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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-03-15 · 11 (15.3.1929) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
11 (15.3.1929)
Date
1929-03-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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lll'.l'.' Bericht der 34cui)ionc-iommiüion au, die die oedenmche Oleschästssüh rnng des Verbandes seststelite, sprach dem Vorstände Vertrauen und Dank aus und wählte die ausscheidenden Mitglieder für das laufende Jahr wieder. Ocfscntlicher Tank wurde allen Organisationen gezollt, die den Verband in seiner schwierigen Arbeit unterstützten, insbesondere dem Joint Distribution Committee in der Person des Herrn Dr. Bernhard Kahn, der — stets verständnisvoll für die Nöte der Flüchtlinge — dem Verband eutgcgcnkam, der Jca, der Kommission der deutschen Rabbiner, die die Hilfsaktion des Verbandes unterstützte u. a. m. Der Vorsitzende des Verbandes, Staatsrat Teilet, ivies in seiner Ansprache aus die täglich wachsende Not der russisch-jüdischen Emigranten hin. Diese Not zwinge den Verband, jetzt, zum ersten Mal seit seinem Bestehen, sich an die deutschen Glaubensgenossen zu tuenden, in deren Mitte das Schicksal die Emigranten auf lange ,;>cit hinaus verschlagen hat. Wie sehr die Besten der deutschen Judenheit die ihnen zusallendc große historische Aufgabe begreifen, zeigte die Rede des hervorragenden Schriftstellers Arnold Zweig auf dem vom Verband veranstalteten „Presse Tee", die demnächst im Truck erscheinen tvird. Verhandlungen mit hervorragenden Repräsentanten der deutschen Judenheit sind im Gange, und von ihrem RcsuG täte hängt in einem hohen Grad das Schicksal der großen Arbeit des Verbandes ab. Berlin. (L a n d e s v e r s a m m l u n g des d e u t s ch e u K e - r e n Hajesfo d.) Am Sonntag, den 10. März, fand in den Kroll- Säten die Landesvcrsammlung des Keren Hajessod statt. Ihren Anstatt bildete eine große öffentliche Kundgebung, in der die bekannten Gedankengänge für den Palästinaausbau iu mehreren Reden proklamiert wurden. In der Landesversammlung berichtete der Präsident Oskar Wassermann über die Bestrebungen, eine Vertretung des deutschen Judentums in der Jelvish Agency zu schassen. Wir haben hier bereits ausführlich berichtet, weshalb die Vereinigung für das liberale Judentum ihren Eintritt in die Jewish Agency unter beit sstzigen Umständen ablehnt und können uns deshalb eine ausführliche' Diskussion in diesem Punkte ersparen. Durch Zurufe wurden von der Landesversammlung des Keren Hasessod einige Resolutionen angenommen, in denen cs heißt: Die Laudesversammlung des Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerks E. V. begrüßt mit Freude und Genugtuung alle Schritte zur Vereinigung der gesamten Judenheit zur Mitarbeit an der Aufrichtung der jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina. Die Ertvciterung der Jewish Agency durch beit Eintritt von Repräsentanten der Judenheiten in der Welt bedeutet den wahren Sieg der Gedanken, von denen die '-Arbeit des Keren Hajessod von ihren ersten Ansängen an erfüllt war. Ter Wiederanfban Palästinas ist von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung des jüdischen Lebens und der jüdischen Kultur. Tao Palästinawerk gibt der Judenheit einen neuen Mittelpunkt, gibt jedem Inden neue Hoffnung für eine von schöpferischen indischen Leistungen erfüllte jüdische Zukunst und stärkt das jüdische Selbstbetvußtsein und die jüdische Zuversicht. Es dient der Freiyeit des jüdischen Lebens und der Ehre des südischeu Namens. Die Laudesversammlung des Keren Hajessod (Jüdisches Palä stinaiverk) E. V. spricht die Erlvartung ans, daß es auch iu Deutsch tand getingen tvird, der deutschen Judenheit, soiveit sie mit den zwischen der Zionistischen Organisation und der amerikanischen überparteilichen Konferenz getroffenen Abmachungen einverstanden ist, eine geeignete Vertretung in der Jelvish Agency zu sichern. Die Landcsversammlung bevollmächtigt das Präsidium, als Initiativ Komitee für die Ertvciterung der Jewish Agency in Deutschland tätig zu sein und im Einvernehmen mit dem Zentralkomitee des Keren .Hajessod die für den Eintritt deutscher Juden in die Jctvish Agency erforderlichen Schritte zu ergreifen. Das Präsidium hat in seiner Eigenschaft als Initiativ Komitee das Recht der Kooptation. Breslau. (E h r u u g E m i l W a l d st e i n s.) Herr Emil Waldstein tvurde aus Anlaß seines 75. Geburtstages vom hiesigen Liberalen Verein der Synagogengemeinde zitin Ehrenmitglied und vom Gemcindevorstand der Breslauer Synagogengemeinde zum Gemeinde ältesten ernannt. Breslau. (B e r u f n n g an das Breslauer S e m i n a r.) Am Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau tvird, wie wir hören, vom nächsten Sommersemester an die Stellung eines Seminarassistentcn geschaffen und Herrn Rabbiner Dr. H. I. Zimmcls in Baden bei Wien übertragen werden. .Herr Dr. Zimmcts hat seine theologische Ausbildung an der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt in Wiein seine Ausbildung als Historiker an der Wiener Universität erhalten. Er hat sich insbesondere einen Namen erworben durch eine Schrift über die Gutachten des Rabbi Mcir ans Rothenburg, in welcher er aus diesen Schriftstücken geschichtliche, namentlich kulturgeschichtliche Folgerungen abzuleiten sucht. Er wird am Seminar das Fach der Geschichte des Mittelalters (seit 1040) und der Neuzeit vertreten und talmndische Vorlesungen in der mittleren und unteren Abteilung halten. Breslau. (Tagung der jüdische n W u s e n m s v c r e i n c.) Der Verein Jüdisches Museum E. B. zu Breslau hatte im Anschluß an seine so viel beachtete Ansstettung „Das Judentum in der Geschichte Schlesiens" Vertreter der jüdischen Museumsvercine Deutsch' lands, Polens, Oesterreichs und der Tschechoslowakei, sowie des Gesamtarchivs der deutschen. Inden und der jüdischen Gemeinde in Berlin eingeladen zwecks Zusammenschluß zu einer losen Vereinigung ans dem Gebiete jüdischen Sammeltvesens. Dieser Einladung waren Delegierte ans Kassel, Mainz, Berlin, Wien, Prag, Warschau, München, Frankfurt a. M. gefolgt. Die Tagung begann mit einer Führung durch die genannte Ausstellung, und die so sachverständigen Teilnehmer ivaren einstimmig der Meinung, daß eine derartige wohtdurchdachte Ausstellung noch niemals zu sehen gewesen war, und daß der Verein Jüdisches Museum zu Breslau mit der Veranstaltung dieser Ausstellung einen ganz neuen Weg beschritten hat. Nach der Führung fand ein Vortrag von Dr. Hatto, Kassel, über „Jüdische Handwerker und jüdische Künstler" statt, der im besonderen darauf hinwies, daß das Kunstgewerbe und die Kunst der Juden in vergangenen Jahr hunderten immer im engsten Anschluß zur Kunst ihrer eigenen Zeit gearbeitet hatte. Die eigentliche Arbeitstagung fand dann am Nach' mittage in den Räumen des Gemeindehauses statt, die als ivcsentlichstcn Punkt der Tagesordnung eben die Frage der Errichtung einer losen Vereinigung der jüdischen Museen und ähnlicher Sammlungen auiwies. Man war sich im Prinzip über die Notlvendigkeit einig, und nach eingehender Anssprache über die Frage, n>ie weit man in der Einbeziehung der Archive und Bibliotheken gehen sollte, kam man zu dem Ergebnis, eine „Arbeitsgemeinschaft für Saininlungen jüdischer Kunst und Altertümer" zu bilden. In ihr sott Breslau zunächst auf ein Jahr den Vorort bilden und in der Geschäftsführung durch die Herren Prof. Dr. Bronner, Wien, Tr. 'Hallo, Kassel, Dr. Karl Schwarz, Berlin, unterstützt werden. Der Ausschuß >vird sich nun zunächst mit der Frage der Abgrenzung des Sammelgebietes für Bibliotheken und Sammlungen, ferner mit der Frage, ob die Sammlungen lutturhistorisch-cthnographisch oder kunsthistorischer Art sein sollen, zu befassen haben. Schließlich tvird auch die Frage zu prüfen sein, in wie weit die einzelnen Museumsvereine, die sich ja in erfreulicher Art immer tvciter bilden, ihr Sammelgebiet auch landschaftlich abgrenzen müssen. Ferner tvurde beschlossen, die jüdische Presse regelmäßig mit Nachrichten über die Tätigkeit der neuen Interessengemeinschaft zu unterrichten; größere wissenschaftliche Arbeiten jedoch sotten evcntl. dem Notizblatt der Gesellschaft zur Ersorschnng jüdischer Kunstdenkmäler überiviesen iverdcn, an dessen weiteren Ausbau man denkt. Die nächste Tagung soll 1930 in Berlin, die übernächste 1931 voraussichtlich in Mainz stattsindcn Prof. Meier Balaban, Warschau, gab dann noch die mit sehr großer Zustimmung ausgenommcne Anregung, die Städte jüdischen Volkstums im Osten, die heute noch durchaus den mittelalterlichen Charakter bewahrt haben, aus Exkursionen aufznsuchcn. Elberfeld. (Aus dem Parlament der Synagogen- Gemeinde.) Am Mittwoch, den 6. März, tagten Vorstand und Repräsentanten in gemeinschaftlicher Sitzung. Zum Punkt „Gemein d e b l a t t" wünscht Tr. G r ü n e b c r g absolute Neutralität für die Aussätze und Beiträge jedweder Richtung. Tie Schrisileitung sott angen'iescu weiden, sich diesbezüglichen Wünschen untcrznotdnen, so daß auch Artikel von zionistischem Allgemeininteresse nicht abgelchnt werden dürfen. Diese Angelegenheit soll, nachdem Rechtsanwalt Brück mit dem Schriftleiter Rücksprache genommen haben wird, aus die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt werden. Wegen § 39 des F r i c d h o s s st a t n t s wird folgende Aenderung einstimmig beschlossen: „Bei jeder Beerdigung, auch bei Kindern, mit Ausnahme von Tot- und Fehlgeburten, soll der diensttuende Rabbiner zu amtieren verpflichtet sein." Ein Schreiben des H i l f s v e r e i n s der deutschen Juden, Ivelches sich zu Gunsten einer Hilfsaktion für die hungernden Juden Beßarabiens an die Gemeinden wendet, tvird verlesen. Es werden ohne jede Debatte Mk. 150,— als besondere Zuwendung bewilligt, desgleichen tvird ein Betrag von Mk. 250,— für Mazzothbeschafsung zu Gunsten der notleidenden Juden Rußlands bctvilligt. Außerdem haben sich für die beßarabische Notstands-Aktion verschiedene .Herren zu privater Sammeltätigkeit bereit erklärt. Der letzte Punkt der Tagesordnung: „Errichtung einer Gemeinde- B i b l i o t h c l" findet tvcgen mangelnder Mittel und mangels geeigneter Räume vorläufig nur ein geteiltes Interesse. Grundsätzlich ist man für eine solche Gründung. Es tvird vorerst die Anschaffung von wissenschaftlichen Werken gewünscht, die zunächst nach Lage der Tinge für ausreichend erachtet werden müssen. Die Angelegenheit tvird damit vertagt. Auf Antrag Dr. Grnnberg werden in Palästina anläßlich des 50. Geburtstages von Albert E i n st e i n 12 Oclbäumc im Gesamtbetrag von Mk. 144,— auf deu Namen der Syuagogen-Gemeinde Elberfeld gestiftet. Frankenberg. (Todesfall.) Im 72. Lebensjahr verstarb der Kaufmann M. Katzenstein. Biete Jahre stand er an der Spitze der israelitischen Gemeinde, deren Institutionen er mit regem Eifer gefördert hat. Die Gemeinde beklagt sein Ableben lies und tvird ihm auf alle Zeilen ein getreues Gedenken bewahren. Lehrer Lüwcnstein, Membressen, widmete dem Nachbarkoltcen tief empfundene Abschieds Worte. Namens der Familie sprach Dr. Noscnthal, Berlin, Lehrer Nagel, Kassel, tvürdigte die Verdienste des Verstorbenen um die Berussiuterefsen, die er a!S Vorsitzender der Freien Vereinigung und als eifriges Mitglied der Israelitischen Lchrerkonsercnz Hessens mit Geschick vertrat. Tiefen Eindruck machten auch die Gcdenkworte des evangelischen Pfarrers Ufsetmann, der als früherer Schuliuspcktor das pädagogische Wirken des tüchtigen Schulmannes, seine persönlichen Vorzüge mit 'Wärme und rückhaltloser Anerkennung betonte. Frankfurt. (V e r tauf v v u F ran f f u r t er j u b i s ch e n B i b l i o t h e l e u.) In vergangener Woche tvurde die Bibliothek des bekannten Frankfurter Rabbiners Tr. N. A. Nobel, der als Rabbiner der Jsractitischen Gemeinde iu der Synagoge am Börneplatz amtierte und vor mehreren Jahren starb, an die Deutsch Israelitische Gemeinde iu Hamburg verkauft, die soeben begonnen hat, sich eine eigene Geineindebibtiothct einzurichten, als deren Bibliothekar' der bekannte Fachmann Professor Dr. Marlon, früher Nniversitäts beim Ausbleiben oder bei verspäteter Zustellung der Zeitung bitten wir, sich sofort an den Zusteller oder beschwerdeführend an die zuständige Zustellpostanstalt zu wenden und erst, wenn dies keinen ‘ erfolg hat, uns davon Mitteilung zu machen. Verlag der jüdisch-liberalen Zeitung bibliothekar der ehemaligen kaiserlichen Bibliothek in Sankt Petersburg, verpflichtet tvurde. Auch eine andere sehr lvertvolte Frankfurter jüdische Bücherei ist jetzt einer anderen Bestimmung zugcsührt worden. Es handelt sich um die uiitfaiigreiche und sehr wertvolle Bibtiorhek des hier verstorbenen Privatgelehrten L. PH. Prins, die insbesondere eine säst lückenlose Sammlung hebräischer Erstdrucke auswies. Von einem der Erben tvurde die Bibliothek, die zuerst nach Amsterdam, der Heimat des Verstorbenen geschickt worden war, aus der Masse angetanst und der neugegründetcn Universitätsbibliothek in Jerusalem zum Geschenk gemacht. Grebenstein. (Persönliches.) Hier tvurde der im Ruhestand lebende Lehrer H. Plaut, der im 85. Lebensjahr nach längerer Krankheit verschied, unter allgemeiner Teilnahme weiter Kreise zu Grabe geleitet. Vier Jahrzehnte hat der Verewigte das Amt des Lehrers und Kantors mit seltener Pflichttreue und ersprießlichen Erfolgen bekleidet. Sein bescheidenes Wesen, seine Friedfertigkeit und Hilfsbereitschaft haben ihm überall Freunde erworben. Dies bezeugte die rege Beteiligung au der Trauerfeier, die in der Synagoge stattfand. Hamburg. (7 5. G e bu r t s t a g.) Herr Heinrich L c v y, seit März 1909 Mitglied des Vorstandes der Deutsch-Israelitischen Gemeinde und seit 1907 Mitglied des Vorstandes des Israelitischen Tempelvcrbandes, dessen Vorsitzender er seit dem im vorigen Jahre erfolgten Heimgang Joseph Lippmanns ist, beging am 4. März seinen 75. Geburtstag. Tie breite jüdische Oefsentlichkcit kennt die vielseitige segensreiche Tätigkeit, die der Jubilar in seinen verschiedenen Aemtern, im Vorstand der Gemeinde und ihrem Altenhaus, ihrer Töchterschule und ihrem Pflegeheim sowie im Tcmpelverband entwickelt hat. Auch als unerschrockener Vorkämpfer für das liberale Judentum genießt Herr .Heinrich Levy über die Grenzen Hamburgs hinaus lebhafte Wertschätzung. Ter Israelitische Tempelvcrband veranstaltete an dem dem Geburtstage vorangehenden Sabbat innerhalb des Morgengottcsdienstes eine Ehrung des Jubilars, zu der viele Vcrbandsmitgticder und Vertreter des Vorstandes und des Repräscutantcitkollegtums der Gemeinde erschienen waren. Nach einem stimmungsvollen Gesang des Herrn Oberkantvr Leon Kornitzer, der zu Ehren des Jubilars in bekannter Meisterschaft einen Zadik kathomor komponiert hatte, richtete Rabbiner Dr. Italiener eine Ansprache an Herrn Levy, in welcher er ihn mit treffenden Worten zeichnete. Ausgewachsen in einem Hause, das von jüdischer Tradition und jüdischer Atmosphäre erfüllt gewesen sei, erzogen von jüdisch denkenden und empfindenden Eltern, habe er aus den Quellen des jüdischen Wissens in einer Weise geschöpft, die bestimmend für seinen Lcbcnsgang geworden sei. Jüdische Interessen hätten allezeit im Vordergrund seines Denkens und Handelns gestanden; daher habe ihn auch das Vertrauen der jüdischen Ocffcntlichkeit in leitende Aemter der Gemeinde und des Tempelverbandes berufen. Der Redner wolle dafür keinen Tank anssprechen — einmal, weit in einem Gottcshausc nur Einem Dank gebühre, dann aber auch, weil der Jubilar dort gewiß keinen Dank tvollc, wo er selbst nur seine Pflicht getan zu haben glaube. Wohl aber werde er damit einverstanden sein, ivenn durch ciu äußeres Zeichen der Anerkennung sein Name mit dem Tempelverband, dem er so innig verbunden sei, noch inniger verbunden werde. Daher hätten Freunde und Verehrer eine Spende bereitgestellt für die Anfertigung eines Thoravorhanges, der in dem neuen Tempel, dessen Bau geplant sei, zur Verwendung kommen solle. Hannover. (Die Gcmcindrvcrtretcr legen ihre Aemter nieder.) Die Mitglieder des Vorstandes und Rcpräsentanlenkollegiums haben am Schluß einer fünfstündigen Repräsentantensitzung ihre Aemter niedergelegt, um durch Neuwahlen eine Zusjammcnsetzung des Kollegs hcrbeizusühren, die zweifelsfrei dem Mehrheitswilien der Gemeinde entspricht. Das neue Gremium wird vor Wah.staun und die Beivenaltuw altem über das nahmevcrfahrrns zn entscheiden haben. Bis zur Eiitfüyrung Nengeivähllen führen die bisherigen Mitglieder die Geschäfte w Auf einstimmigen Wunsch des Kollegs bleibt der 1. Vorsteher, o> Kommerzienrat Berliner, weiter im Amte. Einen ausführlichen 1 richt über diese denklvürdige Sitzung bringen wir in der naU; . Nummer. Iu; der er. vtr Hannover. (R c p r ä s e n t a n t e n s i tz u n g.) Dem Plciutn: lie gen der Entwurf für ein neues Wahlstatut und der Enttvurf für das entsprechend abgeänderte Verwaltungsstatut zur ersten Lesung vor. Nach längerer Aussprache tvird ein Antrag des Herrn Tr. Paul Gaid schmidt angenommen, von der Regierung einen offiziellen Bescheid bar über zu erbitten, ob die Gesetze von 1842 usw. durch den Artikel 157 der Reichsvcrfassung ganz oder teilweise aufgehoben sind und in welchen Teilen. Den Beratungen über die Entwürfe selbst wird sei gende Einteilung zugrundegclegt: 1. Sollen die Statuten nur soweit geändert werden, als dadurch das neue Wahlrecht ermöglicht .;;rb (und sollen die übrigen Bestimmungen unberührt bleiben!? 2. .UU nahmcprinzip (Wer wird Gemeindemitglied?). 3. Berhältniswae,: recht. 4. Wahlalter für aktives und passives Wahlrecht. 5. Für welche Dauer soll der Vorstand von ben Repräsentanten gewählt wirsen? — Statistisch tvird scstgestellt: Augenblicklich besteht die Genuttide aus 1040 reichsdculschen und 120 ostjüdischen Zensitcn. Wird ras Wahlrecht ans die Frauen und die dann wahlberechtigten „Kinder der jetzigen Gcmeindemitgtieder ausgedehnt, so ist mit 2000 rcichr deutschen und 244 ostjüdischen Stimmen zn rechnen. Fällt die Uin nahmcbeschrünkung, kann also jeder im wahlfähigen Allee in Han... ver ansässige Jude und entsprechend jede Jüdin ivählen, io erhöht iia, die Stimmenzahl um 444 deutsche und 742 ostjüdische Stimmen. Diese Zahlen sind zn 2000 bezw. 244 hinzuzuzählen. An di ne Feststellung knüpft sich eine längere Aussprache über Bor und A'ocb teile von Beibehaltung und Aenderung des augenblicklichen Aninanm.e Prinzips. — Man wird verstehen, daß es trotz vierstündiger Aroei: bei der Sprödigkeit der Materie und der Schivere der Voran.mortm..- weder zu einem Teilnoch Gesamtbeschluß kommt. Die Forlsexune der ersteit Lesung wird ans deu 11. März vertagt. Die Erfahoun.g lehrt, daß es kaum möglich ist, vor November die endgültigen Steuersätze festzustelten. Das Kolleg beschließt deshalb ohne Debatte, nls Vorauszahlung auf die Gemeindesteuer für die beiden ciiu’i Vierteljahre 1929 30 je T,/V) des int Vorjahre geleisteten Venahezu erheben. Tic Vorauszahlungen werden später aus die endgüuige Veranlagung angerechuet iverdcn. — lieber die iünftige Gestattung dee Gedcntfeier am Volkstraucrtag werden Vorschläge gemacht und ginge heißen. — Nach Erledigung einiger internen. Angelegenheiten schtteR die fünfstündige öffentliche Sitzung, der sich noch eine tUtvre nevt.ri: liehe anschließt. Homburg. kJ >, b i l ä u m.) Am 15. März blickte Rabbiner Te Wreschnrc ans eine vierzigjährige Tätigkeit im Orte zurück. Bis zum Jadre l92l war der Jubilar in der Provinz Posen tätig, tun bann nach kurzem Wirken in Berlin die hiesige Rabbinerstetlc zu übe>- nehmen. Literarisch hat sich Dr. Wreschner durch eine interes'Fn.c Biographie des R. Akida Eger mit Erfolg versucht. Königsberg Pr. (0) e m c i n b e a b e n d.) Die Körperschaften der Synagogengemeinde veranstalteten am Dienstag, den 15. März, in der Aula der Hindenburg Oberrealschule einen Gemcindcabcnd. Nach Vor trägen von „Stimmungen", opns 32, Stück 1 nitb 2, von Io je ob Acheron und Kellermanns hebräischen Melodien durch Professor De. Rudolf Cohn und Fräulein Hctti Cohn sprach Rabbiner Professor De. Felix Pcrtcs über „Berjudung". Danach sang Erster Kantor Tr. Rudorf Pick zwei Arien von Händel tmb Mendelssohn. Schueidetttühl. (P r o v i n z i a t v e r b a n d s ü r j n d i s ch e Wohlfahrtspflege.) Die 2. Hauptversammlung des Prooinzialvcrbandes für jüdische Wohlfahrtspflege der Grenzmark Polen ■ Wcstpreußcn fand hicrsetbst statt. Der Vorsitzende, Rabbiner Dr. Rosenzweig, begrüßte die Erschienenen und stellte mit Bedauern lest, daß nicht alle auswärtigen Vertratteiislcute erschienen f inb. lie Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin konnte, wie sie schriftlich mitteiltc, zu dieser Sitzung keinen Delegierten entsenden. Nach Bekanntgabe der wichtigsten Punkte der Provinziaiorganisation wird von dem Vorsitzenden der Tätigkeitsbericht über das abgeiausenc erste halbe Arbeilsjahr 1928 erstattet. Aus demselben geht hervor, daß seit Juni 1928 50 Personen durch die Fürsorge betreut wurden, und zivar bezog sich dieselbe auf Erholungs- und Dartehnssürsorge, Berufsberatung, Altersversorgung, Adoption und andere Unterstützungsfälle in 13 Orten der Grenzmark. Der Kassenbericht trennt an Einnahmen 2628 Mark und au Ausgaben 1314 Mark. — Da der int Berichtsjahr 1928 erhobene Beitrag von l " <> des Etats der angeschtossenen Gemeinden und Vereine zur Deckung der Bedürfnisse bei iveitcm nicht ausreicht, wird beschlossen, für das Jahr 1929 j (U zu erheben. - Im Anschluß an den Bericht des Herrn Tr. Rosenzweig gibt das Vorstandsmitglied Frau Justizrat Soldiu erläuternde Ergänzungen ans der Praxis der Fürsorgearbeit, die für die Arbeit der Vertrauensleute von besonderer Bedeutung sind. — Der Voran' schlag für 1929 enthält für Einnahmen und Ausgaben den Betrag von 2600 Mark ohne Berücksichtigung der staatlichen und kommt,' tialen Zuschüsse. — Für die Ausnahme in Kolberg sind 13 Kinder aus der Grenzmark für den Sommer 1929 vorgemerkt. - Tie als Gäste anwesenden Vertreter der Gemeinde Schönlankc stellen den Beitritt ihrer Gemeinde zum Provinziatverbande in Aussicht. Mit Dank au die Erschienenen schließt der Vorsitzende, Dr. Rosenzweig, die Tagung. Vereinsnachrichlen Jüdische Reformgemeinde E. V. Gemeinde-Abend. Montag, den 18. März, abends 8.15 Uhr, im Logenhaus, Emscr Straße 12-! 3, „Blauer Saal". Herr Ober-Psarrcr Klatt spricht über das Thema „Kultur und Kriminalität als religiöses, soziales Problem". Eintritt frei. Mitgliederversammlung der Hauptstekke für jüdische Kynderfürsvrge ZU Berlin. Die Hauptstelle für jüdische Wandersürsorge beruf: für den 17. und 18. März 1929 nach Berlin (Logenhans, Klci-,tstraße) ihre diesjährige Mitgliederversammlung ein. Dic^ Tagung verspricht von besonderer Bedeutung zu iverdcn, da über die Errichtung der ersten jüdischen Arbeiterkolonic in Deutschland entscheidende Be schlüsse zn fassen sind. Im Mittelpunkt der Beratungen stehen zwei Referate von Frau S. Wronsky über „Die wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Arbeitcrsürsorge" und von Pastor Braune über „Die wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Arbeiterkolonie". Des wei tcrcn wird Herr Tr. Werner Senator, Generalsekretär des Joint Distribution Committee, über „Das jüdische Flüchtlingsproblem nach dem Weltkriege" sprechen. Ter Jüdische Turnverein Berlin 1905 feiert am Sonnabend, den 16. März 1929, sein 24 jähriges Stiftungsfest durch einen Ball in den Gesamträumen des Logenhauses, Jvachimsthatcr Straße 13. Turn- und Gymnastik-Vorführungen, Darbietungen erster Künstler sorgen neben einer Tombola für einen genußreichen Abend. Die berühmte Kapelle „Laudon" spielt zum Tanz auf. Karten sind an der Abendkasse zu Mk. 2,—, im Vorverkauf zu Mk. 1,50 im Büro des Central-Vereins, Lindcnstraße 13, des Liberalen Vereins, Wilhelm' straße 147, sowie bei Hugo Kaufmann, W. 62, Kleiststraße 14, zu haben. Tic Jüdische Orchesterveceinigung veranstaltet unter Leitung von Leo Kopf am 21. März um 8 Uhr abends in der Hochschule für Musik ein Konzert unter Mitwirkung von Grete Eweler (Violine), Hanni Lukas (Harfe), Iso Golland (Staatsoper), Albert Pinkas (Konzertsängcr), Arthur Zepke (Orgel) uitd eines gemischten Chores. Zur Aufführung gelangen Werke von Mozart, Mendelssohn und Mahler, außerdem Uraussührungen Spaniolischer Synagogalgesänge in Bearbeitung von Leo Kopf und ein Kol Nidrey für Bariton und Orchester von Erich Walter Sternberg.

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