Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 42 (19.10.1928)
- Date
- 1928-10-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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« O religiöse Kulturgüter geeint sein muß"; er meint, die Wiv« dmgskraft des Judentums „muß sich dem Nullpunkte nähern, wenn wir unser« Atomisierung als etwas Selbftverständ-« liches hinnehmen oder gar wünschen und befördern". Ich mag mit Herrn Dr. Wiener über diese Dinge nicht streiten. Hier handelt es sich um Fragen des Glaubens, in denen die Zukunft den Schiedsspruch sällen wird. Ich glaube, im Gegensatz zu Herrn Dr. Wiener, daß dem Judentum Existenz und Wirkungsmöglichkeit nur gesichert ist in der Zerstreuung, in der Trennung des Religiösen vom jüdischnationalen Ursprung. Vielleicht hat Herr Dr. Wiener Recht, vielleicht habe ufy Recht, ich mag darüber nicht streiten. Nur soviel ist mir gewiß: die Wege von Herrn Dr. Wiener und der Mehrheit des liberalen Judentums sind wahrlich nicht die gleichen. Jede j-disch-liberale Organisation hat sich zu entscheiden, welchen Weg sie gehen will. Unentschiedenheit bedeutet hier der Gleichgültigkeit und der Verwirrung Vorschub leisten. Zum Kongreß — eine nichkgehalkene Diskussionsrede Bon Dr. Hugo Schiss, Karlsruhe. I. Man sagt, daß nichts schmerzlicher sei, als eine nicht- Gchaltene Rede. Aber die mir angeborene Menschenfreundlichkeit bewahrte mich davor, als siebzehnter Diskussion^ redner auszutreten (die 16 hatten sich schon vor Beginn dev Diskussionssitzung gemeldet). Nun empfange ich den Lohn: die freundliche Aufforderung der Redaktion der Jüdisch-liberalen Zeitung versetzt mich in die Lage, meine Diskussionsrede doch noch zu halten — zwar schriftlich, aber so wich sie noch kürzer sein dürfen. Ich greise einzelne Punkte aus den Referaten heraus, will aber auch einige Gedanken äußern, die durch sie nicht angeregt wurden. : ' . n. Es ist (von Herrn Dr. Lehmann) in scharfen Worten eine „liberale" Zchakah gefordert worden — nicht nur in der Gestalt etwa von reformierter Haushaltführung in entsprechenden Instituten, sondern auch der grundsätzlichen Einstellung nach. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, als sollte hier manchem unreligiösen Juden der Weg zu einem Religionsersatz gezeigt werden. Allein, so gewiß — einerseits — soziales Empfinden von religiöser Einstellung unabhängig ist, so gilt — andererseits — das Wort des ehrwürdigen Präsidenten unseres Verbandes: „Nur Religion kann Religion ersetzen". - III. ' Es ist (vom gleichen Redner) eine (gleich scharfe) Attacke gegen den überstarken Ritus geritten und zugleich die absolute Kontrolle alles Religiösen durch die Vernunft gefordert worden. Ich habe den Gottesdienst der Reformgemeinde selbst als Rttual empfunden. Und ich möchte (nicht nur für meine Person, sondern für die Gemeinschaft des Judentums'» all jene Aeußerungen unmittelbar jüdisch-religiösen Empfindens nicht missen, die aus den anderen Seelenkrästen des Menschen hervorquellen. ' IV* Hier ersteht eine Erkenntnis, die — wenigstens in den Besprechungen des Kongresses — nicht klar und deutlich und vor allen: drängend genug war: der Wille der Masse ist auf ein klares Gebot, auf eine feste Form religiöser Lebensführung gerichtet. (Und ich hoffe, daß das liberale Judentum nicht nur der jüdische Weg einer intelligenten Oberschicht, ebensosehr der in ihrer Unmittelbarkeit und Einfachheit starken Masse sein wird.) V. Wie ich durch den ganzen Verlauf des Kongresses den Gegensatz von amerikanischer Reform und deutschem Liberalismus spürte, so könnte vielleicht zur Ausdeutung des vorigen Punkts der Gegensatz von norddeutschem (Berliner) und süddeutschem liberalem Judentum manches bettragen. VI. Trotz des Gegensatzes hat man in aufrichtigem Worte der Orthodoxie des Judentums Anerkennung gezollt. Den gleichen Respekt (so glaube ich, lautete das Wort) muß sich ftin Liberalismus für seine Geschlossenheit erringen und fordern. VII. Hier erwächst schon eine ungcheure Aufgabe: der Stärke des. „Überlieferten" Judentums in der Einheit theoretischer Grundlage und in der Einheitlichkeit praktischer Form (die natürlich selbst erst — trotz der Leugnung von jener Sette — in Jahrhunderten errungen wurde) muß das liberale einstweilen entbehren. Mer dahin zu gelangen, muß — m. E. bezüglich beider, d. h. der Grundlage und der Form — sein unverbrüchliches Ziel sein. Ist dies denkbar, wo heute schon die in V. erwähnte Spannung so groß ist? So sei es denn auf dem Wege zur Erlangung der Hegemonie eines jüdischen Zentrums (in der Geschichte des Judentums ein nicht unbekannter Weg); darum ist der Schritt unvermeidlich, daß der Kreis des deutschen liberalen Judentums dies auch für sich unternehme. Ohnedies müßte der „Weltkongreß" in der Arbeit, die er nicht leisten konnte, durch einen „&uf deskongreß" ergänzt werden, auf dem zugleich jene theoretische und prakttsche Arbeit von Theologen und Laien zugleich zu beginnen wäre. Auch da kann und soll ein Ringen der Ideen — um sie und um ihre Auswirkung statthaben. VIII. Es ist mit einer Ausnahme (des Herrn Dr. Wiener) jede Erwähnung von jüdisch-nattonalen Argumenten vermieden worden. Aber Kulturzusammenhänge lassen sich nicht zerreißen, und das liberale Judentum sollte die aufstrebenden Kräfte, die in ded erhofften nationalen Renaissance des Judentums für diese Arbett tätig sind, für seinen Aufbau des rüigihsen Lebens gewinnen und verwerten. IX. Hierher gehört, eine andere Aufgabe für den „Weltver- Vand (die ich auszusprechen wage): zu gegebener Zeit und in entsprechender Form aus der eigenen Kraft die Zusammenarbeit, den Zusammenschluß mtt den anderen jüdischen Weltvechäuden zu erstreben. Denn auch wir sollten auf den „ökumenischen" Zug — der Gegenwart achten, — und hier könnte sich eine Perspektive von unendlicher Bedeutung eröffnen. X. Das ist eine Arbeit, die zur Höhe führt, — nicht unwichttger ist die zur Tiefe führende. Die Sektionsfitzungen haben gezeigt, wie sie in den Einzelsphären des reügiösen Lebens zu leisten ist. Hier muß der Verband auf seine Bünde, die Organisatton auf ihre Mitglieder, aus die Men-, schen sich stützen — und diese ein „bttochon", ein Vertrauen auf Gott haben. ★ Aus der Bewegung ★ Berlin. In unserer Ortsgruppe Weißensee hielt am 15. ds. Mts. Herr George Goetz, Generalsekretär der Liberalen Bereinigung, einen Bortrag über: „Die Bedeutung des religiösen ^Liberalismus im Judentum". Der Bortragend« führte aus, daß die große Masse der liberalen Juden den religiösen Liberalismus überhaupt kaum kenne. Eine politische Bewegung finde immer viele Mitläufer, eine religiöse aber nicht. Auch der Begriff der Geschichte werde oft verkannt, die Geschichte gehe von der Vergangenheit über die Gegenwart zur Zukunft. Der jüdische Liberalismus gehe durch die ganze jüdische Geschichte, er sei der wahre Erhalter des Judentums, dies habe sich bei den großen Krisen erwiesen. Das Herannahen der ersten Zerstörung Jerusalems habe das Auftreten der Propheten hervorgerufen, die Erschütterung des zweiten Falles der Stadt die Reformation vom Opserkultus zum neuen Judentum, das Ende des Ghettos die neue Reformbewegung. Die Grundgedanken des Judentums, seine ewigen Wahrheiten, hätten immer bestanden und würden weiter bestehen, aber die Formen seien ewigem Wandel unterworfen. Er setzte sodann den Unterschied zwischen Reform und Assimilation auseinander. Reform sei Anpassung an das Leben, Assimilation sei aber das Aufgeben der ewigen Wahrheiten. Bor solcher Assimilatton müssen wir uns hüten. Wer an der alten Form hänge, möge dahin bleiben, wenn wir aber geschichtlich zurückdenken, wäre es sehr wohl denkbar, daß zur Erhaltung des Judentums eine neue Form entstehen werde. Er ging dann dazu Über, daß das Judentum bisher zu den derzeitigen Menschheitsbewegungcn Stellung nehmen müsse. Der Bortrag erregte größte Aufmerksamkeit und außerordentlichen Beifall. Ihm folgte eine Aussprache, in der auch Anhänger der Mittelpartei und des Zionismus das Wort nahmen. Bielefeld. Die Ortsgruppe der Bereinigung für das liberale Judentum trat am 13. Oktober in die Winterarbeit ein mit einer Veranstaltung, zu der sie alle Gemeindemitglieder eingeladen hattet Diesem weitgezogenen Rahmen entsprach aber auch die Bedeutung des Abends. Als Redner war erschienen der verehrte erste Vorsitzende unserer Vereinigung, Herr Rechtsanwalt Heinrich Stern, Berlin, der sich berett erklärt hatte, über „die Tagung des Weltvcrbandes für religiösliberales Judentum in Berlin vom 18.—21. August 1928" zu berichten. Sendet de« fälligen Beitrag str dar «. Quartal 1928 in Höhe von SKI. 2.50 aus das Postscheckkonto -er Bereinigung für das liberale Judentum Berlin Nr. 137089 ein. In einem annähernd l^stündigen, überaus fesselnden Vortrag entwarf der Redner den Hörern ein lebendiges Bild von der bedeutungsvollen Tagung, wie es eben nur der zeichnen kann, der an führender Stelle die Ereignisse miterlebt und mitgeschaffen hat. So entstand ein Eindruck, lehrreich und neuartig auch für den, der die Sitzungsberichte ausführlich gelesen hat. Besonders reizvoll war die Beschreibung, die der Vortragende von dem Wesen des jüdisch-veligiösen Liberalismus in Amerika und England und seinen vornehmsten Trägern gab, unter denen er mit großer Wärme die Gestalten von Claude Montefiore und Lily Montagu hervorleuchten ließ. Er schilderte den Verlauf der KonferM, gab eine kurzgesaßte Uebersicht über die wichtigsten Referate und zeigte, wie trotz großer Mannigfaltigkeit und mancher Gegensätzlichkeit der Auffassungen doch ein einheitlicher Gedanke alle Teilnehmer beseelte, nämlich der Glaube an die Zukunft des Judentums, und der Wille, für diese Zukunft durch immer tiefere Erfassung der geistigen und sittlichen Werte des Judentums zu arbeiten. Der lebhafte Beifall der zwar gut besuchten, aber leider doch nur einen kleinen Teil der Gcmeindemitglieder umfassenden Versammlung bewies dem Redner, welch starkes Interesse seine auch in der Form prächtig vorgetragenen Ausführungen bei den Hörern gefunden hatten. Auch an dieser Stelle sei ihm dafür, daß er trotz, starker beruflicher und außerberuflicher Inanspruchnahme den Weg nach Bielefeld gefunden, nochmals aufs beste gedankt. Als äußerlichen Erfolg des Abends verzeichnet« die Ortsgruppe den Gewinn von einigen neuen Mitgliedern. Dortmund. Am 3. Oktober veranstaltete die Ortsgruppe der liberalen Vereinigung ihre General-Versammlung. Der Vorsitzende derselben, Herr Artur Rosenberg, erstattete den Jahresbericht. .— Das verflossene Arbeitsjahr unserer Ortsgruppe war ein recht arbeitsreiches und auch erfolgreiches zu nennen. — An Veranstaltungen und Vorträgen sind zu nennen: Konrettor Andorn, Dortmund, sprach über: Das kommende Reichsschulgesetz und seine Auswirkung auf das jüdische Schulwesen. Lehrer Nußbaum, Dortmund, sprach vom Wesen des liberalen Judentums in: „Das Judentum am Scheideweg". Prof. Dr. Jsmar Elbogen: Was ist uns liberales Judentum? Albert Heinemann referierte über Gemeindefragen. An Stelle der durch plötzliche Erkrankung verhinderten Frau Ottilie Schönewald, Bochum, die über die Stellung der Frau in der Gemeinde sprechen wollte, sprach Lehrer Nußbaum über: „Hinter Mauern", Schauspiel von Nathansen, ein Ausschnitt jüdischen Gegenwartslebcns. Dr. Samuel, Essen, sprach über: Der jüdische Tisch und die jüdische Tischgemeinschaft; Konrektor a. D. Em. Goldschmidt, Dortmund, gab einen Bericht über die Sitzung des Landesverbands preußischer Synagogengemcinden von Ende März 1928. Den Beschluß der Vortragsveranstaltungen bildete eine Feierstunde, in der, umrahmt von synagögalen Gesängen, vorgetragen von Herrn Nußbaum, der Generalsekretär der Liberalen Vereinigung, Herr Goetz, Berlin, über: „Vorgänge aus dem deutschjüdischen Gemeindeleben" berichtete. Im kleineren Mitgkiederkreise wurden ab Mai bis Mitte Juni 14tägige Zusammenkünfte veranstaltet. — Die Chanukahfeier unserer Ortsgruppe entwickelt sich von Jahr zu Jahr mehr. — Während des letzten Winters wurden zwei Kurse veranstaltet. Rabbiner Dr. Appel versammelte einen Kreis um sich in einem Geschichtskursus. — Lehrer Siegmund Nußbaum führte in die häusliche Feier des Freitagabend und des Sederabend ein. — Beide Kurse waren nicht sehr stark besucht, um so erfreulicher war die Teilnahme der Kursisten, die von Anfang bis zum Schluß den gebotenen Anregungen vollzählig mit größtem Interesse folgten. Nach Erstattung des Kassenberichts und Berichts der Kassenprüfer land die Neuwahl des Vorstandes statt. Der Gesamtvorstand wurde wiedergewählt, erweitert wurde er durch die Wahl von Frau Gans und Frau Landau. Frau Vorreuter und Herr Em. Goldschmidt berichteten uns dann über ihre Eindrücke von der Weltkonferenz des religiös-liberalen Judentums in Berlin. — Beide gaben in je 3/4/ bis einstündiger Ausführung ein packendes, ausführliches Bild dieses größten Ereignisses des liberalen Judentums in Deutschland, daß in jedem Hörer das Bedauern aufstieg, daß man nicht auch Teilnehmer der Konferenz sein konnte. Reicher Beifall lohnte beiden Rednern. — Die inhaltsreiche, srchr gut besuchte Veranstaltung sei ein guter Auftakt unserer bevorstehenden Winterarbeit. Nierhade«. Di« hiesige Ortsgruppe der Bereinigung für das liberale Judentum hielt dirett nach den Feiertagen, am 10. ds. Mts., ihren ersten Vortragsabend ab. Es berichtete zuerst Rabbiner Dr. Lazarus über: „Die Weltkonferenz des liberalen Judentums in Berlin in ihrer Bedeutung für das religiös-jüdische Leben". Der Bortragende ging aus von der Entwicklung des religiös-liberalen Gedankens in Deutschland, schildert« die Aufgabe der heutigen liberalen Bewegung, einen Ausgleich zu schaffen zwischen Individuum und Gemeinschaft und den Gedanken des Klal Jistoel überall zu betonen. Redner sprach dann von dem unvergeßlichen Eindruck, den die Berliner Tagung auf alle Zuhörer gemacht, und kam dann zu den praktischen Folgerungen für das jüdische HauS, die jüdische Familie und vor allem für unsere Jugend. — Der Borsitzende, Dir. Dr. Goldstein, sprach Über: „Unsere Stellungnahme zu der bevorstehenden Aenderung der Gemeindeverfassung". Als erste von allen hiesigen Organisationen konnte unsere Ortsgruppe über die jetzt abgeschlossenen Verhandlungen der Oeffentlichkeit berichten, und mit Recht wies der Redner auf den großen Einfluß,hin, den unser« Ortsgruppe trotz ihrer nicht allzu großen Zahl von Mitgliedern im hiesigen jüdisch-politischen Leben besitzt. Ausführlich wurden folgende Aenderungen im neuen Wahlreglement besprochen, das nun der Regierung zur Genehmigung vorgelegt wird: 1. Akttves und passives Frauenwahlrecht; 2. Gleichstellung der Ausländer mit den Inländern; 3. Einführung des Proportionalwahlrechts ohne Rücksicht auf die Steuerleistung. — Eine Diskussion schloß sich an. Als nächster Vortragsabend ist der 1. November ds. Js. vorgesehen, an dem Frau Paula Ollendorsf -Breslau sprechen wird über: „Die Botschaft des liberalen Judentums an die jüdische Frau". Vereinsnachrichten Israelitisches Mädchenheim E. B., Frankfurt a. M. Zu zeitgemäßer Erweiterung der sozialen Ideen, die 1908 zur Gründung des Israelitischen Mädchenheims, Taunusplatz 17, führten, soll der Reinertrag einer künstlerisch und gesellschaftlich ereignisvollen Veranstaltung dienen, die am 4. November ds. Js. in sämtlichen Räumen der Frankfurt-Loge stattfinden wird. Bekannte und bewährte Kräfte haben sich an die Spitze des Ausschusses zur Vorbereitung des Abends gestellt. Bon hiesigen Künstlern haben die Mitglieder der hiesigen Oper, Frau Else Ziegler-Fischer und Herr Benno Ziegler, ihre Mitwirkung zugesichert. Der weit über die Grenzen seines Vaterlandes Ungarn bekannte Violinvirtuose Lazlo Szentgyöregye, den Frankfurter Zeitungen in ihrer Kritik einen zweiten Paganini nennen, wird an diesem Festabend spielen. Das zugkräftige Programm läßt einen großen Erfolg der Veranstaltung voraussehen. Die numerierten Karlen sind im Vorverkauf durch die Komitcemitglieder und im Heim, Taunusplatz 17, zu haben, und werden nach der Reihenfolge der Vormerkungen ausgegeben. Morgenfeier im Renaissance-Theater. Am Sonntag, den 4. November, vormittags 111/4 Uhr, findet im Renaissance-Theater ein« Morgenfeier statt, deren Ertrag unter Führung der Jüdischen Altershilfe Groß-Berlin den in bitterster Not lebenden altgewordenen Künstlern und Gelehrten zugewendet werden soll. Ihre uneigennützige Mitwirkung haben zugesagt: Fräulein Grete Walter, Tochter des Herrn Generalmusikdirektor Professor Bruno Walter, Wolfgang Stresemann, Sohn des Herrn Reichsaußenminister, der den Klavierpart eines eigenen Trios übernehmen wird, Dietz Weismann, Sohn des Staatssekretär Dr. Robert Weismann und der Schauspieler am Staatstheater Heinrich Schnitzler, der Sohn Arthur Schnitzlers. Karten erhältlich im Renaissance-Theater, an der Theaterkasse des Kaufhaus des Westens und im Büro der Jüdischen Altcrshilse, W. 62, Kleiststraße 31, Tel. Barbarossa 5626, 2473. Aus dem Programm steht u. a. ein Trio von Wolfgang Stresemann. Verein für jüdische Geschichte «nd Literatur. Programm für das Winterhalbjahr: Donnerstag, 15. November 1928: Professor Dr. Felix Perles-Känigsberg i. Pr.: Drei Marksteine jüdischen Geisteslebens. Donnerstag, 6. Dezember 1928: Die Entwilckung der hebräischen Gesänge und Melodien. Hinterlassener Bortrag des verstorbenen Kapellmeisters Albert Kellermann. Vorgetragen von seinem Sohne Leopold Kellermann. Gesangsvorträge: Oberkantor Magnus Davidsohn. Donnerstag, 17. Januar 1929: Professor Dr. Ludwig Stein- Berlin: Gotthold Ephraim Lcssing als Philosoph. Donnerstag, 14. Februar 1929: Schriftsteller Arnold Zweig-Berlin: Die Aufgaben der großen Kunstformen. Donnerstag, 14. März 1929: Prosessor D. Koigen-Berlin: Der religions- und geschichtsphilosophische Gedanke im Judentum. Donnerstag, 11. April 1929: Schriftsteller Dr. Kurt Zielenziger-Berlin: Die Juden in der modernen Volkswirtschaft. Sämtliche Borträge finden im Gartensaal des Logengebäudes, Kleiststraße 10, ptr., statt und beginnen 8 Uhr abends. Etwaige Abänderungen werden in der „Bossischen Zeitung" und im „Berliner Tageblatt" unter Vereinsnachrichten bekanntgegeben. Anmeldungen von neuen Mitgliedern werden bei Herrn Benas Levy, Berlin C., Spandauer Straße 41, cntgegengenommen. Die Mitgliedschaft berechtigt zwei Personen zum Besuche der Borträge. Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens E. V. zu Berlin, Geschäftsstelle: NO. 18, Große Frankfurter Straße 80-81. Am Montag, den 22. Oktober 1928, abends 8 Uhr, findet im Gemeindehaus, Rosenstraße 2-4, eine Mitgliederversammlung mit Vortrag statt. Herr Prediger Dr. Karl Rosenthal spricht über das Thema: „Der Stolz des Juden". Bei dieser Gelegenheit wird darauf hingclmesen, daß das in diesem Jahre herausgekommene Handbuch mit Mitgliederverzeichnis an Interessenten durch die oben benannte Geschäftsstelle kostenlos versandt wird. Das Jüdische Volksbildungs- und llnterhaltungsheim (Toynbee- Halle) der Berliner Logen U.O.B.B., Gipsstraße 12 a, beginnt am Sonnabend, den 20. Oktober 1928, 20 Uhr, sein 25. Wintersemester. Seit einem Vierteljahrhundert empfangen in dem Bortragssaal in der Gipsstraße an jedem Mittwoch- und Sonnabend-Abend etwa 500 Personen Anregung, Belehrung und Unterhaltung. Nach einem wissenschaftlichen Vortrage werden Erfrischungen gereicht. Künstlerische Veranstaltungen schließen den Abend ab. Während ihres 24 jährigen Bestehens hat sich die Toynbee-Halle die Anerkennung weiter Kreise erworben. Sie wird in gleichem Maße als philantropisches Werk und als kulturelle Erziehungsstätte geschätzt. Die Freie jüdische Volkshochschule veranstaltet für die Mitglieder der Liberalen Synagoge Norden einen Vortrags-Zyklus über die jüdische Religion im 19. Jahrhundert (4 Stunden, Dienstag 8—9 Uhr abends, Metzer Sttaße 1. Beginn 23. Oktober). Doz. Rabbiner Dr. M. Wiener. Kalendariums, die Zeit v. 20.10.H. 27.10. 28 Oktober 1928! Tischri 5689 Sonnabend 20 6 Wochcnabschnitt: Noah Haftarah: Jesaia Kap. 54, 1—17, 55, 1—55, 5 Sabbat-Ausgang: 5.45 Uhr Sonntag 21 7 Montag 22 8 Dienstag 23 9 Mittwoch 24 10 Donnerstag 25 11 Freitag 26 12 Sonnabend 27 13 Wochenabschnitt: Lech' l'cho Haftarah: Jesaia 40, 27-40, 31, 41, 1-41, 16 Sabbat-Ausgang: 5.32 Uhr