Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 25 (19.6.1929)
- Date
- 1929-06-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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nisscn der Gemeinschaft in Treue zn beschäftigen, im besten und edelsten Sinne erfüllte, der ist des treuen Gedenkens und der Tankbarkeit über das Grab hinaus gewiß. Sein Name wird in der Geschichte der Kasseler jüdischen Gemeinde fortlcben und seine segensreiche Tätigkeit auch von späteren Geschlechtern noch dankbar anerkannt werden. Köln. (Persönliche s.) Herr Bernhard Feilchenfeld hat seinen Vorsitz im Westdeutschen Landesverband des E. P. niedergelegt. An seine Stelle trat Herr Rechtsanivalt Tr. Rudolf Callmann, der einstimmig gewählt ivurde. Köln. (Aus der Repräsentanz.) Tie Repräsentanz führte in der letzten Sitzung vom 12. ds. Mts. die .Haushaltsberatungen zu Ende. ijie vom Vorstand vorgesehenen Summen wurden zum großen Teil glatt bewilligt. Eine lebhaftere Aussprache ergab sieh lediglich bei den Posten Provinzial Wohlfahrtsverbano und Israelitisches Asyl Köm Ehrenseld. Ter Vorstand hat im Etat für die erste Organisation öOOO Mark gestrichen, weil er der Auffassung war, daß dieser Verband keine Existenzberechtigung habe, uno daß ein erheblicher Teil der bewilligten Summe als Benvattungsloften nach Berlin zur Zentrale flösse. Trotz der Fürsprache eines Mit gliedcs des Provinzialveroandes lehnte die Repräsentanz die Bewilli gung des Betrages ab. Tas Israelitische Asyl erhielt den eingesetzten Betrag von 3ö 000 Mark. Ein Vorstoß von orthodoxer Seite ivurde von Rednern glei chcr Richtung ad absurdum geführt. Tas orthodoxe Mitglied des Gemcindcvorstandes gab zu, ein strenges Kaschruth sei nach Lage der Tinge nicht durchführbar. Von liberaler Seite ivurde betont, es dürfe von jüdischen Kranken, die keinen Wert auf Kaschruth legten, nicht verlangt werden, daß sie die rituellen Speisevorschrhten beachteten. Ter Talmud Thora-Schule des Rabbiners Tr. Wolf, der der Großgemcinde nicht angehöri, ivurde gegen die Stimnreii der liberalen Fraktion 3000 Mark beivilligt. Tic Repräsentanz wird sich demnächst mit einer Vorstands Vorlage zu befassen haben, die getrennte K u l t u s k o m m i s sionen Vorsicht. Ter Antrag zur Bildung dieser Kommissionen ging von der liberalen Fraktion aus. Er entsprang der Erwägung, daß sich die fortschrittlich gesinnte Richtung in der Gemeinde nicht dauernd von der Gegenseite könne vorschreiben lassen, in ivelcher Form sie ihre religiösen Bedürfnisse zu befriedigen hätte. Wir werden auf diese für die Synagogengemeinde Köln einschneidende Angelegenheit in einem besonderen Artikel zurückkommen. Moers. (8 0. Geburtstag.) Ter seit 40 Jahren an der Spitze der israelitischen Gemeinde stehende .Herr Alex Eoppel feierte in voller Rüstigkeit, die ihm noch heute die Wahrnehmung der Bor stehergeschäftc ermöglicht, unter vielen Ehrungen seinen 80. Geburtstag. Auch in anderen Vereinen sozialer oder beruflicher Art gehört .Herr Coppel dem Vorstand an und mir oft anerkannter Gewisienhaftigkcit versieht er trotz des hohen Alters die Ehrenämter, die ihm das Vertrauen seiner Mitbürger übertrug. Potsdam. (Hohes Alter.) Zwei um die Potsdamer Gemeinde sehr verdiente Männer können in. den nächsten Tagen in großer Rüstigkeil ihren 70. Geburtslag feiern. Am 10. Juni Herr Sanitätsrat Tr. Hermann Neumann, in früheren Jahren lange Zeit stellvertretendes Vorstands-Mitglied, der Berater und Vertraute des größten Teils der Gemeinde in ärztlichen Angelegenheiten, und am 29. Juni .Herr Justizrat Tr. Louis Pink, Vorsitzender der Repräseutauteuversammlung, einer der angesehensten Anwälte Potsdams. Aus der Bewegung Elberfeld. (I ü d i s ch - l i b e r a l e r G e m c i n d e v c r e i n.) Am 28. Mai hielt der jüdisch liberale Gcmeindevercin seine .Hauptversammlung ab, welch: (»vohl infolge der »varmen Witterung) leider sehr schlecht besucht »var. Ta die Versammlung nicht beschlußfähig »var, konnte die Borstandswahl für das neue Arbeitsjahr nicht vorge-- nommen werde», und der gegenwärtige Vorstand bleibt bis zur endgültigen Regelung der Angelegenheit im Aint. Ten Kassenbericht überirahm anstelle der aus Reisen befindlichen Schatzmeisterin Herr Fischet und teilte mit, daß der gegenwärtige Stand der Bereinslasse gegenüber dem Vorjahre sich erheblich gebessert hat. Tie Debatte, »velche sich an den allgemeinen Vorstandsbericht über die Arbeit und die Ziele des Vereins knüpfte, bewegte sich in lebhafter Form vor allen Dingen um die Frage,_ wie die Gedanken und Ziele des Vereins auch außerhalb des Kreises seiner Mitglieder zu verbreiten linken. Jedem Mitglied müßie es eine Ehrenpflicht bedeuten, den Ideen des Liberalismus Verständnis in weiten Kreisen zu verschaffen, indem es so »veit »vie möglich jede Gelegenheit zur Aufklärung in seinem Kreise benützt. Es wurde sodann ausführlich über die mehrfach vo»n Verein veranstalteten Freiiagabeudsciern gesprochen, »reiche im kommenden Winter wiederholt »verden sollen. Schon die ziveite derartige Veranstaltung »vies eine bedeutend regere Beteiligung auf als die erste, und da sich besonders die Jugend an dielen Veranstaltungen interessiert zeigt, ist zu hoffen, daß durch regelmäßige Wiederholungen das religiöse Interesse auch für häusliche Freitagabcndfeieru tvieder geweckt wird. Tie an den beiden Freitagabenden gehaltenen Referate der Herren Raobincr Tres. Norden und Philipp sollen demnächst veröffentlicht werden. Bemerkensivert waren besonders die Ausführungen'des Herrn Tr. Philipp in der Debatte über die Zukunft der liberalen Bclvcgung. Er führte ungefähr folgendes aus: Ter Krieg habe eine starke Wandlung im gesamten Geistesleben beivirkt, die heutige Generation verstehe unter Liberalismus etivas ganz anderes als den noch von den Ackeren proklamierten Liberalismus Geigcrschcr Art. Eine konservative .Haltung in liberalen Dingen widerspreche aber dem Gedanken des Liberalismus, und so fordere die Jugend heute vor allen Dingen die Aktivität der Gemeinde im Gottesdienst, tvährend der vorigen Generation der ministrierende Geistliche als das wesentlich zu Fordernde erschien. Das Grundprinzip jedes Liberalismus sei die freie Auseinandersetzung zrvischen Tradition und Zeitgeist. Anzustreben sei eine gänzlich neue Fuudameutierung des religiösen Liberalismus. An diese Debatte schloß sich das Referat des .Herrn Rabbiner Tr. Norden über das neue Einhcitsgebetbuch an. Es entstand aus dem Wunsche, den liberalen Gerneinden ein Gebetbuch in ihrem Sinne zu schaffen, »vie die konservativen Gemeinden gleichmäßig befriedigt, so wollen auch die liberalen Gemeinden ein für sie alle gemeinsames Gebetbuch haben. Tie süd- und »vestdeutschcn und die nord- und ostdeutschen Geineinden sind in ihrem Ritus so verschieden, daß beide große Konzessionen machen »nußten beiin Zustandekommen des neuen Buches. Es ist übersichtlicher als das alte und vermeidet das ständige Blättern tvährend des Gottesdienstes. Welche Grundsätze sind nun bei seiner .Herausgabe leitend geivesen? Tie hebräische Sprache bleibt nach »vie vor die .Hauptgebetssprache, auch der Text soll möglichst, bis aus wenige Ausnahmen, nicht angetastct »verden. Deutsche Gebete wurden ausgenommen, sie sind in einem Anhang vereinigt. Alle hebräischen Gebete sind übersetzt, und zlvar in möglichst sinngetreuer Wiedergabe. Tie Tauer des Gottesdienstes soll nicht zu lang sein. Unnötige Wiederholungen falten daher fort. Der religiöse Gedanke der Auscrivählung bleibt bestehen, und zwar in dem Sinne, daß eine ganz besondere Sendung uns auferleg» ist, welche natürlich eine hohe moralische Verpflichtung in sich smließt. Große Härten der früheren Gebetbücher sind gemildert. Die Gebersstellen, die eine Zionshoffnung in sich schließen, sind mehr berücksichtigt als in den früheren Gebetbüchern für die Synagogen mit Orgeigoktcsdienst, fortgelassen ist jedoch jeder Wunsch nach der Ausrichtung des davidischcn Reichs. Ebenso fehlen alle diejenigen Stellen, »velche die Wiederherstellung des Opferdiensres wünschen. An die sehr interessanien Ausführungen des Herrn Tr. Norden schloß sich eine lebhafte Debatte an. und so »var trotz der zahlenmäßig geringen Beteiligung der Abend ein äußerst befriedigender. Frau Hede I s r a e I. Aus der Ai-Bewegung Berantrvorll.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmann, Frankfurt a. Main *»• + »+» + »++++»•»4+««, MMMMM4 <HMM44 44*444444**»4444*4**44444»*****44 4»MMM4 4444*4 44»44»*4444» h44444444444< 4*4* Unsere Teilnahme an der Ostersternfahrt deutscher Zugend Von Jacob F l ö r s h e i m e r. (Jli, Frankfurt a. M.) Vraunschivcig - ein Klang von allein Aeksentum, ein Bits von eincr trutzigcn Feste deutscher Kultur im Minekalter - im übrigen eilte ruhige Stadt ohne besondere Bedeutung für die Gegenivart, so stellte ich »nir diese Stadt vor. Tie Ostertage haben »nich eines besserem belehrt und heute schätze ich diese Stadt als einen Mittelpunkt besten deutschen Wesens. Im folgende!! einige Eindrücke, die am nachhaltigsten auf uns einwirkten: Sabbat! Am Freitagabend trafen wir in Braunschiveig ein. Herr Landesraobiner Tr. Wilhelm hatte uns eingcladen, den Freitagabend in seinem .Heim zu verbringen. Wenn man in der Fremde ist, fühlt man sich anfangs heimatlos und einsam; als »vir aber im Familienkreise Tr. Wilhelms »veilten, »var uns alles vertraut, alles bekannt. Wir plauderten über Jüdisches und über Weltliches und luaren froh, einen Freund und Berater gesunden zu haben. Am Sabbat Morgen trafen »vir uns in der Slinagoge. Es »var ein ganz besonderer Sabbat, einer von denen, die Pessach, dem Feslj der Befreiung, vorausgehen, ein Sabbat der Reinigung. Ein Knabe »vurde Barmizivoh. Ter Rabbiner ermahnte den Jungen, der in die Glaubensgemeinschaft eintrat, den Vorfahren nachzueifern, die seit über 200 Jahren-als angesehene Männer und Frauen in der Vaterstadt Braunschiveig ansässig waren. Einfach und doch eindrucksvoll »virktcn die Worte nicht nur aus den Knaben selbst, sondern auch auf uns, die wir mit ihin und seiner Gemeinde fühlten. Aegidien-Kirche. Eine hohe und geivaltige Kirche steht vor uns, die Aegidien-Kirche. Ein Gotteshaus ist es freilich nicht mehr. Seit Napoleon das Gebäude als Pscrdcstall benutzt, gilt cs als entiveiht, und kein Gottesdienst ertönt mehr in dieser Kirche — und doch erscheint mir dieser Bau feierlicher als mancher Tom, lvenn ich die Kunstschätze der Vergangenheit eincr bodenständigen Kultur betrachte, die heute in der Aegedieu Kirche als dem Vaterländischen Heimatmuseum Braunschiveigs zu sehen sind. Nähert man sich in dieser Kirche dem Hochaltar, so bietet sich dem Besucher ein besonders seltsames Bild. Unmittelbar hinter dem Hochaltar hat man eine uralte Synagoge ausgebaut; man »veiß nicht, was älter ist, das christliche oder das jüdische Gotteshaus. Wahrlich, diese Synagoge in der Kircke ist ein Symbol, »vürdig der Stadt Lessings! „Faust"-Airsstellung. Eine ruhige Mittagsstunde führt uns nach Burg Taukwarderode, in der die Ausstellung „Faust auf der Bühne" uittergebracht ist. Wenn man langsam durch die Säle schreitet, kann man almen, »velch' umfassendes Können erforderlich ist, um neue Ideen für Bnhneneutwürfe des „Faust" zu bringen, um durch moserne Varianten das Spiel zu beleben. All' diese EnNvürse sollte man mir Anoacht auschen; cs ist geistige Arbeit, ehrliches, ernstes Wollen, das von der Vielseitigkeit der Ausfass'.lng des Wertes uno seinem unausschöpfbareu Gehalt Kenntnis gibt. Orgelspiel im Dom. Wir sitzen gebannt in dem riesigen Tom .Heinrichs des Lölven. Ein lichter Raum, in den das Licht hell hineinleuchtet. Tie Orgel ertönt, ein Werk alter Orgelbaukunst, voll herrlicher Töne. Wie gewaltig klingt die Fuge T »noll von Johann Sebastian Bach durch den hohen Raum! Klar durchdringen Gesänge au? der „Deutschen Messe" von Schubert vom Chor herunter öas Gotteshaus. Feierlich ergreifen Töne der Kunst Händels und Bachs jeden einzelnen von uns. Eine Feierstunde im besten Sinne des Wortes; »vir alle danken den Schöpfern der herrlichen Tonwerke. „aw. Ter Abend findet uns im Lanoestheater bei der Fesrausführung des „Faust". Ter Vorhang hebt sich. Wir sehen in die Stuvierstube. Faust spricht seinen Monolog. Wenn ein Deutscher diese Worte Hort, die so einfach uno so klar klingelt, »vird er stolz aus den Geist seines großen Dichters Goethe. Wie bescheiden hören sich diese Worte an; und doch, »velch unendliche Menschheitsgedanken liegen in diesem elvig jungen Werke! Sind »vir nicht alle „Faust" im Stürmen und Drängen einer bewegten Zeit? Auch an uns tritt die Versuchung Mephistos heran, um die Stärke unseres Geistes zn brechen, uns zu verflachen, dainit wir »vie Tiere dem Instinkte folgen und sinnliche Genüsse suchen. Das Meistenverk Goethes ruft uns, die Jugend, auf, das geistige Gut, das »vir von den Vätern ererb!, iin Ringen mit dein Zeitgeist neu zu erwerben, um nnier geistiges Erbe »viedcr ganz zu besitzen. Berausch: von all dem Schönen und Guten verlassen wir das Thearer: »vir haben nicht ein Schauspiel gesehen, sondern Mcnschheitsgeschichtc miteriebt. „Lessing". Früh am Morgen verlassen wik Braunschiveig, um in Wolfenbütte! die Stätten auszusuchen, an denen Lessing, der große Wegbereiter Goethes, gelebt und gewirkt hat. In dieser kleinen, alten Residenz haucht jeder Stein historische Erinnerungen. Wir betreten die Lessingausstellnng. Viele Tinge, die Lessing hinterlassen, seine Bilder und seine Totenmaske gemahnen uns an ihn. Aber den ge- »valtigen Eindruck von seinem großen und gütigen Geiste empfangen »vir im Theater bei der Ausführung von „Nathan der Weise". Ein herrliches Denkmal der Nächstenliebe und Toleranz! Wir Juden müssen Lessing danken, der sich »nit seiner ganzen Kraft für uns eingesetzt, für uns gekämpft hat. Er ist es, der mit dazu beitrug, die düsteren Mauern oes geistigen Ghetto niederzulegen und uns Juden die Freiheit zu bringen. Fackelzug. Mit Eintritt der Tämmerung zieht Deutschlands Jugend in feierlichem Fackelzug am LZsingdenkma! vorüber, um dem großen Tichtee, dein gütigen Menschen zu huldigen. Weiter geht der Zug \ vor die Tore der Stad: zum Nußberg. Heil fliegen die Fackeln zusammen, hell lodern inmitten der Jugendschar die Flammen empor, und der Oiesang der Jugend tönt zur Stadt hinunter, in die Ferne hinaus, in die Nacht. Aber nicht nur die Flammen lodern empor, sondern auch die Begeisterung von uns allen: unsere Seelen fliegen zusammen. Ein ungeahntes Gefühl des Glückes durchströmt uns, »vir »vifsen, daß »vir jung sind, wir fühlen, daß wir Kinder eines Volkes sind. Als »vir Seite an Seite zur Stadt herunter ziehen, über uns das majestätische Freudenseuer zue Verehrung unserer Geistesheroen. unter uns die Stadt im (Friede:! der Nacht, da fühle ich, daß ich restlos glücklich bin, da »veiß ich für einen Augenblick, daß das Leben uns nich! nur Krieg. Elend und Alltag geben kann, sondern auch Frieden, Freude und Glück. Wir durchziehen gemeinsam die Straßen der Stadt, Franknirler und Draunschweiger, Sachsen und Ostmärker, Juden und Christen — alle sind Freunde geivorden, Kameraden, Bürgen für die gemeinsame deutsche Kultur. Gastfreundschaft. Des edelsten und besten Eindrucks meiner Braunschweiger Reise null ich zuletzt gedenken. Im Trubel der Großstadt ist Gastfreundschaft kchon eine Sage geivorden, eine Sage aus alter Zeit: aber in Braun.» scknveig habe ich Menschen kennengelernt, die zu mir gütig »varen »vie Mutter und Schlvester. Als ich kam, »varen es fremde Menschen für mich, Menschen, die einen anderen Glauben hatten, deren Lebensbild ein anderes war, als das meine; als ich ging, »vuhte ich, daß ich« Freunde verließ,. bei denen ich schöne Stunden verlebt, mit denen feste Bande deutscher Kultur mich vereinten. Ich >»ahm ungern Abichieb von der gastlichen Stätte und hatte »vieder einmal empfunden, da>; uns von den „Andern" nur Religiöses trennt, aber vieles verbindet. ' Fahr! nach Gießen. Tie jüdische Jugend Gießens hat sich zu einer Gemeinschaft zusammengefunden: die Freunde und Förderer des jungen Vereins hatten den Jli, Frankfurt, nach Gießen eingcladen, um bei den Beratungen organisatorischer Fragen unsere Meinung und Rat zu hören. Wir nahmen die Einladung gerne an; denn auch uns bot sich die Gelegenheit zu einer interessanten Aussprache. Unsere Erivartungen »ourden nicht enttäuscht; schon am Samstag Abend entivickette siel» ein lebhafte Diskussion, in der in eruster Weise die religiösen Probleme jüdischer Jugend besprochen lvurden. In offenen, ehrlichen Worten bekannte man sich zu seiner Stellung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, ohne dabei der Meinung des Anderen die Achtung zu versagen. Ein heiteres Beisammensein beschloß den Abend. Am Sonntag Morgen, nachdem noch eine zweite Jli Gruppe eingetrosfen war, wurde die Diskussion in der Wohnung von Frau B r u m k i k, der eifrigen Förderin des Jugendvereins, fortgesetzt. Tie Herren Levy Sondheim und Tr. Rothenberger »varen als Vertreter der beiden jüdischen Geineinden, .Herr Rabbiner Tr. Sander als Vertreter der Geistlichkeit amvesend. Tie Führerfrage steht zur Tebatte. Es ist verständlich, daß man gerade darauf so großen Wert legt, und es ist sicherlick» sehr schiver, Menschen zu finden, die imstande sind, der Jugend Führer zu sein. Auf der eineu Seite soll die Achtung vor der Autorität erhallen bleiben, andrerseits soll der junge Mensch durch Selbsterziehung sich vervollkommnen und aus den Freund und Kameraden eimvirken. Gießen hat eine zu kleine Gemeinde, um mehrere Jugendvereine, den »veltanschaulichen Einstellungen entsprechend, gründen zu können. Es ist »vohl auch ganz gut, »venu Liberale und Konservative in einer Gemeinschaft der Jugend sich treffen. Wenn jeder sich offen zu seiner Meinung bekennt, so »verden Konservative und Liberale ihre Religionsausfassung gegenseitig verstehen und achten lernen. Ter Nachmittag führt uns mit unseren Gießener Freunden zusammen nach dem ehemaligen K! o st c r h o f S ch i f f e n b e r g e. In flottem Tempo bei herrlichem Sonnenscheine geht es aus der Stadt heraus in den Wald und hinaus in die Berge. Tie ernste feierliche Stimmung ldes Vormittags ist verschwunden; »vir sind jetzt ausgelassene und freudige Menschen geivorden. Nach »venigen fröhlichen uns glücklichen Stunden nahmen »vir Abschied von Gießen und alt' den neuen Freunden, die wir dort gefunden uns die uns) eine wahrhaft jüdische Gastfreundschaft geboten hatten. F t ö r s h e i m e r, Jli-Franksurr a. M. Breslau. Jüdisch-liberaler Jug-endverein „Abraham Geige r". Im »veiteren Verlauf der Junitätigkcit unserer Hauptgruppe (über die Ovpelnsahrt am 2. Juni berichteten wir bereits) fand ain 5. Juni der ziveite Jnstruktionsabend „Grundlagen und Ziele des religiös-liberalen Judentums" statt. In der schon früher beschriebenen Weise »vurde diesmal das Wesen des jüdischen Liberalismus von verschiedenen Kursusteilnehmern behandelt. Die rege Aussprache »nachte es notivendig, sich noch au einem »veiteren Abend mit demselben Thema zu beschäftigen. Am 12. Juni traf inan sich bei einem gemütlichen Beisammensein im Kurgarten, das sehr humorvoll verlief. In der Jüngeren-Gruppe sprach am 6. Juni Franz Meidner (Hauptgruppe) über „Moderne Dramatik". Nach einer Skizzieruug der Entwicklung bis zur Wende des 19. Jahrhunderts behandelte der Vortragende das Drama seit dem Naturalismus. Tie charakteristischen Dramatiker der verschiedenen Epochen und Richtungen »vurden dargestellt und Leseproben aus ihren Werken gegeben. Abschließend glaubte der Vortragende seststellen zu können, daß allen neueren Tramatikern der Ruf nach Bindungen irgendwelcher Art gemeinsam ist. Eine lebhafte Aussprache folgte dem interessanten Vortrag. Am 13. Juni fand ein Unterhaltungsuachmittag statt, der ganz besonders nett verlief und vor allen Dingen mit dem Lesen lustigey Geschichten ausgefüllt »var. — Am 7. Juli wird voraussichtlich die erste Sitzung des Arbeitsausschusses schlesischer Jlis in Breslau stattsinden. Tiesbezügliche Mitteilungen gehen den schlesischen Jlis noch zu. 2. V. Frankfurt a. M. I ü S : s ch liberale I u g e n o g e »n c i u s ch a f t. .Heimabend am 11. Juni 1029. In Ser Reihe unserer Ausivracheabenbe „Religiöser Liberalismus" sprach Hella L » o n über Grundsätze des religiösen L i b e r a l.i s n» u s , ausgehend von einem Aufsatz gleichen Narnens von Rabbiner Tr. Leivkoivitz, Berlin. Tie Vartragende erwähnte hauptsächlich die Merkmale, worin »vir uns von der Orthodoxie unterscheiden. Während das orrhodoxe Judentum seine vorgcschriebenen, streng sestliegenden Gesetze ha», müssen »vir Liberale »nit unserem Geivissen vereinbaren, .»velche Formen wir beibehalten müssen, »vas »vir als überholt abzulegen haben. Nicht die Erfüllung jeglicher Gesetze bedeutet uns Judentum, sondern das Erkennen der hohen Idee, die uns Thora uns Bibel Übermut ein und das Streben, hiernach zu leben. Auf einen Einivand, der in der Diskussion erhoben wurde, daß ja hierdurch die Wahrheit der Sinailehre angeziveiselt würde, »var zu crividcrn. daß es uns ja nicht darauf ankommt, vb Mosel t.nsächttch ans dem Berg Sinai die zehn Bnndesworte aus der Hand Gottes empfangen ha». Im Innern der Gebote liegt die Wahrheit der Thora. Nicht jede Erzählung der Bibel braucht iich in der geschilderten Weise zugctragen haben, wozu Rabbiner Tr. Gottschalk ein treffendes Beispiel gab: Als Abraham die Männer bewirtere, die sich später als Engel zu erkennen gaben. Ter hohe Gedanke der Gastfreundschaft, der in der Begebenheit zum Ausdruck kommt, ist uns das herrliche an dieser Erzählung, gleichgültig ob sie unverfälscht wahr ift* Ter Abend gab uns manches Anregende uns Wertvolle. Wall e r S ch e i d t. Magdeburg. I ü o i f ch i i b e r a l e r I u g e n d b u n d ,,.H e i in a t". Wir eröffneten unsere Sommerarbeil mit einem Spaziergang, den wir in die nähere Umgebung unternah»nen. Er erfreute sich, des schönen Wetters wegen, einer großen Beteiligung. In der Zusammenkunft am 14. Mai debarrierten »vir über die Agencyfrage. Tann traten die Psingstserien ein. Nach diesen »var das Wetter leider nicht so günstig, um sich viel im Freien zu bewegen. Aber jetzt soll uns der Monat Juni genug Abwechslung bringen. Wir treffen uns jeden Ticnslag nachmittags uns abends im Schwimmbad Ostende. Außerdem »vollen »vir die Allgemeine Ortskrankenkasse besichtigen, um daran die neuzenige Bauweise kennen zu lernen. Tann haben »vir bereits seit dein 1. Mai eine Tcnnisableitung, für die sehr viel Interesse vorhanden ist. Also daraus kann »nan ersehen, daß »vir auch im Sommev nicht um'ere Arbeit ruhen lassen, sondern auch den Gedanken des liberalen Judentums fördern, zwar nicht aus geistigem, lvie im Winter, sondern mehr ans körperlichem Gebiet.