Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 44 (2.11.1928)
- Date
- 1928-11-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Rebb Scheindel r Vom Paul Joachim OUendorff«Barmei. (4. Fortsetzung) ■'v-., V. Knirschend waren die Tore der Judengasse zugeschlagen, und mit -'-'zitternden.'Händen hatte man den Eisenricget. zügeworfen. In den Gassen aber hallte immer noch, der Heroldruf und der schrHJe Klang der Hörner. Verzweiflung und Qualen. Fünf Tage, hieß es, gebe irlan Frist, den Täter zu fahnden. Dann aber sollte die Gasse geplündert und vergewaltigt werden. Die HÖ^ner gellten und die Tore fielen wieder zu. Aber ein Fähnlein Knechte zog draußen auf, Spottlieder hallten und erst alßnählich würde es still, grabesstill. Fünf Tage! Die Sonnenglut quoll durch die Gassen, keiner kam und niemand ging. Die Fenster verhangen und die Türen verriegelt, überall Oede. Die Kinder hookteü in den Stuben, die Väter und die Mütter rissen die' Festtagskleider ab, ihre Augen starrten, und ihre Sinne begriffen nicht den uferlosen hämmernden Gedanken. Draußen aber lagen zerrissen und zerfetzt die Blumen und die Kränze, und durch den zerwühlten Fhtter schlich sich wie auf leisen Sohlen näher der Dämon Unheil. Wie ein Vogt, mit Grinsen in den Augen. An die Fenster spähend und über die Türen streichend, Feuer in den Händen. Klirrte und rüttelte es nicht an alle Pfosten? Schlug die Leiber und fraß die Habe, ein Volk, in dichtem Schwall, Messer in den Händen und ojhne Ermatten drängend und schlagend? Ein Zittern hob sich durch die Luft, und der Sonnenglanz irrte wie Dampf von den Dächern ab. — —- Mit den Schatten wagten die ersten sich hinaus, man ging und huschte aneinander vorüber. Im Rathaus glömm Licht, und die Gemeinde trat zusammen. Der Rät sandte Boten aus, sie gingen in jedes Haus, sie sprachen mit jedem, selbst mit den Kindern, aber keiner konnte Antwort geben. Sie schlugen an das Herz und rangen die Hände. Ein müßiges Spiel, eine müßige Frage, eine elende Not. Alle wußten es, und es stand in jeder Seele. Rastlos irrten die Blicke. Und immer wieder forschten die Boten und drohten mit Gewalt, aber sie fanden keine Antwort. Noch am selben Abend begehrten die Aeltesten Auslaß aus der Stadt. Sie gingen und trugen mit sich edle Geschmeide, und alle Herzen fieberten und beteten. Aber die Männer kamen wieder keuchend und bebend, man hatte sie aus dem Palast des Königs peitschen lassen. In dieser Nacht fand keiner Schlaf. Man aß nicht, trank nicht, kleidete sich nicht aus. Es war als ob der Wert der Dinge sich verwandelte, jedes Eigentum schien nichtig, und der Besitz zerfiel wie eine morsche Frucht. Rebb Scheindel saß an seinem Tisch und grub das Haupt in beide Hände. Er war durch die Werkstatt gegangen, hatte die Kinder geküßt, mit der Mutter gesprochen, war am Fenster gestanden, hatte hinausgesehen und Bücher genommen, gelesen, gedacht, und war wieder zum Fenster gegangen und wieder niedergesessen. Er rieb die Schläfen. Eine wüste Tollheit, ein Kehrichthaufen voller Unrat, eine Zerrissenheit der Gedanken, die zum Wahnsinn trieb. Rebb Scheindel sann nach. Der Zug war bis ans Allerheiligste gekommen und das Angesicht des Königs war bewegt. Da sauste es durch die Luft, die Pferde bäumten sich, ein brandendes Geheul, und wie ein Spuk war alles hin, zerstoben und verweht. Welcher Wille war das gewesen? Welche Gewalt war in das Gute wie die Pest gekommen? Rebb Scheindel wühlte die Stirn, ein Alp wälzte sich auf seine Brust. Matt und elend sank er zusammen. Ein Feuerschein lohte durch die Nacht und zündete in sein Zimmer. Rebb Scheindel raffte sich auf und trat ans Fenster. Das Licht kam von der Gasse her. Ein Trupp Ruheloser zog auf und ab und einige trugen Fackeln. Rebb Scheindel starrte ihnen nach. Seine Lippen wollten irgendwelche Worte finden, aber seine Kraft rang sich nicht durch. Mühsam rückte er einen Sessel an das Fenster, seine Augen wollten sehen, irgend eine Weite, eine Ferne schauen. Vielleicht, daß die Nacht ein Wunder offenbarte, einen Strahl in dieses Dunkel. Wenn sich der Mond entschleierte und die Sterne brannten, Lichtbögen Flammenschriften formten — Rebb Scheindel atmete schwer und starrte in die Nacht, seine Augen begannen zu schmerzen und das Dunkel hellte sich nicht auf. Ein schwerer Dunst trieb endlich träge in den fahlen Morgen. Da stand er auf, fröstelnd und zerschlagen — nichts war geschehen, nichts. — — — Der Morgen kam und weckte die Gasse nicht auf. Keine Hand rührte sich, keine Arbeit wurde getan. Vor der Helle schlossen sich die Fenster und die Gasse erstarb am lichten Tage. Ein paar Stunden und es schwirrte ein Gerücht und riß die Uebermüden auf. Man sprach, einige hätten in der Dämmerfrühe ihre Habe aufgepackt und seien vor das Tor gezogen, Flucht hieß ihr Weg. Aber die Wache hatte sie gepackt und vieles Volk, aas trotz der Frühe bei den Mauern lag. Wie das Vieh hatte man die Hilflosen zurückgetrieben. Gegen Mittag irrte ein neuer Schrecken auf. Elias, der Thoraschreiber, war von einer namenlosen Furcht befallen. Er hockte in seinem engen Zimmer. Die ganze Nacht hatte es ihn umrast, ein Schwall von gräßlichen Bildern. Plötzlich war es ihm, als hämmerte eine Faust an seine Tür und wilde Rufe schrien. Da rannte er fort in langen Sprüngen, keuchend, als sei eine Meute hinter ihm. Er überkletterte die Mauer an einer niederen Stelle und im Gewirr der Gärten fing ihn die Horde. Man hetzte ihn, spielte mit ihm, wie mit einer Beute und trieb ihn endlich blutüberströmt zurück. Entstellt, mit Schweiß bedeckt, lag sein armer Körper auf den Steinen, seine Augen standen weit geöffnet — das war das erste Blut. Es tropfte langsam aus den Wunden und sickerte herab. Tropfen auf Tropfen in schmalem Rinnsal, und alle, die es sahen, schauerten. Es war, als wüchsen diese Tropfen weiter, bald waren es rote Schleier, ganze Bäche, und breiteten sich aus. Und das Grausen wuchs. Im Bethaus drägte man zusammen. Aufschreie gellten. Dann hieß es, Elias sei gestorben. Starr lag sdn Leib auf der Bahre. Man ging zum Hause des Gemordeten und käuerte am Boden nieder. Und aus der Qual wuchs die Verzweiflung. Und wieder gingen Boten aus und ein in jenes Haus und beschworen, den zu nennen, der den Stein geschleudert hätte auf den König. Aber keiner Annahme von Bestellungen aus die Jüdisch-liberale Zeitung ■ bei allen Postämtern Deutschland» konnte Antwort geben, und die Hände schlugen bebend an die Herzen und die Lippen blieben stumm.- Rebb Scheindel starrte in den Tag. Auf dem Tische stand das Essen unberührt. Bücher lagen zerstreut am Boden. Die heiligen Psalmen hatte er lesen wollen, aber seine Sinne .waren wie zerstört. Die Schriftzeichen tanzten vor seinen Augen, sie enthüllten einen fremden Sinn und buhlten wie die Sünde. Eine tiefe Schlucht war Gott, und was zerschellte, war Gott. So hatte er den Allgedanken nie gefühlt. Er steckte voller Qual und trug ein brennendes Mal an seiner Stirn. Häßliche Wertung wucherte wie geiles Kraut, schließlich litt es ihn nicht länger in dem Zimmer und er ging hinaus. Elias, den Thoraschreiber, hatte er gut gekannt. Er kam in seine Wohnung und wollte die Trauernden trösten, aber seine Lippen fanden keine Worte. Die Stube war gedrängt voller Menschen und draußen von den Mauern hörte man den Lärm der Wachen. Spottlieder hallten bis ins Totenhaus. Als Rebb Scheindel wieder ins Freie trat, war er wie betäubt. Seine Kräfte drohten zu erliegen und er taumelte nach Hause. Die Wohnung war leer, die Türen standen offen, Hausrat lag umher, ein feiner leichter Staub zitterte auf allen Dingen. Im Augenblicke wußte Rebb Scheindel nicht, was er beginnen sollte. Ob er wieder hinunter auf die Gasse eilte und die Seinen suchte? Müde schüttelte er den Kopf und sah ins Uferlose. Dann kam ihm der Gedanke an Chaim Bendel, zum ersten Male in diesen Stunden dachte er wieder an ihn. Er fuhr empor, ein Erinnern durchströmte ihn. Bild auf Bild zog durch sein Hirn und die Zeit verstrich im Fluge. Und dann mit einem Male saß Chaim Bendel vor ihm, leibhaftig vor ihm. Rebb Scheindel zuckte, hatte er denn nicht sein Kommen gehört? Den Schritt auf der Treppe, den schlürfenden Gang, hatte er nicht gesehen, wie ein zittriger Arm den Stuhl nahm und zurechtschob? Jetzt streckte Chaim Bendel ihm die Hand entgegen, er nahm sie, preßte sie und ein Schluchzen drang durch den Raum. Chaim Bendel sah empor, seine Augen waren ge- Crötet und sein Gesicht zerwühlt. Zerknittert in Falten, als ob die Folter seinen Körper schon betastet hätte. Chaim bewegte die Lippen. „Der Thoraschreiber“, stieß er dumpf hervor und knirschte mit den Zähnen und Rebb Scheindel nickte stumm. Dann saßen sie eine Zeit beisammen und sprachen nicht. Ein Sonnenfaden spann sein schimmerndes Gewebe, die Männer starrten in den Glanz, und ihre Augen glühten das Feuer wieder. Plötzlich sprang Chaim Bendel auf. Eine zügellose Wildheit lohte über ihm, er packte Rebb Scheindel bei der Schulter und schüttelte seinen Körper, lief durch das Zimmer und hob seine Fäuste. „Nun sind wir auf dem Schiff“, schrie er, „auf dem Meere mit den blutig roten Wellen, Scheindel. Ueberall zischt es! Das ganze Leben haben wir Gedanken gesponnen, und nun tritt eine Bestie das ganze Heiligtum in Stücke. Aber meine Fenster waren verhangen, am lichten Tage geriegelt — — — ich lag auf der Lauer und witterte das Ungetüm!“ Lachen scholl auf und Chaim Bendel tollte. Rebb Scheindel starrte ihn an, wie im Traum glitt seine Hand über die Stirn. Von neuem packte ihn Chaim Bendeb „Habe ich bis zu dieser Stunde es nicht stets gesagt, welches Truggesicht unser Hoffen trägt? Wie wir zermalmt werden, wie ein Korn zwischen Steinen? Ist die Erde nicht ein kostbarer Demant, laufen nicht farbenstrotzende Adern durch sie durch und wuchert es nicht überall von saftigen Pflanzen? Wir essen und werden satt, trinken und dürsten nicht mehr, aber unser Hirn gebiert hemmungslos und seine Ausgeburten stampfen wie die Wechselbälge durch die Flur. Legen wir die Hände an die Lippen und schreien „Mord“ — bereiten wir uns auf das Sterben vor — Sichel und Messer sind scharfe Waffen und die Adern spritzen wie Quellen. Mord — Mord — das ist die Losung, und der Gott Israels offenbart sich in seinen Hassern, und sein Volk zerbricht wie dürres Rohr!“ Chaim Bendel schrie, sein Ruf war schaurig, Rebb Scheindel sprang empor, die Worte rissen wie ein Eisen und peitschten ihn auf. Wozu das Hirn zermartern und zergrübeln? Man ist eingesperrt und rast wie ein Tier gegen die Gitterstäbe, es gibt nichts mehr als das nackte Leben und den Atemzug in der Brust und den Widersacher, der auf der Lauer liegt. Rebb Scheindel fühlte eine Siedeglut, er tastete nach nach Chaim Bendels Fäusten, er stürmte mit ihm hinunter und sie rasten wie die anderen durch die Gassen, drängten sich ins Bethaus und stürzten weiter. Der Boden unter ihren Füßen dröhnte, ein neuer Gedanke durchtobte sie. Er hieß: Die Wehr. Sich wehren, Eisen und Hacke nehmen, Beil und Axt. Niederringen, niederbeißen und würgen, wie der Tollhund bis zum letzten Zucken. Und sie stürmten in die Häuser, trieben die Männer von der Straße, ihre Lippen brannten zum Zerspringen. Und viele sagten zu, aber die meisten schlugen die Hände entsetzt zusammen, und endlich trennten sich beide erschöpft und matt gehetzt. Rebb Scheindel taumelte zurück, er sah nicht Frau und Kind zu Hause und warf sich nieder. War es Nacht oder Tag, Morgen oder Abend. Das Dunkel fraß eine Helle und das Licht verschlang die Finsternis. Ein Traum umfing Rebb Scheindel. Er sah einen breiten Fluß, der Neoeischwaden trug, ein Feuerstrom wuchs über eine Straße, und ein gespenstiger Garten klettete sich an seine Brust. Dann lag sein Körper rastend in einer weißen Herrlichkeit, und er fühlte, wie Strahlen sich an ihn saugten. Und vor seinen Augen wuchs die Klarheit zusehends gewaltiger. Die Wandlung, das große Ineinanderschmelzen, das brennende Gefühl erlöst zu sein, durchbebte ihn. Und die schwache Erde, die seinen Fuß getragen, sank immer tiefer unter ihn. Ein Schrei zerrte ihn aus diesem Traum. Wieder kam er von der Gasse her, wieder riß man die Türen auf und hetzte hinaus. War die Nacht vergangen oder ein Tag, waren Stunden dahingeeilt oder Augenblicke — Rebb Scheindel wußte nicht, wie lange ihn der wirre Schlaf umfangen hatye, er tappte vorwärts, dem Lärmen nach. ,Rösele Kranz habe ihr eigenes Kind erwürgt4, hieß es.* Rps£je' Kranz, die Witwe, saß in der Stube und wiegte da$ Kleine. Plötzlich sei ein rotes Rinnsal über das weiße Deckbett geflossen, der Boden hätte geknarrt, und die Fenster seien aufgesprungen und ein Schwarm voy Männern hereingedrungen. Die Witwe warf sich i^ber das Bett und preßte das Kind an sich. Sie umklammerte es in ihrer rasenden Angst wie Eisen, ihre Hände krallten sich stahlhart und zerdrückten die kle>iji£. Kehle. Dann raste sie mit der Leiche auf die Ga&s^JUnd die Menge stob zusammen, man stieß, schrie,:, trat einander und alles tobte. Die Frauen und die Männer begehrten den Rat zu sprechen, ein Zug stampfte an das Rathaus, man hämmerte die Tore, Begehren Sickte durch die Menge und sie bäumte sich. Man schrie rAh den Schuldigen, der Schrei zerriß die Lüfte, müde Körper wühlten sich auf, und die Straßen waren. vollgestopft mit Menschen. Viele Stunden währte das Td^en, endlich verließ man die Straßen. Die Fieberglut Verfiel und wieder wurde es still und Nacht. Licht unL^lÄt zuckte auf und erlosch, Licht flackerte im TdmfTej und wehte seinen Schein hinaus. Am Himmel Sftihnien sich Wolkenberge und von drüben, aus der K$$erstadt herüber, drang und surrte es, wie Lärm Kfoh ^trunkenen Festen. Als es ruhig war, hörte man in der Judenstadt das Johlen der Wachen und der ■'Knechte. (Schluß folgt.) BUCHERSCHAU Albert Katz: Der wahre Talimidjude. Die wichtigsten Grundsätze des talmudischen Schrifttums über das sittliche Leben des Menschen, übersetzt und in 70 Kapiteln systematisch geordnet. Vierter Neudruck. Berlin 1928 (Verlag M. Poppelaper). Vor etwa 35 Jahren unterzog sich Albert Katz der dankenswerten Aufgabe, für den vielumstrittenen Talmud eine Lanze zu brechen, indem er ihn in. seinen sittlichen Forderungen selbst sprechen ließ. Was den inzwischen leider allzu früh aus einem schaffensreichen Leben gerissenen Kämpfer für die Wahrheit damals antrieb, diese ungemein lebendige Anthologie zusammenzustellen, ist leider auch heute noch nicht überwunden: die Entstellung der „talmudischen Moral“ durch antisemitische-Epigonen Eisenmengers (die unentwegt dessen ,Entdecktes Judentum' mit all seinen Fälschungen nachdrucken)' und die Unkenntnis der talmudischen Sittenlehre in unseren eigenen Reihen. Sind auch inzwischen manche andere Schriften ähnlicher Art veröffentlicht worden, so darf die Nenausgabe der vorliegenden Arbeit doch nur aufs wärmste begrüßt werden. Hier sind an 1500 talmudische Sätze mit großem Geschick durch nur ganz wenige verbindende Worte ,zu abgerundeten Gesamtbildern über die einzelnen Fragen der Sittenlehre zusammengefügt; sie sprechen in dieser Form eine überzeugende eindringliche Sprache. Es ist ein Akt schöner Verehrung, daß das Werk, gleichsam als Gabe für den nicht erlebten 70. Geburtstag, seinen Aufklärungsgang erneut antreten kann: möchte es der Absicht seines Verfassers gemäß dazu beitragen, Nichtjuden gegen das Gift der Verleumdung zu feien; möchte es aber auch, fast möchte man dies noch dringlicher wünschen, den Juden die Ueberzeugung stärken, daß wir keinen Grund haben, uns der Sittenlehre des Talmud zu schämen.. Rabbiner Dr. Cohn- Leipzig. Dr. A. Granowsky: Bodenbesteuerung in Palästina. Jüdischer Verlag. Berlin 1928. Ist die Steuergesetzgebung schon in jedem Lande Grund und Bedingung der Volkswohlfahrt, so gilt dieser Grundsatz in noch höherem Grade von dem Altneuland Palästina. In klaren, auch dem volkswirtschaftlichen Laien verständlichen Gedankengängen gibt der Verfasser eine Darstellung des Steuerwesens in Palästina; das die britische Mandatsregierung fast unverändert aus ‘ der ottomanischen Zeit herübergenommen hat, zeigt die Schäden der geltenden Besteuerung, besonders für die Juden, auf und bringt praktische Reform Vorschläge. Im wesentlichen finden sich dort vier Steuerarten: Oscher d. h. der Zehnte vom Bruttoertrag des Bodens, Werko ist die Immobilienabgabe, Aghnam eine Viehsteuer und Rassem eine Einregistiierungssteuer für die Eintragung vertragsmäßiger Transaktionen in die Grundbuchämter. In diesem Jahre hat endlich der Oberkommissar Schritte für eine günstigere Gestaltung des palästinensischen Steuerwesens eingeleitet. Das Buch dient so einem überaus aktuellen Interesse für das Aufblühen des heiligen Landes. Rabb. Dr. Löwenstamm -Spandau. Der letzte Waldjude. Vornan von Opatoschu. Aus dem Jiddischen von 8. Schmitz. Diese spannend geschriebene Erzählung spielt in der Zeit vor dem Polenaufstand von 1863. Mordechai, der Held des Stückes, verbringt seine Kinder- und Jünglingsjahre auf einem polnischen Waldgut. Seine Liebe zu der Tochter eines kleinen jüdischen Pächters wird ihm zum Verhängnis: er wird nach Kozk verbannt, wo er in einen Kreis von Chassidim gerät, die ihn durch ihr verderbliches Treiben anwidern. M. sondert sic von ihnen ab, gewinnt durch emsigen Fleiß allgemeines Wissen, erlernt fremde Sprachen, ergibt sich polnischen Elementen, agitiert gegen die Regierung und flüchtet schließlich nach Paris. Das Werk ist vom Heinebund, der jüdischen Buchgemeinde, Berlin W 57, Pallasstraße 10-11, herausgegeben und bildet den zweiten Band der zweiten Jahresreihe; es erscheinen jährlich vier Bände, Mitgliedsbeitrag 14,— Mk. Wir haben schon verschiedentlich empfehlend auf den rteinebund hingewiesen. Soll das jüdische Geistesleben wahrhaft pulsieren, so kann das nur unter materiellen Voraussetzungen geschehen. — — — Dr. M. Spanier, Magdeburg. Kalendarium f. die Zeit v. 3.11.fr. 10.11. 26 Nvvem-«r 1S28 Tifchri 5689 Sonnabend 3 29 Wochenabschnitt: Wajero Hastarah: II. König« 4, 1—37 Sabbat-Ausgang: 5.19 Uhr Sonntag 4 21 Montag 5 22 Dienstag 6 23 Mittwoch 7 24 Donnerstag 8 25 Freitag S 26 Sonnabend 10 27 Neumondweihe Wochenabschnitt: Ehaje storo Hastarah: I. Könige 1.1—1, 31 Sabbat-Ausgang: 5.06 Uhr /