Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 1 (4.1.1929)
- Date
- 1929-01-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Soziale Woche des Reichsausfchuffes der jüdischen Zugendverbände Die soziale Woche des Reichsausschusses der jüdischen JugcndverbänLe in dem vom Reichsausschuß, der jüdischen Jugendtcrbände unterhaltenen Jacobsheim zu Seesen vom 23. bis 31. Dezember 1928 vereinigte etwa 40 junge Menschen aller jüdischen Richtungen im eigenen Heim der jüdischen Jugend zu gemeinsamer Arbeit und Echolung. Ter Geist der Jugendbewegung fand einen Ausdruck in neuen, verantwortungsvollen Forderungen beruflicher und nrchtberuflicher Sozialarbeiter, in ernsten, ehrlichen Aussprachen. Durchdachte Kritik, die sich aus guter Sachkenntnis aufbaute, zeigte lonkrcte jüdische Aufgaben. Tr. Ollcndorff und Tr. Kreuzberger behandelten in Referat und Korreferat die Frage der Erneuerungsbestrebungen in der allgemeinen und jüdischen Wohlfahrtspflege. Während Tr. Ollendorfs überwiegend von der Verankerung der jüdischen Wohlfahrtspflege im Bewußtsein der jüdischen Gesellschaft sprach und Maßnahmen vorschlug, die dieses Ziel erreichen lassen sollen, wies Tr. Kreuzberger die Zusammenhänge zwischen Wohlfahrtspflege unb Wirtschaftsordnung auf. Er führte aus, daß die heutige Wohlfahrtspflege in ihrer Organisation und in ihren Methoden der kapitalistischen Wirtschaftsweise in der Form der Vertrustung, Kartellierung und Spezialisierung (Beamtung) entsprach. Als besondere jüdische Forderung hob er hervor, den durch die Verschiebung int Attersausbau der Bevölkerung bzw. den Geburtenansfall in den Kriegsjahren entstehenden Lchrlingsaussall in den Iahreu 1930 1934 für eine jüdische Berufspolitik auszunutzen. Hierfür sei die Schulung und Bereitstellung besonders qualifizierter Berufsberater für Großgemeinden und Bezirke notwendig. Tic Fragen der jüdischen geschlossenen Fürsorge (Waisenhäuser, Lehrlingsheime, Fürsorgcerziehungsanftalten, Psychopathcnheime) wurden von Tr. Hanna Eisfelder und Tr. Paula Kronheimer behandelt. Tr. Hanna Eisfelder schilderte aus Grund eigenen Erlebens, bezw. eigener Mitarbeit in jüdischen Anstalten die Not des jüdischen Anstaltskindes, seine Auflehnung und Ablehnung gegen eine Erziehungsform, die die Individualität des Kindes unterdrücken und es unkontrolliert der Willkür nicht immer qualifizierter Erzieher preisgeben. Sic unterschied dabei drei Typen vo.n Anstalten: nämlich alte Anstalten, Anstaiten nnt äußerer Reform unb einig? wenige Anstalten mit neuerer, innerer Form. Tr. Paula Kronheimer sprach über die Schwierigkeiten d?r jüdischen Fürsorgeerzichungsanstalten und die Maßnahmen, ihnen zu begegnen. Die Anwesenden betonten sehr stark den fragwürdigen Charakter der Fürsorgeerziehung überhaupt, forderten weitgehende Ersetzung der Fürsorgeerziehung durch freie Unterbringung in Familien, Waisenhäusern und Landheimen und sprachen sich im übrigen für eine Unterstützung und stärtstc Beschleunigung der im Gange befindlichen Reformen aßnäh men aus. An Hand langjähriger praktischer Erfahrungen berichtete Hilde .Hochwald über Erneuerungsbestrebungen in der jüdischen halbosfcnen Fürsorge. Sie wies darauf hin, daß in einer großen Anzahl von Kindergärten und Horten die Forderungen der modernen Hygiene nicht ausreichend erfüllt sind. Sie forderte weiter eine enge Verbundenheit der Mitarbeiter dieser Institutionen mit den Eltern und eine genaue persönliche Kenntnis des Milieus, dem die Kinder entstammen. Sie beklagte den Mangel ausreichender Einrichtungen für das jüdische Kleinkind, insbesondere von Tagesheimen für Säuglinge und Laufkinder. Das verhältnismäßig junge Gebiet der Jugendpftegearbcik au der bisher unorganisierten Jugend fand in einem Referat von Tr. Georg Lubinsii seine Behandlung. Bei der prinzipiellen Uebcrzeugung von der Wichtigkeit gerade dieser Arbeit bestand dennoch keine Einstimmigkeit über ihre ichle Durchführbarkeit. An Hand einer Reihe von Erfahrungen aus der praktischen Arbeit, die insbesondere in d?r Diskussion hervortraten, wurde die Forderung nach Freiheit des Erziehers, besonders auch in Bezug auf'Stellungnahme zu gesellschaftlichen Fragen und aus die Gestaltung der Arbeitsmethoden erhoben. Im Anschluß hieran wurde über Ansatzpunkte der ehrenamtlichen Mitarbeit von Jugendlichen in Wohlsahrtskommissioncn gesprochen. Tiefe Mitarbeit soll von der Möglichkeit der tatsächlichen Mitbestimmung und Einflußnahme abhängig gemacht werden, wie auch von der Mitgliedschaft der Jugendlichen in den leitenden Gremien. 'Abschließend Mach Martin Sobotker über Tatsachen aus dem Leben der jüdischen Großstadtjugend. Er wies aus die schwierigen Probleme der Berussmnschichtung und Berufsberatung hin. Während der Tagung fand eine Sonderarbeitsgemeinschaft über die Zusammenhänge von Wohlfahrtspflege und Sozialismus statt, ferner wurden Berichte über die Arb.it der neu errichteten Pflegeämler und des jüdischen Kindcthauses in Kownv gegeben, außerdem besprach man Ausbitdungs- und Berusssragcn der jüdischen Sozialarbeiter. Zur Auswertung der Ergebnisse der Tagung und zur Durchführung der für die praktische Arbeit gefaßten Resolutionen wurde ein Ausschuß gewählt, der aus den folgenden Personen besteht: Edith Eohn, Tr. Paula Kronheimer, Tr. Hanna Eisfelder, .Hilde Hochwald, vorn Vorstande des Reichsausschusses Tr. Ludwig Tietz und Tr. Georg Lubinski. Das Gelingen der Tagung war, abgesehen von ihrem geistigen Geihalt, mit durch die gute Versorgung der Teilnehmer durch di? Wirtschaftsführung im Heim bedingt. Bei allen blieb der Wunsch nach einer Wiederholung der Tagung zu gegebener Zeit zurück. » Aus den Gemeinden * Berlin. (Tagung des Bundes jüdischer Akadem i l e r.) Vom 23. bis 26. Dezember 1928 hielt der Bund jüdischer Akademiker (B. j. A.) seinen Bundestag in Berlin ab. Wissenschastchjche und geschäftliche Sitzungeil wechselten mit geselligen Vcranstaltmigen, zu denen das gleichzeitig gefeierte 25 jährige Stiftungsfest der Berliner Bundesvercinigung Anlaß bol. Bor einem größeren Forum wurden am 25. Dezember abends im Plenarsitzungssaale des .Herrenhauses der Bundestag feierlich eröffnet. Vertreter der Gemeinden und Organisationen, Bundesmitglieder und Gäste, Fremde und Einheimische fanden sich in stattlicher Anzahl ein. Der Bundesvorsitzende, Herr Joseph Stern-Berlin, hielt die Begrüßungsansprache. Ihm antwortete der Vertreter der Berliner Bundesvercinigung, cand. Phil. Alexander Altmann. Den Höhepunkt der eindrucksvoll verlaufenen Veranstaltung bildete ein tiefschürfender, mit großem Beifall angenommener Vortrag des Scminardozenten Dr. Joseph Wohlgemuth über das Thema: „Die Erwählung Israels". Die beiden folgenden Tage waren neben geschäftlichen Beratungen der Klärung jüdisch orthodoxer Probleme gewidmet. Einstimmig wurde die rastlose Arbeit des Bundesvorsitzenden Joseph Stern anerkannt, der unter dem Beifall aller Delegierten auch für die folgende Amtsperiode zum Bundesvorsitzenden gewählt wurde. Berlin. (Israelitische Union.) Tie Israelitische Union (e. V.), die mit ihren etwa 5000 Mitgliedern zu den. größten privaten Wohltätigkeitsvereinen nicht nur Berlins, sondern ganz Deutschlands zählt, hat während ihres fünfzehnjährigen Bestehens Tausende bedürftiger Glaubensgenossen mit Rat und Tat unterstützt. Außer einer Mittelstandsküche, die sie während des Krieges begründete, unterhält die Israelitische Union eine Poliklinik im eigenen Hause Oranienburger Straße 40-11, in der Kranke kostenlos behandelt werden. In nächster Zeit eröffnet sie auch eine zahnärztliche Poliklinik, die unter Leitung von Professor Dr. Mamlock steht. Eine eigene Kleiderkammer ermöglicht es ihr, Kleidungsstücke, Wäsche, Schuhe an ihre Petenten abzugeben. Um ihre charitative Tätigkeit weiter auszubauen, bedarf die Israelitische Union dringend größerer Geldmittel. Spenden iverden aus Postscheckkonto 87 280 Postscheckamt Berlin erbeten. - Berlin. (Todesfall.) Im Alter von 72 Jahren verstarb am 27. Dezember Herr Isidor Karger, der dem Vorstande der Synagoge Kottbuser User und der Kaschrnth-Kommission als tätiges Mitglied angchörte. Herr Karger setzte sich für die gesetzestreue Richtung im Judentum ein. Bremen. (V o r st e h e r b u n d der jüdischen Gemeinden N o r d >v c st d e u t s ch la n d s.) Im Gcmeinderats-Sitzungssaal der Israelitischen Gemeinde Bremen fand am Mittwoch, den 26. Dezember 1928, unter zahlreicher Beteiligung von Abgeordneten der ein geladenen Hauptgemeinden Oslsrieslands, Oldenburgs und der Bremen benachbarten Bezirke eine Tagung statt, die sich mit den aktuellen. Problemen jüdischer Gemeindepolitik befaßte. Namens des Vorstands der Israelitischen Gemeinde Bremen begrüßte Herr Max Markreich die auswärtigen Kollegen und hielt anschließend ein Referat über „Die Organisation der Gemeinde-Verwaltungen". In der äußerst anregenden Debatte, an der sich fast sämtliche Vorsteher beteiligten und die sich im wesentlichen aus die bestehende Finanznot und Vorschläge zu ihrer Behebung bezog, kam allgemein der Wunsch zum Ausdruck, derartige Zusammenkünfte mindestens-zweimal im Jahr stattsinden zu lassen. Die Versammlung aus Vorstehern und Vorsteher Stellvertretern der Jüdischen Gemeinden Emden, Aurich, Leer, Wilhelmshaven-Rüftringen, Delmenhorst, Osnabrück, Verden, Achim, Osterholz Scharmbcck, Wesermünde-Bremerhaven, Aumund-Vegesack und Bremen bestehend, konstituierte sich unter dem Namen Vorsteherbund der jüdischen Gemeinden Nordwcstdeutschlands und berief als geschäflsführenden Vorstand die .Herren Markreich (Bremen), Schocken (Bremerlwven), Wolfs (Vegesack), Landsberg (Oldenburg) und Polak (Emden). Auf Einladung der Bremer Israelitischen Gemeinde vereinigte die Teilnehmer ei» gemeinsames Mittagsmahl in Lcvys Hotel. Den Abschluß bildete der Nachmittagsgottesdienst in der Wochentagssynagoge. Aus Kreisen des neuen Borsteherbundcs wird uns geschrieben: „Es darf mit besonderer Genugtuung sestgestellt werden, daß diese Vorsteher-Tagung bei allen Teilnehmern ein Gefühl der Befriedigung ausgelöst und das Bewußtsein gestärkt hat, im Dienste des Judentums nicht zu erlahmen und durch gemeinsames Wirken zur Verankerung des Bestehenden und zur weiteren Aufbauarbeit nach besten Kräften beizutragen. Die Tagung bildete den Auftakt zu einem festen Zusammenschluß aller jüdischen Gemeinde-Vorsteher und deren Stellvertreter im gesamten nordwestdeutschen Bezirk. Der Verlauf der Tagung läßt die .Hoffnung zu, daß bei der nächsten Zusammenkunft, zu der die Einladungen auch an die mittleren und kleinen, Gemeinden ergehen werden, eine Gesamtvertretung für Nordwestdeutschland erreicht werden wird. Erst dadurch wird ein geschlossenes Ganzes gebildet und die Absicht der Gründungsversammlung in die Tat umgcsetzt werden." Frankfurt a. M. (Ort-Ausstellung.) Am 14. Januar 1929 wird die Ausstellung des Verbandes Ort, die bereits in Warschau, Köln und Berlin zu sehen war und viel Beifall fand, im Warenhaus Wronker zu Frankfurt a. M. eröffnet werden. Am Abend des. gleichen Tages findet im Hause des Herrn Wronker ein Vortragsabend statt. Die Hauptrede wird Herr Rabbiner Dr. Baeck (Berlin) halten. In kurzer Zeit wird die Ausstellung nach England, von dort nach Amerika überführt werden. Eeisenkirchen. (Verband der jüdischen I u g e n d v c r - eine Deutschlands.) Vom 23. bis 26. Dezember iand in Gelsenkirchen der erste Führerkursus der Junggrnppen des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands unter Leitung von Herbert Felsenthal'Düsseldorf statt, an dem 70 Führer aus 19 Gruppen teilnahmen. Der erste Tag wurde durch ein ausführliches Referat von Dr. Alfred Philipp über „Das Judentum als Grundlage unserer Arbeit" eingeleitet. In eingehender Darstellung der geistigen und politischen Entwicklung der deutschen Jndenheil im letzten Jahrhundert zeigte er die Kräfte auf, die dem Wiederaufbau dienstbar gemacht werden können. Diesem Referat schlossen sich Arbeitsgeineinschasten über „jüdische Gestaltung im Bund", „Mitarbeit Jugendlicher in der jüdischen Wohlfahrtspflege" und eine Geschichtsarbeitsgemeinschast an. Am Abend vereinigte ein von der Gelsenkirchcner Junggruppe veranstalteter .Heimabend alle Tagungsteilnehmer in fröhlicher Gemeinschaft. Der zweite Tag tvar ganz Erzichungsfragen gewidmet. Das Referat von Fritz Schwarzschild über „Die Jugend in der Gegenwart" zeigte die Krisis der Erziehung auf und stellte den Bund junger Menschen als Erziehungsmittel dar. das vor allem eazu geeignet ist, die Auseinandersetzung des Einzelnen mit der Gesellschaft zu ermöglichen. Arbeitsgemeinschaften über „Heimabende für Jüngere, Mittlere und Aeltere", über „Feiern und Feste", über „Fahrt und Sport", über „Singgemeinschaften und Sprechchor" ergänzten das Referat nach der praktischen Seite. Die Aussprache des dritten Tages war ganz Fragen der Aelterenarbeit und des Verhältnisses der Junggruppen zum Verband gewidmet, wobei die Erkenntnis der Notwendigkeit und Pflicht einer sinnvollen Mitarbeit der Aeltcrcn in den Jugcn'dbünden gewonnen wurde. Die organisatorische Neueiiueiiuug der Junggruppeu in 8 Gaue und die Wahl der 3, Kreisleiter Leo Eschelbach, r, Düsseldorf, Hans May, Frankfurt und Martin Seligmann, Ehemnitz, als Junggruppcnleitung bis zu dem für Pfingsten 1929 in Aussicht genommenen Bundestag wurde sodann vorgenommen. Ten Schluß bildete eine kurze Feststunde, bei der an einige tüchtige Mitarbeiter der Jung gruppen die ersten blau-goldenen Kordeln verteilt wurden. Sport und Gymnastik und zwanglose Aussprachen hielten einen Teil der Jung-- g.uppensührer noch einen weiteren Tag zusammen. Halle. (T v d e s f a l!.) Tie hiesige Gemeinde betlagt den Heimgang zweier um das Allgemeinwohl verdienter Frauen. Unter sehr starker Beteiligung wurde Frau Cecilie Stückgold geb. Caro zur letzten Ruhe geleitet. Rabbiner Tr. Kahlbcrg wies in seiner Trauerrede aus die ehrwürdige Familie hin, der die Verblichene entstammte, die in den bekannten Verfasser des Schulchan Aruch, R. Joses Caro, ihren Urahn erblicken konnte. — Als wohltätiges Glied der Gemeinde schilderte Rabbiner Tr. Kahlberg Frau Johanna Schwab, die sich auch als langjähriges Vorstandsmitglied des Israelitischen Frauenvereins auf sozialem Gebiete große Verdienste erlvorben habe. Hamburg. (Einweihung eines G e m e i n d e h a u s e s.) Am 25. Dezember 1928 fand die Einweihung des von der Gemeinde im Jahre 1927 erworbenen Hauses in der Johnsallee statt. Glückwunschtelegramme ivaren eingegangcn von dem 8. Distrikt der U.O. B.B., vom Rabbinerseminar in Berlin und dem Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde. Der Vorsitzende des Dozentenkollcgiums des Rabbinerseminars, Herr Dr. Wohlgemuth, war persönlich erschienen. In einer stimmungsvollen Feier wurde das Haus seiner Bestimmung übergeben. Nach einem einleitenden Chorgesang unter Leitung und Harmoniumbcglcitung des Herrn Obcrkantor Kornitzer begrüßte Herr Hermann Philipp namens des Gemeindevorstandcs die Erschienenen. Das Haus soll zur Ausnahnie eines Knaben- und Mädchenhorts sowie der jüdischen Bernfsbcratungsstellc dienen. . Es soll ein Heim sein für die jüdischen Jugendvereine. In ihm soll die jüdische Bibliothek und Lesehalle ihren Platz finden. Als Leiter der Bibliothek sei Herr Pros. Markon gewonnen worden. Als Vertreter der vereinigten jüdischen Jugendverbände sprach Herr B. I. Jacobson den Gemeindebehörden den Dank der jüdischen Jugend für die Schaffung eines neuen Heimes aus. Sodann ergriff Herr Prof. Maxkon das Wort. Er führte aus, daß die Juden seit jeher dem Buche und der Gelehrsamkeit gehuldigt hätten, daß aber die Aufgabe, jüdische Bibliotheken zu schaffen, von ihnen in Deutschland nicht erkannt worden sei. So käme cs, daß die wertvollsten jüdischen Bibliotheken ins Ausland gewandert seien. Er begrüße es, sich der ihm hier gestellten Ausgabe mit Unterstützung der Gemeindebehörden unterziehen zu können. - Schließlich sprach Herr Tr. Wohlgemuth, Berlin, der Gemeinde die Glückwünsche zu der Gewinnung des Herrn Prof. Markon aus, den er als Freund des Gelehrten nur ungern aus Berlin scheiden sehe. Nachdem die Feier mit einem Halleluja-Gesang ihren Abschluß gefunden hatte, wurde das aus Kellergeschoß, Erdgeschoß und zwei Stockwerken bestehende Haus besichtigt. Königsberg i. Pr. (K. C. - T a g u n g.) Vom 11. bis 14. Januar tritt in Königsberg der 26. ordentliche K.C.-Tag zusammen. K. C. bedeutet die Abkürzung für Kartell-Convent der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens. Die Verbindungen im K. C. stehen auf dem Boden deutsch vaterländischer Gesinnung. Sic haben zum Zweck den Kamps gegen den Antisemitismus in der deutschen Studentenschaft und propagieren die Erziehung ihrer Mitglieder zu selbstbewußten Juden unter Betonung, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte, Kultur- und Rechtsgemeinschaft mit dem deutschen Vatereande unlöslich verbundenen Volksteil bilden. Von besonderen Veranstaltungen des K. C. Tages sind zu erwähnen: ein Begrüßungsabcnd, ein Fcstgottesdienst in der neuen Synagoge, eine große Kundgebung für die deutsche Ostmark mit anschließendem Festkommers sowie die Vertretersitzung und ein Festessen mit anschließendem Ball. Es ist besonders erfreulich, daß sich der K. C.-Tag entschlossen hat, seine kommende Tagung im abgetrennten Ostpreußen abzuhalten. Besonders verdient es hervorgehoben zu werden, daß die deutsch-jüdischen Studierenden und Altakademiker in aller Oefsentlichkeit ein Bekenntnis dahin abgeben «vollen, daß Ostpreußen und das Reich unlöslich verbunden sind. München. (Titelverleihung in Bayer n.) Bctanntlich finden alljährlich in Bayern gegen Jahresende Titelverleihungen statt. Ohne zur Frage dieser Titelverleihungen ,hi«r prinzipielle Stellung nehmen zu wollen, möchten wir noch mit Genugtuung feststellen, daß in Bayern bei der Handhabung dieser Einrichtung paritätisch vorgegangen lvird. Auch in diesem Jahre wurde wieder eine Anzahl von Glaubensgenossen mit Titeln bedacht. Den Titel eines Geheimen Kommerzienrates erhielten die Herren: Kommerzienrat Mar Weimann, München: Kommerzienrat Max Ellcrn-Eichmann, Fürth; den Titel eines Kommerzienrates die Herren: Sigmund Weil, Müncheil; Sigmund Treyfuß, Speyer; Siegfried Astruck, Nürnberg; Ludwig Tietenhöfer, Ansbach (Vorstand der Kullnsgemeinde); Adolf Goldschmidt, Nürnberg; Konsul Stephan Hirschmann, Nürnberg; Siegsr. Sahlmann, Nürnberg; Ludwig Rosenzweig, 1. Vorstand der Kultusgemeindc, Nürnberg; Max Stern, Würzburg; den Titel eines Geheimen Justizrates: Rechtsanwalt Dr. Sigmund Dormitzer, Nürnberg; den Titel eines Justizrates die Rechtsanwälte: Albert Levi, Pirmasens; Carl Rosenthal und Bruno Stern, Würzburg; Otto Berlin, Fürth: Martin Fleischmann, Dr. Max Kohn, Dr. Heinrich Orthal, Tr. Siegfried Schloß, Dr. Uhlselder, sämtlich in Nürnberg; Dr. Eugen Strauß, Vorstand der israelitischen Kultusgememde, Augsburg; den Titel eines Sanitätsrates die Herren: Dr. Felix Frei- Dr. Sigmund Neuburger, Fräulein Tr. Hermine Maas, sämtlich in Nürnberg. Norderney. (K i n d e r r h o l u n g s h e i m der Zion- Loge.) Dos Kinder-Erholungsheim der Zion-Loge auf Norderney hat seit seinem Bestehen vielen Tausenden von Kindern während der warmen Jahreszeit Erholung und Kräftigung gebracht. Es wurde im Jahre 1910 in einem kleinen Bau, der etwa 20 Kindern Aufnahme bieten konnte, eröffnet. 1911 wurde es erheblich erweitert, so daß 80 Kinder Ausnahme finden konnten. Das Jahr 1926/27 brachte eine erneute Vergrößerung. Jetzt ist cs möglich, 100 Kinder aufzunehmen. Der Einbau der Heizungsaulage Ijui dir Möglichkeit geschaffen, W inte r k u r c n einzurichten. Diese auszubauen, ist eine dringende Notwendigkeit für die erholungsuchenden Kinder. Immer mehr kommt die Aerzteschaft zu der Ueberzcugung, daß die Winterkur für Bronchialasthma, chronische Katarrhe der Bronchien und aller Schleimhäute, Skrofulöse, Rachitis, Knochen- und Gelenktuberkulose, allgemeine Schwäche und Nervosität, bei Neigung zu Erkältungen usw. von ganz besonderem Vorteil ist. Der Staat, welcher sich für die Wohlfahrtspflege, insbesondere für die Kräftigung der Heranwachsenden Generation in ganz besonderer Weise einsetzt, empfiehlt die Winterkuren an der Tee: er fördert sie in gleicher Weise wie die städtischenl und anderen Entsendcstellen, indem er durch seine Vertrauensärzte Kinder in einer Zahl, die von Jahr zu Jahr steigt, in die Kinderheime aus Norderney entsendet. Das Kinderheim selbst bietet unter der gleichen bewährten Leitung wie in der Sommerszeit aus Grund der eingangs geschilderten technischen Einrichtungen einen ganz hervorragenden Aufenthaltsort. Versäumnisse im Unterricht können durch den Unterricht, den eine in der Anstalt ständig anwesende geprüfte Lehrerin erteilt, wettgemach: werden. Tie mit dem Neubau geschaffenen Tagcsräume sind nach modernsten pädagogischen Erfahrungsgrundsätzen ausgestattet; sie bieten den Kindern einen angenehmen Aufenthalt in iaiililiei,Hafter Gruppiernng. Die Verpflegungssätze iverden je nach der Länge des Kuraufenthaltes bezw. unter Berücksichtigung etwaiger Bedürftigkeit der Aufzunehmenden gestaffelt. Entsendcstellen genießen ohne weiteres Vorzugspreise. Tie Loge bittet daher die Eltern, die Entsendcstellen, insbesondere aber auch die Aerzte, sie in ihrem Bestrebe», diese Winterkuren. auszubauen, zu unterstützen. Anfragen erbeten an das Kinder-Erholungsheim der Zion-Loge. .Hannover, Körnerstraße 5. Potsdam. (Todesfall.) In den letzten Dezembertagcn starb hier Frau Minna Cohn, geborene Goldschmidt. Tie Verstorbene war die Gattin des ältesten Mitgliedes der Potsdamer Gemeinde, Herrn Benjamin Cohn, der jahrelang Angehöriger des Repräsentanden-- Kollegiunis war. Erst kürzlich konnten wir über die goldene Hochzeit des Ehepaares in unserer Zeitung berichten. Schneldcmühl. (Tagung,der Lehrer und Kantoren der Grenzmark P o s e n - W e st p r e u ß c n.) Aus Veranlassung des Bezirksrabbiners Dr. Rosenzweig fand hier am 26. Dezember 1928 eine Zusammenkunft sämtlicher Lehrer und Kantoren der Grenzmark statt. Zweck und Ziel der Veranstaltung war, wie Herr Dr. Rosenzweig nach Begrüßung der Erschienenen einleitend ausführtc, die Besprechung der materiellen und ideellen Interessen der Kultusbeamten der Provinz. Namens der jüdischen Gemeinde Schneidemühl und des Bezirksverbandes der jüdischen Gemeinden der Grenzmark begrüßte Stadtrat L. Schneider die Erschienenen und betonte den Willen der Gemeindevertretungen, die Stellung der Beamten zu heben und materiell sicherzustellen. Zugleich überbrachte er die Einladung der jüdischen Gemeinde Schneidemühl zu einem Mittagessen für die Teilnehmer der Tagung. Die folgende Aussprache, welche sehr angeregt verlief, umfaßte vor allem die Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrer und Kantoren, Einrichtung von Vorbereitungskursen, die Stellung des Beamten in und zur Gemeinde, seine Betätigung in den Jugendbünden u. a. Ein Antrag Sarctzki-Krojanke zur Bildung eines Kantoren- und Lehrerverbandes der Grenzmark Posen-Westpreußcn wurde bis zur nächsten Tagung zurückgestellt, um bis dahin die Stellungnahme aller Kultusbeamten, auch der diesmal am Erscheine« verhinderten, zu diesem Anträge kennen zu lernen. Der Verlaus der Tagung löste unter den Teilnehmern allgemeine Befriedigung aus und führte zu dem Beschluß, solche Zusammenkünfte zu einer ständigen Einrichtung zu machen. Die nächste Tagung soll Anfang März stattsinden. Mit dem Dank an den Anreger der Versammlung, Herrn Bezirksrabbiner Dr. Rosenzweig, schloß die Tagung. Stralsund. (Jubiläum.) Lehrer und Prediger S. Lemke konnte am 1. Januar sein 25 jähriges Amtsjubiläum begehen. Seit fast neun Jahren in der Gemeinde tätig, hat sich der Jubilar auf sozialem und erzieherischem Gebiete durch Gründung einer Chewra und 'des Jugendbundcs „Berthold Auerbach" manche Verdienste erworben, die anläßlich seines Jubiläums dankbar anerkannt wurden.