Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 4 (25.1.1929)
- Date
- 1929-01-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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von der liberalen Nlch Uebertritt zur Mtlelpartei. Wer es »och in Erinnerung Hai, mit welchm Mitteln und mit welcher Gehässigkeit bei den letzten Wahlen gerade die Mttelpartei «ns bekämpfte, wird kein Verständnis für diese Ordensverleihung haben, deren Einführung überhaupt, weil sie einen Präzedenzfall von unabsehbarer Tragweite darsteltt, schwerste prinzipielle Bedenken entgegenstehen. # * Angesichts dieser hier noch lange nicht erschöpfend -argestellten Verhältnisse kann zusammenfassend gesagt werden: Der Tribünenbesucher fühlt, daß eine Atmosphäre der Unaufrichtigkeit in dem Saal da unter ihm herrscht. Und er begrüßt als einzigen Lichtblick in all dieser Trübsal And Finsternis die in Aussicht genommene Beendigung der Legislaturperiode im Jahre 1930, die uns hofkmüich die unserer Gemeinde notweirdige Neugestaltung von Grund aur bringm wird. Ihr Kommen vorzubereiten, gelte in Zukunft alle unsere Kraft! In eigener Sache I. .Herr Rechtsanwalt Dr. Klee hat eine gewisse Uebuug darin, sachlich unbequeme Gegner persönlich zu verunglimpfen. Es sei nur daran erinnert, daß er in der Berliner Gemeinde einen liberalen Repräsentanten einen „dummen Jungen" nannte oder bei einer Tagung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden einen liberalen Abgeordneten als „glten Esel" titulierte. Es sei nur erinnert an feirt Bor gehen gegen Sonnenseld, dessen Wirken ftir das Judentum von ihm - freilich nicht nur von ihm - vergessen wurde, als er die Möglichkeit zu seiner Beseitigung zu besitzen glaubte. ''' Ä)ie vorstehend gekennzeichnete Kampsts-'.rr ist leiser eine seit der Wirksamkeil der Iirdischen Bolksvartei in der Berliner Jüdischen Gemeinde mehrfach erprobte Nerrerung. So veröffentlichter: beispielsweise die zionist-schen Mitglieder des Gemeindevorftarrdcs, die Herren Karesti, Dr. Kollenscher und Dr. Sandler, vor den letzten Wahlen eine Erklärung, in der sie den liberalerr Vorstandsmitgliedern, den Herren Kam-' mergerichtsrat Wolfs, Justizrat Makower, Professor Seligmastn und Fuchs, vorwarfen, „daß für die eifrigsten Parteigänger besoldete Aemter geschaffen werden". Daß man diese Methode erst recht in Wahlversammlungen der Jüdischen Volkspartei amvandte, ist selbstverständlich. Und daß man diese Methode rrach den leider damit erzielten Erfolgen nicht verlassen, hat, kann mich nicht verwundern. ' 11. Ich muß also ein gewisses Gewohnheitsrecht des Herrn Dr. Klee, nun auch mich als Folge meiner entschiedenen Gchnerschast gegen den Zionismus persönlich zu verunglimpfen, wohl oder übel anerkennen. Wenn ich dennoch hier einige Feststellungen mache, so nur deshalb, weil ich seine den Tatsachen nicht gerecht werdenden Ausführungen nicht unwidersprochen lassen kann. Die persönlichen Angriffe des Herrn Dr. Klee gegen mich knüpften an den folgenden Satz des Artikels „Zionistischer Vorsitzerürer in Berten" ill der Jüdisch-liberalen Zeitung vom 11. Januar 1929 an: „Ganz «ckgesehen von dm Bedenken, die in der Persönlichkeit des Herrn Kareski und seiner Tätigkeit im Michael-Konzern ihre Ursachen haben, abgesehen auch von seinem eigenartigen Verhalten als Wahlkommissar der Berliner Jüdischen Gemeiirde während der letzten Repräsentantenwahlen, das in, einem Fall ja sogar vom Berliner Polizeipräsidenten als „eine starke Verletzung des Statutes der Berliner Jüdischm Gemeinde bezeichnet wurde, kommt seiner Wähl symptomatisch« Bedeutung zu." Es gibt verschiedene Auffassungen von dm Aufgaben der Presse. Einige meinen, sie hat offen auszusprechen, was ist and was sie denkt, andere wieder, sie hat nur ein Anhängsel politischer oder sonstiger Gremien zu sein; wieder andere meinen, die Presse sollte überhaupt keine Stellung nehmen, sondern nur registrieren, und von diesen führt dann ein weiter Weg bis hin zu jenen, die schon lieber gleich sagen, es wäre am besten, wenn es die ganzm Zeitungen nicht gwe. Ich bin nun der Auffassung, obwohl das für mich wohl die unbequemste ist, daß die Presse notwendig ist und daß sie offen auszusprechm hat, was ist und was sie dmkt. Deshalb hielt und halte ich es für meine Pflicht, offen auszusprechm, daß sowohl in der Persönlichkeit des terrn Karesti als auch in seiner Tätigkeit im Michael onzern Bedenken erblickt werden. Daß Bedmkm in der hier angedenteten Richtung in weiten Kreisen bestehen, wird Herr Dr. Klee ja wohl kaum bestreiten können. Beispielsweise die sagen wir es ganz milde ~ etwas temperamentvolle Art, in der Herr Kareski auf gegen seine Wünsche ausfallmde Beschlüsse zu reagieren pflegt, muß doch Bedenken gegen seine Wahl zum Gemeindevorsitzendm, zumal bei den jetzigen Mehrheitsverhältnissm, selbst bei denen Hervorrufen, die seine Fähigkeiten auf finanziellem Gebiet, als Sitzungsleiter oder in sonstigen Dingen anerkennen. Und die Tätigkeit des Hern: Kareski im Michael-Konzern mag voll und ganz ehrenwert sein, deswegen ist doch die Tat lache nicht aus der Welt zu schaffen, daß Bedenken gegen seine Wahl zum Gemeindevorsitzendm bestehen, weil er im Michael-Konzern tätig ist. Will Herr Dr. Klee behaupten, daß er von diesen Bedenken erst aus unserer Zeitung erfahren hat? Ich meine, er ist auf Bedenken in dieser Beziehung aus prominmten liberalen Kreisen auch vor der Wahl aufmerksam gemacht worden, und ich halte es sogar nicht für ausgeschlossen, daß solche Bedenken auch in den Kreisen derer, die diese Wahl gegm die Liberalen Vornahmen, erwähnt wurden. Ich vermag keine Verpflichtung der Presse anzuerkennen, vorhandene Bedenken zu verschweigen. Wobei noch betont werden muß, daß in dem hier veröffentlichten Artikel ausdrücklich diese Bedenkm beiseite geschoben wurdm, und der Schwerpunkt in der symptomatischen Bedeutmrg der Wahl erblickt wurde. 111. Nun kommt Herr Dr. Klee aber auch noch mit garrz schwerem Geschütz. Er enrpört sich in gut gespielter'Pose darüber, wie schrecklich unfair dieser Herr Woyda m dieser Angelegenheit handle. Dieser Herr Woyda habe vor Gericht schon einmal all das zurückgenommen, was er jetzt wieder von Herrn Kareski als Wahlkommissar erzähle. . Nun, ich wage nicht daran zu zweifeln, daß Herr Dr. Klee sein Vorgehen in besonderem Maße als fair empfand, als er dieses Märchen gerade dort erzählte, wo ich als anwesender Journalist es mir zwar anhören durfte, aber keine Möglichkeit zur Erwiderung besaß. Er durste es in der Berliner Repräsentantenversammlung umso eher tun, als er hier gewiß sein konnte, daß der Präsident es nicht verstehen würde, für den üblichen Schutz eines anwesenden Journalisten, der sich nicht im Saal verteidigen kann, Sorge zu tragen. Zwar scheint mir das Märchen des Herrn Dr. Klee etwas reichlich platt; denn schließlich kann ich ja wohl nicht zurücknehmen, was der Polizeipräsident festgeftellt hat. Immerhin: auch platte Märchen sinden mitunter gläubige Zuhörer. Deshalb sei der Sachverhalt klargestellt. Ich habe in einem Gerichtsverfahren, das im Anschluß an die Repräsentantenwahlen vom 16. Mai 1926 auf Antrag des damaligen Wahltommissars, Herrn Kareski, schwebte, eine Erklärung abgegeben, die dreierlei besagte: erstens wurden Beleidigungen, die hier im Zusammenhang mit den Repräseytantenwahten gestanden haben, zurückgenommen; zweitens wurde die persönliche optima fides des Herrn Kareski anerkannt; drittens nahm ich zur Kenntnis, daß mit der Aufstellung der Wählerliste d er Wahlkommissar als solcher nichts zu tun hat. Alle weitergehenden Wünsche für die Erklärung, die der Beilegung des Gerichtsverfahrens dienen sollte, - und besonders Herr Dr. Klee, der damals als Anwalt des Herrn Kareski fungierte, hatte, wie er ja wohl wissen wird, sehr viel weitergehende Wünsche - habe ich abgelehnt. Insbesondere lehnte ich es ab, mir die Auffassung der Herren Klee und Kareski über das Aufgabengebiet des Wahlkommissa^s zu eigen zu machen. Ich wies auch ausdrücklich darauf hin, daß tatsächlich Wahlverstöße erfolgt seien. Zum Beweis hierfür zitiere ich die Jüdisch-l'berale Zeitung vom 20. April 1928, in der es nach Abdruck der Vergleichserklärung u. a. heißt: „Ein Vergleich in dem nun bald zwei Jahre schwebenden Prozeß konnte deshalb von unserm Standpunkt aus in dem Augenblick getroffen werden, in dem die Gegenseite aus eine Erklärung von uns über die tatsächlich erfolgten Wahlverstöße verzichtete und die verschiedene Auffassung über das Aufgabengebiet des Wahlkommissars unentschieden blieb. Das ist nunmehr geschehen und so ist denn auch dieses Kapitel der Repräsentantenwahlen vom Mai 1926 zum Abschluß gelangt." IV. Die für Herrn Tr. Klee allerdings reichlich peinliche Situation, die die Veröffentlichung des Abkommens der liberalen Fraktion der Berliner Repräsentantenversammlung mit der Fraktion der Jüdischen - Volkspartei enthüllte, macht es mir noch besonders verständlich, daß Herr Dr. Klee von dern Kernpuntt der Diskussion auf persönliches Gebiet ablenkte. Ich werde mich dadurch nicht beirren lassen. Ich bin ein entschiedener Gegner des Zionismus. Damit werden sich die Zionisten äbfinden müssen. Herr Dr. Klee mag gegen meine Anschauung streiten. Das ist sein gutes Recht. Aber er sollte die Art seines Kämpfens einmal gründlich überprüfen. ' Will Herr Dr. Klee aus sachlichem Niveau - die Auseinandersetzung, ich bin bereit. Seine Methode aber werde ich mir nicht zu eigen machen. Bruno Woyda. * ■ Der Jerusalemer Lehrstuhl der Berliner Jüdischen Gemeinde Der Vorsitzende der Liberalen Fraktion der Berliner Repräsentäntenversammlüng, Herr Professor Dr. Türk, bittet uns um die Veröffentlichung der folgenden Mitteilung, die er an die Jüdische Telegraphen-Agentur gesandt hat: „Unter der Ueberschrift „Ein Katheder der Berliner Jüdischen Gemeinde an der Hebräischen Universität zu Jerusalem" bringerr Sie die Mitteilung, daß im Geiste der A g en c y -P vli ti k in der letzten Zeit Verhandlungen zwischen den großen Fraktionen der Rcpräsentantmversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde, der Frackion der Jüdischen Volkspartei und der Liberalen Fraktion, staLtgefnnden haben. Ich lege Wert darauf, zu crttärcn, daß diese Verhandlungen unsererseits nicht im Geiste der Agency-Politi: geführt worden sind, solchen: lediglich den Zweck hatten, einer: modus vivendi für die nächsten zwei Jahre herbeizuführen. Wenn wir der Schaffung eines Lehrstuhls an der Universität Jerusalem zugestimmt haben, so geschah es unter der ausdrücklichen Bedingung, daß seitens der Volkspartei Forderungei: für den Keren Hajessod in der nächsten Zeit nicht gesteckt werden. Es ist auch nicht das erste Mal, daß die Liberale Fraktion ihr Interesse für die neue Universität bekundet hat, deren Bibliothek von chr mehrfach gefördert worden i-r." * * * Der Vollständigkeit halber geben wir die Viel düng der Jta die durch die vorstehende Erklärung teilweise zurückgewiesen wird, unfern Lesern auch nock) bekannt: „Im Geiste der Agency-Politik haben in der letzten Zeit Verhaudtuligen zwischen dm großen F.aktionen der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde, der Fraktion der Jüdischen Volkspartei und der Liberalen Fraktion, stattgefunden, bei denen die Fraktion der Jüdischm Volkspartei in Ueberciustimmung und unter Unterrichtung der konservativen und mitteiparteil.chm Gruppe, außer den Forderungen, die sie auf dem Gebiete dn Schulpolitik hat, die Forderung nach einer sichtbaren Beteiligung der Berliner Jüdischen Gemeinde am Ausbau Palästinas stellte. Ter Vorsitzende der Jüdische;: Vollspa:tei Rechtsanwalt Dr. Klee machte den Vorschlag, die Berliner Jüdische Gemeinde möge an der Universität Jerusalem einen L. h stuhl als dauernde Einrichtung schaffen, der, um auch äußerlich die Verbundenheit des deutsche:: Judentums mit Palästina zu zeigen, die Bezeichnung „Lehrstuhl der Berliner Jüdischen Gemeinde" tragen soll. Eine bestimmte Forderung, welcher Wissenschaft dieser Lehrstuhl dienen soll, wurde nicht gestellt. Tr. Klee regte zunächst an, daß dieses Katheder für deuffche Philosophie und Literatur geschaffen werden soll, damit analog in England und Amerika ein Katheder für englische Philosophie und Literatur, in Frankreich für französische Kultur und Sprache, von den italienischen Gemeinden für italienische Literatur und Sprache geschaffen werden könne. Er fügte aber ausdrücklich hinzu, daß die Entscheidung, welches Katheder von Berlin errichtet werden soll, den augenblicklichen Lehr- und Stndienbedürfnisscn Palästinas angepaßt werden müsse, so daß vielleicht eine andere Wissenschaft, etwa National-Oekonomie oder, in Verbindung mit dem Völkerbund, Völterrechit und Völkerbundspolickk, vielleicht auch eine naturwissenschaftliche Disziplin, in Frage käme. Die zionistische Forderung ivurde im Prinzip allgeriomroen. Es ist damit zu rechnen, daß schon in alternächstgr Zeit die Verwaltung der Berliner Jüdifchm Gemeinde die vo» der Volkspartei geforderte Palästina-Institution m Gestalt dieses Berliner Lehrstuhls errichten wird. Gedacht ist an erneu jährlich in das Budget der Berliner Jüdischen Gemeinde einzusetz eichen Betrag von etwa 15000 Mark für diesen Zweck. Voraussichtlich wird ein Speziallomitee wie der Jt«- Vertreter erfährt, werden außer R.-A. Dr. Klee die Narnen Professor Tr. Elbogen, Dr. Kollenscher, Professor Türk. R.-A. Stern genannt - eingesetzt werden, das in Verbindung mit dem Eouncil der Universität alte weiteren Fragen regeln, dm Lehrstuhl auch weiter betreuen, so namentlich für eine Seminar-Bibliothek und andere mit dem Lehrstuhl in Verbindung stehende notwendige Aufgaben Sorge tragen soll. Mit der Schaffung dieses Katheders verbindet sich zum ersten Male eine führende westeuropäische Gemeinde durch eure Spezial-Institution dauernd mit dem Aufbau des neuen Pa-' lästinw" Ort-Ausstellung in Frankfurt a. 21t. Am 14. Januar wurde in Frankfurt a. M. in dm Räumm des Kaufhauses Wronker die W a n d e r a u s ft e l lung der „O r t"- Gesellschaft zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter dm Juden e. B. in Anwesenheit eines Vertreters des Regierungspräsidenten, der Stadt Frankfurt a. M., der jüdischen Gemeinde, jüdi scher Organisationen sowie zahlreicher anderer Korporationen und führeicher Persönlichkeiten eröffnet. Herr Wronker begrüßte die erschienenen Gäste urw wies in einer einleitendm Ansprache auf die Bedeutung des vom „Ort" geleisteten Aufbauwerkes hin. Der Generalsekretär der „Owt" Gesellschaft, Herr Dr Michael Traub, Berlin, gab einen kurzen Ueberblick übe: die Entstehungsgeschichte des „Ort" und schilderte feine Wirk samkeit in Osteuropa währerid der letzten Jahre. Mit ganz besonderem Nachdruck betonte Dr. Traub die Tatsache, daß der „Ort" in seiner Aufbauarbeit sich an die wirtschaftlichen Verhältnisse des jeweiligen Landes anpasse. Während er daher in Rußland in erster Linie die landwirtschaftliche An, siedlung der jüdischm Bevölkerung fördere, ist er in Polen bestrebt, das jüdische Handwerk durch entsprechende Qualifi zierung zu verbreiten und konkurrenzfähig zu gestalten. Be sondere Bedeutung konunt in diesem Zusammenhänge dm von dem „Ort" betreuten jüdischen Lehrfabriken zu, die bei: Zugang jüdischer Arbeiter in die Großindustrie er jmöglichen. Ter „Ort" Ausstellung, die Zeugnis ablegen soll von jüdischer Arbeit, falle nun die Aufgabe zu, die er zielten Erfolge in anschaulicher Weise vor Augen zu führen und dm Beweis zu erbringen, daß der vom „Ort" eingeschla gme Weg, statt durch A l m o s e u durch Arbeit z u helfen, der richtige sei. Regierungsrat Tr. Tank, Wiesbaden, überbrachte im Namen des Regierungspräsidenten in Wiesbaden die Glückwünsche der preußischen Regierung und führte u. a. aus: Der Regierungspräsident hat mich als Mitglied der Regierung Wiesbaden beauftragt, an der heutigm Veranstaltung teilzunehmm und dm preußischer: Staat bei ihr zu vertreten. Er bedauert außerordentlich, daß er und der Herr Regierungsvizepräsident über dm heutigm Tag bereits ande:weitig dienstlich verfügt hatten. Beide Herren haben mich beauftragt, Ihnen meine wärmsten Glückwünsche zu übermitteln, sie werden Gelegenheit nehmen, im Lause der Woche die Ausstellung zu besuchen. Ihre Ausstellung verfolgt dm Zweck, aufklärend zu wirke::: in weiten Kreisen des deutschen Volkes und darüber hinaus ist die Vorstellung verbreitet, die Volksgenosseic jüdischen Glaubens könnten keine Landwirte und Handwerker werden. Und die übelgesinnten Gegner setzen als verleumderische Begründung hinzu „weil das nicht genug cinbrächte". Und nun stehen sie auf und beweisen, daß sie a :i d) a l s Landwirte und Handwerker ihre n M a u u st ehen und daß auch sie aus diesen Gebieten in ihrem Vaterlande arbeiten. Nichts ist so sehr geeignet, diesen Gegnern eines g ro ß e n Teiles des deutschen Volkes eine bisher u li z w e i s e l h a s t wirksame Waffe aus der Hand zu schlage::, als diese A u S n e l l u n ß, d i e nicht nur etwas behauptet, sondern etivas beweist: Möchten die Ausstellungsräume die Zahl der Besucher nicht fassen und alle einen bleibenden Gewinn mit nach Haufe nehmen zu ihrern Besten und dem Besten des deutschen Volkes. Mit Bedauern muß ich sagen, daß es eigentlich nicht Ihrem A k t i o n S a u s s ch u ß o b g e l e g e n hätte, die A u s ft e l l u n g zu veranstalten, sondern dl em preußischen Staate. Es gehört zu unseren wichtigstm Staatsausgaben, alles zu tun, was in unsere» Kräften steht, ausgleichend zu wirken und dafür zu sorgen, daß ein dem Staatsganzen schädlicher Kampf eines Teils des Volkes gegen den anderen unterbleibt. Und was könnte d« wohl geeigneter sein, als diese bedeutungsvolle aufklärende Ausstellung. So stellt sich denn diese Ausstellung als eine nationale Tat dar. Die Veranstalter dieser Ausstellung haben sich ein großes Verdienst um das Land Preußen unb darüber hinaus um das Deutsche Reich erworben, für das ich Ihnen im Aufträge des Herrn Regierungspräsidenten der: Dank des preußischen Staates auszusprechm die Ehre habe. Nach einer weiteren überall warmen Ansprache des M a g i st r a t s r a t e s Brühl im Namen der Stadt Frankfurt erfolgte ein Ruudgang durch die Ausstellung, die aus alle Anwesenden einen ausgezeichneten Eindruck gemacht hat. In ihrem sehr ausführlichen Bericht über die Ansstellungseröffnung schreibt die „Frankfurter Zeitung": Der Reiz dieser ganzen Ausstellung liegt darin, daß hier hochwertige, handwerkliche und andere Leistungen zu sehen sind, die von jüdischen Händen hergestellt sind, also von Händen, denen man nachsagt, daß sie der physischen Arbeit entwöhnt, daß sie dazu nicht erzogen seien. Die Ausstellung liefert dm Beweis, daß eine solche Erziehung möglich, daß eine Umstellung von reinem Geld- und Warenhändlertum zur physischen Arbeit angängig ist. Sie zeigte, daß der Leitgedanke des ,^O rt", ein von Grund und Boden verdrängtes, entwurzeltes Volk mit der Werkstatt und der Scholle wieder zu verbinden, richtig und erfolgreich ist. Im Anschluß an die „Ort"-Ausstellung fand am 14. Januar, abends im Hause von Herrn Hermann Wronker ein Vortragsabend zugunstm des „Ort" statt, an dem die Herren Rabbiner Dr. S. Levi, Mainz, und Herr Dr. Traub, Berlin, vor zahlreichm Zuhörem über die Aufgabm und die Tätigkeit des „Ort"-Berba:ü»es sprachen.