem ist entgegenzustellen, daß ja jederzeit die Möglichkeit besteht, aus der einen in die andere Richtung hinüberzuwechseln. Daß solches auch tatsächlich in der Praxis geschieht, bel weisen unzählige Beispiele. Nur i n n e r h a l b einer gesinnungsmäßig gebundenen Bewegung kann man sich ein klares Bild von ihrer Arbeit machen und umso besser die Arbeit der anderen erkennen. Und glaubt man die Gedanken einer Bewegung, der man sich angeschlossen hat, für richtig befunden zu haben, dann kann und soll man auch für sie eintreten. Es spielt hierbei gar keine Rolle mehr, wie man zu ihr gelangte. Vor allen Dingen aber ist gerade die liberale Jugend am wenigsten der Gefahr einer übertriebenen Einseitigkeit ausgesetzt. Läßt doch gerade der recht verstandene religiös-liberale Gedanke dem einzelnen einen s o großen Spielraum nach rechts und links, wie er in keiner anderen jüdischen Richtung anzutreffen ist. Und wiederum ist durch unsere Idee — und nur durch diese — stets der verbindende Gedanke für unser Wirken geschaffen. Darüber hat ja Heinz Kellermann hier letztens so treffend geschrieben. Gesetzt, der Vorwurf der Einseitigkeit träfe zu, so wäre dies noch ein kleineres Uebel als die dem Wesen der Jugend nicht entsprechende Neutralität. Im Gegensatz zu denen, die da behaupten, Jugend habe später noch lange genug Zeit, sich in der einen oder anderen Richtung f e st - zulegen, sollte man lieber sagen: Wenn nicht jetzt, wann dann? Wir haben später (auch dann nur leider) noch lange genug Zeit, neutral zu sein. :: ★ :: Das Ili-Programm :: ★ :: Breslau. Houptgruppe: Mittwoch, den 14. August, findet keine Veranstaltung statt. Mittwoch, den 21. August, 20.15 Uhr: Gemütljchrs Beisammensein im Kurgarten. — Aktuelle Tagessragen. — Jüngeren- Gruppe: Donnerstag, den 15. August, Berfassungsseier. Ort und Zeit wird noch bekanntgegeben. Gemeinsame Veranstaltung beider Gruppen: Sonntag, den 25. August. Treffahrt des Breslauer und des Liegnitzer Jlis nach Malisch. Wanderung Malisch—Leudus (evtl. Dampferfahrt^. Treffpunkt um 7 Uhr am Haupteingang des Hauptbahnhofs. Abfahrt 7.32 Uhr. Meldungen bis spätestens zum 23. August. f * j Aus der Ili-Arbeit \ * f Breslau. (Jüdisch liberaler Jugendverein „Abraham Geiger".) Auch unsere Veranstaltungen in der zweiten Julihälste wiesen einen überaus erfreulichen Besuch aus. Allerdings waren wir infolge der großen Hitze gezwungen, am 17. Juli den augesetzten Justruktionsabend in ein gemütliches Beisammensein umznwandeln, das nichtsdestoweniger äußerst angenehm verlief.. Ebenso unser gemütliches Beisammensein im Kurgarten am 24. Juli. Am 31. Juli fand wieder unser Jnstruktionsabcnd „Grundlagen und Ziele des religiösliberalen Judentums" statt. Es mag bisher vielleicht der anregendste derartige Abend gewesen sein. Zunächst wurde referatartig an Hand der Nordenschen Broschüre das Kapitel „Tie Betätigung des jüdisch religiösen Liberalismus" behandelt. Nach einer Wiederholung des Abschnittes „Hans und Familie" kam man zur Betätigung des Liberalismus i:n Gottesdienst und Gemcindeleben sowie im Religionsunterricht. Tie Aussprache bewies, welch reges Interesse für diese Fragen bei unseren Mitgliedern besteht. Um nur einiges nennen: Mit dem vollsten Ernst und Verantwortungsgefühl beschästigte man sich u. ä. besonders eingehend mit allen den Sabbat betressenden Fragen, der Möglichkeit seiner Jnnehaltung und neuen Wegen. Auch die Gottesdienstausgestaltung nahm einen breiten Raum in der Aussprache ein. Ganz allgemein vertrat man den Standpunkt, daß auch die Stellung des Mädchens und der Frau in Gottesdienst und Gemeinde eine andere lverdcn müsse. Es würde zu weit führen, hier über die Ansichten und Aeußcrnngen der einzelnen zu Pen verschiedenen Fragen zu berichten. Eins sei jedoch betont. Gerade dieser mitten in die praktischen Dinge des Judentums führende Abend hat deutlich gezeigt, wie wertvoll und klärend solche Kurse für unsere Mitglieder sind. Es hat sich aber auch gezeigt, daß man von liberaler Seite noch viel zu wenig auf die Forderungen und Anregungen der liberalen. Jugend.Rücksicht nimmt und sich nicht intensiv genug müht, mit ihr in dauernder Fühlung zu bleiben. So lange das geschieht, ivird alle Arbeit stets nur halbe Arbeit bleiben.. ' Erich Vulkan. Kalendarium f. die Zeit v. 31. 7. d. 7. 8. 29 Juri 1929 Tamnms 5689 Mittwoch 7 1 Rosch Chodesch August 1929 8 Donnerstag 2 Freitag 9 3 Sabbat Chason Sonnabend 10 4 Wochcnabschnilt: D'worim Haftarah: Jcsaia 1, 1—27 Sabbat-Ausgang: 8.32 Uhr Sonntag (1 5 Montag 12 6 Dienstag 13 7 Mittwoch 14 8

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