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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-11-16 · 46 (16.11.1928) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
46 (16.11.1928)
Date
1928-11-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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3m italienischen Ghetto i Wenn ein reicher, junger Amerikaner im 16. Jahrhun- I dert auf seiner Reise durch Europa nach Italien gekommen wäre, so hätte er in fast jeder Stadt eine sonderbare Erscheinung gesehen, die in seinem Geburtstande gänzlich unbekannt war. Sein Auge hätte zuerst, vielleicht zum Hohn auf eine biblische Erwähnung, in lateinischen und hebräischen Worten sinniges Volt'" sich beziehen sollte und außerhalb einer Kirche angebracht war. Gegenüber befand sich ein schweres Tor, welches bereits geschlossen war, als oo es Nacht wäre. Am Kopse des Tores war eine Inschrift zu Lesen, die in lateinischen Worten davon Kunde geben sollte, daß zur Ehre Gottes und zur Erhaltung seiner heiligen Religion die abscheuliche jüdische Rasse auf diese Weise am Ende des 16. Jahrhunderts abgesondert gewesen sei. Sein Cicerone hätte ihm noch mit einer wegwerfenden Verachtung erklärt, daß dieses nichts anderes als il ghetto degli Ebrei, das Ghetto der Juden, wäre. Dem jungen Amerikaner waren in seiner Heimat Juden vielleicht nicht ganz unbekannt. Wahrscheinlich kannte er einige ernste Kaufleute, die mit Börsen, Gerichten oder sonstigen größeren Unternehmungen in Verbindung standen; vielleicht hatte er auch unter seinen Altersgenossen als Bekannte und Freunde einige Juden, die ihren neuen Reichtum durch übergroße Nachahmung der letzten Pariser und Londoner Moden verrieten. Dennoch war ihm und seinen Landsleuten der Jude eine seltene Erscheinung und er war neugierig, dieses sonderbare Volk näher und im eigenen Lager kennen zu lernen. Die Erscheinung des jüdischen Viertels ist so alt wie die Diaspora selbst. Bon dem Delta-Quartier in Alexandrien, durch die Aljamas in Spanien, die Judengasse in Deutschland, die Juiveries in Frankreich, die Jewries in England führte jüdisches Zusammenhalten und christlicher .Haß in jedem Lande und zu jeder Zeit zu diesem unvermeidlichen Ergebnis. In früheren Zeiten war es jedoch eine gesellige Institution, ohne irgend eine gesetzliche Vorschrift. Modernen Zeiten blieb es überlassen, das Ghetto mit einem gesetzlichen Kleide zu versehen. Die Bedeutung der Juden während der Reformation kann vielleicht übertrieben, aber sie kann nicht bestritten werden. Waren nicht die Juden die Basis der biblischen Erklärung und der Sprache, die den Schlüssel zur Bibel bildete? Als die Gegenreformation kam, war es natürlich ein klarer Teil ihrer Politik, eine Trennung von den Juden einzuführen, um den schädlichen Geist, der sonst die christliche Welt hätte beflecken können, einzuschränken. So begann zum ersten Male um die Mitte des 16. Jahrhunderts Italien, das alte Paradies des europäischen, jüdischen Lebens, die Lehre von der Verfolgung der Juden zu predigen, und die Päpste, die bisher Beschützer der Juden gewesen waren, übernahmen die Rolle des Unterdrückers. Die neue Politik wurde von Paul IV. in seiner berüchtigten Bulle cum nimis absurdum am 12. Juli 1555 eingeführt. Obwohl es eine grausame und intolerante Maßregel war, kann sie doch nicht als Ausfluß eines fanatischen Geistes angesehen werden; denn sie hatte weniger eine Verfolgung der Juden im Auge, als eine Beschützung der Christen, die vor der Ansteckung der Kritik und vor dem Unglauben, den die Juden verbreiteten, bewahrt werden sollten. Das hier zu Grunde liegende Prinzip war also Absonderung. Verstärkt wurde dieses noch von dem Wunsche, süße Liebesstunden zwischen den Anhängern der beiden Religionen zu verhindern; denn dieses erschien dem mittelalterlichen Vorurteil als Inceft, und es wurde mit Bestürzung festgestellt, daß der jüdische junge Mann unverhältnismäßig erfolgreich hierin war. Die natürliche Folge dieser Erwägung war die Errichtung eines vorgeschriebenen und gesetzlich angeordneten Judenquartiers, welches zuerst in Rom in Erscheinung trat, eines Quartieres, außerhalb dessen kein Jude und in welchem kein Christ wohnen durfte. Dieses waren die Hauptzüge der Institution, die unter dem Namen Ghetto bekannt wurde. In kurzer Zeit wurde sie in allen Städten, in denen Juden wohnten, eingeführt. Venedig folgte sofort, um seine bestrittene Orthodoxie zu rechtfertigen; Florenz nach einigen Einwendungen etwas später. Nur in Sicilien, dem Königreich Neapel, im Herzogtum Mailand und in den kleineren Plätzen der päpstlichen Staaten blieb die Errichtung unbekannt, da ein stärkeres Mittel, nämlich totale Ausweisung, hier zur Anwendung kam. Im Freihafen Livorno dagegen wurde das religiöse Vorurteil durch Erwägungen wirtschaftlicher Vorteile ausgewogen, so daß die Marannen, die hierher zugeströmt waren, in der Lage waren, ihren väterlichen Glauben frei auszuüben und ohne Einschränkung zu leben. Man darf nicht annehmen, daß die Einrichtung des Ghettos denen, die darunter zu leiden hatten, ganz im Lichte grausamer und schlechter Behandlung erschien. Ursprünglich dazu bestimmt, die Juden einzuschließen, war es nicht weniger nützlich, ihre Feinde fern zu halten. Es ist bezeichnend, daß die Tore zuerst nur von außen, später auch von innen durch starke Eisenräegel geschlossen werden konnten. Und paradox mag es erscheinen, daß in Verona, und auch vielleicht in anderen Plätzen, ein alljährlicher Festtag eingesetzt war, um die Errichtung des Ghettos feierlich zu begehen, und der so lange beobachtet wurde, als die Institution währte. Der Ausdruck „Ghetto" stammte wahrscheinlich von Venedig, wo Juden seit dem 11. Jahrhundert wohnten. Sein Ursprung ist dunkel. Zuweilen wird es von dem lateinischen Judaica (Judenviertel) abgeleitet, zuweilen vom griechischen Geiton (Nachbarschaft), auch vom hebräischen Get (Scheidung, d. h. Trennung) oder dem italienischen Borghetto (kleine Burg); allgemein glaubt man jedoch, daß es von Gietto oder Eisengießerei stammt, in deren Nähe sich die Juden in Venedig niedergelassen hatten. Wir wollen annehmen, daß unser Amerikaner, den sein Führer vielleicht durch Zuwinken auf die Schönheiten der Töchter Israels aufmerksam gemacht hatte, Lust verspürte, sich das Ghetto näher anzusehen. Sowie er durch das Tor gegangen war, hätte ihn der Torwächter scharf angesehen uttb ihm gesagt, sich sehr zu beeilen; denn der Abend rücke heran und nach Einbruch der Nacht wäre es für einen Christen ein schweres Verbrechen, im Ghetto angetrofsen zu werden, wie für einen Juden außerhalb desselben. In größeren Städten gab es am anderen Ende einen ähnlich bewachten zweiten Eingang, aber mehr als deren zwei gab es nie. Man darf nicht glauben, daß das, was zwischen den beiden Eingängen lag, nur eine einzige, von der Welt abgeschlossene Straße, eine bloße Jndengasse war. Gewiß, in kleinen Orten bildete es oft nicht mehr als einen engen Hofraum, ein wirkliches Chasser, wie das Ghetto auf hebräisch hieß; aber in vielen Fällen konnte ein ganzes Labyrinth von Straßen und Gäßchen gefunden werden. So führte z. B. in Venedig das enge Ghetto Vecchio über den Piazza Verbreiten Sie Ihre Zeitung Jeder Leser der Jüdisch-liberalen Zeitung müßte es als eine Ehrenpflicht empfinden, einen neuen Abonnenten zu werben. Veranlassen Sie einen Ihrer Bekannten, die untenstehende Bestellung ausgefüllt im Briefumschlag als Drucksache an den Verlag der Jüdisch-liberalen Zeitung, Berlin SW 48, Wilhelmstratze 147, zu senden. Ich bestelle hiermit die Jüdisch-liberale Zeitung ab 1. Dezemlec 1928 bis auf Widerruf zum Bezugspreise in Höhe von Mark 2.50 pro Vierteljahr. Die Gebühren für ein Vierieljahr in Höhe von Mark 2.50 überweise ich auf das Postscheckkonto der Bereinigung für das liberale Judentum Berlin 187069. bitte ich durch Nachnahme zu erheben. (MchtgewiinschteS bitie durchi'treichcn) Name des Bestellers:. Wohnung: . Ort u. Datum:. Bitte deutlich schreiben delle Scuole in ein großes Viereck, das Ghetto nuovo, durch welches man dann in das Ghetto nuovissimo gelangte. Die Namenbenennung dieser alten Viertel gibt uns noch heute ein Zeugnis von der Natur des Lebens, welches einst hier pulsierte. In dem Piazza delle Azimelle in Rom wurden einst Mazzot gebacken; der Piazza delle Scuole enthielt zwei Synagogen. Die Vicolo Sagatrno erinnert an ein früheres Schlachthaus (sagatare eine italienische Form des hebräischen schachat) und auf dem Piazza Spagnuola wohnten die eingewanderten Marannen. Ein fremdes Auge hätte zwischen den Bewohnern des Ghetto und der übrigen Bevölkerung keinen Unterschied finden können. Ungleich anderen Juden in Europa hatten die italienischen Juden kein ausländisches Element an sich. Seit dem 2. Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung bewohnten Juden Italien, und mehr als eine Familie führte ihren Ursprung auf Gefangene zurück, die aus Jerusalem von Titus mitgeführt waren. Da also zwischen Juden und Italienern kein äußerlicher Unterschied bemerkbar war, bildete die Einrichtung des Ghettos keine Garantie, um die Ansteckung der Gläubigen vor jüdischem Unglauben zu verhindern. Ein weiteres Mittel mußte erfunden werden, und es wurde beschlossen, daß der Jude ein äußerliches, sichtbares Kennzeichen in einer besonderen Farbe zu tragen hätte, für den Mann war es ein roter Hut, für die Frau ein Halstuch derselben Farbe. Und so blieb es in Venedig, solange das Ghetto bestand. Als aber eines Tages ein kurzsichtiger Kardinal in Rom einen Juden, der einen solchen roten Hut trugfür einen Kollegen angesehen und ihn als solchen begrüßt hatte, gab es einen großen Skandal, und, um derartige Fälle in Zukunft zu vermeiden, mußten von jetzt an die Juden in Rom und in den päpstlichen Staaten einen gelben Hut tragen. Freie Berufe, mit Ausnahme der medizinischen, waren den Juden verschlossen, wie beinahe fast jede andere Beschäftigung und jedes Handwerk, ausgenommen der Handel mit alten Waren. Auch war ihnen die Schneiderei gestattet, und oft mußten sie zum Nutzen der ärmeren Stadtbevölkerung Bersatzhäuser einrichten, was den Christen von der Kirche nicht erlaubt war. Der ärztliche Beruf wurde dafür, wie in früheren und späteren Zeiten, von ihnen mit besonderem Eifer ergriffen, und es war üblich, medizinische Studien auf der Universität in Padua mit dem Besuch der berühmten talmudischen Akademie dieser Stadt zu verbinden. Hierher strömten denn auch arme, nach Wissenschaft dürstende Studenten von allen polnischen Jeschiwahs, um, wie in manchen Fällen, als Leibärzte zum Großvezier nach Konstantinopel berufen zu werden. Infolge päpstlicher Trennungspolitik war es jüdischen Aerzten nicht erlaubt, ihre Kunst wahren Katholiken zu widmen; aber in Stunden der Not sah das gläubige Auge nicht so genau, und der gelbe Hut des jüdischen Arztes wurde nicht so scharf geprüft, wenn er das Haus eines sterbenden Patriziers betrat oder in Eile die Schwelle des Vatikans selbst überschreiten mußte. Beschränkung der Tätigkeit und Tragen eines Abzeichens beendeten jedoch noch nicht die Beschimpfungen, denen die Juden besonders in den päpstlichen Staaten ausgesetzt waren. Alljährlich mußten die Vorsteher der jüdischen Gemeinde dem Papste mit ihrer Thorarolle huldigen, die der Stellvertreter Gottes ihnen sodann verächtlich über seine linke Schulter zurückgab. Es war ihnen verboten, in einem Wagen zu fahren, christliche Dienstboten zu halten, und selbst ein freundlicher Nachbar durfte ihnen am Sabbat kein Feuer anzünden. Sogar gegen ihre Bücher wurde Krieg geführt; sie wurden konfisziert und ohne Grund und ohne Gnade verbrannt. Zur Belustigung der Bevölkerung mußten besonders korpulente Juden zur Zeit des Karnevals ein Wettrennen machen und dieses Privilegium mit Prostituierten teilen. Das Schlimmste jedoch war, daß sie in regelmäßigen Zeitabschnitten Bekehrungspredigten anzuhören gezwungen waren, wobei ihre Ohren genau untersucht wurden, da man befürchtete, daß sie dieselben mit Watte verstopft hätten. Gleichzeitig gingen Beamte mit Stöcken umher, um etwa Schlafende aufzurütteln. Bei Staatsfesten mußten sie sich am Triumphbogen des Titus aufstellen, der sie dauernd an den nationalen Untergang ihres Staates erinnern sollte, während sonst kein Jude durch denselben ging. Aber auch hier haben die Zeiten eine Ausgleichung geschaffen: heute versammeln sich die Zionisten Roms am 9. Ab im Schatten dieses Triumphbogens, um ihr nationales Wiederaufleben zu feiern. Den Mittelpunkt des Ghettolebens bildete ohne Zweifel die Synagoge, die auch unser Amerikaner besucht haben dürfte. Und besonders in Venedig war die spanische Synagoge eine Sehenswürdigkeit der Stadt. Anspruchslos von außen, wie alle alten Synagogen, um nicht die Begierde der Christen zu erwecken, zeigte das Innere hauptsächlich in den Holzschnitzereien prächtige Schönheiten, und zahlreiche englische Besucher haben sich in diesem ehrwürdigen Gotteshause verewigt, dem einzigen Orte, wo sie den Juden näher kennen lernen konnten. Neben der Hauptsynagoge unterhielten kleine Gruppen je nach herkömmlichem Ritus ihre eigenen Gotteshäuser, italienisch für Eingeborene, sephardisch für spanische und portugiesische Flüchtlinge, levantinisch für türkische Kaufleute und aschkenasisch für deutsche Eingewanderte. Vielleicht nur in Venedig waren so alle vier Riten zusammen; aber jede einzelne Stadt Italiens hatte ihren eigenen Minhag, ihren besonderen Fasttag zur Erinnerung an irgend ein lokales Unglück, oder ihr besonderes Purim mit ihrer eigenen Megillah, um die Errettung der Gemeinde von einem modernen Haman zu feiern. Mehr als eine dieser alten Synagogen trägt an ihren Mauern eine Inschrift, die eine von der Vorsehung bewirkte Rettung aus Gefahr erzählt, die sonst vergessen wäre. In Padua feierte man bis in die neueste Zeit ein Purim del fuoco, als Dank für Rettung aus einer Feuersbrunft vom Jahre 1795, und heute noch fastet man in Livorno am Jahrestag des Erdbebens aus 1742. Einen kleinen Staat im Staate bildete das Ghetto. Hier gab es eine jüdische Gesellschaft mit ihrem eigenen jüdischen Leben, ihren eigenen jüdischen Interessen, ihren eigenen jüdischen Ablenkungen und Vergnügungen. Hier gab es aber auch dieselben kleinen Feindschaften, dieselben Eifersüchtckleien und Zänkereien, wie in jedem anderen Kreise, dieselben Romane, dieselben Komödien, dieselben Tragödien. Ein artistischer italienischer Geist durchdrang sogar das Ghetto in hohem Grade. Moden und sonstige italienische Gewohnheiten fanden unter den Juden schnelle Nachahmung. Die jungen Leute trugen Waffen und verschmähten es nicht, sie zuweilen zu gebrauchen, bis es vom Staate und den Gemeindevorstehern verboten wurde. Verbrechen oder Gewalttaten gab es jedoch selten unter den Juden. Trotz größter Anstrengung der Regierung, jeden geselligen Verkehr nut der Außenwelt zu verhindern, bestand derselbe aber fort, wobei eifersüchtige Christen ärgerlich den Erfolg junger Juden sahen, den sie bei christlichen Mädchen hatten, und fromme Rabbiner die Nichtbeachtung der jüdischen Zeremonialgesetze beklagten, da jüdische Don Juane sich rasierten, keine Gebetriemen mehr trugen und selbst an Sabbattagen ihr Haar kämmten. Während der Karnevalsaison vermischten Juden sich mit den lärmenden Bürgern und hatten ihre Identität durch Masken und Dominos, die sie ohne Rücksicht auf Verbote trugen, verborgen. Sogar der Gottesdienst wurde zu solchen Zeiten zuweilen aufgehoben, um den Gläubigen zu gestatten, ihren Vergnügungen ungehindert nachzugehen und den Rabbinern ein Predigen vor leeren Bänken zu ersparen. Das alles geschah in direkter Auflehnung gegen die Verordnungen. Bis zum letzten Viertel des 18. Jahrhunderts bestand das alte Regime in seiner ganzen Strenge. In Rom sogar übertraf das Editto sopra gli Ebrei im Jahre 1775 an Grausamkeit alle früheren Vorschriften und verstärkte alle alten rachsüchtigen Erlasse. In ähnlicher Weise befleckte sich die Republik Venedig die letzten Jahre ihrer Existenz durch Wiederaufrollen ihrer Intoleranz. Wenn unser Amerikaner nun seine Rückreise über Englarrd oder Holland genommen hätte, wo die Juden fast schon alle Privilegien eines Bürgers besaßen, so wäre er über den Gegensatz sehr erstaunt gewesen. In seiner Heimat nahm er dann vielleicht in Verbindung mit dm Herren Frank und Salomon an dem Kampf für Unabhängigkeit Anteil, die eine weitere Stufe in dem Fortschritt der Juden bedeutete. Es folgte sodann die Revolution von 1789 in Frankreich und damit die Parole vom Menschenrecht und jüdischer Gleichberechtigung. Und als dann die revolutionären Armeen über die Alpen nach Italien vordrangen, wurden die Tore der jüdischen Viertel niedergerissen. Das Ghetto wurde Freiheit. Die Juden verließen es und erfreuten sich aller Rechte als Bürger und als Menschen. Ein Rückschlag des 19. Jahrhunderts jedoch sah in vielen Orten, besonders in dech päpstlichen Staaten, die Wiedereinrichtung eines großen TeUes der alten Einschränkungen; aber dieser Rückschlag war nur vorübergehend, und das vereinigte Italien führte bis zum letzten Punkte die Politik der jüdischen Emanzipation durch; das Ghetto ist eine Erinnerung geworden, ein Name, eine Schande. Aber noch heute lohnt es sich, zuweilen daran zu denken und nicht ohne Gefühl des Stolzes zu untersuchen, wie die sturmgeschüttelte jüdische Seele ihr charakteristisches Leben selbst in den dunkelsten Stunden entfalten und unbezähmbar und erfolgreich in den traurigsten Lagen ihrer Geschichte sich anpässen konnte. I. S t e r n b e r g. Vereinsnachrichten Der Ortsausschuß der jüdischen Jugendverbande, Breslau, veranstaltet Sonnabend, den 17. November, SO1/? Uhr, im Schiedmayer- Saal, Karlstraße 48-49, eine Versammlung, in der Herr Kurt Loewenstein, Berlin, über: „Judentum und soziale Frage" speicht. Anschließend Diskussion. Ein 2. Vortragsabend über religiöse Fragen ist in Aussicht genommen. Die Teilnahme der Mitglieder jüdischer Jugendbünde sowie aller an jüdischen Fragen interessierten jungen Menschen ist erwünscht. Der Eintritt ist frei. Jüdisch-liberaler Jugendverein „Abraham Geiger", Breslau, i. A.: Erich Vulkan. Die Jüdische Altershilse Groß-Berlin veranstaltet anläßlich ihres Gründungstages am Sonntag, den 9. Dezember ds. Js., eine geschlossene Festvorstellung in der Staatsoper am Platz der Republik und im Anschluß daran einen Gesellschaftsabend und Ball im großen Festsaal bei Kroll. In der Staatsoper gelangt die Oper „Don Giovanni" von Mozart zur Aufführung, Leporello: Herr Schützendorf als Gast, am Pult: Generalmusikdirektor Otto Kleinpercr. Einladungen aus den Namen lautend und Karten durch das Sekretariat der Jüdischen Altershilse, W. 62, Kleiststraße 31, Tel.: Barbarossa B 5 5626, 2473. Das Büro des Vereins für Ferienkolonien jüdischer Kinder E. B. befindet sich jetzt: Monbijouplatz 10, Eingang 1, 3 Treppen, Tel. Norden (7165). Anmeldungen für die Winter- und Frühjahrskuren baldigst erbeten. Sprechstunde: Montag bis Freitag 10—13 Uhr. Hilssverein der deutschen Juden. Am 28. November, 8i/4 Uhr abends, findet ein Konzert und Gesellschaftsabend im Kaiserhof statt, unter gütiger Mitwirkung der Sängerin Frau Maria Müller, Städtische Oper Charlottenburg, und der Herren Professor Arthur Schnabel, Professor Carl F l e s ch und Gregor P i a t i g o r s k tz (Trio). Herr Dr. Alfred Kerr wird aus eigenen Merken vortragen. Die Einladung ergeht vom Präsidium des Hilssvereins der deutschen Juden (Berlin W. 35, Steglitzer Straße 12, Tel. Lützow 6236), den Herren: Dr. James Simon, Generalkonsul Eugen Landau, Max M. Marburg-Hamburg, Willy Dreyfus, sowie von Herrn Berthold Israel und Herrn Generalintendant Professor Leopold Jeßner. Der Reinertrag ist für die Wohlfahrtszweckc des Hilssvereins der deutschen Juden bestimmt. Einladungen, die auf den Namen ausgestellt werden, und Karten sind erhältlich im Büro des Hilfsvereins der deutschen Juden. Berichtigung In der Buchbesprechung „Beiträge zur Methodologie der halachischcn Pentateuchexegese" aus der vorigen Nummer unseres Blattes muß es in der Ueberschrift unter b) nicht Mischna, sondern „Mischma" heißen. / .

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