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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-07-17 · 29 (17.7.1929) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
29 (17.7.1929)
Date
1929-07-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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der (;k')rf):d)': ocr Philosophie Di'v sprach?, be? Mvthos, D?r Kunst und Religion, entfaltet. Caiiiror ist auch ycrauä^ebrr der Gesamt ausgabe von Hermann Cohens philosophischen Werken. Cr ist Mit glich deS Kuratoriums der Hochschule und deS Vorstandes der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, sowie des Kuratoriums der Hermann Cohen Stiftung bei der Akademie. Ernst Cafsircr ist »vohl der erste jüdisch? Gelehrte, der je in Deutschland die Würde eines Universitäts-Rektors bekleidet hat. Hamburg. (R e p r ä s e n l a n t e u k o l l c g i u m.) Tie letzte Sitzung des Repräfentantenkollegiums lvar fast ausschließlich dem Projekt des NeubauS des vom Tempelverband zu errichtenden neuen Tempels gewidmet. Zwar lvar die Vorlage grundsätzlich in einer früheren Sitzung genehmigt worden, auch halte eine vom Kollegium gelvählte Kommission die Vollmacht erhalten, zusammen mit dem Vorstand d.en zu schließenden Vertrag zu tätigen,' jedoch hielt es die Kommission für erforderlich. das; sich das Plenum noch einmal Mil der Angelegenheit befasse. Der Vertreter der streng konservativen Richtung, T. Spitzer, lehnte die Vorlage ab. Er wollte sich nur mit ihr einverstanden erklären, lvcnn die von der Gemeinde zur Versügmrg zu stellenden Geldmittel lediglich den Steuereingäugen der liberalen Mitglieder der Gemeinde entnommen würden. Das lvurde von allen übrigen Rednern grundsätzlich abgelehnt. .Herr Ossenburg, der der gemüßigt konservativen Richtung angehort, lvar mit der Betvilligung von Beträgen aus Gemcindemitteln auf Basis hypothekarischer Sicherheit einverstanden, er wandte sich jedoch gegen die Verrragsbestimmnng. daß der Tempelverband seinen Etat zur Genehmigung der Gemeinde cinreichen solle, da er hierin einen Ein,griff in die Autonomie deS Kultusverbände erblickte und fürchtete, daß hierin der erste Schrill zur Aufgabe der Gesamtstruktur der Gemeinde zu erblicken sei, die die Trennung des Kultus von der Gemeinde durchgerührt habe. Ihm entgegneten die Mitglieder der liberalen Fraktion Alfred Lester, T. Münden und Tr. Frankel. Bei einer geldlichen Mitivir kung der Gemeinde bis zu einer Gesamtsumme von RM. r>.r>0 OOO, könne die Gemeinde ans das ihr vom Tempelverband selbst äuge botene Recht der Etatsgenehmigung nicht verzichten. Die Beiütch tungcn des .Herr» Ofscnbweg wurden durch einen Zusatzantrag des Herrn Tr. Fränkc! widerlegt, der die Bedingungen vräcisiert, unter denen das Recht der Gemeinde auf Genehmigung des Etats aushöre. In der Abstimmung lvurde nach mehrstündiger Debatte die Vorlage in der ihr in der Sitzung gegebenen Fassung gegen die Stimmen sämtlicher Konservativen ■ dergestalt genehmigt, daß der Vorstand ermächtigt lvurde, aut Basis dieser Fassung den Vertrag mir dem Tempelverband abzuschließen. Infolge vorgerülkcer Stunde lvurde die Beratung eines Antrages Lesser, Dr. Frauke! auf Einführung des passiven Frauenwahlrechts zum Repräsentanlenkoklegium auf die nächste Sitzung vertagt. Kassel. lReuer Vorsteher.) Als Nachfolger des kürzlich verstorbenen Rechtsanwalts Tr. Katzenstein ist im Nettesten Kokte gium der Gemeinde infolge eines Uebereiirkommens zwischen den dafür in Frage kommenden Parteien nach einem Vorschlag des Vorsitzenden des Wahlausschusses, Direktor Kart Gotthclft, der dem Zentralverein und der mittleren religiösen Richtung angehörende Zahnarzt Dr. Rothschild hestimmt und dem Kreisvorsteher empfohlen worden. Mit seiner offiziellen Bestätigung dürste bald gerechnet Kassel. (Todesfall.) Im Elifabechtrantenhaus ist nach län aercm Leiden Lehrer a. D. M. Nußbaum aus HcrSseld im 73. Lebensjahre verschieden. Die Beisetzung hal Freitag mittag unter außergewöhnlich starker Beteiligung vieler hiesiger und auswärtiger Freunde staltgefnuben. Aus den Reden, die an der Bahre des Entschlafenen gehalten ivurden, leuchteten nachmals die große Beliebtheit und die Wertschätzung hervor, deren er sich bei jung und alt erfreute. Anläßlich seines 70. Geburtstages, der uns zur Würdi - gung seiner Person an dieser Stelle Gelegenheit gab, war von vielen Seiten aus die tiefe Religiosität, die große talmudische Gelehrsamkeit .und den sympathischen Charakter des Verewigten^ hingewiesen lvorden, der allen Hcrsseldern und vielen ausivärtigen Schülern, die einst zu seinen Füßen saßen, dauernd ein leuchtendes Vorbild bleiben wird. Er ruhe in Frieden. Köln. (A ns der R c p r ü s e n laut e n v e r s a m m l u n g.) In einer der letzten Sitzungen lvaren der Talmud Thora Schule des Austrittsrabbiners Dr. Wols 3000 Mk. Beihilfe bewilligt ivor den. Der Vorstand hal daraufhin Widerspruch gegen die Bewilligung erhoben und die Repräsentanz um erneute Durchberatung gebeten. Am vergangene» Donnerstag beschäftigte sich dann auch die Reprä seniantcnversaminlnrig »och einmal mit der Angelegenheit. Der Vor stand regte an, einmal der Frage nüherzutreteu, ob man nicht die Talmud'Thora Schule der Ostjuden und die Wocfsche Anstatt, dic für die westjüdische Jugend gegründet wurde, zusaminentegen könne. Nach eingehender Aussprache lvurde beschlossen, Herrn Gemeinderabbiner Dr. Rosenthat nm ein Gutachten über die Möglichkeit einer Bereinigung beider Llnstatten zu bitten. Ter bewilligte Betrag zur Wolfschen Schute lvurde um 1000 Mk. gekürzt. Bemerkenswert lvaren die Darlegungen des votkspartcilichen ostjüdijchen Repräsen tauten Bernhard Pr'echner, der sich energisch dafür einsetzte, daß die ostjüdische Jugend den Jargon ihrer Heimat ablege und sich daran gewöhne, ein reines Deutsch zu sprechen. Oberglogau. iE r i n n e r u n g s s e i e r.) Tie hiesige Gemeinde versammelte sich am 7. Juli in der geschmückten Synagoge, um des früheren Vorstandes Emil Schlesinger (gestorben 1809) an seinem 100. Geburtstage zu gedenken. Ein von ihr zur dankbaren Erinnerung gestiftetes Fenster, das sein Bild trägt, sollte geweiht tvcrden. Nach dem Gesang: „Höre Israel" von Mendelssohn, stinimungsvoll vor- /getragen von der Enkelin, Frau SchleSkow in Breslau, feierte Rabbiner Dr. Ellguther den Verewigten als gesetztreuen, frommen Juden und würdigte seine Verdienste um das Aufblühen der Gemeinde, deren Vorsteher er 42 Jahre war. Er pries ihn als ein Beispiel treuster Pflichterfüllung und Hilfsbereitschaft - der Nacheiferung würdig. DaS ..Halleluja!)" von Haendel beendete die würdige Feier, zu der sich die Kinder und Enkel eingcfuuden hatten. Diese versammelten sich sodann mit dem Gemeindevorstand zur schlichten Familienfeier an den Gräbern der Eltern und sprachen mit dem Rabbiner und Kantor die vorgcschriebcnen Gebete. Plauen. (Grundsteinlegung der S y n a g o g e.) Am Sonntag, den 7. Juli 1929, vormittags 10 Uhr, fand die Grundsteinlegung der neuen Synagoge in Plauen statt. Die Feier nahm einen schlichten, aber doch eindrucksvollen Verlaus. In einleitenden Worten entwickelte der Architekt, Dipl. Ing. Fritz Landauer in München, die Gedankengänge, die ihn bei der Ausarbeitung des Projektes unter Berücksichtigung aller an ihn gestellten Wünsche geleitet haben. Der Vorsteher der Gemeinde, Rechtsanwalt Tr. Gotdberg, stattete den städtischen und staatlichen Behörden den Dank dafür ab, daß sie durch verständnisvolles Eingehen aus die gestellten Wünsche eine wesentliche Förderung des Baues ermöglicht haben. Er schilderte sodann, welche Gründe die Veranlassung zum Bau der Synagoge gewesen sind und wies daraus hin, daß der Neubau nicht nur die eigentliche Synagoge enthalten, sondern auch mit reichlichen Nebcnräumcn für die in der Gemeinde bestehenden Organisationen ausgerstattet, ein rechtes Gemeindehaus tvcrden soll. — Der Prediger der Gemeinde, Herr Heimann, gab dem Wunsche Ausdruck, daß die neue Synagoge eine rechte Burg des Glaubens und der Hoffnung werden möchte. Seinen Worten folgte Gebet und Scgenssprnch. Hiernach brachten eine Anzahl Vertreter der in der Gemeinde bestehenden Organisationen ihre Glückwnüsche dar. Sodann folgte eine Ansprache eines Vertreters der Arbeiterschaft, der auf das gute Verhältnis zwischen K>er Gemeinde als Bauherrin und der Arbeiterschaft hinwies. Alte Redner waren einig in dem Wunsche, daß der Bau bis zur Vollendung ohne Unfall von statten gehen möge. Nach Verlesen des Grundstcinlegungsprotokolles tvurde sodann eine eiserne Kassette, enthaltend eine Anzahl Urkunden, in das Mauerwcrk vermauert. Sodann folgten die üblichen Hammerschläge. Die Feier hinterließ bei allen Beteiligten einen tiefen Eindruck. Mit der Fertigstellung des Baues dürfte Ende dieses Jahres zu rechnen sein. Veremsnachrichten Ortsgruppe Köln des Jüdischen Frauenbundes. Mil der Winter arbeir wird in diesem Jahre schon vor den Feiertagen begonnen werden. Für den ersten Vortrag wurde Berta Badt Strauß gewonnen, auch Anira Müller Eohen hat einen Vortrag für den Winter zu gesagt. Herr Tr. Simchowitz »vird in einem Kursus „die jüdischen Moralisten und Ethiker" behandeln und Herr Dr. Schlesinger den Bibelkursus forlsetzen. Der Maccabi veranstaltet am 4. August ü. I. im Seebade Hcringsdors einen Kamps gegen den stärksten pommerschen Verein, deir Stettiner Boxclub, Stettin. Die Kümpfe finden im Familien bad I ,Hcringsdors und bei ungünstiger Witterung im Slranowiiiio statt und nehmen um 4.30 Uhr ihren Ansang. Der Maccabi ist durch Balsam, Ball, Fuchs, Malz, Batist, Hüller und Buchbaum verlretcn. Ju der Srettinec Mannschaft befinden iich mehrere Nordostdeutsche Meister und Boxer, die schon met,r als hundert Kämpfe bestritten haben. Abends veranstaltet der Maeeabi für seine Gäste und Anhänger einen Ball, der um 9 Ubr abends im Slrandkasino eröffnet ivird. Verein ehemaliger Schüler der Knabenschule der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B., gegt. 1909. Geschäftsstelle: Elsässer Str. 9. Fernsprecher: Norden 1651. Jeden Sonntag vor- und nachmittags auf unserem Sportplatz Hohenschönhausen, Hoffstraße 11, Fußball, Leichtathletik, Handballspiele. Damen und Herren von Vereinen, die keinen Sport betreiben, als Gäste willkommen. Sonnabend, den 3. August 1929, 21 Uhr, Motorboot-Nachtfahrt mit anschließendem Ball nach Müggelork. Billets nur im Vorverkauf für 2,-— RM. inkl. Steuer sind in der Geschäftsstelle bis zuin. 1. August und auch in den Geschäften, die einen Aushang haben, in beschränkter Anzahl zu haben. Ab I. September wird unter Leitung von Lehrern der Hochschule für Leibesübungen Gymnastik und Turnuitterrichl in den Turnhallen Große Hamburger Straße uud Hannoversche Straße erteilt. Auch hier sind Damen mrd Herren als Gäste c>»geladen. Nähere Auskunft erteilt die Geschäftsstelle. Ebenso gibt dte Geschäftsstelle Auskunft über die Moses Mendelssohn Feier, ivie auch über die Anmeldung zum Tennis für das kommende Jahr. Aus der Ili-Bewegung Verantwort!.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Zugendvereine Deutschlands Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmann, Frankfurt a. Main 5inn und Ziel Heinz Keil e r m a n n. Jli-Berlitt. Vor einiger Zeit ist aus Kreisen des Ili Berlin an die übrigen Mitglieder des Vereins ein Rundschreiben ergangen, das Grund und Zweck des Beitritts des einzelnen zum Jti zum Gegenstand seiner Fragen hat und eine daraus resultierende Beurteilung der Form und Art unseres Vereins, Vorschläge zur Gestaltung uud eveutuelleu Aenoerung des Programms von jedem verlangt . - Im folgenden soll nun versucht werden, den grundlegenden Fehler dieser Fragostelluug zu zeigen und unter gleichzeitiger kritischer Würdigung der cingegangenen Antworten eilte einheitliche Lösung dieser Fragen zu finden. I. Es erhebt sich zunächst die Frage: Darf das Motiv zum Eintritt irr den Verein überhaupt dem ganz indtviduetlenj Ermessen des Einzelnen entspringen? Würde damit nicht notwendigerweise auch der verfolgte Zweck im Dienste eines rein subejktiven Interesses stehen? Stellt man den Beitrittsgrund tatsächlich in das Belieben, so darf man erwarten, daß jeder aus dem beschränkten Kreis eigener Interessen das seiner geistigen Einstellung Nächstliegende, weil für ihn Dringlichste, in die Gemeinschaft hineinzutragen und ihr als Arbeitsplan und ziel vorzulegen bestrebt ist. Tie Differenz der Vereinsmitglieder hinsichtlich Alter, beruflicher und sozialer Stellung würde aber Anlaß zu größter Interessen- und Meinungsdivergenz bilden, die ihrerseits lviederum Spaltung, wenn nicht völlige Zersplitterung zur sicheren Folge hat. Unsere Jugend — das muß stets berücksichtigt werden — kommt zum größten Teil aus dem Lager der Indifferenten, aus der Atmosphäre eines flachen Materialismus, unter dessen Zeichen die ältere Generation vielfach stand. Idealismus, das oft gepredigte Vorrecht des jungen Menschen, soll seine Hilfe im Kampfe gegen den graueit Alllag sein, bestimmt zu dessen Abwehr und zukünftigen Uebertvindnng. Woher soll nun diese Unterstützung kommen? Tie Aelteren, müde meist durch Enttäuschung eigener .tzosfnuugelt, belastet mit bcu notwendigen Sorgen materieller Art, habeit sich als wenig geeignete Bundesgenossen für diesen Kamps der tausend .Zweifel und Fragen erwiesen. Am wirksamsten und kräftigsten zeigt sich hier die Gemeinschaft der Gleich situierten, der Altersgenossen. Bedürfnis nach Aussprache mit ihnen, nach gegenseitigem Kennenternen und Verstehen ist der ursprünglichste Grund für den Eintritt in den Bereut. Mil diesem Sprung vom Individuellen ilts Kollektive ist aber ttoch kein Beweis für die Notwendigkeit des Bereinsgedankens erbracht. Das Motiv zu diesem Uebergang ent stammt, kritisch betrachtet, einer gartzen Reihe durchaus subjektiver, weil egoistischer Beweggründe, die auch so lange selbstsücht'g bleiben, als sie in ihrer gefühlsmäßigen Tendenz nt der Gemeinschaft ihre Befriedigung finden. Für uns aber darf eben iKie Gemeinschaft nicht End und Selbstzweck sein, sondern ganz im Gegenteil ein (allerdings durchaus nötiger) Anfang zu einem Reuen, für das sie selbst die Vorbedingung darstcllt. Ein Verständnis für diese Forderung ergibt sich zunächst einmal aus der Frage nach dem Kampfziel. Mit dem Eintritt in die Gemeinschaft dürfen w'r die erste, unfruchtbarste Phase des Kampfes als abgeschlossen ansehen. Sie hat ein Chaos im Jugendlichen geschaffen. Bisher feste Begriffe sind im Tiefsten erschüttert, wenlt nicht sogar beseitigt worden. Es gilt nunmehr, für Ordnung zu sorgen, Werte zu finden, die für den richtunggebenden Maßstab einer langsam werdenden Weltanschauung geeignet fiub. Auf der anderen Seite aber bedeutet das wiederum gewissermaßen als Ausgleich für die Rezeption dieser fruchttragenden neuen Ideen — ein Sichwidmen diesen Gedanken, ein Kampf für sie, ausgetragen von der Gemeinschaft. Diese Korrelat i o n z w'is ch e n Idee u nd G em ei n s ch aft i st d er Sinn des Vereins. Sie stellt den Schritt dar, mit dem seine Mitglieder über die Art des bloßen Büirdischen hinausgehcn. In letzterem bildet die Gemeinschaft allein schon das Endziel. Im Verein ist sie nur Ausgangspunkt für den Weg, dessen Richtung die leitende Idee von Anfang an bestimmt. Ter Bund als ein in sich. schon Fertiges wird stets das Individuum bevorzugen, insofern, als er alle ideellen Bestrebungen in den Dienst von dessen Entwicklung stellt. Tic Vereinsidee dagegen stempelt mit bewußter Tendenz die Mitglieder zu ihren Trägern und Erhaltern, denen ihre praktische Verwirklichung obliegt. Durch die Aufgabe ihrer Selbständigkeit verringert sich keineswegs, aber d^e Bedeutung der Gemeinschaft, ja sie erhält geradezu ein ethisches Plus dadurch, daß sie die Rechtfertigung für ihr Bestehen nicht mehr in der zur Tatsache gewordenen Existenz zugunsten der Einzelpersönüchkeit zu suchen braucht, sondern im Dienst für einen ideellen Wert, von dem wlir behaupten dürfen, daß er recht eigentlich erst die wahre Gemeinschaft schafft. Von vornherein unbedingte Unterwerfung unter die leitende Idee, rückhaltlose Hingabe an die Erfüllung der von ihr gestellten Aufgaben des Einzelnett als Teil der Gesamtheit auf der einen Seite, Gefühl gemeinsamer Verantwortung in der Betätigung für die Idee auf der anderen Seite sind die stärksten Faktoren der Einigkeit, entwickeln in der Kameradschaft die wertvollste Eigenschaft des kollektivistischen Systems. Tie Idee w-ederuut ist das Rückgrat der Gemeinschaft, das Prinzip )er nunmehrigen Lebensformung und -erneuerung. Sie in heißem Ringen zu erkämpfen, um dann f ü r s i e nach außen Int z n kämpfe n, ist der Sinn und das Ziel des Vereins, find die in ein Sittliches gesteigerten letzten Phasen unseres Kampfes. Damit erübrigt sich jede Frage nach Grund utrd Zweck für den Beitritt zum Verein. Darf es etwas anderes sein, als Bekenntnis zur Idee, und weiter als freudiger Wille zu ihrer praktischen Verwirklichung, der sich in gemeinsamer Arbeit konkretisieren soll? Tie Methode, die der Erreichung des Zieles d'ent, stellt gleichfalls keine Lebensfrage für öeu Verein dar, solange sie eben nur Diener am Werk bleibt. Rein äußerliche Momente, die int Interesse der Mitglieder stehen, werden sie bestimmen. Aber auch diese Fragen organisatorischer Art werden in ihrer Einheitl'chkeit und Straffheit durch die Kraft des Verüundenfeins im Ideellen bedingt sein. Von diesem geistigen Zenlrnn; allein darf unser Programm diktiert werden. Ihre Objektivität darf jedoch nicht durch die Willkür des Individuums vergewaltigt werden, wenn wir tticht in das Chaos des Anfangs zurückkehren oder zum Allein-Bündischen gedränigt wollen. Das Jli-Programm Breslau. Mittwoch, den 24. Juli, 20.15 Uhr: Gemütliches Beisammensein im Kurgarten, Kürassierstraße. AtturUr Tagessrageu. Frankfurt a. M. Dienstag, den 23. Juli, 20.45 Uhr, Sitzungszimmer Westendsynagoge, Heimabend: Mar Hahn: „Jakob Wassermann, sein Leben und Werk". Dienstag, den 30. Juli, 20.30 Uhr. Cafö Frauenhof, Niederrad: Gemütliches Beisammensein. Dienstag, den 6. August» 20.45 Uhr, Sitzungszimmer Westendsynagoge: Zeitungsschau — Aktuelle Tagessragen. Dienstag, den 13. August, 20.30 Uhr, GarKnadend bei Fiörsheimer, Neumannftraße 153: Rezitationen. f *'f" Aus der' Äi-Ärbeik.I'*! Breslau. <J n d i j ch 1 i b e r a c e r I u g e n d v c r e i n ,.A b r ab a m Geige r".) Unsere Tätigkeit steht nunmehr ganz tut Zeichen des Sommers. In der Jüngeren'Gruppe fiel ein für den 20. Juni angesetzler Nachmittagsspaziergang infolge der großen .Hitze aus. Dajür traf man iich auf allseitigen Wunsch im Freibad Leerbeutel, ivo ein köstliches „Wasterballspiel" die Teilnehmer belustigte. Am 27. Juni kam die Gruppe bei Spiel und Plauderei in der Wohnung eines Mitgliedes zusammen. Während der Schulferien beteiligen sich die wenigen hicrgebliebenen Mitglieder der Jüngeren Gruppe air den Hauptgrnppenveranftaltungen. In der Hauptgrnppc fand am 19. Juni ein weiterer Jnstruktionsabend ..Grundlagen und Ziele des religiös-liberalen Judentums" statt. In Fortsetzung der am vergangenen Kursusabend begonnenen Aussprache über das Wesen des Liberalismus wurde noch eine Anzahl offen gebliebener Fragen geklärt. Danach ging man an Hand der Nordenschen Broschüre zum Kapitel „Die Betätigung des jüdisch religiösen Liberalismus" über. An diesem Abend konnte jedoch nur noch über den Abschnitt „Haus und Familie" gesprochen werden. Die Erörterung der weiteren Beläligungsgebietc deS jüdisch religiösen Liberalismus bleibt dem kam inenden JnstrutlionSabend Vorbehalten. Die Einrichtung dieser Arr von Abenden hat sich gut bewährt. DaS uns hierbei gesteckte Arbeitspensum werden wir bis zum Beginn der Winterarbeit ohne Schwierigkeiten dnrchgesührt Häven. Am 3. Juli veranstalteten wir im Kurgarten ein gemütliches Beisammensein, das trotz der Mückenplage sehr gut besucht war. lieber die Tagung der schlesischen Jlis, die am 7. Juli in Breslau stattsand, wurde hier bereits berichtet. In ihrem Verlauf bedeutete sie einen großen Erfolg für die schlesischen Jlis. Zu Ehren eines noch in Breslau anwesenden Liegnitzer Jlimitgliedes improvisierten ivir auch für den 10. Juli ein gemütliches Beisammensein, das infolge der Mücken zwar eher cmem Jligymnastilabend glich, im übrigen aber sehr nett verlief. Erich Vulkan. Kalendarium f. die Zeit v. 17. 7.V.24.7. 29 Jmi 1929 Tammus 5689 Mittwoch 17 9 Donnerstag 18 10 Freitag 19 11 Sonnabend 20 12 Wochenabschnitt: Chukaß-Bolok Haftarah: Micha, Kap. 5, 6—14; 6, 1—8 Sabbat-Ausgang: 9.13 Uhr Sonntag 21 13 Montag 22 14 Dienstag 23 15 Mittwoch 24 16

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