Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 6 (8.2.1929)
- Date
- 1929-02-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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lesen würde. Damit gaben sich Maimonides Anhänger nicht zufrieden. Da trat m Ereignis ein, durch das den Streitigkeiten ein jähes Ende bereitet wurde, und das selbst die Gegner als göttliche Strafe betrachteten: im Jahre 1306 wurden die Juden aus Nordfrankreich ausgewiesenk Damit toar der Streit erledig!. Das Licht hatte über die Finsternis gesiegt. Auch in seinem bürgerlichen Berufe, als Arzt und medizinischer Schriftsteller, leistete Maimonides Vorzügliches, seiner Zen weit voranscilend. Gegen alle medizinischen Irrwege, die damals gang und gebe waren, trat er energisch auf. Er verwarf Amulett«, Wunderkuren und astrologischen Aberglauben, erklärte dagegen Ethik und Diätetik für die Grundlagen der Gesundheit. Mäßigkeit im Essen und Trinken, regelmäßige Verdauung, genügenden, aber nicht übermäßigen Schlaf, höchstens acht Stunden, Arbeit und Sittlichkeit, Turnen, Ballspiel, Ringen, Fechten, Reinlichkeit und richtiges Atmen wären die Gesunderhalter des Körpers und des Geistes. Eine Reihe seiner Schriften verfaßte er auf Wunsch des Sultans Alasdahl, des Sohnes Saladins, dessen Leibarzt er geworden war, darunter folgende Werke: „Gesundheitslehre", „über Asthma", „Gifte und Gegenmittel", „das eheliche Leben", sowie sein bekanntest-'s Werk „Aphorismen", hebräisch „Pike Mosche". In dieser Schritt bringt er in knappen, klaren Sätzen alle wesentlichen Ausführungen Galcns mit kritischen Bemerkungen, Nachweisung von Jrrtümern und Widersprüchen. Er behandelt auch die verschiedenen Veranlagungen, z. B. daß mancher Schüler für ein Lehrfach besonders begabt sei, für andere dagegen weniger oder auch gar nicht. Er beanstandet auch, daß mancher Gelehrte, der in seinem Fache Hervorragendes leiste, auch über alles Andere sich ein Urteil erlaube, wenn er auch darin keinerlei Wissen hätte. Er betrachtet dies- und andere Vorkommnisse vom psychiatrischen. Standpunkt aus. Ferner verfaßte er mathematische und astronomische Schriften. Wenn Maimonides auch hin und wieder kleine Verse in seine Werke einflocht, so war er doch kein Dichter, wollte cs auch nicht fein. Er war, kein Feind der Poesie, wohl aber der Dichterlinge. Deshalb verwarf er die schwülstigen, oft kaum verständlichen Piutim, die dichterischen Einschaltungen in den Festgebetcn, was natürlich den Uebcrfrommen auch nicht paßte. Man darf bei den Gegnern Mai monides nicht außer Acht lassen, daß sic leinerlei andere Bildung als talmudischc hatten, er aber die höchste Zeitbildung sein eigen nannte. Sic konnten daher seine Geisteshöhe schlechterdings nicht begreifen, urteilten aber absprechcnd über seine Werke, ohne sie überhaupt zu verstehen. Maimonides hat den Grund zur geistigen Entwickelung des Judentums gelegt. Er hat viele Jünger gehabt, die in seinen Wegen wandelten und weiterstrebten. Mehrere Umstände hinderten aber bald jeden Fortschritt. In Spanien und Deutschland traten arge Verfolgungen eiy, aus Frankreich und England wurden dieJuden ausgewiesen, allenthalben ins Ghetto gesperrt. In Spanien erschien der „Sohar", die Bibel des Kabbalismus, verbreitete Aberglauben und Finsternis über die ganze jüdische Welt. Dann folgten die Austreibung der Juden aus Spanien und neue Bedrängungen in ganz Europa. Erst in der Neuzeit, seit 160 Jahren, seit dem Aufstehen des dritten Moses, ist wieder eine Evolution unserer Religion cingetreten, die sich zum Liberalismus entwickelte, der immer mehr um sich greift, immer mehr Freunde in der ganzen Welt gewinnt. Maimonides hatte nicht das Glück, das biblische Lebensalter zu erreichen, hatte aber die Freude, seinen Sohn Abraham zu einem Manne und zu einem ihm würdigen Nachfolger im Amte des Nagid heranwachsen zu sehen, einen begabten und lerneifrigen Schüler an ihm gehabt zu haben. Am 13. Dezember 1204 starb er, seine letzten Worte an seinen Sohn sollen gewesen sein: „begragt mich nicht in Aegypten". Dieser Wunsch tourde ihm erfüllt, seine Leiche wurde nach Palästina überführt und in Liberias bcigesetzt. Sein Grabstein wurde später von der Hand eines fanatischen Finsterlings geschändet. Die ihn ehrende Inschrift wurde ausgelöscht und statt dessen geschrieben: „Hier ruht Moses der Ketzer." Auch einem Grabe gegenüber macht der Zelotismus keinen Halt. Jedoch ein Nachruf, der ihm gehalten, ist bis heute nicht vergessen: .Bon Moses dem Propheten bis Moses Maimonides war keiner, der diesem Manne geglichen." »»♦♦»♦44»4444444»44n»H<4n<+4+44444444»44+44444 4 HH 14444»;:*!! BÜCHERSCHAU 14 44 44444IMM 4 4 444 4 4 4 4 4 4 44-4-4»4 444-4»»»»»» 4 444 4444444 4414»»»» „Das Tulipamenschiff“ von Wilhelm Stückten. Cottasche Verlagsbuchhandlung. ln diesem Roman stehen sich Persönlichkeiten der verschiedensten Milieus und Gesellschaftsschichten gegenüoer, jede einzelne mit festen Strichen lebendig und überzeugend gezeichnet, jede einzelne interessant in ihrer milicubedingten Andersartigkeit; einige Ghettojuden Amsterdams sympathisch dargestellt, wenn auch ein wenig naiv typisiert. Das „Tulipanenschiff“ ist ein Buch, das man durchaus gern lesen wird, es rollt Eheprobleme auf, die es zu einem guten Ende führt, es zeigt Schicksale, die in jedem Punkt interessieren, und man legt das Buch nicht ohne das Gefühl weg, daß es mancherlei ausspricht, das einem zu denken gibt und einen hoch über das Leben hinaus beschäftigt. Edith Falk. Leopold Hichter, Der Sohn des Moses Mautner. Ein Wiener Roman. (R. Löwrt Verlag, Wien und Leipzig.) Kein schwer verdaulicher Wassermann, sondern ein Leopold Kompert der Leopoldstadt! Mit allen Vorzügen und Schwächen der Ghettoliteratur, mit all ihren idyllischen Zartheiten, lieben Wahrheiten, unschuldigen Witzen und klein- ■: bürgerlichen Strebsamkeiten, mit ihren rührend menschlichen Frömmigkeiten und aufgepappten Halb-Jüdischkeilen und mit dem immer entzückenden Patschouli-Duft von Wien und seinem süßen Jüdischdeutsch! Nicht trivial, d. h. abgebraucht, und doch nicht die Probleme von heute! Ehrlich gesehene und anekdotisch gut charakterisierte Menschen, aber Menschen des vorigen Jahrhunderts! Wir bewundern diesen jüngsten Sohn des Herrn Moses, genannt Hermann, in den die Eltern alles Wissen hineinstopfen wollen, und der deshalb ' ein schlechter Schüler und Schlächterlehrling wird, der sich dann durchsetzt und als Erwachsener die Bildung nachholt, bis zum Direktor! Aber wir denken doch heimlich: der Dummkopf! Als wenn ein tüchtiger gebildeter Schlächter mit dem Herz auf der rechten Stelle für die Menschheit nicht mindestens so wichtig wäre wie ein Germanist! Doch «eis drum: so waren eben unsere Eltern! — Und darum ist dies Buch eine gute Sabbat-Nachmittag-Unterhaltung für den, der Zeit dazu hat! H. F. „Salomos Hohes Lied“. Erstes Kapitel, ins Deutsche übersetzt von Moses Mendelssohn. — Zu seinem 200. Geburtstage (6. September 1929) für eine Singstimme mit Klavierbegleitung komponiert von Aron Friedmann, Königlicher Musikdirektor, Oberkantor der jüdischen Gemeinde von Berlin. — Erschienen bei C. Boas Nachf., Berlin, Neue Friedrichstraße 69. — Preis M. 2,50. So, wie wir gewohnt sind, Schiller und Goethe unter dem Gesichtswinkel seelischer Harmonien zu betrachten, ebenso wie Mozart und Beethoven, so verhält es sich auch mit Lessing und Moses Mendelssohn. Die Feier des 20(X Geburtstages von Gotthold Ephraim Lessing, jenes großen Dichters' und Denkers und gottbegnadeten Verkünders ewiger Wahrheiten in den Beziehungen des Menschen zum Men- : sehen, ist .noch in unser aller begeisterter Erinnerung, und ist es durchaus kein Zufall, daß auch der Name Moses Mendelssohn bei dieser Gelegenheit nicht ungenannt geblieben ist. Indem wir uns im Verlauf dieses Jahres noch Verbreiten Sie Ihre Zeitung Jeder Leser der Jüdisch-liberalen Zeitun^müM es »ls eine Ehrenpflicht empfinden, einennenen Abonnenten z« werbenl Veranlassen Sie einen Ihrer Bekannten, die nntenstehende Bestellung ausgefüllt im Briefumschlag als Drucksache an den Verlag der Jüdisch-liberalen Zeitung, Berlin SW 48, . Wilhelmstraße 147, zu sende«. Ich bestelle hiermit die Jüdisch-liberale Zeitung ab 1. Ftb uar >929 bis auf Widerruf zum Bezugspreise in Höhe von Mark 2.50 pro Vierteljahr. Die Gebühren für ein Di r'eljahr in Höhe von Mark 2.50 überivei,e ich aus das Postscheckkonto der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin 137089. bitte ich durch Nachnahme zu erheben. sNichtgewtinschteS bitte durchstreichen > Name des Bestellers:.. Wohnung: Ort u. Datum:. Bitlr deutlich schreibe» anschicken, des Doppelgestirnes anderem Teil zu seiner zweiten Säkularfeier würdig zu begegnen, wollen wir es den Historiographen und den Philosophen unter ihnen überlassen, wie sie ihrerseits dem großen Reformator Moses Mendelssohn in allgemeinen und in jüdischen Dingen gerecht zu werden gedenken. Seine Bibelübersetzung ist jedenfalls in mehr als nur einer Beziehung eine Großtat allerersten Ranges. In der Einleitung zur Mendelssohnschen Uebersetzung des Hohen Liedes sagen die Herausgeber wörtlich folgendes: „Wegen der großen Schwierigkeit der Uebersetzung dieses Liedes und bei dem Mangel an Kenntnis der deutschen Sprache bei unserem Volke war dieses Buch (Megillah; bis jetzt wie ein versiegelter Brief, indem keiner war, der einen einzigen Abschnitt angemessen und passend übersetzen konnte. Um diesem Uebe'stande abzuhelfen, hinterließ uns der Mann Gottes, unser Herr Mosche ben Mcnachem, den Segen einer deutschen Uebersetzung zu dem Buche in reiner und melodischer Sprache, in poetisch schönem, gebundenem Stile, nach der Weise der Gesänge und Verse, über welche sich der Leser freuen und welche den Hörer ergötzen wird.“ .... Das erste Kapitel dieser schwungvollen und begeisterten Dichtung aus den Tagen des königlichen Sängers hat aus Anlaß der bevorstehenden 200 jährigen Geburtsteier des genialen Uebersetzers und Philosophen Moses Mendelssohn durch den bekannten Komponisten Aron Friedmann eine Vertonung erfahren, die, vom rein musikalischen Standpunkt aus gewertet, als eine gelungene Illustration der von hohem Pathos getragenen Dichtung angesprochen werden darf. Die einzelnen Episoden sind auch kompositorisch sehr fein herausgearbeitet und schattiert, so daß man bei der Durchsicht des die imposante Größe des biblischen Textes atmenden Liedes ganz von selbst die Ueberzeugung gewinnt, daß dieses jüngste Geschenk Friedmannscher Muse bei den Gedenkfeiern für Moses Mendelssohn nicht fehlen, darf. Hermann Zivi, Elberfeld. „Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege.“ Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden hat das erste Heft ihrer, vorläufig zweimonatlich erscheinenden „Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege“ herausgegeben. Die Zeitschrift stellt eine Zusammenfassung der bisherigen periodischen Veröffentlichungen der Zentralwohlfahrtsstelle dar: des „Nachrichtendienstes“ und der „Zedakah“. Zweck der Zeitschrift ist die umfassende wissenschaftliche und aut die Bedürfnisse der Praxis abgestellte Bearbeitung aller Gebiete der jüdischen Wohlfahrtspflege; der Zusammenhang mit der allgemeinen Wohlfahrtspflege soll dabei weitgehend gewahrt werden. Bestellungen nimmt die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158 (Telephon: Bismarck 1064 und 1065, Postscheckkonto: Berlin Nr. 140617) entgegen. Der Abonnementspreis beträgt Mk. 8,— jährlich; für jüdische Gemeinden, Organisationen, Vereine, Anstalten und persönliche Mitarbeiter Mk. 4,— jährlich. „Techinnah“ von Bas Ammi. Der Herinon-Verlag, Frankfurt a. M., hat eine neue Techinnah herausgebracht, „ein belehrendes Andachtsbuch für jüdische Frauen und Bräute“ mit einem Anhang über die besonderen Pflichten der jüdischen Frau. Dieses Buch stellt eine sehr gute, moderne Uebersetzung der alten hebräischen Gebete dar; vorzüglich ist besonders der Anhang, der den nicht orthodox erzogenen Mädchen in knapper und anschaulicher Art die Pflichten der rituellen Haushaltführung weist, lind der in freimütiger und reiner Weise die Ethik der jüdischen Frau — wie das Gesetz sie wünscht - aufzeigt. -- Nur eines der in der Techinnah enthaltenen Gebete stellt einen Mißgriff dar, wie er einem jüdischen, einem fraulichen Buche nicht passieren dürfte; es ist dies das in Versen gehaltene „Gebet einer Mutter, deren Sohn im Kriege gefallen ist“, ln diesem Gebet steckt der verderbliche Ungeist der verantwortungslosen Kriegsverhcrrlicher, die die natürliche Trauer einer gebeugten Mutter in einen dummen Stolz auf das gebrachte Opfer umschmelzen wollen. „Ich soll arm sein? Wer hat jemals Größeres spenden, Teureres der Mitwelt geben können als die stolze Mutter, die den hoffnungsvollen Sprossen.hat dem Vaterland geopfert?“ Der Geist Fritz von Unruhs möge in die nächste Ausgabe der Techinnah einziehen, Unruhs, der einmal gesagt hat: „Wenn die großen Herren beschließen, Krieg zu machen, dann sollte eine Mutter kommen und es ihnen verbieten!“ Aber bis auf diese eine Entgleisung ist die Techinnah eine unbedingt empfehlenswerte Gabe. — Edith Falk, Frankfurt a. M. Sefer ha Riktna des Jona ibn Ganach, herausgegeben von Dr. Michael Wilensky. Soeben erschien als Publikation der Akademie für die Wissenschaft des Judentums die kritische Ausgabe eines der jüdischen Klassiker des Mittelalters. Alle für jüdische Forschung Interessierten wissen, wie sehr Editionen dieser Art . nottun, die überhaupt erst ersprießliche wissenschaftliche Fortärbeit möglich machen. Es handelt sich um das Sefer ha Rikma, des Jona ibn Ganach (erste Hälfte des 11._ Jahrhunderts in Spanien), ein Standard Work der hebräischen Sprachwissenschaft, herausgegeben von Dr. Michael Wilensk*. Zugrunde liegen die vier Handschriften der hebräischen Uebersetzung des I. Ibn Tibbon, sowie das arabische Original. Den kritisch festgestellten Text begleiten zahlreiche Erfautcningen zur Erleichterung des Verständnisses. Register und Glossar machen die Edition zum handlichen Nachschlagewerk. Das Buch wird nicht bloß den Gelehrten, sonder« jedem, der für hebräische Sprache und rationale Bibelexegese Interesse hat, besonders aber den Bibliotheken de« jüdischen Gymnasien, sehr willkommen sein. — Vorläufig erscheint der erste Halbband, aber auch der zweite ist im Drucksatz fast fertig und wird nicht lange auf sich warten lassen. „Ner Jisrael“, Hebräische Lesefibel von J. B. Levy, mk Zeichnungen won Erna Firmer; Verlag M. Lehrberger fr Co., Frankfurt a. M„ 1929. Vor nicht allzu langer Zeit erschien im Verlag Talmud- Thora, Hamburg, eine vorzügliche hebräische Lesefibel von Chajim Mandelbaum mit ebenso vorzüglichen Zeichnungen von Kolonimos Rothschild. Texte und Bilder paßten völlig zueinander, waren freilich zum großen Teil der täglichen Umgebung des Kindes entnommen, dem Elternhaus’ dem Kinderzimmer, den Spielen in Haus und Natur usw., doch waren auch die häusliche Freitagabendfeier, der Seder, Chanukah und die Synagoge in erfreulichem Maße berücksichtigt worden. Es läßt sich nicht leugnen, daß die Fibel recht stark auf „Hebräisch als Umgangssprache“ zugeschnitten * war und einen zionistisch-orthodoxen Beigeschmack hatte. Freilich muß man bedenken, daß ein großer Teil der Wörter, die die Kinder im häuslichen Leben gebrauchen (Vater. -Mutter, Bruder, Schwester, Milch, Garten, Baum, Sonne u. a. in.), im ersten Buche Mose Vorkommen, so daß das „zionistisch-orthodoxe“ Lehrbuch des Hamburger Verlages eine durchaus brauchbare, ja sogar vorzügliche Vorbereitung zur ersten Bibel-Lektüre ist. Im übrigen sollte man nie vergessen, wieviel auf die Persönlichkeit des Lehrers ankommt. Aus eigener Erfahrung darf ich sagen, daß meine Kinder mit großer Freude und mit Erfolg unter meiner Anleitung aus jenem Buch gelernt haben, — und dafür, daß sie weder Zionismus noch Orthodoxismus lernen, ist bei mir gesorgt! Die hier zu besprechende Fibel von J. B. Levy ist mu: beim ersten An- und Einblick als Nachbildung der Mandelbaumschen Fibel zu erkennen. Sie unterscheidet sich von ihr zunächst dadurch, daß sie konsequent auf Stoffe der biblischen Erzählungen und des häuslich -religiösen Lebens zurückgreift. Leider aber wird dieser Vor teil wieder aufgehoben, weil diese neue Fibel nach einer endgültig der Vergangenheit angehörenden Lehrmethode wieder allerlei unzusammenhängende Silben und Wörter rein mechanisch als „Lesestoff“ zusammenstellt und daher auch einen Zusammenhang zwischen Text und Bildern so gut wie vermissen läßt Auch für sich betrachtet reichen die Zeichnungen von Erna Pinner an die von Kolonimos Rothschild nicht heran. Ein Buch, das sich so stark an ein bereits vorhandenes anlehnt — z. B. ist die Umschlagzeichnung nach Idee und Ausführung fast unverändert übernommen! —, muß es sich gefallen lassen, in einer Rezension mit seinem Vorbild verglichen zu werden. Und da muß denn gesagt werden, daf; das Vorbild seinen Zweck als die Phantasie des Kindes anregendes und seine Fähigkeiten ausbildendes Lehrbuch weit besser erfüllt als diese neue Fibel, deren Tendenz uns zwar näher steht, die aber nach Methode und Ausführung als ihrem Zweck nicht adäquat angesehen werden muß. Leopold Nathansohn. „Einige GrundzUge der aramäischen Sprache des Talmuds“, im Aufträge der Keren Hatora-Zentrale (Merkas Hachinuch) zusammengestellt von Bernhard 8. Jacobson in Hamburg; Hermon-Verlag, Frankfurt a. M., 1928. Während es aus älterer und neuerer Zeit eine große Anzahl volkstümlicher Lehrbücher des Hebräischen gibt, sind Lehrbücher des Aramäischen bisher nur als kostspielige, dickleibige Werke für Gelehrte vorhanden. Diese Tatsache wird vielfach als Mangel empfunden, weil nicht nur ein erheblicher Teil der Peoach-Haggadah sowie einige Haftaroth und andere Bibelstücke in aramäisch abgefaßt sind, sondern auch, weil in einer Zeit, da weite Kreise der jüdischen Jugend sich um die Kenntnis des jüdischen Schrifttums m der Ursprache bemühen, das Erscheinen eines aramäischen Lehrbuches für Anfänger ein Bedürfnis geworden ist. Das vorliegende Schriftchen zählt nur 29 Seiten, ist also ein Versuch, die gekennzeichnete Lücke auszufüllen. Ob er als gelungen bezeichnet werden kann, soll hier nicht entschieden werden: das Büchlein setzt gute Kenntnisse der hebräischen Sprache bereits voraus, die Texte enthalten auch keine Vokalisation. Nichtsdestoweniger wird diese Neuerscheinung von vielen begrüßt werden, und man kann sie speziell auch den der „Schule der jüdischen Jugend“ nahestehenden Krei sen warm empfehlen. Leopold Nathansohn. Vereinsnachrichten Tee Reichsbuud jüdischrr Frontsoldat«« begeht am 9. un2 10. Fe bruar ds. Js. die Feier seines 10 jährigen Bestehens. In Berlin dem Sitz der Bundesleitung und dem Ort der Gründung des Bundes, wird am Sonnabend abend, 9. Februar, eine Kundgebung im ehe maligen Herrenhaus stattftnden, zu der die Reichs- und Landesbe- Hörden, hohe militärische Stellen, städtische Behörden, die jüdische» amtlicher Stellen, Organisationen und Verbände vertreten ftin werden, sowie natürlich auch die Vertreter der Landesverbände und Orts gruppen des R. j. F. aus dem ganzen Reiche. Am Sonntag, 10. Fe bruar, wird ein Festgottesdienst in der Neuen Synagoge, Oranien burger Straße, stattsinden, im Anschluß daran in den Germania Festsäten Sportvorführungen, und am Abend ein.gesellschaftliches Beisam mensein der auswärtigen und Berliner Kameraden. Am Bonnittag des Sonntag werden auf den Berliner Garnison-Friedhöfen und am G> sallenendenkmal auf dem Ehrenfeld dos Jüdischen Friedhof?- ir Weißenseo Blumenspenden durch Depurationon niedergelegt. Sportgrupp« im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Hallen training: Turnen - Gymnastik: jeden Montag, Dienstag und Don nerstag für Damen, Mädchen, Männer, Jugend, Schüler in allen Stadtteilen. Handballtraining und Waldlauf: jeden Donnerstag und Sonntag. Heimabende jeden Tag außer Freitag. Auskunft erteilt die Geschäftsstelle, C. 2, Buvgstraße 26. Norden 8903. Die Sonrino-Sesellschaft der Freunde des jüdische« Buches E. B. verteilt -n ihre Mitglieder soeben den Probedruck der von ihr vor bereiteten Monumental-Ausgabe der hebräischen Bibel. Gleichzeitig veröffentlicht die Gesellschaft das Programm ihrer diesjährigen Jahres Versammlung, die für den 16. und 17. Februar nach Berlin berufen ist. Am 16. Februar wird im engeren Kreise ein zwangloser Be grüßungsabend die Erschienenen vereinen. Sammh Gronemann spricht ,Lch werde bibliophil." Am 17. Februar findet im Repräsentanten Sitzungssaal der Berliner Jüdischen Gemeinde die Mitgliederver sammlung statt, für die ein Festvortrag: „Die gegenwärtige Lage der hebräischen Literatur" angekündigt wurde. Den Abschluß der Beran staltung bildet ein Gesellschaftsabend im Hotel „Der Kaiserhof", bei dem zahlreiche prominente Mitglieder sprechen werden. Werbt neue Mitglieder!