Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 30 (24.7.1929)
- Date
- 1929-07-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2613366-2614000-2614030--3229-2620793- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
r-n^er fl e n ü c a 2 2 t I t 1 I i 3. März 1674, berichten die Ratsprotokolle, daß Hayum Jacob, Medicinae Toktor, um ein Empfehlungsschreiben an die turfürslttchc Kanzlei nachsuchte, „daß er angelobet, sich in hiesiger Stadt zu sehen, ein Haus zu bauen und der gnädigst erteilten Konzession gemäß zu leben". Tie Niederlassung wurde gestattet. Ter Judendoktor Hayum, wie er mehrfach in den Ratsniederschriften genannt wird, wurde eine der markantesten Persönlichkeiten der neu erstehenden Stadt, deicht allein als Arzt schuf er sich großes Ansehen — er behandelte den Kurfürsten Karl Ludwig, denselben, der Spinoza für die .Heidelberger Universität zu gewinnen suchte, »nährend seiner letzten Lebenstage — sondern auch als Bauunternehmer bemübte er sich erfolgreich um das Wohnungswesen der jungen Stadt. Als nach der Verwüstung Mannheims durch Melacs Horfccu die geflüchteten Bewohner wieder zurü.leehrtcn und die die Stadl zum dritten Male aufzubauen begannen, erteilte Kuesü.ft Johann Wilhelm der Judenge.neinde eine Konzession, iii deren Auiket 15 er den hiesigen Juden gestatte.e „wie nicht weniger die Medizin zu practiziren, wann einer dazu nnostsiziert und von unserer meeieini^hc Faeultät zn Heide.- bcrg behörent examinert". So gab es wühreuo ses ganzen Jh. Jahrhunderls in Mannheim stets einen oder zwei jüdische Aeezte, von denen die Söhne und Enkel des Tr. .Hayum Jacob besonders zu erwähnen sind.J Tie hiesigen Ratv-Pre-toeolle enthalien noch eine merk würdige, hierher gehörende Begebenheit, die hier erstinais zur Veröffentlichung kommt: Am 14. September 1747 erschien vor Rat der hiesige Schutzs»de Jakob E.lscld und brachte klagend vor, er habe gehört, daß sich in Frankfurt eiu beriibniler holländischer Judeudokwc aushalte, dem er seine schon lange kraut und iDntrakt niederliegcnde Frau schielte, um sie Inneren zu lassen. Anfangs forderte der Arzt 4l)J fl., gab sich aber schließlich mit 10.) ft. zufrieden, wovon er sofort 20 fl. als Einzahlung erhielt. Ter Arzt kam mit der Kraulen Hierher und begann mit der Behandlung. In ihrem Be.ind.'n sei aber bis sei t keine Beschrung eingetretcu. Te.ha.b verlangt Kläger Zurückgabe der augezahlten 20 fl. und hierzu uvchmal.' r.0 sl. für verabreichte Kost (ohne den Wein) und Wohnung, außerde:n Orcnugtuung für die ihm zugefügte Kränkung, da der Berlagte ans,st reute, die K ranke habe die Franzosen (Lyphi.i s) gehabt. Ter Judendoktor Joses Cohen G onn an litt rpclch behauptete, mit Etlfeld ein Honorar von 200 fl. vereinbart zu haben, wovon ec 2 Karolinen ( — 20 il.) erhalten hätte. Falls ihm Kläger die reichen 180 fl. zahl, will er das Kostgeld entrichten, wiewohl er h'erzu glicht verpflichtet sei. Tie Behauptung, daß er Klägers Frau von der: Franzosen turiert habe, kann er nicht zurüTnehmen. Auf lülselds Antrag wird die Kranke von zwei Barbi.ren untersucht, üvovon der eine, der die Frau schon lange kennt, bekundet, sie'habe die französische Krankheit nicht gehabt Ter Rat verurteilte daraushin den Beklagten, vorerst 40 fl. zu deponieren oder feinen Koffer als Pfand auss Rathaus zu bringen. Tie Streitsache beschäftigte noch mehrmals den Stadtral inio in ihrem Verlause crh'elten die beiden hies gn Hospitalchirurgen Auftrag, die Kranke zu untersuchen und ein Gutachten zu erstatten. Wie dies ausfiel, wird in den Niederschriften nicht berichtet. Aber unterm 18. Oktober 1734 entschied der Rat, daß dem Tr. Joses Cohen seine deponierten 40 ft. zurüäzugeben seien. Tiefe Wendung hatte der Kläger Ellfeld wohl dadurch verursacht, daß er, wie ans einem mit ihm angesteiltcer Verhör vom 16. Oktober 1738 hervorgeht, in Begleitung des Arztes - er wird hier, wohl irrtümlicherweife, stdrs Jose) Levi genannt — zweimal nach Schwetzingen zu dem erkrankten Obrist-Stallmrister von Siclingen fuhr und ihm den türkischen Judendvktor aufs wärmste empfahl. Er erzählte dem' Grafen von den wunderbaren Heilerfolgen des Arztes in Frankfurt und auch, daß sich das Befinden seiner Frau gebessert habe. Als man ihn ans den Widerspruch der lotteren Aussage mit der von ihm erhobenen Klage hinwies, glaubte Ellfeld den Gegensatz damit aus der Welt schaffen zu können, daß er augab, damals, als er dies dem Ara en von Siaiugeu erzählte, habe eö den Anschein gehabt, als sei tatsächlich eine Besserung im Befinden der Frau cingeire'en, was sich aber hernach'als Irrtum erwies. So war der Kläger durch seine Uebergeschästigkeit, durch die er wohl von den^Forderungen des Arztes loszukommcn glaubte, ins Garn geraten. Dr. Joses Cohen hielt sich noch lange Zeit hier au,. Ob sein am 22. Oktober 1738 direkt an den Kurfürsten gevichtctes Gesuch, daß ihm Ellfeld die vereinbarten 200 fl. auszahlc, Erfolg halte, ist ans den Protokollen nicht ersichtlich. Ebensowenig kann aus den wenigen Notizen festgestellt' werden, ob Tr. Joses Cohen als ernstzunehmeader Arzt oder als Kurpfuscher zu bewerten ist. Vielleicht regen meine Ausführungen an, über die Persönlichkeit dieses Mannes weitere Momente ans Tageslicht zu fördern. ■>) Näheres Ist 'rüber bietet der Aufsatz von Dr. S. Jeiserlhat „Jüdisch? Aerzee in Alt Mannheim". Mannheimer Geschichlsblätter XXX, Nr. 2. 0 Sollte dieser Arzt, der in den hiesigen Rats Niederschriften mehrfach als „der türkisch? Judendoktor" bezeichnet tvird, ein Sohn des von Kaufsmann erwähnten Dr. Tobia Kohen Rose in Kon stantinopet gewesen sein? ..... f * \ Aus den Gemeinden r * \ 4 *?! Berlin. (Ober tan tot Felix A s ch gestorbenst In der Nacht zum Sonntag ist der an der Synagoge in der Lützowstraße amtierende Oberkantor Feste Asch im Alter von 4t! Jahren gestorben. Odcrkantor Asch genoß in seiner Gemeinde sowie unter seinen Kollegen großes Ansehen. Besondere Verdienste erwarb er sich durch die von ihm in Gemeinschaft mit dem Oberkantor Magnus Davidsohn veranstalteten jährlichen Fortbildungskurse für Kantoren. Berlin. (B i a l i k z n r B e h a n d l u n g i n B e r I i n.) Der vor einigen Tagen aus Tel Aviv in Berlin zur Konsultierung von Acrzten cingelrossene berühmte hebräisch? Dichter Chaim Nachman Äialik hat sich in die Behandlung des Professors Eafper begeben, der, wie ivir erfahren, an dem Patienten einen Eingriff zur Entfernung von Nierensteinen unternommen hat. Dieser erste und ernsteste Ein griff ist gut gelungen. Das Befinden Bialiks ist zufriedenstellend. In den nächsten zehn Tagen tvird ein? schon »weit tvcniger ernste Nachbehandlung erforderlich sein. Professor Casper hofft, das; die Heilung des Dichters eine vollkommene sein wird. Berlin. (Konzert im I ü d i s ch e n K ranke n h a u s.) Am Dienstag, den 10. Juli, fand znm ersten Mal im Indisch?» Krankenhaus in der Exerzierstraße ein Konzert für die Kraulen halt. Ein junger jüdischer Kape lmeister, Dieter Schnapp, hatte sich mit seiner Jazz-Band zur Verfügung gestellt, um den leid) er Kranken einige Stunden der Abwechslung und Erheiterung zn bereiten. Die Firma Hübner hatte dieses Bemühen in dankenswerter Weise durch Zurverfügungstellen von Blumenspendcn für die Krankensäle 3. Klasse unterstützt. Glühende Sonne lag aus dem Gartenhof, auf dem zahlreiche Kranke von ihrem Leiden Genesung suchten. Als die Kapelle das Jsted „Sonnv-Boy" zum Bortrag ' brachte, wurden bald an den Fenstern des Hanfes die schattcnspendenden Jalousien hochgezogen. Tie Mienen zahlreicher Kran len zeigten, das; Tempo und Rhythmus der Jazz Musik ihnen neuen Lebensmut cinflößten und sie für einige Stunden ihren Schmerz vergessen ließen. Dem jugendlichen Kapellmeister, dessen Beweglichkeit der Musik angepaßt war'und der durch Knnstpseifen das Programm bereicherte, wurde ebenso tvie seiner Kapelle herzlich gedankt. Danzig. (Anzeige gemäß § 2 4 0 H G B.) Wie aus Danzig gemeldet tvird, soll der Generatversanimlung der Jetvish Public Bank A. G. Danzig Anzeige gemäß 8 210 HGB. gemacht werden, stur Beseitigung der Unterbilanz soll das 2)0 000 0) betragende vi! ft', herabgesetzt werden, woraus eine Erhöhung des zusammeligewgten Kapitals erfolg!. Ter 0). B. tvird ferner die Einziehung von 20 000 G Vorzugs Aktien vvrgefchlagen. Für 1027 hatte die Jetvish Pubstc Bank A. G. eine Divide:ide von 7 (i. B. 6) Prozent ausge schüttet. Darmstadl. (D i a m a n t e n e H o ch z eit.) Herr Ludwig Trier, das ü.teste Milglied der Darmstädler jüdischen Gemeinde, begeht am 2-). Juli mit seiner (Gemahlin in bewundernswerter körperlicher und geistiger Frische die diamantene Hochzeit. Biele Jahre hat der Jubilar das Amt des Gemeindevorstehers bekleidet uns auch i» mehreren Logen dein Präsidium angehört. Fronksurl fl. M. (I ubi! ä II m.) Lehrer und Kantor S. Esch tvege beging die,er Tage sein 30 jähriges Dienstjubiläum. Bis zum Kriegsausgang tvirkte Herr Efchweae in gleichen Fnnktiviien in Saarlvuis. Der Verein israelitischer Lehrer und Lehrerinnen zählt den Jubilar zu seinen eifrigsten Mitgliedern und hat ihm das Amt des Kassierers und SchstftsührerS übertragen. Seine Lehrtätigkeit erstreck: sich ans die Gemeinde in Bocken heim und aus den Restgionsumcrrichl an Esthersheimer nur, Bockenheimer Schulen. Frankfurt fl. M. (T r a u e r f e i e r für B c r t h o l d F r ende nt hak.) An der Trauerfeicr für den verstorbenen hervorragen den Frankfurter Rechlstehrer Geheim rat Professor Dr. Berthold Freudenthal nahmen am Mittwoch nach.nittag sämt.iche Professoren der Universität, zahlreiche führende Persönlich.eiten des öffentlichen Lebens, Vertreter der Reichs und Staatsbehörden und ein großer Kreis der Freunde, Mitarbeiter und Verehrer des Verstorbenen teil. Die Fahnenabvrdniingen sämtlicher studentischer Korporationen hatten in der Trauerhalle des Haupstriedhofes Aufstellung genommen. Als erster sprach Rabbiner Dr. Kahlberg (Halle), ein naher Verwandter des Verewigten. Anknüpfend an das Wort, das Bertyold Frendentha! einst seinein Baler gewidmet hatte: „Der Weg des Lebens führt den Verständigen auswärts", gab Dr. Kah'.lierg ei» Bild voll der Person.ich.'eit dieses Mannes. Wahrheit, Recht und Friede toaren für ihn die Leilsterne seines Lebens und seines Wirkens. Für die Universität Frankfurt, den Senat und das Knrciwrüim sprach der Rektor Geheimrat Prof. Dr. Heiinberger. Berthold Frendenthal tvar tvie kein anderer mit der Universität verbunden, der er immer die Treue gehalten hat. Er tvar »er Mitbegründer der Universität, er leitete ihren Ausbau und wurde dann auch ein Mitarbeiter an ihrer Geschichte. Tie besonderen Verdienste Freudenthals um die Förderung des deutschen Rechtes ivürbigte der Dekan der rechtsivissenschaftlichen Fakultät Pros. Dr. Klausing. Als Oielehrter und Lehrer, als Mensch und Bürger diente der Verstorbene seinem Volk. Die seltene Berbindung der Lehrfächer fiir Staats- und Strafrecht gaben ihm in besonderem Maße die Möglichkeit schon an der Frankfurter Aladcmie, an die er als 2!) jähriger berufen wurde, und erst recht an der Universität, nicht nnr dem Ausbau der materiellen Verhältnisse, sondern auch der Freiheit und der Ehre seiner Mitmenschen zn dienen. Ein Beileidstelegramm des Reichsjustizministcriums hebt nachdrücklich den Verlust hervor, den das gesamte deutsche Rechtslcben erlitte» hat. Das Beileid des preußischen Jnstizministeriums, sämtlicher Frankfurter Gerichtsbehörden und der Juristischen Gesellschaft brachte ObcrlandcsgerichlSpräsident Dr. Dronke zum Ausdruck. Stadtrat De. Michel würdigte die Verdienste Berthold Frcndenthals, als des Mitarbeiters des Oberbürgermeisters Adickes um die Gründung der Universität. Seine wissenfchaftiichen Arbeiten waren bahnbrechend und wegweisend auch für die kommunale Tätigkeit. Das Geistesleben Frankfurts während der letzten 30 Jahre ist ohne Berthold Freudenthals Wirken nicht denkbar. Die Stadt Frankfurt dankt den: Gelehrten und Bürger. Nach den Worten der Trauer und des Dankes, die Professor Kölle für die Georg Speyer Stiftungen sprach, nahm Neichsjnstizminister a. D. Professor Dr. Radbruch für die .Heidelberger juristische Fakultät und die Internationale Kriminalistische Vereinigung das Wort. „Güte durch Leib" tvar der Charaklcrzug seines We'cns. Auch die juristische Arbeitsgemeinschaft an der Universität dankte durch die Worte eines Studenten dem verehrten akademischen Lehrer für seine der Wissen'chast und Lehre gewidmete Lebensarbeit. Die Abschiedsgrüße aus der sch esifchen Heimat übcrbrachtc für die Freunde des Verstorbenen Dr. Freund Breslau. Hameln. (§ y n a g v g e II - I tl b i l ä u IN.) Die hiesige Gemeinde feierte kürzlich unter lebhafter Teilnahme aller Bürgerkreise das 00 jährige Jubiläum des Bestehens ihrer Synagoge. Bei dem Fcstgottcsdienst, der von ausgezeichneten Liturgie-Vorträgen des Obcrkantors Aller, Hannover, und Gesangsgaben von Frau Bnrhdahl, Mainz, umrahmt tvar, hielt Landrabbiner Dr. Freund, .Hannover, eine dem Charakter des Tages trefflich angepaßte Ansprache. Vorsteher Michaelis begrüßte die Gemcindemitglicder und Gäste und gedachte der verstorbenen Führer der Gemeinde, insbesondere des vor welligen Jahren verstorbenen Lehrers Bachrach. Auch der seit kurzem als Lehrer tätige Herr Scheuer ivürdigie in einer Predigt die Bedeutung der Jubitällinsfeier. Ter Jsrac ilifche Francnverein hatte als Jnbilänmsgabe eine Thoradecke überreichen lassen. Die Feier lvurdc mit Geincindegesang besch.offen. Königsberg. (I n st i z r a t S t r i e m c r g e st o r b c n.) Hier verstarb plötz.ich im 68. Lebensjahre der Justizrat Albert Striemer, der zn den angesehendsten Persönlichkeiten unserer Gemeinde sowie der vstpreußischen Jnristen'chast gehörte. Mit ihm ist ein Mann von großem juristischen Scharfsinn und hoher Kultur dahingegangen. Sein liebenswürdiges Wesen, insbesondere sein starker Hnmor verschafften ihm Zuneigung und Verehrung in weitesten Kreisen. Sein Hans tvar unter seiner n»b seiner vor einem halben Jahre durch einen Unglücksfall ans dem Leben geschiedenen Gattin Betty Striemer ein Mittelpunkt geistigen und mnsilalischen Lebens. Alocrt Striemer war nicht nur ein hervorragender Kenner und Verehrer der deutschen und ausländischen dramatischen K assiier, sondern auch ein begabter Musiker, der ausgezeichnet die Geige zu haudhabeu tvußtc. Bernslich galt er als besonders befähigter Anivalt, der in früheren Jahren Hunderte von Studenten zum Referendar. Examen vorbereitet hatte. Biele von seinen ehemaligen Schülern nehmen heute im Justizöder Verivaliungsleben hervorragende Stellungen ein. Auch literarisch ist Albert Striemer hervorgeLreien. So gab er eine „Anteilung zum Referendar Examen" heraus, die starke Beach nng in juristischen Kreisen fand. Ader auch als juristischer tvie als Unlerhaitungs Mitarbeiter von Tageszeitungen betätigte er sich. Ein Vierteljahr vor seinem Tode nahm er noch Vorlesuugen über Vermögensrecht an der Handelshochschule aus. Am jüdischen Leben belcistgtc er sich durch Hallen von Vorträgen innerhalb der Kantlogc (U.O.B.Bst. Striemer entstammte einer angesehenen Gtoganer Kaufmannsfamilie und kam vor vierzig Jahren als Referendar nach Königsberg. Hier heiratete er eine Toch er des verstorbenen langjährigen Vorsitzenden der Synagogen-Gemeinde, Universilätsprosessor Dr. med. Samuel. Weit über den Kreis der Gemeinde hinaus wird das Ableben dieses hochverehrten Menschen beklagt. Die Einäscherung hat in aller Stille im hiesigen Krematorium stattgesunden. Königsberg. (Vom Ban des Jüdischen Altersheims.) Der Verein Indisches Altersheim E. V. hat den Bau des Altersheims nunmehr in Angriff nehmen lassen, mit dessen architcklonischer Leitung der Architekt Frick und mit dessen bautcchnischer Ausführung die Baufirma Hermann Prochnow beauftragt wurden, die beide in Königsberg eine Reihe von Monilmentalbanten in letzter Zeit geschaffen haben. Das Heim liegt in der hübschesten Gegend 'Königsbergs, dem Villenvorort Amalienau, wo es unmittelbar an den schön gelegenen Zivillingsteichen in der Regentenstraße errichtet wird. Trotz der Lage an der Peripherie der Stadt'wird cs mit der Straßen ö bahn bequem zu erreichen sein. Das Heim soll 30 Insassen aus-- nehmen. Es tvird mit neuzeitlicher Behaglichkeit und künstterischer Raumgestaltung eingerichtet, wobei größtmögliche Raumausnutzung vorgenommcn wird,^ so tverden die Spinde eingebaut werden. Jedes Zimtner tvird fließendes Wasser erhallen. Das Erdgeschoß tvird die Wirtschaftsräumc ^md die Hansmeisternwyiiung vorsehen. Das Parterregeschoß tvird Speisesaal, Betsaal, Gese.l'chastszimmer, Bibliothek-szimmer und Rauchzimmer enthalten, außerdem tvird hier die Tieilstivvhillliig für die Oberin sein. Tie isimmer der einzelnen Insassen tverden in der ersten Etage, zum Teil auch im Parterre liegen.^ Sämtliche Etagen werden offene Veranden enthalten. Die Feiligyeitnna des Rohbaues soll noch in diesem Herbst erfolgen. ^;m Winter sollen dann die Jnnenarbeiten vollendet tverden, so daß der Van im Frühjahr seinen Bestimmungen übergeben werden kann. Es ist vorgesehen, im Heim auch junge Mädchen in der Wirtschaft anszubilden. Die Leitung liegt in Händen des Großkaufmanncs Elias Hirsch, der sich mit der Schaffung des Heimes große Verdienste erworben hat. Leipzig. (G e m e i n d e s i tz u n g.) In der am 1ö. Juli statt gefunbene» Gem-eindcsitziuig tvurdc als erster Punkt der Tagesordnung die Aendecnng der Wahlordnung behandelt. Bezüglich der Wahl von Reichsangehörigen und Nichtreichsangehörigen wurde es bei dem bisherigen Verfahren belassen. Ein Antrag, die reichsangehörigen unb »ich.reichsangehörigen Wähler in getrennten Wahlräumen ab stimmen zn lassen, wurde einstimmig abgeiehnt. Der Wahltag ivird in Zukunft nicht mehr durch den Wahlausschuß, sondern vom Ge meindevorstand festgesetzt. Neu ist die Einführung eines eiiu,eit lichen amtlichen Stimmzettels nach dem Muster bei den staatlichen Wah.eii, auf dem sämtliche Wahlvorschlüge, in der Reihenfolge numeriert und mit der Ueoerschrist der betreffenden Partei versehen, verzeichnet sind. Nach Beschlußfassung über einige Aendernngen in der Arl des Wahlprüsiingsversahrens wurde der Wahlausschuß gewählt, der aus sieben Mitgliedern besteht und in dem der (öemeilide Vorsteher den Borsitz führt. — Die in der vorigen Gcmcindesitzung vom Vorstand zurückgezogene Vorlage, den Erwerb von cstelände zur Erweiterung des neuen Friedhofes betreffend, tvurdc der Gemeindesitzung erneut zur Beschlußfassung borgetegi. Der Vorstand hatte in der Zwischenzeit mit dem Rat der Stadl Leipzig, dem Vertäuscr des Geländes, erneute Verhandlungen gepflogen mit dem Ziel, ein Vorkanssrechl aus das Gelände eingeräumt zu erhalten. Tiefes Ansuchen hat der Rat zwar abgeiehnt, hat aber der Gemeinde günstigere Zahlungsbedingungen zngestanbeii. In der Anssprache hierüber vertrat die Mehrheit der Vcrordneten den Standpunkt, daß man bei der augenblick.ichen iliigünstigen Lage der Geineindr-siiianzen nicht Verpflichtungen eingehen dürfe, die auf Jahre hinaus eine weitere Belastung de-s Gemeindebudgers darstelllcn; auch brauche man nicht jetzt schon für 7!) -80 Jahre vvrznsorgen. Ta die Stimmung der Mehrzahl der Verordn-eten einem Ankauf abgeneigt tvar, zog der Vorstand die Vorlage zurück. — Ferner wurde der Gemeindesitzung der neue Lehrerbesoidnngsptan, von dem schon während der Haushaltplanberatung die Rede tvar, zur Beschlußfassung vorgelegt. Eine kleine Denkschrift hierüber tvar den Olemeindeverordneten vorher zngegangen. Ein Vertreter der jüdischen Votkspartei beantragte, den genannten Plan von der Tagesordnung abznsetzen und ihn zusammen, mit einer allgemeinen Besoldungsordnung für sämtliche Beamte und Angestellte vorzulegen. Diese solle dieselben Tatze enthalten, wie sie den staatlichen Beamten gewährt würden, und für alle Beainte der Gemeinde Gültigkeit haben, damit in Zukunft jede Diskussion über Beamt-engehälter hinsäklig werde. Der Vorsitzende er'.viderte dem Vorredner, das; die früher als Grundlage, für die Bcamtengebälter in Kraft gewesene tlteichsbesoldungsorbnuiig auf Veranlassung der Gemcindesitzung wieder abgeschafft worden sei, da die Frage der Einstilfnng einzelner Beamter zu Debatten Anlaß gegeben habe. Ta außerdem mit den meisten Beamten Verträge abgeschlossen seien, die der Schaffung einer allgemeinen Bcamtcnbcsoldungsordnung entgegenstehen, so empfehle er, den vorliegenden Lehrerbesoldungsplan schon im Hinblick daraus, das; in kürzester Frist Ncucinsteltungen von Lehrern vorgenommen werden müßten, anzunehmen. Der Vertreter der jüdischen Votkspartei erwiderte hierauf, das; die Gemcindesitzung absolut nicht nur dazu da sei, bedingungslos alte Vorlagen des Vorstandes .anzunehmen, zumal nicht das so wünschenswerte Vertrauensverhältnis ztvifchen Vorstand und Verordnet-en vorhanden sei. Ter Znstand, das; sich Beamte wegen jeder Erhöhung ihrer Besoldung durch Eingaben an die Gemeinde wenden müßten, sei unhaltbar. Jeder Beamte müsse die ihm gebührende Besoldung erhalten und tvissen, wann er in die nächste Stufe ausrücke. Bei den Lehrergehältern dürfe aus keinen Fall gespart tverden. Ein Vertreter der Liberalen hält die Anssührniigen des Vorredners für bcgrüßenstvert, ist aber der Meinung, daß man dcss-eilungcachlet den Lehrerbesoldungsplan annehmen solle. Er tvar sogar geneigt, für die Erhöhung der BcsoldnngSsätze einzutrelen, um die tüchtigsten Lehrer sür die Gemeinde zu verpflichten. Der Antrag des Vertreters der jüdischen Polkspartcj, den LehrerbesoldnngSplan nicht anzunehmen, wirb abgelehnt. Ein Zusatzantrag, Kinderznlagen in gleicher .Höhe tvie den staatlichen Beamten zn gewähren, tvird ebenfalls abgelehnt, kilngcnoinmen wird ein Antrag, der Gemeindesitznng zu Beginn des Winters eine Besoldnngsordnnng sür alle übrigen Beamten vorzulegen, aus dem die Aufrückungsmöglichkeiten zu ersehen sind. — Nachdem noch die Neuwahl sür ein aus dem Unterrichts- und Erziehungsausschust ausgeschiedencs Mitglied vorgcnominen tvurde, beivilligte man sür die Bibliothek der Universität Jerusalem, die in einem Aufruf um einen Betrag von RM. 1000,— gebeten hatte, nach kurzer Aussprache einstimmig einen einmaligen Beitrag von RM. 200,—. Ein Antrag des Vertreters der Poaie-Zion, sreiiviilig einen Beitrag von RM. 1000,— zn bewilligen, wurde gegen 6 Stimmen abgelehnt. — Da die Akustik in der .Halle des neuen Friedhose-s zn wünschen übrig läßt, so hatte der Vorstand sich mit einem bekannten Sachverständigen in Verbindung gesetzt, der sür eine Prüfung ein .Honorar von RM. 400,— und Spesenersatz verlangt. Nach einer kurzen Debatte werden die Mittel für die Prüfung betviltigt. — Anläßlich der 200. Wiederkehr des Geburtstages Moses Mendelssohns tvird die Veranstaltung einer Feier in Aussicht genommen. Zur Deckung der Kosten dieser sowie einer Buchipeilbe wird ohne Debatte einstimmig ein Berechnungsgeld von RM. 800,— bewilligt. Treysa. (I u b i 1 ti lt m.) Ter Jünglings Verein Chewras Bachurim feierte sein 50 jähriges Bestehen durch eine besondere Feier im Gasthaus zur Burg. Aehnlrch seinem Brudcrverein, der Ehewra Kadischah, war er s. Zt. zum Zweck religiöser Belehrung und gemeinnütziger Hilfe in Ärantheits- und Srerbcfüllen gegründet worden. Ter derzeitige Vorsteher kennzeichncte diese Ausgaben in einem Rückblick ans die Geschichec des Vereins. Lehrer Plaut hielt dann eine ans den Festlag eingestellte Ansprache. Der ernsten Gedenkfeier folgte ein gemütlicher Teil, der durch Theater Aufführung und Tanz ausgesütlt wurde. Weimar. (Thüringische S t a a t s l e i st u n g für R a b - b i n e r b e s o l d u n g.) Der thüringische Landtag verabschiedet, tvie aus Weimar telegraphiert tvird, den Elatvoranschlag i>!.et die Staatsleistungen an die Kirche. Von der Gesamtausgabe in .Höhe von 3 460 000 Mark erhalten die katholische Kirche 50 000 Mark und die jüdische Kirche als Beitrag zu den Dienstbezügcn der Landcs-- rabbiner in Eisenach und Meiningen 5000 Mark, während 3,1 Millionen Mart d?r evangelischen Landeskirche zusließen. Diese Leistungen werden sich aber in Zukunft noch ivescntlich erhöhen. Der Abgeordnete Tin.er, der wegen seines Kampfes gegen die katholische Kirche aus der nationalsozialistischen Partei ausgeschlossen worden ist, hielt im Landtag eine Rede, in der er aussührte, die heutige Kirche sei nich.s anderes als eine jüdisch christliche Kirche, eine jüdischrömische Diktatur.