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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-03-29 · 13 (29.3.1929) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
13 (29.3.1929)
Date
1929-03-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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* Aus den Gemeinden * Berlin. (5 0. Geburtstag.) Am 4. April inert Herr Leo Steinitz, Berlin-Halensec, Kursürstendamm 107, seinen 50. Geburtstag. Herr Sleinitz hat sich als Mitbegründer unserer Bezirksgruppe Halensec-Grunewald um die liberale Sache große Verdienste erworben und hoffen wir, daß uns seine erfolgreiche Tätigkeit noch lange Jahre erhalten bleibt. Es ist uns ein Bedürfnis, auch an dieser Stelle die herzlichsten Glückwünsche auszusprechen. Berlin. (Besser u n g im Befinden des Herrn Kamme r g c r i ch t s r a t Wolfs.) Wie wir in der vorigen Nummer meldeten, war der Präsident des Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und stellvertretende Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde, Herr Kammergerichtsrat Leo Wolfs, nach seinem .bedauerlichen Auto-Unfall in die Charietc verbracht worden. Tie Nachricht, daß er sich unter der Behandlung von Professor Sauerbruch bereits aus dem Wege der Besserung befindet, hat sich erfreulicherweise bestätigt. Ter Patient konnte bereits am Montag dieser Woche in seine Wohnung überführt werden, bedarf aber nach ärztlicher Verordnung noch für drei Wochen absoluter Ruhe. Mit uns vereinigen sich wohl alle Kreise des deutschen Judentums in dem Wunsche, daß die Genesung bald weitere gute Fortschritte machen soll. Berlin. (Jubiläum.) Der Glasermeister Max Marcus, Berlin- Schöncberg, Bahnstraße 35, begeht am 31. März 1929 sein 40 jähriges Gcschäftsjubiläum. Einer Handwerkersamilie entstammend, ist es ihm auf Grund seiner hochwertigen fachlichen Leistungen gelungen, seinem Betrieb aus kleinen Anfängen die ihm heute gezollte Anerkennung zu verschaffen. Berlin. (5 0 j ä h r i g e s Ol c s ch ä f t s j u b i l ä u m.) Unser langjähriges Mitglied, Herr Carl Loeser, Berlin SW. 68, Alte Jakobstraße 120 b, begeht am 2. April das seltene Fest des 50 jährigen Jubiläums des von ihm begründeten Bankgeschäftes. Lange Jahre hindurch hat Herr Loeser die angesehene Firma selbst geleitet, bis er im Jahre 1922 zu seiner Entlastung Herrn Handelsrichter .Herbert Schmidt als Teilhaber ausgenommen hat. Wir wünschen Herrn Loeser, der trotz seines hohen Alters im Vorstand des Liberales Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin an hervorragender Stelle mitarbeitet, daß es ihm vergönnt sein möge, noch recht lange an der Spitze seines Unternehmens zu wirken. Berlin. (Hauptversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums.) Mittivoth, den 20. Marz, fand im Gartensaal des Logenhauses zu Berlin, Kle'iststraße 10, die gutbesuchte Hauptversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums E. V. statt. Der Vorsitzende, Professor Tr. M. Sobernheim, begrüßte zunächst die Erschienenen, besonders die zahlreichen Organisationen, die Vertreter entsandt, bezw. ihre Wünsche schriftlich ausgesprochen hatten. Sodann gedachte er in warmen Worten des vor einigen Monaten verstorbenen Sanitätsrat Dr. Bradt, der durch seine Tätigkeit als Schriftführer des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums sich unvergängliche Dienste erworben und häufig auch mit der Gesellschaft gemeinsame Arbeit geleistet hat. Tann wurde der Geschäftsbericht erstattet, aus dem sich ergibt, daß das Geschäftsjahr 1928, wenn auch finanziell ungünstig, so doch in der wissenschaftlichen Tätigkeit sehr erfolgreich abgeschlossen hat. Der Mitgliederstand ist mit 1600 ziffernmäßig der gleiche geblieben, 122 Mitglieder sind ausgeschieden und eben so viele neu eingetreten. Der Kassenabschluß ergibt eine Verminderung des Barbestandes um 8600,— Mark. Trotz der ungünstigen Finanzlage war die Gesellschaft bestrebt, die j Reihe der Publikationen auf der Höhe zu halten. Die Mitglieder erhielten nicht nur alle Veröffentlichungen der Gesellschaft mit erheblicher Preisermäßigung, sondern daneben auch Rabatt auf eine Reihe anderer Schriften. Dem Vorstand und dem Schatzmeister der Gesellschaft wurde Decharge erteilt. Der Ausschuß wurde wiedergewählt. Neu gewählt würden die Herren Bankier Alfred Jaulus, Berlin, ,und Dir. med. Aron Sandler, Berlin. Im Anschluß cm die «rschaftlichen Verhandlungen hielt Herr Professor Gotthold Mil Linen sehr anregenden Bortrag über seine: „Reiseeindrücke vü'üs dem Vorderen Orient", wobei er besonders von der Mischen Bevölkerung sprach. Die Zuhörer folgten ^Mit gespgpps^ Aufmerksamkeit den lehrreichen Ausführungen des ReßnM. Berlin. (Teeabend des Hilfsvereins der Deutschen Juden.) Frau Rosa Sachs stellte ihre Räume für einen Teoabend zur Verfügung, zu dem die Herren Dr. James Simon und Generalkonsul Eugen Landau eingeladen hatten. Eine Anzahl prominenter Persönlichkeiten der Berliner jüdischen Gesellschaft war erschienen. Herr Generalkonsul Landau, stellvertretender Vorsitzender des Hilfsvereins, skizzierte in seiner Begrüßungsansprache die Geschichte des Hilfsvereins seit seiner Begründung und hob besonders die bisher durchgesührten großen Hilfsaktionen hervor. Herr Professor Dr. Eugen Mittwoch erstattete ein ausführliches Referat über die jahrzehntelange Arbeit des Hilssvereins. Er würdigte besonders fein Kulturwerk in Osteuropa und im Orient. Zur Erweiterung der kulturellen Arbeit soll u. a. der Dr. Paul Nathan-Fonds dienen. Der Hilfsverein glaubt, Dr. Paul Nathan kein schöneres Denkmal setzen zu können, als einen Fonds für diese Arbeit, der der Verstorbene so nahe stand, zu gründen. Sehr interessant waren auch die Ausführungen des Herrn Professor Dr. Mittwoch über die Stellung des Hilfsvereins im internationalen jüdischen Hilsswerk. Er hob in diesem Zusammenhänge die Bedeutung der im Juli vorigen Jahres in Paris abgehaltenen Konferenz hervor, an der die Alliance Jsraelite Universelle, das American Jewish Committee, das Joint Foreign Committee, die Jewish Colonization Association, die Wiener Allianz und der Hilfsverein teilgenommen haben. Herr Dr. Mark Wischnitzer beleuchtete einige aktuelle Probleme der Hilssarbeit. Die Lage der Juden in Osteuropa und im Orient sei gegenwärtig sehr kritisch, so daß der Hilssverein die Kräfte der deutschen Judenheit für ein Hilfswerk in diesen Ländern vereinigen müsse. Herr Generalkonsul Eugen Landau dankte Frau Sachs für ihre Gastfreundschaft und appellierte an die Anwesenden, die edlen humanitären Ziele des Hilfsvereins zu fördern. Franlenbrrg. (Persönliches.) Im Zeitraum von 5 Tagen ist das Katzensteinsche Ehepaar gestorben. Herr M. Katzenstein war 30 Jahre Vorstandsmitglied der Gemeinde; seine Gattin entfaltete im Israelitischen Frauenverein, dessen Vorsitzende sie 15 Jahr« war, eine ersprießliche und rührige Tätigkeit. Lehrer Stern gedachte in eindrucksvollen Worten an den Gräbern der Entschlafenen ihrer Verdienste um die Interessen der jüdischen Gemeinde. Fritzlar. (Hohes Alter.) Die langjährige Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins, Frau F. Löwenstein, beging am 22. März in körperlicher und geistiger Frische ihren 85. Geburtstag und war aus diesem Anlaß Gegenstand mancherlei Ehrungen. Leipzig. (50jährig«s Dienstjubiläum.) Herr Max Graf, Lehrer an der Leipziger Religionsschule, feiert zu Ostern 1929 das seltene Fest seines 50 jährigen Dienstjubiläums. Zu Deutsch- Krone in Westpreußen am 11. Dezember 1858 geboren, trat Graf zu Ostern 1873 als 14 jähriger Knabe in das Lehrerseminar zu Berlin ein, bildete sich hier zum Bolksschullehrer und zum Religivnslehrer aus und trat zu Ostern 1879 in den Schuldienst. Malinz. (Todesfall.) Hier verstarb in der vorigen Woche Herr Rabbiner Dr. Jonas Bondi, der an der orthodoxen Synagoge der Israelitischen Religionsgemeinde wirkte. München. (Auswirkung des Antisemitismus an bayerischen Hochschulen.) Bei Beratung des Kultusetats im bayerischen Landtag kamen die nationalsozialistischen Treibereien auf den bayerischen Hochschulen zur Sprache. Die UniversitätsbehSrden begünstigten die nationalistische Agitation und verweigern den republikanischen Studenten die Säle. Kultusminister Goldenberger verteidigt« die Zulassung von Kranzschleifen mit dem Hakenkreuz durch den Rektor der Münchener Universität. Zum Weggang des ausgezeichneten Münchener Literaturhistorikers Fritz Strich, der es in 30 Jahren nur bis zum Privatdozenten mit dem Titel außerordentlicher Professor bringen konnte — offenbar aus Gründen konfessioneller Engherzigkeit — äußerte der Minister, es sei leider für ihn keine ordentliche Professur frei gewesen, und im übrigen zeige seine Berufung nach Bern, wie sehr man die wissenschaftliche Leistung bayrischer Universitäten schätze. Oppeln. (Gründung eines „O r t" - A k t i o n s - A u s» s ch u s s e s.) Am 14. März sprach Herr Dr. Michael T r a u b in der „Freiheit-Loge" zum Thema: „Vom Luftmenschentum zu produktiven Wirtschaftsformen". Den Vorsitz führte Herr Sanitätsrat Dr. Schlesinger. In der lebhaften Aussprache, die sich an den Vortrag knüpfte, kam deutlich zum Ausdruck, wie sehr alle Richtungen im Judentum von dem Wert und der Bedeutung der „Ort"- Arbeit überzeugt und an dem „Ort"-Werke mitzuarbeiten bereit sind. Es bildete sich ein Aktions-Ausschuß, dem die Herren: San.-Rat Dr. Schlesinger, Vorsitzender, Rechtsanwalt Adler, Frau Rechtsanwalt Dr. Brauer, Rechtsanwalt Dr. Brauer, Rechtsanwalt Dr. Deutschmann, Jsmar Engel, Dr. Eppenheim, Max Friedländer, Landgerichtsrat Dr. H i r s ch b e r g , San.-Rat Dr. Kacmpser, Emil Kassel, -Rabbiner Dr. L u b a s ch , Logenvräsident Spier, Alfred Wiener, Georg Wiener, Frau Jda Wiener, Rechtsanwalt Wolfs angehören. * Aus der Bewegung * Berlin. (Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E.'V.) Wir bitten unsere Mitglieder, um das Inkasso-Geschäft möglichst zu ver- K-Hlfachen, die am l. April fälligen Mitgliedsbeiträge aus unser Postscheck-Konto Berlin Nr. 14805 einzuzahlen. Berlin. (Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin.) Am Montag, den 18. März 1929, hielt der Liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin im großen Saal der Gesellschaft der Freunde, Potsdamer Straße 9, eine Mitglieder-Versammlung ab. Nach kurzen einleitenden Worten erteilte der Vorsitzende, Herr Justizrat Max Chodziesner, Herrn Landgerichtsrat Dr. Lilienthal das Wort zu dem angekündigten Vortrage „Unsere Bedenken gegen die gegenwärtige Mitarbeit am Palästinaausbau". Der Referent legte dar, daß die Bestrebungen des Zionismus, auch die Nichtzionisten für den Palästinaaufbau zu gewinnen, insofern eine neue Wendung genommen hätten, als die Zionisten jetzt bereit seien, die Durchführung des Palästinaausbanes in die .Hände einer aus Zionisten und Nichtzionisten zusammengesetzten Körperschaft, der Jewish Agency, zu legen. Die Frage, ob für die deutschen nichtzionistischen Juden eine Beteiligung an der Agency möglich sei. müsse ohne jede Voreingenommenheit geprüft werden. Die Mitarbeit an einer Siedlungsarbeit in Palästina könne keinesfalls grundsätzlich abgelehnt werden, da einerseits auch für die Nichtzionisten gewisse gefühlsmäßige Bindungen mit Palästina beständen, andererseits diejenigen, die als Auswanderer in Betracht kämen, selbst zum überwiegenden Teil nach Palästina zu gehen wünschten.. Fern liege uns Nichtzionisten aber die Einstellung, daß die Palästinaarbeit der Mittelpunkt aller jüdischen Arbeit überhaupt sei. Für die Beurteilung der Wirkung dessen, was in Palästina geschaffen werde, könne nicht nur auf die dortigen Zustände selbst gesehen werden, von denen manches für eine dortige Siedlung spreche. Die Frage der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes müsse durch den Sachverständigen- Bericht als geklärt gelten und andererseits sei bei der Siedlung in Palästina vielleicht — allerdings nur vielleicht — die Ausgestaltung nach jüdischen religiösen und sozialen Idealen eher möglich, als bei der Siedlung in anderen Ländern. Sehr wichtig sei aber auch die Auswirkung der Palästinaarbeit auf die anderen Länder. Die Palästina-Siedlung habe nach dem Völkerbunds-Mandat d-'s die R-chtsgrundlage für die Tätigkeit der Agency bilde, die Bestimmung, in Palästina das nativ,lale Heim für das jüdische Volk zu schassen. Damit sei. klar und deutlich gesagt, daß hier das nationale Zentrum für die Nationalisierung der Juden aller Länder geschaffen werden soll. Diese Zweckbestimmung könnten wir ehrlicher Weise nicht anerkennen, wie wir es tun würden, wenn wir in eine Agency, der durch das Völkerrecht eine solche Zweckbestimmung vorgeschrieben ist, eintreten würden. Tatsächlich würde die Siedlung in Palästina, da die Auswanderer im wesentlichen national-jüdischen Kreisen entstammen werden, höchstwahrscheinlich nationalen Charakter tragen. Das allein brauchte die Mitarbeit nicht unbedingt zu verhindern. Eine solche geschlossene jüdisch-nationale Gemeinschaft würde aber den Nationalisierungsbestrebungen unter den Juden der Diaspora einen ungeahnten Austrieb geben, so daß wir in absehbarer Zeit in dieser Richtung vor schweren Kämpfen stehen würden. Diese Entwicklung würden wir zwar durch unseren Nichteintritt in die Agency wahrscheinlich nicht verhindern können, da die Nichtzionisten in anderen wichtigeren Län-, dcrn mitmachen und die Agency so zustande kommen würde. Der Referent habe auch das Vertrauen, daß letzten Endes die den Nationalismus ablehnende Einstellung sich durchsetzen würde. Aber Voraussetzung sei, daß man sich für diesen Kamps, in dessen Mittelpunkt wahrscheinlich gerade das deutsche Judentum stehen würde, nicht schon jetzt selbst in den Rücken falle, indem man durch einen Eintritt in die Agency bei der augenblicklichen Rechtslage selbst erklärt, das an Auswirkungen der Palästinaarbeit zu »vollen, was man später mit aller Kraft bekämpfen müsse. Da eine Bereitwilligkeit der Zionisten, an der Aenderung der Rechtsgrundlage der Agency mitzu- »virken — und nur bei einem Zusammenwirken aller Juden bestehe eine Aussicht auf Erfolg beim Völkerbund — sich nicht herausgestellt, habe, so sei der Eintritt in die Agency bei aller grundsätzlicher Bereit-« schüft zur Mitarbeit am Palästinaaufbau zu widerraten. Reicher Beifall lohnte dem Redner für seine interessanten Ausführungen. In einer außerordentlich angeregten Diskussion wurden die angeschnittenen Fragen von vielen Seiten erörtert. In seinem Schlußwort ging Herr Dr. Lilienthal aus die Ausführungen einzelner Diskussionsredner besonders ein. Breslau. (Von der Arbeit des Jüdisch-liberalen Jugcndvereins „Abraham Geige r".) Unser voriger Bericht sei noch dahin ergänzt, daß am 3. März unter Leitung unseres 1. Vorsitzenden eine Führung durch die Ausstellung „Das Judentum in der Geschichte Schlesiens" stattfand. Ueber diese in ihrem Aufbau einzigartige Ausstellung wurde bereits an anderer Stelle eingehend berichtet. — Am 20. März sprach Herr Kapellmeister Hans Krieg über „Jüdische Tonschöpfer des 19. Jahrhunderts". Nach einer Erläuterung des Wesens der Romantik, die die Tondichtungen dieser Zeit kennzeichnet, ging der Vortragende näher auf die einzelnen Tonschöpfer ein. An den Lebensbildern von Mendelssohn-Bartholdy, Meyerbeer, Moscheles, Offenbach, Brüll, Rubiustein und Mahler bewies er neben ihrer Bedeutung für die Musik überhaupt, daß die Juden nicht nur reproduktiv, sondern auch selbstschöpserisch tätig sind. Einige meisterhaft auf dem Klavier vorgetragene Ausschnitte aus den Werken der erwähnten Komponisten beendeten den interessanten Abend. Der 22. März brachte die 4. Wiederholung der auf unsere Anregung von der Gemeinde geschaffenen Freitagabendspätandacht. Erwähnt sei die Predigt von Herrn Gemeinderabbiner Dr. Bogelstein, der vom „Tag des Buches" ausgehend in wundervollen Worten darlegte, was die Bibel, „das Buch der Bücher", dem heutigen Menschen sagen kann und auch sagen sollte. Nach der Andacht fand unser 2. gemeinsames Freitagabendessen statt, das an Teilnehmerzahl den gleichen Erfolg wie das vergangene atjfwies und in feiner schon bekannten Form (Kiddusch und Segenssprüche, Mahlzeit, Schir hamaalaus, Tischgebet) äußerst harmonisch verlief. Daß der Abend seine bereits früher dargelegte Aufgabe erfüllte, bewiesen ein von Edith Weiß vorgetragenes selbstverfaßtes Gedicht, die Worte des Vorsitzenden und die kurzen, aufrichtigen Worte einiger anderer Mitglieder, lim einen schmackhaften Nachtisch hatte sich diesmal vorsorglich Frau Margarete Wachsmann vom Liberalen Hauptverein bemüht. Breslau. (Die Aufgaben der liberalen jüdischen Frau.) Im Rahmen einer Nachmittagsveranstaltung des „Liberalen Vereins der Synagogengemeinde zu Breslau", die, wie wir verspätet erfahren, am Dienstag, den 19. Februar 1929, im großen Saal des „Hotels Vier Jahreszeiten" stattgesunden hat, hielt die Vorsitzende des „Jüdischen Frauenbundes", Frau Bertha Falkenberg, einen Vortrag: „Das jüdische Jahr im jüdischen Haus". Dem Bericht der „Breslauer Zeitung" entnehmen »vir über die Veranstaltung das Folgende: „Zuvor erläuterte die Leiterin der Veranstaltung, Frau Grete Bial, den Begriff des jüdischen Liberalismus und wies besonders daraus hin, daß auch die Frauen Veranlassung hätten, sich für seine Ideen einzusetze»». Das Fundament des jüdischen Liberalismus ist der Glaube, und seine Bestrebungen gehen dahin, in dessen Lehren einzudringen und sie mit dein Leben und Geist der Jetztzeit zu erfüllen. Frau Falkenberg gab in ihrem Bortrage ein anschauliches Bild von dem Aufgabenkreis der jüdische» liberalen Frau im jüdischen Hause. Es gelte vor allem, die Gemütswerte, die in den Sitten und Bräuchen der Altvordern liegen, zu erfassen und einen Strom religiösen Lebens in das Haus zu leiten. Die Rednerin behandelte die Ausgestaltung der Feier jener Feste, die am besten dazu geeignet sind, die Bindung an das Haus zu schaffen und den Familiensinn zu vertiefen. Die geistvollen Aus sührungen der Vortragenden »vurden von dem versammelten Auditorium der Frauen mit starkem Beifall ausgenommen und bildete» den Gegenstand einer angeregten Aussprache." Köln. (Von der „G e m e i n s ch a s t".) Tie ernst und eifrig arbeitende junge „Gemeinschaft" hatte ihre Anhänger und Freunde zur ziveiten Veranstaltung am Sonntag nachmittag ins Kunstvereins Haus gebeten; sie durste trotz des Frühlingswetters und trotz der Ostergeschäststätigkeit eine stattliche Anzahl Frauen und Männer begrüßen. Daß die „Gemeinschaft" sehr wohl erkannt hat, an welcher Stelle dringendste Arbeit zu leisten sei, das zeigte die Wahl des Themas „Religiöse Jugenderziehung im Geiste des fortschrittlichen Judentums". Es galt einmal die Prinzipien und Methoden eines fortschrittlichen Religionsunterrichtes darzulegen, sodann aber auch aufzu zeigen, daß man in Köln einen derartigen Unterricht bisher nicht geduldet hat. Der ersten Aufgabe entledigte sich der Hauptredner des Tages, Herr Prediger Tr. Karl Rosenthal von der Reform gemeinde zu Berlin, in meisterhafter Weise, während Herr Rektor Coblenz mit der ihm eigenen Abgeklärtheit, jedoch in kraftvoller Entschiedenheit die Gründe crufwies, die bisher ber Erteilung eines modern-liberalen Religionsunterrichtes in unserer Gemeinde im Wege standen. Beide Vorträge im Verein mit den einleitenden und ad schließenden Worten des Vorsitzenden, des Herrn Dr. Blank, festigten bei den Zuhörern den Eindruck, daß der entschiedene Liberalismus sich anschicke, sehr bald aus dem Stadium theoretischer Erwägunge,i herauszutreten und seine praktischen Forderungen an »naßgebender Stelle anzumelden. Herr Dr. R o s e n t ha l - Berlin charakterisierte unsere Zeit als eine Epoche starker Gegensätze, unter denen die Jugend, und namentlich die jüdische Jugend, besonders leide. In dieser Krise bedürfe sie starken religiösen Haltes, der verloren gegangen sei, weil cs an der aus konsequentem Zuendedenken entspringenden Tatsreudigkeit gefehlt habe. Die Führer auf religiösem Gebiet hätten die Pflicht, den originalen Charakter der jüdischen Religion klar herauszustellen, also die enge Verknüpstheit zwischen Religion und Ethik, die Anerkennung einer sittlichen Weltordnung und die messianische Idee. Dabei sei die religiöse Atmosphäre zu erfüllen mit den Gehalten des Lebens in all seinen Manifestationen. In der neuen Abgrenzung des Begriffes „Tradition" sei der Zweifel gebührend zu berücksichtigen, weil er sich als äußerst fruchtbar erweise bei Weckung religiöser Triebkräfte. Ergebe die Prüfung des Wahrheitsgehaltes der Tradition die Unhaltbarkeil der Verbalinspiration, so habe der Religionsunterricht die Wege einzuschlagen, denen die entschiedene Reform bereits folge. Herr Rektor Coblenz-Köln ergänzte einleitend die grundsätzlichen Darlegungen des H^up.refe^nten und schilderte dann die Schwie '-igkc'.icn, die einer Liberalisierung des Religionsunterrichtes in Köln entgegenstünden. Insbesondere geißelte er die Bevormundung der Religionslehrer durch die Orthodoxie, die es nicht zulasse, daß die Beamten so lebten und lehrten, wie es ihrer religiösen Ueberzeugung entspreche. Mit einem Aufruf zum Beitritt in die „Gemeinschaft" und mit Dankestvvrten an Redner und Gäste schloß Herr Dr. Blank die Versammlung. Magdeburg. (Generalversammlung des Jüdischliberalen Jugendbuudes „Heimat".) Der Jüdisch-liberale Jugendbund „Heimat" hatte am Sonntag, den 17. März 1929, seine Generalversammlung. Sie »vurde von dem Vorsitzenden, Hans Scharfer, eröffnet. Er begrüßte zuerst die Herren Sanitätsrat Dr. Frankenstein, Kronheim und Oberkantor Teller, die vom Ausschuß erschienen »varen. Dann gab er den Halbjahrsbericht, bei dem er besonders die Führertagung hervorhob, die uns viele neue Anregungen für die Winterarbeit gegeben hat. Darauf folgte der Kassenbericht von Wred Klappholz, dem von der Versammlung Entlastung erteilt wurde. Sodann folgten die Vorstandswahlen, in denen zum 1. Vor sitzenden Hans Meyer gewählt wurde, zum 2. Herbert Lubranschik, zum Schriftführer Alfred Hadra, zum Kassierer Alfred Klappholz, zu Jugendobleuten Moritz Schermann und Gerd Scharfer und zu Beisitzern Edith Basch und Hans Scharfer, i Zum letzten Punkt „Verschiedenes" waren Anträge eingebracht. Hans Scharfer bean tragt«, die Generalversammlung, die bisher jedes ^Halbjahr stattsand, jedes Jahr stattfinden zu lassen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Alfred Klappholz hatte beantragt, den Mit gliedsbeitrag zu erhöhen. Dieser Antrag wurde - abgelehnt. Als letzter Antrag lagen Anträge von Alfred Hadra und Hans Meyer vor, die eine Aenderung der Satzungen wünschten. Der hierzu gebildeten Kommission gehören der gesamte Vorstand, Herr Rabbiner Dr. Wilde, Thea Gabriel, Ruth Koszer, Senta Lubranschik, Hanna Schmulewitz, Kurt Ermann und Heinz Kronheim an. Der neuge- »vählte Vorsitzende schloß die gutbcsuchte Versammlung mit dem Appell, sich zahlreich an der Svmmerarbeit zu beteiligen. Vereinsnachrichlen Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B. Die Sederabende in den Vorjahren in Schneiders Hotel, König- Ecke Klosterstraße, haben einen derartigen Anklang gefunden, daß wir uns entschlossen haben, eine weitere Veranstaltung im Westen Berlins in die Wege zu leiten. Es ist uns gelungen, Herrn Kantor Hanns John von der Liberalen Synagoge Wilmersdorf auch für die diesjährigen Sederabende zu gewinnen. Näheres wird noch bekanntgegeben. Der allgemein gewünschte und beliebte Ha-Ka-Bi-Ba wird in diesem Jahre in den Alhambra-Festsälen, Wallner-Theaterstr. 16, am Sonnabend, den 13. April 1929, abends 9 Uhr, stattfinden. Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Karten ä Mk. 2,— einschließlich Steuer sind in den Trainingshallen und unter Hansa 5268 erhältlich. Kalendarium f. die Zeit v. 30. 3. b.ö. 4. 29 Mürz 1929 Adar II 5689 Sonnabend 30 Sonntag 31 «peil 1929 Montag 1 Dienstag 2 Mittwoch 3 Donnerstag 4 Freitag 5 Sonnabend 6 18 Wochenabschnitt: Zaw P. Parah Haftarah: Ezechiel 36, 16—38 Sabbat-Ausgang: 7.16 Uhr7 19 20 21 22 23 24 25 Neumondweihe Wochenabschnitt: Sch'mini--P. Hachodesch Haftarah: Ezechiel 45, 16-25; 46, 1—18 Sabbat-Ausgang: 7.30 Uhr

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