Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-09-14 · 37 (14.9.1928) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
37 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2613366-2613947-2613984--2856-2620376
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

np klingt stärker und stärker, und der flüchtige Traum entgleitet dir, und dein Marmorpalast stürzt ein über dir, weil er nur lose gefügt war, und dein Strohhalm knickt um, und über deine lichtflutende Welt breitet sich schwarze, finstere Nacht, — denn die Saite, die zum Brausen anschwoll, versetzte dich in das Jetzt zurück, und dein Erwachen aus Traumesschönheit zeigt dir jetzt erst gedoppelt den ganzen Jammer und die Größe des Unglücks, das dich getroffen. Aber. So kann Erinnerung nicht Trost sein. Trügendes Täuschbild der Wahrheit oder erlebtes, aber vertanes, Gaukelspiel unserer Wünsche —, wie kannst du trösten? Feiglinge verlieren sich im Gestern oder suchen gar Genuß im Leide. Nicht dies sei dir Erinnerung. Was aber sei Euch dies: Tag der Erinnerung? Nicht, was du ersehnst, treibe dich ins Vergangene, sondern: Was du übersehen willst, das Helle auf in dir der Erinnerung glühender Strahl! So fei dir Tag der Erinnerung: Wühlen in den finsteren Winkeln deiner Seele, Loten in die Abgrundtiefen deines Jchs, Erwecken deines vermoderten Selbst, Aufhacken verschütteter Schächte, Auspeitschen triebhafter Süchte, Gedenken all dessen, was du lieber nicht gedacht, gewünscht, getan —- Nicht im Gestern sich verlieren. Sondern deiner Seele Schluchten Schließen jedem wilden Gieren Und dich so ins Morgen wuchten —, Dies sei dir: Tag der Erinnerung! So du aber Klage zu erheben hast nicht gegen dich, sondern gegen das Schicksal, wisse dies: Bon all den hunderttausend schönen Dingen, Die, einst als Maienwünsche heiß ersehnt. Wir retten möchten in das wilde Leben, Zerrinnt die Wirklichkeit das Mehr Zu Traum Und Schaum... Und wehrlos stehen wir und starren... Und enden dennoch nicht, vom Ungefähr Das Wunder zu erharren! Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands * An» den Gemeinden * Beerfelden. Am 6. September wurde der neue Friedhof und seine Halle feierlich geweiht. Die Anlage, die sich harmonisch in die malerisch gelegene Landschaft einfügt, wurde von dem Kölner Architekten B. D. A. Robert Stern geschaffen. Die Weiherede hielt Landrabbiner Dr. M e r z b a ch - Darmstadt. Gestiftet wurden die Kosten von dem in Beerfelden geborenen und jetzt in New-Aor? wohnenden Herrn A. S. R o s e n t h a l. Delmenhorst. (S h n a g o g e n w e i h e.) Die israelitische Gemeinde hat bekanntlich das alte baufällige Gotteshaus an der Gartenstraße verkauft und die Bürgerhoffsche Besitzung an der Kramerstraße erworben. Im Garten hat sie eine neue Synagoge errichten lassen. Sonnabend abend wurde in feierlichem Gottesdienste von der alten Synagoge Abschied genommen, die alten Thorarollen ausgegraben und ins neue Gotteshaus gebracht. Am Sonntag war dann die Einweihung der neuen Synagoge. Die Gemeinde war stark vertreten, ferner nahmen teil die Vertreter der städtischen Körperschaften, die Geistlichkeit, die Lehrerschaft usw. Oberbürgermeister Königer überbrachte die Wünsche der Stadt. Dresden. (Weihe eines Gemeindegottesdienstes.) Der Gemeindegottesdienst nach altem Ritus wurde am Sabbat vor Rausch haschonoh feierlich geweiht. Gemünden. (Versuchte Synagogenstürmung.) In Gemünden (Hunsrück) kam es bei einer nationalsozialistischen Veranstaltung, bei der der völkische Landtagsabgeordnete Dr. Ley-Köln sprach, zu blutigen Zusammenstößen zwischen Hitler-Leuten und Kommunisten. Da die Ortspolizeibehörde keine Vorkehrungen getroffen hatte, versuchten einige Hakenkreuzler, die Synagoge zu stürmen. Das Städtchen Gemünden ist seit einiger Zeit Tummelplatz der Hitler-Rowdies. Nach diesen Vorkommnissen hat sich die Synagogen-Gemeinde an das Ministerium in Berlin mit der Bitte um Schutz gewandt. Gladenbach. (Todesfall.) Die Synagogen-Gemeinde beklagt den Heimgang ihres langjährigen Vorsitzenden der Chewra, des Herrn H. Meier I. Bon der Synagoge aus, wo der Verstorbene oft ehrenamtlich gewirkt hatte und wo seine sterbliche Hülle aufgebahrt war, fand unter starker Beteiligung die Beisetzung statt. Der Kriegerverein gab dem beliebten Kameraden das letzte Geleit. Herleshausen a. d. Werra. (Neue Synagoge.) Hier fand die Weihe der von der israelitischen Gemeinde neu erbauten Synagoge statt. Kassel. (Neue Orgel in der Hauptsynagoge.) Die seit langer Zeit erwogene Absicht, die unbrauchbar gewordene Orgel in der Hauptsynagoge durch ein neues Instrument zu ersetzen, ist — nachdem die ansehnlichen Kosten vom Vorstand bewilligt worden waren — nun in die Tat umgesetzt worden. Am Neujahrsfeste wird nach langer Pause der Gottesdienst wieder in der üblichen Weise mit Orgelbegleitung stattfinden können. Kassel. (Gemeindewählen.) Zum erstenmale fanden nunmehr hier die Wahlen für das Gemeindeältesten-Kollegium auf Grund der vereinbarten Wahlordnung am vergangenen Sonntag statt. Es waren nur 2 Vorschläge eingereicht: eine G e m e i n s ch a f t s l i st e, an der Centralverein, Liberale Vereinigung, Gesetzestreue, Jüdische Volkspartei und Mittelstandspartei beteiligt waren, ferner der Sondervorschlag einer o st j ü d i s ch e n Gruppe Fischer. Die Wahlbeteiligung war außerordentlich rege; sie erreichte ca. 66 op. Insgesamt abgegeben wurden 1262 Stimmen. Sämtliche Kandidaten des Gemeinschaftsvorschlages wurden gewählt. Auf die Sonderliste Fischer, Sto&wercK 'Billig. '• iDohlSchm&dicnd. nahrhaft. deren Spitzen-Kandidat nur 124 Stimmen auf sich vereinigen konnte, entfiel kein Mandat. Die neugewählten Gemeindeältesten, von denen sechs bereits dem bisherigen Kollegium angehörten, sind: Rechtsanwalt Dr. Josef Katzen st ein (mittlere religiöse Richtung und C.-V.), Bankier Albert Heß (liberale Richtung und C.-B.), Rechtsanwalt Dr. Kugelmann (Jüdische Volkspartei), Kaufmann A. Heinemann (mittlere religiöse Richtung, auf dem Boden des C.-V., Mittelstandspartei), Metzgermeister M. Loeb (gesetzestreu, nichtzionistisch, Mittelstandspartei), Kaufmann Th. E i s e n b e r g (liberale Richtung und C.-B.), Schreinermeister R. Nußbaum (mittlere religiöse Richtung, nichtzionistisch, jedoch der Jüdischen Volks- Partei nahestehend, Mittelstandspartei), Kaufmann S. Speier (mittlere religiöse Richtung und C.-B.), Rechtsanwalt Dalberg (Jüdische Volkspartei). Das neugewählte Gemeindeältesten-Kollegium entspricht in seiner Zusammensetzung der Kasseler Gemeinde. Der bisherige Kurs der Gemeindepolitik dürfte im allgemeinen unverändert bleiben. Kolberg (OstseebadL (8 0. Geburtstag.) Am zweiten Rauschhaschonoh-Tage (16. September) kann Herr Kantor i. R. Isidor Zadikow in Kolberg seinen 80. Geburtstag feiern. Der Jubilar war beinahe 53 Jahre als Kantor tätig. Er begann seine Lausbahnin Worms, kam später in eine Posener Gemeinde, übte 20 Jahre in Kolberg und zuletzt gegen 15 Jahre in Treptow/Rega seinen Beruf aus, um endlich im Jahre 1921 in den wohlverdienten Ruhestand zu treten. Zu seinen Lehrern gehörten der Kantor und königl. Musikdirektor Weintraub in Königsberg und Kantor Deutsch in Breslau. Kantor Zadikow hatte unter den deutschen Kantoren wegen seiner schönen Stimme und seiner kantoralen Fähigkeiten einen guten Namen und errang auch so manchen Erfolg. Er ist geistig noch überaus rege und von jugendlicher Frische und besonders für alle jüdischen Probleme lebhaft interessiert, beschäftigt sich ständig mit musikalischen Kompositionen. Von seinen letzten in Musik gesetzten Gesängen seien nur genannt: W'schomru, Haschkiwenu und Uwnucho. Eine besondere Freude erlebt der Jubilar an seinen Söhnen, von denen der Bildhauer Arnold Zadikow (dem übrigens als Belohnung für einen, kurz vor dem Kriege errungenen Wetpbewerbssicg, jetzt von der deutschen Reichsregierung Atelierräume in Rom zur Verfügung gestellt wurden) in weiten Kreisen bekannt ist. Zwei andere Söhne nehmen führende Stellungen in der Wirtschaft ein. An seiner Gattin hat Herr Z. eine verständnisvolle Kameradin und Pflegerin. Man kann dem Jubilar nur wünschen, daß er bis an sein Lebensende in derselben Frische rm Kreise seiner Familie fortlebe. Kennen Sie die Preiswürdigkeit der bei der anerkannten GUteT Ueberzeugen Sie sich selbst! Typ: 8/38 PS 2 Liter 12/55 PS 3 Liter 13/60 PS 3,5 Liter 15/70/100 PS 4 Liter Fahrgestell RM. 6000 RM. 8650 RM. 9450 RM. 14250 ollen.Sportwagen 2sitzig 6775 — — — „ Tourenwagen a-5 . 7100 10750 11550 — * „ 6*7 „ — 11100 11900 von 16000 an innensieuer- Limousine a-s . 7950 12100 12900 — Puiimann-Landaulet 4-5 . 8400 — — — Cabriolet r-z, 9000 13500 14300 — 45 . 9500 14500 15300 — puiimann- Limousine 6-7 .. — 12500 13400 von 18000 an Prei.e ab Werk! MM? 6 6 6 6 Bereifung 5 fach 6 fach 6 fach 6 fach Verlangen Sie Angebot und unverbindliche Vorführung des gewünschten Modells BerMariotienburg r. saizuier r-z ferarol: Stehplatz eose-eon llemaafsiohale: Berlin, unter den Linden 50-51 Berlin, Spltteimarkt 4-7 Vertretungen ln BroB-Bemn: Rudolf caracdolatco, fi. m. b. H. Berlin, KurtDrstendamm 16 Camzow 6 Co. fl. m. b. H. Berlin, Potsdamers»1, in \r Atelier Eilte Photographische Kunst-Werkstatt Leipziger straBe 119-120 bittet um Ihre Festaufträge u. gewährt bei Bezugnahme auf dieses Inserat bis 30. September to Prozent Rabatt Fernsprnclier: Zentrum 8869 Aufnahmezeit: Wochentags 9—6 -\ &ür den ZKerbst ein neuer Sßorcherthut €. 1l7. Ittorifieri tfriedrichstraße 157 an den Xinden J Verein für Feuerbestattung in Berlin von 1874, e. V. verm. kostenlose Feuerbestattung Annahme W 35, Lfltzowstrafie 44, Telephon: Lfitzow 960-61 und Charlottenburg, Kantstr. 154 a Bcke Fasanenstrafie, Telephon: Steinplatz 1835 Jüdische ui Tallessim, Tressen, vtelsse und schwarze Käppchen, Teflllin, Klsussoth sowie für orthodoxe Synagogen Jüdische Noten Hebräische Bnchhandlun^ C. Boas Nflr. Ferlin C 2, Nene Friedrichs trasie 69. Telefon: Norden 9503 Beginn der Vorlesungen: 1. November Aufnahmeprüfung: 31. Oktober Vorlesungsverzeichnis durch das Sekretariat. (Fraenkel’sche Stiftung) Seminar Malerarbeiten jeder Art Kostenanschläge gratis Robert use.saaaeaciwntr.7 :lkzm S2N sucht per sofort gewandten VERKÄUFER der bereits in der Branche mit Erfolg tätig gewesen ist. I Zeugnisse u. Referenzangaben mit Gehaltsansprüchen unter Chiffre 318 a. d. Geschäftsstelle d. Ztg. deutsche Fatum 32 391589^705

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.