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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-05-03 · 18 (3.5.1929) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
18 (3.5.1929)
Date
1929-05-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Iu-Kh kberaleZellmg OrfiOtt der Dereinlguns für das UUrak Judentum e. V. \ 9tp$Wrtf durch Me »efchüfiustelle 'IMtM) Al. 2.50 gtajefentnmer 020. Bei freier Aufeuduug 13ulu»d 025 j*r Me Mitglieder der Bereirüguu, ist der Bezugspreis im MigNedsbetteage enthalte«. Meeautmortl. Redakteur: Bruno Voyda. Die «Jüdifch-Nberale Zeitungerscheint seden Areitag. Redaktion und Geschäftsstelle: Verlin SV 4S, VUHeimstr. 147 KerarvI: Bergmann 3356, 3359 Kofifchecktouto: Berlin 7lW 7. 137 OSO ^Bereinigung für das Überale Judentum) achdruck sämtlicher 0rigi«al-Beiträge nur mit vorheriger Genehmigung der _Leoattiou gestattet._ Auzeigeapreiler Die 12gespaltene AoupuruillezeUs 0.45 Goldmark, die ReNamezeile 3.00 Goldmart, M Wiederholungen Rabatt. Auzeigeuanuahme: ,3üdisch-liberale Zeitnug" Inserateuabteiluug: Berlin Sw 46. Wilhetmstrahe 147 (Bergmann: 33S8-50), sowie sämtt. Annoucen-Lseditiou. Ar. 18 Berlin. 3. Mai 1S2S S. Zahrgang Palästinensische Ausgrabungen vor dem Zulemalionalen Archäologen-Kongretz Professor Snkenik über neue Synagogen-Forschungen Aus dem Internationalen Archäologen-Kongreß, der sooiden in Berlin eine Tagung abhielt, hielt Herr Professor Gukenik von der Hebräischen Universität in Jerusalem ein viel beachtetes Referat über den Stand der neuesten Synagogen-Forschung in Palästina. Es handelt sich — so führte er in der Einleitung aus — um ein Gebiet, aus dem die bahnbrechende Arbeit von deutschen Gelehrten geleistet wurde. Ls war die Expedition der „Deutschen Orient-Gesellschaft", die in den Jahren 1905 und 1907 unter der Leitung von Kohl und Watzinger elf Synagogen in Galiläa teilweise ausgrub, wobei es gelang, die Grundform der antiken palästinensischen Synagoge festzustellen und vieles der alten Synagogen-Ornamentik zutage zu bringen. Die Hebräische Universität in Jerusalem, fuhr Pros. Sukenik fort, beabsichtigt, in der nächsten Zeit eine totale Freilegung der alten Synagogen vorzunehmen. Vorläufig find nur zwei der von Kohl und Watzinger teilweise freigelegten Synagogen völlig ausgegjraben; die bekannte Synagoge von Kapernaum (Teil Hum) und die Synagoge von Chorazin (Keraze). Die Ausgrabung der Kapernaum-Synagoge haben die Franziskaner beendet; deren Bauzeit verlegt Orfali in das erste Jahrhundert. Wichtigere Resultate haben sich bei der völligen Freilegung der Synagoge von Chorazin ergeben, die das Antiquitäten-Tepartement der Palästina- Regierung vorgenommen hat. Professor Sukenik wandte sich der Tätigkeit der „Jüdischen Archäologischen Gesellschaft" in Jerusalem zu, die sich mit dem neuen Synagogen-Fund bei Liberias befaßt hat. Die Ruine dieser Synagoge wurde beim Wegebau nahe Liberias entdeckt. Die Bauform ist die bei allen Synagogen Palästinas übliche Basilikaform. Von besonderem Interesse find Reste des Thoraschreins mit klein-architektonischen Bildwerken, wie Säulchen und kleinen Türen mit Marmorbelag. Außerdem sei eine steinerne Menorah erwähnt, die erste ihrer Art, die man in einer antiken Synagoge entdeckt hat. Lin ganz neu entdeckter Synagogentyp ist eine Synagoge bei Jericho, die im letzten Kriegsjahre aufgefunden wurde, als eine Bombe auf dem türkischen Lager nahe Jericho in einen Hügel emschlug und die Engländer tags darauf Teile eines Mosaikfußbodens mit einer aramäischen Inschrift freigelegt fanden. Diese Synagoge wurde nach dem Kriege von den Domikrnern ausgegraben, wobei reicher dekorativer Zierat ans Licht gebracht wurde. Auch diese Synagoge ist im Basilika-Stil angelegt und ist von Vorplatz, Hof und Seitengebäude umgeben. Am bemerkenswertesten ist der Mosaikboden des Mittelschiffs; er weist verschiedene Abbildungen von Vögeln, Tieren, Früchten und dergleichen auf. Der Jnnenkreis umschließt das Mittelstück: eine figürliche Dar- Hellung der Sonne, die auf einem Viergespannwagen einher fährt. Um dieses Mittelstück sind in Kreisform die 12 Sternbilder angeordnet. In den vier Ecken sind Figuren angebracht, die die vier Jahreszeiten symbolisieren. Hebräische Inschriften erläutern den Sinn der Darstellungen. Die Bilder sind leider fast nur in den Umrissen enthalten. Wir haben hier dieselbe Erscheinung, die man auch in anderen antiken Synagogen beobachten konnte: offenbar haben die Juden in einer späteren Periode der Bilderftürmerei alle figürlichen Darstellungen zerstört oder gänzlich entfernt. Oberhalb des Zodiakus schließt sich eine weitere Darstellung an, die man nur dank einer guterhaltenen hebräischen Inschrift deuten konnte. Von rechts und links schreiten zwei Löwen <ms eine in der: Mitte befindliche Figur zu, von der nur ^kste beider Hände enthalten sind. Die Inschrift zeigt den Namen Daniel; offenbar handelt es sich um eine Darstellung Daniels in der Löwengrube. Im Südteil des Baues zeigt der Mosaik die Darstellung eines Thoraschreins, flaniert von zwei siebenarmigen Leuchtern. Die Beth Alpha-Synagoge. In den letzten Monaten, berichtete Prof. Sukenik weiter, ist eine zweite Synagoge dieses Typs entdeckt worden, die der Referent un Aufträge der Hebräischen Universität zu Jerujatem ausgegraben hat. Auch diese Synagoge rst zufällig uns Tageslicht gekommen, als man in der jungen jüdischen Siedlung Beth Alpha im Tale Esdraelon unweit Beisan Dramage-Arbeiten vornahm. Hier hatten wir das Glück, aus ungewöhnlich gut erhaltene Funde zu stoßen. Die tteigelegte Fläche ist 28 Meter lang und 14 Meter breit. Auch bier ist «e Basilikaform gewahrt. Zwei Reihen von je 5 Pfeilern Aen die Synagoge in die übrigen drei Stücke. Längs der Münde ziehen sich steinerne Bänke. Bon großem Interesse 'V Eine Apsis, die auf der Südmauer der Synagoge ausladet und zweifellos als Standplatz des Thoraschrerns diente. Eine spnterc Hinzufügung ist ein stufenarttg erhöhtes Pooium (Bemaln der Nähe der Apsis. Die Richtung der Synagoge zeigt den Süden, ist also Jerusalem zugewandt, wie alle Synagogen, die nördlich Jerusalems aufgefunden wurden. Ter ganze Komplex ist mit Mosaiken ausgelegt, das Hauptinoicuk des Mittelschiffs ist außerordentlich bilderreich und vielfarbirg. Es.ist in drei Felder geteilt und von einem Rahmen umgeben, der eine verschlungene Weinranke darstellt, in deren Verschlingungen sich Abbildungen von Menschen, Tieren, Vögeln, Fruchtkörben usw. finden. Bei der Apsis im Südteil zeigt das Mofaikfeld die Wiedergabe eines Thoraschreins, feiner Geräte und Verzierungen. Im Mittelpunkt ist der Thoraschrem als ein giebelartiges Gebäude dargestellt. Seine Front weist zwei Flügeltüren auf, die in je vier Felder geteilt sind. Jedes der vier Felder zeigt Nachbildungen von Schnitzornamentik. Ueber den Türen trägt eine Leiste drei Basen. Oberhalb der Vasen sieht man eine Conche, über der oom Giebeworsprung herab die Ewige Lampe hängt. Auf den Akroterren steht je ein Vogel — wahrscheinlich die Cherubim der Bibel. Zu beiden Seiten des Thoraschreins stehen zwei siebcnarmige Leuchter, bei denen man zwei Widderhörner, jowie Abbildungen von Thorarollen in Theken sieht, aus denl die Unbilicr herausragen. Rituelle Feststräuße und Citrusfrüchte (Lulab und Ethrog) finden sich unter den Abbildungen. Unterhalb der Leuchter flankieren zwei brüllende Löwen den Thoraschrein. Stränchrr und Vögel füllen den frnen Raum. An dieses Feld schließt sich das rechteckige Feld des Zodiaks an, das hier den Mittelpunkt des ganzen Mosaiks bildet. Im Zentrum sieht man die figürliche Darstellung der Sonne mit einem Strahlenkranz auf dem Haupte aus Tlnem vierspännigen Wagen thronend. Tie freien Stellen find mit Halbmond und Sternen bedeckt. Konzentrisch zu dem kreisförmigen Mittelstück sind die zwölf Sternenbilder angeordnet. Das Jahr beginnt, wie aus den Inschriften klar ersichtlich ist, mit dem Widder — dem Sternbild des ersten Frühlingsmonets. Besondere Erwähnung verdienen folgende Bilder: 1. Das Mld der „Zwillinge", die eng verbunden gleich siamesischen Zwillingen dargcstellt sind- 2. Tie Jungfrau", die mit Ohrringen und anderem Schmuck behängt auf ernem Throns esset sitzt. 3. Das Abbild der „Waage", das einen Mann zeigt, der in seiner Rechten eine Waage hält. i. Der „Schütze", der in der Linken einen Bogen hält. 5. Der „Wassermann", der das Wasser aus einer Zisterne schöpft. In den vier Feldern des Rechtecks, das den Zodiakus umspannt, sind vier Darstellungen der Jahreszeiten angebracht, die durch geflügelte Genien versinnbildlicht werden. Am künstlerischsten ist das Bildnis des Herbstes. Tie Gestalt trägt ein Diadem, Ohrringe und Schmuckbehang, der hauptsächlich aus Smaragd, Amethyst und Topas besteht, zu deren Wiedergabe man Glaswürfel verwendet hat. Bemerkenswert ist, daß die Genien blondes Haar tragen. Gut erhaltene hebräische Inschriften finden sich neben jeder Abbildung. Das anschließende Feld ist einer Darstellung der Opferung Isaaks gewidmet und zeigt einen Aufmarsch aller beteiligten Personen von links nach rechts. Links' stehen dre beiden jungen Diener mit dem aufgezäumten Esel.' Ter Diener rechts von dem Tier hält in der rechten Hand dre Zügel, in der linken eine Peitsche. Neben ihm sieht man ernen Widder, der an einem Busch angebunden ist. Ueber dem Widder findet sich ern Zitat aus dem Alten Testament, das auf den biblischen Vorgang hindeutet. Eine ausgestreckte, von einem Strahlenkranz umgebene Hand symbolisiert das Eingreifen Gottes und weist aus Abraham, der sich nach ihr umwendet, um den Ruf Gottes auszuneymen. Ueber der Hand führen einige hebräische Worte den himmlischen Befehl an. Abraham selbst ist als ein ältlicher, bärtiger, wohlbeleibter Mann dargestellt, dessen langer Mantel bis auf den Knöchel herabfällt. In der Rechten hält er ein langes Messer. Tie Linke faßt den Sohn Jizchak, der nackt in sehr hellen weichen Falben als junges Knäblein mit gebundenen Händen dargestellt ist. Rechts steht der Opferaltar mit lodernden Flammen. Zu beiden Seiiten der Mitteltür trägt das Mosaik Bilder eines Löwen und eines Bison oder Stiers Zwischen den beiden Tieren wurden zwei Inschriften die eine in arameischer, die andere in griechischer Sprache - gefunden. Tie griechische Inschrift enthält die Namen der beiden Handwerker Marianos und seines Sohnes Hanina, die das Mosaik legten. Die leider zum Teil zerstörte arameische Inschrift gibt die Zeit der Anlage des Mosaik an, sowie die dafür verausgabte Geldsumme und die Namen der Stifter mit den üblichen Segensformeln. Von alledem hat sich noch folgendes erhalten: „Dieses Mosaik wurde rm Jahre ... der Herrschaft des Kaisers Justrnus gelegt" etc. Sukenik vermute^ daß es sich um Justin I., 517 -628, handelt, sodaß wir es also mrt einer Synagoge aus dem Ende des ersten Viertels des 6. Jahrhunderts n. Ehr. zu tun haben. Dre aus der ganzen Welt versammelten Archäologen fügten mit gespanntem Interesse den Ausführungen Prof. Sukeniks. (Jta) Der wahre Elia Dem Andenken Michael Hoizmans. Von Rabbiner Tr. Gottjchalk, Frankfurt a. M. Nun haben Taufende wieder seinen Namen ausgesprochen, den Namen Elias, Tausende ihn als Vorboten des Messias gepriesen, von seinen Wohltaten erzählt, von seinen Wundertaten und ihm den Becher bereitet. Aber ob man ihn trotzdem kennt? Ob man sich bewußt ist, daß all die Legenden, die man von ihm berichtet, seine wahre Größe nur verschleiern, den Kern seines Wesens verdecken? Ob man daran denkt, daß.es mit Elia so wie mit Mose gegangen ist, der viel zu groß, ist, als daß ihn die Menge ganz erfassen, ihm anders als durch die Wunder, Legenden und volkstümlichen Geschichten und Geschichtchen nahekommen könnte. Nein der wahre Mose ist das nicht, und auch der wahre Elia wird so nicht erkannt. Man wird ihm nicht gerecht, lvenn man ihn einmal im Jahr am Pessach erwähnt, auch nicht, wenn man täglich im Tischgebet um seine „gute Botschaft" bittet oder ihm am Sabbatausgang Lieder singt. Ter wahre Etra, an den man immer dmken, von dem man immer erfüllt sein sollte, er lebt in seiner ganzen Kraft und Größe vielleicht nur einmal unter uns auf, ohne daß wir dann freilich an ihn denken: wenn am Schluffe des heiligsten Tages das Wort erklingt, das Elia einem schwankenden, feigen, verschüchterten und seetenarmen Volk neu abgerungen — adaunoj hu hoelauhim, der Ewige ist Gott!" Hier steht Elia wirklich auf, hrer ist er Führer von Millionen wie dereinst der Führer von Hunderten, hier wirkt er wie er einst gewirkt, als er es selbst von sich bekannte: „Geeifert habe ich für den Ewigen Zebaoth." Tenn das ist sein Ruhm für immer dar — er eiferte für den Ewigen Zebaoth. Ja dieser Elia der Bibel, das ist der wahre, das der große unsterbliche, er ist es, der alle Ehren verdient, auch die, Herold des Messias zu fein. Denn sein Eifern war nicht von kleinlicher Art und galt nicht einer kleinen Sache, hatte nichts von Selbstsucht und Eitelkeit. Sein Eifern war kein rechthabenwollen; kein kleinliches Zanken und Markten und Feilschen. Sein Eifern war nur ein einziges Echo des Eiferns, welches Gott selber eigen und das darum den Namen „h eilig" verdient. Hunderte duckten sich — er aber wagt es, er fragt nicht nach Leben, nicht nach dem König und den falschen Propheten, er wagt es, steht auf und schreit es hinaus: „So wahr der Ewige lebt!... Und wagt es noch einmal nach drei langen Jahren, da die Wut gegen ihn noch dreifach gewachfen, wagt es, den König herauszufordern und ihm die Worte entgegenzuschleudern: „Nicht ich habe Israel verderbt, sondern du!" Ja, er wagt mehr: 800 heidnische Propheten zu rufen, sich ihnen allein entgegenzustellen, mit ihnen zu ringen um seinen Gott und dem Volk das Bekenntnis zu ihm neu abzuzwingen. Einen Augenblick schwankt auch selbst dieser Riese, glaubt auch er „es ist genug" und bittet um Tod von Gottes Hand, da ihm die Menschen ans Leben wollen. Rührend die Bitte, rührend die Treue - aber gewaltiger, viel gewaltiger, wie er noch einmal den Gott des Lebens sucht, an uralt heiliger, geweihter Stätte, am Horeb, erschütternd, wie er sich seinem Spruche beugt, diesen Gott noch einmal ganz neu erlebt: er ist nicht im Feuer, rm Sturm nicht, rm Leben - er ist nicht in äußerer Gewalt und Macht, und es war nicht fein Wille, daß Elia die Baalspcopheten hat töten lassen, seit Abraham will Gott keine Menschenopfer mehr: Gottes Symbol ist die leise Stimme, die sich im Menschen — urmächtig regt. Leise, leise und doch urmächtig! Elia legt bald darauf Zeugnis dafür ab: ein Bürger wird unschuldig umgebracht, weil der König fernen Weinberg besitzen will. Da schleudert Elia, der es nicht mehr verhindern konnte, nachträglich wenigstens dem König das Wort ins Gesicht: „Hast du gemordet und auch schon in Besitz genommen!" Das war seine letzte gewaltige Tat, dieser Aufschrei des Unrechts^ diese heilige Empörung ob des Frevels

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