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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-11-23 · 47 (23.11.1928) · page 10

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
47 (23.11.1928)
Date
1928-11-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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* Aus der Ili-Arbeik ★ Jtt-Breslair. Mittwoch, den 12. September, eröffneten mit unsere Wiiiterarbcit. Alfred Berger und Erich Bulla» sprachen über ihre Eindrücke aus der Weltkonferenz für religiös-liberales Judentum in Berlin. Während sich Vulkan mehr aus das Sachliche beschränkte, zeichnete Berger ein Gesamistimmungsbild der Tagung unter besonderer Betonung der gottesdienstlichen Veranstaltungen Mittwoch, den 26. September, fand eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Nach dem Tätigkeitsbericht ivurden verschiedene Satzungsparagraphen in lebhafter Aussprache behandelt. Einige Aenderungen und Neuerungen ivurden vorgenommen, sind aber nur für die Arbeit des Breslauer Jlis von Bedeutung. Tie Satzungsänderung bedingte Neuwahl des Vorstandes, der sich danach (schon unter Berücksichtigung der in einer späteren Vorstandssitzung vorgenommenen Aemterverteilung) folgendermaßen zusammen: t. Vorsitzender: Rel.-Lehrer Wolfs Davidsohn, 2. Vorsitzender: Alfred Fabian, 1. Schriftführer: Erich Vulkan, 2. Schriftführer: Martin Schreiber, Kassenwart: Alfred Berger, 1. Beisitzer: Irma Freund, 2. Beisitzer: Hans M. Danziger. Mittivoch, den 3. Oktober, veranstalteten Ivir in der großen Gemeindesukkoh der Neuen Synagoge eine Sukkausfeier, bei der unser 1. Vorsitzender eine schöne und tiefgehende Sukkausbetrachtung hielt; im Anschluß hieran wurden in gemeinsamer Aussprache noch einige das Fest betreffende Fragen behandelt. Nach dieser etwa einstündigen Feier blieben alle Anwesenden in dem nahe gelegenen Restaurant Schaal noch lange.bei musikalischen Darbietungen einiger Mitglieder zusammen. Für Bewirtung hatte der Verein gesorgt. M i t t >v och, den 10. Oktober, begannen lvir unter Leitung des 1. Vorsitzenden bei einer Teilnehmerzahl von 25 Mitgliedern mit der Arbeitsgemeinschaft „Die Propheten", die alle 14 Tage statt findet. Der Leiter der Arbege gab als Einführung in die Arbeit in längeren Ausführungen ein klares Bild vom Wesen und von der Gestalt der Propheten. Es konnte dann nur noch ein Kapitel aus Prophet Amos gelesen werden, an Hand -essen die prophetische Persönlichkeit und ihr Wollen geklärt lvurde. Ferner fanden in der oben genannten Zeit 3 Gescnntvorsiands-- sitzungen statt, die alle überwiegend dem Auf- und Ausbau unseres Vereins gewidmet lvaren. Erwähnenswert ist vielleicht die Schaffung einiger kleiner Ar beitskommissionen für verschiedene Spezialgebiete, in die der Vorstand Vertreter entsendet. So wird es dem Vorstand in ausgedehnterer Weise als bisher möglich, sich der eigentlichen Bereinsarbeit zuzuwenden. Unser Hauptaugenmerk bildet augenblicklich die Durchführung einer Freitagabendspätandacht am 30. November, die zunächst in der Wochentagshuagoge der Neuen Synagoge unter Verwendung der Freitagabendliturgie der Liberalen Synagoge Norden, Berlin, stattsinden soll. Der Jli wird einen eigenen Chor und Pianisten stellen; überhaupt liegt die Leitung der Andacht in unseren Händen. Mehrere maßgebliche Persönlichkeiten haben sich bereits zur Mitwirkung bereit erklärt. Tie Gründe für eine solche Andacht, die zunächst nur einmal im Monat geplant ist, brauche ich wohl nicht mehr erwähnen. Sollte sie sich bewähren, so wird versucht werden, sie offizielle Gemeindeeinrichtung tverden zu lassen. Freitag, den 19. Oktober, veranstalteten wir -ine religiöse Freitagabendseier in unserem Bereinslokal. Die Mitwirlenden waren alle aus unserem Mitgliederkreise. Nach einem Harmoniumvorspiel tvurde Psalm 104 gesprochen. Es folgte mit Solopartien der Gesang von Lecho daudi, anschließend Sologesang aus Psalin 92. Im Mittelpunkt der Feier stand eine etwa 10 Minuten dauernde Ansprache unseres Vorsitzenden. Ein Sologesang aus .Haschkiivenii folgte, ein deutsches Gebet und Harmoniumnachspiel beschlossen die Feierstunde. Das Kiddusch und ein Segenspruch leitete die einfache Festtafel (Tee und Gebäck), somit den gemütlichen Teil ern. Zusammenfassend ist zu sagen, daß unser Breslauer Jli von Veranstaltung zu Veranstaltung einen merklichen Aufschwung nimmt, was sich durch den Gewinn neuer, junger Kräfte und durch die Jntensb vierung der Arbeit bemerkbar macht. E. B n l k a n. Jli-Berliu. Draußen vor den Toren von Berlin, in Hermsdors, befindet sich das „Waisenhaus des Frauenvereins von 1833" unter der Leitung von Frau Jda Arndt-Heinrich, ein Heim, das in seiner fröhlichen Güte so gar nichts mit jenen schreckhaften Gebilden gemeinsam hat, die Dir Deine Phantasie gewöhnlich ausmalt. Hier habe ich in diesem Jahr das Laubhüttenfest gefeiert. Abend! Die Andacht, zu der sich auch einige jüdische Familien aus Hermsdors mit dem im Hause gut bekannten Lehrer Herrn Rabbiner Dr. Klein cingefunden haben, beginnt! Dreißig helle Kinderstimmen setzen ein, aus dem Nebenzimmer klingen leise Töne eines Klaviers mit. Herr Arndt selbst betet vor, die „Gemeinde", Kinder und Erwachsene, beten, singen mit. So sind wir alle verbunden durch das gemeinsame Gebet, durch die gemeinsame Andacht. Die Großstadt tveicht. Du besinnst Dich auf ,Dich selbst. Sorgsame Liebe durchflutet diese Stunde, umgibt Dich, macht sie für Dich, für die Kinder zu einem inneren Erlebnis. Warst Du vorher mißmutig oder traurig, der Einklang, die Harmonie, die Dich umgibt, vertreibt Deinen Unmut. Du vergißt den Alltag, bist plötzlich in froher Feierstimmung. Wir gehen hinaus in die Hütte. Sie ist sorgsam bereitet worden. Selbstgefertigte kleine Ampeln erhellen den festlich geschmückten Raum. Was Du vorher still empfunden, hier wird es klare Erkenntnis: Vorsorgende Liebe ist hier tätig, um Dir, den Kindern ein religiöses Erlebnis zu vermitteln; und darüber hinaus erkennst Du aus den strahlenden Augen der Kinder, aus ihren glücklichen Gesichtern, ihrem hellen Lachen, daß hier Frieden und Glück ist. Dreißig Kinder singen, singen hebräische Lieder und gestalten selbst mit. Dreißig Kinder wachsen hier zu gefestigten Menschen heran, die später einmal um jüdische Religion, um jüdische Andacht tvissen werden, die Juden, bewußte Juden sein werden. Menschen walten hier mit Vorliebe, vor denen Du still einkehrst und ausschaust! Das Motorrad hetzt nach der brausenden Stadt zurück. In mir trage ich die Erinnerung an eine glückliche Stunde voll Andacht, die mich aufhorchen läßt und die mich noch lange begleiten wird. Fritz Michaelis. JU-Berlin. Gemeinsame Veranstaltung. Hans Rosenberger: „Einheit und Einzigkeit im Spiegel menschlichen Denkens". Bei sämtlichen menschlichen Lebensäußerungen sehen wir das Streben nach einer Einheiteiner Einzigkeit. Im praktischen Leben kommt das im Aufstellen einer Norm, in der Typisierung, zum Ausdruck. Die Naturwissenschaften befassen sich mit dem Auffinden der grundlegenden Gesetze, die hinter allen Einzelerscheinungen, die für uns wahrnehmbar sind, stehen. Hier, in der Frage der Kausalität, berühren sie sich mit der Religion. Noch eins aber will die Religion,, und darin kommt am stärksten das Suchen einer Einheit zum Ausdruck: die Beseitigung des Widerspruchs zwischen Gefühl und Verstand im Einzelnen und die Aufstellung eines Konipromisses zwischen beiden. In der Diskussion tvurde gerade das letzte, der Wille -- und auch die Notwendigkeit —, Gefühl und Verstand in eine Einheit zu bringen, bestritten. Man kam von diesen Begriffen jetzt auf Natur und Ethik und damit auf die Frage des Dualismus, die lebhaft er örtert tvurde. H. H. Jli-Ratibor. Am Sonnabend, den 13. Oktober 1928, fanden die Vorstandsneutvahlen für das Wintersemester statt. Es gingen hervor als 1. Vorsitzender Herr Dr. Felix Heimann, als 2. Vorsitzender Frl. Anni Fraenkel, als Schriftführer und Kassenwart Herr Peter Berliner und als Beisitzer Herr Artur Toczek. Dann ergriff Herr cand. jur. Kurt Fraenkel das Wort zu einem Vortrag über „Jüdische Gegenwartsprobleme". Der Redner schilderte in anschaulicher Form den gegenwärtigen Stand des Antisemitismus, sotvie des Zionismus und würdigte darauf den Liberalismus der Gegenwart und die Ergebnisse der Weltkonserenz. Zum Schluß wies der Redner aus die verantwortungsvolle Aufgabe der liberalen Jugend hin, die diese für die Erhaltung und Stärkung des Judentums zu ersüllm habe. Die An-- rignung jüdischen Wissens und die Erhaltung gewisser jüdischer Formen sind die Grundforderungen an die liberale Jugend. Es schloß sich eine lebhafte Diskussion an. I. A.: Peter Berliner. ★ Das Ili-Programm ★ Jtt-Berlln. Hilde Hamburger beabsichtigt während der Weihnachtstage eine mehrtägige Wanderung zu machen. Damit die Fahrt möglichst billig wird, schlägt sie eine Wanderung in die Marl vor. Sie erbittet Borschlüge und baldige Anmeldung. H. H., Dahlem, Sachs-Allee 6. Jli-Frankfurt a. M. Jugendgruppe. 24. November, 16 Uhr: Hebräisch, Rabbiner Dr. Koitschalk, Sitzungszimmer Freiherr v. Stein-Straße. 24. November, 17 Uhr: Kunstgeschichte, H. Dr. Hvlfmann, Sitzungszimmer Freiherr v. Stern- Straße. 1. Dezember, 16 Uhr: Religiöse Fragen, Rabbiner Dr. tSottschalk, Sitzungszimmer Freiherr v. Stein-Straße. 1. Dezember» 17 Uhr: Referat, Sitzungszimmer Freiherr v. Stein-Straße. — 4. Dezember, 20.45 Uhr: Heimabend: „Orthodorie", Erich Hellermann, Sitzungszimmer Freiherr v. Stein-Straße. Jtt-Ratibor. Sonnabend, den 1. Dezember 1928, abends 20 Uhr, Vortrag von Herrn Wolfsohn, Breslau, über: „Symbolismus und Symbole im Allgemeinen und im Religiösen mit besonderer Berücksichtigung des Judentums". Mittwoch, den 12. Dezember: „Ehanukahfeier". Mitteilungen für die nächste Nummer der Jli-Mitteilungen bis 7. Dezember an Werner o. d. Zyl, NW. 87, Brückenallee 5II.

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