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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-03-01 · 9 (1.3.1929) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
9 (1.3.1929)
Date
1929-03-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Gesinnungsgenossen, seftgestcllt, die erklärten, ihn nicht betasten zu I wollen. Der Anklagevertreter, Staatsanwaltschaftsrat Dr. Neugebauer, geißelte in seinem groß angelegten Plädoyer die Gesinnung ' und die Tat des Angeklagten als eine dem Kulturstande des deutschen | BolkeS unwürdige Handlung, als eine schwere Beleidigung der deutschen Judcnschaft, die ein gleichberechtigtes Mitglied des deutschen j Volkes sei, und begründete seinen Strafantrag von 8 Monaten Ge« j sängnis damit, daß nur exemplarische Strafen die politischen Leiden«! schäften einer verirrten Jugend wieder in geregelte Bahnen führen i und sie dem Einfluß der leider nicht zu fassenden dunklen Hinter- | manner entziehen könne. Das Gericht verurteilte Braßler zu einer! Gesamtstrafe von 6 Monaten Gefängnis. Elberfeld-Banne». (Um das F r a u e n w a b l r e ch t in den jüdischen Gemeinde n.) Tic Ortsgrupven Elberfelo und Bar' men des Jüdischen Frauenbundes hatten Frau Tilti Schönewald, Bochum, Zu einem Bortrag über „Das Frauenivahlrecht in der Gemeinde" gewonnen. Frau Schöncwatd, die auch Abgeordnete des Preußischen Landesverbandes ist, legte in längeren Ausführungen die Ziele und Wünsche der jüdischen Frauen hinsichtlich ihrer Beteiligung in den Gemcindekörperschaftcn dar. Sie wies auf diejenigen Gemeinden hin, die bereits ihren Frauen das aktive und passive Wahlrecht verliehen und gute Erfahrungen damit gemacht. In der ' Aussprache wurde daraus hingewiesen, daß sowohl die Elbcrselder ' als auch die Barmer Synagogengemeinde schon seit einigen Jahren das Frauenwahlrecht beschlossen, bisher aber nicht die behördliche Genehmigung der Einführung erhielten. Selbst das Preußische Jnncnministerium verhielt sich ablehnend, da das Preußische Jubengesetz von 1847 noch seine Gültigkeit besitze, und auch - - was besonders merkwürdig und wichtig erscheint — weil nach Ansicht des Ober- Präsidenten der Nhcinprovinz den einzelnen Gemeinden die Bewilligung der Einführung des Fraueuwahlrechtes versagt werden müsse, solange auch nur eine rheinische Gemeinde Widerspruch erhebe. Diese eine Gemeinde, die seither Protest eingelegt, sei hl ö l n (Das trifft nicht zu; nicht die Gemeinde Köln hat Widerspruch erhoben, sondern die kons. Partei der Gemeinde. Die Schriftltg.), und darum müßten auch alle anderen rheinischen Gemeinden bis ans weiteres sich gedulden. Es wurde auf das Unmögliche dieses Standpunktes hingewicsen und gefordert, bei den maßgebenden Stellen aufs neue vorstellig zu werden, daß überall da, wo die Gemeindckörperschasten das Fraucnwahlrecht beschlossen, diesem Beschluß die Genehmigung nicht versagt werden dürfe. Frenksurt a. M. (B ctcin „E. A." Gemeinnützige jüdische E h c a n b a h n u n g s st e l l c.) Wir werden um Verössentlichung nachstehender Zeilen gebeten: Im letzten Monat hat der Verein „E. A." Gemeinnützige jüdische Eheanbahnungsstellc seine Tätigkeit begonnen, und die täglich eingehenden Anmeldungen zeigen, daß man ihm allseits mit Recht volles Vertrauen entgegenbringt. Anmeldungen und Anfragen aus allen Ständen, darunter Namen angesehener und gutsituierter Familien, lassen erkennen, daß bei diesen das richtige Verständnis für die Ziele des Vereins vorhanden ist. Eine bedeutende Schwierigkeit für die Erreichung der letzteren in größerem Maße besteht darin, daß die Anmeldungen von Männern in rveit geringerer Zahl als von Mädchen einlaufcn. Der Verein weist deshalb darauf hin, daß gerade Herren, die bei ihm einen Arnualdebogen einreichen, die beste Aussicht haben, einen passenden Vorschlag zu erhalten, da viele Mädchen aus besten Familien angemcldet sind Selbstredend wird es der Verwaltung eine hohe Befriedigung gewähren, wenir cs ihr gelingen tvird, auch Mädchen mit kleiner oder gar keiner Mitgift zur Ehe zu verhelfen. Die Leitung der Geschäftsstelle wird ehrenamtlich von Verwaltungsmitgliedcrn geführt, und peinlichste Verschwiegenheit ist gesichert. Merkblatt und Anmeldebogen können — nur schriftlich — von Bewerbern (innen) oder ihren nächsten Verwandten angcfordcrt werden bei der „E. 2ll", Frankfurt a. M., Eschcrsheimcr Landstraße 29. Frankfurt a. M. (I g n o r i e r u n g eines S ch ä ch t v erbot s a n t ra g e s.) Jur Rahmen der Etatberatungcn der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung hat der nationalsozialistisch: Stadtverordnete Gcmeinder folgenden Antrag eingebracht: „Die leider immer noch übliche brutale Art der Schächtung von Großvieh ohne vorherige Betäubung ist auf Grund aufmerksamer Beobachtungen aus moralischen und sachlichen Gründen zu verwerfen. Es wird daher beantragt: 1) durch eingehende Prüfung an Ort und Stelle ist sofort unter Hinzuziehung hervorragender Sachverständiger ein Gutachten vorznbereiten mit dem Ziele des Schächtverbots, 2) der Stadtverordnetenversammlung ist alsbald eine entsprechende Vorlage zu unterbreiten. Die Stadtverordnetenversammlung ging über den nationalsozraliftischeu Antrag zur Tagesordnung über. Gladbeck. (Mildes Urteil gegen jugendliche Friedh o s s s ch än d e r.) Vor dem Gladbecker Jugendgericht hatten sich die beiden jugendlichen Gladbecker Fricdhofsschändcr zu verantworten, die auf dem jüdischen Friedhof, wie berichtet, eine Anzahl Grabsteine umgcworsen und beschädigt haben. Sic erhielten vrer und drei Monate Gefängnis bei Anrechnung der Untersuchungshaft. Bei Ersatz des angerichtetcn Schaden? wird ihnen eine dreijährige Bewährung^ srist für den Rest der Strafe zugebilligt. Hannover. (D a s Repräsentant e n! o l l e g zur Steuerflucht.) In einem Rundschreiben an die tz^emcindemitglieder macht die Verwaltung der Gemeinde darauf aufmerksam, daß siw die Fälle mehren, in denen zahlungsfähige und der Gemeinde seit langem angehörcnde Mitglieder austreten oder auszutreten drohen, wenn man ihrer willkürlichen Forderung, die ordnungsgemäß veranlagten Gemeindesteuern herabzusetzcn, nicht entspricht. Die Verwaltung locijt ferner daraus hin, daß die Gemeinde, wenn diese Praxis überhanonehmen würde, ihre Zahlungen einstellen müßte. Der Wohlfahrt?' dienst würde zuerst zum Erliegen kommen und viele Hunderte von Unterstützungsbedürftigen müßten dem Elend prcisgcgeoen werden. Der Religionsunterricht würde nicht fortgeführt werden können. Schließlich würde auch der Gottesdienst eingestellt und Beerdigungen ohne gerftlichen Beistand vorgenommcn werden müssen. Vorstand und Repräsentanten schließen ihre Mahnung mit den Worten'. ,^Verhallt unsere Bitte ungehört, so werden wir unsere Aemter niederlegen, weil wir die Verantwortung nicht mehr tragen können. Dann wird die Regierung einen Kommissar mit der Führung der Gemeindegeschäfte betrauen. — Die Rückwirkung auf das Ansehen der Gemeinde und jedes in ihrem Bereich lebenden Juden, gleich welchen Alters und Geschlechts er auch sei, vermag sich jeder Denkende selbst auszumalcn." Hannover. (Resolution der j ü d i s chd c m. o k r a t i s ch c n V o l k ü p a r t c i.) Die neugegründete jüdisch demokratische Volkspartei veröffentlicht folgende Resolution: „Die Mitglieder der jüdischdemokratischen Vokkspartei in der Synagogeng-emeinde Hannover protestieren gegen die Beschlüsse des Provinzialvecbandes hannoverscher Synagogengemeindcn, durch welche versucht wird, durch Uebergangs- und Äusführungsbcstimmuugen für die Provinz .Hannover zum Preußischen Judengesctz das Wahlrecht der hannoverschen Juden und Jüdinnen zu den Gemeindewahlen zu beschränken. Die auf Grund veralteter und undemokratischer Bestimmungen zusammengesetzten Vertretungen der Synagogengemeinden haben nicht das Recht, im Namen der hannoverschen Juden Anträge zur (Gesetzgebung zu stellen. Diese Resolution ist mit ausführlicher Begründung den zuständigen Stellen zuzuleiten." Erläuternd sei bemerkt, daß diese Resolution wohl hauptsächlich auf Artikel 13 der Uebergangsbestimmungen fußt, welcher lautet: „Gemeinden, die bislang die Zugehörigkeit zur Synagogengemeindc von anderen Uniständen als dem Wohnsitz abhängig gemacht hatten, können diese Bestimmung beibehalten usw." Homburg v. d. H. (Todessall.) Hier ist das langjährige Mitglied des Gcmetndevorstands, Sam B. Levy, zu Grabe getragen worden. Rabbiner Dr. Wreschner widmete dem Verstorbe-.ren Worte des Dankes und der Würdigung der Verdienste um die Gemeindeinteressen. Im Trauerhause hatte der Bruder des Verstorbenen, Obcrkantor I. B. Levy, Frankfurt a. M., dem Schmerz der Familie in ergreifenden Worten Ausdruck verliehen. Hünseld. (Persönliches.) Lehrer Braunschtveiger beging kürzlich sein 25 jähriges Jubiläum im Dienste der hiesigen Gemeinde, die ihrem Beamten durch Veranstaltung eines Fcstgottcsdienstes mit später folgendem geselligen Beisammensein den Dank und die Anerkennung für seine treu geleistete Arbeit zum Ausdruck Verbreiten Sie Ihre Zeitung Jeder Leser der Jüdisch-liberalen Zeitnng müßte es als eine Ehrenpflicht eurpfindev, einen neue» Abonnenten zu werben. Veranlassen Sie einen Ihrer Bekannten, die nntenftchende Bestellung ausgcfüllt im Briefumschlag als Drucksache an den Verlag der Jüdisch-liberalen Zeitung, Berlin SW 48, Wilhclmstraße 147, zu senden. Ich bestelle hiermit die Jüdisch-liberale Zeitung ab 1. M-irz ,929 bis auf Widerruf zum Bezugspreise in Höhe von Mark 2.50 pro Vierteljahr. Die Gebühren für ein V: r'cljahr in Höhe von Mark 2.50 überweise ich aus das Postscheckkonto der Vereinigung für das liberale Judentum Bwlin 137069. bitte ich durch Nachnahme zu erheben. sNiüNgewünickwr hit-rc durMrei-Le:'.' Name des Bestellers:.. Wohnung: .. Ort u. Daturn:.-..- -.-.. Sitte deutlich schreiven brachtc. Provinzialrabbiner Dr. Kahn, Fulda, hielt die Jestansoracbe. aucki Gemeindeältestcr Katz sprach anerkennende Worte. Ebenso übermittelte ein Vertreter der Israelitischen Lehrerkonferenz .Hessens dem Jubilar die Glückwünsche seiner Amls-genoffen. Kassel. (Hauptversammlung der „H u m. a - i l ii Die auf das ehrwürdige Alter von mehr als 125 Jahren zurück blickende Gesellschaft der „Humanität" bictr letzten Sonntag im. Hotel Meier ihre .Hauptversammlung ab. Direktor A. Fiorino richtete Begrüßungsrvorte an die Mitglieder und gab bekannt, daß er mit Rücksicht ans sein Alter von der Leitung der Gesellschaft zurückzutreten wünsche. Ter zweite Vorsitzende, Justizrat Tr. A-rnthal, knüpfte an diese Erklärung eine längere Ansprache, die das verdienstvolle Wirken Fiorinos im Dienste der „Humanität" eingehend beleuchtete. Mehr als 50 Jab re hat der auf allen Gebieten der Wohlfahrt an leitender Stelle eifrig und uneigennützig arbeitende Philanthrop die Bestrebungen der „Humanitär" in vorbildlicher Weife gefördert, die Ziele der Gesellschaft, junge Juden, zu tüchtigen Hano werrcrn, Gewerbetreibenden. Kaufleuten, und Gelehrten heranbllden zit Helsen, mit großem Gesauck und Erwlg unterstützt und der Gesellschaft gleichsam das Gepräge der „Aera Fiorino" gegeben. Die „Humanität", so betonte Justizrat Tr. Arntbal. steht nach aufsteigender Entwicklung an einem Wendepunkt ihrer Geschichte. Unter lebhaftem Beifall der Anwes mdcn verlas er dann den Wortlaut einer Adresse, die dem geschützten Ehrenvorsitzenden als Ausdruck des Tankes und der Würdigung seiner Verdienste überreicht wurde. Der Geehrte dankte mit bewegten Worten und der Versicherung, daß die Beteiligung an der Wohlfabrtsarbert ihm inneres Bedürfnis gewesen sei. Auf Vorschlag des Direktors Carl Gotthelft wurde Justizrat Dr. Arnthal zum Direktor der „Humanität" gewählt: die übrigen Mitglieder des Vcrwalrunasrat? wurden wiedergewählt, als rre:w Mitglieder traten außerdem die Herren Ernst Rubensohn und Simon Strauß in den Vorstand ein. Der Schriftführer Dr. Baumann erstattete den Kassen- und Jahresbericht. Nach tbar unerfreulichen Entwertung der Kapitalien der „Humanität" durch die Inflation ist die Finanzlage durch die anläßlich des 125 jährigen Jubiläums veranstaltete Jublläumsspende und durch manche hochherzige Privatschenkung so weit gebessert, daß die Ziele der Gesellschaft wie in früherer Zeir besser verfolgt werden können. Die verstorbenen Mitglieder wurden in üblicher Weise geehrt. Dr. Rud-Kf Hallo hielt dann einen anregenden Vortrag über „Emanzipallvn und Berufsumschichtung". Zunächst charakterisierte er die sozialen Zustände innerhalb der deutschen Juden vor der Emanzipation, die Hinneigung zu gewissen Berufen, um dann die Verhältnisse nach der bürgerlichen. Gleichstellung und den Wandel hinsichtlich der Berufswahl, die Reaktion, die sich in der Abkehr vom Handwerkerberus, der Landwirtschaft und das umfangreichere Hinsirömen zum Gelehrten beruf zu betonen und zu motivieren. Die Zuhörer dankten durch lebhaften Beifall. Königsberg. (Na t i on a l f o z ia l i ft i sch e r He&erfolf auf eine C. -V.-- Vcr sa m m lu ng.) Am 26. Februar abend? drangen die Nationalsozialisten in eine Versammlung des Central Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in großer Zahl ein, um sie zu sprengen. Nur durch starkes Polizeiaufgebot konnte die Sprengung verhindert werden. Die nationalsozialistischen Rädelsführer wurden mit Gewalt herausgesetzt, worauf das Referat des Syndikus Arthur Schweriner ungestört erfolgen konnte. Gegen die Führer der nationalsozialistischen Sprengtolonne ist Anzeige wegen Hausfrredertsbruchs und Widerstands gegen die Staatsgewalt erfolgt. Königsberg i. Pr. (A rnt s j u b i l ä u m d c s C h o r d i r i g c n - tcn Badrian.) Am 1. Marz begeht der Chrrdirigent der neuen Synagoge in Königsberg sein 25 jähriges Amtsjubiläum in Diensten der Königsberger Synagogengemeinde. Chordirigent Badrian erfreut sich wegen seines musikalischen .Könnens und wegen seiner persönlichen Liebenswürdigkeit weit über den Kreis der jüdischen Gemeinde hinaus der größten Beliebtheit. Badrian ist in Pleß in Oberschlesieu geboren, besuchte die Präparanden- und Lehrerbildungsanstalt in Hannover und erhielt auch dort besondere Ausbildung im Kantorat wie im Gcigenspiel, Cellospiel sowie in Theorie und Konrposition. Nach seinem Weggang von Hannover tvirkle er in Brcmke, Rügenwalde und Stolp als Kantor und Lehrer, bis er dann vor 25 Jahren in den Dienst der Synagogengemeinde Königsberg als Chordirigant und Religionslehrer trat. Aus dem Gebiet der synagvgalen Liturgik hat er sich große Verdienste erworben, nachdem er noch in Königsberg bei Musiidirettcr Fiebach weiter auSgebildet ist. Als Komponist betätigte er sich sowohl auf dem Gebiet der synagogalen als auch der weltlichen Musik. Der Liberale Kulturausschuß des Landesverbandes preußischer Synagogengemcinden berief ihn in die neugcbildetc Musikkommission. Erst vor kurzem konnte Badrian seinen 6!). Geburtstag feiern. Kreftld. (Zweite Tagung der N i e d e r r h e i n i s ch e n Be z ir k s kon f c re n z.) Die im Herbst zu neuem Leben erkveckte Vereinigung jüdischer Lehrer am Riedcrrhein hielt beschlußgemäß unter Vorsitz von M. HeymannRhehdt am 24. Februar in Krefeld ihre zweite Beratung ab. Viele Mitglieder waren gekommen. Die Gemeinde Krefeld war durch den Vorsitzenden ihres Vorstandes vertreten. — Konrektor Gold sch midt Dortmund, Abgeordneter zum Landesverband, berichtete eingehend in überaus fesselnder Weise über den jüngsten Verbandstag. Ganz besonders wandte sich seine Besprechung der Lehrerbildungsfrage, der Errichtung von Bezirtsrabbinaten und der erstrebten Zusammenfassung der Landesverbände zum Reichsverband zu. Die Hörer teilten vollständig die Genugtuung des Redners über das Scheitern des Ratsplanes, Lehrer von verschiedener Ausrüstungsbeschaffenheit heranzubilden. — Die Begründung je eines Bczirrsrabbinates am Niederrhein und im angrenzenden Westfalen hielt der Redner und mit ihm die Versammlung für unnötig, ja für schädigend. Eine Erklärung in diesem Sinn wird vorbereitet. — Befriedigt war Herr Goldschmidt von der Sachlichkeit, mit der diesmal die Verhandlungen in Berlin geführt worden sind. Er sieht sie als günstiges Vorzeichen für die »veitcre Entwickelung des Landesverbandes und für das endliche Zustandekommen des ReichSvcrbandes an. — Herr Goldschmidt setzte sich eifcigst für die Herabminderung deS Verwaltungsapparates und der Zahl der Batsmiiglieder und Abgeordneten ein. — Im Fortgang der Beratungen sprach Herr Dannenberg- Wesel über die NoiMridigkei: apologetischen Belehrungen im Religronsunterricht. Der Redner hatte reichen Stoff geschickt zusammengetragen und legte den Hörern auch die ihnr bekannte einschlägige LAeratur vor. Die Forderung des Redners nach entsprechender Belehrung in Volks- und Mittelschulen fand allscitige Zustimmung. In der Aussprache wurde der Wunsch vorgclragen, es möchten die wesentlichsten Anlässe zu apologetischer Belehrung von einem geeigneten Bearbeiter faßlich zusammengestellt werden, um so ein Hilfsmittel für die Untcrrichteuden zu schassen. Mannheim. (Friede und Einheit in der Gemeinde.) Unter dieser Spitzniarke berichteten wir in letzter Nummer dieser Zcntung von der beabsichtigten Neugründung einer „Mittelpartei" in Mannheim. Nach einem inzwischen im hiesigen „(ssemeindcblatt" erschienenen - zwar anonymen, aber sichtlich doch von beteiligter und cingeweibter Seite stammenden — Artikel ist man von dieser Gründung abgckommen. Interessant ist die Begründung, die wir im Wortlaut folgen lassen: Nachdem auseinandergesetzt ist, welche Gesichtspunkte zunächst für die Gründung einer Mittelpartci sprechen würden, führt der Artikelschreiber wörtlich fort: „Abgesehen davon, daß die Gründung einer solchen Partei den Gemeindesricdcn nach der Ansicht mancher Parteimitglieder (der Mittelpartei!) einer Belastung aussetzt, sind wohl auch die Erfahrungen, die man anderwärts mit den Mittclvartcien gemacht hat, nicht sehr vertrauenerweckend." Und nun heißt es weiter: „Vielleicht führt ein andrer Weg zum Ziel. Man könnte daran denken, eine Gcmeindcvcrcinigung zu bilden, die, ohne den Besitzstand der vorhandenen Parteien zu beeinträchtigen, alle, auch Angehörige der Parteien, besondersaber die außerhalb der Parteien stehenden und von jüdischer Gesinnung getragenen Menschen sammelt. Tie Aufgabe dieser Bcrcinigung, oie das Motto tragen müßte: „Gemeinde steht über der Partei", würde sein: 1. den Synagoge.nrat zu unterstützen, wo er Institutionen, die der Gesamtgemeinde dienen, anstrebr; 2. weiterhin die Kontinuität der jüdischen Entlvicklung in der Gemeinde zu sichern unter Respektierung der Anregungen und Erkenntnisse, die aus der rnoderncn Kultur zu gewinnen sind; 3. mit allem Nachdnrck dafür zu sorgen, daß Menschen jüdischer Einstellung unabhängig von Rang. Vermögen und parteilicher Zugehörigkeit zur Vertretung der Gemeinde berufen werden: 4. für eine Verjüngung dieser Gemeindevertrciung zu sc-cgen; 5. e^n Plenum zu schaffen, vor dem die Gemeindesragen in br.ntcr Defientlickikeit besprochen werden." Der Artikelschreiber verspricht srch von. diesem Programm eine Aktivierung aller noch Abseitsstcheud»» (also wohl auck der sog. „Indifferenten"?) und schließt dann mit der Hoffnung: „So an.sgesaßt könnte die ,.Gemeindev-ereinigung" z„ einer Kernrrnvpe ianerhakb der Gemeinde werden." Ter Zufall will cs, daß geraoe in der vorliegenden Sonntagsnummer dm „Vossischen Zeitung" deren Chefredakteur, der bekannte Reichstagsobgcordnetc Professor Georg Bernhard, in seinem üblichen Sonntags-L-cirartikel auch über eine „Aktion" schreibt und dabei einege tresfliche Sätze findet, deren Wiedergabe uns beinahe eigener Beine rkungen zu der Mannheimer Ncugründung enthebt. Georg Bernhard schreibt n. a.t „Man soll immer mißtrauisch sein, wenn neue Parteibrldunge:: angekündigt werden. Es gibt -ja schon viel zu viek Parteibüros und viel zu schöne Parteistatuten. Da? k'nzige, was uns fehlt, ist Politik. Die kann man mit dem jetzigen Parlament und mit den jetzigen Parteien machen. Man muß n u r io ollen.. II nd v o r a l l e nt: Ai a n m uß w issen , '.v as man. will." So ist es in der Tat auch im j ü d i s ch e n öffentlichen Leben. Auch hier fehlt es ofitnals nur an „Politik", d. h. Aktivität. Vielleicht vcrsuck-en es die Ntugründer doch noch einmal mit einer Aktivierung des Gemeindell.bens und konzentrieren ihre wertvolle Energie auf die Propagierung ihrer fünf Punkte innerhalb der bestehenden Parteien. Sie erfüllen damit eine Aufgabe, bei der sie sicher von weitesten Kreisen aller jüdischen Richtungen Unterstützung finden werden. Tenn noch ist Verlebendigung des Gemeindebetriebs nicht gleichbedeutend mit Entfachung neuen PartcihaderS. Deshalb wollen wir im Interesse drr ruhigen Weiterentwicklung der. jüdischen Gemeinde Mannheims hoffen und wünschen, daß die neu entachten Energien die richtigen Bahnen sindcn, daß ihnen anderereits aller auch von all denen, die es angeht, das Echo wird, das jedem — so vielfach vermißten — frischen Energienznstrom geführt. München. (Ablehnung eines S ck ä ch t v e r b o t s a n t r a - g e s.) Namens der nationalsozialistischen Stadtratsfraktion hat Stadtrat Fiehler beantragt: 1. zu den Hilfsarbeiten beim rituellen Schächten darf nur jüdisch-es Personal verwendet werden. 2. Das Fleisch derjenigen geschachteten Tiere, das voir den Juden als „trese" erklärt wird, darf nur an einem besonders gekennzeichneten Stand der Freibank verkauft werden. 3. Die .Hinterviertel sämtlicher geschächtetcr Tiere, die von den Juden selbst als für sie unrein bezeichnet werden, dürfen nur dann verkauft werden, wenn sie als von geschachteten Tieren stammend besonders gekennzeichnet sind. Der Referent Dr. Helmreich erklärte, die Verfügung darüber, ob Fteisch als bedingt tauglich oder minderwertig zu bezeichnen sei, sei durch das Reichsgesetz über Fleischbeschau festgelegt. Im Stadtrat bestehe keine Möglichkeit, den Antrag durchzusühren; zuständig dafür sei nur der Reichstag. Der Referent beantragte aus diesen Gründen die Ablehnung des Antrags. Zum Schlüsse wurden alle drei Anträge gegen die Stimmeder Nationalsozialisten und Deutschnationale-r abgelehnt. tfttU Jüdische DvUslwchschule. Sonntag, den 3. März, 8 Uhr, Brüdervereinshaus, Kurfürstenstraße 115-116,. Liederabend Leo Gollau in. Einleitende Worte über da.S ostjüdische Volkslied Dr. E. Hildesheimer. Karten zu 1,— Mk. und 2,— Mt. an der Abendkasse. Siche auch Inserat in dieser Nummer. Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Montag, den 4. März 1929: Wortrag des Herrir Oberkantor Davidsohn: Die jüdischen Festtagsmelodicn. Montag, beit 18. März 1929: Vortrag des Herrn Potizcivizcpräsidcnten Dr. Weiß: Polizei und Juden m Vergangenheit und Gegenwart. Die Vorträge beginnen um 8 Uhr, Karten am Eingang der Aula zu je Mk. 2, — zu haben. Die Grundstcinlexirngs Feier fiir die neue Allerversvrgtmgsavstatt der Jüdischen GemeiNde zu Berlin findet am Sonntag, den 3. Mäyz 1929, vormittags 11 Uhr, auf dem Grundstück Bmkaer- Ecke Sulzaerst raste in Schmargendorf statll Das bekannte Pclzhaus Benno Lobatz fertigt als Spezialität: ur eigener Werkstatt zu sehr günstige» Zahlungsbedingungen Nutriabisam- und Persianer Mäntel an. Edelbelze sind keiner Mode unterworfen und bilden einen wertvollen Besitz. Wir verweisen unsere Leser mrf die Anzeige i» der heutigen Ausgabe unserer Zeitung. Kalendarium f. die Zeit v. 2. 3. b. 9.3. 29 j Marz 1929 Adar I 5689 Sonnabend 2 20 Wochcnabschnrtt: Ki ßißo Haftarah: Lkönige I. Kap. 18, 1—39 Sabbat-Ausgang: 6.27 Uhr. Sormkag 3 21 Montag 4 22 i Di-ens ag 5 23 i Mittwoch 6 24 I Donnerstag 7 25 I Freitag 8 26 8 Sonnabend 9 27 Neumondweihe Wochenabschnitt: Wajakhel P. schekolim Haftarah: Könige II, Kap. 12,1—17 Sabbat-AuSgang: 6.39 Uhr

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